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Full text of "Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung"

THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRARY 



ANNALEN DES VEREINS 



FÜR 



-23 



NAS8AÜI8CHE ALTERTUMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNG. 



DREIUNDDREISSIGSTER BAIS^D. 



1902 UND 1908. 




WIESBADEN. 

KOMMISSIONSVERLAG VON RUD. BECHTOLD & COMP. 

1903—1904. 



DKL'CK VON RUD. BECHTOLD & COMP., WIESBADEN 

BUCHDRÜCKEREI & LITHOGR. ANSTAI/f. 



Inhalts -Verzeichnis. 



A n n a 1 e n . seite 

I. Vorrömische Dörfer in Braubach und Lahnstein. Mit 4 Tafeln (I— IV) 

und 6 Textabbildungen. Von K. ISodewig 1 — 34 

IL Niederlassung aus der Hallstattzeit bei Neuhäusel ina Westerwald 

(Kfichtra,;;'). Mit 1 Tafel (V). Von W. Soldan . . . . 35 — 41 

III. Beiträge zur Schulgeschichte der Herrschaft Eppstein. Von W. Diehl 42 — Gl 

IV. Nassauische Studenten auf Universitäten des Mittelalters. 2. Al)- 
teilung. A'ou F. Otto 62—98 

V. Die Burg der Erzbischöfe von Mainz zu Eltville. Mit ."> Tafein 

(VI— X) und 16 Textabbildungen. Von P. Eich holz 99 — 146 

VI. Die Verlegung der Pfarrei Feldbach nach Dillenburg und die Ein- 
weihung der dortigen Stadtkirche. Von M. von Do marus . . . . 147 — 161 

VII. Zum Andenken an Friedrich Otto. Mit einem Porträt. Von L. Oon rudy 162 — 188 

VIII. Das Wappen der Stadt Wiesbaden, Von P. Wagner 189—209 

IX. Beiträge zur Geschichte der Eisenindustrie in Nassau. Von L. P)eck 210—296 

X. Der grosse Brand der Stadt Herborn i. J. 1626 und die Kollekten 

für die Abgebrannten. Von AI. v. Do marus 297—364 

XI. Die Umändei-ung des Ortsnamens Humbach in Mons Thabor. Von 

J. P. Schmitz (Montabaur) 36.5—372 

XII. Nassauische Hausmarken. Von L. Conradv 373 — 380 



Mitteilungen 1902/03. 

Spalte 
Vereinsnachrichten vpn G. Zedier 1 — 3, 33—35, 65—67, 97—101 

Vorträge 1901/1902 und 1902/1903: 

Der Xotstand des Westerwaldes im 19. Jahrhundert von E. Heyn 3—5 

Der in der Landesbibliothek zu Wiesbaden gef. Gutenbergdruck von G-. Zedier 5 — 6 

Die altgriechische Landwirtschaft von B. Heil 6 — 9 

Die Hei'boruer Bibeln von H. Schlosser 9 — 12 

Die Burg der Erzbischöfe von Mainz zu Eltville von P. Eich holz . . . . 12 

Die Hünenbiu-g bei Rinteln a. d. W. von K. Plath 101 — 102 

Verwaltungsbericht des Altertums-Museums von E. Hitterling 14—19, 35—41, 67— 71 , 102 — 110 

Funde, mitgeteilt von E. Ritterling: Aulhausen Sp. 113, Bierstadt Sp. 48, 112 f., 
Bilkheim Sp. 48 — .")(), Braubach Sp. 50 (mitgeteilt von R. Bodewig), Flörsheim 
Sp. 47, 111, Horchheim Sp. 50 f. (mitgeteilt von E. Bodewig), Ilorhauseu 
Sp. 114 f., Hühnerkirche Sp. 45 f., Miehlen Sp. 73 (mitgeteilt von R. Bodewig), 
Nied Sp. 52 — 55 (mitgeteilt von E. Such ier), Xiederlahnstein Sp. 51 f., Simmern 
Sp. 46 f., Singhofen Sp. 46, Vallendar Sp. 71 f. (mitgeteilt von R. Bodewig), 
Wallmerod Sp. 42—45, Wiesbaden Sp. 41 f., 110 f., 112, Winkel Sp. 48. 

Miscellen: 

Römische Münzen aus Marienfels im Altertums -Museum zu Wiesbaden von 

E.Ritterling • 20—22 

Die Kreuzfahrer aus dem Gebiete des späteren Herzogtums Nassau von F. Otto 22—25 

Zur Geschichte des Kreditwesens im Mittelalter von A. Eggers 25 — 27 

Napoleon I. und Blücher in Höchst a. M. von K. Mensch 27 — 29 

Reste der La Tene- Kultur in Wiesbaden von E. Ritterling 55—64 

Ein Ziusregister der Mauritiuskirche zu Wiesbaden von F. Otto 74—83 



lY 

Spalte 

Oranier und Oranien von K. Kolb 83—87 

Die verloren geglauVjte Schleuse im Kloster Eberbach von P. Eichholz . . 87—88 

AYallburg Heunstein bei Dillenburg von H. Behlen 115—119 

Feuerlöschwesen im alten Höchst von E. Such i er 119 — 12-1 

Chronik : 

Altertums- und Geschichtsverein zu Herborn, Bericht von J. H. H oftmann . . 29 — 32 

Verein für Geschichte und Altertumskunde zu Höchst, Bericht von E. Suchier 124—127 
Bücheranzeigen : 

Düssell, Rechtskarte des Oborlandesgerichtsbezirks Frankfurt a. 31. (von 

G. Zedier) 89 f. 

Luthmer, Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaus (von il. Hevne), 

vergl. Sp. 63/(34 \ . 127 — 129 

Verzeichnis der Tauschvereine 90—96 

Verzeichnis der 3Iitglieder 135 — 144 

Xassauische Geschichtslitteratur des Jahres 1902, zusammengestellt von G. Zedier 130—136 



Mitteilungen 1903/04. 



Vereinsnachrichten von G. Zedier 1—3, 33—34, 73—75, 113—115 

Vorträge 1902/1903: 

Gallische Ansiedlungen im Koblenzer und Bopparder Stadtwalde von R. Bodewig 3—5 

Limburg zur Zeit des 30jährigen Krieges von Motzen 34—35 

Joh. Heidfelds Sphinx philosophica von Schlosser 36—37 

Ueber prähistorische AVohnplätze in Nassau und Hessen von AV. Soldan . . 75—77 

Die Königswahl Adolfs von Nassau von Heymach 77 — 78 

Verwaltuugsbericht des Altertums-Museums von E. Ritterling 5—9, 37—42,79—87,115—120 
Funde, mitgeteilt von E. Ritterling: Alpenrod 6, Braubach (mitgeteilt von R. 
Bodewig) 10, Hillscheid (von demselben) 122, Höchst, Münzfund (mitgeteilt von 
E. Suchierj 42, Hofheim 6, 81, 115, 117, Münzfund (mitgeteilt v. E. Suchier) 
123, Horchheim (mitgeteilt von 11. Bodewig) 120, Kalteiche 82, Langenaubach 
Diluvialer Renntierfund (mitgeteilt von H. Behlen) 87, Nied Münzfund (mitg. 
von E. Suchier) 11, Oberlahnstein (mitgeteilt von R. Bodewig) 11, Simmern 
(von demselben) 10, Singhofen 82, Urbar (mitg. v. R. Bodewig) 10, Vallendar 
(von demselben) 9, "Wiesbaden Adlerstr. 7, Adlerterrain 5, 8, 40, 41, 79, 119, 
Goldgasse 8, Heidenmauer 7 u. 116, Hellmundstr. 41, Kranzplatz 5, 37, 79, 82, 
Lahnstrasse 81, Langgasse 40, Sandgrube Dormann 81, 117, Sandgrube Neu- 
mann 39, ArValdstrasse 39, 79, 116, AVinkel 7. 

Miszellen : 

Ueber neue Entdeckungen in Nassau und Hessen von Resten ausgedehnten prä- 
historischen Acker- und Wohnbaues und dessen Zusammenhang mit den 

"Wallburgen und der alten Eisenindustrie von H. Behlen 12 — 31 

Vorrömische Funde in und bei "Wiesbaden von E. Ritterling ... . . 43 — 51 
Ueber die Ansprüche eines Hartmud von Cronberg an das Erbe dor Brüder 

Heinrich und Philipp von Isenburg von J. A. Hillebrand 51 — 65 

Feuerlöschwesen im alten Höchst von E. Suchier 63 — 67 

Nachträgliches über Johann Tobias AVeller von E. Schaus . 67—69 

Juppitertcmpel in AViesbaden von E. Ritterling 69 — 70 

Alte Ackerterrassen in den Waldungen bei "Wiesbaden von H. Behlen . . . 89 — 90 
Ueber Handschriften zur nassauischen Geschichte in der Stadtbibliothek zu Trier 

von E. Schaus 90—94 

Eine Geschiclite des Rheingaus von P. "Wagner .... 94 — 108 

Kurze Nachrichten über die prähistorischen Altertümer des mittleren u. oberen 

Dilltales von H. Behlen . .,- 108—112 

Die "Wallburg Heunstein bei Dillenburg von H. Behlen 123 — 131 

Die Herkunft des Mainzer Erzbischofs Ruthard von P. Wagner 132 — 136. 

Chisselberga in archiepiscopatu Trevirensi von S. AVidmann 136 — 137 

Chronik : 

Altertums- und Geschichtsverein zu Herborn, Bericht von J. A. Hoffmann . 31 — 32 

Historischer Verein zu Dillenburg, Bericht von C. Dönges 70 — 72 

Verein für Geschichte und Altertumskunde zu Höchst, Bericht von E. Suchier 137 — 138 

Nassauische Geschichtsliteratur des Jahres 1903, zusammengestellt von G. Zedier 139 — 144 



ANNALEN DES VEIIEINS 



FÜR 



NAS8AÜISCHE ALTERTUMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNG. 



DREIUNDDREISSIGSTER BAND. 

ERSTES HEFT. 

1903. 



Mit 22 Textabcilüusgex, 10 LiniuGKArjuEUTEN Taeeln und 1 i'ouTKÄT. 



WIESBADEN. 

KOMMISSIONSVERLAG VON RUD. BECUTOLÜ & COMl', 

v.m. 



DRUCK VON RUD. BEGIITOLD & COMP., WIESBADEN, 
BUCIinnUCKEBEI i LITIIOGR. ANSTAI/J'. 



Inhalts-Verzeichnis 

des ersten Heftes. 



Seite 

I. Vorrömische Dörfer in Braubach und Lahnstein. Mit 4 T.ifcln (I— IV) 

und G Textabbil(luni;en. Von K. Bodewig 1 — 34 

II. Niederlassung aus der Hallstattzeit bei Neuhäusel im Westerwald 

(Nachtrag). Mit 1 Tafel (V). Von W. Soldan 35—41 

III. Beiträge zur Schulgeschichte der Herrschaft Eppstein. Von W. Diehl 42—61 

IV. Nassauische Studenten auf Universitäten des Mittelalters. 2. Ab- 
teilung. Von F. Otto 62—98 

V. Die Burg der Erzbischöfe von Mainz zu Eltville. Mit 5 Tafeln 

(VI— X) und 16 Textabbildungen. Von P. Eich holz 09—146 

VI. Die Verlegung der Pfarrei Feldbach nach Dillenburg und die Ein- 
weihung der dortigen Stadtkirche. Von M. von Do maius . . . . 147 — 161 

VII. Zum Andenken an Friedrich Otto Mit einem Porträt. Von L. Conrady 162—188 



Vorrömische Dörfer in Braubach und Lahnstein. 

Von 

R* Bodewig* 

Mit 4 Tafolii (I bis lY) und G Toxtablühlnntcon. 



Die früheste Nachricht von vorrömischen Funden in Braubach stammt 
aus der Zeit des Eisenbahnbaues im Jahre 1860. Sie fanden wenig Beachtung, 
und erst in den letzten 5 Jahren, als sich in Braubach eine regere Bauthätigkeit 
entfaltete, liess sich bei den jedesmaligen Ausschachtungen mancherlei beobachten, 
was über die älteste Geschichte des Ortes einiges Licht verbreiten konnte. 
Ein grosser Teil der vorliegenden Abhandlung enthält das Resultat dieser Be- 
obachtungen, bei denen ich insbesondere durch Herrn Bauunternehmer Schmidt 
auf das weitgehendste unterstützt wurde. Die Auffindung der vorrömischen 
Beste in Oberlahnstein geschah erst in jüngster Zeit, und es ist sehr wahr- 
scheinlich, dass hier in den nächsten Jahren noch eine Reihe interessanter 
Entdeckungen gemacht werden, da der Untersuchung ein grösseres Terrain zur 
Verfügung steht. Die Niederlassung in Niederlahnstein ist bis jetzt nur bei 
einem Hausbau beobachtet worden. Die Herren Ziegeleibesitzer Geil und 
Leikert stellten bereitwilligst das Terrain für die Grabung zur Verfügung. 
Bei der Arbeit erfreute ich mich der Hilfe des Herrn Professor Dr. Ritterling; 
Herr Historienmaler Franz Molitor in Oberlahnstein übernahm wieder in 
liebenswürdiger Weise die Zeichnung der Tafeln. 

I. Wohnstätten, 

Im Frühjahr 1898, als in Braubach die neue Post dem Staatsbahnhof 
gegenüber gebaut wurde, zeigte sich in der Tiefe von 1^2 m unter Terrain ein 
Mauerstück, das parallel der Gerichtsstrasse lief. Daneben fand sich eine Menge 
Scherben der La Tene-Zeit zusammen mit Tierknochen und Aschenresten, wo- 
raus sich schliessen liess, dass hier eine vorrömische Wohnstätte gefunden sei 
(Mitteil. 1898/99, Sp. 52/5:]). Im folgenden Jahre, als die Unterführung auf 
der Westseite des Bahnhofs angelegt wurde, liess sich dieselbe Beobachtung 
machen. Auch hier kamen in beträchtlicher Tiefe viele Scherben der La Tene- 
Zeit neben Knochen und Brandresten zutage. Ebenso fanden sich Bruchstücke 
von vielen verschiedenen Gefässen in einem Brunnen, der um dieselbe Zeit auf 

1 



der Ostseite des Staatsbahnhofs an dem Garten der Wirtschaft „zum Rheinthal" 
gegraben wurde. Im Sommer 1899 wurde etwa 80 m von der Marksburg ent- 
fernt, am Nordabhange derselben ein Maueranschluss gesucht, dicht neben der 

alten Linde, auf einem schmalen, in den 
Bergabhang eingeschnittenen Plateau. Hier- 
bei zeigten sich in der ausgeworfenen Erde 
Reste von frühen Gefässen, und es wurde 
nun auf Veranlassung des Herrn Bürger- 
meisters Schulte und des gerade in Brau- 
bach anwesenden Herrn Ministerialrat Sol- 
dan der Platz genauer untersucht. In der 
Tiefe erschienen bald mehrere Pfosteulöcher 
und der Boden einer Hütte mit der Herd- 
stelle und sehr vielen vorrömischen Ge- 
fässscherben. An einem etwas höher ge- 
legenen Punkte wurde dann noch ein Ein- 
schnitt gemacht, und auch hier kam bald 
eine Feuerstelle mit vielen Scherben zum 
Vorschein. In der Folge zeigten sich in 
allen Gruben, die zum Setzen von Bäumen 
längs des Abhanges gegraben wurden, reich- 
lich vorrömische Scherben. Auch da, wo 
Wege in den Abhang eingeschnitten sind, 
lassen sich mit leichter Mühe am Rande 
derselben frühzeitige Gefässreste finden. Es 
ist daher anzunehmen, dass überall an den 
zugänglichen Stelleu des Marksburghügels 
etagenförmig übereinander gebaute Hütten 
sich finden. Im Sommer 1901 wurde der 
Bau des Bahnhofs der Nassauischen Klein- 
bahn zwischen der Staatsbahn und dem 
Rheine begonnen. In den Fundameut- 
srruben erschienen wieder überall vorrümi- 
sehe Scherben, ebenso in einem neben dem 
Bahnhofe angelegten Brunnenschachte. Der 
Befund wies unzweifelhaft darauf hin, dass 
wir auch hier uns im ehemaligen La Tcne- 
Dorfe befanden. Da das ganze Terrain 
von der Kleinbahn überschüttet wurde, 
so war es wünschenswert, eine Unter- 
suchung dort vorzunehmen, bevor das 
Gebiet für immer einer solchen verschlossen war, Sie geschah mit den 
Mitteln des Museums in Wiesbaden und mit finanzieller Unterstützung des 
Herrn Rentners Pfennings in Oberlahustein. Leider konnte sie nur in ge- 
ringem Umfange stattfinden, weil immer nur beschränkte Plätze zur Ver- 




Fig. 1. 



fügiing standen, da in dem Terrain, wo später Geleiso gelegt werden sollten, nicht 
gegraben werden durfte ; erschwerend war auch die grosse Tiefe der vorromischen 
Schicht. So mussten wir uns damit begnügen, an verschiedenen Stelleu Gruben 
anzulegen, um vielleicht über die Ausdehnung des Dorfes nach Norden hin 
Aufschluss zu erhalten. Die Grabung zeigte überall das gleiche Bild. In der 
Tiefe von 1,30—2 m beginnt die alte Kulturschicht, die bis zu 1 m stark ist 
und sich von dem darüber gelagerten Boden durch ihre dunkle Färbung unter- 
scheidet. Sie ist mit vereinzelten vorrömischen Scherben durchsetzt und findet 
ihren Abschluss in einer über dem gewachsenen Sandboden aufgetrageneu fest- 
gestampften Lehmschicht, dem Boden der ehemaligen Hütten, der vollständio- 
bedeckt ist mit Scherben, Holzkohlen, Steinen, Bruchstücken von Lava-Mahlsteinen 
und hart gebrannten Stücken von Lehmwänden. Der am weitesten südlich 
vorgenommene Einschnitt konnte etwas breiter angelegt werden. Die schwarze 
Schicht begann schon bei 1,50 m Tiefe, bei 2 m erschien der Hüttenboden auf 
der Westseite des Einschnittes, während nach Osten an diesen sich eine Grube 
anscliloss. Sie war herzförmig, 3 m lang, in der Mitte 1,80, an den beiden 
Enden 2,50 m breit; die tiefste Stelle lag 3,20 m unter Terrain. In ihr fandeu 
sich schwere Schiefer und Wacken, Tiergebisse, viele Scherben, Hüttenlehm, 
ein Stück eines Mahlsteines von lang gestreckter Form, eine halbe Thonpyramide 
mit Loch etc. In einem anderen Einschnitte zeigte sich die dunkle Schicht 
erst in einer Tiefe von 2,20 m unter Terrain, bei 3,10 m erschien der Hütteu- 
boden mit vielen Scherben. Dieser wurde durchbrochen, und unter demselben 
trat eine zweite schwarze Schicht hervor, die über einem Lehmboden lagerte, 
der 4,15 m tief unter Terrain lag. Es war hier also nach Aufgabe der ersten 
Wohnstätte über derselben der Boden gleich gemacht und eine neue gebaut 
worden. Dasselbe war der Fall in dem nördlichsten Einschnitt, wo bereits bei 
1,20 m Tiefe der glatte Lehmboden der Hütte sich zeigte. Unter dieser 20 cm 
starken Bodendecke lag eine Schicht von Kulturresten aller Art, insbesondere 
auch Hüttenlehm und viele Scherben. Der nördlichste und südlichste Einschnitt 
waren 200 m voneinander entfernt. Die Erwartung, nach Norden hin einen 
Abschluss des besiedelten Terrains zu finden, hat sich nicht erfüllt; es ist ge- 
wiss, dass auf Lahnstein zu noch eiue Reihe Bauten gestanden haben muss. 
Dagegen lässt sich aus den Grabungen mit Sicherheit erkennen, dass auf dem 
untersuchten Gebiet sich Hütte an Hütte reihte, denn in keinem Einschnitte 
fehlten die Stücke der verbrannten Wände. 

Im November 1901 wurden auch im Oberdorfe, an der oberen Markt- 
strasse, dicht am Westfusse des Marksburghügcls, beim Graben eines Kanals 
die La Tene-Schicht und in ihr Scherben gefunden. Ebenfalls aus dem Süd- 
teile Braubachs sind bereits 1860 beim Bahnbau 2 Mahlsteine in das Wies- 
badener Museum gekommen (Ann. HI, 214). Endlich erschien im äussersten 
Osten Braubachs auf der Nordseite der Emserstrasse, gegenüber der Blei- und 
Silberhütte in der Palm'schen Sandgrube das Profil einer Wohnstätte. Sie liegt 
an dem Fusse des Bergabhanges und ist ein Meter tief in eiue über Lehm 
lagernde Sandschicht eingeschnitten. Der Durchschnitt zeigt eine oben 4 m 
breite flache Mulde, die stark mit Scherben, Lehmbrocken, Holzkohlen und 

1* 



Knochen angefüllt ist. So erstrecken sich die Spuren der vorrömischen Wohn- 
plätze von der Höhe der Marksburg herab bis dicht an den Rhein und nach 
Norden hin weit in die Braubacher Gemarkung hinein. 

Die inbezug auf den Bau der Hütten unzulänglichen Beobachtungen 
konnten ergänzt werden durch die Auffindung eines Dorfes derselben Zeit auf 
Oberlahnsteiner Gebiet. In Oberlahnstein wurden schon früher bei der Anlage 
des sogenannten neuen (nördlichen) Hafens La Tene-Scherben in einem Damme 
gefunden, der sich zwischen dem Rheine und dem neuen Hafen hinzieht. Er 
ist seiner Zeit von der Erde errichtet worden, die sich bei der Ausschachtung 
des alten (südlichen) Hafens ergab. Bei der Hafenerweiterung, durch die der 
neue (nördliche) Teil geschaffen wurde, musste ein kleines Stück des Dammes 
weggenommen werden, wobei sich die Scherben fanden. Sie entstammen demnach 
dem alten (südlichen) Hafenteile, und durch Nachfragen bei den damals am Bau 
beschäftigten Arbeitern Hess sich noch in Erfahrung bringen, dass eine Anzahl 
Gräber unbeachtet zerstört worden ist, die nach den Scherben der La Tene-Zeit 
angehört haben. In einigen Einschnitten, die 150 m östlich des Hafens, auf 
der Südseite des zur Hafenmühle führenden Weges gemacht wurden, fanden 
sich zwar keine Hüttenreste, aber soviel vorrömische Scherben, dass das zu 
den Gräbern gehörige Dorf nicht weit entfernt liegen kann. 

Im Anfange dieses Jahres zeigte sich eine andere Ansiedelung der La Tene-Zeit 
etwa halbwegs zwischen Oberlahnstein und Braubach. Sie hat mit den Gräbern im 
Hafengebiete nichts zu thun, denn es ist zweifellos eine grössere Strecke zwischen 
den beiden Fundplätzen von vorrömischen Scherben frei. Die Siedelung trat 
zutage in den Ziegeleien der Herreu Geil und Leikert, wo in den Böschungen 
die Profile von Gruben mit Hüttenlehm und Scherben erschienen. Sie wurden 
nun längere Zeit während des Lehmgrabens in den ersten Monaten des Jahres 
beobachtet, und es stellte sich heraus, dass das durchgrabene Terrain in der 
Geil'schen Ziegelei Hütte an Hütte in dichter Folge barg. Sie reichen west- 
lich bis dicht an den Rand der Böschung, die sich nach deua. Rheinbette hin 
senkt und jetzt ein schmales Wiesengelände bietet. Ostlich reichen sie bis in 
die Nähe der Landstrasse. Über dieselbe hinaus wurden keine Hütten, nur 
vereinzelte Scherben gefunden. An dieser Stelle beträgt so die Breite des 
Hüttenterrains etwa 150 m. Von Norden nach Süden konnten in der Entfernung 
von 300 m Hütten festgestellt werden. Nach Norden zu liegen Hütten auf 
dem Gebiete der Gerbsäurefabrik, nach Süden fand sich eine solche in der 
Südwand der Leikert'schen Ziegelei. Sicherlich aber dehnte sich das Dorf 
nach Norden sowohl wie nach Süden noch bedeutend weiter aus. Von diesen Hütten 
wurden mehrere mit Mitteln des Wiesbadener Museums untersucht. Die zuerst 
in Angriff genommene Wohustätte (I) liegt 1,75 m unter Terrain und ist 40 bis 
50 cm tief in den gewachsenen Lehm eingeschnitten. Sie ist viereckig, von 
Westen nach Osten 3,45 m lang, von Norden nach Süden 2,67 m breit. In 
der Längsrichtung geht mitten durch dieselbe eine Reihe von Pfostenlöchern, 
sämtlich kreisrund mit einem Durchmesser vou 20 — 30 cm. Nur das westlichste 
Loch ist 80 cm tief in den Boden der Hütte eingeschnitten und etwas schräg 
nach Osten zu geneigt, während alle andern nur noch 10— 20 cm tief unter den 



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( = licim Lcliingrabcn gofumleiie HTittcu und Keller. 



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Hüttenboden gehen. Zunächst folgen auf dieses zwei Löcher nebeneinander, 
beide mit einem Durchmesser von 20 cm. Hier müssen statt des einen Pfostens 
zwei schwächere gestanden haben. Denselben Durchmesser haben die beiden 
weiteren in der 
Reihe liegenden 
Löcher. Ausser 
diesen fand sich 
noch ein etwas brei- 
teres , auch nur 
wenig eingeschnit- 
tenes Loch nach der 
Nordwestecke zu 

ausserhalb der 
Reihe. Die Rich- 
tung der Löcher 
zeigt, dass die Hütte 
ein schräg nach 
Norden und Süden 
abfallendes Dach 
trug. Die Balken 
der Seitenwände 
müssen unmittelbar 
aufder hartenLehm- 
wand geruht haben, 



Unaufgedecktes Terrain 



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Ldkert 



Wicsen-Boschung. 

Fig. 2. 
Gruben auf der Ziegelei Geil, Oherlalmstein. 



denn Löcher finden sich hier nicht. Auf der Südostecke der Hütte führt ein 
75 cm breiter und 20 cm hoher Steg in einen unregelmässig viereckigen Raum, 
dessen Seiten 1,70 und 1,95 m lang sind. Er hat keine Pfostenlöcher. Der 
Boden beider Räume liegt in gleicher Höhe. In dem grossen Räume lagen 
Scherben, Knochen^ Muscheln, ein Eisenmesser, ein Nagel, ein Bronzeknopf, ein 
Stück einer Fibelnadel und ein Spinnwirtel. In dem Nebenraum waren die 
Scherben zahlreicher, daneben fanden sich viele Knochen, Muscheln, Kohle, 
Asche, Beschlagstückchen aus Eisen und eine Brouzefibel mit Schlangenkopf 
der Früh-La Teue-Zeit. Nach dem Auftreten der Asche und der vielen Kohlen 
zu schliossen scheint der kleinere Raum als Küche, der grössere als Wohn- und 
Schlafstätte gedient zu haben. 

Nach Norden zu schliesst sich an den grösseren Raum eine andere Hütte (II), 
die nur durch eine 1 m starke Lehm wand von derselben geschieden ist. Sie 
stimmt in der Grösse mit der früheren ziemlich überein, ist aber unregel- 
mässiger gebaut. Der Eingang war auf der Westseite; hier ist die Hütte 
bedeutend schmaler als auf der gegenüber liegenden Seite, sodass es den An- 
schein gewinnt, als sei hier ein kleiner Vorraum gewesen. Die Pfostenlöcher 
liegen wieder von Westen nach Osten in der Längsrichtung der Hütte. Eins 
ist hart an der Westwand und 24 cm tief. Auf dem Boden hat es 22 cm 
Durchmesser und eine Schieferplatte, auf der der Pfosten ruhte; oben ist es 
27 cm breit. Nahe der Ostwand liegen zwei Pfostenlöcher neben einander, von 



denen das eine 26 cm, das andere 32 cm tief und mit einer Bodenplatte ver- 
sehen ist. Hart an der Ostwand ist noch ein wenig in den Boden einge- 
schnittenes Loch hinter den beiden anderen. Das Dach muss auch bei dieser 
Hütte schräg nach Norden und Süden abgefallen sein. Neben dem Eingange 
ist in die Nordwand ein Loch eingeschnitten, in dem wohl ein Balken der 
Seitenwand ruhte; sonst sind diese auch hier auf die Lehrawand aufgelegt 
gewesen. Eine Anzahl Steine, die 20 cm über dem Fussboden neben der 
Wand lagen, können nur von dieser herabgerutscht sein und haben wohl zur 
Festigung der Baiken gedient. Der Boden dieser Hütte liegt 25 cm höher als 
der der früheren. Die Ostwand ist in der Mitte durchbrochen und hat neben 
sich ein kleines Kellerchen, wie sie sich beim Abgraben des Lehms überall 
zeigten. Es sind Gruben, die aussehen, wie ein umgelegter Trichter; unten 
haben sie einen Durchmesser von 1,50 bis 1,80 m; nach oben laufen die Wände 
zusammen, sodass die Öffnung durchweg nur einen Durchmesser von 60—80 cm 
hat. Sie sind meist mit Hüttenlehm vollständig gefüllt, einige haben auch 
Scherben und andere Kulturreste. Im Innern der Hütte ist bei der Vernichtung 
derselben ein Schmuckkästchen zugrunde gegangen, dessen Füsse mit einer 
Bronzehülle umgeben waren. In gleichen Zwischenräumen von 12 und 15 cm 
waren hier kleine Löcher in den Boden eingedrückt, und in jedem steckte der 
Rest einer kleinen Bronzehülse. Bronzeplättchen mit Löchern, Bronzeknöpfchen 
und Ringelchen, die eben daselbst lagen, waren wohl Beschlagstücke des 
Kästchens. Auch eine Nähnadel fand sich dabei und eine nicht näher zu be- 
stimmende gallische Münze mit 9 mm Durchmesser. Vor dem Eingange der 
Hütte stehen zwei grosse Schiefer, zusammen 45 cm breit, neben einander auf- 
recht. Rings um diese lagen zahlreiche Bruchstücke von grossen Gefässen, 
sodass hier wohl die Kochstelle zu suchen ist, die ausserhalb der Hütte sich 
befand. Auffällig waren einige Bruchstücke von ungebrannten Gefässen, die in 
der Hausindustrie hergestellt, am Herde gebrannt werden sollten. 

Eine dritte Hütte (III) westlich von dieser konnte nicht völlig genau ihrem 
Umfange nach bestimmt werden, 'weil der erste Versuchsgraben ihre Ostseite 
beschädigt hatte. Sie stimmt jedoch mit den beiden andern ziemhch überein. 
Das Kcllcrchen ist hier in der Hütte ; es ist nur 35 cm tief und hat am Boden 
den gewöhnlichen Durchmesser von 1,50 m. Die Wände gehen schräg nach 
oben, sodass die obere Öffnung etwa 80 cm w^eit ist und mit einer Holzthüre 
zugedeckt werden konnte. Vor der Südostecke ausserhalb der Hütte fand sich 
eine quadratische Steinlagc von 80 cm Länge, bei der au der einen Seite 
sich noch 2 Reihen Steine übereinander befanden. Auch hier lagen mancherlei 
Scherben, die auf den Herd hinwiesen. 

Unmittelbar südlich neben dieser Herdstelle liegen zwei Kellorgruben. 
Die eine hat einen Durchmesser von 1,50, die andere von 1,10 m. Während 
die grössere 1,95 m tief ist, hat die kleinere eine Tiefe von 2,25 in. Sie ist 
auch teilweise in die grössere eingeschnitten und also wohl angelegt, als diese 
sich nicht tief genug erwies. Die zu den Kellerchen gehörige Hütte muss nach 
Süden gelegen haben, worauf Scherbenfunde hinzeigten ; sie konnte aber des 
Terrains wegen nicht untersucht werden. 



Mäuerchen. 




3,40 m- 



J 



Fig. 3. 
Gritben auf der Ziegelei Geil, Oberlahn- 
stein (in der Nähe der Strasse). 



Ostwärts von diesem Hüttengebiet wurden in der Näho der Landstrasse 
in der Geil 'sehen Ziegelei, wo ein kleineres Terrain noch nicht abgeziegelt 
ist, Gräben gezogen. Hier erschienen drei Kellergruben dicht neben einander, 
alle 1,50 m tief, 10 --15 cm in den 
gewachsenen Kies eingeschnitten und 
mit einem ungefähren Durchmesser 
von 1,50 m. Sie waren gleichfalls 
mit Hüttenlehm und Scherben ange- 
füllt. Aus einer (1) wurde ein leider 
kopfloser Yogel aus Thon genommen. 
Um die grössere Grube liegen 4 Pfos- 
tenlöcher, die ebenfalls in den Kies 
eingeschnitten, oben 30 cm weit und 
unten reichlich mit Kohlen versehen 
sind. Jedenfalls sind aber noch mehr 
Pfostenlöcher vorhanden gewesen, die 
in dem durch das "Wasser geschwärz- 
ten Boden nicht gefunden wurden. 
Offenbar haben hier mehrere Keller- 
chen in einer Hütte gelegen. So 
finden sich auch auf der Westseite 
des Ziegelfeldes zwei Kellerchen so 
dicht bei einander, dass sie nur zu einer Wohnstätte gehört haben können. Das 
Gebiet der Gruben in der Nähe der Strasse Hess sich schwer untersuchen, weil 
hier in römischer Zeit über den ehemaligen Hütten wieder gebaut worden ist. 
Es fanden sich römische Scherben und ein dünnes mit Kalkmörtel versehenes 
Mäuerchen neben der ersten Grube, das zunächst nicht weiter verfolgt 
werden konnte. 

Die bis jetzt gefundenen Wohnstätten waren kleine Hütten mit 3:4m 
langen Seiten. Sie waren sämtlich Fachwerkbauten, das zeigt das Vorhanden- 
sein von Hüttenlehm in allen Einschnitten. Am Marksburghange erschienen 
auf der Unterseite des Plateaus mehrere tiefe Pfostenlöcher, auf der etwas 
höher gelegenen Seite war der 3 m breite Raum durch ein leichtes Trocken- 
mäuerchen abgeschlossen. Sonst fanden sich keine Fundamentmauern, weder 
in Braubach, noch in Oberlahnstein. Das Mauerstück, das in Braubach unter 
der Südfront der Post liegt und bis in die La Tene- Schicht hineinreicht, ist 
wohl frühestens in der römischen Zeit gebaut. In Oberlahnstein trugen in 
der Längsrichtung der Hütten in den Boden eingelassene Pfosten das nach zwei 
Seiten abfallende Dach. Sie waren, wenigstens soweit sie in der Erde standen, 
rund, wie der Abdruck am Fussboden zeigte. Das Balkenwerk der Wände 
dagegen war viereckig zugehauen, das Hess sich an verschiedenen Lehmstücken 
ersehen. Die viereckigen Balken waren auf den gewachsenen Lehmboden auf- 
gestellt und wohl öfter mit Steinen verkeilt. Zwischen den Balken wurde ein 
Butengeflecht eingeklemmt und dieses mit Strohlehm beworfen. Die Wände 
wurden geglättet und geweisst. Von der Färbung haben sich einige geringe 



8 

Spuren erhalten. Das Dach wurde mit Binsen oder Stroh gedeckt, wie ja das 
Strohdach gallischem Brauche entspricht (Caes. De bell. gall. Y, 43). Der Boden 
war in Braubach mit aufgetragenem Lehm, der mit Sand vermischt wurde, 
hergestellt. In Oberlahnstein war der gewachsene Lehm geglättet und fest- 
gestampft, die Hütte stets bis zu 40 cm in den gewachsenen Boden eingeschnitten. 

In den Hütten am Marksburghange zeigten sich die Spuren einer Feuerungs- 
stätte, in dem Oberlahnsteiner Dorfe war dies, soweit gegraben wurde, nicht 
der Fall. Dafür lagen hier Ilerdstellen ausserhalb derselben vor dem Eingange. 
Die Herde waren mit Hilfe von Steinen hergerichtet. Neben der Hütte I scheint 
der Nebenraum die Küche enthalten zu haben. Auf diese Weise blieben die kleinen 
Wohnräume von zu starker Belästigung durch Rauch verschont ; zur Erwärmung 
derselben dienten schwere thönerne Kohlenpfannen. [Vgl. Funde, Taf. I, 48] 

Endlich gehörten zu jeder Hütte eine oder mehrere gedeckte Kellergruben, 
die teils im Wohnraum selbst, teils neben demselben sich befanden. 

2. Gräber. 

Die erwähnten frühesten vorrömischen Funde stammen aus Gräbern. 
Als 1860 die rechtsrheinische Eisenbahn gebaut wurde, durchschnitt man 700 m 
unterhalb des Ortes ein Grabfeld, aus dem einige Gegenstände in das Wiesbadener 
Museum gelangten, während die meisten weggeworfen wurden oder in die Erde 
des Bahndammes kamen. Unter den ersteren befinden sich drei geknöpfelte 
Fussringc. Die Bahn hat an dieser Stelle den Fuss des Bergabhanges auf 
einer Strecke von 60 ra gerade über der Ebene des Rheinthaies durchschnitten, 
die Gräber waren also in jenen hineingelegt. Das Grabfeld erstreckt sich aber 
noch bedeutend weiter auf Lahnstein zu. Im Frühjahr 1900 liess Herr Gärtner 
Wiegel 100 m nördlich der eben genannten Stelle einen Weinberg von etwa 
20 Ruten umgraben. Das Terrain desselben ist abschüssig und steigt bis zu 
einer schroff abfallenden Felswand im Bergabhange. An verschiedenen Stellen 
fanden sich die Reste von zum Teil durch den Weinbau zerstörten Stcinkisten- 
gräberu aus dem hier brechenden Schiefer. Fast alle wiesen auf Leichen- 
bcstattuug, eins zeigte Leichenbrand. Dabei fanden sich eine Reihe von 
Scherben, die teils grossen, rohen Gefässcn angehörten, teils von glatten und 
verzierten Flaschen und Näpfen herrührten. Nur ein kleiner Napf (Taf. I, 25) 
ist ziemlich erhalten. Dagegen kamen mehrere unversehrte Armringe aus 
Bronze (Taf. II, 2, 17, 23) und ein Ohrring oder Fingerring aus Bronzedraht 
zum Vorschein. Ebenso wurden zwei Schwertscheidenringe aus Eisen und ein 
grösserer Eisenring (Taf. III, 7) gefunden, der wohl von dem Wehrgehäuge 
herrührt. Noch eine grössere Strecke weiter nördhch, in dem Winkel zwischen 
der Lahnsteiner Landstrassc und dem Wege zum Daudensticl, 40 m nordöstlich 
vom Strassenstein 1,3 wurde im Oktober 1901 der Keller zum Hause dos Herrn 
Gras ausgeschachtet. Hier fand sich 1,20 m unter Terrain ein Skclcttgrab, das 
bereits zerstört war. Die Schiefer der Steinkiste standen nur noch teilweise 
aufrecht, das Skelett war grösstenteils vorhanden. Neben dem Grabe lagen 
Stückchen von mehreren dickwandigen Gelassen und zwei grössere Stücke von 



9 

einer Flasche mit schlankem Halse. Drei Meter nördlich von diesem Grabe 
erschien ein zweites Die Schiefer der Steinkiste standen an den Seiten un- 
versehrt, das Kopfstück war nach innen gedrückt, die Decksteine abgerutscht. 
Auch dieses Grab befand sich 1,20 m unter der jetzigen Oberfläche. Der Kopf 
der Leiche lag nach Nordwesten, die Füsse nach Südosten. An der Stelle des Halses 
fand sich der Halsring (Taf. IV, 1) und unter ihm eine Fibel (ebd. 9), die ein Ge- 
wand am Halse geschlossen haben musste. In der Mitte des Grabes lagen 4 Armringe 
(2 — 5) aufeinander und daneben eine Gürtelschnalle (11). Am Fussende erschienen 
zwei geknöpfelte Fussringe (6, 7). Neben der Grabkistc, ziemlich in der Mitte 
derselben, wurde noch ein kleiner Ring (10) gefunden, der wohl zur Schnalle gehört. 
Gefüsse waren bei diesem Grabe nicht. In der Richtung auf Braubach zu 
kamen an der Lahnsteiuer Strasse, als Herr Zimmermeister Thum (Mitteil. 1901 02, 
Sp. 44) ein Haus baute, ebenfalls verdorbene Steinkistengräber zum Vorschein. 
Ziemlich erhalten waren zwei Gefässe, ein Napf und eine Flasche (I, 1, 21), 
die in Mainz wieder hergestellt wurden (Mitteil. 1902/03, Sp. 15, 16). Auf 
der Nordseite dieses Hauses, das jetzt an einen anderen Besitzer übergegangen 
ist, baute Herr Thum ein neues. Bei der Ausschachtung zeigte sich 5 m 
östlich der Landstrasse und 3 m nördlich des früher Thum 'sehen Hauses ein 
Steinkistengrab, von dem die Decksteine abgerutscht waren. In demselben 
fanden sich nur wenige, aber grössere Knochenstücke, wie sie bei der Ver- 
brennung der Leiche nicht übrig zu bleiben pflegen. Das Skelett war wohl 
bereits verdorben. Bei demselben lagen die Schalen (Taf. I, 23, 24) in einander, 
von denen die eine reich verziert ist; auf denselben stand nach Angabe der 
Finder die kleine Flasche (I, 3) und daneben waren die Scherben einer zerdrückten 
grossen Flasche (I, 2). Dabei lag noch ein 53 cm langes, breites Eisenmesser 
mit eigenartigem Bronzegriflf (TU, 5) und der verzierte Bronzestift (III, 15). 
3 m nördlich von diesem Grabe erschien ein zweites, das ebenfalls mit Steinen 
umstellt war, aber nur zum Teil in den ausgeschachteten Raum fiel. Aus 
demselben wurde ein eisernes Schwert mit zwei Scheideuringen und eine Lanze 
gehoben, von der beim Herausnehmen die Spitze abgebrochen wurde (Taf. III, 
1, 2, 3, 6). Auch hier müssen nach der Lage des Schwertes der Kopf nach 
Nordwesten, die Füsse nach Südosten gelegen haben. ^) Die Gräber fanden 
sich 1,20 — 1,30 m unter Terrain, doch lagen vorrömische und ein römischer 
Scherben bereits in geringer Tiefe im Boden zerstreut, die wohl von jüngeren, 
zerstörten Gräbern herrühren. Beim Bau der Turnhalle wurden früher in einem 
Grabe zwei massive goldene Armringe gefunden. Sie waren beide geschlossen 
und un verziert, von ungleicher Grösse. Der Besitzer des Terrains, Herr Gast- 
wirt Christian Thum, hat sie an sich genommen und behalten. Als er plötzlich 
starb, konnte über den Verbleib der Ringe uichts mehr in Erfahrung gebracht 
werden. Auch beim Umgraben des Gartens der benachbarten Bahnmeisterei 
kamen Gefässe zum Vorschein, die aber nicht beachtet wurden. Endlich er- 
schien ein La Tene-Grab neben dem Hause des verstorbenen Apothekers Schmidt 



*) Herr Thum übovliess den stark bescluidigton Grabfund freundlichst dorn Laiides- 
museum ; er wurde in Mainz wieder hergestellt. 



10 

an der Lahnsteiner Strasse, von dem später noch die Rede sein wird, ebenso 
wie von Gräbern, die beim Bau des Charlottenstifts sich zeigten; aus ihnen 
stammt ein roher Leuchter aus Thon, jetzt im Besitze des Barons Goudin in 
Wiesbaden. Ein gleiches Exemplar ist im Bonner Museum. Bis jetzt erstrecken 
sich die Gräber an der Lahnsteiner Strasse etwa 1,2 km weit in ziemlich un- 
unterbrochener Folge; wahrscheinlich aber gehen sie noch beträchtlich weiter 
auf Lahnstein zu. 

Ein zweites Grabfeld der La Tene-Zeit liegt am Kerkertswege, der vom 
Rheine aus zwischen Rathaus und Amtsgericht an der neuen Kirche und dem 
Emser Bergwerke vorbei zur Höhe führt. Wie weit es sich nach dieser er- 
streckt, ist nicht zu sagen, weil inzwischen die hohe Schutthalde des Bergwerks 
sich über dasselbe gelagert hat. Gräber befinden sich zu beiden Seiten des 
jetzigen Weges, die meisten auf der Nordseite, wo der Bergabhang langsamer 
ansteigt. In diesen sind sie auf einer 40 — 50 m breiten Zone hineingelegt. 
Nach der Lahnsteiner Strasse zu sind sie bereits im Mittelalter vernichtet worden 
durch die Anlage der Rhynburg, die im 15. Jahrhundert bei den Kämpfen der 
Bischöfe Diether von Isenburg und Adolf von Nassau zu Grunde ging. Beim 
Bau des Kugelmeier 'sehen Hauses dicht neben dem Platze der Rhynburg wurden 
Gräber gefunden, die zunächst unbeachtet blieben ; aus ihnen stammt eine grosse 
gelbe Flasche (I, 5) und ein Eisenmesser (III, 8). Im Hofe desselben Hauses 
stand neben einem Steinkistengrabe, das sich nicht untersuchen liess, eine 
Flasche, eine Schale und eine Schüssel (I, 4, 22, 15), daneben lagen ein Eisen- 
messer (III, 9), zwei geknöpfelte Fussringe und ein kleinerer trefflich gearbeiteter 
Armring aus Bronze (II, 8). Bei einigen Schnitten, die vor der Übersehüttung 
durch die Schlackenhalde in das Terrain gemacht wurden, zeigten sich Spuren 
zerstörter Gräber und mehrere Skelette, die mit einigen Scherben auf den ge- 
wachsenen Sand gebettet waren, ohne die schützende Steinkiste; von einem 
Holzsarge, in dem die Leiche wohl gelegen hat, wurden keine Spuren beob- 
achtet. Der Kopf der Skelette lag hier nach Westen, die Füsse nach Osten. 
Am Wege fanden sich die Gräber 1,50 m unter der Oberfläche, höher am Ab- 
hänge liegen sie in geringerer Tiefe. In dem oberen Boden kamen auch einige 
römische Scherben und eine römische Thonfigur zutage, die vielleicht von 
späteren, zerstörten Gräbern herrühren, da hier der Boden durch die Anlage 
von Weinbergen stark durchwühlt ist. 

Ein drittes Grabfeld liegt auf der Nordseite des Mühl- oder Braubachs 
neben der Emserstrasse. Auch hier dehnen sich die Gräber tief in den Abhang 
hinein ; nach der Strasse zu sind sie mehrere Meter hoch von abgeschwemmtem 
Buden überdeckt. Von diesem Grabgebiete stammen die meisten gefundenen 
Gegenstände. Sie kamen fast sämtlich beim Bau der Wirtschaft zur Traube, 
einige auch in den Nacihbarhäuscrn zum Vorschein. Es sind etwa 20 erhaltene 
Gefässe, Eisengeräte, Fibeln, Eisenringe, Glasperlen, die Reste eines Schwertes etc. 
In der Nähe, neben dem Hause des Schreinermeisters Baus (Mitteil. 1901/02, 
Sp. 44) war ein vorrömisches Grab durch die Anlegung eiu(>s fränkischen zer- 
stört worden. Hier herrscht zum Unterschiede von den beiden anderen Grab- 
feldern Leichenbrand vor. Nach Aussage der bei der Auffindung beteiligten 



11 

Personen waren die Gefiissc mit den Aschenresten und Beigaben von kleinen 
Steinkisten umgeben. 

Beim Bau des Hauses Nr. 13 (früher Göbel) in der Emserstrasse kamen 
zerstörte Gräber und viele Scherben zutage, die zum grössten Teile einen 
anderen Charakter tragen, als die in den beiden andern Grabfeldern gefundenen 
und die, wie auch die Art der Bestattung zeigt, einer jüngeren Periode ange- 
hören. Doch haben auch, vielleicht vereinzelt, Gräber der älteren La Tene-Zeit 
an der Emserstrasse gelegen. 

Weiter aufwärts wurde bei einem Erweiterungsbau der Braubacher Hütte 
am Fusse des Pankerter Kopfes ein Grab gefunden; aus demselben befindet 
sich ein Bronzering in den Händen des damaligen Hüttenbesitzers Goldschmidt 
in Frankfurt. Auch auf der Südseite von Braubach müssen längs des Rheines 
La Tone-Gräber gewesen sein, denn mit den genannten Mahlsteinen kamen 
beim Bahnbau auch 3 Armringe von dort in das Wiesbadener Museum. 

Nach dem bereits Gesagten treffen wir in den beiden ersten Grabfeldern 
vorzugsweise Skelettgräber^ in dem dritten meist Leichenbrand, 

Die Lage der Leichen ist nicht stets nach derselben Himmelsrichtung 
orientiert. 

Die Gräber sind nicht gleich weit von einander entfernt und finden sich 
noch hoch am Abhänge der Hügel, weil das Terrain ausgenutzt werden musste 
und das für den Hütten- und Ackerbau geeignete Gebiet nicht zu sehr ein- 
geschränkt werden konnte. Es sind durchweg Flachgräber, von Hügeln findet 
sich keine Spur, auch würden dieselben an den Abhängen schwerlich errichtet 
worden sein, denn mehrere starke Regengüsse hätten sie sicher ins Thal hinab 
geschwemmt. 

In Oberlahnstein haben Gräber des Dorfes an der Lahnmündung längs 
des Rheines im Hafengebiet gelegen. Sie haben wohl eine breite Strecke ein- 
genommen, denn in den Frankengräbern am Lokomotivschuppen fanden sich 
La Tene-Sch erben, die wohl nur von zerstörten Gräbern herrühren konnten. 
Das Grabfeld, das zu dem Dorfe in den Ziegeleien an der Braubacher Land- 
strasse gehört, ist noch nicht gefunden. Es muss ostwärts vom Dorfe nach der 
Höhe zu liegen. Vielleicht ist eine Notiz, nach der in der Nähe der Wenzels- 
kapelle Skelette gefunden sein sollen, mit ihnen in Verbindung zu bringen. 

3. Wege. 

Der Zug der Gräber weist uns auf die Verkehrswege der Dörfer hin, denn die 
alten Völker errichteten an diesen die Ruhestätten der Toten, damit sie an dem 
Thuu und Treiben der Lebenden teilnehmen könnten. Die lange Reihe der 
von Braubach aus nach Norden ziehenden Gräber zeigt uns, dass der Ver- 
bindungsweg zwischen den vorrömischen Orten Braubach und Oberlahnstein 
östlich der heutigen Strasse am Fusse des Gebirges vorüber ging, Seuie 
Richtung bezeichnet ein die Weinberge abschliessender breiter Feldweg. Noch 
am Fusse des Koppenstein wurde neben diesem Wege beim Umgraben des 
Weinberges ein Bodenstück einer grossen römischen Reibeschale und ein kleines 



12 

Hufeisen gefunden. Das letztere, sowie eine starke Wackenlage, die sich in 
1 m Tiefe fand, weisen wohl auf die Benutzung und Ausbesserung des Weges 
im Mittelalter hin. Auf einer Zeichnung vom Jahre 1654, die bei Gelegenheit 
der lang andauernden Grenzstreitigkeiten zwischen Braubach und Oberlahnstein 
angefertigt wurde, führt der Weg den Namen „Hochstrasse"; er geht östlich anOber- 
lahnsteiu vorbei un^l gemeinsam mit der aus dem Nordthore dieser Stadt 
kommenden Strasse bei dem alten Fährhause an die Lahn. Es ist wahrscheinlich, 
dass die mittelalterliche Hochstrasse die Trace des vorrömischen Weges bei- 
behalten hat. (Die jetzige durch Oberlahnstein führende Hochstrasse hat ihren 
Namen erst in jüngerer Zeit erhalten.) Auch in seiner Fortsetzung nördlich 
der Lahn ging der vorrömische Weg wohl im wesentlichen in dem Zuge der 
jetzigen Landstrasse, wie besonders das gleichfalls der La Tene-Zeit angehörige 
Grabfeld in Horchheim beweist. 

Wenige vorrömische Funde in Friedrichssegen (Ahl) und Miellen scheinen 
auf einen Fussweg links der Lahn auf Ems zu hinzudeuten. 

Ein zweiter vorrömischer Weg ist der schon erwähnte Kerkertsweg, der 
vom Rheine und dem Dorfe in dem Terrain der Braubacher Bahnhöfe in ziem- 
lich gerader Richtung am Forsthaus vorbei und durch das Braunebachthal nach 
dem gleichfalls vorrömischen Ems führte. Auf der Höhe, besonders da, w^o er 
von den Feldern des Königstiels (Bademer) in den Wald eintritt, ist er von 
zahlreichen alten Wegerissen begleitet, die darauf hinweisen, dass die Fahrbahn 
im Laufe der Jahrhunderte oft gewechselt hat. Im Distrikt Preusa.-Verhau 
liegen in seiner Nähe neben alten Wegerissen zwei grosse flache Grabhügel, 
an die sich westwärts lange alte Feldraine anschliessen, die sich auf dem Wald- 
büdeu als niedrige Terrainabsätze darstellen. In den Beschreibungen von Ge- 
markungsbegäogen der Oberlahnsteiner Bürgerschaft i. J. 1600 u. 1653 wird 
der Weg „die Hochstrass" genannt. Er bildet auch auf einer kurzen Strecke 
die Grenze zwischen Oberlahnstein und Braubach und weiss von mancherlei 
Hader zwischen den Nachbargemeinden zu erzählen, der gewöhnlich bei den 
Gemarkungsbegängen ausgetragen wurde. 

Ein weiterer durch die Richtung der Gräber bestimmter Weg führt im 
Zuge der Emserstrasse durch das Mühlthal, biegt in das Thal des Grossbachs 
und ersteigt den Pankerter Kopf Noch ehe er die Schlote der Braubacher 
Hütte erreicht, liegt an ihm ein vereinzelter Grabhügel, dem im Distrikt 
„Hicweg" (Ilochwcg) weitere folgen. Am Hilberstiel geht er durch ein Grab- 
feld der Hallstattzeit und nördlich von Dachsenhausen im Distrikt „Birmen- 
strauch" (Nass. Ann. II, 2, 171), durch ein Grabgebiet mit vielen Hügeln, von 
denen der grösste einen Durchmesser von annähernd 40 m hat. In seiner 
Fortsetzung senkt er sich in das Thal des Mühlbaches hinab, das er bei Marien- 
fels erreicht. 

Der wichtigste Weg führte in südlicher Richtung von Braubach zur Höhe. 
Er geht am Ostfusse des Marksburghügels vorbei, wo an dem Bergsattel, in 
dem die Martinskapelle steht, ein Zugang vom Rheine aus sich mit ihm ver- 
einigt. Dann führt er in kräftiger Steigung zum Distrikt „Neuweg". Das 
Gelände bietet hier mehrere übereinander gelagerte Plateaus. Da wo der Weg 



13 

das erste derselben erreicht und auf der Ostseite hart an dem steilen Abhang 
des Grossbachthaies vorüber führt, ist er auf der Westseite durch einen Ab- 
schuittswall gesperrt, der jetzt 1,20—1,50 m hoch ist und den Graben nach 
Süden hin hat. Dann zieht er, von Grabhügeln zu beiden Seiten begleitet, am 
Hof Falkenborn vorüber, der auch auf eine lange Geschichte zurück schaut, 
denn in der 1. Urkunde des Codex dipl, Nass., freilich in einem Einschiebsel 
aus dem 10. Jahrhundert, wird bereits ein „alden Falkenburn" erwähnt. Seine 
Fortsetzung geht in durchweg gerader Richtung über die Wasserscheide zwischen 
Rhein- und Mühlbach an Bogel und Ransel vorüber bis zum Wisperthale, und 
so bildet dieser Weg eine der wichtigsten Verkehrsstrassen in vorrömischer Zeit. 
Von seiner Bedeutung zeugen zahlreiche Grabhügel, die ihn bald einzeln, bald 
in grossen Gruppen zu beiden Seiten auf seiner ganzen Ausdehnung begleiten. 
In der eben erwähnten Urkunde des 10. Jahrhunderts wird er Retuveg (Reitweg) 
genannt, eine Bezeichnung, die gleichbedeutend mit „Rennweg" auftritt und 
daran erinnert, dass in alter Zeit der Handelsmann mehr das Saumtier als den 
Wagen benutzte. Im 14. Jahrhundert wird derselbe Weg „die Hochstrasse" 
genannt. (Nass. Ann. IX., 310). 

Auch von Oberlahnstein aus ging in vorrömischer Zeit ein Weg über den 
Feldberg zur Höhe, wo er in den Braubach-Emser Weg einmündet. Als vor- 
römischen Weg kennzeichnet ihn ein Grabhügel und eine Abflachung, die 
vielleicht das zugehörige Wohnhaus enthält, auf der Kuppe westlich vom 
Felddistrikt Rabenstein. In römischer Zeit lag ein Bauernhaus unmittelbar an 
demselben im Distrikt Lahnhöll, ein anderes etwas von ihm entfernt im Distrikt 
Zehnthof. Im Mittelalter hiess der Weg die Nassauer Landstrasae und war 
durch einen Doppelwall mit Graben und ein Gebück geschützt. Vor dem 
dreissigjährigen Kriege wurde er am Gebück allabendlich durch Schlagbäumo 
von den Förstern gesperrt, 

4. Funde. 

Unter den Funden nehmen die Gefässe uud Gefässreste die wichtigste 
Stellung ein. Es lassen sich bei denselben etwa folgende Formen unterscheiden: 

1. Flaschen (Taf. I, 1-5). No. 1 (Mitteil. 1901/02, Sp. 67 u. 1902 03, 
Sp. 15) hat eine Gesamthöhe von öOVa cm, wovon auf den Hals 14 cm ent- 
fallen; an der weitesten Stelle des Bauches beträgt der Durchmesser 40 cm. 
Der Rand ist fast rechtwinkelig nach aussen gebogen, der Boden glatt abgestrichen. 
Die Oberfläche ist glatt poliert und zeigt eine dunkelbraune Lederfarbe. 

No. 2 ist etwas kleiner, sonst stimmt sie in der Form mit der ersten 
überein. Beide haben auch die gleiche Verzierung. Unmittelbar unter dem 
Halse sind zunächst mehrere leichte Riefen, in die gruppenweise kreisförmige 
Grübchen eingedrückt sind. Dann folgen zwei Zonen, die von Doppelfurchen 
abgeschlossen werden. In der oberen Zone schliessen sich halbkreisförmige, 
breite Furchen, die nach oben offen sind, zu einer Guirlandc zusammen. Die 
' Auschlussstelle hat jedesmal einen Kreis mit Punkt. Ebensolche Kreise finden 
sich zu einer dreieckigen Gruppe vereinigt zwischen je zwei Bogen. Die untere 



14 

Zoue zeigt dieselbe Verzierung mit nach imteu offenen Bogen, die sich nicht 
so eng aneinander anschliessen. Bei No. 2 ist oben über jedem Bogen noch 
ein Kreis angebracht. Die kleinere Flasche No. 3 gehört zu derselben Gruppe. 
Sie hat ebenfalls die Riefen unter dem Halse mit gruppenweise verteilten ob- 
longen Grübchen, aber nur eine breite, verzierte Zone. Dafür zeigt diese ab- 
wechselnd nach oben und unten offene Kreisbogen, über denen und an deren 
Enden die Kreise mit Punkt angebracht sind. Eigentümlich sind dieser Flasche 
breite Furchen, die strahlenförmig vom Boden ausgehen und an der breitesten 
Stelle des Bauches enden. No. 4 kommt in der Form den drei ersten nahe; 
als Verzierung hat sie nur zwei Furchen ziemlich in der Mitte des Bauches. 
Der obere Teil der Flasche ist bis über die breiteste Stelle des Bauches poliert, 
ebenso ein schmaler Streifen über der Bodeufläche, die hier ein wenig ausge- 
zogen ist und so einen kleinen Fuss zeigt. Die polierte Fläche ist braun, die 
nichtpolierte grau. No. 5 erscheint in etwas anderer Form; der Bauch hat in 
der Mitte keinen Absatz und verengert sich unten zu einer Art Fuss mit schmaler 
Standfläche. Verzierungen hat diese Flasche nicht, der Überzug hat eine gelb- 
liche Lederfarbe. Auch von den Formen 1 — 3 kommen Bruchstücke in gelber 
Farbe vor mit der gleichen Verzierung. 

Auf dem untersten Estrich der tiefsten Hütte auf dem Gebiete der Klein- 
bahn in Braubach fanden sich Stücke einer Flasche, die aussen glatt und mit 
einem graphitartigen Überzuge versehen ist. Der Thon ist mit Sand und 
Glimmerstückchen vermischt. Rings um den Bauch läuft ein Gurt von breit 
eingerissenen konvergierenden Linien, die sich zu Winkeln vereinigen. Keine 
Flasche zeigt Spuren der Drehscheibe. 

2. Kelche (No. 6). Das 34 cm hohe, schlanke Gefäss ist gelbbräunlich und 
auf der Oberfläche glatt poliert. Der Rand geht in einem schmalen Riefen 
nach aussen. Der Boden hat einen sehr schmalen und niedrigen Standring, 
der durch eine kräftige Furche aus der Bodenfläche herausgedrückt ist. Der 
Kelch ist mit der Drehscheibe hergestellt und das einzige erhaltene Gefäss 
seiner Art. Doch kommen noch von mehreren Bruchstücke vor, auch in dunkler 
Farbe. Ein Fuss ist wie bei unsern Glasflaschen tief nach innen eingedrückt, so- 
dass ein hoher Staudriug entsteht, bei einem andern ist derselbe nur durch 
eine Furche, wie bei dem erhaltenen Kelche, aus der Bodeufläche herausgedrückt. 
Alle zeigen die Spuren der Drehscheibe. 

Töpfe. No. 7. Roh geformtes, dickwandiges Gefäss; Bruchstücke von 
ähnlichen, in Hausindustrie hergestellten rohen Töpfen finden sich in den 
Hütten häufig. 

No. 8. Glattes Gefäss ohne Verzierung; nur die abgeschnittene Stand- 
fläche hat ein Gitter von eingeglätteten Linien. 

No. 9. Der Topf hat eine dunkle Zone unter dem Rande und über dem 
Boden. Die dazwischen liegende hellere Zone ist durch eingeglättete Linien 
verziert. 

No. 10. Das sehr glatte, mit dunkler Farbe überzogene Gefäss hat 4 ver- 
zierte Zonen. Die oberste zeigt konzentrische Kreise und ist oben durch einen 
Riefen, unten durch zwei Reihen kleiner Grübchen abgeschlossen, die mit einem 



15 

Rädchen eingedrückt sind. Die zweite Zone ist abgegrenzt durch je eine 
Grübchenreihe und enthält ebenfalls konzentrische Kreise. Die dritte hat 
zwischen zwei Grübchenreihen regelmässige Rechtecke von Grübchen, die mit 
einem Stempel eingedrückt sind. (Dieselbe Verzierung wandten in Anlehnung 
an die keltischen Muster die fränkischen Töpfer an.) Die letzte Zone zeigt 
zwischen den Grübchenreihen abwechselnd grössere und kleinere konzentrische 
Kreise. In den Grübchen finden sich noch Reste einer weissen Thoneinlage. Aus 
der Bodenfläche ist durch eine kräftige Furche ein leichter Standring heraus- 
gedrückt. Dieser ist aber so gering, dass das Gefäss doch auf der ganzen 
Bodenfläche steht. 

Die Töpfe No. 11, 12, 13 stimmen in der gedrungenen Form überein. 
Sie sind alle sehr glatt; No. 13 unterscheidet sich in Farbe und Brand kaum 
von den Terra nigra-Gefässen. No. 12 hat in der profilierten Stelle des Halses 
zwei Löcher, in denen ein an den Enden rechtwinklig umgebogener Eisen- 
henkel steckt. Sie stehen alle drei auf der vollen Bodenfläche, die durch 
eine oder zwei Kreislinien verziert ist. Sämtliche Töpfe mit Ausnahme von 
No. 7 sind mit Hülfe der Drehscheibe verfertigt. 

Das zierliche Töpfchen No. 14 ist stark beschädigt. 

Schüsseln (Kumpen). Die tiefe Schüssel No. 15 hat den Rand nach 
aussen gebogen, den Boden schwach nach innen eingedrückt. Sie ist aussen 
und innen sorgfältig geglättet. Die äussere Oberfläche ist dunkelbraun, fast 
schwarz. Im Innern ist um den Boden eine breite dunkle Zone durch Über- 
streichen mit schwarzer Farbe hergestellt, Sie wird nach oben durch eine 
Kreisfurche abgeschlossen, über die hinaus vereinzelte Farbflecke in die zweite 
helle Zone hineinfallen. Diese zeigt die graue Farbe des gebrannten und nicht 
polierten Gefässes. In dieselbe sind von oben nach unten radienförmig breite 
Linien mit Farbe aufgetragen, die bis zum Anfange des Randes gehen. Dieser 
ist wieder dunkel; die Farbe geht auch hier in einzelnen Flecken in die helle 
Zone hinein. Die äussere Oberfläche hat gleichfalls einen Farbüberzug er- 
halten, die dunkle Färbung ist hier nicht durch einfaches Glätten hervorgerufen. 

No. 15, Die grosse Schüssel hat einen ebenso profilierten Rand wie die 
vorige, er ist nur leicht nach aussen gebogen; der Boden ist dagegen stärker 
nach innen eingedrückt. Die glatte Innenseite ist gleichmässig dunkelfarbig ; 
die Aussenseite zeigt am Rande und am Boden eine dunkle, in der Mitte eine 
grosse helle Zone , die durch dicht nebeneinander laufende Radien verziert 
ist. Die dunkle Farbe derselben ist hier durch Einglätten entstanden. 

No. 16. Der Rand ist nach innen gebogen, der Boden leicht nach innen 
eingedrückt. Auf der Aussenseite ist der obere Teil geglättet und daher dunkel- 
braun, der untere Teil rauh und heller. Im Innern zeigt die Schüssel wieder 
die drei Zonen ; die mittlere helle ist durch sechsmal je zwei nebeneinander 
herlaufende geglättete Linien verziert, 

No, 17 ist der vorigen ähnlich, der Rand etwas stärker nach innen ge- 
bogen, der Boden schmäler und stärker nach innen eingedrückt; hier ist die 
Mittelzone der Aussenseite durch kräftig eingeglättete Radien verziert. Auf 
der einen Seite hat die Schüssel vier Löcher zum Durchziehen eines Drahtes 



16 

oder einer Schnur; sie kann also nur für trockene Gegenstände Verwendung 
gefunden haben. Bruchstücke von Schüsseln mit Löchern an der Seite wurden 
öfter gefunden. Desgleichen kamen Bodenstücke von Schüsseln zum Vorschein, 
die mit Löchern versehen waren. Diese Gefässe hatten als Siebe gedient. 

No. 18 ist der vorigen ähnlich. Sie ist auf der Ober- und Unterseite 
doppelfarbig ; im Innern hat die helle Zone eine Verzierung von sechsmal zwei 
breiten Radien. 

jS"o. 19 ist ein rauhes Gefäss mit nach innen gebogenem Rande; es steht 
auf der vollen Bodenfläche. Die Unterseite ist vom Feuer geschwärzt, es wurde 
also zum Kochen gebraucht; ein gleiches, teilweise erhaltenes Kochgefäss lag in 
einer Oberlahnsteiner Hütte. 

No. 20 ist ebenfalls rauh, mit glatt abgeschnittenem Boden und einwärts 
gebogenem Rande. Die kleine Schüssel diente ursprünglich als Kochgefäss 
und war zur Hälfte mit Speise gefüllt ins Grab gesetzt, wie ein breiter Streifen 
in der Mitte des Gefässes deutlich zeigt. 

Bei den beschriebenen Schüsseln sind Spuren der Drehscheibe nicht zu 
sehen. Ein leider nur in der unteren Hälfte erhaltenes Gefäss, das aber wohl 
auch als Schüssel anzusehen ist, wurde auf der Drehscheibe hergestellt. Die 
Wände desselben sind spiegelglatt und dünn, wde von feinen Terra nigra-Gefässen. 
Über dem scharfen Absätze an der breitesten Stelle desselben ist eine Wellen- 
linie eingeglättet. 

Schalen oder Näpfe. Nr. 21. Der Boden ist in der Mitte zu einem 
Buckel (Omphalos) eingedrückt. Rings um diese Bodenerhebung sind im Innern 
kreisförmige Grübchen mit einem Kreuz in der Mitte eingedrückt. Auf der 
Aussenseite ist dieselbe Verzierung unter dem Rande. 

No. 22. Der Boden hat in der Mitte denselben starken Omphalos ; der 
Rand ist leicht nach aussen umgebogen. Im Innern sind auf dem Omphalos, sowie 
rund um denselben Kreisgrübchen mit einem Kreuz in der Mitte eingedrückt. 
Auf der Aussenseite ist um die Höhlung des Omphalos ein breites viereckiges 
Feld eingeglättet. Auf den beiden erhabenen Streifen unter dem Rande sind 
übereinander je sechs Gruppen von Kreisgrübchen mit Kreuz eingedrückt. 

No. 23. Die flache Schale hat einen sehr wenig nach aussen umgebogeneu 
Rand. Auf der Aussenseite ist um die Höhlung des Omphalos wieder ein viereckiges 
Feld eingeglättet. In der Vertiefung unter dem Rande läuft eine leicht ein- 
gedrückte Wellenlinie, die aus S-förmigen Linien zusammengesetzt ist, deren 
Enden übereinander liegen.-) Im Innern sind auf dem Omphalos Kreise mit 
einem Punkt in der Mitte aufgedrückt. Um den Omphalos liegen fünf durch 
Grübchen gebildete dreieckige Figuren, die an der Spitze durch einen grösseren 
Kreis mit Punkt gekrönt sind. Auch zwischen den Figuren liegt je ein 
grösserer Kreis. 

No. 24c. Diese Schale, die der vorigen ähnlich, nur etwas niedriger ist, 
weist die reichsten Verzierungen auf. Auf der Aussenseite ist am Boden 
wieder das Viereck eingeglättet (24a). Um dieses Viereck legen sich guirlauden- 



*) Eine älinliclie Verzierung auf einem Wiesbadener Scherben (Mitteil. 1902/03, Sp. Gl, G2). 



17 

artig Kreisbogen, die durch tief eingedrückte, in der Mitte sich verbreiternde 
Furchen gebildet sind. Im Innern (24 b) ist der Omphalos von einer breiten 
Furche eingeschlossen. Auf demselben sind wieder Kreise mit Punkten ein- 
gedrückt. Um denselben zeigen sich über der Furche 7 Dreiecksfiguren, deren 
Grübchen ein Kreuz in der Mitte haben. Ringsum laufen 7 Doppelfurchen, 
die eine Guirlande bilden und an den Anschlussstellen einen Kreis mit Punkt 
haben. Die durch die tiefen Furchen der Unterseite entstandenen Erhebungen 
zwischen den Doppelfurchen sind durch eine kräftig eingerissene Wellenlinie 
verziert, die wieder aus einzelnen kleinen S-förmigen Linien zusammengesetzt ist. 

No. 25 hat eine schmale, flache Bodeufläche; an der breitesten Stelle 
ist ein 2 cm breiter Gurtstreifen dicht mit eingerissenen Linien bedeckt, die 
sich zu spitzen Winkeln vereinigen. 

No. 26, Der Rand ist nach aussen gebogen, der Boden in der Mitte 
leicht nach innen gedrückt ; im Innern ist die Erhebung kaum zu sehen. Hier 
sind dafür wieder die 3 Zonen zu erkennen, von denen die mittlere mit dicht neben- 
einander eingeglätteten Radien bedeckt ist. 

No. 27 hat im Innern keine Verzierung; auf der Aussenseite wird der 
kräftig eingedrückte Omphalos von einem eingeglätteten dunkeln, viereckigen 
Felde umgeben; auch der obere Teil des Gefässes ist dunkel. In dem breiten 
helleren Streifen laufen von den Ecken des Vierecks je zwei eingeglättete, 
breite Linien, die nach dem Rande zu auseinandergehen. 

No. 28 ist ohne Omphalos; der Rand etwas nach aussen gebogen. Auf 
der Aussenseite ist diese Schale unverziert ; im Innern laufen durch die Mittel- 
zone wieder viermal je zwei breite eingeglättete Linien. 

No. 29 ist ohne Verzierung ; der Boden leicht nach innen eingedrückt, 
der Rand nach innen umgebogen. 

No. 30 hat flachen Boden; auf der Aussenseite laufen durch die hellere 
Mittelzone breit eingeglättete Radien. 

No. 31. Der Rand ist nach innen eingebogen, der Boden leicht einge- 
drückt. Im Innern ist nur oben ein Streifen vom Rande aus eingeglättet. Auf 
der Aussenseite nimmt die hellere Mittelzone fast den ganzen Raum ein ; die 
eingeglätteten Radien laufen dicht nebeneinander. 

No. 32 ist ein rohes, ungeglättetes Gefäss mit breiter, flacher Bodenfläche. 

No. 33 hat flachen Boden und einen etwas verdickten Rand. Im Innern 
laufen um den Boden zwei konzentrische Kreise. Das Gefäss ist wie alle 
folgenden Schalen auf der Drehscheibe hergestellt. 

No. 34. Der Boden ist leicht nach innen eingedrückt, der Rand wenig 
nach aussen gebogen. Die beiden letzten Gefässe und die noch folgenden 
Schalen haben nicht mehr die braune Lederfarbe der vorhergehenden, sondern 
eine mehr graue, zuweilen ins Schwarze übergehende Farbe, der Brand ist 
schärfer. 

No. 35. Die kleine Schale ist am Boden leicht eingedrückt, sodass sie 
auf dem scharfen Rande der Einbuchtung steht. 

No. 36 und 37 zeigen im unteren Teile eine fast schwarze Farbe, wie 
die Terra nigra-Gefässe, denen sie auch im Brande sehr nahe kommen. 

2 



18 

No. 37 steht auf einem schwachen Standring. 

No. 38. Der Fuss steht mit der vollen Standfläche auf, der etwas ver 
stärkte Rand hat oben eine schwache Rille. 

Becher. No. 39. Der roh gearbeitete cyliadrische Becher kommt aus 
einem Grabe an der Emserstrasse in Braubach. 

No. 40 ist im oberen Teile etwas beschädigt; seine Oberfläche ist glatt. 
Gefunden wurde er in einer Oberlahusteiner Hütte. 

No. 40 — 47 sind aus Scherbenfunden in den Hütten zusammengesetzt. 
Der grosse Topf No. 45 erinnert in der Form an No. 8 und 10. Die Ver- 
zierungen der Töpfe No. 42 — 44 sollen später besprochen werden. 

Amphorenartige Gefässe kommen in Gräbern und Hütten vor, aber 
nur in Bruchstücken. Die Wände sind 10 — 12 mm dick, der Thon ist stark 
mit Quarzkörnern vermischt. Der obere Teil ist meist geglättet und schwarz, 
ebenso ist die Innenseite schwarz; der untere Teil zeigt die Eindrücke des 
Geflechtes der Form und ist rauh gehalten. Die Ränder sind teils gerade, 
teils mehr oder weniger nach aussen gebogen. Stücke mit aufgelegtem "Wulste, 
der mit Eindrücken versehen ist, auch solche mit Streifen von Eindrücken, die 
wohl meist nicht mit dem Finger, sondern mit einem Instrumente gemacht 
worden sind, finden sich reichlich. Ein Bruchstück hat zwei kleine Narben 
nebeneinander, ein anderes kräftigere Warzen. Henkel kommen bei keinem 
La Tene-Gefässe in Braubach und Oberlahnstein vor. 

Über die Zeitstellung der einzelnen Gefässe lässt sich wenigstens einiges 
mit Bestimmtheit sagen. Nach den Grabfunden an der Oberlahusteiner Strasse 
und am Kerkertswege, die, wie die Bronze- und Eisengegenstände beweisen, 
der älteren La Tene- Periode angehören, können wir dieser zurechnen: alle 
Flaschen, die Schalen No. 21 — 24 und die Schüssel No. 15. Flaschen und Schalen 
weisen dieselbe Yorzierung auf: Furchen, runde Grübchen mit Kreuz und Kreise 
mit Punkt in der Mitte. Die eigenartigen Bogenfurchen mit Kreis an den 
Enden des Bogens finden sich ähnlich verwendet wie auf einem Bronzegürtel 
von Hallstatt (Sacken, Taf. X, 2). Auch hier sind die Furchen teils nach 
oben, teils nach unten offen. Der verzierte Gurtstreifen der Gefässe ist wohl 
als Gürtel gedacht. 

Die bei den beiden Schalen No. 23, 24 auftretende Wellenlinie, die hier aus 
einzelnen S-förmigen Stücken zusammengesetzt ist, findet sich erst in der alier- 
jüngsten Periode, aber ununterbrochen wieder. Auch die Kreise mit Punkt 
und Kreuz kommen auf den zahlreichen Scherben der Hütten nur ganz ver- 
einzelt vor. Zu der älteren Periode gehört wohl ferner der Napf No. 25 mit ein- 
gei'itzten Linien, die sich zu einem fischgrätenförmigen Bande vereinigen. Die 
gleiche Verzierung findet sich auf einer Flasche des Grabfeldes von Simmern 
bei Ehrenbreitstein. Die ebendaher stammende Flasche in Nass. Ann. 32, 
S. 188 hat gleichfalls Strichverzierung, bei der die Spitzen der Winkel nach 
oben gerichtet sind. Die mit Farbe eingetragenen Linien der Schüssel No. 15, die 
strahlenförmig von der Bodenzone ausgehen, kommen auch nur in der älteren 
Periode vor. Die Verzierung hat ihre Vorbilder auf Bronzcgürteln (Sacken, 



19 

Taf. IX, 4), wo die von einem Buckel ausgehenden Strahlen den vom Boden 
der Gefässe auslaufenden Radien outsprechen. 

Der jüngsteu Periode der La Tene-Zeit lässt sich eine grössere Anzahl 
von Gefässen zuweisen. Beim Bau des Hauses No. 13 an der Emserstrasse 
in Braubach erschienen mehrere zerstörte Gräber. Dabei waren die Scherben 
der verschiedensten Gefässe zusammen mit einigen Stücken frührömischer Form 
und hartem Braude, einem Raudstück mit eingedrückter Wellenlinie und einem 
andern mit kleinem Henkel und Horizontal rand. Die Scherben der Schüsseln 
und Näpfe haben stark nach innen gebogenen Rand und zeigen meist die Spuren 
der Drehscheibe. Es fanden sich dabei Stücke des Kelches No. 6, Bruchstücke 
von weitbauchigen Töpfen wie No. 12. Überhaupt gehören in diese Periode 
sämtliche Töpfe No. 8 — 14, die alle beim Bau des Hauses „zur Traube" gefunden 
wurden. Die glatten, tonnenförmigen Töpfe zeigten sich auch in einem Familien- 
grabe mit 8 oder 9 Bestattungen im Cobleuzer Stadtwalde ; in einem Kindergrabe 
lag hier daneben eine kleine, sehr dünnwandige Sigillatatasse. Ferner gehören 
hierher die Schalen No. 33 — 38. Alle diese Gefässe sind sehr glatt, haben meist 
dünne Wände und unterscheiden sich äusserlich von denen der älteren Zeit 
durch eine mehr graue Farbe. In Thon und Brand konmien sie den Terra 
nigra-Gefässen nahe. Ein Randstück eines Topfes mit aufgelegtem Riefen beim 
Beginne des Bauches ist auch in der Form einem Randstücke aus Terra-nigra 
ähnlich, das in einer Braubacher Hütte gefunden wurde. Als besonders 
charakteristisch tritt bei den meisten Töpfen und Schalen ein leichter Standring 
hervor. Der kräftig eingedrückte Omphalos fällt weg, die Bodenerhebung im 
Innern ist entweder nur sehr schwach oder überhaupt nicht vorhanden. Die 
Verzierungen werden auf den mit der Drehscheibe verfertigten Gefässen selten, 
nur der Topf No. 10 ist dafür reich verziert. Wenn die Bestimmung der Zeit, in 
der die Dörfer durch Brand zerstört wurden, wie später gezeigt werden soll, 
richtig ist, so wurden diese Gefässe etwa von 50 vor bis ungefähr ebenso weit 
nach Christi Geburt gebraucht. 

Dasselbe vorausgesetzt, dürfen wir die in den Hütten gefundenen Scherben 
in ihrer Hauptmenge dem Ende des zweiten und der ersten Hälfte des ersten 
vorchristlichen Jahrhunderts zurechnen. Zu dieser Gruppe gehören die teilweise 
ergänzten Gefässe No. 40 — 47, die den Hütten entstammen. Besonders häufig treten 
Schüsseln und Schalen mit geradem oder stark nach innen gebogenem Rande 
auf. Die als Kochgefässe dienenden sind auf der ganzen Oberfläche rauh oder 
im oberen Teile geglättet, die andern sind ganz poliert. Zahlreich finden sich 
die durch teilweise Glättung hergestellten doppelfarbigen Gefässe mit Radien- 
verzierung. Statt der Radien sind öfter breite Streifen eingeglättet, auch zeigen 
sich Streifen mit Linien abwechselnd auf demselben Gefässe (s. Fig. 4). 

Mehrfach findet sich bei Schüsseln unter dem Rande ein mehrere Centimeter 
breiter Gittergurt eingeglättet (Fig. 4, No. 2). Beide Verzierungen sind auch auf die 
Terra nigra-Gefässe übergegangen. Ein schwarz gefärbter Topf aus Terra nigra 
von einem frührömischen Grabfelde in Coblenz hat unter dem Rande einen 
breiten Gurt mit sehr regelmässiger Gitterverzierung. Die Linien sind auch 
hier leicht eingedrückt. Eine schwarz gefärbte Schüssel hat eine dunklere und 



20 




Fig. 4. Versierte Scherben aus Brauhach und OberlaJmstein. 

eine hellere Zone; in die letztere sind die Radien mit Farbe eingetragen. 
Häufiger fanden sich Bruchstücke von kleinen sehr glatten Schalen oder Tässchen, 
die oben glänzend schwarz mit einer Art Firniss überzogen sind. Der untere, hellere 
Teil hat Zickzackstreifen zwischen geraden Linien eingeglättet (s. Fig. 4, No. 13). 
Die als charakteristisch für die Spät -La Tone-Periode geltende Verzierung durch 



21 




Fig. 5. Bandstücke von Thongefässen aus Braubach und OberlaJmstein. 

leicht eingerissene Linien, die den ganzen unteren Teil des Gefässes^bedecken, 
kommt ebenfalls, wenn auch nicht gerade häufig vor. 

Ein grosses Stück einer Schale aus der Palm 'sehen Grube in Braubach 
zeigte dieselben mit einem siebenzink'gen lustrumente teils gerade, teils im 
Bogen über das ganze Gefäss geführt. Hierzu sind auch die beiden in Ober- 
lahnsteiner Hütten gefundenen Töpfe No. 42, 44 zu rechnen. Die Linien sind 
bei denselben so kräftig eingerissen, dass die Gefässe wie gerieft erscheinen. 
Ganz vereinzelt ist die Verzierung des Topfes No. 43 durch breite Kreise, deren 
Durchmesser 8 mm beträgt. 

Endlich kamen in den Gruben wiederholt Bruchstücke von intensiv rot 
gefärbten Gefässen zum Vorschein; ein solches, wohl von einer Schüssel her- 
rührend, zeigte die Spuren der Drehscheibe. Ein Randstück ist im Innern 
schwarz, auf der Ausscnseite rot gefärbt; es gehört zu einem flaschenförmigen 
Gefäss mit kurzem Halse. Die Flaschen mit schlankem Halse gehören wohl 
ausschliesslich der älteren Zeit an. 

' Bodenstücke mit Omphalos kommen vor, aber vereinzelt und meist in 
flacher Form. 



22 

Eine genauere Bestimmung der in der mittleren La Tcne-Zeit besonders 
beliebten Formen lässt sich erst nach weiterer Aufdeckung von Gräbern 

geben. 

Eine eigene Stellung nehmen die Scherben ein, die im vergangenen 
Sommer in Niederlahnstein bei der Ausschachtung eines Hauses am Markwege, 
400 m südlich vom Bahnhofsgebäude gefunden wurden (Mitteil. 1902/03 Sp. 51). 
Die Bruchstücke der rauhen Gefässe zeigen harten Brand, die Bruchfläche ist 
dunkelgrau, der Thon mit kleinen Schieferstückchen untermischt. Die glatten 
Stücke haben sorgfältig gereinigten Thon und teils lederfarbigen, teils roten oder 
grauen Überzug. Die letzteren Stücke gehören der Gruppe der grauen Terra 
nigra-Gefässe an. Mehrere Randstücke sind oben schräg abgestrichen und mit 
einer leichten Rille versehen, sodass der Rand oben zugespitzt erscheint. Ein Stück 
mit rotem Brande zeigt Horizontalrand mit zwei leichten Rillen. Als Ver- 
zierungen treten auf eingeglättete, sowie mit einem spitzen Instrumente einge- 
rissene Linien und kräftig eingeglättete Rillen, unter denen Strichverzierung 
angebracht ist. Mehrere Scherben haben auf der Innenseite Drehscheibenringe. 
Hier fand sich auch das Bruchstück eines eingeglätteten Henkels und ein 
Randstück von einem kleinen Gefäss, bei dem der Rand in den Henkel 

übergeht. 

Die Gefässreste reichen in die römische Zeit hinein; die Hütte, in der 
sie gefunden wurden, gehört in die jüngste La Tene-Periode. 

B. Andere Fundstücke aus Thon. Aus Braubach stammt ein Spinn- 
wirtcl, bei dem zu beiden Seiten des Loches eine Linie eingedreht ist, ein 
etwas breiterer aus Oberlahnstein ist oben und unten durch reichlich einge- 
drückte Löcher verziert, ein anderer ebendaher ist ohne Verzierung. Bruch- 
stücke von Spinnwirteln fanden sich in den Oberlahnsteiner Hütten mehrfach. 
Überall traten Stücke der bekannten pyramidenförmigen und durchlochten 
Gewichte auf, von denen hier ungewiss bleiben muss, ob sie als Gewichte oder 
als Netzbeschwerer gedient haben. 

Ein merkwürdiges Stück aus einer Oberlahnsteiner Hütte ist ein schweres 
Thongerät, das aussieht wie eine runde Kuchenplatte (I, 48). Es hat einen 
Durchmesser von 40 cm. Auf der einen Seite geht um dasselbe ein 3 cm 
hoher, senkrecht stehender Rand, der aber allmählich niedriger wird und aus- 
läuft, sodass ein grosser Teil ohne Rand ist. Die Platte ist in der Mitte 
3—4 cm dick, nach den Enden zu wird sie dünner, besonders nach der rand- 
losen Hälfte hin. Die Unterseite der Platte ist rot und rauh, die Oberseite 
geschwärzt und glasiert, sodass auf derselben lange Feuer gebrannt haben muss. 
So lässt sich das Gerät wohl nur erklären als eine Kohlenpfanne, die leicht 
an jede Stelle des Raumes gebracht werden konnte; die randlose Seite er- 
möglichte ein leichtes Wegschaff'en der Asche, Keilförmige Thonstücke, die an 
andern Hüttenstellen von Obcrlahnstein gefunden wurden, sind wohl auch Reste 
von ähnlichen Pfannen. In Braubach zeigten sich in der südlichsten Hütte des 
Bahnterrains, die am weitesten ausgehoben werden konnte, gleichfalls Bruch- 
stücke eines solchen Gerätes, 



23 





Fig. 6. Vögelchen. (Nat. Grösse.) 



Aus Oberlahnstein stammt der kleine Vogel Fig. 6, der den Spielzeugen 
ähnlich ist, die in römischer Zeit in den Kindergräbern sich finden. Er ist nicht 
besonders hart gebrannt und hat den gewöhnlichen lederfarbenen Überzug. 
Leider ist er mehrfach beschädigt und ohne Kopf. Er ist jetzt 4 cm hoch, 
5 cm lang und 4 cm breit. Die Darstellung zeigt den Vogel mit leicht auf- 
gehobenen Flügeln vor dem Erheben zum Fluge. Flügel und Brust treten 
kräftig heraus. Das Aufeinanderliegen der Federn ist dargestellt durch einge- 
drückte Halbkreise und fein punktierte Linien. Die Verzierung setzt sich auch 
unter der rechteckigen Bodenfläche fort. Unter dieser, aber auch auf den 
Flügeln finden sich in den Halbkreisen die Spuren von weissem, eingelegtem 
Thon. In der Mitte des Bodens ist ein Loch tief eingebohrt für einen Stift; 
die Figur war also auf einem anderen Gegenstand befestigt. Die mit einem 
Instrumente eingerissenen Halbkreise und punktierten Linien erinnern an den 
der jüngeren La Tene-Zeit angehörenden Topf I, 10. Dieselben Mittel, die 
die Verschönerung dieses Gefässes bewirken mussten, haben hier zur Herstellung 
der Thonfigur gedient. Auch das Gefäss hatte die weisse Thoneinlage. Ein 
ähnlicher, vollständig erhaltener Vogel befindet sich in der Sammlung Nessel 
in Hagenau (Mitt. von Prof. Schumacher). Die Figur ist wohl als Idol 
aufzufassen. 

Der eigentümliche Gegenstand (III, 29) ist in seiner Bedeutung nicht 
sicher zu erkennen. Er wurde in einer Oberlahnsteiner Hütte gefunden. In 
Hallstatt fand er sich aus Bronze in einem Grabe und wurde nach seiner Lage 
am Halse von Sacken als Schmuckgegenstand gedeutet. Die sechs saugwarzen- 
ähnlichen Vorsprünge haben sämtlich ein Loch, aber nur an einer Stelle sind 
zwei Löcher mit einander verbunden, sodass hier eine Schnur durchgezogen 
werden konnte. Die andern Löcher gehen nicht durch. Man möchte den 
Gegenstand für eine Art Amulet halten, ein Symbol der Fruchtbarkeit. (Vgl. 
Mitteil. 1902/03, Sp. 62.) 

C. Schmucksachen. Fibeln: Taf. IV, 9, Bronze; die äussersten der 8 
Windungen der Spirale sind durch Kerbe verziert, ebenso die Sehne. Der 
Bügel hat an den Seiten feine Riefen, auf der Oberseite zeigt er eine tiefe 
Rinne; in derselben liegt schwarzer Klebstoff und in diesem nach dem 



24 

Kopfe zu eine Einlage von Korallen. Taf. II, 10: Die Bronzefibel endet mit 
ihrem zurückgebogenen Schlussstück in einen Schlaugenkopf; die Spirale hat 
4 Windungen. Es scheint, dass die für die Früh-La Tene-Zeit charakteristische 
Fibel noch viel später gebraucht ist, denn sie wurde in einer Oberlahnsteiner 
Hütte mit jüngeren Scherben gefunden. Von den Mittel-La Tene-Fibeln No. 11 — 14 
ist No. 11 aus Bronze, die übrigen sind aus Eisen verfertigt. 

Die Bronzefibel No. 15 ist vor dem Nadelhalter durch ein umgeschlungenes 
feines Bronzekettchen geschmückt. No. 16. Bruchstück einer Eisenfibel. 

Ringe. No. 1. Zwei gleiche geknöpfelte Fussringe aus einem Grabe 
am Kerkertswege. Bei der Öffnung sind die Knöpfe stärker und mit einge- 
rissenen Kreisbogen verziert. Bei den ähnlichen Ringen von dem Grabfund 
an der Lahnsteiner Strasse (Taf. IV, 6 u. 7) stehen bei dem einen die Knöpfe 
weiter auseinander als bei dem andern. Die 4 Ringe sind aus massiver 
Bronze. 

Armringe aus massiver Bronze. No. 8. Der sorgfältig gearbeitete Ring 
zeigt viermal die gleiche Darstellung, anscheinend blattähnliche Gebilde mit 
gewundenen Fäden. Die lichte Weite beträgt 52 mm. 

No. 17. An der Öffnung mit petschaftförmiger Verdickung. Auf der 
einen Seite derselben ist er durch eingerissene Striche verziert, die vielleicht 
einen bärtigen Kopf darstellen sollen; an der anderen Seite sind nur wenige 
Striche. 

No. 23, Der Ring hat auf der Ober- und Unterseite einen scharfen Grat. 
An der Öffnung liegen auf jeder Seite zwei Knöpfchen. 

No. 2. Dünner, geschlossener Ring ohne Verzierung. 

Aus Bronzeblech über Holz gezogen sind die geperlten Armringe 
Taf. IV, 2, 3, 4, 5. (Mitteil. 1901/02, Sp. 105.) 

Armringe aus Eisen. Taf. II, No. 4. Der Ring ist zweimal vorhanden, im 
Durchschnitt viereckig, vor der Öffnung etwas eingedrückt, so dass er in vier- 
eckigen Köpfchen endet. 

No. 18. An dem Eisenring hängt ein kleiner Ring aus Bronze. Die 
kleinen Bronzeringe No. 19 und 22 haben wohl dieselbe Bestimmung gehabt; 
No. 22 ist durch 2 parallele Linien, die rings um die Oberseite laufen, verziert. 

No. 9. An dem Ringe hängen eine Anzahl kleiner Ringelchen aus blauem 
Glasfluss. Diese Ringe oder Perlen kommen in verschiedenen Formen vor, wie 
No. 5, G, 7 zeigen. 

Der Halsring (Taf. IV, 1) ist hohl und auf dieselbe Weise hergestellt, wie 
die zugehörigen Armringe. Die drei Scheiben an der Öffnung sind mit Strichen 
verziert und mit einer Koralleneinlage versehen. Zu einem ähnlichen Halsringe 
oder Armringe gehört wohl auch das Bruchstück Taf. II, 3; die Verdickung 
an der Schlussstelle ist hier mehr kugelig; auch No. 38 gehört wahrscheinlich 
als Abschluss zu einem solchen Ringe. 

Gürtelschnalle aus Bronze mit Ring (Taf. IV, 10 u. 11). Das hintere 
Ende zeigt den Knopf, mit dem sie am Gürtel befestigt war; der vordere Teil 
biegt sich zu einem Haken um. Die Oberseite ist verziert durch Linien und 



25 

Kreise. Auch auf dem Haken ist vorn ein Grübchen, das wohl eine Einlage 
hatte; es ist von zwei Furchen eingeschlossen. 

Taf. II, No. 25. Eisenschnalle mit Dorn. 

No. 20, 21. Bronzerädchen aus einem Grabe an der Emserstrassc. Die 
kleinen Bronzcgegenständo No. 32—40 stammen alle aus Oberlahnsteiner Hütten. 

No. 32. Nähnadel, das Öhr teilweise abgebrochen. 

No. 33. Verzierter Stift mit Öse. 

No. 26 — 30. Bronzeplättchen, die wahrscheinlich als Zierrate an einem 

Kästchen angebracht waren. 

No. 31. Würfel ohne Zeichen. 

No. 37. Zierkuopf. 

No. 34, 35. Gewundene Drähte. 

No. 36. Haken. 

No. 39. Runder Draht 

No. 40. Viereckiger, an der einen Seite abgeplatteter und abgerundeter 
Gegenstand. 

No. 41. Thonperle. 

No. 24. Kettchenstück aus Eisen mit feinen Ringen, das auch als Schmuck 
gedient haben muss. 

Andere Gegenstände (Taf. HI), mit Ausnahme des schon beschriebenen 
Gegenstandes No. 29, der Knochenstücke No. 23, 24 und des kleinen Bronze- 
zierrates No. 15, sämtlich aus Eisen. Der letztere wurde hierher gesetzt, weil 
er sich bei dem Messer No. 5 fand. 

Schwert (Taf. III, 1). Es ist 64 cm lang; davon entfallen 13^/2 cm 
auf die vollständig erhaltene Angel. Die Parierstange ist stark geschweift. 
Die Klinge ist 5 cm breit und hat eine schwache Mittelrippe. Sie verjüngt 
sich allmähhch im letzten Drittel. Von der Spitze fehlt ein kleines Stückchen. 
Etwas über die Hälfte der Eisenscheide ist erhalten. Dabei lagen die Koppel- 
ringe No. 2, 3. Seiner Form nach gehört das. Schwert der früheren La Töne- 
Zeit an. Ein der jüngeren Periode zuzurechnendes Schwert ist nur in Bruch- 
stücken vorhanden ; es^ entstammt den Gräbern an der Emserstrasse. Die Angel 
ist vierkantig und endet oben in einen Knopf. 

No. 4. Der etwas grössere Koppelring wurde in zwei Exemplaren an der 
Lahnsteiner Strasse gefunden ; das dazu gehörige Schwert war nicht vorhanden. 

No. 7. Der Eiseuring von derselben Stelle gehört wohl auch zu dem 
Schwertgehänge. 

Lanze. No. 6. Die Spitze und ein Stück der Tülle sind abgebrochen. 
Die letztere ist vierkantig; Ober- und Unterkante gehen in die sehr starke 
Mittelrippe des Blattes über. 

Grosses Messer. No. 5. Es ist mit dem Griffe 53 cm lang, auf diesen 
fallen 11 cm. Die Klinge ist an der breitesten Stelle unmittelbar am Griffe 8^ l> cm 
breit; erst im letzten Drittel verjüngt sie sich stark und läuft in eine scharfe 
Spitze aus. Der Rücken ist verstärkt und wenig geschweift. Der schwere 



26 

BroDzegriff hat das Anselieu eines zusammengedrückteii offenen Armringes, der 
sich nach den Enden zu verdünnt und an der einen Seite in einen spitzen 
Knopf, an der andern in einen Ring mit Strichverzierung ausläuft. 

Neben der Öffnung sind auf der äusseren Seite 6 Ösen angebracht, von 
denen nur 3 vollständig erhalten sind ; in diesen hängt je ein Stift, der am Ende 
zu einem Kügelchen sich verdickt, das mit eingeritzten Kreisbogen verziert ist. 

Die Klinge ist in den geschlitzten Ring eingelassen und wird an der 
Schneide durch einen verzierten und geschlitzten Bronzehaken festgehalten, der 
in einer kugeligen Verdickung endigt, die oben und unten ein kleines Nietloch 
zeigt. Ferner ist noch in der Mitte zwischen Rücken und Schneide, oben und 
unten ein Nietnagel in den Ring eingeschoben, der in eine Öse endet, in der 
ein Ringelchen hängt. Den hier zum Festhalten der Klinge dienenden Nieten 
mit Öse und Ring entsprechen auf der der Klinge gegenüberliegenden Seite 
des Griffes zwei ebensolche; auch geht senkrecht zu diesen neben den 6 Ösen 
mit Zierraten ein Loch in den Griff, in dem wohl auch ein Stift mit Öse und 
Ring gewesen ist.^) 

Die Verzierungen des Griffes, sowie die schwache Befestigung der Klinge 
scheinen darauf hinzuweisen, dass das Messer nicht für ständigen Gebrauch 
bestimmt gewesen ist. Es war entweder ein Zierstück oder, was wohl wahr- 
scheinlicher ist, ein Opfermesser, das nur bei feierlichen Gelegenheiten gebraucht 
wurde. Vielleicht deuten auf denselben Zweck die mit dem Messer gefundenen 
reich verzierten Schalen (Taf. I, 23, 24). 

No. 8, 9. Die mit Gewissen der älteren Periode gefundenen geschweiften 
Messer sind am Griffe beschädigt. 

No. 10, 11. Die Messer mit geradem Rücken sind in den Oberlahnsteiner 
Hütten gefunden. No. 10 hat am Griffe einen Nictnagel und Reste des IIolz- 
griffes. Ein Rest eines Messerchens ist wohl das auf Taf. IV des Grabfundes 
in dem Halsringe liegende Stückchen. 

No. 12. Feile? Das rechteckige Gerät ist 6 mm dick und 21 cm lang; 
davon fallen 5 cm auf den Griff. An demselben sitzt noch der Eisenring zum 
Festhalten der Holzumhüllung. Riefen sind auf den vom Rost zerfressenen 
Flächen nicht mehr zu sehen, doch scheint die ganze Form auf eine Feile hin- 
zuweisen. Gefunden wurde der Gegenstand in einer Oberlahnsteiner Hütte. 

No. 13, 14. Daselbst kamen auch die beiden Nägel zum Vorschein; der 
grössere hat eine eigenartig breite Form und scheint an der Spitze beim 
Schmieden verunglückt zu sein; er diente vielleicht als Vorstecknagel am Rade. 

No. 16, 17. Scheerenhälften von bekannter Form aus Braubacher Gräbern. 

No. 18. Rundes Eisenkästcheu, dessen Bestimmung nicht zu ersehen ist. 
An der einen Seite hält ein Stift die beiden Decken auseinander. Es stammt 
aus einem Braubacher Grabe. 



') Der (jrifr mit don Anhängsolu erinnert an die bei Sacken: „Das Grabfeld von 
Hallstatt", Taf. XII, 6 u. 13 abgebildeten Stücke. Das letztere zeigt die Ösen am Ringe mit 
Ketten und Klapperblechen, das erstere hat die unten verdickten Stäbchen in ähnlicher Form. 



27 

No. 19 und 21 wurden cbendort gefunden. No. 21 ist an der Spitze ab- 
geplattet und mag zum Aufbiegen gedient haben. Ein ähnliches Gerät wie 
No. 19 ist nicht bekannt. Wozu es gebraucht wurde, ist nicht zu ersehen. 

No. 20 und 26. Die Bruchstücke von dreizinkigen Haken erinnern an 
ähnliche Stücke aus dem Eisen-Depotfund von Körner (Zeitschr. für Ethnologie, 
S. 205, No. 21—23). Götze bezeichnet diese als Fleischgabeln. Ob die 
Zinken dem Griffende zu gekrümmt sind, lässt sich nicht entscheiden. 

No. 22. Bei dem erhaltenen Haken ist dies nicht der Fall. Der Stiel 
ist gedreht und am Ende zum bequemeren Fassen umgebogen. Er ist so 
schwach gearbeitet, dass nur leichte Gegenstände mit ihm gefasst werden 
konnten. Kleine Stücke Fleisch vom Feuer zu holen, war er w^ohl geeignet. 

No. 23. Kettenstück aus einer Oberlahnsteiner Hütte. An das grosse 
Endglied setzt sich ein runder Ring mit einem verdickten Ansatz, der vielleicht 
der Best eines anderen Ringes ist, an den ein zweites Kettchen sich anschloss. 
Die kleinen Glieder sind in der Mitte zur Verstärkung mit einem Ringe um- 
geben. An das grosse Endglied muss auf der freien Seite ein anderes sich an- 
geschlossen haben, wie die Abnutzung zeigt. Das Kettchen mag zum Auf- 
hängen eines Topfes über dem Feuer gedient haben. 

No. 24, Kettenstück mit Schlussring und mit einem dornartig auslaufen- 
den Endghede. Es sind noch weitere Bruchstücke von dieser Kette vorhanden. 

No. 25. Das viereckige Eisenstück mit Ose am Ende hat vielleicht auch 
als Kettenschlussstück gedient. 

No. 27. Eiserner Ring mit Schatullenschlüssel aus den Gräbern an der 
Emserstrasse in Braubach. Er gehört zu der Gruppe der lakonischen Schlüssel. 
Ein gleicher ist gezeichnet Nass. Ann. XHI, Taf. XI, 15. 

No. 28. Beschlagstück mit 3 Nagellöchern. 

Die bearbeiteten Knochen No. 33 und Taf. H, 42 haben wohl als Glätter 
gedient, der letztere ist durch Striche verziert. 

Die Bestimmung von No. 34 ist nicht sicher. Er ist scharf zugespitzt 
und sorgfältig gerundet. Auf der einen Seite ist eine tiefe Rinne eingeschnitten. 
Vielleicht wurde er zum Netzestricken benutzt. 

Taf. n, 43. Der eiserne Löffel mit runder Schale hat den Stiel in der Mitte 
wMukelig gebogen ^ am Ende ist er in eine Öse zum Aufhängen umgebogen. (Ein 
ähnlicher Löffel in Zeitschr. für Ethnologie 1900, S. 204, No. 9 und 0. R. Limes 
XIV. Pfünz, Taf. XVH, 6, wo der schwache Löffelstiel 2 Haken am Ende hat.) 

5. Die Bewohner. 

Auf Grund der Funde in Hütten und Gräbern können wir mit Bestimmtheit 
schliessen, dass Braubach während der ganzen Dauer der La Tone -Zeit in 
ihrer älteren, mittleren und jüngeren Periode, d. h. in der Zeit der letzten 
500 Jahre vor Christi Geburt besiedelt war. Dasselbe gilt auch von Ober- 
lalinstein. Selbstverständlich hatte das Thal auch vor dieser Zeit schon Be- 
wohner aufzuweisen, wenn auch die Spuren derselben vorläufig noch wenig zahl- 



28 

reich sind. Aus Braiibach insbesondere ist ein Gefäss der jüngeren Bronzezeit 
oder älteren Hallstattperiode vorhanden, das an der Emserstrasse gefunden 
wurde. Wahrscheinlich ebendaher stammt eine Bronzenadel, die an das Museum 
in Bonn gekommen ist und derselben Zeit angehört. Ebenso fanden sich 
in der Leikert' sehen Ziegelei bei Oberlahnstein bei den letzten Grabungen 
Hütten mit zahlreichen Scherben, die wohl der Bronzezeit angehören, sodass 
wir hier wahrscheinlich eine grössere Siedeluug aus dieser Periode vor uns 
haben. Die Untersuchung ist jedoch über einige Versuchsschnitte nicht hinaus- 
gekommen und bedarf erst einer eingehenderen Grabung, zumal über den älteren 
Hütten römische Holz- und Steinbauten errichtet sind, deren Boden bis nahe 
an die Sohle der älteren Schicht heranreicht. Zweifellos aber beginnt die 
stärkere Besiedelung mit der älteren La Tene-Zeit. Aus dem Befunde der 
Braubacher Scherben scheint hervorzugehen, dass die frühesten Hütten am 
Marksburghange entstanden. Es finden sich dort als Verzierung vorzugsweise 
die zum Fischgrätenmuster eingeritzten Linien. Ein Stück zeigt tiefe Linien 
zur Aufnahme einer Thoneinlage, wie sie sich im Thale nicht finden. Aber 
alsbald müssen auch in diesem die Bauten angelegt sein, denn es kommen in 
denselben reichlich Stücke der älteren La Tene-Zeit vor. Bei weitem die Mehrzahl 
der in den Braubacher Hütten gefundenen Scherben weist auf die mittlere und 
jüngere La Tene- Periode hin. Sehr häufige Verzierung durch Einglättung, 
Kumpen und Näpfe mit nach innen gebogenem Eande, Bruchstücke von glatten 
Töpfen und mit Hilfe der Drehscheibe verfertigter Gefässe beweisen dies hin- 
länglich. Die Hüttenspuren am Marksburghange, an der Emserstrasse, im 
Oberdorfe und auf dem Terrain der Kleinbahn zeigen, dass der Ort Braubach 
in der La Tene-Zeit ein grösseres Gebiet bedeckte als heute, und wir werden 
nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, dass die Bewohnerzahl damals nicht viel 
geringer war als jetzt. Wie weit die südlich von Oberlahnstein liegende Siedlung 
sich erstreckte, lässt sich nicht angeben; weniger noch wissen wir von der 
Ansiedlung in der Nähe des Hafens und von der eben erst beobachteten in 
Niederlahnstein, deren Reste bereits in die römische Zeit hinein reichen. Dass 
aber die Dörfer so nahe zusammen sich finden, deutet auf einen nicht geringen 
Stand der Kultur in dieser Zeit. 

Die Frage nach der Herkunft der Leute, die damals in solcher Zahl das 
Rheinthal hier bevölkert haben, lässt sich mit ziemlicher Sicherheit beantworten. 
Als Träger der La Tene-Kultur gelten die Kelten, die, wie es scheint, um die 
Mitte des ersten Jahrtausends vor Christi Geburt in grossen Schwärmen ihre 
gallische Heimat verliessen und jenseits der Grenzen derselben neue Wohnsitze 
suchten. Dass sie dabei über den Rhein gingen und tief in Germanien ein- 
drangen, galt bereits den römischen Geschichtsschreibern für ausgemacht (Cäsar. 
De bell gall. VI, 24). Sicher haben sie dann den benachbarten germanischen 
Stämmen den Stempel ihrer überlegenen Kultur in Anfertigung von Schmuck 
und in der Herstellung von Gefässen aufgedrückt. Für eine solche starke 
Invasion des Rheinthaies in unserer Gegend spricht auch der Umstand, dass 
die Überreste der älteren La Tene-Zeit sich in so reicher Fülle zeigen, während 
aus der vorhergehenden jüngeren Ilallstattzeit im Thale sich kaum Spuren ge- 



29 

funden haben, die dafür reiclilich auf der benachbarten Höhe erscheinen. Jene 
kräftige Expansion der Kelten war jedoch nicht von langer Dauer. Die kriegs- 
tüchtigeren Germanen hemmten das Vordringen neuer Stämme und drängten die 
Fremdlinge langsam zurück. Es blieben aber auf der rechten Rheinseite in 
der Nähe des Stromes Kelten wohnen, die hier, gestützt auf ihre überrheinischen 
Stammesbrüder und in regem Verkehr mit denselben, ihre Eigenart beibehielten, 
ein Verhältnis, wie es zur Zeit Cäsar s am Niederrheine bei dem Stamme der 
Menapier bestand, die auf beiden Seiten des Flusses Dörfer und Gehöfte hatten. 
In gleicher Weise sind wohl auch die Kelten von Braubach und Lahnstein als 
eine Abzweigung der auf der anderen Rheinseite wohnenden Treverer auf- 
zufassen. "Wenn diese daher zur Zeit der bereits sinkenden Römerherrschaft 
die Grenzhut auf den Höhen des Taunus übernahmen, so mochte mancher von 
ihnen sich als Beschützer des nahen heimischen Bodens fühlen. Auf den engeren 
Zusammenhang zwischen dem rechten und linken Rheinufer deutet auch die 
völlige Übereinstimmung der Gefässe von hüben und drüben in Form und 
Herstellungsweise. Doch soll damit nicht gesagt sein, das die keltischen Be- 
wohner Braubachs hier unvermischt mit germanischen Elementen in den letzten 
Jahrhunderten vor Christi Geburt gewohnt haben. Es ist wohl anzunehmen, 
dass die Ubier, die zu Cäsar s Zeit nach dessen Zeugnis am rechten Rheinufer 
in unserer Gegend hausten, allmählich sich mit den Bewohnern der Rheinorte 
vermischten. Das ist um so wahrscheinlicher, als die Ubier, wie uns berichtet 
wird, in freundschaftlichem Handelsverkehr mit dem linken Rheinufer standen 
und in Kultur und Sitten sich von den Galliern kaum noch unterschieden. Daher 
haben wir wohl wenigstens für das letzte vorchristliche Jahrhundert eine aus 
gallischen und germanischen Elementen gemischte Bevölkerung mit gallischer 
Kultur anzunehmen, die schon deshalb den rein germanischen Stämmen verhasst 
war. Zu der Ansiedlung in unmittelbarer Nähe des Stromes, auf einem Terrain, 
das jetzt häufig der Überschwemmung ausgesetzt ist, was damals nur äusserst 
selten vorkam, weil die stärkere Bewaldung im inneren Germanien ein rasches 
Anschwellen der Flüsse hinderte, hat sicher der Fischfang beigetragen. Dafür 
sprechen auch die vielen Muscheln, die sich in den Hütten Oberlahnsteins und 
Braubachs finden. Auf Ackerbau und Viehzucht weisen gleichfalls manche 
Funde. Das Schwein muss im Haushalte eine besondere Rolle gespielt haben, 
denn Schweineknochen treten in den Hütten am stärksten auf. Ein Erwerbs- 
zweig aber zeichnet die keltischen Bewohner Braubachs vor denen Lahnsteins 
aus und hat wohl auch die so starke Besiedelung des ersteren Ortes mit ver- 
anlasst, das ist der Bergbau. 

Er beantwortet wohl auch die Frage, die sich leicht aufdrängt, welcher 
Umstand gerade an der schmalen Thalstelle von Braubach eine so starke Be- 
siedelung in früher Zeit veranlasst hat, da das Terrain weder für den Acker- 
bau, noch für die Viehzucht besonders günstig ist. Aus den Gräbern an der 
Emserstrasse wurden neben den La Tene-Gefässen auch kleine Erzstücke hervor- 
geholt. Als neben dem Hause des verstorbenen Apothekers Schmidt an der 
Oberlahnsteiner Strasse ein Keller ausgeschachtet wurde, stiess man auf ein 
Steinkistengrab, das die Bruchstücke weniger La Tone-Gefässe mit den Resten 



30 

des Leichenbrandes und als fernere Beigabe 75 Pfd. Erzstücke enthielt. In 
zwei Gräbern, die beim Bau des Charlottenstiftes, gleichfalls an der Oberlahn- 
steiner Strasse, gefunden wurden, lagen in dem einen 75, in dem andern 80 Pfd. 
klein geschlagene Erzstücke. Sie sind in Braubach verhüttet worden und zeigten 
dieselbe Beschaffenheit, wie die auch jetzt dort gefundenen Erze. Auch die im 
Weinberge des Herrn Wiegel etwas weiter abwärts gefundenen Grabstätten hatten 
ebenfalls Erzstücke. Endlich fanden sich beim Bau eines Hauses an der Emser- 
strasse (Schmidt) in der Erde kleine Häufchen von Bleierzen, die wohl auch 
Gräbern angehörten, da hier ein Grabfeld liegt. Die Scherben, die mit den 
Erzstückchen den Grabinhalt bildeten, sind wahrscheinlich nicht beachtet worden. 
Das können nur die Gräber von Bergleuten gewesen sein, denen man einen 
Teil der Schätze, die sie dem Schosse der Erde in mühevoller Arbeit entrissen 
hatten, mit auf die Wanderung ins Jenseits gab. Wie in den Gräbern, so 
fanden sich auch in den Hütten am Marksburghange Erzstückchen und ebenso 
in fast jeder Hüttenstelle im Thale auf dem Gebiete des Bahnhofes der Klein- 
bahn. Die Bewohner des Oberlahnsteiner Dorfes haben an dieser Arbeit wohl 
nur w^enig teilgenommen, denn hier wurde in den vielen Einschnitten nur ein 
einziges grosses Stück Bleierz gefunden. Einige den Hütten entnommene 
Erze und Schlacken wurden durch Herrn Direktor Leu sehn er in Friedrichs- 
segen freundlichst untersucht. Die Bleierze enthielten 62,6 ^o Blei und 59,2 Gr. 
Silber per 100 Ko. ; die Kupfererze 5,1^0 Kupfer und 12,4 Gr. Silber per 
100 Ko. Sie entsprachen völlig den Erzen, die zur Zeit hier gewonnen 
werden. Die Bleischlacken weisen auf primitive Bearbeitung ; sie enthalten 
23,9 7o Eisen und 34,8 ^/o Blei und würden, in Mengen vorhanden, sich vor- 
teilhaft verwerten lassen. Es ist daher kein Zweifel, dass schon lange vor 
Christi Geburt die blei- und silberreichen Abhänge des Taunus Beachtung ge- 
funden haben. Das ist auch nicht zu verwundern, da die Erzgänge hier oft 
unmittelbar zutage treten. So berichtet beispielsweise i. J. 1768 der Amt- 
mann Kekule von Braubach, „dass zwischen dem Kerkertser Wald und den 
auf Oberlahnsteiner Gebiet liegenden Wetzlarer Hecken mitten auf dem Acker- 
land w^ohl über 400 Erzgänge sich zeigten und die schönsten weissen, grauen 
und grünen Bleierze dort gefunden wurden". Die Gänge erwiesen sich übrigens 
später als Nester, die die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllten. Es 
wäre natürlich von Interesse zu wissen, w^o die Leute der La Tone-Zeit ihre 
Erze dem Boden entnommen haben, und es müssen von einem stärkeren Berg- 
bau wohl auch Spuren übrig geblieben sein, zumal da die Gallier im Gruben- 
bau wohl erfahren waren (Caes. De bell. gall. YH, 22; IH, 21) und darum 
auch hier schwerlich nur Tagbau getrieben wurde. Eingestürzte alte Schachte 
und Schürfplätze finden sich in der Nähe von Braubach überall. Ihr Alter 
lässt sich nicht bestimmen. Sichere Zeichen uralten Bergbaues finden sich aber 
in dem Gebiet zwischen Eniscrstrasse und Kerkertsweg, der alten Verbinduugs- 
strasse zwischen Braubach und Ems. Auf der Höhe liegen hier die Felder des 
Ickerstieles. An dem steilen Südabhango desselben, gegenüber der Braubacher 
Hütte, zeigen sich 4 Stollen übereinander. Der niedrigste kommt neben der 
Emserstrasse zum Vorschein und entstammt jüngerer Zeit. Der zweite ist 



31 

ebenfalls offen und nur mit dem Eisen bearbeitet ohne Anwendung von Pulver. 
Vor ihm liegt eine Halde, aus der noch in jüngerer Zeit Erze herausgenommen 
und verhüttet wurden. Als der Stollen in Betrieb war, hat man nur die besseren 
Stücke genommen und die schlechteren dem Abfall überwiesen. Bei dem Bau 
der Häuser Hermann i und Hammel, die unter der Halde liegen, wurden in 
mehr als Metertiefe viele Erzstücke gefunden und nach der Hütte gebracht. 
Sie waren offenbar bereits vor sehr langer Zeit von der Halde abgerutscht und 
sind im Laufe der Jahrhunderte von angeschwemmtem Boden überdeckt M'orden. 
In den sechziger Jahren wurde dieser Stollen noch einmal kürzere Zeit benutzt. 
Die beiden oberen sind jetzt schwer zugänglich und verschüttet. Der eine 
liegt unweit des Plateaus ca. 100 m östlich vom Dreieckstein auf dem Icker- 
stiel. Nur ein kleiner Teil der Öffnung ist noch frei und lässt erkennen, dass 
auch dieser Stollen ohne Anwendung von Pulver angelegt ist. Vor ihm ist 
eine nennenswerte Halde nicht zu sehen, dagegen ist der Abhang bis an den 
Fuss des Hügels mit Abfallsteinen bedeckt, die aus diesem und dem benach- 
barten Stollen gekommen sein müssen. Dieser liegt 25 m von jenem entfernt und 
fast in gleicher Höhe. Er ist ganz verschüttet. Beide sind auf den Bergwerkskarten 
als alte Stollen verzeichnet und sicher früher als der tiefere zweite Stollen. 
In der Nähe, dicht am Dreiecksstein, findet sich auch ein mit Gestrüpp be- 
wachsener, zusammengestürzter alter Schacht mit starkem Aufwurf. Es ist 
wahrscheinlich, dass hier in der Nähe des Höhenrückens die frühesten Berg- 
leute Braubachs ihre Erze geholt haben. In jüngerer Zeit fand der Ickerstiel 
wieder Beachtung. Im Jahre 1722 erteilte Ernst Ludwig zu Hessen-Darmstadt 
die Erlaubnis, auf dem Ickerstiel zu graben, weil dort Gänge und Adern von 
Kupfer sich zeigten. Auf diese Zeit kann nur der unterste Stollen zurück- 
gehen. Die von der Emser Blei- und Silberbergwerksgesellschaft in Braubach 
angelegte Grube bearbeitet wieder den Ickerstiel. Dabei stiess man auch auf 
die von dem zweiten Stollen ausgehenden alten Gänge, die sich in ihrer vollen 
Länge bisher nicht ermitteln Hessen. Es ist zu erwarten, dass bei der weiteren 
Aufschliessung der Viktorgänge, an denen die 4 Stollen liegen, auch die Spuren 
der ältesten Bearbeitung genauer in die Erscheinung treten, und es Hesse sich 
immerhin hoffen, dass dabei irgend ein Gegenstand gefunden würde, der den 
frühesten Bergleuten augehört hat. 

Erwähnt werden möge hier auch ein Schacht, der in der Nähe der Emser- 
strasse in der Palm'schen Sandgrube neben der dort gefundenen La Tene-Hütte 
sich zeigt. Er ist ca. 2 m breit und geht 5 m tief durch den hier lagernden 
Bimssand bis auf den Boden der Sandgrube, der in gleicher Höhe mit der Land- 
strasse liegt. Ob er noch viel tiefer führt, lässt sich nicht erkennen. Jeden- 
falls ist er schon früh angelegt, denn er beginnt erst ca. V/i m unter Terrain. 

Im übrigen haben die Bewohner des Dorfes nicht nur Süber, sondern 
auch Eisen gewonnen. Über der einen Hütte, schon in der La Tone-Schicht, 
fand sich eine sogenannte Sau, d. h, der am Boden des Ofens übrig bleibende 
Rest in Gestalt eines Kuchens, der Eisenschlacke enthielt. Auch zeigten sich 
häufiger Eisenschlacken in den Hütten. Sie enthielten noch 43,2 '^ o Eisen ohne 
Bleispuren und Stückchen von reinem Eisen. Die offenbar primitive Ausbeutung 



32 

ist ziemlich genau dieselbe gewesen wie die in den Mitteilungen (Oktoberbeft 
1902) besprochene bei Yallendar. Hier waren in der Schlacke 41,11 7*^ Eisen 
und ebenfalls noch reines Metall. Eisenstein wird in der Umgebung von Brau- 
bach an mehreren Stellen gefunden. (Auch auf der gegenüberliegenden Rhein- 
seite bei Boppard fand Herr Förster Bolkenius Eisensteinschlacken neben 
einem römischen Hause.) 

Wie die Schlacken beweisen, standen die Schmelzöfen im Thal neben den 
Hütten des Dorfes. 

Bergbau, Ackerbau und Viehzucht müssen in den Orten einen verhältnis- 
mässigen Wohlstand hervorgerufen haben, wovon die oft reich dotierten Gräber 
mit den mancherlei Schmucksachen Zeugnis ablegen. Die wohlhabende Frau 
trug nach dem Befunde des nördlichsten Braubacher Grabes ein Gewand, das 
auf der Brust unter dem Halse durch eine Nadel, in der Mitte durch einen 
Gürtel mit verzierter Schnalle zusammengehalten wurde. Hals, Unterarme und 
Fussgelenke waren mit Bronzeringen geschmückt, Halsring und Gewandnadel 
in gleicher Weise durch eingelegte Korallen verziert. Nur wenige Stücke 
scheinen auf religiösen Kult hinzuweisen, wie das grosse Messer mit Bronzegriff 
und der Thonvogel. 

Wie die Orte in jener Zeit geheissen haben, ist uns nicht bekannt. Nur 
Braubach scheint einen altkeltischen Bestandteil in der jetzigen Namensform 
bewahrt zu haben. Der Name ist für unsern Ort zuerst schriftlich genannt i. J. 886 
(Nass. Urkundenbuch I, 33) und zwar in der Form Bruibah, später (974) 
Briubach. Der erste Teil des Wortes: brau, bru wird in Verbindung gebracht 
mit dem englischen brow (schott. bree, brie) = Hügel, Fels. Die in fränkischer 
Zeit entstandene Ortsbezeichnung Bruibah würde sich alsdann anlehnen an einen 
bereits vorhandenen keltischen Ortsnamen, dessen Hauptbestandteil brui = Berg 
war. Die Bezeichnung würde auch für das am Marksburghange entstandene 
Dorf wohl passen. 

Der Name kommt übrigens mehrfach innerhalb der Grenzen des keltischen 
Sprachgebietes vor. Briubahc im Niddagau, nicht weit von Königstein, wird 
i. J. 874 erwähnt (Nass. Urk. I, S. 29). Es giebt ein Brubach im Landkreise 
Trier und eins im Oberelsass, ein Brubbach im Kreise Neuwied. Ausserdem 
fliesst ein Braubach aus der Gegend von Nieder-Gladbach zum Wisperthal. In 
ähnlicher Weise sind die Ortsnamen: Brauweiler, Bez. Cöln, und Bruschied, 
Kreis Simmern, gebildet. 

Das Braubach g(!genüberliegende Brey auf der linken Rhoinseite , alt 
bria = briga = Berg, kommt in der Namenform nahe ; ebenso liegen im Kreise 
Neuwied die Orte : Brubbach und Breibach einander gegenüber. 

An der Hand der wenigen Grabungen lässt sich einiges auch für die 
Geschichte der Keltonorte gewinnen. In den leichten Holzhütton Braubachs 
muss mehr wie einmal das Feuer seine v(!rniehtende Wirkung ausgeübt haben, 
dafür spr(!chen die gelegentlich über Brandsclmtt errichteten Bauten. In der 
Spät -La Teno -Zeit aber ist über das Dorf eine gewaltige Katastrophe herein- 
gebrochen, die dasselbe grösstenteils oder ganz vernicht(^t hat. Eine mächtige 
Feuersbrunst legte die dicht aneinander gebauten Holzhäuser in Asche und 



33 

verwandelte die Lehmwünde derselben in /iegelartig-e Stücke, die von dem 
Brande Zeugnis ablegen. Auch die am weitesten nach Osten liegende Hütte 
an der Emserstrasse muss damals zerstört worden sein, wie der reiche Scherben- 
inhalt beweist. 

Genau dasselbe Schicksal wie Braubach hat auch das Oberlahnsteiner 
Dorf gehabt und zwar um dieselbe Zeit, denn die Gcfässreste, die in den 
Hütten der Geil'schen Ziegelei gefunden wurden, stimmen mit den Braubachei-n 
überein. Nun zeigten sich römische Scherben auf dem Boden der Hütten nicht, 
die wenigen, die zum Vorschein kamen, lagen über der La Tene-Schicht, da- 
gegen fanden sich ein Randstück eines Terra nigra-Gefässes und vereinzelte 
Stücke der glatten Gefässe mit Drehscheibenringen, wie sie in den Gräbern an 
der Emserstrasse vorkommen. Es muss daher der Brand stattgefunden haben, 
als diese letzteren, die neben frührömischen Scherben sich finden, eben anfingen 
in Gebrauch zu kommen. Das geschah in den letzten Jahrzehnten vor Chr. 
Geburt, wo auf der gegenüberliegenden Rheinseite in dem Braubach benachbarten 
Gebiete die La Tene-Gefässe fast ganz aufhören (Westd. Zeitschr. XIX, 33 ff.). 

Die Zerstörung der Dörfer fällt demnach in die letzte Hälfte des ersten 
vorchristlichen Jahrhunderts. Da Braubach sowohl wie Oberlahnstein gleich- 
zeitig verschwanden, so liegt es nahe, sich nach historischen Ereignissen um- 
zusehen, die ein solches Zerstörungswerk im Gefolge haben konnten. In der 
That konnte es in dieser Zeit an Anlässen zu demselben nicht fehlen. Streitig- 
keiten zwischen den Ubiern und den tiefer im Innern wohnenden Germanen 
veranlassten zum Teil Cäsar 's Rheinübergänge. Im Jahre 52 konnten die 
Treverer an der grossen Erhebung der Gallier gegen die Römer nicht teil- 
nehmen, weil sie selbst während der ganzen Dauer dieses nationalen Kampfes 
von den Germauen bedrängt wurden (De hello gall. VII, 63). Damals haben 
also sicher am Rheine in unserer Gegend Kämpfe stattgefunden, und dass dabei 
die Dörfer gallischer Kultur auf der rechten Rheinseite gefährdet waren, liegt 
auf der Hand. Die Kämpfe dauerten fort und führten schliesslich im Jahre 38 
vor Chr. zur Übersiedelung der Ubier auf die linke Rheinseite. Im Laufe 
dieser unruhigen Jahre sind wohl unsere Dörfer in Brand geraten. 

Nach dem Unglücke durchsuchten die Besitzer die Brandstätten und 
schafften alle noch brauchbaren Gegenstände hinweg, denn ausser den massen- 
haften Scherben, zerbrochenen Gewichten und Mahlsteinen und kleinen Bronze- 
drähten fand sich kaum ein erhaltenes besseres Gerät. Doch weder in Braubach noch 
in Oberlahnstein wurden in der Nähe des Rheines über den Aschenhaufen neue 
Wohnstätten errichtet, auch nicht in der späteren Zeit. Nur über einer Hütte in 
Braubach fand sich eine andere aus der Karolingerperiode mit Scherben von 
weissen, rot getupften Krügen und grauen Scherben, die durch quadratische 
Grübchen verziert sind. Auch diese Hütte ist durch Brand zerstört worden, 
wie die Lehmwandreste in der Karolingerschicht zeigen, Ihr Boden lag 1,40 m 
unter der Oberfläche. Zwei Pfostenlöcher derselben gingen noch CO cm tiefer 
und hatten'eineu Durchmesser von 25 cm. Dennoch müssen noch keltische Bewohner 
nach dem Brande zurückgeblieben sein, die die glatten, auf der Drehscheibe 
verfertigten Gefässe an der Emserstrasse hinterlassen haben, deren Formen der 

3 



34 

jüngeren La Tene-Zeit angehören. Sie haben sich der römischen Kultur anbe- 
quemt, wie auch die Eisensachen den römischen Einfluss zeigen. In ihnen 
haben wir die Bewohner Braubachs unmittelbar vor und nach Christi Geburt 
zu sehen. Jedenfalls haben diese es für zweckmässiger gehalten, ihre Hütten 
weiter ostwärts nach der Höhe zu anzulegen. Für Oberlahnstein fehlen noch 
die glatten Töpfe und Vasen, dagegen sind bereits die Wohnplätze römischer 
Zeit östlich von den alten keltischen nachgewiesen, jedoch gehören die bei der 
kurzen Untersuchung gefundenen wohl einer etwas späteren Periode an. Ihre 
Behandlung muss einer anderen Arbeit vorbehalten bleiben. Schon jetzt aber 
können wir sagen, dass die alten Kulturstätten zu keiner Zeit verlassen worden 
sind, und dass neben Schutt und Ruinen stets fleissige Menschen ihre Hütten 
aufbauten und den Kampf ums Dasein rüstig aufnahmen. 



Niederlassung aus der Hallstattzeit bei Neuhäusel 

im Westerwald, 

(Nachtrag.) 



Von 

W» Soldan* 

Mit einer Tafel (V). 



Im Spätherbste v. J. beabsichtigte ich, nach vollständiger Freilegung der 
Tenne des grossen Gebäudes auf der Nordseite des Fichtenkopfes (Bd. XXXII, 
Taf. Y) alle offengelegten Pfostenlöcher durch Wiedereinsetzen von Pfosten zu 
markieren, sie dadurch zu konservieren und auch den Grundriss der ganzen bau- 
lichen Anlage dem Besucher sichtbar zu machen. Ich hatte dabei zugleich die 
Absicht, noch vor der Berichterstattung die bereits begonnene Revision der Pfosten- 
lücher durch sorgfältige Freilegung ihrer Sohlen auch noch bei den letzten zum 
Abschluss zu bringen. Aber die gegen Mitte Oktober des vorigen Jahres eintreten- 
den heftigen und andauernden Regengüsse erzwangen damals einen jähen Abbruch 
der Arbeiten. Ich konnte deshalb das im Spätherbst 1901 notgedrungen Unter- 
lassene erst im Sommer dieses Jahres, nach bereits erfolgter Berichterstattung 
nachholen. Ueber die Ergebnisse der betreffenden Untersuchungen, die in der 
ersten Hälfte des Juni dieses Jahres ausgeführt wurden, gestatte ich mir nun, 
in Nachstehendem Bericht zu erstatten. 

Die Untersuchungen hatten vor allem eine Vervollständigung des Grund- 
risses durch das Aufdecken acht weiterer Pfostenlöcher zur Folge. Ich werde 
bei Besprechung der Einzelheiten auf sie hinweisen. Andererseits mussten aber 
auch einzelne allerdings nur sehr kleine Verschiebungen von Pfostenlöcher- 
fluchten durch genauere Ermittelung der Pfostenlöchcrsohlen bei der Revision 
festgestellt werden. Bei dieser Revision war immer mit möglichster Genauigkeit 
die Frage zu beantworten : Wo hat der betreffende Pfosten in dem während 
der zweijährigen Dauer der Untersuchung durch Wltterungseinflüssc und wieder- 
holtes Ausräumen allmählich weiter gewordenen Pfostenloch denn wirklich ge- 
standen? Ueber das die Beantwortung dieser Frage vorbereitende Verfahren 
habe ich mich in meinem vorjährigen Berichte auf Seite 159 schon im allgemeinen 
ausgesprochen. In den hier vorliegenden Einzelfällen halfen kleine Vertiefungen 
in der Lochsohle, Eigentümlichkeiten einzelner Partien der Lochwände, von der 

3* 



36 

Verkeilung herrührende Thonbrocken u. s, w. in der Eegel unschwer jene Stelle 
finden. In Zweifelfällen, v/enn das Loch durch die oben erwähnten Einflüsse 
erweitert war, aber die gleichfalls erwähnten Einzelanzeigen fehlten, half eine 
geometrische Konstruktion mit Benutzung der Nachbarpfostenlöcher, da die bei 
Neuhäusel und seitdem auch au anderen Orten gemachten Erfahrungen gezeigt 
haben, dass die Pfostenlöcherfluchten,, wenn nicht, wie bei der \Vestfront des 
grossen Baues, besondere Gründe für eine Abweichung Ton der Regel vorlagen, 
gerade Linien sind. Wie wenig bedeutend die Abweichungen des ursprünglichen 
und des revidierten Plans sind, davon kann man sich übrigens ein Bild machen, 
wenn man den ursprünglichen Plan (Bd. XXXII, Taf. V) unter sorgfältiger 
Festhaltung der !Messlinien B QQi Ä und B Oi I. II. III. IV. durchpaust und 
die Pause so auf den dieselben Messlinien zeigenden revidierten Plan legt, dass 
die Messlinien sich decken. 

Bei Markierung der Südfront (1, 7) durch Einsetzen von Pfosten 
in die Pfostenlöcher wurde folgendermassen verfahren. Den Anfang bildete 
eine nochmalige Untersuchung der Pfostenlöcher 1 und 7. Dabei zeigte sich 
bei Pfostenloch 1, dass der in eine frühere Wohngrube h (Taf. V, 2) eingesetzte 
Pfosten, wie eine kleine Vertiefung in der Sohle erkennen liess, 30 — 40 cm 
weiter östlich in der Linie 1, 62 seinen Platz hatte. Bei 7 war die tiefste 
Stelle hart an der Südwestwand und das senkrechte Aufsteigen, sowie die Härte 
dieser Wand veranlassten mich, den Markierungspfosten gerade hier einzusetzen. 
Nachdem nunmehr bei 1 und 7 an den genau bestimmten Stellen Pfosten ein- 
gesetzt waren, wurden die Mittelpunkte ihrer Köpfe durch eine straff' gespannte 
Schnur miteinander verbunden. Sie lief, wie mit dem Senkel bestimmt wurde, 
über die tiefsten Stellen der Löcher 2, 3, 5 und 6 weg. Nur bei Loch 4 zeigte 
sich eine kleine Abweichung nach Süden. Aber diese Abweichung war so^ un- 
bedeutend, dass durch eine kaum merkliche Neigung des eingesetzten Pfostens 
nach Norden auch der Mittelpunkt seines Kopfes in die Linie 1, 7 gebracht 
werden konnte. Ich liess deshalb auch die Pfosten der Löcher 2 bis 6 so fest 
stampfen, dass bei allen die Mittelpunkte der Pfostenköpfe in der Linie 1 — 7 
liegen. Bemerken muss ich noch, dass bei den Pfosteulöchern 3 bis 6 die 
tiefsten Stellen, wo die Markierungspfosten eingesetzt wurden, hart an der Süd- 
westwand sitzen. 

Bei Markierung der Ostfront (1, 63) bildeten die revidierten 
Pfostenlöcher 1 und 62 die Grundlage. Hier trat ein neues Pfostenloch 59 
hinzu und die Sohle des bereits stark abgenutzten Pfostenlochs 60 rückte um 
ca. 30 cm nach Norden. Eine Verschiebung der Fluchtlinie konnte bei 1, 86 so 
wenig festgestellt werden, wie bei 1, 7. 

Die Markierung der N o r d f r o n t (17, 86) erforderte besondere 
Vorsicht, weil die zu ihr gehörigen Pfostenlöcher 63, 64, 66 und 43 von vorn- 
herein schon ziemlich breit waren und ihre verhältnismässig starke Abnutzung 
durch die gerade in ihrer Nähe notwendigen Einzel Untersuchungen nicht ver- 
mieden werden konnte. Aber wichtige Anhaltspunkte gaben 17, das seit seiner 
ersten Aufdeckung im Frühjahr 1900 unberührt geblieben war, 30, das ich 
erst im Juni dieses Jahres bei genauer Untersuchung der Nachbargrube 99 



37 

auffand, die üblichen Vertiefungen in der Sohle bei 63, 64, 66 und 43 und das 
Pfostenlocli 67, das von seiner Aufdeckung im Jahre 11300 an unter dem Schutze 
der aus der benachbarten Cisterne ausgehobenen Erde gelegen hatte. Bei der 
Festlegung der Flucht wurden die Pfostenlöcher 17 und 67 in derselben Weise 
benutzt, wie bei der Südfront die Löcher 1 und 62. Dabei stimmte alles so 
gut, dass ich kein Bedenken mehr trage, an dem Schnittpunkt der Nord- und 
der Ostflucht, bei 86 ein Ffostenloch in den Plan fest einzutragen, obwohl es 
wegen einer darüber sitzenden schönen Buche noch nicht ausgegraben ist. Bei 
der Kovision der Nordflucht zeigte es sich auch, dass das auf Taf. V neben p2 
eingezeichnete Pfostenloch, das seither schon wegen seiner Lage und geringen 
Tiefe nur mit Misstrauen betrachtet wurde, kein Pfostenloch, sondern eine etwa 
ca. 70 cm breite seichte Grube ist. Ihre Untersuchung führte zur Entdeckung 
des neuen Pfostenlochs 30, welches das Nordende der Fluchtlinie 6, 30 bildet, 
die die Wassergrube mit Abfluss (cf. XXXII, Taf. V) an ihrer Westseite 
berührt. Das Pfostenloch 65 passt nicht in die Nordflucht. Es gehört vielleicht, 
wie 78, einem noch nicht aufgedeckten älteren Bau au. 

Die Revision der Pfostenlöcher der W e s t f r o n t erschien mir wünschens- 
wert, weil dieselbe unregelmässig verläuft, ihre Ausgrabung somit Schwierigkeiten 
bietet und ausserdem die Humusdecke hier so stark ist, dass nur durch tiefes 
Graben über die ehemalige Stellung der Pfosten Klarheit gebracht werden kann. 
Aber trotzdem ergaben sich hier für den neuen Plan gegenüber dem vorjährigen 
nur zwei unbedeutende Verschiebungen. Das Pfostenloch 13 erscheint 40 cm nach 
Norden, das Pfostenloch 14 aber 30 cm nach Süden gerückt. Dagegen lassen 
die im Juni 1. J. hier, in der Flucht 6, 30 und auch östlich von ihr vor- 
genommenen Nachuntersuchungen über die innere Gliederung des Baus, aller- 
dings immer noch mit einer gewissen Reserve, interessante Schlüsse ziehen. 
Da fällt zunächst die Flucht der Pfostenlöcher 24—34 auf. In ihr sind 45 
und 34 neu; in sie rückt auch das Pfostenloch 46 ein. Dagegen scheidet 48 
aus ihr aus und rückt in eine zweite Flucht 48—51 ein. Die Pfostenlöcher 24, 
47, 46, 45, 44 und 34 gehörten wohl ursprünglich der Nordwand des älteren 
Baus (Bd. XXXII, S. 163 etc.) an, dessen Tenne unter der jüngeren Tenne 
an den doppelt schra^ierten Stellen überall gefunden wurde. Sein Kern bildete 
wohl ein viereckiges Haus mit den Ecken 3, 6, 24, 34. Mit ihm in unmittelbarem 
Zusammenhang stehend lag nach Westen hin ein weiterer Bau mit den Ecken 6, 
7, 13 und 25. Das viereckige Haus und der Anbau bildeten zugleich die ältere 
bauliche Anlage. In ihr lag eine besondere Feuerstelle mit Zugloch in der 
Südostwand und die Grube mit künstlichem Wasserabfluss. Diese Anlagen 
wurden aber auch nach Vergrösserung des ganzen Baus und Vorschieben zweier 
Wände nach Norden und Osten beibehalten, denn über der älteren Tenne liegt 
auch in ihm die jüngere. Die Feuerstelle und die Grube mit künstlichem 
Abfluss wurden durch die Veränderung nicht berührt, denn die jüngere Tenne 
lässt diese Gruben frei. Nicht ohne Interesse ist auch die Lage der beiden 
Pfostenlöcher 19 und 32. Sie halbieren die gegenüberliegenden Seiten 6, 24 
und '3, 34. Sollten die beiden Pfosten vielleicht den Firstbalkcn des Daches 
o-etragen haben? Dann fände auch die in den Fclsgrund liineingearbeitete Ver- 



ö^t^c^r 



38 

tiefung 85 eine natürliche Erklärung in der Annahme, dass hier eine Stütze 
des Firstbalkens gestanden habe. Vielleicht sass auch eine solche bei 35, denn 
dies Loch fällt in den ersten schon im Herbst 1899 gezogenen Versuchsgraben 
und ist durch wiederholtes Zuwerfen und Wiederausräumen stark abgenutzt. 
Der diesem Hause sich anschliessende gleichalterige Bau war yielleicht durch 
zwei Zwischenwände 20. 22. 11 und 21, 23, 12 in drei Räume geteilt, deren 
südlicher, grösserer, an die Grube mit künstlichem Abfluss sich anschloss. 
Seine Tenne war mit besonderer Sorgfalt hergerichtet, auch Hessen sorgfältiger 
konstruierter Wandverputz und Eeste feinerer Gefässe vermuten, dass er in 
beiden Perioden vielleicht als ein bevorzugter Raum angesehen worden sei. 
Die beiden Pfostenlöcher 52 und 53 und das bei der Nachuntersuchung noch 
weiter aufgedeckte Loch 54 lassen vermuten, dass dem älteren Bau 
nach Norden hin noch ein von drei Pfosten gestützter Vor- 
bau angeschlossen war. Solche Vorbauten scheinen in vor- 
geschichtlicher Zeit üblich gewesen zu sein. Sie finden sich bei 
Neuhäusel noch an der Nordostecke des hier besprochenen grossen Gebäudes 
mit den Pfostenlöchern 68, 69 und 70, wo auch noch eine Vorschiebung der 
Tenne stattgefunden hat, vielleicht auch noch auf seiner Südfront mit den 
Pfostenlöchern 83 und 84, und bei dem grösseren Gebäude in der Waldecke 
nächst Neuhäusel. ^) Sie finden sich auf dem Mont Beuvray-), und ich habe sie 
neuerdings auch an einem grösseren, wohl germanischen Gebäude am Schrenzer 
bei Butzbach gefunden. Gehören auch die Pfostenlöcher 52, 53 und 54 einem 
solchen Vorbau an, so hat er im Anfang an der freien Nordwand des älteren 
Gebäudes gestanden und ist dann vielleicht in den Hof aufgenommen worden, 
der nach der Erweiterung hier später eingerichtet werden musste. Die 
Pfostenlöcherflucht 48, 51 und das im Juni d. J. noch aufgedeckte Pfosten- 
loch 49 scheinen in das hier besprochene Pfostenlöchersystem nicht zu passen. 
Vielleicht gehören sie einer noch älteren Anlage an. Dass 
eine^solche vorhanden war, beweisen die nahe liegenden Gruben b 
undc. die von den beiden bis jetztaufgedecktenTennen, der 
älteren sowohl als der jüngeren, überzogen waren. Vergleicht 
man die vier Aussenfronten des grossen Gebäudes mit- 
einander, so muss auffallen, dass die Süd-, Ost- und Nord- 
front geradlinig verlaufen, die Westfront dagegen eine 
Einbuchtung zeigt, die bei den Pfostenlöchern 13 und 14 
ihre tiefste Stelle hat. Schon in meinem vorjährigen Berichte habe ich 
mich auf Seite 163 dahin ausgesprochen, dass bei dem erweiterten Gebäude 
die Anlage eines Innenhofs notwendig geworden sei. Dieser Innenhof 
musste natu r gemäss auf die Nordseite des älteren, bei der 
Erweiterung beibehaltenen Hauses, also hierher verlegt 
werden. Ich erlaube mir deshalb, die Vermutung auszu- 
sprechen, dass hier auf der Westseite ein Thor in diesen 



i)lTfas8. Annalen Bd. XXXIl, S. 156 u. 157 und Taf. IV. 

-) Dulliot, Foiiillcs du Mout Beuvray, l'lau am Anfanjj von Band II, 20 B. u. 28. 



39 

Inüouhof führte und zwar durch oino ThorhaUo mit den Pfosten 13, 25 
und 14, 26. Der Inncnhof war viereckig und umstellt auf der Westseite 
von den 4 Pfosten der Flucht 24—28, durch die das Thor 25, 2(5 führte, auf 
der Südseite von den 6 Pfosten der Flucht 24, 34, über die der Vorbau 52, 54 
1,3 m vorsprang, auf der Nordseite durch die 6 Pfosten der Flucht 28, 41 
und auf der Ost sei te von den 4 Pfosten 39, 40, 41 und 84, von denen die 
drei zuerst genannten zu der Umfassung des grösseren Saales gehören, den ich 
schon in meinem vorjährigeu Berichte hier angenommen habe. Schon in meinem 
vorjährigen Berichte habe ich mich ferner darüber ausgesprochen, dass ich indem 
Vorliandensein der oberen (jüngeren) Tenne an dieser Stelle gegen die Annahme 
eines Innenhofes keinen Widerspruch mehr sehen kann. 

Bemerkenswert sind auch dieErgebnisseder Nach Untersuchung 
der tennenlosen Stelle an der Nordwestecke, die von den 
Pfostenlöchern 17—6 4, 64—75, 27, 15 und 15—17 umstellt ist. 
In meinem vorjährigen Berichte (Nass. Ann. Bd. XXXII, S. 163) habe ich mich 
dahin ausgesprochen, dass in diesemIlaumevon62 CUm Grundfläche 
vielleicht ein Stall für die Haustiere zu suchen sei. Wenn 
sich bei der Nachuntersuchung im Juni herausstellte, dass an Stelle des auf dem 
früheren Plane neben in eingezeichneten Pfostenlochs eine seichte aber ziemlich 
breite Grube 99 einzutragen und das betreffende Pfostenloch 30 in den Schnitt- 
punkt der beiden Fluchten 17, 86 und 6, 30 zu setzen sei, so bedeutet das 
keinen Widerspruch gegen diese Annahme. Eine gewisse Bestätigung erfährt 
sie aber durch die zwischen diesem tennenlosen Kaume und der benachbarten 
Cisterne angestellten Nachuntersuchungen. Bei den früheren Untersuchungen 
fand sich in der westlichen Spitze der Cisterne auf der Bimssandböschung eine 
Steinsetzung und in ihrer Nähe war die auf der Nordseite des Hauses vor- 
springende Tenne, welche westlich von Pfostenloch 64 abbricht, mit Steinen 
verstärkt. Bei der Nachuntersuchung fand sich bei Pfostenloch 64 der Ab- 
schluss der Tenne gerade so wie früher, aber von hier zog in flachem Bogen 
eine seichte, in den Boden vertiefte Mulde von im Anfang ca. IV2 und dann 
ca. 1 m Breite bis zu der Stelle des Cisterncnrandes, wo früher die Steinsetzuug 
gefunden wurde, und die horizontale Sohle dieser Mulde war mit kleinen, nicht 
aneinander stossenden unbehauenen Plättchen von Taunusschiefer belegt. Es 
war also d a f ü r S r g e getragen, dass d a s a n d e r S t e 1 1 e , w d i e 
Steine sassen, wohl durch Vermitteluug einer Holzpritsche 
aus der Cisterne geschöpfte Wasser auf bequemstem Weg 
über einen geplätteten Gang zu der tennenloseu Stelle ge- 
bracht werden konnte. Das wäre aber, wenn hier der Stall gelegen hätte, 
eine Einrichtung gewesen, wie man sie selbst bei einem modernen Bauern- 
hof nicht besser hätte treffen können. 

In meinem vorjährigen Berichte (Nass. Annalen Bd. XXXU, S. 161 etc. 
und Taf. V) habe ich die Vermutung ausgesprochen, dass im Nordosten 
des Baus ein grosser Saal lag. In dieser Vermutung konnte auch die 
Nachuntersuchung von diesem Sommer micli nicht irre machen. Das Geri])pe 
der Wände dieses Saales bildeten die Pfosten: 64 bis 86 nach Norden, 



40 

86 — 58 nach Osten, 58 — 39 und 41— 75 na c h Süden und 39 — 41, sowie 
75 — 64 nach Westen. Nach Osten, bis an den steilen Abhang heran, der 
hier nach der Thalschlucht des Platzer Bachs steil abfällt, war ein Vorbau mit 
den Pfosten 68 — 70 vorgeschoben, vor dem sich eine Verbreiterung der Tenne 
gut erhalten hat. In der südöstlichen Ecke des Saales fand sich eine Erhöhung 
der Tenne um rund 20 cm, die hier südlich der grössten der beiden in die 
Tenne eingeschnittenen Gruben ein erhöhtes Podium von 26 □ ra Fläche bildete. 
Nach beiden Teilen der Tenne, der höher- und der tieferliegenden, konnte 
man direkt aus dem Innenhofe und von dem Vorbau aus gelangen. Bezüglich 
der beiden soeben erwähnten, in die Tenne des Saales eingeschnittenen Gruben 
habe ich mich früher dahin ausgesprochen, dass die grössere eineFeuer- 
stelle und die kleinere ein damit in Verbindung stehender 
Vorrats räum gewesen sei. Ich kann diese Vermutung nur wiederholt 
aussprechen. Weiter habe ich in meinem vorjährigen Berichte (Nass. Annalen 
Bd. XXXII, S. 162) die Hypothese aufgestellt, dass in den in den Boden 
der grösseren Grube eingeschnittenen vier Pfostenlöchern 
einst vier Pfosten sassen, die über das Dach h inausragten und 
selbst ein Dach trugen, das vor Sonne und Regen schützte, 
ab e*r zugleich auch durch einenzwischenbeidenDächernbe- 
find liehen freien Raum dem Rauch den Abzug gestatteten. 
Für diese Hypothese möchte ich jetzt neue Belege beibringen. 

In meinem vorjährigen Berichte konnte ich auf ähnliche Einrichtungen 
liinweisen, die ich an älteren Häusern für industrielle Zwecke, nämlich alten 
Siedhäusern von Salinen und alten Eisengiessereien beobachtet habe und konnte 
weiter auf mündliche Beschreibungen Bezug nehmen, die mir von alten nieder- 
ländischen Bauernhäusern gemacht worden waren. Und wenn mir, wie das 
wiederholt geschah, der EinAvand begegnete, dass ein so schmaler und ver- 
hältnismässig hoher Bau unmöglich die nötige Stabilität gegen Wind besessen 
haben könne, so durfte ich darauf aufmerksam machen, dass man sich ja durch 
eine Verbindung jenes schmalen und hohen Gebäudes mit dem Gebälke des 
Dachstuhls habe helfen können. Die im Juni vorgenommene Nachuntersuchung 
zeigte aber auch, in welcher Weise hierbei die vorhandene Dachkonstruktion 
auszunutzen war und bald darauf erfuhr ich auch aus dem lebendigen, durch 
vorzüglich gezeichnete Skizzen erläuterten Berichte eines Reisenden, dass man 
das thatsächlich auch in gewissen Gegenden so auszuführen pflegt. 

Bei jener Nachuntersuchung fand ich nämlich am Nordende der Grube 
neben der Feuerstelle, noch in derselben, aber ihrem oberen Böschungsrand 
nahe, das Pfostenloch 42. Es liegt genau in der Verbindungslinie der beiden 
Pfostenlöchcr 62 und 77 und von beiden gleich weit entfernt. Waren aber die 
Pfosten 62 und 77 die Auflager eines Balkens der Dachkonstruktion, etwa des 
Firstbalkens, so war der Pfosten 42 an der zur Unterstützung dieses Balkens 
geeignetsten Stolle angebracht. Dieser Balken zog dann aber zwischen den 
Pfosten 79 und 80 der Ueberdachung der Feuerstelle so durch, dass man den 
einen durch Anlehnen von Süden, den anderen durch Anlehnen von Norden mit 
ihm und damit den ganzen Bau mit der Hauptdachkonstruktion in feste Ver- 



41 

bindung- bringen konnte. Weiter erzälilte mir Endo September d. J. Tlorr 
Historienmaler C r e m e r in Düsseldorf, diiss in Slavouien, wo er lange Zeit ge- 
reist war und Studien zu seinem Werke über die Geschichte der Malerei gemacht 
hatte, die Abfuhr des Jlauchs bei grösseren Bauernhäusern thatsächlich so ein- 
gerichtet ist, wie ich bezüglich des grössten Raums in dem Neuhäuseier Ilallstatt- 
haus vermute und zeigte mir ausserdem auch an einigen vorzüglich und zugleich 
mit grosser Genauigkeit ausgeführten Zeichnungen, dass die zur ilauchabfuhr 
dienenden Holzschlote mit ihren weit vors])ringenden Dächern mit der Dachhrst 
verbunden sind. 

Weiter muss ich noch bemerken, dass aucli im vorigen Winter bei der 
Wassergrube mit künstlichem Abfluss die unterirdische Sickeranlage wieder 
tadellos funktioniert hat. Im Juni ^^ar die Grube wieder vollständig trocken. 

Die auf Taf. Y des vorjährigen Berichts schraffiert gezeichneten älteren 
Gruben 1, 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, die von den Tennen bedeckt sind, habe ich bei 
dem hier beigegebenen Plan nur in Umrissen eingetragen. Auf die mutmassliche 
Bedeutung einzelner habe ich mir unter Hinweis auf den in vorstehendem 
gemachten Vorbehalt auch in dem Plan durch eingeschriebene Worte aufmerksam 
zu machen gestattet. 



Beiträge zur Schulgeschichte der Herrschaft 

Eppstein 

aus den ältesten Pfarr- Kompetenzbüchern und anderen Quellen des 

16. und 17. Jahrhunderts. 

Von 

W. Diehl 



über die Herrschaft Eppstein werden in dem Grossh. Hessischen Haus- 
und Staatsarchiv zu Darmstadt zwei Kompetenzbücher der einzelnen Pfarreien 
aufbewahrt, deren Betrachtung für die Kirchengeschichte des genannten Gebietes 
von grosser Bedeutung ist. Das erste, betitelt „Verzeichnus der kirchen 
und kirchen gütter in der herrschaft Eppstein", ist ein Teil des grossen 
Kompetenzbuches, das der Darmstädter Superintendent Peter Voltzius 
(1555 — 1578), zu dessen Diözese die Herrschaft Eppstein gehörte, im Anfang 
seiner Amtswirksamkeit, im Jahre 1557 nämlich, über die sämtlichen ihm unter- 
stellten Pfarreien angelegt und, durch spätere Nachträge und Korrekturen er- 
weitert, jahrelang als Handexemplar benutzt hat. Es ist von Herrn Archiv- 
direktor Frbr. von Schenk im Archiv für hessische Geschiebte und Altertums- 
kunde, Band XV, S. 644 — 660, zum Abdruck gebracht. Das andere, betitelt 
,,Yerzeychnus aller Pfarrherrn, Pfarrhen und Pfarrhgefelle in der 
Herrschaft Eppstein von inen übergeben ao 1568", das erstmahg im 
Zusammenhang mit diesem Aufsatz in der Anlage mitgeteilt wird, ist 11 Jahre 
später als das erstgenannte niedergeschrieben. Es verdankt seine Entstehung 
einem auf Anregung des Landgrafen Wilhelm von Hessen -Kassel hin auf der 
ersten Generalsynode gefassten Beschluss, der nach dem Abschied vom 21. /6. 1568 
bestimmte, dass jeder Superintendent „alle Pfarren in seinem Bezirck und 
darbeneben einer jeden Pfarren einkommen an geldt, Frucht, Wiesen, Acker, 
Garten underschiedlich verzeichne, auch ob hiebevor wass mehr darzu gehorett, 
und darvon entwendett, durch wen dass beschehen, und wo itzigcr Zeit solcher 
Abzugk zu befinden. Item wem die Collatur einer jeden Pfarren zustehe, auch 
wass itziger Zeitt vor Pfarhern uff den Pfarren residiren, wie alt ungeferlich 
und wess geschicklichkeit ein jeder sey, wie er heisse, woher er burtig, und 
wer seine Eltern seien, und dass ein jeder Supcrintendens solch verzeichnuss 
zwischen hier und Michaelis verfertige, und alssdan zu demselben Synode so 



43 

zu Cassel umb dieselbe Zeit sein sol vorpringe". In der Erledigung dieses 
Auftrags entstand unser ,,Verzeychnus", das einem aus der Kanzlei 
des Landgrafen Ludwig zu Marburg stammenden, in Abteilung V. 1, Conv. 
4a des Staatsarchivs aufbewahrten Fascikel „Acta Synodalia de annis 
1568 — 1572" eingefügt ist. Es ist eine Kopie der von den einzelnen Pfarrern 
in der ersten Hälfte des September 1568 an verschiedenen Tagen nieder- 
geschriebenen und dann zusammengestellten Verzeichnisse, anscheinend von der 
Hand des Superintendenten Voltzius stammend. Beide Kompetenzbücher be- 
handeln z. T. dieselben Dinge, das eine knapp, das andere ausführlicher, da- 
neben hat jedes der beiden besondere Partien, die dem anderen fehlen. 
Dadurch ergänzen sie sich, geben uns die Möglichkeit, über manche Fragen 
Klarheit zu bekommen, die bei der Betrachtung nur eines Kompetenzbuchs 
unlösbar erscheinen und bieten überdies noch manchen interessanten Beitrag 
zur Lokalkirchengeschichte. Es sei mir gestattet, auf Einzelnes hinzuweisen. 

Als Voltzius sein Kompetenzbuch von 1557 zusammenstellte, bestand für 
ihn die Herrschaft Eppstein aus 11 Pfarreien. Die Namen derselben sind: 
Massenheim, Delkenheim, Wallau, Diedenbergen, Nordenstadt, Igstadt, Medenbach, 
Breckenheim, Lorsbach, Eppstein und Oberliederbach. Diese Einteilung ist nach 
diesem älteren Kompetenzbuch ein Ergebnis der Reformation. Vor der Refor- 
mation gab es nach ihm noch ausser diesen 11 Pfarreien eine Pfarrei Nieder- 
liederbach und eine Pfarrei Langenhain. Erstere hat man bei Gelegenheit 
der Visitation von 1535, die unter der geistigen Führung Adam Krafts ins 
Leben trat, zu Oberliederbach, letztere zu Lorsbach „gestossen" und dadurch 
aus 4 massig besoldeten Pfarreien 2, eine gut und eine mittelmässig besoldete, 
gemacht. Das Kompetenzbuch von 1568 beweist nun, dass die Visitatoren 
etwas ähnliches noch mit einer dritten Pfarrei, mit Diedenbergen, vornahmen. 
Da sie allein einen Pfarrer nicht ernähren konnte, gab man im Einverständnis 
mit Königstein ihr und dem königsteinischen Orte Marxheim zusammen, 
der keineswegs blos ,,Filial" war, einen gemeinsamen Pfarrer. Bei diesem 
Zustand blieb es sogar, wie nebenbei erwähnt sein soll, bis 1591, dem Todes- 
jahr des letzten Marxheim -Diedenbergener Pfarrherrn, Johannes Clausius, 
da man infolge von Streitigkeiten zwischen Hessen und Künigstein, von denen 
unten die Rede sein soll, Diedenbergen von Marxheim loslöste und es mit dem 
jedesmaligen Inhaber der Wallauer Schulstelle als Pfarrer selbständig besetzte. 
In Wirklichkeit gab es also von der Reformation bis zum Jahre 1591 nur 
10 selbständige Pfarreien in der Herrschaft Eppstein, Erst das Jahr 1591 hat 
die Zahl 11 vollgemacht, die für Voltzius schon 1557 vorhanden war, weil er 
in dem den Diedenbergener Pfarrer vorwiegend unterhaltenden Marxheim nur ein 
Filial von Diedenbergen sah. Ausser diesen Aufklärungen über die Zahl der 
Pfarreien gibt das neue Kompetenzbuch sehr erwünschte Beiträge zu der gerade 
in der Herrschafc Eppstein nicht leicht zusammenzustellenden Series Pastorum. 
Wir erfahren, dass Delkenheim in Sylvester Richardus, Igstadt in 
Johannes Piscator, Breckenheim in Conrad Leucius (Lucius), Meden- 
bach in Balthasar Maurus, Lorsbach in Johannes Bender, sowie Dieden- 
bergen iu einem Ungenannten andere Pfarrer bekommen haben, als 1557 die 



44 

„Pfarr regierten", und dass von den 1557 ern nur (der bereits 1538 daselbst 
vorkommende und 1580 gestorbene) Philipp Weicker in Nordenstadt, 
Johannes Schauermann in Oberliederbach und Johannes Reinfarth 
von Wallau (seit 1551 da) noch 1568 auf ihren alten Pfarreien sassen. Von 
einer Pfarrei in der Herrschaft auf die andere versetzt ist nur Johannes 
Piscator, der die damals elend besoldete Pfarrei Medenbach mit Igstadt ver- 
tauscht hat. Massenheim ist 1568 unbesetzt und wird von Delkenbeim aus 
versehen. Über alle 1568 vorkommenden Pfarrer werden ausserdem interessante 
Familiennachrichten im Kompetenzbuch dargeboten. 

Aber alle diese neuen Nachrichten ragen an Bedeutung nicht an die 
heran, welche das neu gefundene Kompetenzbuch über das Schulwesen in 
der Herrschaft zu geben imstande ist. Zwar sind es auch gelegentliche Notizen, 
z. T. von solcher Dürftigkeit, dass wir mit ihnen allein nichts anfangen können. 
Aber im Zusammenhang mit den Angaben des Kompetenzbuchs von 1557 und 
ganz besonders den Schulakten des Wiesbadener und Darmstädter Staatsarchivs, 
sowie des St. Goarer Stiftarchivs, gewinnen sie Leben und bieten sie uns wert- 
volle Aufschlüsse, nach denen wir ohne dies Kompetenzbuch von 1568 vielleicht 
umsonst anderswo suchen würden. Sie zeigen uns nämlich ein neues Stück 
hessischer Schulpolitik, Sie lassen uns erkennen, wie Landgraf Philipp, 
entsprechend den Massnahmen in den anderen Bezirken seines Landes, auch 
in der Herrschaft Eppstein, bei der Verwendung überflüssig gewordener 
Altarlehen in erster Linie an Schulgründungen und Stiftung von 
Schul- und Universitätsstipendien dachte und der Herrschaft damit 
die Grundlagen zu einem in Segen später wirkenden Schulwesen 
aus kirchlichen Mitteln geboten hat. 

Die Reformation brachte, wie aus Voltzii Kompetenzbuch von 1557 hervor- 
geht, in die Verwendung der aus der katholischen Zeit überkommenen Kirchen- 
gefälle z. T. ganz neue Anordnungen. So haben die Visitatoren z. B. in 
Massenbeim die Gefälle des „Altars Unser lieben Frauen und Frühaltar ge- 
nannt", die vorher der sie besuchende und belesende, durch die Reformation 
aber beseitigte Pfarrer von Langenhain inne gehabt, in den Kasten geordnet, 
der dadurch in die Nutzniessung von 5V2 Morgen Acker und 272 Morgen Win- 
garten kam; ebenso haben sie „den Pastor absens Bernhard Kuehorn zu 
Mentz anfangs des evangelii abgesetzt und die von ihm inne gehabten Gefälle 
zur Pfarre gezogen". In Nordenstadt wurden von den Visitatoren ,, Ludwig 
von Baimelburg und M. Adamo" die Einkünfte des Altars Beatae Virginis in 
den Kasten geordnet, ebenso die des Altars S. Petri und Margaretha in Wallau. 
Aber auch nach diesen Änderungen blieb noch eine ganze Reihe von Altar- 
lehen ledig. In Massenheim, Delkenbeim, Breckenheim, Diedenbergen, Norden- 
stadt, Medenbach und Lorsbach war über alle Einkünfte verfügt, nicht aber in 
Wallau, Igstadt und Oberliederbach, wo noch je ein und Eppstein, wo noch 
zwei Altarlehen verfügbar waren. Was die Visitatoren mit diesen, dem Altar 
Beatae Virginis (Frühaltar) in Wal lau, dem Altar S. Katharina in Igstadt, 
dem Altar Unser lieben Frauen in Obcrlicderbach, sowie den Altären 
S. Johann und Unser lieben Frauen in Eppstein anfingen, ist nur unklar 



45 

aus dem ältesten Kompetenzbucli zu erkennen. Sicher scheint, dass man den 
Altar S. Katharina in Igstadt und wahrscheinhch auch S, Johann in 
Eppstein schon bei Gelegenheit der ersten Visitation zu zeitweiligen Stipendiis 
verordnete, mit welcher Bestimmung sie noch 1557 erscheinen. Sicher scheint 
ferner, dass der Altar Unser lieben Frauen in Eppstein und Unser 
lieben Frauen in Oberliederbach von den Collaturherren für ihre eigenen 
Zwecke verwandt wurde, jener zur Nutzniessung durch einen königsteinischen, 
dieser zur Nutzniessung durch einen liessischen Secretarius. Ebenso diente der 
Wallauer Altar Beatae Virginis noch 1557 weltlichen Zwecken. Die 
Collatores von Wallau, die Herren von Bleidenstadt haben ihn ,, wider die 
Visitationsordnung an sich gezogen, die Beu abgebrochen und veräussert'' und 
die Gefälle in ihren Seckel fliessen lassen. Sie ,, geben zwar für, sie halten 
auch ein studtenten davor", aber Voltzius scheint es ihnen nicht recht zu glauben. 
Sicher ist also, dass noch 1557 von den 5 genannten Altären o rein weltlichen 
Zwecken dienten, während die beiden anderen zu Stipendien verwandt wurden. 
Es ist ein Verdienst Landgraf Philipps, dass in der Zeit zwischen 1557 — 1568 
hierin Änderungen eintraten, dass die Verwendung sämtlicher 5 Altäre für 
Zwecke des höheren und mittleren Schulwesens teils neu angeordnet, teils rechtlich 
festgelegt wurde, sodass dauernde Zustände sich entwickeln konnten. Wir 
wollen dies an der Hand der Geschichte der einzelnen Altarlehen beweisen. 

I. Der Altar Beatae Mariae Virginis in Wallau (die Stiftung und Ent- 

wickelung der Wallauer Schule). 

Wie wir oben sahen, ist die Verwendung dieses Altars noch 1557 nicht 
geregelt. Es ist dies ganz merkwürdig, denn er hatte einen ganz schönen 
Ertrag: „8 fl. an jerlichen ziusen und penssion, 12 mltr, körn ongeferlich 
lediger pacht, 15 mltr. körn zum halben theil, 10 mltr. habern zum 3. theil, 
IV2 fuder wein von 3 morgen Weingarten und 2 wagen hau von 6 morgen 
wiesen." Freilich ist nicht zu vergessen, dass die Collatores der Pfarrei Wallau, 
die Herrn vom Stift zu Bleidenstadt, diesen Altar gleich im Anfang der 
Reformation in ihre Gewalt gebracht und nicht willens waren, seiüe Erträg- 
nisse herauszugeben. Die erste Anregung hierzu gibt Voltzii Kompetenzbuch 
von 1557. Es schreibt: „Die weil im gantzen ampt Epstein gar kein caplan 
gehalten wurdt, der in schwacheit an derer pfarrherr (statt) und zu aller notturffi 
zu brauchen were, auch im gantzen ampt kein schule vor die Jugend gehalten 
wurdt, und dieses altars gefeil wider sein eigen fundation, auch wider das geist- 
lich recht von der kirchen gewandt wurdt, in deren brauch und nutz er billich 
soll gewandt werden, so könden die Herrn zu Bleydenstadt dahin angehalten 
werden, das sie, der kirchen zu Wailau und dem gantzen ampt zu gut, ein 
caplan oder Schulmeister von diesem altar underhielten, und die beu wider 
ufrichteten und stelten, wie auch zuvor von u. g. f. und h. visitatoribus in 
superioribus annis befolhen, aber nit exequirt worden." 

Dass Voltzius mit diesem seinem Projekt durchdrang, beweist das Kompetenz- 
buch von 1568. In ihm begegnet uns bereits ein studierter Wallauer Schul- 



46 

meister, Johannes Schuderus, der nach der Erläuterung, die Yoltzius auf der 
Generalsynode von 1569 gibt, die Kinder ausser den gewöhnlichen Unterrichts- 
o-eo-enständen im Donat, Cato und Aesop unterrichtet und aus Einkünften des 
Altars Beatae Virginis erhalten wird. Freilich ist der Schulmeister an dieser 
Schule in Wallau, die fünf oder mehr Jahre vor 1568 gegründet ist, nach dem 
Kompetenzbuch recht schlecht gestellt. Die Herrn von Bleidenstadt liefern ihm 
aus den Altargefällen nur 7 fl. und 12 Malter Korn, eine Besoldung, wie sie 
uns für einen Literatus zu dieser Zeit nirgends in Hessen begegnet. Alles 
andere halten die Herrn des Stifts Bleidenstadt zurück „in ihrem eigenen Nutzen". 

Soweit die Angaben des Kompetenzbuchs von 1568 über diesen Altar. 
Aus ihnen geht zweifelsohne hervor, dass die Gründung der Wallauer Schule 
in die Jahre 1560—1563 fällt. Aber wir erfahren noch mehr. Aus anderen 
Quellenstücken, die im Wiesbadener Archiv lagern, wissen wir, dass im Jahre 
1570 eine Änderung in der Wallauer Schulbesoldung stattfand, die ihre Port- 
dauer erst möglich gemacht hat. Die Veranlassung dazu gab ein Bittschreiben 
sämtlicher Prädikanten der Herrschaft Eppstein an die Herren des Stiftes 
Bleidenstadt, datiert vom 23. November 1570, in dem diese für ihren Kollegen, 
den Wallauer Schulmeister Johannes Schuderus, eintreten und in An- 
betracht von dessen schlechter Besoldung, die ihn zwinge, sich mit Privat- 
geschäften zu beladen und die Jugend zu versäumen, bitten, dass ihm die Güter, 
Äcker, Wiesen und Weingärten, „welche ohn das von den alten dazu allein 
fundirt und gestiftet sein, dass davon ein Diener der Kirchen zu Wallaw er- 
halten werde", doch vollkommen zugestellt werden möchten. Ihr Wunsch ging 
auch bald nachher in Erfüllung. 

Der Altar Beatae Virginis wurde ganz dem Wallauer Schulmeister zuge- 
stellt, der von nun an nebenbei auch „Generalcaplan" des ganzen Ländcheus ist. 

Eine weitere tief einschneidende Änderung im Wallauer Schulwesen brachte 
dann das Jahr 1591. Die in ihm stattgehabten Auseinandersetzungen zwischen 
Hessen und Königstein wegen Einführung des neuen Kalenders, die Hessen nicht 
haben wollte, Königstein aber verfügte, hatten zur Folge, dass die seit der Re- 
formation unangefochten gewesene Verwaltung der beiden Pfarreien Marxheim 
(künigsteinisch) und Diedenbergen (hessisch) durch einen und denselben Geist- 
lichen von Hessen nicht mehr für opportun gehalten wurde. Hessen löste Dieden- 
bergen aus dem Parochialverband von Marxheim und gab der Pfarrei einen eignen 
Pfarrer. Da aber die Einkünfte dieses Pfarrers sonst zu gering gewesen wären, 
verband man mit dem Pfarrdienst in Diedenbergen das Amt des Schulmeisters 
in Wallau, genau so wie kurz nachher Königstein den Pfarrdienst in Marxheim 
mit dem Schulamt in Hofheim verband. 

Von dieser Zeit an sind die Schulmeister von Wallau bis in den 30jährigen 
Krieg hinein immer zugleich auch Pfarrer von Diedenbergen. Da aber durch 
diese Belastung der Schulmeister von Wallau seinem Schuldienst nicht mehr in 
derselben Kraft nachgehen konnte wie vorher, schuf man einen Unterschul- 
dienst, der mit dem Glockenamt verbunden war und nannte den Diedenbergener 
Pfarrer Oberschul meister von Wallau. Von dieser Zeit an war die Wallauer 
Oberschulmeisterstelle gut besoldet. Ausser dem ganzen Einkommen des Altars 



47 

Beatae Virginis in Wallau fielen dem Oberschulmeisler auch noch Diedenbergener 
Pfarrgefälle zu. Nicht so stand es mit dem XJnterschuldiener. Vor 1598 hatte 
dieser vom Schuldienst nichts Besonderes. Am 1. September 1598 verfügte 
der Superintendent Augelus in Darmstadt, dass der Kasten Nordenstadt ihm 
jährlich 1 Malter Korn und 2 fl. an Geld, der Kasten Breckenheim IV2 ü., 
der Kasten "Wallau 1 Malter Korn und 1 fl. an Geld gegen das Recht freien 
Schulbesuchs aller Kinder aus den drei Orten zu liefern hätten und durch Ver- 
fügung vom 21. Juli 1603 kam hierzu noch eine Zulage von 4 Malter Korn 
und 4 fl. an Geld aus dem Kasten Wal lau. Immerhin war das noch recht 
wenig. Die Folgen dieser geringen Besoldung sind klar. Es waren nur minder- 
wertige Schuldiener, die den Unterschuldienst in Wallau auf sich zu nehmen 
pflegten, Praeceptores illiterati. Doch ist unter ihnen auch ein Literatus, 
Hartmann Senner, der nach über 13jährigem Dienst an der Wallauer Schule, 
wo er schon 1591 zu stehen scheint, 1612 — 1615 als Pfarrer in Kördorf und 
dann als Pfarrer im Eppsteinschen (vor 1619 als Adjunkt in Massenheim, 
1619 und 1621 als Pfarrer in Medenbach, 1628 und noch 1635, in welchem 
Jahr er stirbt, als Pfarrer in Delkenheim) begegnet. Doch sind Senners Nach- 
folger, Johannes Peltzer (1619), Peter Pistorius (1621) und Johannes 
Baumann (1628 und bis zum Niedergang der Schule im Jahre 1635) an- 
scheinend alle illiterati gewesen. Einen harten Stoss erhielt die Wallauer 
Schule im Jahre 1635. Da der Ort vollkommen verwüstet wurde, war es un- 
nötig, auch nur einen Schulmeister daselbst zu halten. Der Oberschulmeister 
M. Antonius Zimmer, der seit 1626 daselbst stand, wurde deshalb auch von 
Wallau wegversetzt ; er ist der letzte studierte Wallauer Schulmeister im 30 jährigen 
Krieg gewesen und kam 1635 als Pfarrer nach Medenbach, von wo aus er 
Breckenheim mitversah. Der Unterschulmeister Bau mann aber musste flüchtig 
gehen; er wird dann 1639 zum Schulmeister von Delkenheim ernannt mit der 
Verpflichtung, von dort aus auch den wenigen Wallauer Kindern zu dienen. 
Erst nach dem Krieg wurde die Wallauer Schule wieder in Stand gebracht. 
Wir begreifen diese abwärtszielende Eotwickelung im 30 jährigen Kriege, wenn 
wir eine Stelle beachten, die in dem Visitationsbuche des Superintendenten 
Forst von Langenschwalbach sich aus dem Jahr 1637 vorfindet. Sie besagt: 
„Zu Wallaw ist vor diessem die gemeine Landschol gewessen, welche bedienet 
worden von 2 Scholdienern, deren der oberste zugleich Pfarrer zu Dietenbergen 
gewesen, hat auss dem Dietenbergischen Gasten gehabt 7 fl, geld, 2 mtr. Korn. 
Der Unterscholmeister hat gehabt aussm Gasten zu Wallaw 1 mtr. Korn, vom 
übrigen kann man kein eigentlich nachrichtung haben, weil die Kirchenbücher 
verbrandt und zerrissen, die Seniores verstorben und die noch lebendte kein 
gewissen bericht geben können. Wallaw hat jetzt nur noch 11 Mann beneben 
4 Wittiben und 5 Kinder, Kirch, Pfarr und Scholhauss samt den übrigen meisten 
Häussern sind abgebrandt." Für diese Bevölkerung brauchte man allerdings 
keinen Schulmeister mehr. 

Zum Schlüsse mögen hier noch die Namen einiger Wallauer Oborschul- 
meister aus der Zeit vor 1635 mitgeteilt sein, die mir gelegentUch in Akten 
bekannt geworden sind. 



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1. Johannes Schuderus (vgl. Kompetenzbuch von 1568), 1568 und noch 
1571 Schulmeister in Wallau. 

2. M. Theobald Fabritius aus Delkenheim, um 1603 Oberschulmeister 
in Wallau und Pfarrer in Diedenbergen, begegnet uns 1628 als 
exulierender Pfarrer von Eschborn. Er wirkt in darmstädtischen Diensten 
163(j — 1635 als Pfarrer von Nauheim bei Gross-Gerau und stirbt 1635 
an der Pest. 

3. M. Ambrosius Breidenbach, Sohn des Pfarrers Ludwig B. in Zieren- 
berg und Bruder des St. Goarer Superintendenten M. Johannes B., be- 
ffeg-net uns als Oberschulmeister in W. und Pfarrer in D. bei Gelegen- 
heit der Visitation von 1621. 

4. M. Antonius Zimmer von Hayn (Langenhain) bei Butzbach wirkt 
als Oberschulmeister in W. und Pfarrer von D. von 1626 bis zum 
Jahre der Verwüstung Wallaus, 1635. Er ist der letzte Oberschul- 
meister in der Zeit des 30 jährigen Krieges gewesen und wurde 1635 
Pfarrer von Medenbach, von wo aus er die Pfarrei Breckenheim 
mitversah. 

2. Die Altäre S, Johann und Unser lieben Frauen in Eppstein (die 

Errichtung der Eppsteiner Schule). 

Der Altar zu S. Johann in Eppstein, der 1557 30 Gulden schlecht Geld 
ertrug und noch „sein behaussung" in Eppstein hatte, war zur Zeit der Ab- 
fassung des älteren Kompetenzbuches zu einem Stipendio verordnet, „das 
Johannes Geiss, Johann Geisen des schultheissen zu Wallau son vor etlichen 
jaren aufgenommen und davon zu Marpurgk sich underhalten, itzundt aber 
Hartmannus Geiss sein ander son, und Wendalinus des pfarrers son zu 
Lorsbach (Johannes Waltheri), welche schirst gehn Marpurg kommen sollen." 
Der Altar Unser lieben Frauen aber war einem königsteinischen Sekretär 
zugestellt. In dieser Verwendung der Altargefälle sollte aber bald eine grosse 
Änderung eintreten. Im November 1563 machte nämlich der Landgraf Philipp 
von Hessen dem Grafen von Königstein den Vorschlag, einen Teil der Gefälle 
zur Errichtung einer Schule in Eppstein anzuwenden. Als Motiv zu diesem 
Vorschlag gibt er ausser dem allgemeinen seiner Regeutenpflicht das besondere 
an, dass er berichtet worden, wie eine „ziemlich feine Jugeut im Amt und 
Thal Eppstein sei", die einen „geschickten tüglichen" Schulmeister sehr wohl 
brauchen könne. Zugleich schlägt er vor, diesem Schulmeister 50 — 60 fl. aus 
den beiden Altären auszuwerfen, den Rest aber zu Stipendienzwecken zu ver- 
wenden. Landgraf Philipp drang mit seinem Projekte durch. 1568 ist die 
Eppsteiner Schule bereits in bester Verfassung; ihre Gründung fällt Ende 1563 
oder Anfang 1564. In einem Vertrag zwischen Hessen und Königstein vom 
Jahre 1572 wird dann definitiv festgesetzt, dass der Eppsteiner Schulmeister 
vom Altar Unser lieben Frauen: 18 Malter Korn und V2 Fuder Wein (eventuell 
dafür 6 weitere Malter Korn) und aus S. Johannesaltar 30 fl. Geld zu beziehen 
haben solle. Um diese Zeit ist den Eppsteinern gegen eine geringe Abgabe 



49 

von dem Grafen Christoph von Stolberg bereits (1578) ein Haus („das Viehe- 
haus am Burgbergk") als Schulhaus überlassen worden. 

Im Unterschiede von Wallau ist Eppsteiu in den zwei nächsten Jahr- 
hunderten nach dieser CTründung seiner Schule zur Errichtung einer zweiten 
Schulstelle nicht gekommen, dagegen ist die Sitte, diese eine Schulstelle stets 
mit einem Literatus zu besetzen, erst 1780 beseitigt worden, als man in An- 
betracht des für einen studierten Mann allzu geringen Salarii sich entschloss, 
den bisherigen Officiant beim Lottospiel, Johannes Schäfer von Fauerbach, 
zum Eppsteiner Schuldiener zu machen. Aus der Zeit vor dem zeitweiligen 
Untergang der Eppsteiner Schule im 30jährigen Kriege sind mir folgende 
Namen von Eppsteiner Schulmeistern bekannt geworden: 

1. M. Johannes Weibelius von Giessen wird 1570 Schulmeister in E. 
Er begegnet uns dann später als Pfarrer in Gundernhausen, von wo er 
1579 als Pfarrer nach Eüsselsheim kommt. Dort ist er 1605 gestorben. 

2. M. Johannes Sybelius begegnet 1586, wo ein Prozess gegen ihn 
wegen Geiz und Wucher angestrengt wird. 

3. M. Bernhard Gallus kommt 1588 von Alsfeld, wo er seit 1583 
Collaborator an der Schule gewesen war, als Schulmeister nach Epp- 
stein. 1592 ist er bereits Pfarrer in Lorsbach. 

4. M. Christian Zindel um 1614 (vgl. über ihn Annalen XXXII, S. 128). 

5. M. Erastus Artopoeus bis 1616 Schulmeister in Eppstein, wird ab- 
gesetzt wegen seiner Stellung zu den Verbesserungspunkten, Er be- 
gegnet uns dann bis 1627 als Pfarrer in Schönborn, 1627 — 1629 als 
Pfarrer in Oberwalmenach, 1629 — 1635 in Egenroth, wo er 1635 stirbt. 

Sonst sind mir Namen von Eppsteiner Schulmeistern der Zeit vor 1635 
nicht bekannt geworden. Es sollen nach einem Bericht aus dem Jahre 1696 
im ganzen zwischen 1584 — 1696 fünfzehn gewesen sein, was ich aber nicht 
für richtig halte. 

Ich schliesse mit der von der Schule Eppstein handelnden Stelle in Forst's 
Yisitierbuch : „Schol zu Epstein hat zu bestellen unser g. F. u. H,, die Chur Maintz- 
ischen wollen zwar gleiches Recht haben gestalt sie den gegen die Introduction des 
ietzigen Schuldieners starck protestirt, aber mann ist ihnen nichts geständig. 
Soll zur Besoldung haben 24 Mtr. Korn, so ihm von Fürstl. Hess. Landbereiter 
geliefert werden. An Geld 37 Fl. 24 alb., sind über 10 fl. nit zu bekommen." 

Über das Stipendium, dessen Stiftung L. Philipp 1563 anregt, ist mir 
nichts bekannt. Auf alle Fälle darf es mit dem 1725 gestifteten Stipendium 
der Herrschaft Eppstein nicht verwechselt werden. 

3. S. Katharinen in Igstadt und Unser lieben Frauen in Oberliederbach 

(das Oberliederbacher Stipendium). 

Von dem Altar S, Katharinen in Igstadt fielen jährlich 25 Malter 
Korn lediger Pacht. Bei Gelegenheit der Aufstellung des Kompetenzbuchs von 
1557 stellt Voltzius fest, dass der Altar „zum Stipendio geordnet" sei. Er 
nennt auch den Namen des bisherigen Aufliebers der Gefälle: es ist dies 



50 

„Lampreclit Wolffen Son von Wallau, der davon zu Mavpurg im Studio 
underhalten wurde." Als dieser im Jahre 1556 starb, war die Bestimmung des 
Altarlehens zum Stipendium bereits so fest, dass ,,Superattendens und Amt- 
mann" der petitionierenden Gemeinde zwar gestattete, die Gefälle des Altares 
fürs Jahr 1557 zu erheben und, weil ihr Kasten gar arm war, zur Reparatur 
von Kirche und Kirchhof zu verwenden, aber ihr ausdrücklich zugleich auf- 
erlegte, „nach volnbrachtem bau jerlich wieder das Stipendium zu liefern". Eine 
Änderung trat allerdings dabei insofern ein, als der Igstädter Kasten die Hebung 
der Altargefälle aufgetragen bekam und nur verpflichtet wurde, jährlich 20 
Gulden nach Marburg in den Stipendiatenkasten zu liefern, weil diese Summe 
zur Unterhaltung eines Stipendiaten ausreichte und der Stipendiatenkasten da- 
mit alle Schererei wegen Beibringung und Verkauf der 25 Malter Korn los 
war. Im Zusammenhang mit dieser Anordnung steht eine ebenfalls um diese 
Zeit vollzogene Umwandlung in der Verwendungsart der Gefälle von Unser 
lieben Frauen in Oberliederbach. Diese, 10 Malter Korn, 10 Albus an 
Geld und 2 Ohm Wein jährlich betragend, hatte noch 1557 ein weltlicher Herr, 
der Secretarius Johann Sprenger, mit landgräflicher Erlaubnis inne. Doch 
bat schon damals der Oberliederbacher Pfarrer, dass man aus diesen Einkünften 
ein Stipendium machen und ,,es seinem son, den er zum studio helt und welchen 
er sonst darin zu erhalten nit vermuglich sei von dem seinen, geben" möge. 
Man folgte dieser Anregung. Bei der Neuorganisation des Stipendiatenwesens 
im Jahre 1559 begegnet uns nicht blos eine Obligation, in der Bürgermeister, 
Pfarrer und Kastenmeister von Igstadt am Iten Wolfmonats zu jährlicher 
Entrichtung von 20 Gulden zu Gunsten des Marburger Stipendiatenkastens 
sich verpflichten, sondern es wird auch die Obligation der Ober lie derb acher 
mitgeteilt, die von dem Nicolaitag 1559 datiert ist und dem Stipendiatenkasten 
jährlich 10 Gulden verspricht. Was von den 10 Maltern Korn und 10 Albus 
über die 10 Gulden hinaus überschiesst, gehört dem Kasten; die zwei Ohm 
Wein wurden ,,der pfarr" zugestellt. Durch diese beiden Obligationen aus 
dem Jahre 1559 haben die beiden Altäre, die wir in der Überschrift nannten, 
definitiv die Bestimmung bekommen, die sie in der Folgezeit erfüllen. Sie 
bilden das Oberliederbach-Igstädter 30 fl. betragende Stipendium, von dem nach 
dem Saalbuch des Stipendienwesens, das um 1631 Professor Steuber in Marburg 
aufstellte, 10 fl. dem Stipendiatenkasten zur Unterhaltung der Maiores zufliessen 
und 20 Gulden einem von Igstadt und Oberliederbach gemeinsam zu präsentieren- 
den Studiosus gereicht werden. Bei Durcharbeitung der Stipendienrechnuugen, 
die in reicher Fülle in der Giessener Universitätsregistratur vorhanden sind, 
sind mir folgende Inhaber der schlechthin Oberliedcrbacher Stipendium genannten 
Stiftung aus der Zeit vor 1605 (Errichtung der Universität Giesseu) begegnet: 

1. Johannes Weiland 1574 und 1575. Da er sich anscheinend ohne 
Erlaubnis von der Stipendiatenanstalt entfernte, wird er trotz der Für- 
bitte des Kellers Pincier von Eppstein (28. /6. 76) nicht mehr angenommen. 
Das Stipendium vacieit infolgedessen 1576. 

2. Antonius Jung ist im Besitz des Stipendiums vom I./IO. 1577 bis 
13./5. 1583. Er begegnet dann 1583—1585 als Kaplan in Gross- 



51 

Gerau, 1585 — 1597 als Uuterkaplan in Darmstadt, 1597 — IGIO als 
Pfarrer in Gross-Gerau, wo er stirbt. 

3. Matthias Stälzer von Darmstadt geniesst das Stipendium vom I./IO. 
1583 bis I./IO. 1585. Er ist als Stipendiat gestorben. 

4. Philipp Ilugius von Borken hat das Stipendium aus Ermangelung 
eines Präsentierten vom L/lO. 1585 bis 1./4. 1589. Er begegnet 
später 1597—1600 als Kaplan in Grtinberg in Oberhessen. 

5. Johann Theodorich (Niger) von Diedenbergen ist präsentierter 
Stipendiat vom 1./4. 1.589 bis I./IO. 1597. Er stirbt, ehe er in Dienst 
kommt. 

6. Nicolaus Schlingaxt ist aus Mangel eines Präsentierten im Besitz 
des Stipendiums vom I./IO. 1597 bis I./IO. 1599. 

7. Johannes Wicht begegnet als präsentierter Stipendiat vom I./IO. 1599 
bis Ende 1605, d. h. dem Zeitpunkt der Trennung des Stipendiaten- 
kastens in eine hesseu-darmstädtische (Giessener) und eine hessen- 
kasselische (Marburger) Anstalt. 

Aus dem soeben Ausgeführten ergibt sich, dass unsere oben aufgestellte 
Behauptung über die Stellung Landgraf Philipps zu den freien Altarlehen der 
Herrschaft Eppstein richtig ist. Durch beharrliche Arbeit und durch Verzicht 
auf die Einziehung in den eigenen Sack hat Landgraf Philipp es fertig 
gebracht, dass von 1570 etwa an in diesem kleinen Bezirk zwei bessere Schulen 
und ein Universitätsstipendium für die Jugend der Herrschaft zur Verfügung 
stand. Wir könnten damit schliessen. Immerhin wird es nicht unangebracht 
sein, wenn einzelne schulgeschichtliche Details über die Dorfschulen in den 
anderen Ortschaften der Herrschaft hier angereiht werden. Denn so unvoll- 
ständig sie sind, so w-ertvolle Dienste können sie dem leisten, der einmal eine 
Geschichte des Volksschulwesens in der Herrschaft Eppstein zu schreiben 
unternimmt. 

4. Beiträge zur Schulgeschichte der Dorfgemeinden der 

Herrschaft Eppstein. 

1569 erwähnt Superintendent Voltzius auf der Generalsynode, dass es in 
der Herrschaft Eppstein nur 2 eingerichtete Schulen gebe, die zu Wallau und 
die zu Eppstein. 1628 wird bei der grossen Generalkirchenvisitation bezeugt, 
dass es an allen Pfarrorten der Herrschaft Schulen gibt. Freilich sind es 
Schulen eigentümlicher Art, die von den darmstädtischen Visitatoren nicht als 
gesetzlich ordnuugsmässig bezeichnet werden können. Es sind, von Norden- 
stadt abgesehen, wo ein besonderer Glöckner neben dem Schulmeister steht, 
lauter Glöcknerschulen. Es zeigt sich hier die Nachwirkung der alten Mar- 
burger und Kasseler Herrschaft, die auf das Volksschulwesen nicht den grossen 
Wert legte, den die Obergrafschaft ihm zuerteilte. Erstere hielt es für durch- 
aus zulässig, letztere aber für abnorm, dass Schul- und Glockenamt in den 
Händen derselben Person lag. Diese selbe Rückständigkeit in Bezug auf das 
Volksschulwesen der Herrschaft gegenüber dem der Obergrafschaft, zu der sie 

4* 



52 

doch jahrzehntelang-, zwar nicht politisch, aber doch kirchlich, gehört hatte, 
zeigt sich auch in anderen Erscheinungen. Als besonders bezeichnend sei eine 
Geschichte mitgeteilt, die bei der Visitation von 1628 in Igstadt passierte. 
Wir lesen da im Protokoll, der Pfarrer klage, „Underschultheiss plage den 
Glöckner mitt briefe lesen undt schreiben, dass er darbey seinem Schuldienst 
nicht gebürender weyse abwartten könne ; schlage ers ihm ab, so draue er von 
stund ahn er wolle ihn vom Schuldienst Verstössen". Diese Klage brachte der Pfarrer 
vor, aber sie scheint nicht viel geholfen zu haben. Es heisst im Berichte bloss 
,,Schulteiss ist vorgenommen und gehöret worden, hat aber ganz nichts gestanden". 

Die Anfänge der Dorfschulen (Glöcknerschulen) der Herrschaft Eppstein 
liegen also zwischen 1569 und 1628. Wollen wir Genaueres wissen, so müssen 
wir uns folgende Thatsachen vergegenwärtigen. Bei der Visitation von 1619 
begegnen uns bereits ausser in Eppstein und Wallau Schulmeister in Igstadt, 
Medenbach, Nordenstadt, Delkenheim, Massenheim, Diedenbergen und Breckenheira. 
Es gibt also keine eingerichtete Glöcknerschule nur in Lorsbach und Oberlieder- 
bach, welche beiden Gemeinden um Schulen baten und sie auch bald nachher 
erhielten. Von den 7 Orten, die 1619 im Besitz von Dorfschulen sind, hat 
Breckenheim und Nordenstadt seine Schule erst nach 1598 bekommen. 1598 
werden nämlich beide Orte (vgl. oben) der Schule des Wallauer Unterschul- 
meisters angegliedert. Sonst wissen wir nur noch, dass Diedenbergen bereits 
1603, Delkenheim und Nordenstadt 1605 einen Schulmeister ihr eigen nennen. 
Über die anderen Orte wird die Lokalgeschichtsforschung erst noch genauere 
Nachrichten erbringen müssen. 

Da die meisten Dorfschulmeister der Herrschaft Glöckner und Illiterati 
waren, so hören wir von ihnen in aussergemeindlichen Berichten auch nur recht 
wenig. Immerhin seien die geringen Nachrichten hier zusammengestellt. 

1. Diedenbergen. 

Diese Gemeinde hat 1603 einen Schulmeister Johann Christmann. Auf 
ihn folgt 1606 Georg Wicelius, der den „Schülern'' nach Angabe der Kasten- 
rechnung dieses Jahres ,, verdinget" wird, mithin wohl kein Lehrer an einer 
eingerichteten Schule, sondern privatim von der Gemeinde ohne Intercession der 
Obrigkeit angenommen war. 1621 wirkt an dem Ort Johannes Peltzer, der 
vorher (1619) Unterschulmeister in Wallau war und in Diedenbergen noch 
1628 steht. Bei der allgemeinen Verwüstung, welche das Eingehen der Wallauer 
Oberschulbtelle und der Pfarrei Diedenbergen auf Jahre hinaus bedingte, ging 
natürlich auch die Schule ein. Bei einer Bevölkerungsziffer von „9 Hausgesess 
beneben 2 Wittiben und 7 Kindern", wie sie der Superintendent 1637 in 
Diedenbergen antraf, brauchte man weder Pfarrer noch Schulmeister. Erst 
nach dem Krieg wurde die Schule wieder eingerichtet. Um 1760 gehört die 
Schule noch zu den best besoldeten der Herrschaft. Sie bringt etwa 160 fl., 
während die Eppsteiner bloss auf 158 fl. taxiert wird, die damals aber trotz- 
dem noch Praeceptorat war! 



53 

2. Igstadt. 

Über die Schule in Igstadt sind wir z, Z. nur sehr mangelhaft orienHert. 
Es begegnet uns ein Schulmeister in den Visitatioiisakten von 1619, aber sein 
Name wird nicht genannt. 1621 wirkt da Johannes Stro von Marburg, 1628 
Michael Körner von Frankfurt (vgl. oben die Stelle: ,,Underschultheiss plage 
ihn mit Briefe lesen" . . ). 16o7 hat Igstadt nur noch „9 Hausgesess und 16 junge 
Leuth". Trotzdem hat es seinen Pfarrer, der aber aus Hunger nach Frankfurt 
geflohen war und von dort erst 1638 zurückkam. Er hiess M. Johann Germann 
von Rohrheim und hat die Pfarrei schon bei Gelegenheit der Visitation von 
1628 inne. Nach Forsts Angaben hatte Igstadt zu Friedenszeiten „auch ein 
Scholmeister gehabt, dessen besoldung ist gewesen 12 fl. an geld, von der Ge- 
meind 5 smr. Korn und von der pfarr aus gutem willen 2 mtr. Korn. Es sind 
aber Schul und Kirchenregister verbrand und wil niemandts wissen, woher die 
12 fl. fallen". Um 1760 beträgt das Einkommen des Schulmeisters von Igstadt 
193 fl. nach amtlicher Berechnuog. Die Schule hat damit ein höheres Ein- 
kommen als die Oberschulmeisterstelle in Wallau; sie ist die bestbesoldete der 
ganzen Herrschaft. 

3. Massenhelm. 

Von Massenheim ist uns aus den Visitationsakten nur der Name eines 
Schuldieners bekannt, des Philipp Prönsch, der uns 1628 begegnet. Er ist 
Glöckner und hält (nach der Designation Forsts) „die Schol, hat davor gewisse 
Pflichten im Ackerfeld und Weingarten, so ihm die Zehenden geben". Massen- 
heim ist der einzige Ort, an dem Forst bei seiner Visitationsreise im Jahre 
1637 in der Herrschaft einen Glöckner antraf und ,,der war krank". Die Be- 
völkerung betrug damals ,,18 Hausgesess beneben einer Wittib und an Jugend 
noch 3 Mägdgen". 1760 ertrug die Stelle 143 fl. 

4. Medenbach. 

Als Schulmeister von Medenbach begegnet 1621 Hermann Papa. Er 
steht an dem Ort Medenbach noch 1628. 1635 ff. gehört Medenbach zu den 
wenigen Orten, die trotz ihrer geringen Bevölkerung (1637 : „7 Hausgesess und 
2 Wittiben und 10 Kinder in Medenbach, 5 Hausgesess sampt einer Wittib 
und 5 Kinder in Wildsachsen") ihren Pfarrer behielten. Es wurde nämlich 
M. Antonius Zimmer, der bisherige Oberschulmeister von Wallau, nach der 
Zerstörung von Wallau nach Medenbach als Pfarrer gesetzt, freilich mit der 
Verpflichtung, die verwaiste Pfarrei Breckenheim mit zu versehen, was von 
Zimmer nachweislich noch 1642 geschieht. 

5. Delkenheim. 

Als Schulmeister von Delkenheim sind mir folgende Persönlichkeiten be- 
kannt geworden : 

1. Dietrich Kompf, der 1635 — 1638 als Schuldiener in Fauerbach bei 

Butzbach und 1638 — 1640 (f) als Schuldiener in Gambach begegnet. 

Er war nach seinem eignen Zeugnis vor 1635 in drei Gebieten im 



54 

Schuldienst geweseo, nämlich 12 Jahre in Delkenheim, 10 im Nassau- 
Saarbrückischen und dann zuletzt in Hohenstein kurze Zeit. Seine Wirk- 
samkeit in D. ist, da 1621 bereits ein anderer Schulmeister in D 
begegnet, in die Zeit etwa zwischen 1605 und 1620 zu verlegen. Er 
war kein Litteratus, konnte aber nach einem von ihm handelnden 
Examenszeugnis ,,zum theil lateinisch decliniren und conjugiren". 

2. Berndt Zuck von Cronberg wirkt bei der Visitation von 1621 in 
D. als Schuldiener und Glöckner. 1628 begegnet er uns als Inhaber 
der Nordenstädter Schulstelle. 

3. Johannes Güd(?) ist 1628 Schulmeister in D. 

4. Johannes Stiglitz begegnet 1635 als solcher. 

Im Jahre 1635 kam das Verderben über Delkenheim; Franzosen und 
Schweden thaten beide das ihre, um der Bevölkerung den Aufenthalt am Ort 
für die nächste Zeit unmöglich zu machen. Man floh in die umliegenden festen 
Plätze, besonders Rüsselsheim, wo uns 1636 der 1635 erst von Ginsheim nach 
Delkenheim versetzte Pfarrer Jeremias Held und der Schulmeister Hans 
Stiglitz begegnen. Beide kehrten nach Delkenheim nicht zurück. Held wurde 
im Anfang 1637 Pfarrer in Bischofsheim, wo er auch 1641 starb; über die 
Lebensschicksale des Schulmeisters ist mir nichts bekannt geworden. Der 
Ort hatte 1636 — 1638 keinen Lehrer. Doch wurde dies in dieser Zeit, wo 
Delkenheim nach der Aufzeichnung des Superintendenten Forst nur aus „10 Haus- 
gesess beneben 2 Wittiben, so von ihren Männern verlassen und 3 Wittiben 
und 16 jungen Leuthen" bestand, als kein sonderlicher Schaden empfunden. 
Hatten doch gleichzeitig auch 6 von den 11 Herrschaftspfarreien keinen eigenen 
Pfarrer. Trotzdem sorgte Forst dafür, dass Delkenheim wieder einen Schul- 
meister bekam. Es war dies Johannes Baumann, der 1639 für die Orte 
Delkenheim und Wallau angenommen wurde. Er hatte früher als zweiter Schul- 
meister in Wallau gedient. Die Delkenheimer Kompetenz wird von Forst 1637 
beschrieben : „dem Scholmeister gibt u. g. F. u. H. jährlich 8 Malter Korn, 
7V2 Malter Hafer, aussm Kasten 10 fl.", um 1760 wird sie auf 172 fl. angegeben. 

6. Breckenheim. 

1598 gehörte der Ort zur Unterschule in Wallau, die damals Hartmann 
Senner versah. 1628 wird als Schulmeister Gerhard Paul genannt. Sonst 
ist nur noch bekannt, dass die Schule im Jahre 1635 zu Grunde ging. Die von 
Medenbach aus versehene Pfarrei hatte nur noch „3 Mann und zwo junge 
Gesellen" 1637 als Einwohner. 

7. Nordenstadt. 

Dies ist die einzige Pfarrei, die dem Muster der Obergrafschaft entsprechend 
studierte Theologen als Dorfschulmcister aufzuweisen hat. 1598 mit dem 
Wallauer Uuterschuldienst vereinigt, begegnet sie bald nachher im Besitz von 
Praeceptores literati. Wenn ich nicht irre, begegnet daselbst schon 1605 ein 
Schulmeister Conrad Gebertshageu, über dessen Faulheit in Traktierung 
des Lateinischen geklagt wird. 1616 wird beantragt, den Nordenstädter Schul- 



55 

raeister auf die stets mit Literatis zu besetzende Eppsteiner Schulstelle zu setzen. 
1621 begegnet M. Crollius als Nordenstädter Sclmlmeister, 1628 Bernhard 
Zuck (vorher in Delkouheim). lOoö kam die Verwüstung über Nordenstadt, 
dessen Pfarrer M. Johannes Rumpfeld nach St. Goar flüchtot und erst 1638 
zurückkommt. Trotzdem der Ort 1637 nur noch „14 Hausgesess und 3 Wittiben 
nebst 10 Kindern" zählt, treffen wir bereits 1638 nach einer Vakanz der Schul- 
stelle von 3 Jahren wieder einen Schulmeister daselbst, Johannes Staudt 
von Wieseck. Er ist wie der 1628 vorkommende Zuck ein lUiteratus. Zu 
dieser Verschlechterung der Stelle kam bald eine zweite. Zwischen 1628 und 
1635 wurde der bisher getrennte Schul- und Glockendienst zusammengezogen 
und damit Nordenstadt als letzte Dorfschule der Herrschaft mit einem nach 
Obergrafschaftsbegriffen normalen Schuldienst in die Reihe der Glöcknerschulen 
eingereiht. Wir bekommen davon in der Designation Kunde, die Forst in der 
lehrerlosen Zeit zur Verhütung späterer Irrungen machen Hess. Er sagt darin : 
„Ein Scholmeister zu Nordenstadt hat jährlich aussm Gotteskasten zu seiner 
Besoldung gehabt 18 Mtr. Korn; aussm Zehenden im Feld 1 Fuder; an Geldt 
aussm Gasten 25 fl. Aus der Gemeind 5 fl. An Weinzehenden auss ettlichen 
Weingarten so der Scholmeister selbst insammeln muss in gutten Jahren 2 Ohm. 
Ein Glöckner hat jährlich gehabt zur Besoldung 1 Fuder Korn auss dem 
Zehenden. An Hafer aussm Zehenden 1 Fuder. Item von jedem Hausgesess 
ein Glockensichling uffm Feld und ein Gang Brod. Ist vor Jahren Schul und 
Glockendieust zusamen gezogen worden, werden aber jetzt nit bedient, ist gleich- 
wol wegen habender Gerechtigkeit zu mercken". 

8. Lorsbach. 

Lorsbach ist 1621 im Besitz einer Glöcknerschule, die zwischen Juni 1619 
und Juli 1621 gegründet wurde. Im Besitz dieser Glöcknerschule blieb die 
Pfarrei bis zum Jahre 1635. Die Verwüstung des Jahres 1635 machte es für 
die ganze Schlusszeit des 30jährigen Krieges unmöglich, dass Lorsbach einen 
eigenen Schullehrer unterhielt. Es hatte ja auch in dieser Periode, nachdem 
der Pfarrer M. Reinhard Breidenstein (Sohn des Pfarrers M. Johannes B. 
in Oberliederbach, bis 1632 Schulmeister in Katzenelnbogen, dann 1632 — 1639 
Pfarrer in Lorsbach) Ende Juli 1639 gestorben war, keinen eignen Pfarrer 
mehr, sondern wurde von Oberliederbach aus versehen. Beides, die Vakanz 
der Pfarr- und Schulstelle, erklärt sich aus der geringen Zahl der Einwohner, 
die an dem Ort noch geblieben waren. Sie betrug nach Forsts Aufzeichnungen 
1637 nur noch: „8 Hausgesess beneben 7 Wittiben und 12 Kindern in Lors- 
bach und 5 Hausgesess in Langenhain". 

9. Oberliederbaeh. 

Diese Pfarrei, die 1619 noch keine Schule hat, wird bereits 1621 von 
einem Glöckner bedient, der die Schule mithält und hat diese Glöcknerschule, 
wie so viele andere Pfarreien, bis 1635 behalten. 1637 bestand der Ort aus 
„4 Hausgesess und 4 Wittiben und 9 Kind", das Filial Niederliederbach 
aber aus „6 Hausgesess sampt einer Wittib und 12 jungen Leuth". Für diese 



56 

geringe Zahl von Schulkindern einen besonderen Schuldiener zu halten, wurde 
für überflüssig angesehen. 1621 und 1628 ist Schulmeister Johann Schuler. 
Für 1621 ist auch das Vorhandensein einer Schule im Filial Niederliederbach 
bezeugt; Schulmeister ist Johannes Beilstein. 



Beilage. 

Verzeyclinus aller PfarrheiTn, Pfarrheii und Pfarrligefelle in der Herr- 
schafft Eppstein von inen übergeben ao 1568. 

I. Inkomen der pfarr Massenheim. 

An Geltt: 4 fl. Meintzer Werung, 13 alb. 2 d. x\n Korn: V/2 Malter, 
172 Summern. An "Wissen: 1 kleinen Placken uff dem Weyer. An Acker: 
50 Morgen, 3 E-uten. An Garten: Nichts. An Weingarten: fünfthalben 
Morgen. An Zehendten: Das dritte theyl frucht und Weinzehenden in der 
Massenheimer Marckt, und in zweyen Wissen ungefehr den Hewzehenden. An 
Hänen: Gibt jedes haussgesess jerlich ein summerhan. 

Collator: Der Apt von Fulda ist pastor gewesen, dessen hat er zwey 
theil Frucht und Weinzehenden, aber u. g, F. und H. hat itzunder die Pfarr zu 
conferiren. 

Sylvester Richardus: Pfarrherr zu Delckenheim st. et ssi, welchem 
itzundt, dem Gasten dasselbss zum bestem, durch gnedigen consensum 
des durchleuchtigen hochgebornen F. und H. Landtgrave Ludtvvigs die 
Pfarr zuversehen befolhen ist. 

II. Inkomen der Pfarr Delckenheim. 

An Gelt: 10 fl. Meintzer Werung, I6V2 alb. 2V2 d. An Korn: 20 Mltr. 
gibt der Pastor auss dem Zehenden, 7 mtr. fallen eintzlich. An Wissen: 
4 Morgen IV2 Ruth. An Acker: 86 Morgen sind ump dz theil verliehen. An 
Gartten: 1 kleinenn Garten bey dem Hauss, 1 draussen uf dem Haubach. 
An Weingarten: 8 Morgen, lest der Pfarrherr I72 Morgen selbs arbeiten, 
die andern sind verliehen umbs drittheil, sindt aber das merhertheil drauss. 
An Wein: 7 Ohm gibt jerlich der Pastor aus dem Zehenden. An Wein- 
zehenden: 2 Morgen bey dem Dorff geben ungefehrlich dem Pfarrherr Zehenden. 

Ab zuck: Der klein Zehende ist furhin auch dem Pfarrherrn gefallen, 
ist bey Georgio Textore Pfarrherrn für ctlich und zwantzig Jaren ungefehrlich 
abgangen, helt itzo die gemein das Fasselviehe, gibt jerlich dem Pfarrheru für 
den Kleinszehenden 2 fl., welche droben ins gelt gerechnet. Es ist aber aufF 
Ansuchung des Superintendentis ufl" dem nechstgchalteneu Synodo zu Mar- 
purgk der Gemein von fürstlichen Rheten befolhen worden, den kleinen Ze- 
henden wieder zu geben oder in uff ein Newes umb den Pfarrhern zu bestehn. 

Collatur: Unser G. F. und II. hat itzo wie in andern irer F. G. 
Dörflern die Collatur des Pfarrhers, der Pastor aber ist izt Herr Christoffel Graff 
zu Stolbergk Thumprobst zu Ilalberstadt und Probst zu S. Peter bey Meintz. 



57 



Sylvester Richardus von Alsfeldt disser Zeitt Pfarherr zu Delckenheim 
st. et sst. seines Alters umb 27 Jar, den 9. Septemb. Anno 68. Sein 
Yatter ist Hans Richardt Burger und Metzler zu Alsfeldt. 

III. Inkomen der Pfarr Kordenstadt. 
An Acker: 71 Morgen in drey Feld, welche dem Pfarherr ungeferhlich 
ein Jar umb dz ander bringen 30 mtr. Korns und 16 mtr. habern Meintzer 
mass mehr oder weniger. An Weingarten: 472 Morgen Weingarten böss und 
gut, tragen wan der Wein geredt, jerlich 2 Fuder. An Wissen: 2V2 Morgen 
bringen Jahrs so grass wogst 2 wagen Hew und 1 Wagen Grummet. An 
Krautgarten: 2V2 Ruth. An Zinsen: 9 fl. und 8 alb. stendig. Item 30 mtr. 
körn Speyer mass geben die Thumbhcrrn zu Maintz jerlich uff die Pfarr und 
5 Ohme Weins auss irem Zehen, dieweil sie gemelter Pfarr Pastores und 
collatores sein. 

Der Pfarrherr so zu dieser Zeit da residiret heist Philips Weycker, 
bürdig zu Esselbrücken under der Kellerey Darmstadt gelegen ehelich 
geborn von des alten schuldtheissen Jacoben und Heintz Philipsen 
Dochter Margreten wohnhaftig in gemeltem Dorff gewesen, genander 
Philips ist seines alters etlich und 60 Jar alt actum den 12ten Sep- 
temb. ao, 68. 

IV. Inkomen der Pfarr Igstadt. 

An Gelt Zinsen: 13 alb. von 6 Morgen Weingarten, 2 alb. van 1 Wein- 
garten, 2 alb. 2 d. von 1 Weingarten. An Korn: 1 mtr. 172 Sommern an 
Korn Pacht ledig, 15 mtr. Korn zum Drittentheil, 10 mtr. Habern zum Dritten- 
theil von 34 Morgen Acker. An Weingarten: 3 Morgen, 2 Rudt Weingarten. 
An Weinzehenden: Den Weinzehenden hat der Pfarrherr disses Orths allein 
1 Fuder Wein ungefehrlich ein Jar in dz ander Item 2 Ohme uff dem Rode. 
An Frucht-Zehenden: 15 oder 18 mtr. Korn, 6 oder 7 mtr. weitzen, 14 mtr. 
habern ungefherlich, 4 mtr. Erbeyss. An Frucht-Zehenden uf dem Rode 
dz dritte theil: Wirt zue Zeiten verkaufft von dem pfarrherr vor 15 fl., 
den gülden zu 24 alb. Den kleinen Zehenden hat die Pfarrhe allein, werden 
dafür 10 fl. An wissen: 1 Morgen und 1 rüde wissen. 1 morgen acker und 
wisen an einander. An Acker: 44 morgen, 1 rüde, Rud Capes garten. 

Die Collatur ist den nennen zum alten Münster in der stadt Mentz. Der 

pfarherr heisst Johannes Piscator burtigk zu Orbach, sein vatter 

Andreas Fischer, sein Mutter Margret Krey stein. 

V. Inkomen der pfarr Wallaw. 

An Gelt: Nichts. An Frucht: Nichts. An Weingarten: 4 morgen 
Weingarten der Pfarr eigen. Au Wissen: 9 morgen Wissen. An Acker: 
372 Hüben 1 Morgen böss und gut, jede Hüben für 30 Morgen gezelt. An 
Garten: 1 zweytheyl oder drey Viertheyl Krautgarten. An Zehenden: Deci- 
mas minores, die kleine Zehenden zu Wallaw und Breckenheim, hat die Pfarr 
alhie zu Wallaw allein fallen, ferners den Zehenden aus einer Pflege des Feidts 
genant die Oberweilbach in Dietenberger Terminey gelegen, wasserley frucht 
es jerlich tregt. 



58 

Obernante baw guter und klein Zehenden haben Balthasar Herzbecher 
weylandt fürstlich gewesener Keller und Ampts Verwalter und Joannes Kumag 
gewesener Pfarrherr Ao 45 wider fürstliche Ordnung und on fürstlichen befelh 
auch wider des Ehrwirdigen Herr Nicolai Fabricii weylandt Superintendentis 
ano-elegt gebot an die gemein wie hernach beschrieben wirdt erblichen ver- 
lawen, aber mit keinen brieffen und versighinge versehen noch bestetigt. Die 
gemeine alhie zu Wallaw haben alle pfarrguter under banden sampt den kleinen 
Zehenden daselbst ohne einen Morgen Weingarten, anderthalben Morgen Wiesen 
und obgenanten Krautgarten, die im der Pfarrherr bevoraus behalten, und geben 
jerlich dem pfarrherr des orts wie hernach beschrieben wirdt. 

An gelt: 59 fl. 15 alb. den fl. zu 27 alb. gezelet. An W^ ein: 1 Fuder. 
An Korn: 30 Malter. An Habern: 12 Seck Habern. An Stro: 500 Ströer, 
halb Rocken und halb Habern Stroe. 

Sovill aber die Decimas minores zu Breckenheim belanget, hat sie ge- 
dachter Hertzbecher der gemein desselbigen orths verlawen jerlichen umb 
zehen gülden zu 24 alb. und den Zehenden in der Oberweylbach durch eygen- 
nutzige practica zu sich gerissen für sechs gülden gedachter Werung unnd die 16 fl. 
den PfarrhofF darmit in Baw und besserung zu halten verordnet, fürstlicher 
Ordnung zu wider. Dann die Pastores als nemlich die stiefFtsherr zu Bleiden- 
stadt sindt schuldig zu bawen, daher dann fürstlich befelch kommen dem pfarr- 
herrn beide Zehenden oder gedachtes geld dafür zufolgen lassen wie nun biss- 
dahero geschehen und geschieht. 

Collatur: Die Collatur haben die Herrn des Stieffts S. Ferrulii zu 
Bleidenstadt. 

Johannes Reinferth von Vetzbach zwo meil wegs under Würtzburgk 
gelegen, Pfarrherr zu Wallaw sein alter 42 Jar den 9ten Septemb. 
Ao 68 underschrieben. Sein Vatter Hans Reinferth Bürger von Vetzbach. 

Inkomen des frue Altars oder beatae Mariae Virginis zu Wallaw. 

An Gelt: 5 fl. Pension zu 24, 3V2 fl. Zinss zu 24. An Korn: 12 Malter 
ledig. An Wissen: 6 Morgen Wissen. An Acker: 30 Morgen Acker. An 
Garten: Nichts. An Weingarten: 3 Morgen und V2 Ruthen. 

Solches hat je und alwegen ein besitzer dieses altars und mit gehulff der 
Kirchen zu Wallaw für seine Besoldung inne gehabt, welchs man nun nach 
U. G. F. und H. befelh vor 5 Jaren oder lenger zum Schuldienst gekert und 
gewandt. Dieweil aber die Herr des Stieff'ts Bleidenstadts Collatores sein, haben 
sie es einem des Stieff'ts ein Zeitt lang underhanden gelassen, welcher nun mehr 
(fürstlichs Befelh hindangestelt) eim Schulmeister nicht mehr giebt oder noch 
zur Zeit hat geben wollen dann 7 fl. gezelet zu 24 und 12 malter körn. 

Das übrige wendt der so im stifft ein mitglied ist und im vom stiff't 
zugelassen in sein eigen nutzen, der Fundation und meines Herren befelh ent- 
gegen; also das der Schulmeister sehr ein geringen lohn und gleichwol die Ar- 
beyt verrichten muss, welches sich nun mehr der Schulmeister und nit unbillich 
beschwert zu thun, oder auch nicht woll thun kann, wo er das gefell des 
Stipendii nicht gantz bekommen mag. 



59 

Johannes Schuderus von Hoffheim itziger Zeit Schulmeister zu Wallaw 
st. et sst. seines alters 2G Jar, den 9ten Septemb. Ao 68. Sein 
Vatter Georgius Schuderus ist burger zu Hoffheim gewesen und in 
Christo entschlaffen. 

VI. Inkomen der pfarr Breckenheim. 

An Korn: 18 mtr. Korn Meintzer mass lediger Pacht. 16 mtr. Korn zum 
halben theil und 8 mtr. habern zum Drittentheil von 50 morgen Pfarreckern 
gut und böse in die drey feldt. An Wein: 5 Ohme Weine von 4 Morgen 
Weingarten lieffern die bestendner. An Garten: 2 Krautgarten. An Wisen: 

2 fuder Haw ungefehrlich und 2 fuder grammoth von 5 morgen wissen. An 
Zehen Wein: V^ fuder Wein ungefherlich oder mehr, im Herbst zum Zehen- 
den, von einer pflege zu gemeinen Jaren, wan wein wechst. An Gelt Zinssen: 
272 fl- item 3 goldgulden von 60 gülden jerliche pension, ist vormals (5 mtr. 
korns darfur geliffert worden, ist aber ablösung gewesen wird der wegen die 
pfarr geschmälert. Rogat igitur pastor pie et devote pro subsidio. 

Collatur. Die Collatur diesser pfarr stehet M. G. F. und H. 

Der Pfarrherr so itziger Zeit hie residiret heist mit Namen Conradus 
Leucius. Ist burdig von Eltvil am rhein, im bisthumb Mentz gelegen. Seine 
Eltern haben geheissen Conradt Leucii und Getrudis Weissin sind eheliche 
leut gewesen seines alters ist der pfarherr 39 aut plus minus. 

VII. Inkomen der Pfarh Diedenbergen, darzu gehöret Marxheim und ist 

Königstein. 
An Gelt: 10 fl. seint Reditus in Marxheim und Diedenbergen Item 4 fl. 
Quartal gelt im Babsthumb gut opferheller. An Früchten: 3 mtr. Korns, 

3 kompff habern fallen Jars zu Diedenbergen. An Wiessen: 1 zweytheyl wissen 
in Diedenbergen gemarck. An Acker: zwo Hüben Ackers zu Marxheim Item 
13 morgen Ackers ohngef herlich zu Diedenbergen. An Garten: 1 Grass und 
Krautgarten am Pfarrhausse zu Marxheim da stehet der Pfarrhoff, Dieteubergen 
hat keinen Pfarrhoff. An Weingarten: 1 morgen Weingarten zu Marxheim 
item 1 morgen, ist Weingarten gewesen, aber umb alter Stück willen wieder- 
umb zum Acker gemacht, zu Marxheim ; 1 morgen Weingarten zu Diedenbergen. 

Sonst sein etliche bona vor hundert Jahren zu Didenbergen so zu disser 
pfarr gehöret, erblichen verlihen, nemlich 20 morgen so triesch gewachsen, und 
die Nachbawern Weingarten draussen gerothet, doher dann kommen obgemelte 
Zinse, solche Weingarten aber gaben eim pfarherru gemelter pfarr auch den 
Zehenden, muss er colligiren. 

Die Collatur ist einer Pfarren, stehet den edlen Juncker von Waiden- 
stein zu, die haben sie ex jure patronatus, seindt collatores et pastores, nemen 
Jahrs den grossen Zehenden, also das sie denselbigen den Nachbawern und 
eym pfarhern zu samlen umb ein werdt verleihen. 

Des itzigen pfarhers patria ist Magdeburgk, sein parens ist daselbs 
ecclesiae minister gewesen in erster Zeit des seligen Herrn Doctoris 
Martini Lutheri Ankunfft. In der Pfarren S. Gerdrudis, itz ein Hospital, 
im Babsthumb ein Closter gewesen. Darin sein Mutter noch lebendt 



60 

von eim erbarn Eath gemelten altenstadt umb Gottes willen erhalten 
wirdt. Sein Eruditio ist dem Herrn Magistro Petro Volzio Super- 
intendenti bekant. Ist durch denselbigeu zu der pfarr promoviret 
worden im Jahr der weinigen Zahl 59. 

VIII. Inkomen der pfarr Medenbach Costloff und Wiedelnsassen. 
An Gelt: 4 fl. minus 5 alb. den fl. gezelet zu 24 alb. Au lediger Pacht: 
21 mtr Korns, 1 summern. An Hab er u: V/2 mtr. Haberns. An Zeh enden: 
Den kleinen Zehenden zu Medenbach und KostlofF. An Wissen: 4 morgen 
Wissen ongef herlich. An Acker: 24 morgen acker. An Krautgarten: 1 Rudt 
An Weingarten: 1 Rudt ungefherlich. Weinzehenden: Der Wein Zehen- 
den feit dem Pfarrhern allein, ist aber gering. Au Wald: 12 morgen Wald 
ungefherlich, ist aber Hecken. 

Collatores. Ist der Dechan samt dem Capitel des hohen Thumstiffts 
zu Mentz. 

Residirt itzund auff der Pfarr mit namen Balthasarus Mauer, bürdig 
von Epstein seines alters 28 Jar seine Eltern seind gewesen Philippus 
Mauer und Elisabetha schneidern, gleichfals bürdig und wohnhaftig zu 
Epstein sindt zu eins zimlichen hohen Alter kommen und in christlicher 
erkantnus alda entschlaffen. 

IX. Inkomen der Pfarr Lorsbach. 

An Gelt: 2 fl. Zins von Heussern garten. 4 fl. aus der bethe, giebt M. 
g. F. und H., dagegen aber muss ein Pfarrherr ein fl. zu 15 batzen zu bethe 
geben von seinen gütern. An Korn: 8 achtel Korn gibt m. g. F. und H. 
dem Pfarrherr vor den Zonen, 2 achtel körn fallen dem pfarrherrn von Brecken- 
heim und Ober-Jospach. An Wein: 2 ohme Wein gibt m. g. F. und H. aus 
dem Herrn Keller vor den Zehenden. An Weinbergen: 2 Weinbergk tragen 
ungefherlich IV2 Fuder Wein. An Wissen: 8 Morgen Wissen. An Acker: 
6 morgen acker. An Garten: 3 klein Krautgarten, item ein garten am pfarrhoff". 

Langenhain das Filial zu der Kirchen Lorsbach gehörig. 

Acker: 5 Rüden, 3 Rüden. An Wissen: 5, 12, 5, 2, 3, 2 Rüden. 
An Gärten: 20 Rüden Garten. Wälder oder Hecken wie man will. 
27 Rüden Wald. An Zehenden: Am Zehenden hat der Pfarher dz Drittheyl, 
dz ander die gemein zum Langenhain, vermag ungefherlich 10 Achtel Frucht 
aber er wer weit besser theils wildt. 

Disse ernante stück als Ecker, Wissen, Gärten Wald und Zehend, weil 
ein Pfarrherr zu Lorsbach wohnhaff't ist, sind verlihen neun von der gemein, 
die sollen eim Pfarrherr geben auf vier quartal 46 fl. zu 24 alb. und ist diss 
bestentnus dies Jar gemacht soll 10 Jar wehren, cum consensu visitatoris et 
praefecti. 

An Gelt: 3 fl. von Heusern Garten Ziuss. Es muss aber der pfarr- 
herr von seinem pfargelende geben 8 Summern Habern und 2 cappaun zum 
Langenhain. 



61 

Collatur: Collator ist M. g. F. und H. an den beyden Orthen. 

Der pfarrheiT itziger Zeit heisst Johann Bender. Sein patria Steinbach 
stehet dem Graven von Königstein zu. Seine Eltern Johann Bender 
und Cathaiina gute von Hiensheim (?). Sein alter 24 Jar. Signatum 
Lorsbach Caleud: Septenib. Ao 68. 

X. Inkomen der pfarr Eppstein. 

An Korn: 42 mtr. Koro. An Hab er n: 43 V2 mtr. Habern. An Gelt: 
6V2 fl. An Acker, Wissen und Gärten: Ecker und Garten sind zu Bremdal 
verüben umb eiu stück gartens zu Epstein, darauss man jcrlich 8 alb. Zins 
geben, 4 morgen Wissen zu Epstein und Bremdal zugleich. An Zehenden: 
Den halben Zehen zu Epstein und Bremdal an Fruchten allein. 

Collatur: Parochia alternis vicibus confertur inter illustr. Ducem Hassiae 
et generosum RegüLapidis comitem. Patria mihi Rudoshemii est. Parentes Diether 
Knebel et Gertrud Conjux. Nomen residentis Theodoricus Knebelius. Aetas 
39 annorum plus. 

XI. Inkomen der pfarr Oberliederbach, Niderliederbach und NiderhofFen. 
An Gelt: 60 fl. zu Niderhoffen vor allen Zehenden gros und klein item 
3V2 fl. an Zinssen. An Korn: 40 Achtel Korns zu Niderliederbach. Acker: 
24 morgen in dreyen feldern gelegen. An Wissen: 2 morgen sein aber Weide 
und nicht wol zu mehen. An Zeh enden: Es hat der Pfarrherr den Haw 
Zehenden zu Oberliederbach trägt ongefehrlich 4 oder 5 Fuder Haw zu ge- 
meinen Jaren. An Weingartten und anderen garten: Hat die Pfarr nichts. 
Es ist aber ein Acker vor 40 Jahren von Herrn Johan Schlegeln einem 
papistischen Priester seinem Dochterman verliehen worden, zu einem Wein- 
garten zu erbawen und gibt jerlich nicht mer dan den Zehenden und 8. alb zu 
Zinss, denselbigen Wein garten haben dieselbigen erben noch under banden, 
vor gemelte Zinss, sie haben aber keinen erblichen brieff darvon, 

Collatur Oberliederbach und Niderhoffen: Die Collatores seindt 
die praesentz Herr des hohen thumbstiffts zu Meintz, welche auch jerlich allen 
groSfSen Zehenden aller frücht desgleichen den Weinzehenden einnemen. 

Die Collatur zu Niderliederbach stehet dem Thumprobst zu Meintz zu, 
welcher auch den grossen und kleinen zehenden zu Niderliederbach fallen hat 
nemlich über 150 Achteln Frucht. 

Der Pfarr zu Ober und Niderliederbach und Niederhoffen heist Johann 
Schawerman seines Alters 47 Jar bürtig von Winnecken in der 
Herschaft Hanaw. Sein Yatter Peter Schawerman Bürger zu Winnecken 
ist bürtig gewesen von Dornbergk in der Obergrafscbafft Catzenelnbogen. 

Signatum et datum die 7. Septemb. Ao 68. 

Johannes Schawerman st. et sst. 



Nassauische Studenten 

auf Universitäten des Mittelalters. 

Von 

Fr* Otto* 



Zweite Abteilung: Erfurt/) 

Die Erfurter Matrikel hat J, C. Weissenborn herausgegeben (bei uns 
bezeichnet durch W.) unter dem Titel: Akten der Erfurter Universität, Halle I, 
1881 (1391—1492), 11, 1884 (1492—1636). Das Buch enthält ausser den 
beigegebenen Statuten das Verzeichnis der immatrikulierten Scholaren; geordnet 
sind diese nach Rektoraten, die mit Anfang Mai und dem 18. Oktober jedes Jahres 
beginnen, jene sind mit 0., diese mit M. bezeichnet. Ein Tag der Immatrikulation 
ist nicht angegeben; wir haben daher unter Beibehaltung dieser Angaben in 
der chronologischen Folge alle Namen der ersten und wohl grösseren Hälfte 
des Schuljahres zugerechnet. Leider fehlt auch hier, wie zu Heidelberg, die 
Angabe der Fakultät und der Grade, die ein Scholar erworben hatte, sowie 
der Diözese oder des Territoriums, dem der Heimatsort des neu eintretenden 
angehört, sodass mehrfach die Bestimmung desselben erschwert oder zweifelhaft 
gemacht ist. Dagegen ist in der Eegel angegeben, wieviel an Gebühren ein 
Scholar bei der Immatrikulation erlegt hat. Dieselben waren so festgesetzt, 
das« sie 23 alte oder 8 neue Groschen betragen sollten; dieser Betrag ist ge- 
wöhnlich durch tm (= totum) bezeichnet. Der Wechsel der Münze und die 
verschiedene Behandlung der Scholaren durch den Rektor je nach Stand und 
Vermögen derselben hatte eine bunte Mannigfaltigkeit der entrichteten Beträge 
zur Folge. Vielfach ist nach dem Verzeichnis eines Semesters ein zweites zu- 
gefügt über Zahlungen a prius intitulatis oder de residuo intitulature; diese ent- 
hält Nachzahlungen oder auch Gebühren für erlangte Grade. 

Rektoren. 

1. Gerhardus Gerhardi de Monthabur, magister in artibus liberalibus 
sacreque theologie baccalarius formatus, vom 1, Mai 1436 (ss. Philippus et 
Jacobus apostoli) bis 18. Oktober 1436 (s. Lucas evangelista). W. I, 165. 
Immatr. 1419 0. 

2. Jodocus Sartoris de Herborn, sacre scripture baccalarius formatus, 
18. Oktober 1466 (s. Lucas evangelista) bis 1. Mai 1367. In der Initiale der 



^) Die erste, die Universitäten Bologna, Prag und Heidelberg umfassende, Abteilung 
8. Annalen Bd. 28, S. 97 — 154. 



63 

h. Jodocus als Pilger mit einem Buche in der Hand, rechts ein Wappenschild, 
drei gelbe Lilien im blauen Felde. W. I, :M6. Immatr. 1452 0. 

Scholaren. 

1. Assmannshausen : 1 (1441 M.). 
Christianus Carastz de llasemanshusen, dt. 3 nov. gr. 1441 M. 
W.1, 188b. Ein Job. Karst de Bacherach zu Heidelberg 1449/50. Toepkel, 263. 

BechtheitQ 
ist wahrscheinlich, wie in der Heidelberger Matrikel, Bechtheira in der Diözese 
Worms. Vgl. Tcap 1445 in der Erfurter und die Czap in der Heidelberger 
Matrikel 1424 und 1457. 

2. Bärstadt (früher Berstat): 3 (1474 0. bis 1429 M.). 
Auch die drei Berstater Scholaren sind nicht sicher anzusetzen, da sie 
ebensogut dem hessischen Berstadt als dem nassauischen Bärstadt entstammen 
können. 

1. Laurencius Opilionis de Berstat 4 nov. 1474 0. W. I, 356a. 

2. Johannes Lutz de Berstet 4 gr. 1478 0. W. I, 373b. 

3. Laurencius Krusa de Berstett tm. 1492 M. W. II, 173b. 

3. Beilstein: 1 (1464 M.). 
Johannes Scriptoris de Bilstein, 3 nov. 1464 M. W. I, 306a. 

4. Bicken: 4 (1460 M. bis 1486 M.). 

1. Wulf de Bicken militaris dt. tm. 1460 M. W. I, 282b. Im Jahre 
1467 Canonicus zu Mainz, f 6. V. 1510. Joann. II, 341. 

2. Johannes de Bicken militaris dt. tm. 1460 M. W. I, 282b. Nach 
Hum bracht ein Vetter von Wulf, Geistlicher und 1502 Pastor zu Netphen. 
Arnoldi, Mise. 24; nach Humbracht Dechant zu Bonn. 

3. Eberhardus de Bicken tm. 1464 M. W. I, 307a. Nach Arnoldi 
Bruder Johanns, nach Humbracht Wulfs, Dechanten zu Wetzlar 1486, f 1515. 
Ein anderer Eberhard bei Arnoldi Canonicus zu St. Victor in Mainz 1500. 

4. Wilhelmus de Bicken tm. 1486 M. W. I, 413b. Nach Humbracht 
Neffe Johanns, Dr. decret. und Canonicus zu Mainz 1505, f 1510, Joann. a. a. 0. 

5. Bleidenstadt : 6 (1422 M. bis 1482 0.). 

1. Johannes Fenatoris de Blidenstat 9 gr. 1422 M. W. I, 124b. 

2. Johannes Blidinstat dt. 12 gr. 1429 0. W. I, 145a. Superaddita 
a prius intitulatis: Joh. Blydenstad — . 1431 0. W. I, 151a. 

3. Johannes Currificis de Blydenstad dt. tm. 1441 0. W. I, 183b. 

4. Johannes Schoneborn de Blydenstad 12 ^ 1455 M. W. I, 253a. 
Zu Heidelberg 1458, Abt des Klosters. 

5. Johannes Sartoris de Bleydenstat med. 1482 0. W. I, 392b. 

6. Bommersheim: 1 (1427 0.). 
Johannes Siboldi de Bomhersheym dt, 4 gr. nov. 1427 0. W. I, 139b. 



64 

7. Bornich: 1 (1463 M.). 
Helwicus Carpentarii de Bornmgli dt. 4 nov. 1463 M. W. 299b. 

8. Braubach: 4 (1441 M. bis 1458 O.). 

1. Anthonius Nitower (Int. ?) de Brubach 4 nov. 1441 0. W. I, 185. 

2. Petrus Kaldarificis de Brubach dt. 2 nov. 1450 0. W. I, 222b. 

3. Philippus Spiegel de Brubach tm. 1456 M. W. I, 258b. 

4. Conradus Gelenson de Brubach dt. 12 gr. 1458 0. W. 268a 

9. Brechen: 3 (1420 0. bis 1485 M.). 

1. Petrus Schek de Brechen, 9 gr. 1420 0. W. I, 118b. 

2. Lubencius Arboris de Prechen med. 1482 M. W. I, 397a. 

3. Johannes Wigelnheyman de Brechen tra. 1485 M. W. I, 409b. 

10. Breithart: 5 (1455 M. bis 1463 M.). 

1. Adam Gater de Breythard, 12 .j 1455 M, W. I, 254b. 

2. Adolf'us Brey thart gratis ob reverentiam dni Moguntini, quia magister 
coquine, 1456 0. W. I, 256a. Vgl. Heidelberg VII, I. 

3. Emicho (de) Breythart gratis propter officinales dni Moguntini, 1456 M. 
W. 260a. 

4. Paulus Cerdonis de Breithart 15 ant. 1461 M. W. 289b. 

5. Johannes Sculteti de Breithart dt. 4 nov. 1463 M. W. I, 300a. 

11. Breitscheid: 1 (1457 O.). 
Petrus de Breytschyt 4 nov. 1457 0. W. I, 262b. 

12. Bubenheim: 1 (1440 M.). 
Johannes Specht de Bubenheijm dt. tm. 1440 M. W. I, 182b. Zu 
Köln 1449. Im J. 1450 Canonicus maioris, de Albani et b. Mar. Virg. ad gradus 
Mainz, f 1497. Joann. II, 400. 

13. Burgschwalbach: 1 (1470 0.). 
Johannes Faber de Burgschwalbach 6 glad. 1470 0. W. I, 399b. 

14. Camberg: 1 (1455 M.). 
"Wenslaus de Camberch tm. 1455 M. W. I, 252a. 

15. Camp: 9 (1412 M. bis 1500 O.). 
Wegen des vielfachen Vorkommens der Namen Camp ist bei dem Mangel 
näherer Angaben nicht zu entscheiden, ob die folgenden Namen mit Recht 
hierher gezogen werden dürfen. 

1. Johannes de Campo, 11 gr. 1412 M. W. 97a. 

2. Gerhardus Kamp dt. 12 gr. 1431 0. W. 151b. 

3. Petrus Ungwar de Campe 12. 1456 M. W. I, 260a. 

4. Wernherus Uelchin de Kamp dt. tm. 1462 M. W. I, 294b. 

5. Nicolaus Ungewar de Camp tm. 1464 M. W. 306b. 

6. Johannes Herb de Camp dt. tm. 1467 0. W. 322a. 



1441 0. 
W. I 

184a.b. 



05 

7. Johannes Pistoris Mülhen de Kampf tm. 1470 M. W. I, 340a. 

8. Jacobus Novenberg de Kamp 8 nov. 1473 M. W. I, 355a. 

9. Antbouius Udalrici de Camp tm. 1500 0. W. II, 215a. 

16. Caub: 28 (1407 O. bis 1491 0.). 

1. Symon Grans de Kuba, 13 gr. 1407 0. W. I, 80a. Zu Heidelberg 1408/9. 

2. Emericus de Kuba, 13 gr. 1407 M. W. I, 81a. 

3. Hinricus Perdil | 

4. Conradus Stang de Cuba, 1411 0. W. I, 93b. 

5. Petrus Greft 

6. Johannes Langsyd de Cuba ] dt. 6 ant. et 1 ^ 1430 0. W. I, 

7. Petrus Provisoris de Cuba J 147a. 
Petrus Pr. 1431 zu Köln immatrikuliert. 

8. Johannes Pistoris de Cuba dt. 12 gr. 1439 M. W. 178b. 

9. Johannes Crauel de Cuba dt. 4. nov. 

10. Anthonius Cravel de Cuba dt. 4 nov. In Leipzig 1444. 

11. Hermannus Kanczenelenpogen(Kacz,) deCubadt. 4nov.gr. 

12. Conradus Schuhamer de Cuba 4 nov. 

13. Johannes Langsyt de Cuba dt. 16 gr. ant. et 2 ^ de residuo in- 
tytulature 1441 0. W. 185a. Er hatte also bei der Aufnahme, die etwa im 
Jahre 1440 erfolgt sein mochte, nichts oder nicht alles bezahlt, doch ist er 
unter diesem Namen nicht in die Matrikel eingetragen. Ein andrer gleiches 
Namens ist unter No, 6 verzeichnet. 

14. Gerlacus Sartoris de Cuba dt. 4 gr. nov. 1444 0. W. I, 199a. 

15. Johannes Welle de Cuba dt. tm. ] ^,r^ r^ ^t r ^.-i ^-^m 
ia j u w 1 1 n T. f; 1451 0. W. I, 22ob, 226b. 
Id. Johannes Wincke de Cuba 5 nov. J 

Joh. Winneck de C. zu Köln immatr. 1448 als Artist. 

17. Theodoricus Cuba (Tuba?) dt. tm. 1451 M. W. I, 229b. 

18. Theodoricus Germersheym de Cuba tm. ] ^ ..,. „ „, ^ -,__, 
.Q j . p 1 / 1456 0. W. I, 2o5b. 

19. Johannes Germersheym tm. I 

Die Germersheim waren ein aus G. in Caub eingewandertes Geschlecht. 
Vgl. Heidelberg No. 32 vom J. 1392. Doch darf wohl nicht der Nicol. Germ, 
vom J. 1403 schon hierher gerechnet werden. Ein Nie. von Germ, war 1435 
u. 1444 Zollschreiber zu Caub. Mitt. aus d. Kölner Stadtarchiv H. 17 (1889) 
S. 3, 47. H. 19 (1890) S. 63. 

20. AnthoniusRasorisdeCubapt.Ogr. 1458 M. W.I,271a. ZuHeidelb.1461? 

21. Johannes Brunick de Cuba 1 , -,,^, r^ -rrr t o/^.-.t 

u ^ n 1 tm. 1464 0. W. I, 303b. 

22. Petrus Germerschen de Cuba J 

23. Nico laus Germerszheim de Kueba tm. 1464 M. W. I, 306b. 

24. Johannes Alium de Cuba dt. 4 nov. 1466 M. W. I, 319b. Alliuni 
oder alium = Knoblauch. 

25. Nicolaus Liszheit de Kuba, 17 gr. 1 . ,„-. ,, itt r o-^-i 

c^n y^ . T^ 1 rr , . ^ 1462 M. W. I, 32ob. 

2o. Jretrus Puseman de Kuba, li gr. J 

-27. Petrus Sartoris de Cuba, 8 nov. 1 , .^^ ^ ttt t ..>... lor- 
^ 1 n u A I 1491 0. W. I, 2.j6b, 4o<a. 

28. Petrus Wem de Cuba med. j 

5 



66 

17. Cleeberg: 2 (1480 M. 1499 0.). 

1. Johannes Glume de Cleberg tm. 1480 M. W. I, o83a. 

2. Joannes Cleburgk dt. 16 ant. 1499 0. W. II, 210a. 

18. Cramberg: 1 (1425 0.). 

Gerliardus Cramberg canon. Magunt. et Trever. ecclesiarum 1425 
W. I, 132a. Vgl. Bologna, wo Gerhard 1430 oder 1431 immatrikuliert wurde. 

19. Cronberg: 23 (1400 M. bis 1490 0.). 

1. Johannes de Kronberg dt. 10 gr. 1400 M. W. I, 60b. Kann der 
Canonicus zu Mainz und Scholasticus zu Aschaffenburg 1410 sein; f 1439. 
Joann. II, 349. 

2. Ebrardus Ebel de Kronberg p. 1401 M. W. I, 62b. 

3. Johannes Schabern de Cronenberg dt. 5(?) 1406 0, W. I, 76b. 

4. Johannes de Kronenberg p. 1407 0. W. I, 80b. 

5. Francko de Kronenbergh. 1409 0. W. I, 88b. 

6. Johannes Gut Jar de Croneberg, 1410 0. W. I, 90b. 

7. Philippus de Cronenberg canon. Mogunt. 1 fior. 1418 M. W. I, 112b. 
Joann. II, 349 nennt zwei Philipp von Cr. als Mainzer Canonici um das J. 1430. 

8. Petrus Cronenberg, 10 gr. 1422 0. W. I, 122a. 

9. Johannes Cappusz de Cronenberg, 9 gr. 1426 0. W. I, 136a. 
10. Conradus Hofeman de Cronenberg gratis ob reverenciam dni Nicolai 

Hertnit cantoris ecclesie beate Virg. Erffordensis. 1435 0. W. I, 163b. 

11. Philippus Kronenberg, 15 gr. 1438 M. W. I, 175b. Zu dem 
J. 1441 M. ist bemerkt: Nota supefaddentes in gradu baccalariatos etc.: 
Phil. Cronenberg 8 gr. ant. W. I, 188a. 

12. Johannes de Cronberg dt. 3 nov. gr. 1441 M. W. I, 187b. Nota 
primo de residuo intitulature: Joh. Cronenberg 13 ant. 1443 0. W. I, 196. 

13. Nicolaus Munszhart de Cronenberg dt. tm. 1453 0. W. I, 236b 
Ein Nie. Mushert zu Heidelberg 1448, zuletzt (1453) Lic. art. 

14. Johannes Lokener de Croneberg tm. 1455 0. W. I, 250a. 

15. Johannes Lapicida de Kronenberg tm. 1464 0. W. I, 301b. 

16. Wicherus von Stage de Cronenbergh 1469 M. W. I, 336a. Vgl. 
Heidelberg No. 5. (1435). 

17. Johannes Textoris de Cronberg („Crunneuberg") 8 glad. 1470 M. 
W. I, 340b. 

18. Johannes Pistoris de Kroueubergk tm. 1471 M. W. I, 346a. 

19. Nycolaus Eumbach de Kronenberg, 2 nov. 1472 0. W. I, 349b. 
Residuum intitulationis 1481 0. : Nicol. Rumpach de Croneberg, 6 nov. W. I, 387a. 

20. Petrus Tridell de Kronberg tm. 1472 M. W. I, 350b. De residuo 
intitulature 1474 : Petr. Stridel de Kronenberg dt. 4 nov. W. I, 358a. 

21. Christianus Gryner de Krouberg tm. 1481 M. W, I, 389a. 

22. Nicolaus Offhaben de Cronberg tm. 1485 M. W. I, 408b. 

23. Johannes Bernhardi de Cronenbergk med. 1490 0. W. I, 432a. 



G7 

20. Dachsenhausen: 1 (1470 0.). 
Johannes Gunteri de Daylzeiihusen tm. 1470 0. W. I, 337a. Var. 
Icct. Dayszenhusen; nach Vogel, Beschreibung S. Ml, hiess Dachsenhausen 
frülier Dasseuhuscn. 

21. Dahlheim: 2 (1402 M. 1438 0.). 

1. Henricus Grozconrad de Dalleym dt. 12 gr. 1402 ^l. W. I, 66a. 

2. Georgias natus Johannes de* Steinheim in Daliieim dt. 23 gr. ant. 
1438 0. W. I, 173a. 

22. Dausenau: 1 (1494 O.J. 
Philippus Ilenchen de Dussenauw tm. 1494 0. W. II, 182b. Im 
Jahre 1412 Duszenauwe. 

23. Dem: 1 (1466 M.). 
Philippus Fryhe de Dern dt. V2 sexag. 1466 M. W. I, 317a. Phil, de 
Dern Scholaster zu S. Alban in Mainz 1490, f 1500. Joann. II, 794. 

24. Dernbach: 3 (1400 0. bis 1441 0.). 

1. Wygandus de Ternbach („Dernbach") canonicus maioris ecclesie 
Maguntin. dt. 1400 0. W. I, 58a. Er starb 1427. Joann. II, 351. Zu Heidel- 
berg 1402 immatrikuliert. 

2. Bernhardus de Dernbach dt. 12 gr. 1438 0. W. I, 173b. 

3. Conradus de Dernbach dt. tm. 1441 0. W. I, 185b. Ein Conr. de 
Dernbach war 1466 hessischer Rat. Arnold i, Mise. 241, 

25. Dietkirchen: 1 (1468 0.). 
Johannes Sygen de Dykerchen tm. 1468 0. W. I, 327a. 

26. Diez: 25 (1442 0. bis 1499 0.). 

1. Petrus Rasoris de Dicz 5 nov. 1442 0. W. I, 189a. De rcsiduo in- 
titulature: Petr. Ras. de Diecz 8 ant. 1445 0. W. I, 205a. 

2. Emericus Fabri de Digcz dt. tm. 1445 M. W. I, 205b. 

3. Tilmannus Pistoris de Dicz dt. 9 gr. 1458 M. W. I, 273a. 

4. Johannes Pistoris de Dyetz dt. tm. 1459 0. \V. I, 275a. 

5. Petrus Welker de Dietz dt. tm. 1460 M. W. I, 282a. 

6. Hermanus Wisinfelt de Ditz dt. 3 nov. 1 ^ ,,.,, ,, ,„ _ ^,, 

7. Hermanus Vesenfelt de Dyetze dt. 4 nov. I 

8. Bernhardus Frabri („Fabri«) de Dietz, 3 nov. 1464 0. W. I, 310a. 

9. Johannes Hube de Dyecz, 22 ant. 1465 M. W. I, 311b. De residuo 
intitulature Joh. Höbe de Diez 1 gr. ant. 1467 M. W. I, 356b. 

10. Theodoricus Carnificis de Decz, 2 nov. 1465 M. W. I, 313b. 

11. Johannes Guldener de Dicze p, 1466 M. W. I, 319a. 

12. Henricus Rickel de Dicz tm. 1468 0. W. I, 327a. 

13. Johannes Reckel de Ditz dt. 9 glad. 1470 0. W. I, 338b. 

14. Fredericus Ottonis de Dyetz tm. 1471 M. W. I, 346a. 

5* 



68 

15. Dns Johannes Coci de Dietz 1 ,. ^ 

-.ß TT . -D ij • • j -n- 1 ( medietatera 1472 0. W. I, 249b. 

16. Henricus Baldewini de Dietz J ' 

17. Wernherus Welcker de Diecz tm. 1476 M. W. I, 366a. 

18. Johannes Rikel de Dicz, 4 nov. 1481 0. W. I, 385a. 

19. Marcus Dridorff 1 , x^., , , , ,^ ,, ,„ 

„^ T i T^ -1 « M^e Ditze med. 1482 M. W. I, 396a. 

20. Johannes Dridorff J ' 

Residuum intitulature Marcus Dridorff" de Ditze dt. Va 1483 M. W. 403b. 

21. Hermannus Rodenheim de Ditze med. 1482 M. W. I, 396a. 

22. Henricus Snavart de Dietze tm. 1485 M. W. I, 409b. 

23. Jacobus Elsze de Dieze tm. 1489 M. W. I, 429. 

24. Henricus Beil de Ditz med. 1496 M. W. H, 195b. 

25. Johannes Linificis de Dyetcz med. 1497 0. W. II, 198a. 

27. Dillenburg: 17 (1451 0. bis 1495 0.). 

1. Mathias Taneyge („Can.") de Dillenborg tm. 1451 0. W. I, 227a. 

2. Johannes Dillenburg dt. 12 gr. 1452 M. W. I, 234b. 

3. Johannes Sartoris de Dillenborch tm. 1 ^ ,^^ ,_ ,^- ^ ^^, ,,^ ,, 

A TT • T? u • A T^ u i i. 1 A 1^55 M. W. I, 251a, 252b. 

4. Henricus iabri de Dyllenborch, 14 gr. J 

5. Johannes Sprekasz de Dyllenburg, 14 ant. 1457 0. W. I, 260b. 
Die Sprekast von Waldmannshausen waren Burgmänner zu Dillenburg; ein 
Johann erscheint um 1436 bis 1487. Arnoldi, Mise. 427. 

6. Johannes Sculteti de Tillenburgk dt. 9 gr. 1458 0. W. I, 269b. 

7. Johannes Bruszen de Dellenborch dt. 9 gr. 1459 0. W. I, 275b. 
De residuo intitulature baccalariandorum corporis Christi (Fronleichnam) 
Job. Bremsen de Tillenburgk 1461 0. W. I, 287b. Die beiden Namen scheinen 
dieselbe Person zu bezeichnen, einmal ist der Name verschrieben. 

8. Hinricus Dillenborch, 4 nov. 1462 M. W. I, 395b. 

9. Andreas Sprekast de Dillenburg tm. 1466 M. W. I, 318a. Ein 
Andreas Sprikast bei Arnoldi, Mise. a. a. 0., von 1486 bis 1510. Vgl. No. 5. 

10. Jodocus Rage de Dillenburgk tm. 1471 0. W. I, 343a. 

11. Johannes Wisze de Dillenburg, 4 nov. 1473 0. W. I, 352b, 

12. Johannes Melitoris de Tillenburg I ^ .o, ,«^ -r-rr t .^^^ 
19 A^ Q ^w a A^u\ j m 1481 M. W. I, 389a. 

13. Adam Smetd („Smedt") de T. J ' 

14. Henricus Nerkorn de Dillenborch tm. 1489 0. W. I, 426b. 

15. Johanes Braxatoris de Dylnbergk tm. 1494 0. W. II, 182b. 

16. Sivelinus Muth de Dilnbergk tm. 1494 0. W. II, 183a. 

17. Nicolaus Pistoris de Dillenborg, 15 ant. 1495 0. W. II, 188a. 

28. Dorchheim: 1 (1471 M.). 
Philippus Sartoris de Dorchheym tm. 1471 M. W. I, 345a. 

29. Driedorf; 10 (1400 ü. bis 1472 0.). 

1. Henricus de Drydorff" dt. 8 gr. 1400 0. W. 57a. 

2. Tridoff dt. 3 nov. gr. 1441 M. W. 186a. 

3. Johannes Dumpenhen de Dredorff", 9 dt tm. 1456 M. W. I, 259b. 



69 

4. Mathias Rustz („Ruschz") 1 , _ ., 

. T ^ • n -r • tle Dridorff, 9. 1456 M. W. 160b. 

5. Ludewicus Currificis ) ' 

6. Johannes Lose de TridorfF dt. 15 gr. 1458 0. W. 167a. 

7. Mathias Loys („Los") de Drydorff dt. tm. 1459 0. W. 274b. 

8. Johannes Huen de Dredorf dt. tm. 1460 M. W. I, 282a. 

9. Nicolaus Wolff de Dredorff, 5 nov. 1462 M. W. I, 295b. 

10. Johannes Modersbach de Tredorf tm. 1472 O, W. I, 348a. Ein 
Joh. von Mudersbach war 1488, 1509, 1511 Dechaut zu Dietkirchen. Arnoldi, 
Mise. 346. Brower, matr. Trev. Die Modersbach besasscn seit 1347 einen Hof 
zu Driedorf. Arnoldi, Gesch. I, 101. 

30. Ebersbach: 1 (1457 M.). 
Johannes Schillinck de Eversbach, 9 gr. 1457 M. W. T, 264b. 

31. Eddersheim: 2 (1455 M. 1469 0.). 

1. Johannes Kest de Eddersem, 12 4 1455 M. W. 253b. De residuo 
intitulature Joh. Kest de Edirsheym 11 gr. 1457 M. W. I, 266a. 

2. Johannes Freiss de Edershem tm. 1469 0. W. I, 333a. 

32. Edelsberg: 1 (1413 M.). 
Johannes de Edilsperg, 6 gr. 1413 M. W. I, 100a. 

33. Eibelshausen: 1 (1456 M.). 
Conradus Ybelshusen, 15. 1456 M. W. I, 259a. 

34. Eibingen: 2 (1395 M. bis 1490 M.). 

1. Petrus Ybingin 12 gr. 2 gr. bedellis. 1395 M. W. I. 46a. 

2. Wentzeslaus Ingelnheym de Ibigen (sie) tm. 1490 M. W. I, 434b. 

35. Elkerhausen: 4 (1405 M. bis 1478 M.). 

1. Henricus de Elkerhusen canonicus in Wepflaria (Weczflaria) 13 gr. 
1405 M. W. I, 74b. 

2. Hubertus Elkerhusen tm. 1472 0. W. I, 348a. Ob Gilbert von E., 
Dekan zu S. Alban 1480—1488? Joann. H, 792. 

3. Hiltwinus Klöppel 1 i t^,, , , ^ ,_^ .^ „^ ^ ,„^ 

, , . T^, ^\ de Elkersshusen tm. 1478 M. W. I, 376a. 

4. Andreas Klöppel J ' 

Das Dorf heisst früher sowohl Elkerhusen als Elkershusen. Siehe die 
Zusammenstellung der Namen bei Kehre in, Nass. Namenbuch S. 189. Ein 
Hiltwin war 1460-1470 Pfarrer zu Zeutzheim. Arnoldi, Mise. 254. 

36. Eltville : 13 (1418—1496) 
Abel Schurgenaggl 20 gr. 1417 M. W. I, 107b. Kann dem Namen nach 
hierher gehören. Vgl. die Heidelberger Matrikel in Ann. XXVIII, 129, No. 11. 

1. Johannes de Alta ville XV. gr. 1418 0. W. I, 112b. Baccaiarii 
prius intitulati addiderunt: Joh. de Altavilla IL boh. et IL simpl. 1419 M. 
W. I, 116b. 

2. Johanes Homberg de Eltefel (Eltfel) 9 gr. 1425 0. AV. I, 132. 
Ein Schöffe Henchen Iloenberg zu Eltville bei Roth, Font. I, 2, 170. 



70 

3. Johannes Meynusz de AUavilla 12 gr. 1439 M. W. I, 178b. 

4. Johannes Sthefani (Steffani) de Altavilla dt. 21 gr. 1445 M. W.I,205b. 

5. Conradus Neschen de Altavilla dt. 1 nov. gr. 1449 0. W. I, 219b. 

6. Wernerus Müllen (Muller) de Altavilla dt. 5 nov. 1450 M. W. I, 223a. 

7. Nicolaus Pistoris de Alta villa 4 nov. 1453 M. W. I, 239b. 

8. Petrus Happel de Altavyl dt. 12ant. 1454 M. W. I, 243b. Ein 
Schöffe Happels Heintze bei Roth, Font. I, 1, 263 und I, 2, 195 in den Jahren 
1470 und 1472. 

9. Philippus Emscher (Emsener) de Altavilla tm. 1455 M. W. I, 251b. 

10. Henricus Petretectoris de Eltfel dt. 12 gr. 1458 0. W. I, 267b. 

11. Johannes Meynesz de Eltfelt 4 nov. 1473 0. W. I, 352a. 

12. Petrus Sartoris de Eltfelt tm. 1473 M. W. I, 353b. 

13. Conradus Weisz de Altaville dt. 4 nov. 1496 M. W. II, 195b. 

Elsze 
gehört wohl nicht zu Elz (früher Else). 



37. Emmerichenhain: 2 (1407 O.). 
13 
gl 



1. Eberhardus de Emerichehayn 13 gr. ] , „ ,„ ^„ „_, 

2. Cristianus Emmerici de E. 13 gr. J . . ., . 



Ems 

(Emtz, Eymsz) gehört wohl zu einem anderen Ems als dem nassauischen Eimbs. 

38. Eppstein: 10 (1445 O. bis 1500 0.). 

1. Hermannus Cellerarii de Eppenstein tm. 1445 0. W. I, 205a, 

2. Philippus Pistoris de Eppestein 4 nov. 1453 M. W. I, 239b. 

3. Johannes Meczenhen (Meczenhin) de Epstein dt. 4 nov. 1454 M. 
W. I, 245a. 

4. Petrus Rasoris de Ebstayn dt. 12 4 1455 M. W. I, 254a. 

5. Heinricus de Epstein dt. 15 gr. 1458 M. W. I, 272a. 

6. Nicolaus Czymmerman de Eppensteyn 2 nov. 1465 M. W. I, 312b. 

7. Petrus Junge de Epsteyn dt tm. j ^^g^, j^. ^^^ j_ ^^^^^ 

8. Johannes Pistoris de Epsteyn dt. tm. J 

9. Nicolaus Fleissz de Eppensteyn 1481 M. W. I, 389a. 

10. Werner US Carnificis de Epstein 1500 0. W. I, 215b. 

39. Erbach: 3 (1426 0. bis 1441 M.). 

1. Nycolaus Kemel de Erbach dt. 12 gr. ] ^. ^ ,„ ^ .^gL 

2. Johannes Ruffi de Erbach 12 gr. j 

Da diese beiden zusammen immatrikuliert wurden, so waren sie sicherlich 
aus demselben Erbach ; einen Petrus Kemel (1433) haben wir schon bei Heidel- 
berg (20.) für das rheingauische Erbach in Anspruch genommen. 

3. Petrus Heylandi de Erbach dt. 4 nov. gr. 1441 M. W. I, 186b. 
De residuo intitulature Petr. Heilandi de Erbach 11. ant. 1444 M. W. 1, 203b. 
Ein Schöffe Heylant Moiss 1429 bei Roth, Font. I, 2, 158 (im Register IV, 
8, Heylant Stoiss). 



71 



40. Eschbach: 3 (1429 O. bis 1455 M.). 

1. Nicolaus Eschbach dt. <». gr. 1429 0. W. I, 145b. 

2. Rulinus Espach G gr. 1452 0. AV. I, 232a. 

0. Johannes Jacobi de Espach 9 ^ 1455 M. W. I, 25:5b. Ein Job. 
Eschbach war Canon, eccl. colleg. S. Petri. Mogunt. 1459, f 1489. 

41. Flacht: 1 (1462 M.). 
Jacobus Kapphan de Flacht 4 nov. 1462 M. W. I, 295b. De rcsiduo 
intitulature Job. Capphacn de Flacht 11. ant. 1465 M. Vi. I, 513a. 

42. Fussingen: 1 (14G6 0.). 
Nycolaus Fabri de Fussingen 5 nov. 5 r^ 1466 0. W. I, ol5b. 

43. Geisenheim: 13 (1400 0. bis 1489 M.). 

1. Albertus de Gysenheym dt. 10 1400 0. W. I, 57a. 

2. Jacobus Gyserheym 6 gr. 1429 M. W. I, 146a. 

Johannes Danckeloris de Gyssenheym dt. 4. 1441 M. W. I, 186b. 
Die Handschrift B. hat Dyssenheym. Gehört wohl nicht hierher, sondern viel- 
leicht nach Dessenheim im Elsass. 

3. Johannes Belderszheym de Gisenheym (Gissenheim) 9 ant. 1445 0. 
W. I, 204a. Die Beldersheim waren im 15. Jahrhundert im Rheingau begütert. 
Roth, Font. II, 2, 173 (1432), I, 3, 29 (Joh.de B. im liber anim.), vgl. Zaun, 
Landkapitel Rheingau S. 125. Ein Johannes war Domherr zu Mainz, 1419 ein 
anderer nach Hu m bracht Chorherr zu S. Alban. 

4. Johannes Gysenheim 3 nov. ] . ,-o ivr -ixr t ooqu 

5. Johannes Rasens de Gisenheim 2 nov. ) 

De residuo intitulature Joh. Rasoris de Gisenheym 17 ^ 1455 M. W. I, 254b. 
Ein Henne Scherer 1481 Schöffe zu Geisenheim. Roth I, 1, 342. 

6. Wilhelmus Hubel (Hobel) de Ghisenheym dt. 15 ant. 1454 0. 
W. I, 241a. Ein Altarist Wilh. Hebel zu Geisenheim 1478. Zaun S. 264; 
im Jahre 1481 war er tot. Roth I, 1, 342. 

7. Caspar de Gyaemheym (Gysenheym) 9 1455 0. W. I, 247b. 

8. Conradus Lupi de Gyszeheim (Gysenheim) 3 nov. 1457 0. AV. I, 262b. 

9. Jacobus Putszer de Gisenheym tm. 1 .._ ,, ,^ j 9Q')'\ 

10. Wilhelmus Pesticulis de Gisenheym 12 gr. J • ■ j- 

11. Johannes Alberti de Gissenheim dt. 15 gr. 1459 M. W. I, 277b. 
Vgl. No. 1 (Albertus). 

12. Johannes Textoris de Gysenheym dt. 4 nov. 1466 M. W. 1, ;>18b. 

13. Johannes Krum de Giszenheym tra. 1489 M. W. 1, 429a. Ein 
Balthasar Krum Schöffe zu Geisenheim im Jahre 1525, Schultheiss 1530. 
Roth I, 1, 344 u. 345. 

Gemünden 
gehört, wie es scheint, nicht hierher, sondern nach einem der anderen Orte 
dieses Namens. 



72 

44. Greifenklau zu Volraths: 2 (1419 O.). 

1. Henricus Grifencla canon. Magunt. 30 gr. \ 1419 W I 113a 

2. Jobannes Grifencla canon. Trever. 30 gr. J ■ ■ ■> 

Heinrich von Greifeuklau war Domdecliant zu Mainz und Trier u. s. w. Siehe 

Heidelberger Matrikel XIII, 1 (1418). — Johannes, Arcbidiaconus zu Longwy. 

S. ebenda XXIII, 2. 

45. Griesheim: 3 (1396 M. bis 1494 M.) 

• 1. Johannes Griessheim p. 1396 M. W. I, 49b. 

2. Jacobus Crysbeym p. 1406 M. W. I. 78a. 

3. Eberhardus de Grysheim tm. 1494 M. W. II, 185a. 

46. Hachenburg: 35 (1408 0. bis 1500 0.) 

1. Johannes de Hachinberg, 13 gr. 1408 0. W. I, 82b. In Köln 1415? 

2. Johannes Scippeler de Hachenberg, 6 1413 O. W. I, 97b. Job. 
Schepelir de H. in Köln 1415 als stud. iur. canon. 

3. Hermannus Sceppeler de Hacheuberch, 12 gr. 1425 0. W. I, 1.32b. 

4. Hermannus Wederbach de Hachenberch, XII. gr. 1425 0. W. 132b. 
Wederbach = Widderbach im Kr. Altenkirchen. Colon, dioc. 

5. Albertus Hachenberg dt. 4 gr. ant. 1427 M. W. I, 142b. 

6. Johannes Sartoris de Hachenburg, 5 nov. ] . ,-„ O W I 2C^^h 

7. Henricus Pistoris de Hachenburch, 5 nov. J 

De residuo intitulature Hynr. Pist. de Hachinberg 8 ant. 1458 0. W. I, 276b. 

8. Hinricus Andernach de Hachenburg dt. 9 gr. 

9. Georgius Plotz de Hachenberg dt. 9 gr. 

10. Johannes Milt „ „ dt. 9 gr. 

11. Fr. Joh. Betschorff de Hachenberch dt. tm. 1459 0. W. I, 274b. 
Betschorff = Betzdorf im Kreis Altenkirchen. Colon, dioc. Vgl. No. 30 u. 13. 

12. Wilhelmus Reddituarii de Hachenberch dt. tm. 1462 M. W. I, 294a. 

13. Paulus Dyckel de Hachenberg tm. 1464 0. W. I, 302b. 

14. Wylhelmus Osterheym de Hachenberch dt. 3 glad. 1470 0. W. I, 
339b. De residuo intitulature Wilh. Osterheim 7 nov. 1475 M. W. I, 363a. 

15.' Paulus Mercatoris de Hachgenberck tm. 1471 M. W. I, 345b. 

16. Henricus Wener de Hachinberg med. 1476 M. W. I, 367a. 

17. Johannes Bom de llachinborgh dt. 4 nov. gr. 1477 0. W. I, 369. 

18. Petrus Tinctoris de Hachinburgh 4 nov. 1479 M. W. I, 380a. 

19. Johannes Conrad! de Hachenburgk med. 1480 0. W. I, 382b. 

20. Petrus Buff de Hachenberch, 4 nov. 1481 0. W. I, 383b. 

21. BertoldusBernknoth de Hachenburg tm. ] 1481 M. 

22. Johannes Woelleweber de Hachenburg 4 nov. I W.388a, 389b. 

23. Johannes Büchner de Hachenburgk tm. 1490 0. W. 430a. 

24. Nicolaus Sutoris de Hachenberg med. 1490 0. W. 432b. 

25. Johannes Golderszhoffen de Hachenburg tm. ] 1492 M. W. II, 

26. Hermannus Zcenger „ „ „ ' 172b. 

27. Jacobus Weydman de Hachenburg med. 1493 O. W. 176b. 

28. Henricus Dringestete („Dringesten") de Hagenberch. 1498 0. 
W. n, 204b. Dringesten = Tringenstein ? 



1458 M. W. I, 
270b. 



73 

20. Henricus Haen de Haggcnbcrch ] j^<,,_ ^ ^^ 204b, 205b. 

OK). Johannes Faght de Hagenberch med. I 

31. Riffardus Stoll de Hachenborgk 1408 M. W. 11, 20ljb. Ein Ryffert 
1488 bis 1489 Bürgermeister zu liachenburg. Ann. XY, 203. 

32. Gotfridus Hagkenburg, 5 nov. 1499 M. W. II, 213a. 

33. Johannes Betzdorff de Hachenborgk, 5 nov. \ 

34. Tilemannus Texdoris de Hachenberg, 5 nov. ,^ 91-^^/1« 

35. Johannes Coci de Hachenberg, 14 ant. ' * ' ' " 

47. Hadamar: 3 (1443 O. bis 1481 0.). 

1. Apaldus de Hadamar dt. 10 ant. 1443 0. AV. I, 194a. De residuo 
iutitulature Apoldus de H. 13 ant. 1444 M. W. I, 203b. 

2. Gerhardus Mathia de Hadamar tm. 1464 0. W. I, 202b. 

3. Hermannus Sprekast de Haddemar, 4 nov. 1481 0. W, I, 287b. 

Die Spricast hatten Haus u. Güter zu Hadamar von Hessen zu Lehen; ein 

Hermann Spr. 1460 bis 1471 bei Aruoldi, Mise. 427. Auch der Name Gerhard 

war bei den Sprecast gewöhnlich; ein Gerhard war 1446 Pastor zu Niedererbach. 

Arnoldi a. a. 0. 

48. Hahnstätten: 2 (1462 0.). 
Früher Hoenstaden (1424), Honsteden (1444) u. Ji. 

1. Wilhelmus Schonborn de Hoensteten dt. tm. 1462 O. W. I, 291a. 
Die von Schönborn waren auch zu Hahnstätten ansässig; Arnoldi, Mise. 392, 
nennt einen Wilhelm (1240 bis 1460), Humbracht mehrere. 

2. Bertoldus Walter de Hoensteten dt. tm. 1462 0. W. I, 291a. 

.49. Haiger: 16 (1400 0. bis 1499 M.). 
Früber und noch bei Arnoldi, Mise. 280, Heiger, daneben Heger. Der Ort war ebemaU 

bedeutender als Dillenburg. 

1. Eberhardus de Heyger dt. 10 gr. 1400 O. W. I, 57a. Bei dem 
Geschlecht der v. Haiger erscheint nach Arnoldi a. a. O. mehrfach der Name 
Eberhard (1343 bis 1383 u. s. w.). 

2. Hermannus Walbach de Ileygher. 1411 0. W. I, 93b. 

3. Reynerus Hayger 1411 M. W. I, 98b. 

4. Johannes Fabri de Heger dt. 12 gr. ] ,^ ^ ,„ j .,., 

5. Johannes Molitoris „ „ , 12 „ ) 

6. Heinricus Schoenauwer de Heyger tm. 1445 0. W. I, 204a. 

7. Johannes Stangenhen dt. 4 nov. 1 , tt -, ,.-r\ r\ -i^r t otou 
o T 1 o, 1 1 . de Heyger 1460 0. W.l, 2<9b. 

8. Johannes Stangh dt. 4 nov. J 

9. Eltwinus Fochsz de Heiger dt. tm. 1462 0. W. I, 292a. 

10. Heinricus Audree de Heyger 5 nov. 1462 M. W. I, 295b. 

11. Petrus Fabri de Heyger 4 nov. 1464 0. W. I, 303b. 

12. Petrus Stangeuhenne de Heyer 3 nov. 1464 M. W. I, 305b. 
Vgl. No. 7. 

13. Johannes Geubochheuchen de Heyger 4 nov. 1465 M. W. I, 312b. 
' 14. Symon Huttge de Hayr p. gratis, dt. 1 nov. pedellis. 1471 0. 

W. I, 344b. 



74 

15. Mathias Cortenaw de Heger („Heyer") med. 1492 M. W. II, 174a. 

16. Johanne? Barbe de Heyger 4 nov. 1499 M. W. II, 213b. 

50. Hallgarten: 3 (1457 0. bis 1458 0.). 

1. Petrus Sartoris de Haigart 5 ant. 1457 O. AV. I, 262a. 

2. Johannes Hocker de Haigarten dt. 12 gr. ] ,,^o /^ ^^r t c^nn 
oTi, -r^v,- 1. r. l4o8 O. W. I, 268a. 

0. Johannes Fabri „ „ dt. 9 gr. J ' 

51. HartenfelB: 1 (1449 M.)- 
Johannes Hartenfels dt. 4 nov. 1449 M. W. I, 221a. Ein Joh. von 
Hartenfels war 1452 Kaplan zu Weilburg. 

52. Hattenheim: 3 (1456 M. bis 1467 0.). 

1. Johannes Knyp de Hattenheym tm. 1456 M. W. I, 259a. Kuype 
zu Lorch s. Heidelberger Matr. LI, 3. 

2. Nicolaus Zceller de Hattenheym. 12 gr. 1458 O. W. I, 267. De 
residuo intitulature Nie. Zeller de Hattenheym 11 ant. 1460 M. W. I, 284a. 
Ein Nie. Zeller zu H. 1473 und 1478, Zellers Gerhard 1461 Bürgermeister. 
Roth, Font. I, 1, 305 ff. 

3. Goswinus de Hatheym dt. 4 nov. 1467 0. W. I, 321a. 

53. Hattersheim (früher Heidersheim) : 2 (1469. 1491 M.). 

1. Laurencius Hercz de Heydersheym 7 nov. 1469 M. W. I, 336a. 

2. Jacobus Dorpel de Heddersheim tm. 1491 M. W. I, 438b. 

54. Hattstein: 2 (1417 M. 1471 0.). 

1. Hermannus Hube de Haczsteyn 15 gr. 1417 M. W. I, 110a. 

2. Johannes de Hatsteyn tm. 1471 0. W. I, 343a. Ein gleichnamiger 
Scholar zu Heidelberg 1473. 

55. Herborn: 48 (1400 O. bis 1500 0.). 
Vor dem 14. Jahrh. meist Herber(e)n genannt. 

1. Johannes Herborn dictas Offenbach p. 1400 0. W. I, 57b. Offenbach 
ein Dorf bei Herborn. 

2. Petrus Herbern („Hcrborn") canonicus ecclesie b. Marie in Wetflaria 
1403 0. W. I, 68a. 

3. Johannes Sartoris de Herborn 1411 0. W. I, 93b. 

4. Johannes Fris de Ilerborn 12 gr. 1 ^,,.^ ^ ,,^ ^ ^„ 

r- n . AI 1 TT u n 1413 0. W. I, 98a. 

o. Petrus Macer de Herborn 9 gr. J 

Ein Ilenr, Frys, Kaplan zu Burg, verkauft 1380 seiuHaus zu Herborn. Steubing, 

Herborn S. 201. Vgl. No. 28, 30, 36. 

6. Andreas Herbern („Herborn") dt. 3 gr. nov. ] 1427 0. W. I, 

7. Tylemannus Herbern („Ilerborn") dt. 13 gr. ant. ) 138b. 

8. Bernhardus Herborn dt. tm. ] 1432 0. W. I, 

9. Johannes Rikeltey de Herborn dt. 3 nov.gr. J 154b. 

10. Heinricus de Ilerborn 1 nov. gr. 1435 M. W. I, 164a. 

11. Wigaudus de Herbem dt. 9 gr. 1437 M. W. I, 172b. 



75 

12. Rugerus Wagk de Herborn ?> nov. 1443 M. W. I, 197b. 

lo. Jodocus de Ilerborn 9 gr. 1452 0. W. I, 230b. De rcsiduo in- 
titulature Jod. Ilerborn 14. 1454 0. W. I, 24.3a. Rektor 1460 M. 

Frater Johannes Herborne de residuo intitulature 11 gr. 14.54 (W. I, 
243b) ist wohl = Fr. Joh. Hornbuer de Bambergo ord. Carmelitarum 12 gr. 
1453 0. W. I, 234a. 

14. Petrus Pistoris de Ileruborn („Herborn") dt. 5 nov. 1457 0. 
W. I, 262b. 

15. Mathias Textoris de Herborn dt. 15 gr. 1458 0. W. I, 267a. 
Vgl. No. 18. 

16. Tilmanus Gans de Herborn dt. 9 gr. 1458 0. W. I, 269b. De 
residuo intitulature Tylomanus Jans de Herborn 14 ant. 1460 M. W. I, 284b. 
Tilm. Gans starb als Pastor zu Siegen 1503. Cuno, Siegen 124. Steubing, 
Herborn 162 bis 251. Er war Mag. art. hb. und stiftete in seinem Testament 
ein Stipendium von 500 Goldgulden bei dem Kollegium zur Himmelspforte in 
Erfurt zu Nutz und Frommen der Stadt Herborn, dass aus seiner Familie oder 
aus Herborn Studierende oder in Ermangelung deren Siegener oder Dillenburger 
die Kollegieneinkünfte gemessen sollten. Bürgermeister und Rat zu Herborn 
erhielten das Recht der Präsentation eines KoUegiaten. Steubing zählt S. 162 
acht Scholaren auf, die bis zu dem 30jährigen Kriege das Stipendium genossen. 

17. Johannes Snel de Herborn dt. 9 gr. 1459 0. W. I, 274b. De 
residuo intitulatione (baccalariandorum ?) Michaelis Joh. Schnei (Schnei?) de 
Herborn 14 ant. 1461 0. W. I, 287b. 

18. Mathias Morinck de Herborn de residuo intitulatione (baccalarian- 
dorum?) Michaelis 8 ant. 1461 0. W. I, 288a. Ob derselbe als No. 15? 
Steubing, Herborn 170, nennt einen Matthias Moringk als Pfarrer 1509. 
Vgl. No. 29, 31, 39. 

19. Johannes Pellificis de Hernborn 5 nov. j 

20. Johannes Stol de Hernborn 5 nov. 1464 0. W. I, 303b, 304a. 

21. Tilraannus Pistoris de Herboru 4 nov. > 

22. Johannes Curialis de Herborn 7 nov. 1464 M. W. I, 305a. 

23. Nicolaus Pellificis de Herbornn 4 nov. 1464 M. W. I, 306b. De 
residuo intitulature Nyc. Pellificis de Herborn dt. 11 ant. 1466 M. W. I, 320b. 

24. Johannes Corrificis de Herborn 4 nov. 1465 M. W. I, 313a Re- 
siduum intitulature Joh. Currificis de Herborn 11 ant. 1468 O. W. I, 329a. 

25. Heymannus Pistoris de Herborn dt. 4 nov. 1466 M. W. I, 319b. 

26. Mathias Sutoris de Herborn dt. 4 nov. ] O W I 322a b 

27. Johannes Rasoris de Herborn dt. 4 nov. J * 

28. Johannes Friecsz de Hernborn 7 glad. 1470 O. W. T, 338b. Vgl. 

No. 4, 30, 36. 

29. Johannes Mornig („-ing"?) de Herborn tm. 1471 0. W. I. 343a. 
Christ, Moringk, Mag. lib. art. wurde 1503 Inspector und Pastor zu Siegen. 
Steubing 264. Cuno, Siegen 124, 

' 30. Henricus Fryesz de Herborn 4 nov, 1471 O. W. I, 343b. Vgl. 
No. 4, 28, 36. 



76 

31. Adam Moryng („Meryng") de Herborn dt. medietatem 1472 O. 
W. I, 349a. Vgl. No. 33a. 

32. Johannes Gerlaci de Herborn dt. medietatem 1472 0. W. I, 349a. 
De residuo intitulature Joh. Gerlaci de Herborn 4 nov. 1 4 1474 0. W. I, 357a. 

33. Petrus Sartoris de Heroorn tm. 1472 M. ^Y. I, 350b. 

33a. Adam Ering de Herborn de residuo intitulature dt. 4 nov. 1474 0. 
ist wohl = No. 31, Adam Moring oder Meriug. 

34. Manto de Herborn tm. 1 i^qa n w t -ftiK -ft9a 
OD. Jacob US Kasoris de Herborn med. J 

36. Cristianus Fryss de Herborn tm. 1480 M. W. I, 383b. Vgl. 
No. 4, 28, 30. 

37. Anthonius Kliuger de Herbor („Herb ornn") med. ] 1482 M. W. I, 

38. Anthonius Procz de Herbo(rn?) dt. 3 nov. 1 .396a, 397a. 

39. Mathias Moring de Hirborn („Herborn«) tm. 1487 M. W. I, 419b. 
Vgl.No. 18. 

40. Jodocus Fabri de Herborn tm. 1490 0. W. I, 431b. 

41. Johannes Jungkman de Herborn tm. 1492 0. W. H, 170a. 

42. Jacobus Ruperti de Hernborn tm. 1492 M. W. I, 173b. 

43. Johannes Braxatoris de Herborn tm. 1493 0. W. H, 176b. 

44. Jacobus Bruen de Herborn med. 1494 M. W. II, 186a. 

45. Johannes Schonebach de Herborn tm. 1497 O. W. H, 197b. 

46. Johannes Stuyt de Herbron („Herbrot") tm. 1498 0. 

47. JohannesSchoenbachdeHerbort(„Herbron")tm. 14980. W.H, 204a. 
Zu 45 bis 47: Schönbach Dorf bei Herborn; daher ist sicherlich Herbron und 
Herbort = Herborn. 

48. Jodocus Pistoris de Herbornn tm. 1500 0. W. II, 214a. 

56. Hessloch: 1 (1496 M.). 
Ewaldus Weide de Hesloch tm. 1496 M. W. II, 195a. 

57. Hirzenhain: 2 (1474 M. 1494 0.). 

1. Martinus Doleatoris de Herczenhain tm. 1474 M. \V. I, 359a. Zu 
Heidelberg 1478 mit dem Zusatz dioc. Trever. 

2. Adam Pistoris de Hirczenhain tm. 1494 0. W.H, 183a. 

58. Hochheim: 2 (1443 0. 1464 M.). 

1. Johannes Strass de Hocheym 4 nov. 1443 0. W. I, 195b. 

2. Nicolaus Hanckel de Hochem dt. 4 nov. 1460 M. W. I, 282b. 

59. Höchst: 6 (1436 0. bis 1496 M.). 

1. Georgius Covi de Hoest tm. 1436 0. W. I, 166b. 

2. Johannes Guentheri de Hoest dt. 4 nov. 1449 0. W. I, 220b. 

3. Richardus Morsen de Hoeste tm. 1455 0. W. I, 249b. 

4. Godfridus Pistoris de Hoest dt. 6 gr. 1458 M. W. I, 268a. 

5. Hinricus Pistoris de Hoest 4 nov. 1471 M. W. I, 347a. Ilinr. Pistoris 
zu Heidelberg 1473. 



77 

6. Johannes Bauch de Huesten tm. 1496 M, W. II, 195b. Ein Antho- 
nius Buch de Hoest dioc. Mag. zu Heidelberg 1483. 

60. Hofheim: 4 (1405 0. bis 1473 0.). 

1. Johannes Fabri de I[ofeheym p. 1405 0. W. I, 73a. Ein Job. 
Hofheim war Canonicus eccles. coli. S. Petri zu Mainz und starb 1411. 

2. Johannes Sartoris de Hofheim 8 glad. 1470 M. AV. 1, 340b. 

3. Ewaldus de Hoffheym tm. 1471 0. W. I, 342a. 

4. Johannes Hartleiben de Ilofheym tm. 1473 O. W. I, 351b. 

61. Holzhausen: 1 (1458 O.) 
Henricus Schotze de Holtzhusen dt. tm. 1458 0. W. 267a. Arnoldi, 
Mise. 399, führt mehrere Schütz von Holzhausen mit dem Namen Heinrich an 
(1401, 1415, 1457). 

62. Idstein: 27 (1395 M. bis 1471 0.). 
Über die Namensformen von Idstein s. Bologna YHI, 1, Ann. XXVIII, 103. 

1. Johannes Kochenschreiber de Edichensteyn 1395 M. W. I, 46b. 

2. Philippus Wolf de Itstejn 1409 M. W. I, 90a. Ein Henricus Wolf 
von Itstein v^ar 1400 Notarius des Erzbischofs Johann von Mainz; Guden. Syll. 
515. Philippus Wolf mag derselben Familie angehört haben. Ein andrer Phil. 
de Itstein war Notarius des Erzbischofs Conrad 1420. Gud. Syll. 517. 

3. Berwardus Ytzsten („Itzsteyn") gratis et pro Deo. 1416 0. W.I, 106b. 

4. Didericus Eytstejn 6 gr. 1420 0. W. I, 117b. Eytstein auch in 
der Limb. Chron. von Wyss S. 147. 

5. Jacobus Ydsteyn 3 gr. 1420 M. W.I, 118b. 

6. Johannes Etsteyn de Maguncia 6 ant. 1429 0. W. I, 145a. Vgl. 
die Heidelberger Matr. zu Idstein XL, 2, 3, 5. (Ann. XXVIII, 134.) 

7. Jacobus Folcradi de Itzsteyn 12 gr. 1439 M. W.I, 178b. Nota 
superaddentes in gradu baccalariatos Jacobus Volcradi de Uczstein 11 gr. 
1441 M. W.I, 188a. 

8. Wigandus Fabri de Ycczestein („Yczensten") 2 nov. ] 1443 M. 

9. Kylianus Carnificis de Yccestein („Yczenstein") 2 nov. j W. I, 197b. 
Der Name Kilian begegnet in Idstein öfter ; so ein Dr. Kilian von Itstein, Sohn 
des Kilian, Zeuge in einer Belehnungsurkunde des Erzbischofs Diether zu 
Aschaffenburg visit. Mariae 1477. 

10. Johannes Kierburg de Ycczesteyn („Yczensten") 2 nov. gr. 1483 M. 
W. I, 197b. Kierburg ist das nahegelegene Kirberg, woher die Familie wohl 
stammte. Vgl. No. 26. 

11. Nycolaus Kripporch de Ytsteyn dt. 4 nov. gr. 1447 0. W. I, 212b. 
Kripporch = Kirberg, s. No. 10. 

12. Nicolaus Schuler de Ytzsteyn 4 nov.gr. 1448 M. W.I, 217a. 

13. Johannes Brun de Itstein dt. tm. 1453 0. W. I, 236a. Über die 
Bruno von Idstein s. unter Bologna, Ann. XXVIU, 103. 

. 14. Conradus Eczstein 1 nov. 1453 M. AV. I, 238b. Vielleicht = Conr. 
Rade von Itstein 1450 Canonicus zu S. Maria ad gradus. Roth, I, 260. 



1454 M. W. I, 246b. 



78 

15. Johannes Textoris de Itstein 6 ffr. 1 . ,^, ^ „. 

■in üu-i- n . •• 1 v. . A . 1454 0. W. I, 240a, 240b. 

16. Pnilippus Carpentarii de Ytsteyn b ant, J ' ' 

17. Conradus Yeppa de Ytstein dt, 4 nov, 

18. Conradus Kosen de Ytstein 4 nov. 

19. Nicolaus Rasoris de Ytstein 4 nov. 

20. Hermannus Ytstein dt. tm. 1459 M. W. I, 276b. 

21. Hermannus Sartoris de Itzstein dt. 4 nov. 1463 M. W. I, 300a. 
De residuo intitulature Herrn. Sart. de Itzsteyn 11 gr. 1465 0. W. I, 310b. 

22. Jacobus Carnificis de Itzstein 4 nov. 1463 M. W. I, 300a. De re- 
siduo intitulature Jac. Garn, de Itzsteyn 11 gr. 1465 0. ^y. I, 310a. 

23. Fridericus de Stockheim (, Heilgarten") de Ethsteyn tm. 1464 0. 
^Y. I, 301a. 

24. Philippus Ketten bach de Itstein tm. 1465 0. W. I, 310b. 

25. Nicolaus Kuherd („Kulhert") de Yttsteyn dt, 4 ant. bedellis, alias 
gratis ob reverenciam dni Adolffi. 1468 0, W, I, 327b. Der dominus Adolf ist 
der damahge Erzbischof von Mainz. 

26. Johannes Kirperg de Itsteyn 3 nov, 2 ^ 1469 0. W. I, 333b. 
Vgl. No. 10 und 11. 

27. Johannes Coci de Itstein dt. 2 nov. 2 ^ 1471 0. AV. I, 344a. 

63. Igstadt: 3 (1407 M. bis 1424 0.). 

1. Dudo Dudonis de Igstad ] .^ • j n -. ^nrr n«- ^t- t oh 
^ ^ . „ .. T -r*' , , mit zwei andern 51 gr. 1407 M. ^^ .1, 8lb. 

2. (je onus Georii de Igstad j 

Ein Dudo von Igstat in verschiedenen geistlichen Würden, 1466 Decanus ecc. 
S. Petri Mog. bei Joann. II, 498; Georius 1419 bis 1438 Canonicus ecci. S. 
Petri Mogunt. 

3. Heinricus Ygstad 9 gr. 1424 0. W. I. 129b. 

64. Irmtraut: 1 (1481 0.). 
Theodoricus Han (de) Irintrud 4 nov. 1481 0. W. I, 384b. Seine 
Familie stammte wohl aus einem der zwei Hahn bei Marienberg oder Wallmerod. 
Der Name Dietrich auch bei den Fole von Irmtraut. Arnold i, Mise. 332. 

65. Katzenelnbogen: 4 (1409 M. bis 1494 M.). 

1. Wygandus Pyner von Kaczenellebogen („Kazenelnbogen") 1409 M. 
W. I, 89a. Zu Heidelberg 1411. Vgl. daselbst XLIII, 2, Annal. XXVIII, 134. 

2. Johannes Mekeln de Kacznellenbogen tm, 1472 0, W, I, 348b. 

3. Petrus Fabri de Kactzenelbogen tm. 1 , ,^, ,^ „^ ^^ ^^_ ,^^, 

An 1 ü . j T- . H ^ 1-^94 M. W. II, 185a, 185b. 

4. (Juno de Petra de Katczenelbogen tm. I ' 

De Petra = von der Leyen, ein Geschlecht, welches in Katzenelnbogen zur 
Burgmannschaft gehörte. Wenck, Hess. Geschichte I, 168 Anm. Arnoldi, 
Mise. 332. 

66. Kernel (früher Kamel): 5 (1431 O. bis 1478 0.). 

1. Petrus Kernel („Kemmel") dt. tm. 1431 0. W. I, 197a. 

2. Johannes Eddingerode de Kamel 23 gr. 1438 M. W. I, 174a. 

3. Emericus de Kemel tm. 1443 M. AY. I, 197a. 



79 

4. Theobaldus de Kännel („Kamel") 11 ant. 1453 M. W. I, 239b. 

5. Nicolaus Hevener de Kamel tm. 1478 0. W. I, 373a. 

67. Kiedrich: 10 (1418 M. bis 1498 0.). 

1. Herdanus Hebel de Kedrich 21 gr. 1418 M. W. I, 113a. Im Jahre 
1417 hiess ein Schöffe zu Kiedrich Hirdan; ein Hermann Hebel war 1382 
Schultheiss daselbst. Zaun, Geschichte von Kiedrich. S. 52. 

2. Johannes Fabri de Kydrich 12 gr. 1425 M. W. I, 134b. Im 
Jahre 1417 war ein Richhen Smid Schöffe zu Kiedrich. Zaun a. a. 0. 

3. Johannes Lapicide de Kyderich 15 4 1455 M. W. I, 253a. 

4. Andreas Molitoris de Kyderich 2 nov. 1471 M. W. I, 347b. 

5. Petrus Kirchenmeyster de Kiderich tm. | , ^ 

6. Hermanus Kop de Kiderich 2 nov. J -^ • • > •' 

De residuo intitulare Heymannus Kop de Kyderich 6. nov. 1473 M. W. I, 355b. 
Es wäre wohl möglich, dass der Schultheiss Beruh. Kopp 1740 — 1769 derselben 
Familie angehörte. 

7. Johannes Sartoris Kyderich tm j ^^g^ ^ ^ ^^3^ 

8. Johannes Sartoris Kyderich med. J 

9. Johannes Steinmetz de Kyderich tm. 1497 M. W. H, 201a. 

10. Gerhardus Munsel de Kiderich med. 1498 0. W. II, 205b. 

68. Kirberg: 5 (1426 0. bis 1489 0.). 
Yon den zahlreichen Orten Kirchberg, Kirberg scheint nur einer sicher 
hierher zu gehören wegen des Ortsnamens Diez (No. 4), doch setzen wir noch 
einige als zweifelhaft hierher, bei denen die Form Kirberg schon durchgedrungen 
ist, wo nicht andere Erwägungen entgegenstehen. 

1. Petrus Lupi de Kyrberg dt. 18 gr. 1426 0. W. I, 136a. 

2. Manckratius de Kirpperch dt. tm. 1449 0. W. I, 220b. 

3. Ulricus Kyrberch 12 gr. 1457 M. W. I, 264a. 

4. Johannes Dyecz de Kyrchberg 8 nov. 1468 0. W. I, 328b. 

5. Johannes Rasoris de Kirbergk med. 1489 0. W. I, 417b. 

69. Kirburg: 1 (1486 M.) 
kann auch zu Kirberg gehören. 

Sebastianus Ryffenberg de Kirpurg tm. 1486 M. W. I, 413a. 

70. Kloppenheim (früher Kopheim): 1 (1490 0.). 
Petrus Nagelt de Klopheim tm. 1490 0. AV. I, 430a. 

71. Königstein: 8 (1399—1490 0.). 

1. Nicolaus Konnyngesteyn de Moguntia (1399) kommt unter diesem 
Namen in der Matrikel nicht vor, wohl aber zu Heidelberg 1401 als ßaccal. 
Erfurdensis. S. Heidelberg, Ann. XXVHI, 135, No. 1. 

2. Magister Conradus de Kongenstein dt. tm. 1428 0. W. I, 142a. 
Zu Heidelberg Licent. in art. 1426 ; s. Ann, a. a. 0. No. 2. 



80 

3. Johannes Stul de Koningesteyu dt. tm. 1449 O. W. I, 219a. Im 
J. 1437 war ein Stolhenne Schöffe, 1449 Stullchen Schultheiss zu Königstein. 
Widmann in den Annal. XVII, 44, 48. 

4. Johannes Keller 

5. Johannes Nese de Königstein tm. 1464 0. AV. I, 303b. 

6. Johannes "Wilde 

Ein Nesenhenne war 1437 Schöffe zu Königstein. Widmann a.a.O. 

7. Cristoferus Mergkersneyder de Koningstein med., postea tm. 1486 M. 
W. I, 414b. 

8. Philippus Elhalden de Konigesteyn tm. 1490 0. W. I, 431b. 
Ehlhalden, jetzt Elhalten, Dorf bei Königstein. 

72. Lahnstein: 16 (1426 M. bis 1500 M.). 
Wir fassen hier die beiden Lahn stein, welche die Matrikel nur viermal 
unterscheidet, zusammen. Nach Oberlahnstein gehören sicher No. 3, 10, 11, 12, 
14, 15, nach Niederlahnstein No. 4. 

1. Johannes Halquart de Laynstejn dt. 3 nov. gr. 1426 M. W. I, 
137a. Vgl. No. 9. 

2. Johannes Laynstein dt. 6 gr. 1438 0. W. I, 173b. 

3. Conrad US Wolff de Lanstein tm. 1446 0. AV. I, 208a. Im J. 1428 
war Peter AVolff Zollschreiber zu Oberlahnstein. Rhenus II, 79. 

4. Johannes Breszler de inferior! Lanstein 5 nov. 1457 0. AV. I, 262b. 
Ein Joh. Bressler von Niederlahnstein 1462 zu Köln immatrikuliert. 

5. Johannes Folkman de Lanstein tm. Zu Leipzig 1463 a. ] 1464M. AV.I, 

6. Michael Lansteyn tm. J 305b, 306a. 

7. Eberhardus Coci de Loensteyn tm. 1468 0. AV.I, 328b. 

8. Martinus Dyt de Lonstein tm. 1470 0. AV.I, 337b. 

9. Paulus Halbquart de Laensteyn 4 nov. 1472 M. AV.I, 350b. Do 
residuo intitulature Paul. Halbqu. de Loenstein 4 nov. 1473 M. AV. I, 355a. 

10. Johannes Runtzgin de superiori Laynsteyn tm. 1485 M. AV.I, 409a. 

11. Fridericus Seilgen de Lainstein med. 1488 0. AA^ I, 422a. Ein 
Frid. Selichen war 1439 Schöffe, 1443 Fr. Seilgin Bürgermeister zu Oberlahnstein. 
Rhenus II, 55. Annal. XV, 174. 

12. Johannes Syntzig de Laynstein superiori tm. 1489 0. AV. I, 427a. 
Residuum intitulature Joh. Sentzig de Lonstein 16 aut. 1491 M. AV. I, 439a. 

13. Jacobus Hawer de Lansteyn tm. 1489 M. AV.I, 429a. 

14. Petrus Mayr de Lanstein superiore tm. 1490 0. AV. I, 431a. 

15. Dietherus Felthenne de superiori Lonstein tm. 1500 M. AV, II, 217a. 
Henne vom Felde Bürger zu Oberlahnstein 1439. Rhenus H, 55. 

16. Diterus Hönsroeck de Lonsteyn tm. 1500 M. AV. H, 217b. 

73. Lahr (Lare): 2 (1443 M. bis 1452 M.). 

In dem Namen Lare können ausser Lohr mehrere Lahr verborgen sein; 

ohne Zweifel gehören AVilh. Feier de Lare 1463 M. u. Eickardus Swob de Laer 

1469 M. zu Lohr, da die Heidelberger Matrikel beide Namen in den J. 1487 u. 

1484 mit dem Zusatz dioc. Mogunt. aufweist; so mögen auch andere Namen, 



81 

für die es an ähnlichen Kriterien fehlt, dahin zu ziehen sein. Wir wollen, 
um den Ort, der doch hierher gehören kann, nicht ganz zu übergehen, zwei 
Namen hierhersetzen: 

1. Nicolaus Pawel de Lare 4 nov. 1443 M. W. I. Ein Pauwel 
Henchin Bürger zu Lorch 1426. Roth, Font. I, 1, 378. 

2. Johannes de Lare 9 gr. 1452 M. W. I, 234b. 

74. Langschied: 1 (1439 0.). 
Conradus Langschyt 9 gr. 1439 0. W. I, 176b. 

75. Langwerth von Simmern: 1 (1449 0.). 
Hinricus Langwert de Syemern tm. 1449 0. W. I, 220b. Die Familie 
Langwerth von Simmern war um die Mitte des Jahrhunderts zu Hattenheim 
ansässig. Roth, Fontes I, 1, 304. 

76. Limburg: 49 (1400 M. bis 1499 M.). 
Auch bei Liraburg ist die Scheidung des nassauischen Limburg von anderen 
schwer; da jedoch die Stadt in ihrer damaligen Blütezeit viele Scholaren nach 
Prag und Heidelberg lieferte, so haben wir uns nicht gescheut, auch einige 
zweifelhafte aufzunehmen. 

1. Henricus de Lymporg p. 1400 M. W. I, 59b. 

2. Johannes Contrivasoris de Limborch 10 gr. 1403 M. W. I, 69b. Ist 
ohne Zweifel = Joh. Kannengeyser de Lympurg (Cantrifusoris), der 1401 zu 
Heidelberg immatrikuliert wurde. 

3. Johannes Galli 1 ^ ^. ,-,,-» -. mo n/r xxr t orn 

, ^ , ^ .de Limporch 10 gr. 1403 M. W. I, 69b. 

4. Johannes bartoris I 

Die unmittelbare Abfolge von No. 2, 3, 4 rechtfertigt, sie derselben Heimat zu- 
zuweisen. Ebenso No. 8, 9, 10, 16, 17, 19, 20 u. a. 

5. Petrus Textoris de Lympurg 1412 0. W. I, 91b. 

6. Ludewicus Bern de Limporg 9 gr. 1410 0. W. I, 96b. Bern 
vielleicht verkürzt aus Bernrode, jetzt Berod, bei Wallmerod. 

7. Wigandus Hildeboldus de Lymburg 20 gr. 1413 M. \V. I, 99b. 
Zu Heidelberg immatrikuliert 1415. S. dieses No. 14. 

8. Johannes Loley \ 

9. Johanne Sver je 20 gr. 1416 M. W. I, 107b. 

10. Johannes Schulmann' 

Über die Schulmann von Limburg Trever. dioc. s. zu Heidelberg, Ann. XXVIH, 
137, No. 17. Vgl. dazu die Bemerkung zu No. 3, 4. 

11. Nycolaus de Lympporg 12 gr. 1420 M. W. I, 119a. 

12. Johannes Bochorach („Bacharach") de Lymburch dt. 3 nov. gr. 
1426 M. W. 137a. 

13. Gerlacus Wiluauwe de Lympurg dt. 4 gr.nov. 1427 0. W.I, 139b. 
Zu Heidelberg immatrikuliert als Gerl. Wynau de Limborch Trev. dioc. 1426. 

14. Georrius („Georgius") Rorici de Lympurg dt. 4 gr. ant. 1437 O. 
AV. I, 169a. Ein Rorich Meinarze 1335 Bürger zu Limburg. Limb. Chrou. 
von Wyss 102. 



15. Conradus Sartoris de Lympurg dt. 15. 1437 M. W. I, 172b. 

16. Johannes Scholasticus de Lymperg \ dt. 3 nov. gr. 1441 M. W. I, 

17. Johannes Salczbach de Lymporg J 188b. 

18. Johannes Dreysler de Limpurg 3 nov. 1442 0. W. I, 191a. 

19. Johannes Segben | ^^ Limporch tm. 1443 0. W. 194a. 

20. Johannes Herkorn J 

Seo-hen = Siegen, woher die Familie des Job. stammen mochte; zu Herkorn. 
Vgl. die Bemerkung zu No. 4. Oder Herkorn = Herborn, wie eine Familie zu 
Limburg um 1355 hiess. Wyss, Limb. Chron. 102. 

21. Anshelmus Herkorn de Limpurg dt. 3 nov. 1444 M. W. I, 202b. 

Vgl. No. 20. 

22. Johannes Ruperti de Limporch dt. tm. \14510. W. I, 

23. Johannes Goltman de Lemborch baccal. Lipszensis tm. J 225a, 226a. 

24. Emericus Pruszman de Lymborg XH. 1455 0. W. I, 250b. 

25. Paulus Lympurch 14 ant. 1457 0. W. 262a. Paulus de Limporg 
superaddidit 9 gr. 1459 M. W. I, 279b. 

26. Heynricus Ghyss dt. 15 gr. 1459 0. W. I, 276b. De residuo in- 
titulature Heinr. Gisz de Linnburg 8 ant. 1461 M. W. I, 290b. Gisz = Giessen? 

27. Adam Bekelin de Limporch dt. 5 nov. ] ^^-g M W I 278b, 

28. Johannes Sartoris de Limpurg dt. tm. j 

De residuo intitulature (baccalariandorum) Michaelis Adam Kecklin de Limpurgk. 

1461 0. W. I, 287. 

29. Adam Pistoris de Lympurg tm. 1462 M. W. I, 294b. 

30. Johannes Scaner („Schaner") de Limpurg tm. 1464 0. W. I, 302b. 

31. Rupertus Zcouwer de Limpurg tm. 1465 0. W. I, 309a. 

32. Johannes Sveich de Limpurg tm. 1466 M. W. I, 318b. Schweich 
Dorf an der Mosel. 

33. Nicolaus Westirnald de Lymburg tm. 1470 M. ^Y. I, 340a. 
Westernohe, 1059 Westernaha, Dorf bei Rennerod. 

34. Emericus Leuchtweysz de Limburg 15 nov. 1471 0. W. I, 343b. 
Der Name Leichtweiss kommt noch jetzt vor. 

35. Johannes Nassau de Limpurg tm. ] ^. ^ 

36. Petrus Zauer de Limpurg dt. tm. j 
Zauer = Sver (= Sauer) in No. 9. 

37. Johannes Hubelinck de Lymporg tm. 
Ein Gerhard Hubelinck Canonicus des S. Georgeu- 
stiftes zu Limburg 1487. Annal. XIU, 324. 

38. Johannes Wilnau de Limporg tm. Über 
die Wilnau zu Limburg s. No. 13. 

39. Johannes Wenbieln de Limporg tm. 

40. Johannes Hildenhan de Limpurg tm. 
Hildenhagen, jetzt Hellenhahn, Dorf bei Rennerod. 

41. Wernerus Becht de Limpurg tm. S. die 
Bemerkung zu No. 4, 

42. Adam Funificis de Limporch 4 nov. 1481 0. W. I, 384b 



W. I, 355a, 356b. 



1476 M. W. I, 365a. b, 
366a. 



1479 0. W. I, 377a. 



83 

43. Rulmannus Elszhoff de Limburg tm. 1482 0. W. I, 392b. Eisoff 
Dorf bei Rennerod, früher Elsaplia. 

44. Johannes Dredorff de Limpurg tm. 1483 0. W. I, 398a. Dredorf 
= Driedorf bei Herborn. 

45. Johannes Pellificis de Limpurg med. 1488 M. AV. I, 424a. 

46. Jodocus Streit de Lymburgk dt. 4 nov. 1492 M. W. II, 174b. 

47. Theodoricus Wyss de Lumburg („Limpurg") tm. 1493 M. W. II, 
179b. Über die Wyss s. die Bemerkung zu Heidelberg, Annal. XXVIII, 136 No. 8. 

48. Federicus Cleeberg de Lymperck med. 1497 M. W. II, 202a. 
Über die Cleeberg s. Heidelberg, Ann. XXVIH, 137 No. 25. 

49. Theodoricus Sartoris de Limpurg 5 nov. 1499 M. W. II, 213a. 
Es folgen in dem 16. Jahrh. nur noch 10 oder 11 Scholaren aus Limburg 

bis zum J. 1533. 

77. Lindau: 3 (1441 0. bis 1452 M.). 

1. Philippus de Lindau canonicus Maguntin. dt. 23 gr. 1441 0. 
W. I, 184b. 

2. Philippus de Lyndau canonicus Magunt. dt. 44 ant. gr. et 5 nov. 
pedellis 1441 M. W. I, 186a. 

3. CoDradus Daniel de Lindauw dt. 12 gr. 1452 M. W. I, 234b. 

78. Löhnberg: 1 (1468 M.). 
Erwinus Pistoris de Lonborg 4 nov. 1465 M. W. 1, 312b. Der Ort 
hiess seit 1321 Laneburg, Lanburg. 

79. Lorch: 48 (1392/4 bis 1486 M.). 

1. Henricus de Lorch 1392 bis 1394. W. I, 41b. 

2. Johannes Lorich („Lorch") ] ^g^_ ^ W I 44b 

3. Wykenandus de Lorich („Lorch") J • • j • 
Der Name Wykenand (de Gelre) bei Roth, Font. I, 3, 327, 405. 

4. SyfHdus Lorch dt. 12 gr. j ^^^^ ^ ^^ g,^ 

5. Johannes Ludewici de Lorch dt. 12 gr. I 

Ein Syfridus de Lorch zu Heidelberg 1409, Syfridus .Knyp 1401, Ann. XXVIII, 
138 No. 12, 11; bei Roth, I, 1, 377 ein Sifrid von Loirch im J. 1414. 

6. Hermannus Lurich („Lureh") 1403 M. W. I, 69b. Ein Herm. de 
Lorch Mag. dioc. zu Heidelberg 1394 immatrikuliert. 

7. Anthonius Musman de Lorch p. | . .p,, vr ttt j r-,-, 

8. Johannes Wegel de Lerch p. 1 * • ' - • 

Ein Peder Musman Bürger zu Lorch 1377 und ein Priester Joh. Muszman zu 
Lorch 1404 bei Roth, Font. I, 1, 370 u. 375. — Henne Wigel Schöffe zu Lorch 
1393. Roth I, 1, 373. 

9. Jacobus Luder de Lorch dt. 13 gr. 1406 M. W. I, 78b. Jeckel 
Luder Bürger zu Lorch 1441, 1448 (f) bei Roth, I, 1, 380—382. 

10. Johannes Lorch 13 gr. 1407 M. W. I, 81a. 

11. Johannes de Lorch 5 gr. 1420 M. W. I, 118b. 

12. Johannes Stael de Lorich 9 gr. 1425 O. AV. I, 131a. 

6* 



84 

13. Johannes Folkwya de Lurch dt. 3 gr. 1426 0. W. I, 136a. 
Job. Yolquin von Lorch 1476 Dekan von St. Martin in Bingen. Roth, Font. I, 
1, 466. In Heidelberg ein Job. Folkwin de Lorch Mag. dioc, 1498 immatrikuliert. 

14. Jobannes Pauli de Lorch dt. 6 gr. ant. 1426 M. W. I, 137a. 

15. Jobannes Schräm de Lorch dt. tm. 1427 0. W. I, 139a. Ein 
Job. Schramm von Waldeck hatte vor 1434, wo er starb, Weinberge des Erz- 
bischofs von Mainz in der Lorcher Gemarkung. Joann. I, 747. Gud. IV, 209. 

16. Jobanes Broch de Lorch dt. 6 gr. ant. 1428 M. W. I, 143a. 
Ein Wirner Broch zu Lorch 1461 bei Roth, Font. I, 1, 387. 

17. Johannes Sartoris d. 3 nov. gr. 1428 M. W. I, 143b. Der 
Heimatsort ist nicht angegeben, aber zweifellos Lorch, da nur auf diesen Job. 
Sartoris de Loricb der Eintrag unter den superaddita a prius intitulatis 1431 0., 
W. I, 151b. mit 12 gr. geben kann. 

18. Petrus Loyrg („Lorch'') 4 nov. 1431 M. W. I, 152a. Yielleicht 
= Petr. Lorich Magunt., in Heidelberg 1430 immatrikuliert. 

19. Nicolaus Bechtbolfi de Lorch dt. tm. 1436 M. W. I, 167a. Ein 
Job. Bechtholti de Lorch dyoc. Mog. zu Heidelberg 1439, und Krappe Bechtoff 
1446 bei Roth I, 1, 381. 

20. Petrus Franke de Lorch 15 gr. 1438 M. W. I, 175b. Ein Franck 
Heyntz oder Heyntzgin zu Lorch 1448 ff. bei Roth I, 1, 282 ff. 

21. Johannes Coblenczer de Lorch dt. 4 nov. gr. 1441 0. W. I, I85a. 

22. Conradus Schlichter de Lorick dt. 2 nov. 1441 M. W. I, 187a. 

23. Jacobus Grell de Lorch dt. 3 nov. 1445 0. W. I, 204b. Ein 
Petrus Grell de Lorch dyoc. Mog. zu Heidelberg 1445, ein Altarist 1458 Roth, 
I, 1, 386. De residuo intitulature Jac. Grel de Lorich 1457 0. W. I, 263b. 

24. Johannes Dilmannus de Lorch dt. tm. 1450 0. W. I, 222b. Der 
Name Diel öfter zu Lorch; Roth, I, 1, 386 ff. 

25. Johannes Seigenstat de Lorch dt. 3 gr. ant. 1451 M. W. I, 227b. 

26. Hinricus de Lorch dt. 12 gr. ] . ,_^ „ ^„ ^ ^„^. 
^„ -r. -.TT- , . T 1 n, ^f^ 1^53 O. W. I, 236b. 

27. Petrus Wigel de Lorch dt. 12 gr. J ' 

S. No. 8. De residuo intitulature Petr. Wigil de Lorch 11 gr. 1457 M. W. I, 266b. 

28. Johannes Heyll de Lorch dt. 12 ant. 1454 0. W. I, 241. Ein Job. 
Heil. Mag. dioc. zu Heidelberg 1439. Eb. = Hille Schöffe 1456. Roth I, 1, 386. 

29. He rmannus Lorcher de residuo intytulature 14 ant. 1454 M. W. I, 
24b. Ob der erste Eintrag fehlt oder der Name unter einem andern versteckt 
ist oder überhaupt nicht hierher gehört, ist nicht festzustellen. 

30. Johannes Bethe de Lorch dt. 12 gr. 1455 0. W. I, 250a. De 
residuo intitulature Job. Beth de Lorch 11 gr. 1456 0. W. I, 257a. Nicol. 
Bed de Lorch zu Heidelberg 1470 immatrikuliert. Job. Bethe Altarist zu Lorch 
1471; Roth, I, 1, 389. 

31. Jobannes Rummel de Lorch 12 gr. 1455 0. W. I, 256a. 

32. Richwinus Arbeter de Lorech tm. 1456 0. W. I, 255b. Sowohl 
der Name Richwin als Arbeter u. Lorch bei Roth, I, 1, 375 (Richwin 1402), 
382 (Arbeyder 1447); ein Fr. Richwin von Lorch aus dem Kloster Eberbach 
zu Heidelberg 1436. 



85 

33. Nicolaus Francke de Lorech 15 gr. 1456 0. W. I, 256b. Vgl. 
No. 20. De residuo intitulature Nie. Francke de Lorch 8 ant. 1462 M. W. 296a. 

34. Bertoldus Godelip de Lorch dt. tm. 1458 0. W. I, 269a. Ein 
Bertholdus de Lorch war s. theol. Doctor und Canonicus s. Petri zu Mainz 1474 
bis 1497, magnus ecclesie benefactor. Einen andern Bertoldus erwähnt Bod- 
mann S. 333. Einen Gottlieb Henchen, Schöffen zu Lorch 1456, nennt 
Roth, I, 1, 386. 

35. Heinricus Soeteren de Lorch dt. tm. 1460 M. W. I, 281a. 

36. Johannes Strauss de Lorch dt. tm. 1461 M. W. I, 288a. 

37. Petrus Henepgen de Lorich 6 ant. 1462 0. W. I, 292b. Henepgen 
vielleicht = Hennekypgin 1455 bei Roth, I, 1, 385. 

38. Johannes Talheimer de Lorch dt. tm. 1462 M. W. I, 295a. 

39. Johannes Stauff de Lorch dt. tm. 1463 M. W. I, 299b. 

40. Michael Wysebaden de Lorch tm. 1464 0. W. I, 301b. Ein 
Cuntz Wiesebader Bürger zu Lorch 1488. Roth, I, 1, 391. 

41. Johannes Kersz de Lorch tm. 1464 0. W. I, 306b. Kirch Henchen 
Schöffe zu Lorch 1456. Roth, I, 1, 386. 

42. Petrus Sibel de Lorch tm. 1464 0. W. I, 306b. Else Sibele 1387 
bei Roth, I, 1, 371. 

43. Petrus Schilling de Lorch tm. 1466 M. W. I, 317a. Ein Peder 
Schilling Schöffe zu Lorch 1393; ein andrer 1450. Roth, I, 1, 373, 384. 

44. Petrus Godeliebe de Lorech dt. tm. 1466 M. W. I, 317a. Vgl. No. 24. 

45. Philippus Borniger („Bornicher") de Lorech dt. tm. 1466 M. W. I, 
318a. Von Bornich. Ein Wilh. Bornacher 1451 und Phil. Bornacker 1489 
Bürger zu Lorch. Roth, I, 1, 384 und 391. 

46. Peregrinus Ruttgeri de Bomell dt. 3 nov. 1 ^ ,^_ ,_ _„ t o.^ , 

17 Tj 1 . TT -Iß 11 u o 147o M. A\ . I, .362a.b. 

47. Hubertus Johannis de Bomell dt. 2 nov. J 

Diese beiden werden 1476 M. W. I, 367a. unter dem residuum intitulature 
genannt de Lorch; ob sie aus einem der niederländischen Bommel (Boemel) 
stammten wie der Wykenandus de Gelre zu Lorch in No. 3 (Roth, I, 3, 405) 
und dahin etwa mit ihren Eltern ausgewandert waren, bleibt zweifelhaft. 

48. Johannes Gnypt de Lorch dt. tm. 1486 M. W. I, 414a. Ein Syfr. 
Knyp 1402 zu Heidelberg, Heyman Knyppe 1485 zu Lorch. Roth, I, 1, 39Ü. 

80. Lorchhausen (früher Lorcherhusen) : 2 (1403 M. 1445 M.). 

1. Petrus Mulich de Lorcherhusen 12 gr. 1403 0. W. I, 68a. 

2. Nicolaus Plecz de Loirscherhusz dt. 22 gr. 1445 M. W. I, 205b. 
Ein Jeckel Pletz von Lorchhausen 1447 u. 1449 bei Roth, Font. I, 1, 382 ii. 383. 

81. Merenberg: 3 (1401 0. bis 1465 M.). 

1. Johannes Merenberch p. 1401 O. W. I, 61a. 

2. Johannes Mernberg p. 1408 0. W. I, 82b. 

3. Gottfridus Husen de Merenburg tm. 1465 M. "SV. I, 313a. 

82. Mittelheim: 1 (1420 M.). 
Petrus Myttelhem 9gr. mit einem andern aus üstrich ; 1420 M. W. I, 118a. 



86 

83. Molsberg: 1 (1497 0.). 
Engelhardus de Molsburg nobilis tm. 1497 0. W. II, 197. 

84. Montabaur: 41 (1404 O. bis 1494 M.). 

1. Fredericus Nonnenberger de Montebur 12 gr. \ ^^r..Q ^y j «q, 

2. Johannes Seltirs de Montebur p. J • • ? • 

3. Gerhardus Gerhard i de Monthabor 20 gr. 1419 0. W. I, 115a. 
Recepta suppletionum a prius intytulatis etc. Gerhardus de Montebur 3 gr. 
1427 0. W. I, 140a. Rektor 1436. 

4. Jacobus Eraxatoris de Montabur 9 gr. 1420 0. W. I, 118b. Über 
das Bierbrauen zu Montabaur s. Meister, Geschichte von Montabaur S. 39 ff. 

5. Heinricus Rulen de Montebur 12 gr. 1422 M. W. I, 123b. 

6. Johannes Monthabur brevior („minor") dictus Sommer dt. 10 gr. ant. 
1427 0. W. I, 138a. Vgl. No. 17 (Estatis); ein gleichnamiger Bürgermeister 
1457 bei Meister S. 20. 

7. Johannes Riczenson de Monthabur dt. 10 gr. ant. 1427 0. W. I, 138a. 

8. Tylomannus Mylen de Montebur dt. 12 ant. 1429 M. W. I, 147b. 
Mylen wohl = Melen; bei Meister ein Henne Melen Bürgermeister 1490, 
Thelle Melen 1517, 1528, 1531. 

9. Hermannus Schuren de Montebur dt. 12 ant. 1429 M. W. I, 147b. 

10. Mathias Tinctoris de Monthabur 5 nov. 1431 M. W. I, 152b. 

11. Johannes Bilsteyn de Montebur dt. tm. ] -, .omii- ^tt t ^m 

, _, 1 1 nr , 1 1, , ( 14.d2 M. VV.l, looa. 

12. Jacobus deEnczenrode de Montebur dt. tm. J 

De Enczenrode wohl =Denczerot in No. 14. 

13. Eberhardus Aurifaber de Montabur 12 gr. 1439 M. W. I, 178a. 
In Köln 1441, in Bologna 1444. 

14. WipertusDenczerot de Montebur dt. 13 gr. 1440 M. W. I, 181b. 
DeDzerode war früher ein Dorf, jetzt der Hof Denzerhaid. Vogel, Beschreibung 
S. 676. Ein Conrad von Denzerod war 1439 Glöckner zu Montabaur. Meister 
S. 61. Wiprecht Denzeroder war 1457 Dechant des S. Georgenstiftes zu Lim- 
burg. Annal. XIH, 314. 

15. Henricus (Luchtenberger) de Montenbur tm. 1442 0. W. I, I89a. 
Recepta de residuo intitulature Henricus Montabur 11 ant. 1444 0. W. I, 200b. 

16. Johannes Pistoris de Montebur dt. tm. 1442 0. W. I, 189b. Ein 
Joh. Pistor Bürgermeister 1458 zu Montabaur. Meister a. a. 0. Recepta de 
residuo intitulature Joh. de Montabaur 11 ant. 1444 0. W. 1, 200a. 

17. Gerhardus Estatis de Monthabur 4 nov. 1444 M. W. 202b. 
Estatis = Sommer in No. 6. De residuo intitulature Gerh. Montebur 1 1 ant. 
1449 O. W. 1, 220a. 

18. Heinricus Knabe de Montebuer 6 ant. 1445 O. W. I, 205b. 

19. Johannes de Montibur dt. 8 ant. 1449 M. W. I, 221a. De residuo 
intitulature Joh. de Monthebur 14 gr. 1451 0. W. 227a. 

20. Conradus Schuper de Montibur dt. 5 nov. 1449 M. W. 221a. 

21. Gerlacus de Montebur de residuo intitulature dt. 11. 1453 0. W. I, 
237a. Er fehlt unter diesem Namen unter den aufgenommenen Scholaren. 



^ 1471 M. W. 346a. 



87 

22. Petrus Monthabur 3 nov. 1453 M. ^Y. I, 238a. 

23. Tilemannus Haen de Montebur dt. tm. 1454 M. W. l, 244b. 

24. Albertus Bilsteyn de Montebur 12 4. 1455 M. W. I, 252b. Vgl. 
No. 11. De residuo iotitulature Alb. Bliensteyn de Montabur 9 gr. 1457 M. 
W. I, 266b. 

25. Johannes Kiczink de Montebur dt. 12 gr. 1458 0. W. I, 268b. 

26. Bernnherus Sellum de Montubawer tm. 1461 O. W. I, 287a. 

27. Christian Nuwer de Montabur dt. tm. 1462 O. W. I, 291a. Hey- 
niann Nuher 1522 H. Nuer 1534 Bürgermeister. Meister a.a.O. Vgl.No. 38. 

28. Johannes Desper de Monthabur dt. 11 ant. de residuo intitulature 
1466 M. W. J, 320b. Däsber jetzt Name einer Waldwiese = dem ausgegan- 
genen Dorfe Dedinsbach. Vogel S. 675. 

29. Johannes Kuser de Montabur dt. tm. ] ,.__ ^ „, -r 000 

30. B er wie US de Montabur dt. 4 nov. J 
Ein Berwicus von Montabaur zu Heidelberg 1399. 

31. Johannes Winden de Montabur tm. 
Es gibt verschiedene Dörfer Namens Winden. Thelle 
WindenBürgermeisterlöOl, 1511, 1519. Meistera.a.O. 

32. Johannes Wyrt de Montabur tm. 

33. Arnoldus Ymme de Montabar tm. 

34. Johannes Ymme de Montabur tm. 

35. Conradus Moncz de Monthabuer tm. 1476 M. W. I, 365a. 

36. Johannes Henckhuss de Montebur tm. 1485 M. W. I, 409a. Der 
Name Henckhuss vielleicht = Henkes; ein Thoingen Henckes 1540 Bürger- 
meister. Meister a. a. 0. 

37. Wilhelraus Knast de Monthabuyr tm. 1488 0. W. I, 421b. 
Heyntze Knoste Bürgermeister 1502. Meister a. a. O. 

38. Christianus Nuwer de Montebuer 1490 O. W. I, 431b. S. No. 27. 

39. Philippus Francisci de Montenbur tm. 1494 M. W. H, 185b. 

40. Johannes Braxatoris de Montabur med. ) .„ ^ W 193 

41. Tilmannus Brant de Montabur med, J 

Mudersbach s. Driedorf. 

85. Nassau: 8 (1403 0. bis 1482 0.). 
Grafengeschlecbt, Stadt, Land Nassau. 

1. Nobilis Wilhelm US comes de Nassau canonicus Maguntinus anno 
dni MCCCC tercio V nonas mensis octobris (dt. florenum pro se et duobus 
immediate sequentibus). 1403 0. W. I, 68a. Wilh. von Nassau-Beilstein, Sohn 
des Grafen Heinrich (1378 bis 1412), zuletzt Domprobst zu Mainz, f 18. Apr. 
1430. Joann. II, 287. Arnoldi, Geschichte I, 157. 

2. Fridericus de Nassau dt. 23 gr. 1433 O. W. I, 159b. 

3. Hinricus Fritze de Nassow 5 nov. 1464 0. W. I, 304a. 

4. Gerhardus Nassaw tm. 1466 O. W. I, 315b. 

5. Rufhardus Schulteti de Nassow tm. 1487 M. W. I, 418a. 

6. Johannes Sartoris de Nassaw tm. 1393 M. W. TI, 179b. 



88 

7. Richardus Richardt de Nassaw tm. 1 ^ .„, ,r ^r -n ^r,.- 

a -n ■ o ^ • j AT X 1494 M. W. II, 185a. 

8. Emricus öartoris de JNassaw tm. I 

86. Nastätten: 7 (1458 0. bis 1482 O.). 

1. Johannes Gysen de Nasteden tra. 1458 0. W. I, 269b. Zu Leipzig 
1461. Vgl. Scheps in der Zeitschrift für d. Geschichte des Oberrheins 38, 364; 
39, 433 u. N. Arch. II, 417 (Brief Gysens an P. Luder 1463); Falk, ebenda 
XI, 195; er wurde Viearius von St. Alban zu Mainz und starb 1523. Knodt, 
Mag. lit. 13. Er liess drucken 1489 Legenda et miracula St. Goaris edita per 
Wandelbertum diaconum ad ill. virum Marquardum abbatem raonaster. Pru- 
mensis . . . impensis Job. Gisen de Nasteden, art. lib. mag. Acta S. II, 327 bis 
346. Grebel, Geschichte der Stadt St. Goar. 396. 

2. Johannes Forst j 

3. Johannes Roden l de Nasteden 1 flor. 1469 0. W. I, 333b. 

4. Petrus Kinheym J 

5. Oswaldus de Nastetten 8 glad. 1470 M. W. I, 340b. 

6. Johannes Mercatoris de Nastenden tm. 1478 0. W. I, 373a. 

7. Petrus Thorn de Natsteden („Nasteden") tm. 1482 O. W. I, 390b. 

Niedershausen s. Roishausen. 

87. Niederscheid: 1 (1467 0.). 

Johannes Happel de Nedeischel(d) dt. 4 nov. 1467 O. W. I, .322b. 

Ein Joh. Scheit war 1492 Dekan des Stiftes zu Weilburg. Würdtwein, nov. 

subs. IV, 206. 

88. Oberems: 1 (1462 M.). 

Ulricus Thorae de Superiori Empss dt. tm. 1462 M. W. I, 294b. 

89. Östrich: 2 (1420 M. 1458 M.). 

1. Petrus Carnificis de Ostrich 9 gr. mit einem andern aus Mittelheim; 
1420 M. W. I, 118a. 

2. Nycolaus Knosse de Osterrich dt. 12 gr. 1458 M. W. I, 270b. 

90. Hansel: 1 (1466 M.). 
Johannes Allcgart de Raynzel dt. 4 nov. 1466 M. W. I, 318a. 

91. Rauenthal: 10 (1422 M. bis 1473 M.). 

1. llenricus Duen de Ruv/ental 9 gr. 1422 M. W. I, 124b. 

2. Jacobus Reme de Ruendal 12 gr. 1439 M. W. I, 178b. 

3. Johannes Rorich de Ruental dt. 5 nov. gr. 1440 M. AV. I, 18Lt,. 

4. Johannes Ruental 4 nov. 1444 M. W. I, 202b. 

5. Iliuricus Ellen de Ruwendal 4 nov. 1448 M. W. I, 218a. 

6. Johannes Bitz de Ruwental tm. 1462 M. W. I, 295a. 

7. Stcffanus Oliatoris de Ruental („Ruendael, Phlyeger") 4 nov. 1471 M. 
W. I, 347a. De residuo intitulaturc Steph. Ruentale dt. 4 nov. 1474 0. 
W. I, 357b. 

8. Johannes Starkart de Ruwendail tm. 1 , ,„^ ^ ,^^ „.^ 

o T u Qi 1 X 1 r» 1 w 1472 0. W. 347a., b. 

9. Jacobus Starkart de Ruwendal tm. j ' 



89 

Zu No. 8 bemerkt W. : Stollberg de Ruwendal ; in A. ist das zuerst ge- 
schriebeue ausradiert und Starkart darauf geschrieben, wahrscheinlich Ver- 
wechslung mit No. 9a. Wir haben uns doch der Korrektur angeschlossen. 
Ein Schüife Joh. Starkerte 147o zu Rauenthal bei Roth, Font. I, 1, 264. 

lU. Embricus EUenhusen de Ruendacl 4 nov. 1473 M. W. I, 354b. 
De residuo intitulature Emricus EUenhusen de Ruendal dt. 4 nov. 1475 0. 
^Y. I, 3()lb. 

92. Reicheisheim 

in der Wetterau, jetzt nicht mehr zum Regierungsbezirk AViesbaden gehörig, 
sandte vier Scholaren (1407 M., 1420 0., 1439 M., 1479 M.). 

93. ReifiFenberg : 8 (1412 O. bis 1496 M.). 

1. Conradus de Ryffenberch 20 gr. 1412 0. W. I, 96a. 

2. Johannes de Riffinberg canonicus ecclesie Maguntine 1418 M. W. I, 
113a. Zu Heidelberg 1421, zu Bologna 1422. S. Ann. XXVIII, 105. 

3. Wintherus de RifFenberg tm. 1427 0. W. I, 139b. Er war Canonicus 
zu Würzburg und starb 1433. Grabstein zu Kiedrich bei Zaun, Kiedrich S. 118. 

4. Cuno de Ryfenberg 5 nov. 1448 M. W. I, 217b. 

5. Philippus de Riffenbug tm. 1456 O. W. I, 256a. 

6. Johannes Kremolt de Ryffenberg tm. 1457 0. W. I, 262b. 

7. Emericus Gremelt de Riffenberch tm. 1457 M. W., 264b. 

8. Johannes Geysz de Reyffenberg med. 1496 M. W. II, 195b. 

94. Rolshusen: 1 (1493 O.) 
jetzt Obers- oder Niedershausen. 

Crasto („Craftho") Schurger („Schurger de Rulczhusin") med. 1493 0. 
W. II, 176b. 

95. Rotzenhahn: 1 (1473 O.). 

Johannes Molitoris de Roczenhayn 3 nov. 1473 O. W. I, 352b. 

96. Rüdesheim: 20 (1412 0. bis 1490 M.). 

1. Fredericus de Rudensheym 20 gr. 1412 O. W. I, 96a. Wohl wie 
No. 7 aus dem Geschlecht der Herrn von Rüdesheim, bei denen die Namen 
Friedrich und Conrad vorkamen. Bodmann S. 346. 

2. Conradus Carnificis de Rudesheym 20 gr. 1412 O. W. I, 96a. 

3. Conradus Martmeystir de Rudisheim p. ] 1417 M. 

4. Wilhelm US Nolle de Rudensheym 9 gr. J W. I, 109a., 110a. 

Vgl. No. 8 und 9. Der Name Nolle kommt mehrfach damals und später 
im Rheingau vor. 

5. Hartmannus Jodoci de Rudesheym 1419 M., zalilte mit dem Mainzer 
Canonicus Fredericus de Waldeck zusammen 1 Hör. W. I, IKni. 

6. Emericus de Rudesheym 6 gr. 1429 O. W. I, 146b. Zu Heidel- 
berg 1432. 

7. Conradus filius Fredericc de Rudisheym 23 gr. 1429 M. W. I, 146b. 
, 8. Hinricus Nolle de Rudensheim dt. tm. 1430 M. W. 1, 149a. Im 

Jahre 1433 Pfarrer zu Winkel. Zaun, Landkapitel Rheingau S. 231. 



90 

9. Engelhardus Nolle de Rudensheym dt. trn. 1430 M. ^Y. I, 149a. 

10. Hammannus Rasoris de Rudenshem dt. 23 gr. 1439 M. W. I, 177b. 

11. Johannes Tonsoris de Rudesheim 4 nov. 1433 M. W. I, 198a. 

12. Jacobus Ruffus de Rudisheym dt. 20 residuo intitulature 1453 0. 
W. I, 237a. Ein Scholar dieses Namens ist in den vorhergehenden Jahren 
nicht eingetragen; er muss im Jahre 1451 immatrikuliert sein; denn sicherlich 
ist er der Jacob Rufi (RufFi, Rode), der der erste Beneficiat des Kreuzaltars 
der Kirche zu Eltville (gestiftet und bestätigt im Frühjahr 1451) war. Vgl. 
Zaun, Landkapitel S. 45, 144. 

13. Jacobus Oesterich de Rodesheym 19 ^ 1455 M. W. I, 253a. 
Residuum intitulature Jac. Ostrich de Rudisheim 11 gr. 1458 M. W. I, 273a. 

14. Johannes Dudeman de Rodesheira 9 ^ 1455 M. AV. I, 253b. 

15. "Wenzeslaus Scherchen de Rudensheym dt. 12 gr. 1459 0. 
W. I, 274a. 

16. Fredericus Eckelman de Rudishem dt. tm. 1 _, .„_ ^ ^^^ j ooi„ 

, 1 T^ T 1 1 , l 1467 ü. vV.i, oZla., 

17. Johannes Sypel de Rudishem dt. tm. > ^oqu 

18. Johannes Wencz de Rudishem dt. tm. J 

Ein Phil. Weinczin Sohn von Rüdesheim 1383 bei Roth, Font. I, 1, 356. 

19. Johannes Gerhardi de Rudesheym med. 1487 M. W. I, 419b. 

20. Siffridus Rasoris de Rudeszheym tm. 1490 M. W. I, 434b. 

97. Runkel: 1 (1458 0.). 
Hermannus Grobe de Runckel dt. 12 gr. 1458 0. W. I, 269b. 

98. Buppertshofen: 1 (1461 M.). 
Adam Fabri de Ruperschoben dt. tm. 1461. W. I, 288a. 

99. Scharfenstein : 3 (1405 M. bis 1429 M.). 

1. Ticzmannus | gd^arfenstein 13 gr. 1405 M. W. I, 74b. 

2. Wilhelmus j ^ 

3. Fredericus de Scarffensten („Scharffensteyn") dt. 18 ant. 1429 M. 
W. I, 147b. Ein Scholar gleichen Namens zu Erfurt 1438. 

100. Scheid: 1 (1492 M.). 
Joannes Waltfurster de Scheide tm. 1492 M. W. II, 173a. 

101. Schierstein : 3 (1444 M. bis 1464 M.). 

1. Johannes Leonis de Schirsteyn dt. 5 nov. 1444 M. W. I, 201a. 

2. Nicolaus Proderitz de Schersteyn dt. 6 gr. 1458 M. W. I, 271a. 

3. Johannes Rust de Schirsteyn tm. 1464 M. AV. I, 306a. 

102. Schwalbach: 8 (1443 M. bis 1498 O.). 
AVolches Schwalbach geirieint ist, bleibt zweifelhaft. 

1. Geylbertus de Swalbach tm. 1443 M. W. I, 107a. 

2. Johannes Ilemunt Biszer de Swalbach 6 ant. 1454 0. W. 1, 242a. 

3. Johannes Farhyn de Swalbach 12 gr. 1455 0. W. I, 249a. 



91 

4. Emericus Varhen de Swalbach 12 ^ 1455 M. W. I, 254b. 

5. Nicolaus Schwalbach dt. tm. 1406 0. W. 1, ol5b. 

6. Frater Lodewicus de Swalbach ord. s. Bencdicti in Sehgenstat tni. 
1467 M. W. I, 824a. 

7. Conradus Roun de Swalbach („Swobach") tm. 1468 M. W. I, 330b. 

8. Bernardus Sehet de Swalbach tra. 1498 0. W. II, 204b. 

Schwanheim 
hiess noch 1478 Schweinheim; daher bleibt zweifelhaft Conradus de Swan- 
heim 1455. 

103. Staffel; 2 (1409 0. 1452 0.). 

1. Theodoricus de Staffel canonicus ecclesie AschafFenburgensis dt. 27 gr. 
1409 0. W. I, 85b. Archiv des bist. Vereins für Unterfranken in Aschaffen- 
burg 27, 182. 

2. Theodoricus de Staffel 23 gr. 1452 0. W. I, 252b. Der Name 
Dietrich ist bei den in Staffel häufig. Arnoldi, Mise. 429 f. 

Strinz („Strinx"), Sulzbach, Tiefenbach 
übergehen wir als durchaus unbestimmbar. 

104. Ursel: 2 (1448 M., 1489 M.). 

1. Hartmannus Ursel 11 gr. de residuo 1448 M. W. I, 218a. 

2. Johannes Althenne de Ursula med. 1489 M. W. I, 429b. 

105. Usingen: 9 (1420 M. bis 1496 O.). 

1. Wernerus Bockenheymer de Usungen 20 gr. 1420 M. W. I, 119b. 

2. Erhardus Molitoris de ülsung (Usungen?) 4 nov. 1447 M. W. I, 215b. 

3. Matern US Cellerarii de Usungen dt. tm. 1450 0. W. I, 222b. 

4. Lawrencius Usingen 21 gr. 1455 0. W. I, 247a. 

5. Bartholomeus Textoris de Osyngen med. 1484 M. W. T, 406a. 
Der bekannte Theologe Barth. Arnoldi der Erfurter Universität und Gegner 
Luthers. Vgl. die Allg. Deutsche Biographie. Ein Joh. Arnoldi wurde 1509 
immatrikuliert. 

6. Andreas Karter de Usingen med. ] ^ ,^. -^ _„ ., ,odi 
rr T , m . • 1 TT • 1 1491 M. W. I, 438b. 

7. Johannes lextoris de Usmgen med. J 

8. Laurenciusj rp^^^^^.jg ^^^^^^^ ^^ Usingen tm. 1496 0. AV. II, 192. 

9. Ditherus J 

106. Villmar: 5 (1413 M. bis 1486 M.). 

1. Wilhelmus Snytz de Filmaria 6 gr. ] i.-,o nf av t mn 
^ ( 141d JM. vY. 1, lUUa. 

2. Christianus de vilmar o gr. 1 

3. Tilmannus Fürbecher de Vilmaria med. 1483 0. W. I, 400b. 

4. Nicolaus Witzelman de Vilmar tm. 1485 M. W. I, 409b. 

5. Conradus Kern der guant Erlebach de Vilmaria tm. 1486 M. AV. I, 414a. 



92 

107. Waldeck: 1 (1419 M.). 
Fredericus de Waldeck canonicus Magunt. zahlte mit Hartm. Jodoci 
von Rüdesheim 1 fl. 1419 M. W. I, 116a. Ist wohl der Domherr Fr. de Waldeck 
von Üben 1418, 1435. B od mann S. 368. Joann. II, 406. 

Walderndorf s. Weilnau. 

108. Walluf: 2 (1445 M. 1449 0.). 

1. Petrus Lebach de Wallof dt. 3 nov. 1445 M. W. I, 205b. 

2. Conradus Naute de Waldoff inferiori dt. 14 ant. 1449 0. W. I, 220b. 

109. Walsdorf: 2 (1456 O., 1472 M.). 

1. Johannes Reychenbach de WalstorfF tm. 1456 0. W. I, 256a. 

2. Reynhardus Richenbecher de Walstorff 4 nov. 1472 M. WM, 350a. 

110. Wambach: 2 (1479 0., 1491 M.). 

1. Johannes Poel de Wambach tm. 1479 0. W. I, 377a. 

2. Nicolaus Kruse de Wanbach tm. 1491 M. W. I, 438a. 

111. Wehrheim: 4 (1417 M. bis 1496 0.). 

1. Ilerpelinus de Werheyra 9 gr. 1417 M. W. I, 110b. 

2. Johannes Pistoris de Wirheim tm. 

3. Henricus Steyndecker de Werhem dt. 
3 sol. 9 den. leon. 

4. Conradus Steyndecker de Werhem med 



1496 0. W. II, 192b. 
193a. 



112. Weilbach: 2 (1441 0., 1465 0). 

1. Johannes de Wilbach dt. 20 gr. ant. de rosiduo iatitulature 1441 0. 
W. I, 186b. Ein Joh. de Wylwach zu Köln 1425. 

2. Nicolaus Rueter de Wilbach tm. 1465 0. W. I, 308a. 

113. Weilburg: 27 (1413 0. bis 1500 M.). 

1. Hermannus de Wileborg („Wilburg") 12 gr. 1413 0. W. I, 98b. 
Ein Hermannus Theuerkauf von AVeilburg war 1427 Pfarrer zu (Jffenbach. 
Quartalb. des hess. Vereins 1890, S. 74. 

2. Johannes de Wilburg 8 gr. 1413 M. W. I, 99a. 

3. Conradus Philippi de Wilburg dt. 6 gr. ant. 1430 0. W. I, 148b. 

4. Johannes Coci de Wilburg 3 nov. 1442 0. W. I, 189b. 

5. Tilmannus Wilburgk 3 nov. I ^^.3 ^^ w. I, 238a. 

6. Johannes Wilburgk 3 nov. J 

7. Johannes Scriptoris de Wilborch dt. 3 nov. ] ,_ ., 

8. 11 einmann US Scriptoris de Wilborch tm. 1 • ■ ■> - 

9. Johannes Scriptoris de Willeborg 15. 1455 O. W. I, 250a. Ein 
lleintzc Schreiber 1414 u. 1422 in Wcilburger Rechnungen. Vgl. No. 13, 18. 

10. lledericus Scriptoris de Wilpurg tm. 1465 0. W. I, 308b. Ein 
Hciderich Ilen 1480 in Weilburger Rechnuogen. 

11. Adam lleinrici de Wilborg 4 nov. 1465 M. W. I, 312b. 



1490 0. W. I, 4a0a, 
431a. 



93 

12. Johannes Schabe de Vilburg („Wilburg") tU. 2 nov. 1466 M. W. I, 
317b. Ein Conr. Schappe 1421 in Wcilburger Rechnungen. 

13. Philippus Scriptoi'is de AYilborgh tm. 1471 0. W. I, 342b. 

14. Jeroniraus Rese de Wilburg tm. 1479 0. W. I, 377a. 

15. Conrad US Eberhardi de AVeilburg med. 1482 0. W. 392b. 

16. Adam Fletorff („Fletroff") ] , ,,^.„ 

17. Rukerus Witgin I ^^^ ^^^^^-'g tm. 1485 M. W. 408a. 

Adam Fletorff Notarius publicus zu Weilburg gegen Ende des 15. Jahrh. Sauer, 
Codex Nass. I, 15. — Ein Witchin Hen in Weilburger Rechnungen 1480. 

18. Petrus Scriptoris de Wylburg tm. ) i on r» 

19. Gotfridus Yenatoris de Wylborg tm. J ^^- •^' "^^^^• 

20. Mathias Ducker de Wilburg tm. 1489 M. W. I, 428a. 

21. Fridericus Düphorn de Weilburgk tm. 

22. Hartmannus Heiser de Weilburgk tm. 

23. Johannes Rübsamen de Weilburg tm. 
Gleichnamig mit dem am Ende des Jahrhunderts erloschenen Adelsgeschlecht 
Rubsamen v. Merenberg. Arnoldi, Mise. 380. Würdtwein, Nov. subs. IV, 233. 

24. Philippus Roleti de Weilburg tm. | 1490 0. W. I, 431b. 

25. Conrad US Piscatoris de Weilburck 5 nov. ) 432a. 

26. Emericus Dreher de Wilburck 5 nov. 1493 M. W. II, 180a. 

27. Johannes Currificis de Wilburgk tm. 1500 M. W. II, 217a. 

114. Weilmünster: 2 (1465 0., 1485 0.). 

1. Maternus Spitzfaden de Wilmunster tm. 1465 O. W. I, 308a. 
Joh. Spitzfaden war um 1520 Keller, Caspar Spitzfaden Propst des Stiftes zu 
Weilburg. Schliephake-Menzel, Geschichte von Nassau YI, 221. Eichhoff, 
Die Kirchenreformation in Nassau- Weilburg I, 7. 

2. Jacobus Institoris de Weilmünster 1485 0. W. I, 407a. 

115. Weilnau: 7 (1456 0. bis 1496 O.j. 

Neuweilnau nach der Mitte des Jahrh. beliebte Eesidenz des Grafen von N.-Weilburff 

1. Johannes Forster de Nuwenwilnau tm. 1456 0. W. I, 256a. 

2. Theodoricus Walderdorff de Wilnau dt. tm. 1466 M. W. I, 319b. 
Die Herrn von Walderdorf hatten Grundbesitz zu Altweilnau. Arnoldi, Mise. 
S. 452. Theod. V. W. starb 1513. Brower, Metr. Tr. S. 283. Joh. v. W. (sein 
Vater?) war 1478 Amtmann zu Diez u. Altweilnau. Arnoldi, Mise. S. 454. 

3. Philippus de Wilnow dt. tm. 1467 0. W. I, 322b. 

4. Petrus Nicvirius („Nicwinus") de Wilnau 4 nov. 1479 M. W.I, 380b. 

5. Johannes Berlebach de Wilnau tm. 1491 0. W.I, 436a. 

6. Georius Baltheri („Walteri") de AVilnow med. 1493 M. W. 11, 1801). 

7. Petrus Stetz de Wilnau tm. 1496 0. W.I, 192b. Er war um 1525 
Scholasticus des Stiftes zu Weilburg. Eichhoff a. a. 0. 

115 a. Wellmich: 2 (1473 M. 1492 0.). 
, 1. Johann Peter Judex de Welmieh tm. 1473 M. W.I, 353a. 
2. Matheus Beymlichen de Welmieh med. 1492 O. W. H, 171a. 



1462 M. W., 295a. b. 



94 

116. Westerburg: 23 (1460 M. bis 1497 M.). 

1. Johannes Pugeler de Westerburgk 6 nov. 1460 M. W. I, 283b. 
Ob = Kucheler No. 6? 

2. Tilemannus Sculteti de Westerburg tm. ] 

3. Conradus Textoris de Westerburg tm. I 

4. Jacob US Kaltenborn de Westerburg tm. 
Kaltenborn ausgegangenes Dorf bei Westerburg. 

5. Gerhardus Wilderich de Westerburg 6 nov. 

6. Johannes Kucheler de Westerburg 4 nov. 1463 M. W. I, 300b. 
Ein Jacobus Kuchler Westerburg ensis zu Wittenberg 1540. 

7. Mathias de Westerburgh tm. ] . .„„ ,^ „, ^ oio 

o T 1 j T3 ^ 1 w . 1 u ^ I l^öö M. W. I, 318a. 

8. Johannes de Prato de Westerbergh tm. J 

Prato = Prath? Die unmittelbare Folge der beiden macht wahrscheinlich, 
dass sie aus einem Orte stammten. Prath hiess früher Prado, Prato. Vogel S. 638. 

9. Conradus Heselman de Westerburg tm. 1466 M. W. I, 318b. 

10. Georgius de Westerburg 5 ant. de residuo intitulature 1468 0. 
W. I, 229a. 

11. 12. Nobilis et generosus Johannes, nobilis et generosus Cuno fratres 
dni in Westerburg et Schabenburg (Schauwenburg 1458) canonici maioris ecclesie 
et ad S. Gereontem in Colonia dederunt 2 flor. pro universitate et 1 flor. pro 
bedellis. 1472 0. W. I, 348a. Job., geb. 1456, und Cuno, geb. 1459, Söhne 
des Herrn Cuno von Westerburg und Schaumburg, Söhne des ersten Grafen 
Reiuhard von Leiningen- Westerburg. — Brinckmeier, Graf Karl Emich von 
Leiningen, genealogische Geschichte des Hauses Leiningen H, 115. 

13. Jodocus Brenlichen de Westerborch 7 nov. 1 ., ,oi /-. ^nr t oo^i 
^A r^ j ü • 1, j w . i. 1, ^ 1481 0. W. I, 384b. 

14. Conradus Richew de Westerborch tm. J 

Ein Petrus Richwyn praepositus in Gemünden u. seine Eltern Sifrid in Wester- 
burgk u. Demudis; Petrus f 1538. Annal. XVI, 138. 

15. Sebastian US Fabri de AVesterburg tm. 1485 M. W. I, 409b. 

16. Heinricus Ermetrut de Westerburg med. 1 ^ .„o ht ttf t ^ooi 
^ ^ 1488 M. W. I, 423b, 
Er stammte aus Irmtraut. \ .^.^ 

17. Tylmannus Mosz de Westerburg med. ) 

18. Henricus Halles de Westerburg tm. 1489 0. W. I, 427b. 

19. Jacobus Mellenarek de Westerburg tm. 1489 M. W. I, 429b. 
Vielleicht aus der Familie der von Molenarke, von denen 1435 Henne v. M. 
Vogt zu Westerburg war. Arnoldi, Mise. S. 342. 

20. Anthonius Schucz de Westerburg tm. 1492 0. W. H, 170a. 

21. Joannes Schleiffer de Westerburg tm. ] i^qo \r w TT 1'""l 

22. Cristianus Eylhartgen de Westerburg tm. I ' • ' • 
Eylhartgen ^ Ailertchen, Dorf bei Westerburg, früher Eylhartengen. Vogel, S. 705. 

23. Joannes Heuszyngen de Westerburg med. 1497 M. W. II, 202a. 

117. Wiesbaden: 7 (1419 M. bis 1497 M.). 
1. Joannes Sartoris de Wysbaden 1419 M. W. I, 116a. Recepta supple- 
tionum a prius intitulatis : Joh. Waesbadea 22 gr. 1424 M. W. I, 131a. Im 
J. 1434 war ein Altarist Joh. Sartori zu Wiesbaden. 



95 

2. Petrus Sartoris de Wiszebaden 9 gr. 1422 M. W. I, 124b. Recepta 
u. s. w. Petr. Sartoris 14 gr. 1425 M. W. I, 135b. 

3. Johannes Mor de Wisbadcn dt. 1 nov. gr. 1426 M. W. I, 137b. 
Im J. 1477 hiess ein Schöffe Morsen Henn. 

4. Henricus Butil de Wyszbat 4 nov. 1456 0. W. I, 256b. 

5. Gerlacus Greve de Wisenbaden dt. 4 nov. 1463 M. W. I, 300a. 
Im J. 1477 heisst ein Schöffe Gerlacus Schulmeister, es gab auch eine Familie 
Greve zu Wiesbaden. 

6. Nicolaus Rasoris de Wisebaden tm. 1464 0. W. I, ,306b. 

7. Joannes Hammershuszen de Wyszbaden 1497 M. W. II, 201b. 
Hammershuszen = Heimarshausen; die Familie hatte einen Burgsitz zu Wiesbaden. 

118. Winkel: 8 (1430 M. bis 1483 O.). 

1. Tylemannus Ghelfrici de Winckel dt. 12 gr. 1430 M. W. I, 149b. 

2. Hermannus Molitoris de Winckel dt. 4 nov. 1435 M. W. I, 165a. 

3. Conradus de Winckel dt. 4 nov.'l441 O. W. I, 183b. Zu Heidel- 
berg 1439 ein Conr. de Winkel dioc. Mog. 

4. Baccal. Hermannus Winkel 11 gr. de residuo intitulature 1448 M. 
Im Jahre 1437 wurde ein Mainzer Cleriker Herrn, de Winkel zu Heidelberg 
immatrikuliert, 1438 Baccal. art. 

5. Caspar Sculteti de Winkel dt. 3 nov. gr. 1449 O. W. I, 220b. De 
residuo intitulature Casp. Winkel 13 gr. 1451 0. W. I, 227b. 

6. Johannes Winkel 23 gr. 1452 O. W. I, 230b. 

7. Hinricus Winkel dt. 9 glad. 1470 0. W. I, 337b. De residuo in- 
titulature Hinr. Winckel 38 ant. mit einem andern 1471 M. W. I, 347b. 

8. Heinricus Magendil de Winckel ,tm. 1483 O. W. I, 398b. 



Chronologische Abfolge. 



1392 \ 
1394 J 


79,1. 

• 


1 


1 


1402 


Ueb ertrag . . 




18 


1395 


79, 2. 3 


2] 


4 


M 


21,1. 


1 


1 


M 


34, 1. 62,1 


2/ 


1403 


55, 2. 80, 1. 85, 1. 


i] 


7 


1396 








M 


76, 2. 3. 4. 79, 6. 


M 


45,1 


1 


1 


1404 


84, 1.2. 


2] 


4 


1397 


/ 






M 


79, 7. 8. 


2J 


1398 
1399 


71,1 


1 


1 


1405 
M 


60,1. 

35, 1. 99, 1. 2. 


1} 


4 


M 


» •.-, j. 




, 


1406 
M 


19,3. 

45,2. 79,9. 


M 

2| 


3 


1400 


24,1.29,1.43,1.49,1. 
55,1. 


51 


1 
1 

7 


1407 
M 


16.1. 19,4. 37,1.2 

16.2. 63,1.2.79,10. 


4 


8 


M 


19,1. 76,1. 


4 




(92, 1.) 


4| 




1401 


79,4.5. 87,1. 


^1 


4 


1408 


46,1. 81,2. 


2 


2 


M 


19,2. 


ll 


rt 


M 




— 






zu übertragen . . 




18 




zu übertragen . 




47 



96 





Uebertrag . 




47 




Uebertrag . 




148 


1409 


19,5. 103,1. 


2\ 


4 


14310 


15,2. 66, 1. 


21 


4 


M 


62, 2. 65, 1. 


2) 


M 


79,18. 84,10. 


2J 




1410 


19,6. 76,5. 


2 


2 


1432 


55, 8. 9. 


21 


4 


M 








M 


84, 11.12. 


2) 




1411 


16,3.4.5. 49,2. 55,3. 


51 


6 


1433 


85,2. 


1 


1 


M 


49,3. 


iJ 


\J 


M 








1412 


76,6. 93,1. 96,1.2. 


41 


1 

5: 


1434 








M 


15,1. 


1 j 


1435 


19, 10. 


11 


3 


1413 


46,2. 55, 4 5. 113,1. 


^1 
öl 


9 i 


M 


55, 10. 118,2. 


2) 


c/ 


M 


32.76,7.106,1.2.113,2 


1436 


59,1. 


11 


2 


1414 


— 




i 


M 


79, 19. 


ll 




1415 






1 


1437 


76, 14. 


n 


3 


1416 


62,3. 


1} 


4 


M 


55,11. 76,15. 


2 




M 


76,8.9.10. 


1438 


21,2.24,2.49,4.5.72,2. 


51 


8 


1417 








M 


19,11. 66,2. 79,20. 


3) 


\J 


M 


54,1. 96,3.4. 111,1. 


4 


4 


1439 


74. 


1 




1418 


36,1. 


1] 


4 


M 


16,8.36,3.62,7.84,13. 




7 


M 


19,7. 67,1. 93,2. 


3) 


1 


91,2. (92,2.) 96,10. 


6 




1419 


44,1.2. 84,3. 


3] 


6 


1440 








M 


96,5. 107. 117,1. 


3) 


M 


12. 84,14. 91,5. 


3 


3 


1420 
M 


9, 1. 62, 4. 84, 4. (92, 2.) 
62,5. 76,11. 79,11.82. 
89,1. 105,1. 


3 
6 


9 


14410 
M 


5,3.8,1.16,9.10.11.12.13. 

24,3. 76,16.17. 77,1. 
79,21. 112,1. 118,3. 
1.19,12.29,2.39,3.77,2. 


14 


20 


1421 


— 




— 


-*.^-- 


7 / -' ■' 

79, 22. 


6 




1422 


19,8. 


11 


5 


1442 


26,1. 76,18. 84,15.16. 






M 


5,1.84,5 91,1 117,2. 


4) 






; ■' •' 

113,4. 


5 


5 


1423 


— 






1443 


47,1. 58,1. 76,19.20. 


4 




1424 


63,3. 


1 


1 


M 


55, 12. 62,8.9.10. 66,3. 




12 


1425 


18.36,2.46,3.4.79,12. 


51 


6 




73,1.96,11. 102,1. 


8 




M 


67,2. 


ll 


\J 


1444 


16,14. 


1 




1426 


19,9. 39,1.2.68,1.79,13 


51 


9 


M 


76,21. 84,17. 91,41. 




5 


M 


72,1.76,12.79,14.117,3. 


4J 




101,1. 


4 




1427 


6. 55,6.7.76,13. 79,15. 






1445 


38,1.43,3.49,6.84,18. 








84,6.7. 93,3. 


81 






79,23. 


51 


9 


M 


46,5. 


1 J 


9 


M 


26,2.36,4.80,2.108,1. 


4l 


t-/ 


1428 


71,2. 


11 


3 


'\ 1446 

1 


72,3. 


1 


1 


M 


79,10.17. 


2l 


1447 


62,11. 


11 


2 


1429 


5,2. 62,6. 96,6. 


3 




M 


105,2. 


iJ 


iJ 


M 


40,1.43,2.84,8.9.96,7. 




9 


1448 M 


62,12. 91,.^. 93, 4. 104,1. 








99, 3. 


6 






118,4. 


5 


5 


1430 


16,6.7. 113,3. 118,1. 


41 


6 


1449 


36,5. 59,3.68,2. 71,3. 






M 


99, 8. 9. 


2J 




75. 108,2. 118,5. 


71 

1 


10 










M 


51. 84,19. 20. 


3J 






zu übertragen . . 




148 


1 


zu übertragen . . 




¥5! 



97 





Ueb ertrag . . 




252 


1 


lieber trag . . 




399 


1450 


8,2. 79,24. 105,3. 


31 


4 


1461 


55, 18. 84, 26. 


21 


,7 


M 


36, 6. 


iJ 


M 


10,4. 79,36. 98.1 16, 2. .3. 


b\ 


1451 


16,15.16.27,1.76,22.23. 


51 


7 


1462 


48,1.2. 49,9. 79,37. 






M 


16,17. 79,25. 


2,1 




84, 27. 


5| 




1452 


40, 2. 55, 13. 103, 2. 






M 


15,4. 27,8. 29,9. 41. 








118,6. 


4] 


n ' 




46, 12. 49, 10. 76, 29. 




17 


M 


27,2. 73,2. 77,3. 


3/ 


i 




79,38. 88. 91,6. 






1453 


/ 7 ~ 7 ^* 

19,13. 62,13.79,26.27. 








116,4.5. 


12 






84,21. 96,12. 


6 j 




1463 M 


7.10,5.62,21.22.79,39. 






M 


36,7. 38,2. 43, 4 5 








116,6. 117,5. 


7 


7 




62, 14. 66, 4. 84, 22. 


■ 


15 


1464 


16,21.22. 19,15. 26 8. 








113, 5. 6. 


9. 






46,13. 47,2. 49,11. 








, 








55, 19. 20. 21. 62, 23. 






1454 


43, 6. 62, 15. 16. 79, 28. 


p- 






71,4.5.6.76,30.79,40. 








102, 2. 


5 






41. 42. 85,3. 117,6. 


20 




M 


36,8.38,3.62,17.18.19. 


■ 


14 


M 


3. 4,3. 15,5. 16,23. 








79,29.84,23. 113,7. 8. 


9 






49,12. 55, 22. 23. 72, 5. 6. 




30 


1455 


19,14.43,7.29,3.76,24. 
79,30.31.102,3.105,4. 






1465 


101,3. 
62,24.26.31. 112,2. 


10 






113,9. 


9 V 






113,10. 114,1. 


5 




M 


5,4. 10,1. 14. 27,3.4. 






M 


26,9.10. 38,6. 49,13. 




13 




31,1.36,9.38,4.40,3. 


• 


23 




55,24.78.81,3.113,11. 


8 






67,3. 84,24. 96,13.14. 

102, 4. 


14. 




1466 


42. 85,4. 102,5. 


3" 




1456 


10,2.16, 18.19.79,32.33. 

95,5. 109,1. 115,1. 






M 


16,24.23.26,11.27,9. 

38,7.8. 43,12. 55,25. 
76,32. 79, 43. 44. 45. 

84,28.90.113,12.115,2. 




22 




117,4. 


9 










M 


8,3. 10,3. 15,3. 




17 




7 ? * — 7 " 

116,7. 8. 9. 


19. 






29,3.4.5. 33. 52,1. 


8 




1467 


7 • • ^' V . 

15, 6. 53, 3. 55, 26. 27. 






1457 


11.27,5.43,8.46,6.7. 








84,29.30.87. 96,16.17. 








50,1.55,14.72,4.76,25. 


10] 

5J 






18. 115,3. 


111 


14 




93,6. 


15 


M 


16,25.26. 102,6. 


3) 


M 


30.43,9.10.68,3.93,7. 




1468 


26.25,12.62,25.68,4. 






1458 


8, 4. 27, 6. 29, 6. 36, lo. 








72,7. 116,10. 


^1 


7 




50, 2. 3. 52, 2. 55, 15. 16. 






M 


102, 7. 


1.1 




61. 79,34.84,25.86,1. 






1469 


31,2. 62,26. 86,2.3.4. 


51 


n 




/ J 7 

97. 


14 




M 


19,16. 53,1. 


2j 


7 


M 


16,20. 26,3. 38,5. 


' 


23 


1470 


13. 20. 26,13. 46,14. 








46,8.9.10. 59,4. 89,2. 






55,28. 72,8. 118,7. 


7 
5I 






101,2. 


9 




M 


15,7.19,17.60,2.76,33. 


12 


1459 


26.4.27,7.29,7.46,11. 








86,5. 






55,17. 76,26. 96,15. 


71 




14710 


27,10. 49,14. 54,2. 






M 


43,11.62,20.76,27.28. 


4J 


11 




55,29.30. 60,3. 62,27. 






1460 


49,7.8. 


2 




M 


76,34. 113,13. 

19, 18. 26,14. 28. 46, 15. 


9| 




M 


4,1.2. 26,5.6.7. 29,8. 




11 


59,5. 67,4. 84,31.32. 




20 


j 


58,2. 79,35. 116,1. 


9 ' 






; J i 

33. 34. 91,7. 


11 






zu übertragen , . 




399 




zu übertragen . . 




555 



98 



1472 



M 

1473 
M 

1474 
M 

1475 M 

1476 M 

1477 

1478 
M 

1479 
M 

1480 O 
M 

1481 
M 

1482 
M 

1483 

1484 M 

1485 
M 



1486 M 

1487 M 

1488 
M 



Ueb ertrag . 
19,19.2615.16. 29,10. 

35,2. 55,31.32. 65,2. 
67,5.6.91,8.9.116,11.12. 

19, 20. 55, 33. 72, 9. 

109, 2. 
27,11. 36,11. 60,4.95. 
15, 8. 36, 12. 91, 10. 

115''i. 

2, 1. 76,35. 36. 

57,1. 

79, 46. 47. 

26, 7 46, 16. 76, 37. 38. 
39. 84,35. 

46. 17. 

2,2. 66,5. 86,6. 

35, 3. 4. 
76,40.41.110,1.113,14. 

46.18. (92,4.) 115,4. 

46.19. 55,34.45. 

17,1. 55,36. 

26, 18. 46, 20. 47, 3. 64. 

76,42. 116,13.14. 

19,21.27,12.13.38,19. 

46,21.22. 

5,5.76,43.86,7.113,15. 
9, 2. 26, 19. 20. 21. 
55, 37. 38. 

76.44. 106,3. 118,5. 

105, 4. 

14,2. 

9,3.19,22.26,22.7210. 

84,36.106,4.113,16.17. 

116,15. 

4,4. 69. 71,7. 79,48. 

106,5. 
55, 39. 85, 5. 96, 19. 

72,11. 84,37. 

76.45. 116,16.17. 

zu übertragen . . 





555 


1^1 




1 


18 


4 




4 






8 


4 




31 


4 


Ij 


1 


2 


2 


6 


6! 


1 


1 


3] 
2j 


5 


4] 


ß 


21 




3] 


5 


^J 




7] 
6^ 


13 


4 




- 


10 


6^ 




3 


3| 


1 


1 


1 






10 


9 




5 


5 


3 


3 


2] 


5 


3J 




660j 



1489 
M 

1490 O 



M 

1491 O 
M 

1492 
M 



1493 
M 

1494 
M 

1495 

1496 

M 

1497 
M 

1498 

M 

1499 
M 

1500 
M 



Ueb ertrag . . 

27, 14. 68, 5. 72, 12. 

113, 18. 19. 116,18. 

26, 23. 43, 13. 72, 13. 

104,2. 113,20. 116,19. 

19.23. 46,23.24. 55,40. 

70.71,8. 72,14.84,38. 

113,21.22.23.24.25. 

34,2. 96,20. 

16,27.28. 115,5. 
53,2. 110,2. 105,6.7. 

55,41. 115% 2. 116,20. 

23. 46, 25. 26. 49, 15. 

55, 42. 76, 46. 100. 

116,21.22. 

46, 27. 55, 43. 94. 
76,47. 85, 6. 113, 20. 

115,6. 

22. 27,15.16. 57,2. 

45, 3. 55, 44. 65, 3. 4. 

84,39. 85,7.8. 

27,17. 

67,7.8. 84,40.41. 105, 

8. 9. 111,2.3.4. 115,7. 

26.24. 36,13.56. 59,6. 

93,8. 

26.25. 55,45. 84. 

67,9. 76,48. 116,23. 
117,7. 

46, 28. 29. 30. 55, 46. 47. 

67,10. 102,8. 
46,31. 

17,2. 

46,32. 49,16. 76,49. 

15,9. 38,10. 46,33.34. 

35. 55,48. 
72,15.16. 113,27. 

Summa . . 



^1 

6i 



13) 

2) 

3) 
4) 
3 1 



9 
3 

4 
4 

7 
1 

10 

5 
3 



71 
iJ 

1} 

61 

3] 



Heimatsorte, geordnet nach der Zahl der Scholaren. 



Limburg . . 


49 


Jlerborn . . 


48 


Lorch . 


48 


Montabaur . 


41 


Hachenburg . 


35 


Caub . , . 


28 


Idstein . . 


27 


Weilburg 


27 


Diez . . . 


25 


Cronberg . . 


23 



Westerburg . 


23 


liüdesheim . 


20 


Dillenburg . 
Lahnstein 


17 
16 


Halger 


16 


Eltville . . 


13 


Geisenheim . 


13 


Driedorf . . 


10 


Eppstein . . 
Kiedrich . . 


10 
10 



Kauenthal 


10 


Camp . . . 
Usingen . . 
Königstein . 


9 

9 

8 


Nassau . . 


8 


Reiffenberg . 
Schwalbach . 


8 
8 


Winkel . . 


8 


Nastätten 


7 


Weilmünster 


7 



Wiesbaden . 


7 


Höchst . . 


. 6 


Je 5 aus 5 Ort. 


= 25 


„ 4 „ 6 „ 


= 24 


„ 3 „ 14 „ 


= 42 


„2 „22 „ 


= 44 


,, 1 „ 39 „ 


= 39 


Summa . 


768 



Die Burg der Erzbischöfe von Mainz zu Eltville. 

Von 

P* Eichholz. 

Mit 5 Tafeln (VI bis X) und 16 Textabbildungen. 



I. Topographie und Befestigung der Stadt. 

Eltville am Rhein gehört zu denjenigen Städten, welche im Mittelalter 
eine weitaus grössere Bedeutung hatten als in der Gegenwart. Diese dankte 
es vielleicht schon einem alten königlichen Frohnhofe, sicher aber seiner Ge- 
richtsstätte und vor allem den Erzbischöfen von Mainz, welche hier ihr befestigtes 
Residenzschloss errichtet hatten und deren mächtige Stellung unter den deutschen 
Fürsten als Nachfolger des heiligen Bonifacius, als erste Kurfürsten und Erz- 
kanzler des Reiches einen leuchtenden Reflex auch auf unser kleines Rhein- 
städtchen warf. 

Dasselbe hat ein hohes Alter. Wir können seine Existenz bis ins 10. Jahr- 
hundert zurück verfolgen. Es hatte sich zwei Strassenzügen ankrystallisiert, 
deren einer Zug als Landstrasse dem Rhein parallel, nicht fern von dessen 
rechtem Ufer hinlief, den Königssondergau mit dem Niederrheingau verbindend, 
deren andere Richtung im rechten Winkel zu dieser aus dem Seitenthale her 
gegen den Strom sich zog. Um diese Kreuzung der Strassen, nicht um den 
seitab am hohen Rheinufer gelegenen alten Oberhof, breitete sich das älteste 
bürgerliche Gemeinwesen aus. Es nahm die Niederung ein an den Läufen des 
Kiedricher Bachs und des Mühlbachs. 

Versuchen wir zunächst uns eine Vorstellung von dem Eltville des frühen 
Mittelalters zu machen, vor seiner Erhebung zur Stadt. Dass der eng umgrenzte 
Ort schon damals befestigt, d, h. von Wall und Graben umschlossen war, da- 
rauf deutet nicht nur der noch jetzt in Gebrauch stehende Name der Graben- 
strasse, sondern der ganze fast kreisförmige Strassenzug, welcher noch heute 
den ehemaligen Umkreis des Ortes markiert. Auch charakterisiert noch heute 
die enge winkelige Bebauung dieses Stadtteils die einstige Altstadt des frühen 
Mittelalters. 1) 



^) Bestätigt wird die Annahme einer Befestigung des Ortes vor der Erhebung zur Stadt 
durch die Bezeichnung der St. Nikolauskapelle als extra niuros gelegen schon im Jahre 1313 
(Roth, Fontes I. 245). Bodmann sagt zu dieser Frage ohne weitere Begründung: „Man 

7* 



100 

Dass der alte bischöfliche Hof, die „curtis dominica", auf dem Terrain 
der späteren erzbischöflichen Burg stand, können wir mit Zuversicht annehmen^), 
denn wenn uns auch die Urkunden direkt davon nicht Kunde geben, so liegt 
ein ziemlich sicherer Beweis dafür, dass jener Hof ganz in die Burg aufging, 
darin, dass die Urkunden, die früher zuweilen von jenem erzählten, fortan völlig 
von ihm schweigen, als die Burg begonnen war. 

Auch hören wir bei Gründung der Burg nichts von Grunderwerb zu diesem 
Zwecke. Vor allem aber sprechen die natürlichen Terrainverhältnisse sehr 
nachdrücklich dafür. Man legte damals ausserordentlichen Wert auf die Höhen- 
lage der wichtigeren einzeln stehenden Gebäude, sie war der natürliche Schutz 
derselben. 

Das gilt auch für die Kirche, welche an der Stelle der heutigen schon 
in romanischer Zeit auf dem dem alten Weiler zugewendeten Ausläufer jenes 
hohen Ufers, jedoch ausserhalb des Ortes errichtet war.=^) Auch für die Kirche 
erschien die Höhenlage wichtig genug, um zu ihren Gunsten auf den Schutz 
von Wall und Graben des Dorfes zu verzichten. 

Auch handelte es sich nicht allein um die Kirche selbst, sondern der 
Friedhof um dieselbe sollte vor allem nach altem Herkommen eine erhöhte 
Lage haben; denn hier, bei der Kirche, „unter der Linde" war die alte Ge- 
richtsstätte, in Eltville nicht nur für den Ort, sondern für den ganzen Gau (in 
communi placito coram civibus in Altavilla ante ecclesiam sub tilia, Bodmann 
662, oben c. und 654 unten). Ausserhalb des Fleckens lagen dann zerstreut 
einige Adelshöfe. Die beiden ältesten Adelsgeschlechter, diejenigen, welche sich 
nach der Stadt selbst nannten, nämlich die „von Eltville" und die „Jud von 
Eltville" hatten ihre Sitze in nächster Nähe des bischöflichen Oberhofes, jene 
nördlich davon auf dem späteren Sanecker Hof, diese höchst wahrscheinlich 
auf dem späteren Hofe der Frey von Dehrn, der jetzigen Burg Grass. 



*i 



kann immerhin annehmen, Eltville habe schon frühe, nämlich ehe es Stadtrecht und eine 
erzbischöfliche Burg erhalten, einige Sicherungsanstalten um sich gehabt, die auf dem Fusse 
der Rüdesheimer Burg eingerichtet gewesen sein mögen"; — und pag. 816 Mitte: „Eltville 
hatte zuverlässig bereits, ehe es Stadtrechte erhielt, schon einige Schutzwehren", — und schliess- 
lich 131 unten: „— genug, dass die uraltdeutschen Festungswerke eher in Gräben und Wällen 
als Mauern bestanden, dergleichen unsere alte Villa dann eben auch gehabt haben mag." 

^) Herr Archivar Dr. P. Richter in seiner soeben erschienenen interessanten Ge- 
schichte des Rheingaues sagt bei Besprechung der älteren Burganlagen in den Rheingauer 
Orten: „Wenn etwa zu Eltville an der Stelle der heute noch erhaltenen sehr viel jüngeren 
Burg, am oberen Ende des Ortos, nahe dem Wasser, von jeher ein burgartiger Bau als Ritter- 
sitz sich befunden haben wird, so stand er wohl in Beziehung zu dem erzbischöflichen 
Gutshof in Eltville". Es ist nicht ganz klar, ob Dr. Richter diesen älteren Burgbau 
als erzbischüfliche Burg angesehen wissen will, die insofern in Beziehung zum Gutshof stand, 
als sie sich an der gleichen Stelle befand oder ob er auf dem Terrain der Burg Balduins 
vordem einen Rittersitz annimmt und den Gutshof an anderer Stelle. 

*) Bezüglich der alten Kirche zu Eltville vgl. Zaun, Beiträge z. Gesch. d. Landkap. 
Rheingau. Ferner die Urkundentafel des Erzbischofs Willigis in der Kirche selbst, und 
Roth, Fontes I. 244 Anmerk. Der von Zaun erwähnte Rundbogenfries befindet sich auf 
der Westseite der Ostwand des Seitenschiffs dicht über den Gewölben des letzteren. 



101 

Der Rhein als Hauptvorkelirstrasse des Landes hatte von Alters her dem 
Orte seinen Segen zugeführt. Unter der Herrschaft der Erzbischöfe von Mainz 
trat der Flecken dann in nähere Beziehungen zu den Herren des Landes. 

Den Erzbischöfen, welche ihren neu erworbenen Besitz, den Niederrheingau, 
wohl meist auf der Wasserstrasse besuchten, bot sich Eltville als natürliche 
Station, deren Bedeutung einmal darin lag, dass es der Sitz des Oberhofs'war, 
ferner aber in der Sicherheit, welche die Burg Scharfenstein bei Kiedrich ihnen 
bei längerem Aufenthalte bieten konnte. Auch sahen wir, dass der Ort selbst 
schon damals befestigt war. So wuchs dessen Bedeutung in steter Entwickelung. 

Als dann im Jahre 1332 der Provisor des Erzstiftes Mainz, Balduin von 
Trier, die neue zeitgemässe Befestigung der Stadt durchsetzte, wurde diese in 
nicht allzuengem Ringe geschlossen, vielmehr auf das künftige Wachsen der- 
selben vorsorglich Bedacht genommen und weite, noch unbebaute Strecken in 
den Bering mit einbezogen. So namentlich im östlichen Teile der Hauptstrasse^), 
welche beim Sülzthor (toruporte) in die Landstrasse nach Walluf überging und 
sich erst sehr allmählich mit Häusern säumte. Sehr weitläufig blieb auch jetzt 
noch die Bebauung längs des Rheins, wo im Laufe der Zeit dann um die alte 
Malstätte bei der Kirche einige Gasthäuser entstanden, welche beim Austrag 
der Rechtsstreitigkeiten am Oberhof den Parteien Unterkunft gewähren konnten. 
In späterer Zeit waren es namentlich die Rose und das Gasthaus zu den drei 
Kreuzen. 

Am dichtesten füllte sich die nordwestliche Ecke, nahe der alten An- 
siedelung, bis dicht an die neue Stadtmauer mit den kleinen Häusern der 
Gewerbetreibenden, der Schlosser und Schmiede, der Müller und Löher (Gerber), 
von denen die letzteren ja auf das Wasser der dort einfliessenden Bäche an- 
gewiesen waren. 

Die neue Befestigung der Stadt bildete annähernd ein etwas längliches 
Viereck, dessen Süd- und Westseite fast geradlinig sind und im rechten Winkel 
zu einander stehen. Die südöstliche Ecke bildete die im Anschluss daran neu 
erbaute Burg. Die Stadt hatte 4 Hauptthore entsprechend den Aus- resp. Ein- 
mündungen der sich kreuzenden Hauptstrassenzüge, im Norden das Holzthor, 
im Westen das Kappelthor, im Osten das Sülzthor und im Süden das Martins- 
thor.-') Diese 4 Thore waren mit viereckigen Türmen besetzt. (Siehe Dilich 
und Merian.) Der einzige in seiner ursprünglichen Gestalt noch teilweise 
erhaltene von ihnen ist der Martinsturm. Die Thorfahrt desselben zeigt ein 
Kreuzgewölbe auf gekehlten Rippen. Am Schlussstein befindet sich das Wappen 



■*) Der vorherrschende Spätrenaissance-Charakter spricht deutlich genug dafür. Von dem 
ganzen Terrain des Lichtenstern'schen Hofes (siehe den Stadtplan Taf. VI) an der Südseite der 
Strasse steht urkundlich fest, dass auf demselben noch 1668 nur eine Scheuer stand. Die 
Ecke westlich neben dem jetzigen Hauptgebäude wurde erst um 1754 an den damaligen Amts- 
schultheissen abgetreten und später bebaut. 

*) Die Namen erklären sich einfach: Das Holzthor führte zum Holze (Walde), das 
Kappelthor zur Nikolaus-Kapelle, welche nahe vor demselben lag. Das Sülzthor führte zum 
gleichnamigen Bach, welcher hier nächst der Mauer vorbeifloss und sich nahe dem Burghause 
der Frey von Dehrn in den lihein ergoss. Dns Martinsthor nach dem Schutzpatron des Erz- 
stifcs bezeichnet. 




102 

der Stadt.*') Von Interesse ist die eigentümliche gebrochene Form der südlichen 
Rippenanfänger, welche denselben gegeben werden musste, weil sonst die Rippe 

dem Oeffnen der Thorflügel hinderlich gewesen wäre 
(Abb. 1).'') Am äusseren (südlichen) Thorbogen sieht 
man zwischen den zwei Kelilen seines Profils den Schlitz 
für das Fallgatter. Das erste Obergeschoss des Turmes 
zeigt ebenfalls ein Kreuzgewölbe auf gekehlten Rippen. 
Aussen ist hier noch die Spur der Thür nach dem 
Wehrgang der Stadtmauer zu erkennen, durch welche 
die einstige Höhe der letzteren bestimmt ist.^) An der 
Südseite zeigt der Turm im zweiten Obergeschoss zwei 
Spitzbogenblenden und die Wappen der Stadt und Erz- 
Ahh.l. Bippenanfänger im bischofs Heinrich von Virneburg, des Erbauers der Stadt- 
Martinsturm. bofestigung, ersteres augenscheinlich erneuert. 

Ausserdem befanden sich an der Rheinseite noch zwei untergeordnete 
Pforten ohne Türme an den Ausmündungen der Rosengasse und der Löergasse^), 
bei welch' letzterer auch der Ausfluss der vereinigten Bäche ist, des Mühlbachs 
und des Kiedricher Bachs. 

Der Burg im Osten entsprach am Westende der Rheinseite ein voller 
Rundturm, welcher noch heute erhalten ist. Derselbe enthält im Erdgeschoss 
im Mittelpunkt eine ummauerte Wendeltreppe, um welche ein Gang frei bleibt. 
Darüber befinden sich noch drei Obergeschosse. Die zu den zwei obersten 
führende Treppe liegt in der Mauerstärke des Turmes. Jedes Geschoss bildet 
einen bewohnbaren Raum. Auch Kamine fehlen nicht und die Abortanlage für 
die Wächtermannschaft befand sich in Höhe des Wehrganges, nebenan an der 
westlichen Stadtmauer, über dem Graben, wo noch die Kragsteine dafür er- 
halten sind. 

Der Gefänguisturm am Sülzthor ist in nachmittelaltcrlicher Zeit erneuert. 
Seine Grundmauern könnton immerhin die ursprünglichen sein, da das Thor 1480 
im Eltvillcr Zinsregister tornporten genannt wird. ^'^) (Er wurde um 1896 renoviert.) 

An den zwischen diesen Türmen liegenden Strecken der Stadtmauer war die- 
selbe in Abständen von ca. 70 m mit halbrunden Türmen besetzt, sogenannten 



^) Das AVappeu von Eltville zeigt einen in rot und weiss geteilten Schild mit einem 
goldnen Schlüssel im linken (roten) und dem roten Mainzer Doppclrad im rechten (weissen) Felde. 
Merkwürdigerweise befindet sich unter den in der Fischzucht bei Wiesbaden angesammelten 
Raritäten, welche zum Teil moderne Stuckateurarbeit und sonstigen höchst zweifelhaften 
Ursprungs sind, ein Wappen von Eltville, welches den Eindruck der Echtheit macht. Das- 
selbe ist ungefähr 30 cm hoch, in Relief auf einer Sandsteinplatte von etwa 60 cm Höhe 
gearbeitet. Auf derselben über dem Wappen steht: Anno dmi XV^ Nach dieser Zahl und 
der Art der Zeichnung und Schrift dürfte dasselbe von 1515 sein. Seine Herkunft ist unbekannt. 

'') Ähnliche Lösungen konimen übrigens aus dem gleichen Grunde auch anderwärts vor. 

*) In der südlichen Ecke des Turms soll nach Lotz eine Wendelstiege in die Mauer 

eingelegt sein. 

«) Siehe die Darstellung der Stadt auf einer Karte von 1573 im Königl. Staatsarchiv 

zu Wiesbaden (Abb. 3). 

1") Siehe Roth in Centralblatt für Bibliothekwesen, 18. Bd., 1901. 



io;i 



Schalen, welche zum grossesten Teile jetzt abgebrochen oder verbaut sind. 
Drei derselben sind noch kenntlich, zwei an der Nordseite, eine an der Ostseite. 
Die Mauer selbst war auf der Innenseite in Abständen von ca. 5 m durch 
Pfeiler verstärkt, welche, durch Bögen verbunden, den AVelirgang trugen.^'} 
Die Zinnen desselben sind noch auf längere Strecken, namentlich an der West- 
seite der Stadt erhalten 
(Abb. 2). Die ganze 
Befestigung ist inBruch- 
stein ausgeführt. Der 
Wehrgang war, wenig- 
stens an der Ehein- 
seite, zum Schutze der 
dort patrouillierenden 
Wächter gegen die 
Witterung mit gezim- 
merten „Lauben" ge- 
deckt, wie wir aus den 
Bezeichnungen von zwei 
Hofraithen „zur unter- 
sten Laube" und „zur 
obersten Laube" schlies- 




Abb. 2. Zinnen der westlichen Stadtmauer. 



sen müssen. Beide lagen an der Rheinseite, letzteres gen Osten nächst der 
Burg, ersteres stromabwärts auf dem jetzigen Besitztum der Grafen zu Eltz. 

Der von den Bächen gespeiste nasse Graben um die Stadt hatte eine 
Gesamtbreite von ca. 20 m und ist an der Westseite, auf dem Grundstück des 
Herrn Champagner-Fabrikanten Müller, noch erkennbar. 

Da die Burg in engstem Zusammenhange mit der Stadtbefestigung steht, 
mussten wir uns zunächst über diese orientieren. Doch scheinen mehrere, wie- 
wohl nicht ganz unzweifelhafte Momente dafür zu sprechen, dass dieselbe nach 
Erbauung der Burg in Angriff genommen worden. 

Ehe wir uns der Geschichte derselben zuwenden, seien zur Vervoll- 
ständigung dieser topographischen Skizze noch folgende Gebäude aufgeführt: 

Von dem Rathaus gotischer Zeit habe ich keine Reste nachweisen können, 
ebensowenig von der Münze, von deren Existenz wir aus Urkunden wissen. 
Vielleicht befand sie sich in der Burg selbst, bezw. der Vorburg. 

Das Llospital, ein einfacher gotischer Bau von 1477, ist erst vor kaum 
10 Jahren abgerissen. Er stand ausserhalb der Mauer im Graben, an der süd- 
westlichen Ecke der Stadt. ^^) 



") Im südlichen Teile der "Westseite der Stadt, in der Gegend des ehemals Wambold'schen 
Hofes, südlich vom einstigen von Sohlern'schen Hofe (jetztlChampagnerfabrik von Gebr. Müller) 
ist die Mauer einmal in nicht bestimmbarer Zeit erhöht worden, was noch jetzt auf der Innen- 
floite an den Spuren von 2 übereinander befindlichen Bogenreihen deutlich zu erkennen ist. 

12) Eine Abbildung desselben habe ich nicht ausfindig machen können. Beschreibung 
siehe bei Lotz, Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden. 



104 




^U>IU(,Mii|(iMrtlci^c(>n 3>al|rr 1573, 

Abb. 3. 

Das Frühmessereigebäude, nordöstlich von der Kirche, hat noch einen 
interessanten Schornstein aus gotischer Zeit. 

Die Stiftsgebäude von St. Peter und St. Viktor, welche an der unteren 
Kirchgasse (Rosengasse) liegen und nebst dem Rest des Martinsthor-Turmes 
jetzt zum Besitztum der Grafen Eltz gehören, enthalten keine sichtbaren Reste 
weiter aus gotischer Zeit; doch sind diese Stifter für das alte Eltville von der 
grössten Bedeutung gewesen. ^^) 



II. Geschichte der Burg. 

Das historische Material für die Geschichte der Burg, welcher diese Seiten 
gewidmet sind, üiesst uns recht spärlich zu. Nur allzuoft sind wir auf Ver- 
mutungen angewiesen. Doch auch diesen wird man ihre Berechtigung nicht 
versagen, wenn sie auf Grund einer sorgfältigen Betrachtung des Bauwerks 
und eingehender Beschäftigung mit dem Gegenstande ausgesprochen werden. 
So können und werden sie nur Anregung geben zu weiterer Durchforschung 
der geschichtlichen Quellen und des Bauwerks. Vieles noch w'ürde an zu- 
verlässigem Material aus dem Bauwerk selbst zu gewinnen sein durch Nach- 
grabung, Abschlagen von Putz und ähnlichen Vorbedingungen einer gründlichen 
Untersuchung, wie sie dem Verfasser leider bisher nicht vergönnt war. 

Eine originale Bearbeitung der äusseren Geschichte der Burg, der be- 
kannten zu ihr in Bezug tretenden allgemein geschichtlichen Ereignisse konnte 
nicht die Aufgabe dieser Abhandlung sein, und ist daher den Berichten bei 
V. Stramberg und B od mann zum Teil wörtlich gefolgt. Der Schwerpunkt 
derselben liegt vielmehr in der eigentlichen Baugoschichte und Beschreibung 
des Schlosses, welche aber an jene Ereignisse anzuknüpfen hat und durch sie 
erst verständlich wird. 



'^) L'ber die Zehntgebiete derselben und dos Erzstit'ts (zu Eltville und Umgegend) siehe 
die besonders zur Veranschaulichung derselben gezeichnete alte kolorierte Karte im Königl. 
Staatsarchiv zu Wiesbaden. 



105 

Die liebliche und günstige Lage Eltville's am hohen Rheinufer mit freiem 
Blick über den mächtigen Strom und weit über die Rebengelände des Rheingaus, 
an der Ausmündung des Kiedrichor Thaies muss früh in den Herren des Landes 
eine Vorliebe für diesen Platz erweckt haben, welche sie immer wieder dazu 
führte, demselben in erhöhtem Maasse ihre Gunst zuzuwenden und dadurch 
vor anderen Orten des Rheingaus auszuzeichnen. 

Aus den Urkunden, welche die Erzbischöfo von hier aus datierten, ersehen 
wir, dass namentlich Erzbischof Heinrich L (z. B. 1145, Wenk), Arnold, 
Christian L, Adalbcrt L und Siegfried IL häufig dort weilten.*') 

Lange Jahrhunderte erhielt sich diese Anhänglichkeit, und als der Gutshof 
sich zur Burg gewandelt hatte, übertrug sie sich auf diese. ^•^) 

Ständiger Sitz der Erzbischöfe ist Eltvillo indessen nur ausnahmsweise 
gewesen. 

Bald nach der Uebergabe des Rheingaus an die Erzbischöfo von Mainz 
stellte sich für die neuen Landesherren das Bedürfnis heraus, im Lande und 
zumal an seiner grossen Lebensader, dem Rhein, einige feste Plätze zu haben, 
welche die Pässe sicherten und beherrschten, den Erzbischöfen als Stützpunkt 
für ihre Unternehmungen dienen und gegebenenfalls ihnen persönlichen Schutz 
gewähren konnten in unruhigen und gefahrvollen Zeiten. 

In diesem Sinne hatte im 12. und 13. Jahrhundert Burg Scharf enstein 
bei Kiedrich eine Rolle gespielt als Wacht an dem Thal, welches mit am 
leichtesten den Zugang zum Hinterlande und auf die Höhen gewährte, ferner 
die Niederburg bei Rüdesheim und Ehrenfels mit dem Mäuseturm, um die 
Nahemündung zu beherrschen. Von ihnen war Ehrenfels noch besonders be- 
vorzugt als der Aufbewahrungsort der Schätze und Kleinodien des Erzstiftes, 
ein Vorzug, welcher in späterer Zeit (1465) auf die Burg in Eltville überging. 
Sie galten als die Schlüssel und Schlösser des Landes, woraus das alte vogteiliche 
Sprichwort des mittelalterlichen Rheingaus entstand: „So mein Herr zu Mentz 
die Brücken zu Eltville und Ehrenfels ufzieht, so hat er seine Leute im Rheingau 
beslossen". (B o d m a n n, ) 

Eine unruhige Zeit war es, welche Eltville durch Gründung der Burg zu 
seiner späteren Bedeutung verhalf. 

In der Stadt des erzbischöflichen Sitzes haderte man. Klerus und Bürger- 
schaft stritten miteinander um ihre Rechte. Um sich in diesem Kampfe den 
Sieg zu sichern, wählte jener den klugen Erzbischof Balduin von Trier, den 
Bruder des Kaisers Heinrich VII. und Freund vieler Fürsten zum Verweser des 



") Von einer Anzahl bezüglicher Stellen bei B o d ra a n n a. a. 0. sei nur folgende 
hier angeführt (S. 129 Mitte) „. . . wie es (Eltville) denn, ohne an die dortige Vögelgeschichte 
unter Erzbischof Bardo zu erinnern, ein Lieblingssitz der Erzbischöfe Adalbert I., Siegfried II. 
und anderer war." 

'^) Besonders scheint Erzbischof Gerlach diese Burg, wahrscheinlich wegen der Nähe 
seiner Verwandten und seines grossen Hanges zur Jagd, zu seinem Lieblingsaufenthalt gewählt 
zu haben, denn wenigstens zwei Drittel aller seiner Urkunden sind daher datiert (Bodm. 158 
Mitte). ^ Auch Johann II., Adolf I., Konrad III. und Adolf II. hielten sicli viel dort auf 
(Bodm. 154 unten). 



106 

erzbischöflichen Stuhles. Der anspruchsvolle Papst Johann XXII, hatte aber 
die Besetzung desselben seiner "Verfügung vorbehalten und bestimmte am 
11. Oktober 1328 den Probst von Bonn, Heinrich von Virneburg, zum Erz- 
bischof von Mainz, obwohl derselbe damals noch nicht die Priesterweihe 
empfangen hatte und befahl, als er die Nachricht von der Postulation Balduins 
erhielt, man solle sich dem päpstlichen Provisor unterwerfen. Aber weder das 
Kapitel noch der Postulierte gehorchten diesem Befehl. Andrerseits verweigerte 
die Mainzer Bürgerschaft dem neuen Beschützer der Kirche, wie die Gesta 
Trevirorum ihn nennen, die Aufnahme in ihre Stadt, denn sie fürchtete den streng 
gesinnten und mächtigen Mann. Um ihn daher von einem Besuche der Stadt ab- 
zuhalten und jede Verbindung mit ihm innerhalb der Stadt zu verhüten, vertrieben 
die Bürger fast alle Geistlichen und zerstörten mehrere Klöster und das bischöf- 
liche Schloss. Der vertriebene Klerus flüchtete auf seine Güter im Rheingau. 

Balduin aber rückte mit einem Heere heran, das Gebiet von Mainz zu 
verwüsten. Um den Mainzern den Verkehr den Rhein hinunter abzuschneiden, 
begann er die Stadt Eltville mit neuen Befestigungen zu umgeben und daselbst 
eine Burg zu bauen, wie er mittels Befestigung von Flörsheim am Main ihnen 
die Zufuhr von Frankfurt zu hindern suchte. Diese standen freilich beide in 
offenem Widerspruch mit der 1224 von Kaiser Friedrich IL erteilten Handfeste: 
dass im Umkreis von 4 Meilen um Mainz künftig kein befestigter Platz irgend 
welcher Art errichtet werden dürfe. Dem gegenüber erteilte indessen Kaiser 
Ludwig durch eine Urkunde vom 23. August 1332 hierzu ausdrücklich Erlaubnis. 

Ein kaiserlicher Rechtsspruch erklärte die Stadt Mainz in die Acht und 
verurteilte sie zu einem Schadenersatze von 200 000 Mk. Silber. Zwischen dem 
Erzbischof Balduin und der Stadt Mainz kam es jedoch bald zum Ausgleich. 
Nach mancherlei Zwischenfällen musste indessen jener seinem Gegner weichen 
und resignierte in einem Schreiben vom 12. November 1336 auf die Verwaltung 
des Erzstifts, die er in die Hände des Papstes niederlegte. Darauf wurde dann 
Heinrich von Virneburg als Erzbischof anerkannt. 

Als dieser die Regierung des Erzstiftes antrat, waren Burg und Befestigung 
von Eltville noch nicht vollendet (1336)^^), obgleich dieselben aber als Zwangs- 
mittel gegen seine eigenen Freunde, die Mainzer Bürger, entstanden waren, so 
mochte er doch ihren "Wert viel zu gut einsehen, um sie unausgeführt zu lassen, 
oder gar wieder zu zerstören und er Hess es sich deshalb zur ersten Sorge sein, 
das begonnene Werk zu Ende zu führen, wie dies namentlich die Binger Chronik 
berichtet. Die Burg Balduins war — davon dürfen wir überzeugt sein — vor- 
züglich angelegt, so weit die dringlichen Umstände und die infolge davon bei- 
zubehaltenden älteren Bauteile dies nur irgend zuliessen, denn kein Bischof 
war kriegsgewandter und erfahrener in Anlage und Bau von Burgen. Von 
Terrainerwerbung zum Zwecke des Burgbaus hören wir nichts. Die Wahl des 
Platzes blieb dem Bauherrn erspart. Derselbe war bereits gegeben in dem 
altehrwürdigen Besitztum der Erzbischöfe, das ihnen wohl schon als königlicher 



^®) Nach Bär, S. 212, soll der Bau gar langsam von statten gegangen und erst nach 
dem Ablauf von Balduins Provisorat beendet woi-den sein (Bodm. 158h). 



107 

Fiskalhof überkommen war und auf welchem sie bereits seit dem frühen Mittel- 
alter häufig Aufenthalt genommen hatten. Die Terrainverhältnisse, welche schon 
für jenen bei der Wahl seiner Lage bestimmend gewesen waren, konnten auch 
für die neu zu errichtende Burg hier nirgends günstiger gefunden werden. 
Dies und der Zwang der Umstände mussten dahin führen, dass joner einfach 
zu einer Burg ausgebaut wurde, i^) Von damals bestehenden Gebäuden scheint 
zunächst das Hauptwohngebäude oder wenigstens dessen Keller beibehalten 
worden zu sein. Seine bevorzugte Lage hart am hohen Rheinufer konnte auch 
für den Palas der neuen Burg nicht vorteilhafter gedacht werden. 

Auch der Brunnen wird bereits bestanden haben, und trifft dies zu, so 
scheint der Schluss nicht allzu kühn, dass dann auch das ganze Ilof- Viereck 
der Burg durch ältere Wirtschaftsgebäude bereits zum grossen Teile annähernd 
vorgezeichnet war. 

So entstand die Burg als ein etwas unregelmässiges Viereck (s. Abb. 4), wel- 
ches am oberen Ende von Eltville dicht am Rhein gelegen und in die Mauern des 
Städtchens einbezogen, aber ausserdem für sich mit einem tiefen Graben und 
Mauern umgeben war. Der erstere umzog 3 Seiten des Vierecks, die vierte 
schützte der Rhein, welcher auch den Graben speiste. Ein Thor führte von 
Osten in die Burg, ein zweites stellte auf der Nordseite die Verbindung mit 
der Stadt her. Eine Brücke führt noch heute hier über den Graben und so 
war es ohne Zweifel einst auch beim Ostthor. Die einzelnen Bauten ordneten 
sich im Anschluss an die Innenseite der Mauer um einen mittleren Hof, auch 
der Palas stand im Zuge der Ringmauer. ^^) 

^'') Die benützten alten Teile waren immerhin nur unbedeutend, sodaßs Serarius wohl 
berechtigt war, folgendermassen darüber zu berichten (unter Balduin 1329—1332): Ad repri- 
mendam igitur temeritatenn Moguntinensium Balduinus administrator castrum Eltuil dictum a 
fundamentis de novo construere eoepit, ipsamque villam muro undique circumcinxit. 

") Es ist dies, wie wir sehen werden, für die weitere bauliche Entwickelung der Burg 
von besonderer Bedeutung. Abgesehen davon, dass diese Anordnung damals dem allgemein 
Üblichen entsprach, sei speziell auf die kleine von Erzbischof Balduin erbaute Burg Baldenau 
auf dem Hunsrück hingewiesen, bei welcher der Palas ebenfalls einen Teil der Umfassung 
bildete (Piper, Burgenkunde). 

Noch eine weitere Analogie scheint zwischen dieser und unserer Eltviller Burg bestanden 
zu haben, nämlich in Bezug auf den Bergfried. Der jetzige Bergfried von Eltville ist, wie wir 
aus der Wiederkehr gleicher Steinmetzzeichen weiter unten ersehen werden, in einem Gusse 
gebaut und zwar von Heinrich v. Virneburg. Wir müssen daher für Balduins Burganlage 
einen anderen annehmen und zwar wohl nach dem Vorbilde von Baldenau einen runden. 
Thatsächlich findet sich nun am Fusse des jetzigen Bergfried noch ein Rest eines solchen in 
Form eines mächtigen segmentförmigen Mauerkörpers, welchen wir daher als vom Bergfried 
der Burg Balduins stammend ansehen müssen. Trifft dies zu, so stand dieser unmittelbar am 
Palas und füllte die Lücke, welche jetzt dort besteht (siehe den Grundriss der Burg). Erzbischof 
Balduin hatte bei Anlage der Burg naturgeraäss hauptsächlich den nächsten Zweck im Auge: 
eine Wacht an den Strom zu bauen, eine Trutzburg den Mainzern an die Strasse zu pflanzen. 
Anders später Heinrich, nachdem die erste Gefahr vorüber und die Sachlage verändert war — 
er kehrte wieder zu den alten Traditionen des Ortes zurück, indem er für längeren Aufenthalt 
seiner Person entsprechende sichere Wohnräume schuf und so fügte er dem bereits unzuläng- 
lich gewordenen Palas zur Ergänzung den ansehnlichen Wohnturm hinzu, den er zur Er- 
weiterung des Hofes und aus mancherlei anderen Gründen, auf welche hier nicht eingegangen 
werden kann, weit gegen den Rhein vorschob. 



108 




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Abb. 4. Grundriss der Burg {Erdgeschoss). 

(Schwarz: erhaltene Teile, schraffiert: ergänzte Teile.) 

Die Burg war, wie wir sehen, aus einer uralten Situation herausgewachsen 
— aus einem Gutshof — und so erklärt sich auch von selbst der sehr wesentliche 
Unterschied ihrer Anlage gegen die der älteren Centralburgen, beispielsweise 
der Rüdesheimer. Dennoch war auch ihre Disposition die denkbar einfachste: 
kein langer gewundener Burgweg, keine doppelten Thore — ein einziger Hof 
statt vieler. 

So trägt die Burg der Erzbischöfo von Mainz schon von Anfang an mehr 
den Charakter eines befestigten Schlosses als den der Burg. Als solche aber 
betrachtet gehörte sie zu der Gattung der Wasserburgen. 

Nicht lange hatte dieselbe ruhigen Bestand. Don kaum zum Abschluss 
gebrachten Bau suchte im Jahre 1339 ein grosser Brand heim, bei welchem, 
80 sagt wenigstens B o d m a n n , fast alle Urkunden, zum Teil noch aus 
karolingischer Zeit, vernichtet wurden. ^'0 Bodmann ist nicht geneigt, 



") Richter (Geschichte des Rheingaues) schliesst aus der Erneuerung der ver- 
brannton Privilegien des Erzstifts im Jalire 1365, dass in diesem Jahre die Burg '/m Eltville 
von einem verheerenden Brande lieimgeaucht worden sei. Der üedauke liegt au sich nahe, 



109 

jeuen Verdaclit zu teilen, die Stadt Mainz habe bei dieser Einäscherung der 
Eltviller Burg- die Hand mit im Spiele gehabt. Wir haben aber oben gescihen, 
dass die Erbauung derselben gegen die alte der Stadt Mainz verliehene Königl. 
Handfeste war, wonach binnen 4 Meilen rings umher keine Burg oder sonstige Bc- 
festigungsanstalt angelegt werden sollte. Nach ihrer Sühne mit dem Erzbisehof 
Balduin drang daher Mainz auf die Vernichtung der Stadtfreiheit Eltville's und 
trug durch ihre, an das königliche Ilofgericht nach Frankfurt gesandten Boten 
förmlich darauf an, die Burg schleifen zu lassen. Allein Balduins grosses 
Ansehen wusste diesen Antrag beim Könige zu hintertreiben, die entstandenen 
Missheliigkeiten wurden beigelegt, und nicht ohne Grund lässt sich mutmassen, 
man habe kompensationsweise die Burg aufrecht erhalten, hingegen Mainz von 
der diktierten Entschädigung für die Verbrennung der Mainzer Stifte und 
Klöster befreit (Bodmann S. 158). Diese Vorgänge können also die Mut- 
massung keineswegs zerstreuen, es möchte sich die Eifersucht der Stadt Mainz 
durch Thätlichkeiten der in Rede stehenden Art Luft gemacht haben. Wie es 
sich nun auch damit verhalten haben mag, der frühere Palasbau ist bei dem 
Brande wahrscheinlich zu Grunde gegangen, zumal sein Obergeschoss, welches 
vermutlich in Fachwerk bestanden hatte. An seine Stelle trat ein neuer, mit 
dessen Herstellung wir in die zweite Bauperiode der Burg eintreten. 

Dieselbe wurde von Bischof Heinrich HL von Virneburg begonnen und 
von Gerlach von Nassau abgeschlossen. Sie war, wie es scheint, mit einem 
bedeutenden Umbau und beträchtlicher Erweiterung der Baulichkeiten verbunden 
und verursachte ihrem Förderer den entsprechenden pekuniären Aufwand. 

Heinrich HL, welcher 1337 die Verwaltung des Erzstiftes angetreten hatte, 
war ein treuer Anhänger Kaiser Ludwigs des Bayern. Diese Anhänglichkeit 
trug ihm im Jahre 1346 seitens des Papstes Clemens VI. Exkommunikation 



doch ist demgegenüber anzuführen, dass von einem so eingreifenden Brande, der bis an die 
Briefe und Privilegien dringen konnte, sich doch wohl eine Nachricht irgendwo erhalten hätte, 
was indessen nicht der Fall ist. Ebensowenig hören wir kurz darauf von einer Herstellung 
der Burg. Andererseits ist der von Bodmann berichtete Brand von 1339, bei welchem viele 
alte Urkunden selbst aus karolingischer Zeit verbrannt sein sollen, welcher indessen in der 
Litteratur meist mit Bedenken gegen Bodmanns Zuverlässigkeit weiter berichtet wird, durch 
die Thatsachen resp. bezügliche Urkunden besser belegt. Zwar wird überliefert, dass 1336 
beim Verzicht und Rücktritt Balduins von Trier die Burg noch nicht vollendet gewesen sei, 
doch wird auch gemeldet, dass Heinrich deren Bedeutung sehr wohl geschätzt und ungesäumt 
ihre Vollendung gefördert habe. Da das erzbischöfliche Schloss zu Mainz bei dem Aufruhr 
der Bürger, durch welchen sie ihrem Unwillen über die Wahl Balduins Luft gemacht hatten, 
zerstört worden war, musste ja Heinrich umsomehr an einer schleunigen Instandsetzung der 
Eltviller Burg gelegen sein und es ist nicht glaubhaft, dass er damit 3 Jahre sollte gezögert 
haben. Auch hatte er zwischen 1336 und 1339 wiederholt dort Aufentlialt genommen und 
wir dürfen annehmen, dass es in einem fertigen Bau geschah. Da setzen nun plötzlich mit 
dem Frühjahr 1339 zahlreiche Anleihen ein, welche Heinrich aufnimmt, spezioll für seinen 
Bau in Eltville. Wenn also im 14. Jahrhundert nur ein vernichtender Brand die Burg ein- 
geäschert hat, so dürfte dieser viel eher im Jahre 1339 als 1365 anzunehmen sein. Wiewohl 
dagegen Einwendungen zu erwarten sind — so wäre es dennoch nicht unmöglich, dass die 
Erneuerung der alten Privilegien sich so lange (bis 1365) verzögert haben könnte, vielleicht 
unter der Einwirkung von Umständen, welche sich unserer Kenntnis entziehen. 



110 

und Entsetzung ein. Trotzdem blieb er bis an sein Ende im Besitz des Erz- 
stifts, welches durch den Domprobst Cuno von Falkenstein verwaltet wurde. 
Es ist leicht zu denken, dass es unter so ungünstigen Verhältnissen für Heinrich 
schwierig war, den Bau der Burg nach Wunsch zu fördern, zumal er offenbar 
fortwährend in finanziellen Nöten war. In den Jahren 1339 — 1346 finden wir 
die Dokumente hierfür öfter in den von ihm zu Eltville ausgestellten Briefen 
und Urkunden. 

Die Zeit des eifrigsten Baubetriebs scheint 1339 — 43 gewesen zu sein, 
in welch' letzterem Jahre wir von Bauliolz hören, welches der Erzbischof 
„ad edificium nostrum" gekauft und von Tapeten (d. h. also Gobelins oder 
Arazzi), w^elche er von einem Franzosen in Mainz (cuidam Gallico in Moguntia) 
erstanden. Um die gleiche Zeit (1342) war es, dass Erzbischof Heinrich mit 
dem Eitter Hermann genannt Hund bis zu diesem Jahre abrechnete. Bei dieser 
Gelegenheit erfahren wir auch den Namen des Baumeisters der Burg, denn 
diese Abrechnung fand statt in Eltville „in domo Merkelini, nostri lapicidae et 
servitoris". Aus alledem, namentlich aus der Anschaffung der Tapeten, 
dürfen wir wohl entnehmen, dasa um diese Zeit speziell der Palasbau 
seiner Vollendung entgegen ging, Heinrich errichtete denselben auf dem er- 
halten gebliebenen Untergeschosse, indem er Erd- und Obergeschosse an den 
westlichen runden Eckturm und die westliche Ringmauer anschloss. Der ge- 
waltige rechteckige Bergfried, welcher noch jetzt besteht, vfar seine Schöpfung, 
wie sein Wappen (7 Rauten) an einem der Schlusssteine der Gewölbe unter 
der Wehrplatte bezeugt. Derselbe bot im Vergleich zu den bescheidenen 
Dimensionen des Palas ziemlich bedeutende und sichere Räume. Dies quali- 
fizierte ihn nicht nur zum Wohnturm und sicheren Aufenthalt für den Kur- 
fürsten, sondern auch zur Schatzkammer des Erzstifts, welche 1465 von Ehrenfels 
nach Eltville verlegt w^urde. Seine Verbindung mit dem Palas werden wir uns 
in dieser Periode als eine gedeckte hölzerne Brücke vorstellen müssen. 

Als Papst Clemens VI. den Erzbischof Heinrich suspendiert und des 
Bistums für verlustig erklärt hatte, ernannte er an seine Stelle den 20 jährigen 
Domdechanten Gerlach, der sich auch sofort in den Besitz des Rheingaus setzte 
und zunächst am 11. Juli 1346 die Wahl des Markgrafen Karl von Mähren 
zum deutschen Kaiser leitete. Karls grosser Gegner, Ludwig der Bayer, war 
zwar plötzlich auf einer Bärenjagd umgekommen, aber ein neuer Gegenkaiser 
war ihm im Januar 1349 in Günther von Schwarzburg erstanden, welcher mit 
einem Heere gegen ihn zog. Der Vortrab desselben wurde indessen geschlagen. 
Günther selbst sah sich genötigt, sich in die kaum fertige Burg Eltville zu 
werfen, wo auch Heinrich weilte, und sich in ihr und der Stadt zu verschanzen. 
Karl zog ihm zu Schiffe nach. Wenig half Günther sein persönlicher Mut, war 
er doch krank schon von Frankfurt nach Ehville gekommen. Er sah wohl ein, 
wie wenig Aussicht er hatte, die dargebotene Krone zu behaupten und musste 
wohl oder übel auf einen Vergleich eingehen. Er erhielt durch den Vertrag im 
Mai 1349 20 000 Mk. Silber als Abstand und begab sich nach Frankfurt, wo 
er aber wenige Tage darauf starb. Es hiess: er habe von einem Frankfurter 
Arzt, Freydank mit Namen, bei seinem Aufenthalt in Eltville (Alchphyl) Gift 



111 

erhalten. Erzbiscliuf Heinrich, den wir als den eigentlichen Erbauer der Burg 
ansehen müssen-'^), war im Jahre 1353 plötzlich gestorben und wurde vielleicht 
in der St. Nikolaus-Kapelle vor den Thoren Eltville's begraben. (Siehe Roth, 
Fontes III, 245 Anmerk.) 

Yom Jahre 1368 ist uns eine urkundliche Nachricht erhalten (Mainzer 
Ingrossaturbücher zu Würzburg), welche besagt : Erzbischof Gerlach von Nassau 
schuldet dem Wilh. von Scharfenstein d. j. Ritter „pro censu neglecto de area 
curiae castri Eltvil sibi debito". Hieraus wäre auf eine Besitzerweiterung in 
nächster Nähe der Burg zu schliessen, eventuell zwecks Erweiterung, indessen 
wohl kaum der Burg selbst, vielmehr wahrscheinlich nur der Vorburg (Burg- 
freiheit), welche sich ja später bis an die Hauptstrasse der Stadt erstreckte. 

Beim Jahre 1400 hören wir durch eine in den Mainzer Ingrossaturbüchern 
des Kreisarchivs zu Würzburg erhaltene Urkunde: Erzbischof Johann II. von 
Nassau (1397 — 1419) verschreibt seinem Küchenmeister Joh. Ursy das neue 
Haus und Hof an der Mauer zu Eltville, nächst bei der Burg gelegen. Auch 
diese Nachricht berichtet uns von baulichem Zuwachs auf der Nordseite der 
Burg, jenseits des Grabens, wo wir auch später noch von Vergrösserung des 
Besitzes erfahren (1422). Kriegerische Vorgänge aber hörten nicht auf zu 
drohen und mussten vor allem eine immer energischere Verteidigungsfähigkeit 
der Burg erwünscht erscheinen lassen. 

Der Palasbau Erzbischof Heinrichs stand wie auch bei anderen Burgen 
der älteren Zeit im Zuge des Burgrings, die wehrhaften Mauern desselben auf 
eine gewisse Strecke unterbrechend. Man hatte eben bisher als einen Haupt- 
vorzug und den besten Schutz einer Burg ihre Unzugängigkeit angesehen und 
hatte sich einfach begnügt, die Aussenwände der an der Mauer stehenden 
Gebäude möglichst geschlossen zu halten, namentlich im unteren Teile. 

Allmählich trat ein Wandel ein in diesen Anschauungen, man erkannte 
den Mangel aktiver Verteidigung dort, wo der Palas an die Stelle der Mauer 
trat und der Wehrgang fehlte. Dieser Mangel äusserte sich bei der Eltviller 
Burg um so empfindlicher, als diese ja nicht auf sturmfreier Höhe lag und 
andrerseits gerade dieser exponierten Ecke der Stadt eine besonders starke Wehr 
bieten sollte. 

Als daher im Jahre 1410 König Ruprecht, welchen die vereinigten geist- 
lichen Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln gern beseitigt hätten, sich entschloss, 
jenen durch einen Einfall in den Rheingau zuvorzukommen , Erzbischof 
Johann IL indessen von diesem Vorhaben zeitig benachrichtigt wurde, so Hess 
dieser eiligst sein castrum in Eltville, „opere somptuoso", also durch umfang- 
reiche Baukonstruktionen befestigen und in wehrhaften Stand setzen. Hierzu 
gehörte damals vor allem die Anlage eines Wehrganges auf der Rheinseite 
längs des Palas. Um hierfür die nötige Basis zu gewinnen, ohne die geringe 



^°) In der Cronica do episcopis Moguntinis (im Besitze des Altertumsvereins zu Wies- 
baden, — siehe Roth, Fontes III. 155) wird nicht Balduin von Trier als Erbauer der Burg 
angeführt, dagegen heisst es bei Heinrich : Item Henricus de Yirnburg, qui nominabatur Busnian, 
archiepiscopus Monguntinus, qui castrum Eltuil ordinavit et edificavit .... 



112 

Tiefe des Palasbaus von 5 m i. L. noch mehr einzuschränken, errichtete man 
in grösseren Abständen mächtige Pfeiler vor der Front, spannte zwischen diese 
3 grosse Segmentbögen aus Backsteinen und führte auf diesem so gewonnenen 
Unterbau den Wehrgang auf der Höhe über dem Wohngeschoss des Palas hin 
— eine Konstruktion, welche allerdings als ein „opus somptuosum" bezeich- 
net werden kann. In der gleichen Quelle werden auch genannt „magnas 
copias armatorum" (eine grosse Menge Bewaffneter), welche der Kurfürst in 
die Burg legte. Schon um eine solche bedeutende Zahl Verteidiger in einer 
der Kampfesweise der Zeit entsprechenden Aufstellung in 'Aktion versetzen zu 
können, durfte ein solcher "VVehrgang an der Hauptseite der Burg nicht fehlen. 

Auch die Umgestaltung, welche die Abschlussmauer des Grabens an dessen 
unterem Ende erfahren hat (siehe unten), sowie die Anlage des grossen unteren 
Zwingers in seiner noch jetzt erhaltenen Form dürfte dieser Zeit angehören. 

Doch alle diese grossartigen Vorkehrungen und Bauausführungen waren 
zunächst vergebens, da König Ruprecht auf der Burg Landskron bei Oppenheim 
plötzlich starb, und dem Eeiclie dadurch ein neuer Thronkrieg erspart wurde. 

Unter Johann II. Nachfolger, Konrad III. von Daun, aus dem Geschlechte 
der Rheingrafen, gab es in Mainz häufige Unruhen und Tumulte, welche dem 
Erzbischof Veranlassung gaben, in Eltville seinen Wohnsitz zu nehmen, während 
Bingen dem Domkapitel zum Asyl diente. So in den Jahren 1424 und 1432. 
Der Klerus, welcher keinen Wein verkaufen, hingegen besteuert werden sollte, 
liess sich weder durch das Konzil zu Basel noch durch den Bischof zur Rück- 
kehr nach Mainz bewegen. Letzterer starb zu Eltville 1434. 

Das kirchliche Leben hatte inzwischen ganz darniedergelegen. Erst 1435 
kam in der Burg zu Eltville eine Einigung zu Stande, die sogen. „Pfaffen- 
rachtung", wodurch dem Klerus seine wichtigsten Privilegien bestätigt wurden. 

Doch schon im Jahre 1461 hatte Erzbischof Adolf II. von Nassau wiederum 
Veranlassung, sich der Burg als Zufluchtsstätte zu bedienen ; er scheute sich 
unter den Mainzern zu wohnen. Seine Residenz blieb Eltville, wo er auch am 
6. September 1475 starb. 

Schon von Alters her, namentlich aber seit dem Versuch der Stadt Mainz, 
Eltville um seine Burg und seine Mauern zu bringen, bestand bei den Bürgern 
von Eltville eine gewisse Animosität gegen Mainz und, wie einst im 14. Jahr- 
hundert bei den bekannten Differenzen zwischen Heinrich III. von Virneburg 
und Gerlach von Nassau, so leisteten sie auch Adolf II. überaus thätige Hilfe 
gegen Mainz und Diether von Isenburg. Wenn dies auch von den Rheingauern 
im allgemeinen gilt, so spielten doch bei all diesen Vorgängen die Eltviller eine 
hervorragende Rolle und sie erkühnten sich schliesslich gar, darauf anzutragen, 
man möge die Stadt Mainz dem Rheingau förmlich als integrierenden Teil 
einverleiben. 

Die stürmischen Ereignisse der letzten Zeit hatten für Mainz bedeutsame 
Folgen gehabt. Den nächsten Anlass dazu gab ein Mandat Kaiser Friedrichs III. 
von 1475, welches von allen Reichsstädten und von Mainz jeden vierten Mann 
zum Kriege gegen Karl von Burgund forderte. Auf dasselbe erfolgte in kurzem 
ein Beschluss des Domkapitels, welcher u. a. forderte, dass die Stadt Mainz für 



113 

immer bei demselben bleiben sollte. Der Erzbischof solle den untersten Stadt- 
mauerturm, den sogen. Grints Tora, dem Vicedom des Rheingaus zur Oldiut 
übergeben und ein Schloss an demselben anfangen zu bauen u. s. w. Der 
Kurfürst Adolf nahm sich der Sache nicht sonderlich an, sondern schloss mit 
dem Kaiser ein l^ündnis. Er starb indessen bald darauf. Erst sein Nachfolgei- 
Diether von Isenburg bemühte sich, die Pläne des Kapitels zu unterstützen, 
baute deshalb die Martinsburg und liess alle Wächter der Stadtbefestigung sich 
und dem Domkapitel verpflichten. So hatten nun die Erzbischöfe ein anderes 
festes Schloss und zwar in ihrer Hauptstadt zur Verfügung. Doch konnte dieses 
die Eltviller Burg nicht ganz in den Hintergrund drängen, noch weniger über- 
flüssig machen. Dieselbe erfuhr vielmehr auch in den nächsten Zeiten noch 
weitere Umgestaltungen und Vervollkommnungen. 

Nachdem Diether von Isenburg zum zweitenmal den erzbischöflichen 
Stuhl bestiegen und sein Nachfolger, der junge Herzog Albrecht von Sachsen, 
bereits nach zweijähriger Amtszeit gestorben Avar, wählte das Kapitel ein- 
stimmig Berthold von Henneberg zum Erzbischof. Von ihm sagt Schult es 
in seiner diplomatischen Geschichte des Hauses Henneberg : „Er gehörte unter 
die würdigsten und aufgeklärtesten Männer der damaligen Zeiten. Seine vor- 
trefl'lichen Eigenschaften erhoben ihn zu der glänzenden Würde eines Kurfürsten 
und Erzbischofs zu Mainz, wo seine Regierung sich durch eine Reihe von 
rühmlichen und merkwürdigen Handlungen so vorteilhaft auszeichnet, dass sein 
Andenken in allem Betracht der Unsterblichkeit überliefert zu werden verdient. " 
Durch seine Vermittelung entstand (1488) der berühmte Schwäbische Bund, 
diese mächtige Stütze des allgemeinen Landfriedens. Was aber sein Andenken 
am meisten verherrlicht, ist die Errichtung des Kammergerichts, welches durch 
die klugen Entwürfe dieses Fürsten 1495 glücklich zu Stande kam. Auch 
beschloss er mit den anderen Kurfürsten 1487 zu Caub dahin zu wirken, dass 
der Rhein nicht mit neuen und ungerechten Zollerhebungen belastet werde. 

Er war es nun auch, der zum erstenmale ohne die zwingende Veranlassung 
drohender Kriegsgefahr das Schloss zu Eltville einem Ausbau unterzog, und 
zwar, wie es scheint, hauptsächlich um dasselbe wohnlicher zu gestalten und 
in praktischer Beziehung auf der Höhe der Zeit zu erhalten. Zur Erinnerung 
an diesen Umbau liess er hoch oben an der Südseite des Bergfried sein Wappen 
anbringen. Bodmann berichtet uns (S. 155 oben), dass er dort dasjenige 
Heinrichs von Virneburg beseitigen und das seinige an dessen Stelle setzen 
liess, was damals manchem Manne unbillig erschienen sei. Demgegenüber ist 
zu Bertholds Gunsten nur anzuführen, dass man damals im Gebrauch von In- 
schriften und Wappen nicht mehr so karg war, wie vordem. Zudem bestimmte 
Berthold zu dieser That wohl ein gewisser Stolz auf dieses Wappen, welches 
vor noch nicht langer Zeit, nämlich 1467, seiner Linie des Hennebergischen 
Geschlechts gleichzeitig mit dem Reichsfürsteutitel verliehen war. Im einzelnen 
sind wir leider nicht unterrichtet, was etwa von dem Umbau Bertholds betrott'en 
wurde. Nach Profilierung und Steinmetzzeichen zu urteilen, gehörte dazu die 
kleine^ Wendeltreppe im südlichen Zwinger, welche einen direkten xVufstieg von 
hier zu den Zimmern des Erzbischofs und dem Kapellensaal ermöglichte. Ferner 

8 



U4 

die kleine fein profilierte Spitzbogenthür, welche vom Treppenturm des Bergfried 
zmn Yerbiudung'sbau mit dem Palas führte und zwar zu dessen oberen Stock- 
werk, welches vermutlich in dieser Zeit für den Kapellensaal als Empore er- 
richtet wurde, während dieser selbst bereits bestand. 

Auch der obere Teil des Treppenturms am Bergfried von der Spitzbogenthür 
an wurde damals in Backstein hergestellt (Steinmetzzeichen an Fenstern). 

Inwieweit der Palasbau und der Nordostflügel von dem Umbau betroffen 
wurden, ist nicht mehr festzustellen. Doch scheint der einstöckige Wirtschafts- 
flügel, welcher sich gegen die Innenseite der westlichen Eingmauer lehnt, dieser 
Zeit anzugehören, allerdings nicht in seiner jetzigen Form, welche erst aus 
der Zeit nach dem grossen Kriege herrührt. Vermutlicli diente der Bau als 
Kelterhaus. Unter Erzbischof Berthold werden auch allmählich schon die 
schönen Baumgärten „im Schlosse", also wohl im grossen Zwinger an der 
Rheinseite, entstanden sein, von welchen uns etwa 100 Jahre später, nämlich 
1584 Kunde wird (Bericht des Fouriers Neumann au den Kurfürsten von Sachsen 
im Hauptstaatsarchiv zu Dresden — siehe Weber, Aus vier Jahrhunderten). 
Mit diesen Ergänzungen und Schmuckteilen hatte der Bau der Burg seiner 
äusseren Erscheinung nach Abrundung und Vollendung erhalten. Es war die 
nun folgende Zeit auch für das Leben auf dem Schlosse die glänzendste. 

Etwa ein Menschenalter nach diesem Abschluss der Bauten war es, am 
23. Juli 1520, da fuhr ein wohlbekannter deutscher Maler mit seiner Hausfrau 
auf dem Kölner Schifte den Rhein hinab und landete in Eltville oder Elfeid. 
wie er es nennt. Kein geringerer war es, als unser Meister Albrecht Dürer, 
der von lieben Freunden in Mainz mit Wein und Fleisch, mit Birnen und ein 
paar Hühnchen zum Kochen auf dem Schiffe wohl versehen, an unserem Schlosse 
vorüberfuhr.-') Wir können es nur schmerzlich bedauern, dass er uns damals 
nicht eine Skizze von Eltville hinterlassen hat. Ich habe es versucht, in einer 
Vogelschau die Burg und ihre Umgebung zur Darstellung zu bringen, wie sie 
Dürer wohl gesehen haben mag (Taf. IX). Die Begründung für die ergänzten 
Teile derselben wird weiterhin entwickelt werden.^-') Man wird aus dem Bilde 
den Eindruck gewinnen, dass wir es doch mit einem recht stattlichen Landsitze 
zu thun haben, der seiner thatsächlichen Bedeutung gemäss auch einen Anflug 
von einem Residenzschlosse zeigt. Eine derartige Rolle spielte er beispielsweise 
bei den feierlichen Besitzergreifungen des Rheingaus seitens der neugewählten 
Erzbischöfe, von denen uns eine Urkunde (nach Gudenus, mitgeteilt von 
Bodmann S. 18 ff.) eine lebendige Schilderung hinterlassen hat (in Bezug 
auf Sebastian von Heusenstamm) ; Änno Domini 1545 uf samstag nach Mar- 
tini des 14ten tags Novemhris des Morgens früh sieben Uhren sein sie su Mcnts 
über Rhein gefahren und übergeführt worden. Dreihundert wohlgerüstet zu 
Pferde, alle in schwarz geJdeidet, waren uf den neuen Erwehlten bestellt und 



-') Siehe Dürers Reisetagobuch von seiner Reise nach den Niederlanden 1520. 

-^) Ohne bestimmte Belege hinzugefügt sind: 1. Das Holztürmchen auf dem polygonen 
Eckpfeiler der Nordwestecke der Ringmauer. 2. Das Fachwerk am NordostHügel. 3. Die 
Ausbildung des Westgiebels des Palas. 4. Die Turmspitzen und das Wehrgangdach am Palas. 
5. Dil' rimizimiiicr um der südlichen Zwinfferniauer und dem Grabenauslass. 



115 

verordnet; ridden cdso zu dem Rhehigau zu. Als solche dreihundert über Rhein 
harnen, ist der hochwürdigst Fürst u. Herr, Erivehlter .... mit nachfolgenden 
Prälaten, Thumherren u. Bitterschaft mi Schiff gangen, nemlich Herr Marquard 
von Stein, Doniprohst, Herr Adamus, Kuchenmeister, v. Gamberg, dhumdechan, 
Herr Fltilipp v. Stockheim, dhumsänger, Herr Ludovico von Hohenlohe, dhum- 
herr sii Mentz u. Strassburg. Herr . . . u. s. iv. . . . Sin also gefahren 
bis gegen EHville und allda an Land geniert. 

Der Eintritt zu Eltville geschah unter Anwesenheit der gesamten Rhein- 
gauer Kitterschaft, des Yicedoms, der Laudrätc, Schultheissen und Schöffen 
aller Flecken und Dörfer. Der Vicedom präsentierte die Schlüssel der Jiurg 
und erkannte dadurch den Erzbischof als Herren des gesamten Eheingaus 
namens des Landes an. Der Erzbischof ritt ein als ein gewaltiger Herr, wie 
das Landrechtbuch sich ausdrückt, geharnischt, bedeckt mit einem Hute mit 
Pfauenfedern geziert; mit ihm ritten: 4 Domheiren, der Marschall, Druchsess, 
Kanzler und eine Menge von Rittern und Knechten. Tags darauf erfolgte 
gewöhnlich der Huldigungsakt auf derLützelau (später in Eltville). Sie fuhren 
bis gen Oesterich; dort ist der Erwehlt sampt den Prelaten tmd Pdtterschaften 
aus dem Schiff gangen und also zu Fuss bis an den Ort, genannt Sanct Bar- 
tholomes und do waren zivo Benk mit Ptdven bereit und dargestellt, aber es 
satzt sich niemands. Do war die Landschaft des Rhingaus versammelt und 
entfingen alsbald den Erwehlten. Zunächst wurde das erzbischöfliche Wahl- 
protokoll vom Sekretari verlesen, worauf an den in der Mitte in geistlichen 
Kleidern sitzenden Erzbischof das Begehren der Landschaft erging, sie bei 
ihren alten Freiheiten und Privilegien zu hanthaben und zu lassen. 

Der bereits verfasste Bestätigungsbrief wurde abgelesen und auf der Stelle 
vom Kanzler besiegelt. Harnach unirde em gelesen der Eid des Lands, den 
sin Gnad dete, und lacht er daby sin Hand uf den besiegelten Brief. Darnach 
schwuren und hiddten dann die Schultheissen und Scheffen aus den Ampten 
dem Erwehlten als einem Erzbischof, ivie dann von Alters ein Gebrauch ist. 
Es ivar do der gereisig Zeug, ivelche sie gar umbringten, also dass der Er- 
ivehlt mit sampt den Prelaten und Ritterschaften mit der Landschaft in der 
Mitt stunden. Vom Kanzler wurde nun dem sämtlichen anwesenden Volke 
das Geliibd und der Eid gestabt und mit aufgereckten Fingern gein der Sonnen 
abgeschworen. TJnde am letzten worde sin Gnad gefort vor den hohen Eiter 
zu Geisenheim, do wurde gesongen tind heelich gespeelt off de Orgelen : Te 
Deum laudamus. Den Beschluss machte dann der feierliche Landschmaus auf 
dem Schlosse zu Eltville, alhvo sie die Nacht blieben, gessen und getrunken 
und fröhlich gewesen. (Bodm. 18 u. 19). 

Nach dieser Unterbrechung unserer Burggeschichte, welche uns indessen 
zeigt, wie reich bewegte, glänzende Vorgänge zuweilen die Burg der Erzbischöfe 
belebten, wenden wir uns nun dem allmählichen Niedergange derselben zu. 

Die kriegerischen Ereignisse, welche sie im Laufe der Jahrhunderte durch- 
zumachen hatte und welche ihre Entstehung sowohl wie ihren weiteren Ausbau 
meist veranlasst hatten, waren noch nicht vorüber. Zu ergänzen sind dieselben 

8* 



116 



noch durch einen Bericht über den Aufstand der Bauern im Jahre 1525, welcher 
auch speziell in Eltville und unserer Burg zu manchen Scenen geführt hat. 
Schon die Vorbereitungen, welche man traf, um drohenden Gefahren begegnen 
zu können, setzten die Insassen der Burg in Bewegung, wie wir aus einem 
uns erhaltenen Verzeichnisse schliessen können, welches aufzählt, was alles 
„von Nöten" war und auf Befehl des Kurfürsten „von wegen der Bauern" auf 
dem Schlosse in Bereitschaft gehalten werden sollte, nämlich : 



20 reisige Knecht 
12 Fussknecht 

2 Zimmerknecht 

2 Schmidt 

2 Maurer 

6 Knecht zumOff legen der Bochsen u. 
Handreichung des Bochsenmeisters 

3 Ctr. Pulver 
3 Tafeln Blei 

V2 Tonne oleys (Oel) 




'V.--' 







Abb. 



2 Ballen würkten Tuch 

8 gläserne Ampeln of die Mauern 
und ander Nothdurft 
25 Stamm eichen u, tannen Holz 
15 Stamm buchen Holz die Büchsen 

zu fassen 
15 Wagen Kohlen 

1 Sack Salpeter 

6 Pickel und Kadhauen (Hacken) 
10 Schöpfen (Schaufeln).-^) 

Nach den Verhandlun- 
gen der Bauern mit dem 
Vicedom Friedrich von 
Greifenklau im Rathaus 
zu Eltville und dem un- 
glücklichen Ausgange der 
ganzen Bewegung, welche 
jene noch um ihre letzten 
Freiheiten gebracht hatte, 



mussten dieAuf ständischen 
des Rheingaus all ihre 
Waffen und Kriegsgerät, 
alles Geschütz, gross und 
klein in das Schloss zu 
Eltville abliefern. 

Im gleichen Jahre 1525 
beherbergte dasselbe als 
Gefangene eine Anzahl 
Pfarrherrn, wie aus den 
damals vom Domkapitel 
bewilligten Artikeln der 
Mainzer Bürger zu ersehen 
ist (R 1 h, Fontes I, 273). 

Die hochgehenden Wo- 
gen jenes Aufstandes hat- 



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'^^) Mitteilung von E. A. Rotli uus einer irnndsclinft der Würzburger Universitüts- 
JJibliotliok von Pfarrer Severus in Waklüren. 



117 



ton sioli längst bcniliigt zu der Zcit^ wo wir wieder von unserer Hury hesoii- 
derc Kunde erhalten. 

Noch einmal, nänilieh in den Jahren 1549 und 1592 oder 99 sind uns 
— als die letzten vor der Zerstiu'ung- — bauli(;he Veränderungen am Schlosse 
verbürgt und zwar durch jene Jahreszahlen, welche am nordöstlichen Flügel in 
der Tiefe des Burggrabens über zwei Kellerfenstern (nngemeisselt sind (Abb. 5). 
Wir werden noch weiterhin von der grossen Anzahl von Räumen hören, welche dieser 



Flügel schon im Jahre 1465 barg und aus denen wir schliessen 



müssen, dass 





"ütawltt. 



Bcrafrtrt 



er damals schon seine jetzige Länge hatte, obwohl er dieselbe offenbar von 
Anfang niclit besass. Die 
Profilierung einiger inne- 
ren Thüreu des Erdgeschos- 
ses stimmen allerdings 
auch zu dieser Zeit, fin- 
den sich aber nicht nur 
im letzten Ende des Flü- 
gels, sondern auch schon 
in der Thorhalle, dicht 
am Bergfried, Nach alle- 
dem können wir jene Jah- 
reszahlen nur auf kleinere 
Umänderungen beziehen, 
namentlich auf die An- 
lage jener Kellerfenster 
selbst, welche früher wegen 
des Wassers im Grabeji 
nicht möglich waren, es 
nun aber wurden, nach- 
dem man ihn wohl hatte 
austrocknen lassen und 
für immer auf seine Fül- 
lung zu verzichten ge- 
dachte. Man datierte eben 
damals auch gelegentlich 

em einfaches Kellerfenster, rjin gianzenues uerummei sollte aie uurg vor 
ihrem traurigen Untergange noch in ihren Mauern sehen, als im Jahre 1584 
der kranke Kurfürst August von Sachsen mit einem Gefolge von über 100 Personen 
und 225 Pferden die Burg bewohnte, um von dort aus in Laugenschwalbach 
die Kur zu gebrauchen bezw. den Sauerborn jenes Badeortes in Eltville zu 
goniessen. Ein vorausgeschickter Fourier Namens Neumann hatte die AVohn- 
gelegenheit ausgekundet, das Schloss zu „Ellfeld" hatte ihm sehr Wohlgefallen ; 
er schreibt deshalb : Der Kurfürst werde da ein gut Lager haben, denn es 
sei ein lustiges Städtlein und schöner Ort, habe gute Luft und fiiesse der Rhein 
am Schlosse und Städtlein : Das Schloss sei mit Graben und anderem wohl 
verwahrt, habe fein Gemach darin, auch schöne Baumgärten im Schloss liegen 





Abb. 6. 



Ein glänzendes Getümmel sollte die Burg 



118 

u. s. \\. Wir kumnieu auf dieseu interessanten Bericht, dessen Original sich im 
Staatsarchiv zu Dresden befindet, unten noch einmal zurück. 

Bald zog dann verheerend der Krieg über das Land und auch unserer 
Burg hatte mit vielen anderen ihre Stunde geschlagen, wo ihre alte Herrlichkeit 
in Trümmer sinken sollte. Wann dies geschah, wissen wir nicht genau (1634 
oder 1635). Nur beiläufig berichtet uns Merlan von dorn Brande, durch 
welchen die Burg zerstört wurde.-') Ein Teil ward später wieder notdürftig 
hergestellt, um fürderhiu dem Landschreiber zur Wohnung und als Amtslokal 
zu dienen. Wahrscheinlich geschah dies erst im Jahre 1683, wenn wir einen 
Kamin dafür als Anhalt nehmen sollen, der diese Ziffer trägt und jetzt in 
Trümmern im Hofe liegt (Abb. 6).-') Als weitere Zeugen dieser Wieder- 
herstellung, welche die letzte für uns in Frage kommende Bauperiode bildet, 
haben sich erhalten: eine kleine Anzahl grünglasierter mit figürlichem und 
anderem plastischen Schmuck gezierter Ofenkachelstücke, einfache Thür- 
bekleidungen (Abb. 6) und Stuckdecken im Charakter jener Zeit. Letztere 
namentlich im 2. Obergeschoss des Bergfried. 

Aus neuerer Zeit wissen wir nur von einer Renovation des Bergfrieds und 
seines Daches in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts.-*^) In der 2. Hälfte 
desselben diente der Westflügel dem Amte Eltville als Amts- und Eenteigebäude. 
Im südlichen Zwinger wurde längere Zeit eine Töpferei betrieben. (Siehe den 
Grundriss bei von Cohausen, Befestigungsweisen.)^^) 

Die Burg selbst, ohne den Südzwinger, ist jetzt fiskalisch und birgt in 
ihrem Nordostflügel die Wohnung des Königlichen Oberförsters. 

Der Zwino-er am Rhein bildet einen Teil der herrlichen Besitzung des 



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Herrn Treiherrn Langwerth von Simmern. 

Teils dadurch, dass s. Z. Kurfürst Berthold das Schloss nicht im Sinne 
einer zeitgemässen Befestigungsweise, für Geschütz u. s. w., umgestalten liess, 
teils auch durch die spätere Yernachlässigung ist es wenigstens vor groben 
Entstellungen durch Modernisierung bewahrt geblieben und, wenn auch leider 
teilweise als Ruine, so doch in seiner allgemeinen Erscheinung als ein ein- 
heitliches Bild auf vms gekommen. 

ni. Die einzelnen Teile der Burg. 

1. Der Bergfried. 
Der Bergfried, ein Wohnturm von ca. 11 m im Quadrat, ist der noch am 
besten erhaltene Teil der Burg. Er war wohl stets mit hohem Pyramidendach 

■•''*) von 8 tr um borg erzählt in soinom lilicin. Antiquurius (Al)teiluiig II., Hd. 2) von 
den elirwürdigen Kugelnaiben, -welche der Bergfried noch zu seiner Zeit aufgewiesen. Hieraus 
wäre auf eine Beschiessung im SOjiihrigcn Kriege zu schliessen. 

'") Derselbe soll nach Mitteilung des Herrn Forstmeister Zeis aus einem Zimmer des 
Nordwestflügels stammen. 

2ß) von Htramberg (Rhein. Antiquarius, Abteilung II., Hd. 2, pag. 779j spottet über 
die neueste rosenfarbene Anpinselung derselben. 

") Der dort gegebene Teilschnitt ist unverständlich, da die Buclistaben a— b seiner 
Richtung im Grundriss fehlen, vor allem über nirgends in der Burg zwei tonnengewölbte 
Kiiunic ül'oreinaiulcr vorhanden sind. 



119 

bedeckt. Nach dein Brande im 1. Drittel des 17. Jahrlmnderts ist dasselbe 
(vernnitlich um 1687) erneuert worden. Aus einigen Spuren am Mauerwerk ist 
ersichtlich, dass der Vorgänger des jetzigen Daches eine tiachere Neigung hatte. 
Die Ecktürmchcn finden wir nicht nur bereits auf der Karte von 1573 mit 
spitzen Dächern versehen, sondern auch in den Darstellungen, wo das llaupt- 
dach fehlt, z. B. bei Merian. Auifallenderweise ist letzteres auch schon bei 
Di lieh der Fall (1605), woraus ^vir allerdings schliessen müssen, dass das Dach 
schon zwischen 1573 und 1605 eine Zerstörung erfahren hätte und etwa vor 
dem Kriege überhaupt nicht wieder erneuert worden sei. 



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Abb. 7. 

Der Bergfried ist verputzt, in Bruchstein gemauert mit Sandstein-Eckquadern 
und Fensterstöcken. -•^) Einige der oberen Teile, nämlich die Aussenmauern über 
der Wehrplatte und der Treppeuturm von der kleinen Spitzbogenthür an, sind 
aus Backstein von 30 x 15 x 6 cm. Leider lässt der Putz (wahrscheinlich 
1857 erneuert) die Yerteilung beider Materialien und ihre Grenzen am Wohn- 
turm selbst nicht erkennen. Im Treppenturm blieb das Backstein-Mauerwerk roh. 

Der Keller des Bergfried ist von Norden her zugängig durch eine breite 
Stichbogenöffnung (Abb. 5). In seiner Ost- und Südseite hatte er schlitzartige 
Fenster, welche jetzt zugenuiuert sind. In der nordöstlichen Ecke ist eine 0,70 m 
breite vermauerte Thür, welche direkt zur Wendeltreppe führte. 

Das Erdgeschoss des Turmes enthält die Küche. Sie ist jetzt nicht nur 
durch Zwischenwände in mehrere Räume geteilt, sondern auch eine Zwischen- 
decke ist eingezogen, vermutlich um den Raum leichter heizbar zu uuichen. 
Der Rauchfang des Herdes ist zum Teil noch erhalten. Der Fussboden besteht 
aus roten Sandsteinplatten. 

28) ]sfjich Lotz, Baudenkmäler im Regierungsbezirk AViesbaden, S. 100 wäre derselbe 
von rotem Sandstein erbaut. 



Der Kaum über der Küche iui 1. Obergesclioss war ofFenbar eines der 
voinchiiisten Zininicr der J3urg'. In zweien der tiefen Fensternischen befinden 
sich Wandschränke aus rotem Sandstein (Abb. 7). Der eine quadratisch, ujit 
Laubwerk und 2 kleinen Wappen dazwischen am Bodenstein, der andere in 
Hochformat mit zierlichem Stabwerk und Wappen. Das Hauptstück der Ein- 
richtung- ist ein prächtiger grosser Sandsteinkamin"") (Abb. 8), dessen Sturz 




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Abb. 8. 

durch eine Reihe von 5 Wappen reichen Schmuck erhalten hat. Die Wappen 
des Kamins beziehen sich auf Erzbischof Gerlach als Bauherrn, ebenso wie die 
am Wandschrank, Die Seitenwände des Kaminmantels sind leider etwas be- 
schädigt, auch stüsst eine der Zwischenwände, welche den Raum jetzt teilen, 
gerade wider denselben. Die einst stattliche Höhe des Zimmers ist wiederum 
wie bei der Küche durch eine Zwischendecke eingeschränkt. Die darüber be- 
findliche Zimmerdecke zeigt keine Spur einer besseren Ausstattung, vielmehr 
sind die dicken tannenen Unterzüge wie auch die Flächen einfach geputzt und 
weiss getüncht. Ein besonders für dieses Zimmer bestimmter Abort ist hier 
in der einspringenden Ecke zwischen Bergfried und Thorbau ausgekragt, jetzt 
aber durch Vermauerung der Thür in der Nordostecko des Zimmers unzugängig 
gemacht. 

Die reichen Saudsteinarbeiten dieses Raumes gehüren wie die Wappeu und 
die der Spätgotik zuneigende Formgebung ausweisen, nicht mehr der Zeit 
Heinrichs an, dessen karg bemessene Mittel einen solchen Aufwand wohl nicht 



29' 



) Die Aufnahme desselben bei Lutluncr u. a. 0. S. 65 ist in mehreren Punkten ungenau. 



121 



zulicsscn. 8iu aiud iiachträi^liclio Zuthatcn Erzbiscliof (rerluchs und rüliron 
vielleicht von der Hand ^Leister Weckcrlins her, den der Erzbisohof 1357 in 
seine besonderen Uiensto nahm. (Siehe Zosatz 1. ) Steinnietzzoichen «iud nicht 
daran zu finden, wohl eben deshalb, weil es Arbeiten eines bekannten ^Meisters waren. 

Auch das 2. Obergeschoss des Turmes ist jetzt in mehrere Käume geteilt. 
Diese Teilung gehört violleicht erst der gleichen Zeit an wie die einfachen 
Stuckdecken in Spätrenaissance mit Motiven von Kreisen und Vierecken, sowie 
die etwas roh ausgeführten tannenen Thüren , 
bemalt sind (Abb. 6). 

Wir haben hier offenbar Erzeugnisse der Instandsetzung der Burg nach 
dem 30 jährigen Kriege vor uns, als dieselbe für den Landschreiber eingerichtet 
wurde, oder allenfalls von derjenigeu unter Wolfgang von Dalberg, 1592. 
(Siehe Inschrift am Kellerfenster des Nordostflügels.)'^^) 



welche mit Holzmaserung 





Abb. 10. Details vom Bergfried. 



bb. 9. Fusshodenplatten im Bergfried. 

Das vorspringende Profil des gotischen Wandschranks in diesem Geschoss, 
in der Nische des südlichen Fensters, ist ringsum abgehauen, wahrscheinlich, 
weil es einem davorzustellenden Akten-Repositorium im Wege war. "Vielleicht 
war es ebenfalls mit Blattwerk geschmückt. Eine kleine Partie Thonplatten 
(darunter einige verziert — Abb. 9) in der Ecke am Schornstein, deutet auf 
einstige Ofenheizung, als deren weitere Zeugen sich Reste grüuglasierter Ofen- 
kacheln mit reichem Renaissancedekor in der Burg erhalten haben. 

Das 3. Obergeschoss liegt unter der W^ehrplatte und ist deshalb gewölbt. "'') 
Zwei ungleich breite oblonge Joche sind durch einen Gurtbogen mit doppelt 

^'') Lutlimer a. a. 0. S. 66 schreibt diese Renaissance -Thüren dem Umbau unter 
Berthold von Henneberg- zu, welcher indessen ja 1487 stattfand, also zu einer Zeit, da man 
in Deutschland von Renaissance noch nichts wusste. 

^') Luthmer in: Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaus S. 8 und S. 66 bringt 
dies 3. Obergeschoss des Turmes in einem Grundriss zusammen mit dem 1. Obergeschoss 
des Palas, was zu Missverständnissen Anlass geben muss. 



122 



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gekehltem Profil gx'trennt. Dieser, wie die einfach gekehlten Kreuzrippeu ruhen 
auf fein profilierten Konsolen (Abb. 10). Von den beiden Schlusssteincn mit 
Wappenschildern zeigt einer das Mainzer ßad, der andere die 7 Rauten Heinrichs 
von Virneburg.'"'-) Der Raum erhält durch diese Gewölbe zwar ein kapellen- 
artiges Aussehen, hat indessen als solche nicht gedient, da — abgesehen von 
anderen Gründen — Nischen für Kredenz und Piscina nicht vorhanden sind. 

Die Fenster des Turmes mögen hier insgesamt besprochen werden. Sie 
sind teilweise erneuert, bezw. verändert. So sind z. B. einige (in der Küche 
und dem 1. Obergeschoss) nach unten verlängert. Alle sind durch Zwischen- 
stürze in Ober- und Unterlichter geteilt, was bei den breiteren (zweiteiligen) zu 
Kreuzstöcken führt. Die Oberlichter sind aussen mit Fasen'^^) versehen, innen 
mit einem Falz für feste Verglasung, wie dies im 14. Jahrhundert üb- 
lich war. 

Die Unterlichter haben äusserlich einen Falz und Haken für bewegliche 
Flügel, welche also direkt in diesen Sandsteinfalz schlugen. Blindrahmen, 
welche dem Fenster bedeutend besseren Schluss geben, fehlten noch, sie kommen 
erst etwa anderthalb Jahrhunderte später in Gebrauch. Nach der Gepflogenheit 
jener Zeit müssen wir uns diese nach aussen aufschlagenden Flügel als Bretter- 
läden mit Lichtlöchern vorstellen, welche durch irgend ein durchsichtiges Material 
geschlossen waren. Auf der Innenseite haben die Unterlichter einen Fasen, 
dem nachträglich an der inneren Kante ein Falz angearbeitet ist für die jetzigen 
Fenster, welche auf diese Weise weiter nach innen sitzen als die oberen. Diese 
Aenderung wird frühestens unter Berthold von Henneberg getroffen sein, wahr- 
scheinlich aber erst im 16. Jahrhundert. Ein Teil der Flügel hat noch gotisierende 
Eckwinkel, übrigens mit fast genau der gleichen Verzierung (Abb. 11), wie 
solche am Sanecker Hof zu Eltville (um 1500), sowie am Zehnthaus (Haus 
des Phil. Hilchen) (15. Jahrhundert) und sogar noch an dem bekannten 
Renaissance-Hilchenhaus in Lorch von 1546 daselbst auftreten. Sollten derartige 
Baubeschläge auch damals schon Handelsware gewesen sein? 

Zu erwähnen ist noch, dass die Fenster jetzt auch innen mit Haken 
für Läden versehen sind, welche wohl in späterer Zeit hinzugefügt wurden. 

Die Fussböden der Obergeschosse des Turmes bestehen aus starken Dielen ; 
dieselben rühren wohl aus dem 17. Jahrhundert her, denn Holzfussböden waren 
im Mittelalter nur für Bodenräume und dcrgl. gebräuchlich, während man sonst 
immer Estrich oder Fliesen hatte. Die AVehrplatte ist mit Sandschüttung versehen. 

Das Dachgeschoss tritt aussen um 45 cm über die unteren Fluchten des 
Turmes vor auf einer Auskragung von Stichbögen mit eingesetzten Kleebogen 
auf ausgekehlten Kragsteinen^ Zwischen den Bögen und der Turmmauer sind 
Lücken von 15 cm Breite. Ob dieselben als Gusslöcher gedient haben, ist 
zweifelhaft, jetzt sind sie geschlossen. 



^'^) Sie standen rot in gelbem Felde, seit dem 14. Jahrhundert in 2 Keihen 4 und ;i. 
Heinrich kennzeichnet seinen Schild sonst durch einen blauen Turnierkragen. 

^^) Nach Lutz a.a.O. mit Hohlkehle, nach Luthmor a. a. 0. wiiren nur die der oberen 
Stockwei'kc gekehlt. 



123 












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Abb. 11. 



Abb. 12. Stemm etz zeichen vom Bergfried und 
Treppenturm am Palas. 



Auskragungen in ähnliclien Formen befinden sich an den beiden südlichen 
Ecken des Turmes in Höhe des zweiten Obergeschosses. Sie tragen halb- 
sechseckige Yerstärkuugspf eiler, auf welchen dann über der Wehrplatte zwei- 
stöckige sechseckige Ecktürmchen ruhen. •^^) Ein ebensolcher sitzt (unsymmetrisch) 
auf einem von unten aufsteigenden rechteckigen Pfeiler an der Nordostecke. 
Alle drei haben nasenbesetzte Spitzbogenfenster in beiden Etagen. 

Die vierte Ecke des Bergfried nimmt der von unten aufgeführte Treppen- 
turm ein. Seine rechteckigen Fenster sind zum Teil erneuert. Er führte vom 
Keller des Bergfried bis zur Wehrplatte und vermittelte die Verbindung zwischen 
allen drei hier zusammentreffenden Bauteilen: Turm, Palas und Nordostflügel. 
Das Obergeschoss des letzteren stand durch eine Thür mit der „Schnecke" in 
Verbindung. Schwierig gestaltet sich die Frage nach der Kommunikation 
zwischen Bergfried und Palas. Wir sahen, dass der erstere schon ursprünglich 
von unten an zugängig gemacht war. Wenn dennoch zwischen beiden Haupt- 
bauteilen eine Lücke von ca. 4 m zu konstatieren ist, welche erst in Höhe des 
zweiten Obergeschosses durch einen massiven Bogen überbrückt ist, so fürchtete 
man eben nicht so sehr ein Eindringen des Feindes über den Wendelstein 
als gerade über die Freitreppe des Palas, deren Vorhandensein andrerseits durch 
diese Vorsicht bestätigt wird.'"') 

Es ist indessen schwer glaublich, dass man die grosse Unbequemlichkeit 
der Trennung der Hauptwohnräume in Friedenszeiten dauernd solle ertragen 

^*) Dieselben sind im Grundriss bei Luthnier a. a. 0. viel zu weit vorgekragt, auch 
ist die abweichende Stellung des nordöstlichen übersehen. 

^^) Übrigens hatte es, wie wir oben gesehen haben, mit der Entstehung dieser Lücke 
eine besondere Bewandnis, 



124 

liabcn. AVir dürfen vielmehr annehmen, dass schon frühzeitig ein leichter 
Verbindungsbau in Form einer Holzgallerie zwischen dem ersten Obergeschoss 
des Palas und dem Wendelstein bestanden hat, welche im Falle der Gefahr 
beseitigt werden konnte und an deren Stelle dann die Yerbindung weiter oben 
über die massive Brücke trat. In nachmittelalterlicher Zeit wurde das Bedürfnis 
einer bequemeren Yerbindung so dringend, dass man sich entschloss, letztere 
o-anz zu unterbauen, ^xie sie oben schon längst überbaut war und zwar zunächst 
mit einem massiven Geschoss.-"*') Hier befindet sich nämlich im Treppenturm 
eine kleine schlicht viereckige Thür, deren Gewände das Steinmetzzeichen in 
Form eines G trägt (Abb. 12). Ueber dieser folgt eine fein mit Stäben profilierte 
kleine Spitzbogenthür, die einzige derart in der Burg. Auch sie weist ein Stein- 
metzzeichen auf, nach welchem ihre Entstehung ins 15. Jahrh. fällt (Abb. 12[«]). 
Ueber dieser ist dann noch eine dritte kleine Thür von der Treppe aus zu sehen, 
welche mit Backsteinen in dem handlichen Format der Spätzeit (5 x 12 x 24) 
vermauert ist. Hier bestand also ein mehrstöckiger Yerbindungsbau mit dem 
Palas. Das erste, massive Geschoss desselben besteht noch bis zur Brüstungs- 
höhe und bildet jetzt eine offene Terrasse. Die Sohlbänke der Fenster liegen 
noch an ihrem Platze; sie hatten Kehlenprofil, welches auch die Sohlbänke 
zeigen. Nach Norden war ein zweiteiliges, nach Süden ein einteiliges Fenster. 
An der ^Yestseite ist auch die Thür zum ^Yehrgang zur Hälfte noch in der 
jetzigen Terrassenbrüstung vermauert und merkwürdig durch ihr eigenartiges 
Profil, w^elches aus einem konvex gebrochenen Fasen besteht. Der kleine Raum 
war nur niedrig, wie man aus der Spitzbogenthür darüber sieht. Er diente als 
Yorraum zum Saal und Passage zum Wehrgang. 

Im Dachgeschoss des Treppenturmes sind die Reste eines Kamins zu er- 
kennen, welcher einst dem Türmer sein Kämmerchen erwärmte. Die Hölzer 
daselbst zeigen noch Spuren von Brand. 

Der oberste Teil der Stufen selbst ist jetzt in Holz hergestellt. 
Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle noch der mächtige im Grundriss 
segmentförmige Mauerkörper, welcher die Ecke westlich des Bergfried teilweise 
füllt. (Siehe Grundriss.) 

Es ist vermutlich ein Rest eines Rundturmes, nämlich des ersten Bergfried 
der Burg von Erzbischof Balduin-^^^ welcher dem Rundturme am Westende der 
Stadt entsprach, und von welchem man einen Teil später beim Ausbau der Burg 
unter Heinrich III. als mächtigen Stützpfeiler für das dahinterliegende höhere 
Hofterrain stehen Hess. 

An der Südseite des Bergfried zwischen den Fenstern des ersten und 
zweiten Obergeschosses befindet sich ein viereckiges Sandsteinrclief mit dem 
Wappen Kurfürst Bertholds von Henneberg und der aufgemalten Jahreszahl 1487. 
Das Familienwappen des Erzbischofs — die gekrönte Säule und die Henne — 
als redendes Wappenzeichen — ist, wie üblich, kombiniert mit dem Mainzer 

38) Bei Luthmer a. n. 0. im Grundrisse S. 66 ist die Fludit des Verbinduiigsbaus um 
etwa 2 m zu weit nach Süden verschoben. 
*') Siehe oben Anmerkung 19. 



125 

Rad, welches auch das Ganze als Helnizior krimt. Eine Unirahmung mit Hohl- 
kehle zwischen Plättchen aus rotem Sandstein schliesst die Tafel ein. Dies 
Wappen an dieser Stelle hat vielfach Veranlassung gegeben, den Genannten als 
Erbauer wenigstens für die oberen Teile des Bergfried, besonders der Ecktürmchen 
anzunehmen. •^^) Mit Unrecht! Zunächst sind weder die Formen der Auskragung(!n 
der Ecktürmchen und der Wehrplatte, noch die gekehlten Profile der Gewölbe- 
rippen unter der letzteren ein zwingender Grund, eine so späte Entstehuugszeit 
dafür anzunehmen. Derartig gekehlte Rippen finden sich, um nur ein Beispiel 
aus der Nähe anzuführen, im Ostflügel des Klosters Eberbach (in der Fraternei) 
bereits 80 Jahre früher (Schäfer, Die Abtei Eberbach im Mittelalter, Text 52). 
Ferner spricht das Wappen Heinrichs von Virneburg an einem der Schlusssteine 
dortselbst hinreicliend für die Ausführung der Gewölbe unter dem letzteren 
Kurfürsten. Doch auch für die Ecktürmchen und somit für den ganzen Oberteil 
des Turmes ist diese mit voller Sicherheit nachweisbar durch eine Anzahl Stein- 
nietzzeichen,'^'') Dieselben stimmen mit denen der unteren Geschosse im Charakter 
vollständig überein, nämlich dem einer relativ frühen Zeit und sind weit entfernt 
von dem scharf ausgeprägten und nicht zu verkennenden Typus vom Ende des 
15. Jahrhunderts. Am häufigsten treten dieselben gerade im obersten Geschoss 
über der Wehrplatte auf, zumal an den Gewänden der Thüren vom Wendelstein 
zum Dachraum und von diesem zu den o Ecktürmchen. Ausser dem Kreuz, 
dem Dreieck und zwei sich schneidenden Halbkreisuögen sieht man noch 6 ver- 
schiedene Zeichen (Abb. 12 oben), welche man als römische Buchstaben auffassen 
kann und zwar merkwürdigerweise gerade die 6 letzten des Alphabets von T 
au in lückenloser Reihe, wobei U und V, wie üblich, als gleich betrachtet 
sind. Sie erinnern an Buchstabenzeichen am Mainzer Dom und anderwärts. 
Ob die Zeichen von ihren Yerfertigern wirklich als Buchstaben gedacht sind, 
ist nichtsdestoweniger zweifelhaft. Uns interessiert hier vor allem, dass sie 
nach ihrem Charakter dem 14. Jahrhundert angehören und somit für sich allein 
schon die bisherige Annahme bezüglich der Bauzeit widerlegen. So wären denn 
vom ganzen Bergfried nur etwa die Zinnen, der obere Teil der Wendeltreppe 
(Backstein), die kleine Spitzbogenthür in demselben und die Fensterrahmen im 
Bergfried Berthold von Henneberg zuzuschreiben. 

Schliesslich sei an dieser Stelle noch eine historische Frage erörtert, welche 
den Bergfried angeht. Nachdem schon im Jahre 1438 an Stelle der früheren 
Gefällverweser des Rheingaus zu Bingen und Winkel eine sogen. Landschreiberei 
nach Eltville, dem Burgsitz der Erzbischöfe verlegt worden (Bodmann, Rh. A. 
13 und 749), erkor dann Erzbischof Adolf H. im Jahre 1467 den Rheingau auch 
zur Truhen- und Schlüsselbewahruug des Erzstifts (Bodmann 16), und ohne 
Zweifel war es die Residenz der Erzbischöfe zu Eltville, welche den Schatz 
zu beherbergen hatte. Es wäre nun die Frage aufzuwerfen, in welchem Raum der- 
selben dies geschah. Das Hausrats-Verzeichnis, welches später noch eingehender 
zu besprechen sein wird, gibt uns hierüber keinen Aufschluss. 



^*) So namentlich von Cohauson in Befestigungs weisen der Vorzeit, pag 150 Anniork. 
**) Solche fehlen bei Luthmer a. a. O. leider gänzlich. 



126 

Ein ähnlicher Fall lag nun bei Karlstein in Böhmen, der grossartigen 
Burg Kaiser Karls IV. vor, welclie von diesem im Jahre 1348 — 57 erbaut worden, 
um die deutschen und böhmischen Reichskleinodien darin zu verwahren. Dies 
geschah in mehreren Kapellen, welche zu diesem Zweck in verschiedenen stark 
umwehrteu mittleren Türmen angelegt waren. 

Dass in Eltville der grosse Kapellensaal der Burg (siehe unten) zu diesem 
Ende gedient habe, ist unwahrscheinlich wegen ungenügender Sicherheit, zumal 
derselbe auch zu profanen Zwecken gebraucht wurde. Viel geeigneter war 
jedenfalls der gewölbte kapellenartige Raum unter der "NVehrpFatte, da er ohne 
Frage der sicherste im Schloss war und so dürfen wir diesen wohl als den 
Behälter des Schatzes ansprechen. 

2. Der Palas. 

Der Südflügel der Burg an der Rheinseite war sicher von jeher der hervor- 
ragendste unter den vier Flügeln des Schlosses und müssen wir nach Lage der 
Situation in demselben den vornehmsten Wohnbau desselben suchen, den Palas. 
Die noch erhaltenen ruinenhaften Reste eines Wohnbaus an dieser Stelle ent- 
sprechen dem auch vollkommen, wie wir weiterhin sehen werden. Sie sind in 
merkwürdiger Weise verquickt mit der westlichen Ringmauer der Burg und 
dem runden Turm an der Südwestecke. Der Keller des Palas hat nämlich an 
seinem Westende dicht unter dem Tonnengewölbe ein vergittertes kleines Fenster, 
welches durch jene indessen später verbaut ist. An Ringmauer und Rundturm 
sind wiederum später Erd- und Obergeschoss des Palas angebaut. An diese 
alle dann wieder die grossen Pfeiler und Stichbögen der Südseite — ein wahrer 
gordischer Knoten der Chronologie, welcher, wegen mangels zuverlässiger Anhalts- 
punkte in den höchst einfachen Bauformen, kaum lösbar erscheint. 

Die soeben festgestellte zeitliche Aufeinanderfolge weist dem Palaskeller 
unter den genannten Bauteilen das höchste Alter zu, und wiewohl bestimmte 
Beweisgründe dafür fehlen, stehe ich nicht an, denselben der Zeit vor der Er- 
bauung der Burg zuzuweisen. Diese Annahme beruht hauptsächlich auf der 
ferneren, dass die westliche Ringmauer nebst Rundturm der ersten Anlage 
der Burg angehören. Der Palasbau hat eine auffallend geringe Tiefe, in Bezug 
auf Maassstab erscheint er gegen den Bergfried altertümlich klein. Seine Lage 
am Rhein am steilen Südrande der Höhe erscheint als eine Stätte altelu'würdiger 
Kultur, welcher nur die der Kirche und der davorliegenden hohen Gerichtsstätte 
mit der Linde den Rang streitig machen könnte. Es ist nach alledem nicht 
ausgeschlossen, dass uns in dem Palaskeller ein Rest des ehemaligen bischöflichen 
Fronhofes erhalten ist. Wie dem nun auch sei, wir dürfen diesen Palaskeller 
als den ältesten Bauteil auf dem jetzigen Burgterrain betrachten. Merkwürdig 
ist in seinem Innern besonders der östliche Teil. Hier befindet sich der Ein- 
gang zu demselben. Steigt man die gerade Treppe hinab und kehrt, an ihrem 
Fusse umwendend, zu der Stolle unter dem Kellereingang zurück, so findet man 
eine kleine thürartigc Oeffnung nach dem Raum unter der Treppe. Hier ist 
man also nahe der im IlofV; freistehenden nordöstlichen Ecke des PaU^sbaus 
(siehe den Grundriss). Wie erstaunt man nun gerade au dieser Stelle, den 



127 

Boden des Kellors sich liülilenartig- öffnen zu sehen ! Derselbe scheint hier in 
eine unbekannte Tiefe gestürzt. Der scJn-äge Abstieg fülirt, wie sich heraus- 
stellt, zu einem noch tiefer liegenden weit und flach gespannten Bruchstein- 
gewölbe, das diesen Namen wegen der höchst mangelhaft durcligeführten Radial- 
richtung der Fugen freilich kaum verdient, auf dessen knapper Kante aber 
nichtsdestoweniger dicht neben der Durchbruchstelle die Umfassungsmauern, ja 
gerade die Ecke des mehrere Stockwerke hohen Palas aller Unwahrscheinlichkeit 
zum Trotz bis auf den heutigen Tag ruht. Der Raum unter dem Gewölbe ist 
nur etwa 50 cm hoch frei, so weit ist er mit Erdreich erfüllt, welches von der 
Hofseite hereingestürzt scheint. Diesen Hohlraum kann man in horizontaler 
Richtung unter der Palasecke hinweg noch meterweit in den Hofbereich hinein 
verfolgen. Das Gewölbe spannt sich aber offenbar noch weiter, da man nur 
die flacheren Scheitelpartieu überblicken kann. Die Palasecke scheint etwa 
gerade auf dem Scheitel zu stehen und schwebt, da das Gewölbe dicht daneben 
durchbrochen ist, so zu sagen in der Luft. Eine Verbindung des Palaskellers 
mit dem Bergfried ist nicht vorhanden. 

Das Erdgeschoss dieses Wohnbaues ist massiv in Bruchstein errichtet, 
hatte nach dem Rhein hin nur wenige Ausschaulöcher von etwa 30 cm Höhe 
und diente allem Anschein nach nur untergeordneten Zwecken. Die Hofmauer 
des ganzen Palas vom Erdgeschoss ab ist wohl seit dem Brande im 17. Jahr- 
hundert zerstört, nur das östliche und westliche Ende des Erdgeschosses ist 
noch erhalten, ersteres mit freistehender, breit abgefaster Ecke'^''), letzteres ohne 
Verband gegen die westliche Ringmauer stossend. Auf der Nordseite der Mauer 
lag die Freitreppe zum Obergeschoss davor. An der Ostseite über dem Kellerhals 
ist noch ein Fenster und daneben eine Thür. Der Raum gewährte einen Durch- 
gang gen Westen nach dem Wehrgang über dem Burggraben und längs der 
Stadt. Derselbe befand sich neben dem Turm in der Giebelwand und führte 
zunächst in einen kleinen Vorhof. Jetzt führt der Weg dorthin durch den 
Turm selbst. Der grosse Hohlpfeiler, welcher diesem später vorgelegt w'orden, 
diente für alle Stockwerke des Palas als Abort. Im Turm lagen die Zugänge dazu. 

Das Erdgeschoss war nicht gewölbt, sondern hatte eine Balkendecke. 
Die Kragsteine für die Mauerlatte derselben sind noch erhalten. Das Ober- 
geschoss reichte gleichfalls bis an den Turm und die Westmauer. Seine 
3 südlichen Fenster sind jetzt vermauert'^) und für eine genauere Untersuchung 
unzugängig. Ihre Kreuzstöcke haben aussen Falze für Läden oder Fensterflügel, 
welche direkt in den Steinfalz schlugen. Es sind zwei grössere Fenster und 
ein kleineres. Letzteres neben dem Kamin, dessen Reste inmitten der Südwand 
sichtbar sind. In den Fensternischen befinden sich je 2 steinerne Seitensitze. 
Alles dies deutet auf Wohnräume. Dieselben hatten ebenfalls Balkendecke, 
Reste eines Fussbodens aus glatten, hellen, scharf gebrannten Thonplatten von 
13 cm im Quadrat sind noch erhalten. In einer der Fensternischen sind noch 



^'\ Der Grundriss bei Lutlinier a. a. 0. zeigt hier vor dem Kellereingang einen An- 
bau, welcher in Wirklichkeit nieht existiert. 

") Bei Luthnier a. a. (). S. 8 und S. 66 fehlt das östliche derselben. 



128 

verkohlte Reste von eingemauerten Latten sichtbar, welche zur Befestigung 
einer hohen, die ganze Nische auskleidenden Holztäfelung dienten.^-) 

Auch in diesem Geschoss gelangte man nach Westen in den Turm zum 
Abort. An der Ostseite befindet sich eine kleine Thür, welche jetzt in den 
dem 17. Jahrhundert angehörigen Verbinduugsbau unter dem massiven Brücken- 
bogen führt, ehemals wohl, wie schon bemerkt, in einen hölzernen Verbindungs- 
srano; zum Wendelstein. 

Die zerstörte IS'ordwand haben wir uns ebenfalls und sogar reichlicher als 
die Südwand, mit Fenstern versehen zu denken, vor allem aber mit dem Haupt- 
eingang zum Palas, zu welchem vom Hofe eine Freitreppe heraufführte. 

Ob die vorhandene Südmauer des Palas-Obergeschosses der Zeit vor dem 
Brande von 1339 oder einer Erneuerung nach demselben angehört, ist nicht er- 
sichtlich. Teilweise dürfte sie 1410 erneuert sein. 

Das Beispiel vieler anderer Burgen, namentlich auch der Martinsburg in 
Mainz, bestimmt mich zu der Annahme, dass mindestens die Hofwand der Ober- 
geschosse aus Fachwerk bestand. Von der Martinsburg, dem erst viel später 
(1478) durch Kurfürst Diether von Isenburg erbauten Schlosse der Erzbischöfe 
in Mainz, wird uns beim Jahre 1481 gemeldet, dass dasselbe durch Verwahr- 
losung des Feuers ein Raub der Flammen geworden und der Bischof kümmerlich 
der Brunst entronnen sei. Er liess dasselbe nach dem Berichte darauf „von 
Steinwerk" aufs neue auferbauen. Dies sowohl, wie der Umstand, dass die 
Flammen es überhaupt so weit verzehren konnten, spricht dafür, dass es vordem 
aus Fach werk bestand. Um wieviel mehr müssen wir ein Gleiches für den 
über 100 Jahre älteren, in mehr kleinstädtischen Verhältnissen errichteten Palas 
zu Eltville annehmen, zumal auch dieser nicht lange nach seinem Entstehen ein 
gleiches Schicksal erfuhr. Unter dem Holzwerk des Holzstalles hat sich noch 
ein eichener Pfosten einer Fachwerkswand erhalten mit den übliclien Zapfen 
und Zapfenlöchern. Bemerkenswert sind daran 2 lange, nach oben und unten 
schräg endigende Zapfenlöcher im Brüstungsteile rechts und links, aus denen 
zu ersehen ist, dass die Brüstungsfache nicht durch Streben irgend welcher 
Form, sondern durch grosse starke Bohlstücke geschlossen waren, welche wahr- 
scheinlich Schnitzerei zeigten. An der Innenfläche sieht man Reste von grauer 
und weisser Farbe. Offenbar gehörte dies Stück einem feineren Fachwerksbau 
der Burg an, ob dem Palas oder dem oberen Stockwerk des Verbindungsbaus 
oder gar dem Nordostflügel, ist nicht mehr festzustellen. Die ganze Anordnung 
der Hofseite des Palas bot allem Anschein nach viel Aehnlichkeit mit derjenigen, 
welche noch jetzt auf der Burg in Limburg an der Lahn besteht und vermutlich 
ebenfalls nach einem Brande im Jahre 1379 entstanden ist (Lotz, Baudenk- 
mäler im Reg. -Bez. Wiesbaden, 297). Eine mächtige massive Freitreppe (s. Abb. 13) 
in gebrochenem Zuge führt über Bögen hinweg zum oberen Podest. Unter 
den Bögen hindurch tritt man in den saalartigen Erdgeschossraum, dessen 
Fenster auch hier hoch über dem abschüssigen Aussenterrain liegen. Die Hof- 



*") Nach P^ssenweiii (Handbuch der Architektur, AVohnbau S. 125) koiiinien der- 
artige Holztäfelungen erst im l'i. Juhrlnmdert in (iehnnicli. 



129 



waud dos Limburgor Vdna ist im Obcrgosolioss Fach werk und war durdi mohrero 
gekuppelte Fenster auch von dieser Seite reichlich mit Liclit verscheu, besonders 
im östlichen Teile (die Orientierung ist die gleiche wie in Eltville) über dem 
Fuss der Treppe, während der westliche Teil, das ]\)dest und der Eingang 
zum Obergeschüss, durch ein übergebautes Schutzdach (die hohe Laube) gedeckt 
war. In allen diesen wesentlichen l'unkten wird der Elt viller Palas mit jenem 
übereingestimmt haben. Aus dem- 
selben können wir daher eine an- 
nähernde Vorstellung gewinnen von 
der Erscheinung der betreffenden 
Teile des Palas zu Eltville, wiewohl 
er sich mit jenem in Limburg in Be- 
zug auf die Dimensionen bei weitem 
nicht messen kann (Abb. lo). Das 
ganze Obergeschoss erscheint jetzt 
als ein einziger Raum ; doch be- 
merkt man deutlich die Spuren von 
Zwischenwänden an der Südmauer, 
so namentlich bei Ä (siehe Grund- 
risse und Längenschnitt). Dicht 
neben dieser Stelle östlich ist etwas 
über dem Boden erhöht eine kleine 
Thür, welche sich auf einen engen, 
kurzen Gang öffnet, der jetzt nur 
durch die Mauerstärke zu verfolgen 
ist, ehedem aber wohl den Körper 
des östlichen der 3 grossen Strebe- 
pfeiler der Südseite schräg durch- 
kreuzte und zu der diesem angelehnten kleinen Wendeltreppe führte und 
mittels dieser einerseits hinab zu den Garteuanlagen des Zwingers, andrerseits 
hinauf zum zweiten (jetzt zerstörten) Obergeschoss. 

Diese Wendeltreppe ist in ihrem untersten Teile nebst der Thür noch 
erhalten. Wenn man dieselbe vom Zwinger aus ersteigt, so findet man nach 
etwa 7^ Windung nordwärts einen Durchgang abgezweigt, welcher sich ab(^r 
als eine Zuthat des 17. Jahrhunderts charakterisiert. Einige weitere Wendelstufeu 
aufwärts zeigen ihren ferneren Verlauf. An ihren Werkstücken bemerkt man eine 
Anzahl verschiedener Steinmetzzeichen, welche uns ermöglichen, wenigstens von 
diesem Teil des Palas annähernd genau die Entstehungszeit festzustellen. Bei 
der Seltenheit solcher bestimmter Anhaltspunkte für die Zeitbestimmung an 
unserer Burg haben wir alle Veranlassung, denselben besondere Beachtung 
zuzuwenden. 

Die hier auftretenden 5 Zeichen tragen sämtlich in ausgesprochener Weise 
den Charakter der spätgotischen Zeit, bei allen dominiert schon die Kückgratlinie, 
während andrerseits die für die Renaissancezeit bezeichnenden Ilakenstriche 
fehlen. (Das Zeichen der oben besprochenen kleineu Spitzbogenthür am Wendel- 

a 




BS-tnV: 



Abb. 13. Burghof zu Limburg a. L. 



130 

stein des Bergfried ist ihnen durchaus verwandt.) Yen den uns überlieferten 
Baudateu kann daher allein das Jahr 1487 in Betracht kommen und müssen 
wir diesen „Schnecken" als unter Berthüld von Henneberg entstanden ansehen. 
Dadurch ist auch, wie gleich noch zu erläutern sein wird, ein Anhalt für die 
Bauzeit der grossen Bogenkonstruktion am Palas gewonnen. Diese 3 grossen 
Segmentbögen aus Backsteinen von 6 X 15 x 30 cm ragen 60 cm vor die 
Flucht des Gebäudes und stützen sich — abgesehen vom Bergfried — auf 
3 Pfeiler^*^), welche nach Massgabe des noch fast ganz erhaltenen mittleren zweimal 
in Schrägen abgesetzt waren. Von dem Profil am zweiten (oberen) Absatz mit 
Wassernase und Kohle ist am mittleren Pfeiler gerade noch ein Stück erhalten, 
eben noch genügend, utii diese Teile danach rekonstruieren zu können. Yen 
diesen Pfeilern ist der westliche äusserlich von besonderer Mächtigkeit, innen 
aber hohl. Wie schon bemerkt, diente er als Abort, für welche Annahme 
— • abgesehen von dem durch die Situation gegebenen Bedarf an dieser Stelle — 
verschiedene analoge Fälle als Beleg dienen.*^) 

Erhalten ist von dein Pfeiler nur noch der obere Teil, welcher jetzt erker- 
artig überhängt, einzig durch die Bindekraft des Mörtels gehalten. An diesem 
hat es daher sicher nicht gelegen, dass sein unterer Teil weggestürzt ist, viel- 
mehr daran, dass er nachträglich und in Eile dem Palas und dem südwestlichen 
Rundturm angebaut worden und bei oberflächlicher Fundanientierung und 
mangelhaft hergestelltem Yerband mit dem Hauptkörper wahrscheinlich durch 
die Art seiner Benutzung und Hochwasser an seinem Fusse geschädigt worden. 
Diese inneren Gründe waren es angenscheinlich, die seinen Unterteil so zu Fall 
gebracht, nicht der Brand von 1634. Der nicht ursprüngliche Yerband und 
der in der HiUiluug des Pfeilers sichtbare, durchlaufende Bogenfries des Turmes 
dahinter beweisen unzweifelhaft die spätere Anfügung der ganzen Konstruktion. 
Auch der östliche Pfeiler ist aus den gleichen Gründen eingestürzt und 
zwar bis dicht an den Kämpfer der Bögen, welch letztere aber unterwärts 
unversehrt sind. Für seinen oberen Teil mag nun gerade jene innere Durch- 
brechung mittels eines Yerbindungsganges nach der Wendeltreppe verhängnisvoll 
geworden sein ; dass er aber bis zum Grunde herab niedergestürzt ist, während 
die Treppe zum Teil stehen blieb, ist Beweis genug, dass die Treppe besseres 
Fundament hatte und er auch mit dieser nicht in einem Gusse gebaut, sondern 
letztere ihm nachträglich angefügt worden. Dies geht auch daraus hervor, dass 
der Bogen völlig intakt geblieben und keine Spur einer Yerbindung mit dem 
Treppenturm zeigt, obwohl derselbe bis zu ihm herauf reichte. Wir kommen 
also betreffs der P>ogenkonstruktion auf eine Bauperiode, welche der Bertholds 
voranging. Nach den auf uns gekommenen Nachrichten von Bauunternehmungen 
kann dies nur das Jahr 1410 gewesen sein, in welchem, wie wir sahen, Erz- 
bischof Johann IL sein opus somptuosum errichtete. 

Die ganze gewaltig wirkende Bogenkonstruktion konnte in dieser Höhe 
des allerdings wenig tiefen AVohngebäudes nicht den Zweck haben, etwa die 

") Lotz a. tt. O. spricht irrtümlich von IvragHteiuon, auf welchem die Stichbögen ruhen. 

^') So beispielsweise auf der Salzburg bei Neustadt a. d. S. (siehe Ebhardt, Die 

deutschen Burgen), namentlich aber IJurg Sargaiis bei Ragatz in St. Gallen (Denkmalspflege III. 90). 



131 

Räunu! des zweiten Obergeschosses zu erbreitcrn. Man hätte (huni ohne Zweifel 
auch schon das erste Obergoschoss erbreitert oder lieber gleich von unten auf 
neu gebaut. Es konnte sich, wie bereits erläutert, nur um nachträgliche Anlage 
eines Wehrgangs handeln. Derselbe war höchst wahrscheinlich überdacht, da 
er gleichzeitig ein stark benutzter Verbindungsgang war. In diesem Falle lehnte 
sich sein Dach gegen die Südmauer des 2. Obei-geschosses'''), welches den Saal 
enthielt, der gleichzeitig als Kapelle diente. 

Die grossen Segmentbögen selbst bestehen sämtlich noch, obwohl die 
Pfeiler zum Teil fehlen. Dies hat seinen Grund hauptsächlich darin, dass 
dieselben ziemlich weit in die Palasmauer eingreifen, wie man bei dem kleinen 
Fenster neben dem Kamin im Innern sehen kann. Die dünne Schale des Ge- 
wölbes der tiefen Fensternische ist hier weggestürzt und dicht darüber erscheint 
der eingreifende Teil des westlichen grossen Segmentbogens (s. den Längsschnitt 
Taf. VI). Hieraus erhellt, dass diese Teile des Palas bei dem damaligen ein- 
greifenden Umbau stark in Mitleidenschaft gezogen worden, selbstredend ebenso 
der Saal im zweiten Obergeschoss, falls er nicht etwa zu dieser Zeit ganz um- 
gebaut oder gar neu entstanden ist. Aus der Ruine selbst sind hierfür keine 
Anzeichen mehr zu gewinnen, da dieser Teil gänzlich zerstört ist. 

3. Der nordöstliche Flügel 
der Burg, welcher sich nördlich an den Bergfried schliesst, erscheint in einzelnen 
Teilen mehrfach umgebaut, besonders das Obergeschoss und bietet ausser den 
Jahreszahlen an seinen Kellerfenstern im Graben, einigen Thürgestellen mit 
gotisierendem Renaissanceprofil und ein paar älteren Abortanlagen wenig Inter- 
essantes. Sein Obergeschoss war vom Treppenturm des Bergfried direkt zu- 
gängig. Ob der Korridor desselben, auf welchen die betreffende Thür jetzt 
mündet, ursprüngliche Anlage ist, erscheint mindestens zweifelhaft. 

In der Vogelperspektive (s. Taf. IX) ist das Obergeschoss in Fachwerk rekon- 
struiert, wofür indessen, wie zugegeben werden muss, be- 
stimmte Anhaltspunkte fehlen, es sei denn der Umstand, dass gerade 
die Hofmauer des Obergeschosses im 17. Jahrhundert ganz erneuert erscheint. 
Die geradarmige Treppe ungefähr in der Mitte des Flügels hat Sandsteinstufen 
und ist im Renaissance-Charakter gewölbt. Der Vorplatz zeigt eine Stuckdecke 
derselben Art, wie die im zweiten Obergeschoss des Bergfried (17. Jahrhundert). 
Es ist nicht anzunehmen, dass der Flügel bereits von Erbauung der Burg an 
seine jetzige Länge gehabt habe. Im Grundriss der Burg ist eiupunktiert, wie 
vielleicht der Zwinger auch hier an der Ostseite ursprünglich das Burgviereck 
umzogen hat. 

4. Der West f lüg el 
der Burg lehnte sich an die westliche Ringmauer und war einstöckig, wie noch 
jetzt. Doch rührt die jetzige Vordermauer und das Dach von der Renovation 



*^) Man vergleiche die ähnliche Anordnung im Schlosse Pierrefonds bei Paris (Vi olle t 
le Duc, Dict.de l'Arch. VIII 86 tt'.), wo ebenfalls die Jiiissere Mauer des Saalbauos erhalten 
war, während die Hofseite von Viollet ergänzt ist. 

9* 



Vd-2 

im 17. Jahrliuudei't her. Die ursprüngliche würde durch Nachgrabung leicht 
nachzuweisen sein. Der frühere Bau hatte mehr Tiefe und reichte demnach 
weiter in den Hof herein. Die Ringmauer ist an ihrem Haupte auch auf der 
Hofseite durch einen Rundbogenfries verstärkt, um dem Wehrgange genügende 
Breite zu bieten. Nachträglich sind, weil man wohl für die Stabilität der 
Mauer fürchtete, unter jedem zweiten Kragsteine schmale Pfeilerchen auf- 
gemauert, vermutlich zur Zeit, als man den Raum darunter wölbte. Dies geschah 
wahrscheinlich unter Berthold von Henneberg. Der Beweis für diese Wölbung ist 
gegeben durch eine Anzahl Kappenanfänger in schlichter Spitzform (Abb. 5 [^]), 
die an roten Sandsteinquadern angearbeitet sind. "') Diese setzte man damals 
in die Mauern ein, wo sie — ausser au der Vordermauer — zum Teil noch 
erhalten sind, in genügender Zahl und so verteilt, dass es möglich war, das 
ganze Gewölbesystem danach im Grundriss zu rekonstruieren. Es waren demnach 
2 Reihen von je 7 Jochen. Yon einer Einbindung der Kappen in die Wände 
ist nichts zu sehen — Beleg dafür, dass die Einwölbung nachträglich ausgeführt 
worden, Als Stützen zwischen den 2 Jochreihen haben wir uns entsprechend 
den einfachen Gewölbeanfängern schlichte Rundpfeiler zu denken, deren Kopf 
ähnliche Anfänger nach allen Seiten bildete. Ein Sockel eines dieser 6 Pfeiler 
hat sich offenbar in der etwa 40 cm im Durchmesser haltenden, an der Ober- 
kante abgefasten Sandsteintrommel erhalten, welche jetzt einem Pfosten des 
Holzstalles als Unterlagsstein dient. 

Was die ehemalige Bestimmung des Baues anbetrifft, so können wir wohl 
mit Sicherheit annehmen, dass es das Kelterhaus war, während es jetzt zu 
Ställen verschiedener Art eingerichtet ist. 

Yielleicht war ein Teil des Baues nächst dem Palas mit Terrasse gedeckt, 
welche dann gleichzeitig der Freitreppe des Palas zum Podest diente — so ist 
wenigstens in dem rekonstruierten Grundriss der Burg (Abb. 4) angenommen. 
Sollte das Kelterhaus, wie jetzt die Ställe dortselbst, mit einem Pultdach gedeckt 
gewesen sein, so wäre die Freitreppe entsprechend etwas nach Osten verschoben 
anzunehmen. 

5. Graben und Zwinger. 

Bei Burganlagen der Niederung sind die Gräben von besonderer Bedeutung 
und Wichtigkeit. Von dem ca. 20 m breiten ausgemauerten Graben unserer 
Burg sind der westliche und nördli(!he Zug zwar einige Meter hoch ausgefüllt, 
aber sonst noch gut erhalten, während der östliche (zumeist wohl erst in neuester 
Zeit) teilweise ausgeebnet ist und von Ausmauerung der Wandungen nichts 
mehr erkennen lässt. Er bildete hier gleichzeitig den Anfang des Stadtgrabens 
und sein einstiges Vorhandensein ist sowohl hierdurch als auch durch die Reste 
der Abschlussmauer am Rh(nn bewiesen. Diese zweigte am östlichen Ende des 
Südzwingers ab, war mit Wehrgang versehen und einer Einlassöffnung für das 
Wasser des Rheins. Die Art ihres östlichen Abschlusses ist leider ohne Nach- 
grabung nicht m(dir festzustellen. Dass in diesem Teil eine Abzweigung des 



•"') Die nordwestliche Ecke dieses Flügels ist im Innern einfach rechtwinkelig, nicht so wie 
im Grundriss bei L u i li m o r u. a. O. S. 6G, wo der Polygonpfeiler dortselbst liolil gezeichnet ist. 



1 



Vd 



ms. 



Sülzbaches iiiüiKleto, nachdoiii er den StadtgTubcn läni^'s dci- Ostseitc gespeist 
hatte, ist wühl mit Sicherheit anzunehmen. Der weitere Verlauf des Burg- 
grabens zum nördlichen Teil ist jetzt durch den weit in den Graben vor- 
geschobenen Nordostflügel stark eingeengt. Er durchbricht hier dit; ehemalige 
Stadtmauer mittels Durchlass. Hinter demselben durchquei-t ihn dann die von 
der Stadt, resp. der Vorburg auf das nördliche iJurgthoi' hin fühi-(;nde massive 
Brücke, welclie wohl im Jahre ^, 

1396 teilweise erneuert worden 
ist.^') Zwischen zwei im Gra- 
ben stehende Pfeiler und das 
nördliche Ufer spannen sich 
zwei Spitzbögen. Am Südufer 
vor dem Thorzwdnger blieb eine 
Lücke für eine hölzerne üeber- 
brückung, deren Konstruktion 
nicht mehr näher festzustellen 
ist. Doch dürfen wir wohl an 
dieser Stelle mit grösster Wahr- 
scheinlichkeit eine Zugbrücke 
annehmen. Der nördliche und 
westliche Graben ist ursprüng- 
lich mit Bruchsteinen ausge- 
mauert gewesen und mit eben- 
solchen geböschten Strebepfei- 
lern versehen. Einige Teile der 
Mauer, so namentlich am west- 
lichen Zwinger, sind später (im 
15. Jahrhundert) mit Backstein 
erneuert, auch eine Anzahl Strebe- 
pfeiler aus diesem Material hin- 
zugefügt (am westlichen und 
nördlichen Zwinger). Das Süd- 
ende des westlichen Grabens ist 
gegen den Rhein abgesperrtdurch 
eine Mauer, welche ursprünglich 
ganz nach Art der Stadtmauer, 
deren Fortsetzung sie einst war, 







mit Bögen auf Verstärkungs- 
pfcilern^") auf der Innenseite 



Abb. U. Wehrgang über den Burggrahen. 

Ansicht von Westen (jetziger Zustanil). 



"j Dass die Brücke im Juliro 1:51)6 dun 10. August, als der Krzblscliot' Conrad von 
Mainz mit demjenigen von Köln und anderen hohen Gästen dieselbe passieren wollte, ein- 
stürzte und — abgesehen von über 40 Verwundungen — zwei Menschenleben vorn ich tot 
wurden, ersehen wir aus einer detaillierten Nachricht des Chronicon Moguntinum (i.atciniscim 
Handschrift No. 24163 der Münehencr Hof- und Staatsbibliothek). Siehe Hegel, (.'hronikon 
Von Mainz, II. S. 131, 142 u. 227. 

*^) Bei Luthnier a. a. 0. S. 66, im Grundriss fehlen dieselben. 



134 

errichtet war, welche jedoch später iu der Weise verändert wurde, dass man die 
Bögen abbrach, die Pfeiler erhöhte und einen überdeckten hölzernen Wehrgang 
(Laube) darüber hin führte (Abb. 14), wobei die Zinnenfenster vermauert wurden. 
Im östlichen der drei Bogenf eider (die jetzige Thür im mittleren ist modern) befand 
sich der Auslass des Grabens, wovon noch ein starker, gezimmerter, stehender Rost 
Zeugnis gibt. Derselbe sollte jedenfalls der Abschlussmauer mehr Widerstands- 
fähigkeit verleihen gegen den Druck des im Graben aufgestauten Wassers und 
enthielt wohl eine Führung für die Schleusenthür. Jetzt ist er halb verschüttet. 
Andrerseits hielt man offenbar diese Mauer und das Ende des Grabens für 
besonders gefährdet durch den etwa hier eindringenden Feind; denn — und 
damit kommen wir zur Besprechung des Zwingers — man wendete zunächst 
dessen Brustwehr bis auf die Mitte seiner westlichen Länge in schräger Linie 
dem Eindringling zu und verstärkte ausserdem auf diese Strecke die Verteidigungs- 
vorrichtungen durch einen mittels Backstein-Stichbögen zwischen doppelten 
Konsolsteinen ausgekragten Vorbau, dessen Oberteil allerdings nicht mehr vor- 
handen ist und vermutlich nur in Holz konstruiert war (siehe die Vogelschau). 
Da dieser etwas unterhalb der Zwingermauer hinlief, so konnte hier — den 
Wehrgang auf der Ringmauer eingerechnet — eine dreifache Reihe von Ver- 
teidigern über- und hintereinander Aufstellung finden. 

Am Ende des Zwingers stand hier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
noch ein kleines Häuschen, welches ihn von dem kleinen Vorhofe am süd- 
westlichen Rundturm trennte, vielleicht das Backhaus. Ebenso schloss diesen 
Zwinger am anderen Ende gegen den Vorhof am Js'ordthor ein Häuschen ab, 
in welchem ich die „Alrause" zu erkennen glaube. Auf der anderen Seite des 
Nordthors stand ein drittes noch kleineres Häuschen an die Ringmauer gelehnt, 
vermutlich das des Pförtners. Nur die Spur seines Daches im Putze zeugt von 
seiner Existenz. Das Thor ist mit einfacher, aber breiter Kehle profiliert. 
Ueber demselben, sowie auch weiterhin nächst dem Polygonpfeiler an der 
Xordwestecke sind noch Reste von Kragsteinen sichtbar, welche auch hier auf 
einen Wehrgang über dem Thor, vielleicht auf ein Ueberzimmer schliessen lassen. 

Gegenüber der Almuse durchkreuzt der Ostflügel den Zwinger. Von 
dessen sehr wahrscheinlicher Fortsetzung auf der Ostseite desselben (siehe den 
Grundriss der Burg) ist nichts mehr über Terrain erhalten. Erst vor dem 
Ostthor sieht man ausser den Maueransätzen rechts und links neben demselben 
einen Eckpfeilerstumpf, welcher es ermöglicht, den Umfang des Thorzwingers 
festzustellen. Das Ostthor ist mit doppelter Kehle profiliert, über ihm befand 
sich ein Erker zu seiner Verteidigung, welche übrigens auch von dem gerade 
zu diesem Zwecke dicht neben dem Thorc errichteten Bergfried in wirksamster 
Weise bewerkstelligt werden konnte. Derselbe beherrschte überhaupt den 
ganzen Osten und Süden der Burg, besonders aber den grossen sich im Süden 
weithin dehnenden Zwinger, Avelchcr die ganze Breite zwischen der Burg und 
dem Bergfried einnimmt. Dieser liegt nur etwa 4 m tiefer als der Burghof. 
Seine zinnenbekrönten Mauern sind zum grössten Teile noch erhalten^'^) ; ebenso 



^^) Im Grundriss bei Luthraer a. a. S. 66 ist die üstlicho Hälfte der Zwingcrniauer 
in unbegrciflieher Weise plötzlich um ca. 5 ra nach Süden verschoben. 



135 



zwei Ecktüriiiclicn an den beiden Enden der Südmauer. Das westliche derselben 
ist über der abgerundeten Mauerecke in eigenartiger Weise ausgekragt'") 
(xVbb. 15), der östliche rund vom Grunde heraufgeniauert. Dicht neben diesem 
o-cn Westen sind in der Mauer 5 Fensterstöcke, welche allerdings wohl nicht 
ursprünglich sind und vermut- 

^3 



lieh einem Wachthause für die 
Burgmaunschaf't angehörthaben. 




Die Zinnen der Burg haben im 
allgemeinen eine Breite von 2 m, 
während die Lücken 80 cm 
Breite''^) und die Brustwehr 
ebensoviel Höhe hat. Bei den 
Zinnen gingen ursprünglich die 
Vorder- und Hinterflächen der 
Wimperge mit einfachem Knick, 
d. h. ohne Kantenprofil in die 
Abwässerungsschräge über. Im 
15. Jahrhundert werden sie dann 
am Rande mit vortretenden 
Backsteinkanten umsäumt; jede 
zweite hat, wie allgemein üblich 
war, eine mittlere Schiessscharte, 
die sich nach innen erweitert. 
Aussen an der südlichen und 
westlichen Mauer des grossen 
Zwingers, d. h. also da, wo der 
Rhein einst ihren Fuss bespülte, 
sieht man in langen Reihen _ "• ' 

mehrfach übereinander vier- 
eckige Löcher ausgespart, welche gerade hier und zumal in Verbindung mit 
anderen Spuren den Gedanken an Hourden nahe legen. Bei genauer Untersuchung 
erweisen sich indessen die Löcher doch als von Rüsthölzern herrührend, 
welche beim Ausführen der Mauer selbst benötigt wurden und offen blieben. 
Es ist indessen nicht ausgeschlossen, dass sie gelegentlich auch einmal für 
Ueberzimmer irgend welcher Art benutzt wurden, wie beispielweise in der 
Vogelschau (s. Taf. IX) ein solches angenommen an der Stelle, wo in späterer 
Zeit das Wachthaus auf die Zinnen gebaut worden.-'-) 



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50) Die Abbildung in Piper, Buvgenkunde (grosse Ausgabe) zeigt dasselbe von unten 
heraufgebaut, auch bei Luthmer a. a. O. ist dasselbe im Grundriss unrichtig gezeichnet, au<-.h 
fehlt die längs der Westmaucr zu ihm hinauttuhrende Treppe. Die Fig. 50, auf welche ver- 
wiesen ist, giebt diese Ecke nicht deutlich, die Verhältnisse des Bergfried daselbst sind 

verunglückt. 

51) Bei Luthmer a. a. S. 66 zeigen die Mauern des unteren südlichen Zwingers wohl 

2 mal so viel Zinnen als vorhanden sind. 

. 52) z„ diesem Zwecke waren doch auch wohl die 2 Zimraerknechte und 25 Stamm eichen 
und tannen Holz „von Nöthen", welche in der Liste von 1525 angeführt sind (siehe oben ?. 116). 



VMi 



IV. Das Hausrats-Verzeichnis und die Räume. 

Wenn wir so die Geschichte und ein Bild der äusseren Erscheinunü' der 
Burg vor unserem geistigen Auge haben erstehen hissen, so wächst damit das 
Yerhmgen in das Innere hineinzuschauen, zu sehen, wie der Burgherr wohnte, 
wo die grosse Zahl seiner Angestellten hauste, wo man sich zum Gottesdienst 
und wo zu festlichen Freuden versammelte. 

Yon den intimeren Gegenständen der Einrichtung ist uns nur bei wenigen 
Burgen aus dem Mittelalter etwas erhalten. Als einen sehr glücklichen Umstand 
müssen wir es daher begrüssen, dass der Zufall uns für unsere Burg wenigstens 
ein Verzeichnis der Räume sowohl, wie des beweglichen Hausrats darin erhalten 
hat. Es hilft uns manche Frage beantworten, welche die Euine uns aufgiebt; 
es dient als untrüglicher Prüfstein für die Details der Rekonstruktion, ja es 
führt uns gewissermassen als Cicerone oder Kastellan durch alle Zimmer und 
Kammern, durch Saal und Kapelle und gestattet den neugierigen Kinderaugen 
der Phantasie einen Einblick selbst in die intimsten Winkel. 

Das Verzeichnis stammt aus dem Jahre 1465 und ist uns in den Mainzer 
Ingrossaturbüchern des Würzburger Kreisarchivs erhalten.''-'') Es beginnt mit 
folgender Einführung : 

„Anno domini millesimo quadringentesimo sexagesimo quinto uf dieustag 
nach Calixti (15. Oktober) ist dieser hernach geschrieben husreit und anders 
mir, Herwico, uberantwort worden vonn myns gnedigen heru wegen von Mentz 
in der Kellerye zu Eltville. " 

Herwicus hiess also der damalige Keller (Verwalter), w'elcher in der Urkunde 
dem Landschreiber als Vorgesetztem den angeführten Bestand bescheinigt. 

Wir befinden uns in einer Zeit, da die Burg noch häufig und gern von ihren 
Besitzern zum Aufenthalte benutzt wurde. Kurfürst Adolph von Nassau war 
es, welcher erst noch 4 Jahre zuvor während der Fehde mit den Mainzer 
Bürgern sich in die Eltviller Burg zurückgezogen hatte, welche stets sein 
Lieblingssitz blieb. Die Martinsburg in Mainz konnte ihm noch keinen Schutz 
gewähren, da sie erst 13 Jahre später, eben in weiterer Folge dieser Ereignisse, 
erbaut wurde. 

Ein stattlicher Haushalt war es, den der Kurfürst dort führte und eine 
ganze Reihe von Zimmern war nötig, um die Schar der Beamten zu beherbergen. 

Dieselben waren hauptsächlich in dem geräumigen Nordostflügel unter- 
gebracht. 

Hier haben wir die Kammer dos Schlossverwalters zu suchen, des soge- 
nannten Kellers, auch die des Snyders, des Kochs, dos Cappellans, des Spisers, 
des Schenken, des Hofmeisters, des^Küchenmeisters und dos Benders ; ferner die 
Silberkammer und die Kanzley. Bei der Grösse des Hofhaltes und dem zahl- 
reichen Personal ist es nicht zu verwundern, dass der Raum knapp war und 
jeder der Angestellten, auch selbst die höheren Beamten, nur eine Kammer 
zur Wohnung hatte. Als Ersatz für weitere Zimmer diente ihnen allen 



53 



) Veröfientliclit ist os in: Juns>sen, Fmnkfurts lleicli^korrespondenz II. oH'3. 



i:5 



) i 



genioinscim das Stubchiu, ein Zininicr für gusolligo Zu.sHiiiiiieiikuiift und Kr- 
frischung. Es lag nobcn des Kellers Kammer und war für den Ausschank von 
Getränken eingerichtet, denn es enthielt: 2 gross messiug becken, item 2 klein 
messiug becken, item 2 groish geish fash mit roren, item ein wyth gysh fash, 
alles messing; item eyn Zyunen gyshfash; item eyn klein messing luchter; item 
eyu schribdisch, zwo saltzkann. — Alle diese Juiume sind, wie gesagt, in dem 
Nordostflügel zu suchen, da es wohl ausser Zweifel steht, dass der Südtlügel 
am Khein für die Wohnung des Erzbischofs reserviert war. 

Ausser den oben angeführten Räumen sind nun in unserem Dokument 
an Wohnräumen ferner genannt: 1. myner heim Camer tzum dhum (Domherren- 
kammer) im thoru und 2. die graffen kammer. Von diesen ist die Lage des 
1. durch den Zusatz: „im thorn" genügend bestimmt. Es kann nur der Bergfried 
in Betracht kommen, da weiter kein bewohnbarer Turm existierte. Da bei 
diesem Kaum im Verzeichnis ein „Brantreit", d. h. ein Eisengestell für die 
Holzscheite nicht genannt ist, so war dasselbe eines der beiden oberen nicht 
mit Kamin versehenen Zimmer im Bergfried. Ein solcher „Brantreit" ist dagegen 
bei der Grafonkammer verzeichnet und wir sehen hieraus in Verbindunir mit 
der Reihenfolge, in welcher die Räume angeführt sind, dass die Grafenkammer 
das grosse Gemach im ersten Obergeschoss war, mit dem mächtigen Sandstein - 
kamin. Das Zimmer ist der bestausgestattete Raum des Bergfried; auser dem 
stattlichen Kamin mit noch 2 reich verzierten Wandschränken aus rotem 
Sandstein und einem besonderen Abort an der Nordostecke versehen. Befremdend 
ist zwar zunächst die Bezeichnung des Raumes als Grafenkammer. Forschen 
wir aber den Ereignissen jener Zeit am Hofe Adolfs H. nach, so finden wir, dass 
derselbe gerade im Jahre unseres Dokuments 1465 den jungen, erst 17 jährigen 
Grafen Heinrich von Württemberg zu seinem Coadjutor ernannt und ihm die 
weltliche Regierung des Erzstifts übertragen hatte. Nach ihm hat die Grafen - 
kammer damals ohne Zweifel ihren Namen erhalten, weil ihm zeitweilig der 
Raum zur Wohnung gedient haben wird. Eine andere Erklärung für die in Rede 
stehende Bezeichnung wäre daraus herzuleiten, dass, wie wir sahen, Graf Gerlach 
von Nassau die besonders aufwendige Einrichtung des Raumes geschaffen hat. 

Noch bleibt uns zur Verteilung der weiteren Räume der zum grossen Teil 
zerstörte Südflügel übrig, welcher jetzt als Holzstall dient. Das Erdgeschoss 
desselben ist ein niederer, ziemlich dunkler Raum, der wahrscheinlich der 
Besatzungsmannschaft vorübergehend zum Aufenthalt diente und zur Auf- 
bewahrung von Waffenvorräteu verwendet wurde. 

Das erste Obergeschoss konnten wir bereits aus seinen Fenstern mit 
Steinsitzen und seinem Kamin als Wohngeschoss feststellen. War nun schon 
von vornherein anzunehmen, dass die Gemächer des Erzbischofs in diesem 
südlichen Flügel des Schlosses lagen, welcher sich doch wegen seiner freien 
sonnigen Lage mit der Aussicht auf den Rhein und wegen seiner Absonderung 
von dem Beamtenflügel dafür am besten eignete, so finden wir dies auch durch 
die Angaben unseres Hausrats-Verzeichuisses insofern bestätigt, als die vor- 
nehipsten Räume des Bergfried, die ja eventuell hierfür in Betracht kommen 
könnten, als anderweitig in Anspruch genommen erscheinen. 



138 



Der Raum (l(?s ersten Obero-escliosses des Palas hat nun die für ein Wohn- 



•^o 



gemach allerdings bedenkliche Länge von 18 m bei 5 m Breite und wir müssen 
uns denselben selbstverständlich mehrmals geteilt denken. Für eine solche 
Teilung bietet uns nun das Hausrats-Verzeichnis einen hiJchst willkommenen 
Anhalt. Wir finden nämlich in 3 Fällen und zwar bei der Grafenkammer, 
bei myns gnedigen hern Kammer und in der Snyderkammer Unterabteilungen 
angeführt unter dem Namen „Kruppell", einem Ausdruck, für dessen Anwendung 
ich sonst keine Beispiele finden konnte. In den beiden ersteren Iläumen 
befinden sich in dem Kruppell ausser den üblichen Betten ein brantreit, das 
bedeutet also einen Kamin und — wohl zu beachten! — ■ ein schribe-disch. 
Es sind dies beiläufig die beiden einzigen Tische ausser dem im sogen. Stobehin, 
welche genannt werden. Daraus folgt, dass wir uns unter dem Kruppell das 
eigentliche Wohn- und Arbeitszimmer zu denken haben, einmal für den jungen 
Grafen Heinrich von Württemberg, das auderemal für den Erzbischof selbst. 

Die hiermit zunächst erwiesene Teilung ergibt sich am natürlichsten im 
Grundriss und Längenschnitt (Taf. VH bei J.), wo die Spur einer solchen noch 
heute sichtbar ist. Aus der Lage des Kamins ergibt sich, dass der kleinere 
östliche Teil als Schlafzimmer diente, der anschliessende grössere aber als 
Wohnzimmer oder Kruppell, mit Kamin und 3 Fenstern nach dem Rhein. •'^) 

Den Zugang zu diesen Räumen müssen wir uns, wie oben bereits bemerkt 
und wie bei fast allen Palasbauten üblich, auch hier vom Burghofe aus denken, 
auf stattlicher Freitreppe, welche allerdings vielleicht eine hölzerne war. 
Es ist nun höchst wahrscheinlich, dass dieselbe nicht direkt ins Wohnzimmer 
des Kurfürsten führte, vielmehr zunächst in einen Vorraum. xVbgesehen nun 
davon, dass wir nach Abtrennung des Schlafgemachs immer noch einen Raum 
mit der bedeutenden Länge von etwa 14 m übrig haben, was wahrlich für ein 
Wohnzimmer etwas reichlich ist, so zeigt in der That der westliche Teil desselben 
einen Zustand, welcher — selbst in jener Zeit — für das Wohnzimmer eines 
Erzbischofs unmöglich war. Es tritt ja hier der runde Turm viertelkreisförmig 
in den Raum und es läuft sogar, wie wir schon sahen, der Bogenfries auf 
Kragsteinen an dieser Innenseite der Mauer und am Turm herum, mitten in der 
Höhe des Obergeschosses. 

Das hätte man denn doch innerhalb eines Zimmers nicht gelitten und 
nicht belassen. Am Turm selbst hat man den Vorsprung des oberen Teiles 
durch Vormauern im unteren ausgeglichen, aber an den Ringmauern dauerte 
der .Missstand fort. Wir müssen daher hier einen Vorplatz annehmen. Von 
ihm aus gelangte man über ein paar Stufen der Wendeltreppe eben dieses 
Turmes zum Abort in dem hohlen Strebepfeiler der Südfront. Auf diese Weise 



*') Vi oll et h; Duc sagt in soinem Düit. du Mobilier 1. 350 über derartige Ziniinor- 
tciluiigen: Les distributioiis interieures des chäteaux etaieiit largcs et ne rossemblaient guere a 
nos apparternents. Les bätimeiits, simples en epaisseur, ne conteaaient souvent qu'une suite 
de g-randes salles avec quelques dögageriieuts secrets. On suppieait h co delaut de distribution 
par des divisions obtenues au moyen de tapisseries teiulues sur des huisseries, ou par des 
sortes d'alcijvos drapees qu'on appclait des clotets, des eperviers ou espovriors des pavillons 
(„interclusoriu" dans les anoicns textes iatins). 



1 :]9 

orliält das Wolinziinniur des Erzbiscliofs, d(;r Kruppoll, durchaus aii,i;(^)i('linic 
Verliältnissc und eine syinnietriscJie Auoiduuiig mit jo oinoiii Fenster zu Ixuden 
Seiten, eine Symmetrie, welche nur durch das l<leine gekuppelte Fenster un- 
mittelbar rechts neben dem Kamin gestört wurde, doch kam dies Moment für 
das Mittelalter wenig in Betracht. Dies Fensterchen Avar offenbar absichtlich 
gerade hier angelegt, um die Wärme und den Ausblick gleichzeitig gcmiesseu 
zu können, wie man es ja in England noch heute liebt, Uebrigens werden 
auch auf der Hofseite Fenster nicht gefehlt haben. Namentlich das Schlaf- 
zimmer empfing sein Licht vom Hofe her. 

Die Ausstattung der Zimmer wird eine durchaus wohnliche, wiewohl nicht 
opulente gewesen sein. Ausser den festen Sitzen in den tiefen Fensternischen, 
welche mit Kissen belegt, und an der Wand mit ruckduchern versehen wurden, 
waren an Mobiliar in dem Kruppeil: Der Schreibtisch und zwei Kuhebetten, 
schliesslich zwei brantreiten und „eyu rechysen zum füre gehörig". Ob die 
Teilungen der Eäume hier durchweg in Fachwerk oder leichten Holzwänden 
oder stellenweise nur in Y erhängen bestanden, bleibe dahingestellt. Letzteres 
war jedenfalls sonst nichts Seltenes und wir erfahren ja auch hier beim Baue 
der Burg, dass der Burgherr von einem Mainzer Kaufmann (quidam gallico in 
Moguntia) Tapeten kauft, d. h. also nach späterem Sprachgebrauch Gobelins 
oder Arazzi. Auch die Spuren einer hölzernen Täfelung finden sich, wie wir 
gesehen haben, in einer der Fensternischen. 

Von Beleuchtungskörpern vernehmen wir nichts — abgesehen von einem 
kleinen Messingleuchter im Stobehin und ,,2 tzynnen luchtern" in der Kapelle, 

Schränke gab es nirgends ausser den 3 Wandschränkchen im Bergfried 
und „eyner kystenn" in der Snyderkammer, welche dort als Wäscheschrank diente. 

Auch Stühle werden gar nicht genannt, nichtsdestoweniger zahlreiche Stuhl- 
kissen, in dem Kruppell der Grafeukammer allein 11 Stück, Wir müssen 
uns diese daher als Sitzkissen vorstellen, welche als Stühle dienten. ^■'^) 

Was nun speziell die Schlafzimmereinrichtungen anbetrifft, so hatte ausser 
dem Kurfürsten nur noch der Küchenmeister eine Bettlade. Betten sind dagegen 
zahlreich aufgezählt, in fast allen Räumen, sogar in der kantzeley und in der 
Silberkammer; sie fehlen uur in der Küche, der Kapelle, dem Stobehin und 
der Bottelii. Wir ersehen daraus, dass dies alles eine Art von Ruhebetten 
waren, welche zwar zur Nachtruhe dienten, aber tagsüber auch zum Sitzen 
gebraucht wurden, wie dies im Mittelalter allgemein üblich war. 

Als letzte Frage in Bezug auf den Palasbau bleibt uns jetzt noch die 
Lage des Saales und der Kapelle. Abgesehen davon, dass von einem besonderen 
Kapellenbau im Bereich der ]3urg nirgends eine Spur zu finden, noch Kunde 
auf uns gekommen ist, führt uns hingegen unser Hausrats-Yerzeichuis niclit 
nur einen Kapellan lesp. dessen Kammer, sondern auch eine Kapelle an und 



^^) Zur weiteren Erläuterung dieses Gegenstandes möchte ich eine Stelle aus VioUct 
le Duo anführen ( Dict. du Mobilier 359), worin er sagt: Der so alte Gebrauch, sii^h auf die 
Erde niederzulassen, erhielt sich ungeachtet der vielen verschiedenen ^itzmöbel, und zahlreiche 
Kissen, Pelzwerk, kleine Teppiche waren zu diesem Zwecke iu den Räumen verteilt. 



140 

zwar diese in engster VerLindung mit dem Saal, so dass wir beide als einen 
Raum ansehen müssen. 

Dies erleichtert uns wesentlich die Feststellung- der Lage beider. Nach 
allem Vorangegangenen bleibt dafür nur das zweite Obergeschoss des Palas 
übrig, auf welches ja ohnedies alle Analogien hindeuten, was den Saal anbetrifft. 
Es ist dies nun gerade der Teil der Burg, welcher gänzlich zerstört ist. Für 
den Nachweis, dass ein zweites Obergeschoss hier bestand, brauchen wir nicht 
zu den älteren Abbildungen der Karte von 1573 im Königl. Staatsarchiv zu 
Wiesbaden und bei Dil ich (Hessische Chronik) von 1605 unsere Zuflucht zu 
nehmen; es geht dies aus den Ruinen selbst hervor. Erinnern wir uns nur, 
dass sich in dieser Höhe erst die mächtigen Stichbögen der Südfront befinden ! Für 
einen Wehrgaug überm Hauptgesims brauchte man diese gewaltigen Substruktionen 
nicht aufzubauen. Auf Kosten des Daches hätte man denselben leicht gewinnen 
können. Dass man ihn aber mit so viel Mühe vor die Flucht des Palas rückte, 
beweist, dass hier ein Raum lag, von dem man nichts missen wollte. Ferner 
zeigen sich in dem Treppenturm am Bergfried Thüröffnungen, nicht nur in 
diesem Stock, sondern noch darüber im nächsten und übernächsten. Die mittlere 
derselben ist die einzige Spitzbogenthür mit reich profiliertem Gewände im 
ganzen Schloss. Daraus ist einmal zu entnehmen, dass hier zwischen Bergfried 
und Palas ein mehrstöckiger Verbinduugsbau bestand, welcher, wie wir sahen, 
hoch über Terrain auf einem Brückenbogen ruhte — aus der bevorzugten Spitz- 
bogenthür aber, dass dieselbe nicht nur nach dem kleinen ganz unbedeutenden 
Kämmerchen dieses Verbindungsbaues, sondern zu einem Räume von hervor- 
ragender Bedeutung führte. Wir dürfen nach alledem als sicher annehmen, 
dass sie den Durchgang zu einer Empore im Saale resp. der Kapelle vermittelte. 
Als letztes ausschlaggebendes Moment kommt schliesslich nun noch die Ab- 
bildung bei D i 1 i c h hinzu, welche gerade hier über diesem Räume auf dem Dach 
des Palas einen Dachreiter zeigt. Es war das Glockentürmcheu für die Kapelle 
im Saal. 

Diesen Saal hat ohne Zweifel der Fourier des kranken Kurfürsten von 
Sachsen 1584 im Sinn gehabt, da er seinem Herrn berichtet von „einer grossen 
Stuben, doran ist kein Kammer, die hat der Erzbischof zu Mainz for eine 
Taffelstoben" gebraucht. Eine solche Verbindung von Saal und Kapelle, wie 
wir sie hier vor uns haben, ist eine sehr häufig vorkommende Anordnung. 
V. Cohauseu führt als Beispiel dafür Burg Hohlenfols (Luxemburg) an 
(Befestigungsweisen pag. 189). Die gleiche Anordnung bestand in der Burg 
Landsberg (Essenwein, Wohnbau pag. 128 im Handb. d. Arch.), im Schloss 
zu Marburg, der^Albrechtsburg zu Meissen, dem berühmten Nassauer Hause 
(eigentlich Schlüsselfelder'schen Hause) zu Nürnberg und vielen anderen Haus- 
kapellen und Rathaussälen ; besonders auch in bischöflichen Schlössern, so 
in Mainz, wo der Altar in einem schönen Erker der Martinsburg stand. 

Es ist wohl nötig, auf diesen zerstörten Teil des Palas noch etwas gründ- 
licher einzugeh(!n, um die (irundlagen klarzulegen, auf denen der Rekonstruktions- 
versuch desselben (Taf. VII) beruht. Da der Zugang zum Saal und die Empore 
die Ostscite des Raumes einnahm, so ergibt sich für den kleinen Tragaltar (den 



141 

altare portatilc des JIausi'ats-Vcrzoi(;]missos) die Aufstc^lluiig am Westende. Die 
Kapelle konnte eben auch hier, wie auf mancher anderen Burg-, nicht in der 
sonst angestrebten Weise orientiert werden. 

Die Mitte der südlichen Langsoite nahm wie aucli im unteren Geschoss 
der Kamin ein. Der Saal kann etwa 6 m hoch gewesen sein und war jedenfalls 
nicht gewölbt, sondern mit gerader J3alkondecke versehen. 

Was die Lichtquollen für den Saal anbetrifft, so müssen wir uns ver- 
gegenwärtigen, dass der Wehrgang, welcher als viel benutzter Vorbindungsgang 
sicherlich geschlossen und bedacht war, die Südseite desselben zum grossen 
Teil deckte und höchstens noch für kleine Oberlichtfenster Raum blieb, wie 
ich solche in der Vogelschau gezeichnet habe. Um so mehr war Veranlassung, 
auf der Hofseite grosse Fenster anzuordnen, welche den Charakter des Raumes 
zum Ausdruck brachten.'''') 

Unmittelbar nach der Tafelstube führt der Fourier Neumanu „ätzliche 
Kammern uuderm Dach" au, welche wir also über dem Saale annehmen 
dürfen und welche ihr Licht ebenfalls hauptsächlich von der Hofseite und zwar 
wohl in Form von grösseren Dachgauben erhalten haben. Diese würden, in 
Verbindung mit den ansehnlichen Saalfensteru darunter, der Hoffront des Palas 
ein reiches und stattliches Ansehen gegeben haben, wie solches sich im Gegen- 
satz zu der mehr geschlossenen Angriifsseite bei so vielen Schlössern und Burgen 
des Mittelalters findet. Es liegt nahe, die Reihe von hochragenden Spitzen, 
welche der Kartenzeichner von 1573 hinter dem Palas hervorschauen lässt 
(Abb. 3), in diesem Sinne zu deuten. Doch soll dieser Darstellung keineswegs 



^®) Bei der Frage nach der Anordnung der Räume im Schlosse müssen wir auch des 
Fouriers Neumaun Bericht von 1584 zu Rate ziehen. Leider ist derselbe gerade in dem Teile, 
welcher hier am wichtigsten wäre, ziemlich unklar abgefasst. Sein Zusatz: „wie ich es dann 
dem Hessen (d. i. dem Postreuter) mit vleis utfzeichnen lan" konnte ihn selbst darüber wohl 
beruhigen, für uns aber ist der Verlust dieses Dokumentes um so bedauernswerter. Im all- 
gemeinen rühmt er zwar, dass das Schloss mit Graben und anderen wohl verwahrt, „hat feine 
gemach dorinnen" doch kann er eine gewisse Geringschätzung nicht ganz verbergen, indem er 
berichtet: „dan uf solchem Schloss nicht mer als drei stoben und cammer vorhanden und 
noch eine grosse Stuben, doran ist keine cammer, die hat der erzbischoff zu Meintz tbr eine 
taffelstoben gebraucht. Es hat wol underm dach noch etzliche kammern, auch eine am Wendel- 
stein vor meines gnedigsten herren gemach, dorin habe ich ..." Zu beachten ist zunächst, 
dass nur die eine Kammer — seines Herrn Gemach — am Wendelstein liegt. Diese ist wohl 
ohne Frage die Grafenkammer (des Hausr.-Yerz.) mit dem grossen, wappengezierten Kamin. 
Die anderen 3 ansehnlichen Zimmer nebst Kammern, welche er an erster Stelle nennt, lagen 
also nicht am Wendelstein, d. h nicht im Bergfried, also im Palas. Der NordostÜügel kann 
hier überhaupt nicht in Betracht und in Rechnung gekommen sein, denn sonst wäre die Zahl 
der Räume entschieden erheblich grösser ausgefallen. Vom Palas aber bleibt — da der Saal 
(die grosse Tafelstube) das zweite Obergeschoss einnahm — für die 3 Zimmer nebst Kammern 
nur das erste Obergeschoss, d. h. die Zimmer des Erzbischofs übrig. Man sieht, dass der 
Raum von 5>;18 m im Laufe der Zeit, wie dies ja gewöhnlich geschielit, mehr ausgenützt 
und deshalb mehr unterteilt worden war. In welcher Weise dies geschehen war, dafür fehlt 
indessen jeder Anhalt. Schliesslich hinkt bei Neumann noch der Satz nach: Damit nicht mer 
von gemachern ufm schloss überich und vorhanden, als ein stob und cammer. Diese schlägt 
er für den Arzt oder für die Kanzlei vor. Wie man sieht, sind dio Angaben Neumanns zu 
unklar und unvollständig, um daraus bestimmte Schlüsse ziehen zu könuen. 



142 

Beweiskraft für die obigen Annahmen zugesprochen werden. Der Zugang zu 
den Dachkammern führte vom Treppenturm des Bergfried durch die oberste 
der 3 Thüren zum Verbindungsbau. 

Damit müssen wir diese interessanten Fragen verlassen und wenden uns 
nunmehr der Küche zu! Sie ist noch heute an ihrer alten Stelle und war von 
respektabler Grösse, nämlich 6x7 m. Sie nimmt das Erdgeschoss des Berg- 
fried ein. Der Herd und der mächtige Rauchfang ist noch vorhanden. Letzterer 
ruht in der alten Weise auf hölzernem Rahmen. Die Aufzählung, welche das 
Hausrats-Verzeichnis uns von all den Gerätschaften der Küche gibt, gestattet 
uns eine detaillierte Vorstellung von diesem wichtigen Räume. Auf dem 
grossen gemauerten Herde standen 2 Dreifüsse und zwei Roste, auch Brat- 
spiesse fehlten nicht. Ferner waren da: 2 Bratpfannen und noch 6 andre 
grosse und kleine Pfannen, und eine Fischpfannon. Auf den Brettern an den 
Wänden standen damals 11 neue Fleischschüsseln, 15 Senfschüsseln, ein erzener 
Mörser und 4 erzene Töpfe. An der Wand hing ein Hackemesser und ein 
Schabeisen. Damit wird natürlich die Ausstattung der Küche nicht erschöpft 
o-ewesen sein, vielmehr werden noch mancherlei Instrumente von Holz, wie 
Quirl und Löffel, sowie irdenes Geschirr dieselbe vervollständigt haben. 

Auch ein Erker ist uns genannt. Erkar oder ärker ist mittelhochdeutsch 
und kommt als Bestandteil der Burgbefestigung öfter vor. Die Erker dienten 
zwar nicht ausschliesslich Verteidigungszwecken, sondern namentlich auch häufig 
für Altarnischen. Nun wird aber hier nur ein Erker genannt und zwar mit 
einer sehr bescheidenen, ja defekten Kammerausstattung. Es heisst nämlich u. a. : 
„Item darunter eyn böse feddert, da sint wing feddern inne. " Dies kann wohl 
nur ein Raum gewesen sein, welcher mit einer zu Verteidigungszwecken, d. h. 
als Pechnase oder machicoulis dienenden Auskragung versehen war und etwa 
als Kammer für einen Wächter, über dem Hauptthore der Burg zu suchen ist. 
Hiermit stimmt vorzüglich zusammen, dass der Erker unmittelbar neben der 
Grafenkammer genannt ist und dürfen wir dies wohl als eine Bestätigung für 
die richtige Unterbringung beider Räume ansehen. Der Erker war also der 
östliche Teil des Raumes über der Thorhalle. Da mit demselben sicher nicht 
nur der eigentliche ausgekragte Erker, sondern gleichzeitig der Raum, in dem 
er sich befand, gemeint ist, so müssen wir dessen Bezeichnung hier als pars 
pro toto nehmen. Dass dieser Raum andrerseits nicht die ganze Tiefe des 
Flügels einnahm, liegt zunächst nahe, weil man an der Hofseite noch einen 
Verbindungsraum nach dem Beamtenflügel nötig hatte, und wird bestätigt durch 
die zwei vorhandenen Thüren des Grafenzimmers nach dieser Seite. Der 
Höhenunterschied zwischen diesem und dem Nordostflügel nötigte, beiläufig 
bemerkt, bei beiden Thüren zu einer Treppe von 8 Stufen (siehe den Schnitt). 

Das Kelterhaus kann wohl nur in der Nähe des Brunnens, in dem ein- 
stöckigen langen Bau innen an der westlichen Ringmauer gelegen haben. Unter 
der Bezeichnung : „Halt der bender" sind im Hausrats-Verzoichnis einige Küfer- 
Gerätschaften aufgeführt und zwar am Schluss jener Baulichkeiten, welche 
offenbar in den Zwing(n-n, in nächster Nachbarschaft dieses westlichen Flügels 
standen, des Pf("»rtii(Mli!ius('s, des Backhauses und der Aliiius(! (sielu^ unten). 



143 

Darnach wird os berechtigt erscheinen, diesen niclit unbedeutenden Flügel als 
Kelterhrtus nebst Küferei anzusprechen. 

Auf der Rückseite des oben genannten Baues, im westlichen Zwinger 
stand noch im 19. Jahrhundert ein Häuschen, welches ich auch in der Vogelschau 
beibehalten habe. Sollte es nicht das Backhaus gewesen sein, von dem uns 
berichtet wird, dass darin ein Bett nebst Zubehör und ein kulekessel (ein- 
gemauerter Kessel) gewesen? 

Die AVächter, welche genannt sind, hausten im obersten, jetzt unzugängigen 
Geschoss des Troppenturms am Bergfried, denn dort ist der Kamin zum Heizen 
dieses Raumes noch in deutlichen Resten erhalten. 

Pauls, des Pförtners, Wohnung stand vermutlich im nördlichen Zwinger nahe 
dem Thor nach der Stadt, welches zu allen Zeiten jedenfalls das frequentiertesto 
von beiden war. Spuren eines kleinen Hauses sind dort noch erhalten, östlich 
neben dem Thor. 

Die almuse entsprach ihrer eigentlichen Bestimmung nach jedenfalls der 
Elemosyn , welche uns in einer Urkunde des Jahres 1231 (Cod. diplom. 
Nassoic. I, 433) neben der Klosterpforte von Eberbach genannt ist. In Eltville 
lag sie höchst wahrscheinlich in einem kleinen Hause im nördlichen Zwinger 
westlich vom Vorhof des Nordportales. Ein kleines Fenster nach diesem von 
20 X 30 cm circa i. L., aus einem Sandstein gehauen, ist dort noch erhalten, 
welches wohl als Schalter zum Durchreichen der Almosen diente. Zur Zeit des 
Verzeichnisses wurde die Almosenausgabestätte unserer Burg nebenbei zur Auf- 
bewahrung von 2 Pulben gebraucht, also festen Kissen, welche, wie es dort 
heisst, „in myns gnedieu herrn schiff gehoeren". Der Standort dieses Schiffes, 
welches demnach ständig bei der Burg in Bereitschaft gehalten wurde, befand 
sich offenbar dort, wo der Rhein zur Füllung des Grabens angezapft wurde, 
wo an dem weit nach Osten vorgeschobenen Ende des grossen südlichen Zwingers 
sich noch heute eine Pforte in der Mauer findet und der Rhein eine hafenartige 
Ausbuchtung bildet. 

Soweit folgte ich der interessanten Aufzählung unseres Hausrats-Verzeich- 
nisses, durch welches wir von der damaligen Beschaffenheit und Einrichtung 
der Burg und von dem Treiben in derselben ein so anschauliches Bild erhalten, 
wie uns wohl selten von einer Burg geboten wird,''') 

Dass ein Stall und dahingehöriges Gerät nicht genannt ist, erklärt sich 
leicht aus der Thatsache, dass der grosse Marstall nicht innerhalb der Ring- 
mauer, sondern nördlich vom Schlosse in der Vorburg lag, wo er durch mehrere 
Urkunden nachweisbar ist.''^) 

°') Es existieren übrigeus ähnliche Verzeichnisse noch von einigen anderen Burgen. 
Beispielsweise von der Hohkönigsburg und der Veste Coburg. 

^^) Der Marstall wird z. B. 1422 (in den Mainzer Ingrossaturbüchorn des Wiirzburgor 
Archivs) als gegenüber der Burg gelegen angeführt. — In einer Urkunde im Besitze des Herrn 
Freiherrn Langwerth von Sinimern ist dann ferner ein Grundstück bezeichnet als zwischen 
dem Sanecker Hof und dem churfürstlichen Marstall gelegen. — Danach befand sich derselbe 
auf dem Terrain zwischen dem nördlichen Burggraben und dem iJurggässchen resp. dem 
Sanecker Hof. 1446 verpfändet Dieterich von Dyrne sein Haus, das hinten an den churfürst- 
lichen Marstall slösst — Krem er, Mskr., Both, Fontes I. 2C,0. 



144 



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145 

Damit nehmen wir Abschied von unsrer Hurg. Noch ragt der gewaltige 
Bergfried derselben unversehrt und trotzig gen Himmel, noch steht manche 
Mauer, noch reihen sich die wehrhaften Zinnen aneinander, noch gähnen die 
breiten und tiefen Gräben und doch ist es ein ganz anderes Bild als einst! 
Der Wandel der Zeit und die ewig gütige JNatur haben einen tiefen Frieden 
über alles gebreitet. — So still - so harmlos — ja so einsam liegt das ganze 
da! — In den Gräben drängen sich im Frühling die leuchtenden Blüten der 
Obstbäume, dichter Epheu und die Kronen mächtiger Nussbäume füllen den 
grossen Zwinger, die Weinreben klettern am Spalier der Mauern empor, der 
alte Palas ist voll Holz gespeichert und im Hofe hausen der Hund und die 
Hühner. Man schreitet ohne Hindernis über die Brücke, man öffnet mit leichter 
Hand das Thor — und niemand merkt es. — Schweigen ringsum, es scheint 
ein Ort, den die Welt vergessen hat. (Abb. 16.) 

Erst durch die Folie der Geschichte, erst durch die hohe Bedeutung der 
Männer, welche diese Burg einst zu ihrem Wohnsitz erwählten und erst durch 
die Wucht der weithin wirkenden Ereignisse, welche hier sich abspielten oder 
von hier den Ursprung nahmen, erhält die Burg zu Eltville für uns jene 
imponierende Erscheinung, die uns vorschwebt, sobald wir von ihr hören. 



V. Zusätze. 

1 . D i e M e i s t e r. 

Von dem Meister, welcher unter Heinrich von Virneburg den Bau der 
neuen Burg ausführte, gibt uns eine Urkunde Nachricht, welche besagt, dass der 
Erzbischof im Jahre 1342 zu Eltville eine Abrechnung hält „in domo Merkelini 
nostri lapicide et servitoris" (Würdtwein, Subs. dipl. Bd. V, No. LXXV), 
Dieser Meister Merkelin stirbt noch vor 1345, denn am 17. November 1345 
wird seiner Witwe urkundlich Erwähnung gethan (Sauer, Codex I, 3, 230). 
Die Burg mag damals eben im wesentlichen vollendet bezw. nach dem Brande 
von 1339 wieder hergestellt gewesen sein, wie wir dies aus der Beschaffung 
der Tapeten ersehen konnten. 

Erst 1357 begegnet uns wieder eine Nachricht, welche für die Frage 
nach den Meistern von Interesse und Bedeutung ist. 1357 nämlich am 29. Mai 
nimmt Erzbischof Gerlach den Henro Weckerlin, Steinmetzen zu Mainz, zu 
seinem und des Stifts Diener an und beauftragt ihn, im besonderen : Dass er 
unser und unser Stifts „slosse und festen" jährlich besehen und bewahren soll, 
dass sie „in buwe bliwen und buwelichen gehalden werden", wofür er ihm 
30 Gulden jährlich auf den Zoll zu Ehrenfels anweist (Sauer, Codex I, 3, 310). 
Vielleicht ist sein Enkel jener Johann Weckerlin, der 1436 eine Schenkungs- 
urkundefür die Domkirche (zu Mainz) ausstellt (Gud., Cod. dipl. II, 752), worin er 
sich Meister der Werkleute dieser Kirche (magister operariorum hujus ecclesiae) 
nennt. Es war ein Geschlecht bedeutender und verdienstvoller Männer, dem Johann 
Weckerlin angehörte, wie aus dem Grabstein desselben im Kreuzgang des 
Mainzer Domes zu entnehmen ist. Die Inschrift lautet: „Hie est sepultura 

10 



14G 

Johannis Weckerlin ac uxoris et parentuui, nee non omnium progenitorum 
suoruiii lapicidarum hujus ecclesiae. Quorum anime requiescant in pace. Amen. " 

Jener Henre Weckerlin hat seit dem Jahre seiner Anstellung zur Unter- 
haltung der erzbischöflichen Schlösser (1357) demnach auch für die Eltviller 
Burg gearbeitet und Zeit und Umstände machen es sehr wahrscheinlich, dass 
jene reich ausgeführten Sandsteinarbeiteu im Turmzimmer daselbst (Wand- 
schränke und Kamin) sein Werk sind. 

Nur als eine Anregung zu weiterer Forschung sei die Yermutung aus- 
gesprochen, dass das reich ausgestattete Hochgrab Bischof Gerlachs in Kloster 
Eberbach, sowie der zum Andenken an den heiligen Bonifacius unter Gerlach 
im Dom zu Mainz errichtete Stein mit des Heiligen Bilde gleichfalls unsern 
Meister zum Urheber haben möchten. 

2. B a c k s t e i n m a a s s e. 
6 X 15 X 30 cm: 

1. Südmauer des nördlichen Grabens (mit breiten Fugen). 

2. Ostmauer des westlichen „ „ „ „ 

3. Oberer Teil des Treppenturms des Bergfried. 

4. Der Brückenbogen zwischen Bergfried und Palas. 

5. Die grossen Stichbögen der Südseite. ; 

5 X 12 X 24 cm: ' 

Zumauerung der obersten Thüröffnung im Treppenturm des Bergfried 

nach dem Verbindungsbau. 
Einzelne Steine in der Zinnenmauer des Bergfried. 



Die Verlegung der Pfarrei Feldbach nach Dillenburg 
und die Einweihung der dortigen Stadtkirche. 



Von 

M* Yon Domarus. 



Die Gemeinde der evangelischen Stadtkirche zu Dillenburg feierte^) 
Weihnachten 1901 den „400. Jubiläumstag der Kirchweihe", und gleichzeitig 
erschien eine von C. Dönges bearbeitete Festschrift: „Geschichte der evange- 
lischen Stadtldrche und Kirchengemeinde zu Dillen bürg" -), die auch die 
Berechtigung der Feier historisch zu begründen versucht, Giebt auch die 
Arbeit in vielen Teilen zu erheblichen Bedenken Anlass^), so ist es doch nicht 
meine Absicht, mich mit ihrem ganzen Inhalt zu befassen; nur die ältesten 
Nachrichten zur Geschichte der Pfarrei und der Stadtkirche in Dillenburg seien 
hier einer Prüfung unterzogen^), aus der sich ergeben dürfte, dass leider gar 
keine Veranlassung zu einer Jubiläumsfeier im Jahre 1901 vorlag, das Fest 
vielmehr zehn Jahre früher zu feiern war. 

Was Dönges über die älteste Geschichte der Stadtkirche und über „die 
Kirchengeschichte bis zur Keformation" bietet, ist nur wenig und aus Vogel"), 
Nebe ^) und Steubing'^) oft wortgetreu ohne Quellenangabe und Kritik^) 



1) Vgl. den Bericht der Zeitung für das Dillthal vom 28. Dezember 1901, Nr. 153. 

-) Der vollständige Titel lautet: 25. Dezember 1501 — 1901. Geschichte der evangelischen 
Stadtkirche und Kirchengemeinde zu Dillenburg. Eine Festschrift zum 400. Jubiliiumstag der 
Kirchweihe, im Auftrage des historischen Vereins bearbeitet von C. Dönges, Bergschullehrer, 
z. Zt. Konservator des Wilhelmsturms. Dillenburg 1901. 

^) Sie ist, von einzelnen Veränderungen abgesehen, ein wortgetreuer Abdruck eines 
Teiles der von dem Verfasser in der genannten Zeitung seit 1900 veröffentlichten Artikel „Aus 
Dillenburgs Vergangenheit." Eine Geschichte der Pfarrkirche und der Pfarrgemeinde in Dillen- 
burg, die in allen Kreisen Beachtung finden will, muss noch erst geschrieben werden. 

*) Eine ganz zufällige Entdeckung in einer alten Dillenburger Kammerrechnung ver- 
anlasste mich zur Untersuchung der von Dönges über die älteste Geschichte der Stadtkirche 
gebotenen Nachrichten. 

^) Vogel, C. D., Beschreibung des Herzogtums Nassau. Wiesbaden 1843. 

®) Nebe, A., Zur Geschichte der evangelischen Kirche in Nassau, in der Denkschrift 
des . . . Seminars zu Herborn von 1863, 1864 und 1866. 

') Steubing, Joh. H., Kirchen- und Reformations-Geschichte der Oranion-Nassauischon 
Lande. Hadamar 1804. 

*) Dafür ein Beispiel. Steubing a. a. O. S. 8 und 9 schreibt: „Da noch keine 
Druckerkunst erfunden worden, keine Bibel oder neues Testament vielleicht in einer ganzen 

10* 



148 

entnommen. Was dagegen neu ist und sich weder bei den genannten, noch den 
übrigen von Dönges benutzten oder nicht benutzten Schriftstellern findet, das 
ist die Mitteilung, im Jahre 1490 sei „die jetzige Kirche als Kapelle 
durch Johann V. erbaut und 1501 am Weihnachtsfest als Kirche 
eingeweiht" worden.^) 

Wie Dönges zu dieser Entdeckung 'kam, zeigt in seiner Schrift erst das 
spätere Kapitel „über Kirchenreparaturen von 1771 bis heute". Gelegentlich eines 
Streites zwischen dem Kirchspiel Dillenburg und der Landesherrschaft in den 
sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts darüber, wer die Reparaturkosten der 
Pfarrkirche in Dillenburg zu tragen habe, ob diese selbst städtisch oder herr- 
schaftlich sei, wurde von der Regierung auch auf eine aus dem Jahre 1680 
stammende, noch heute in der Kirche befindhche Inschrift hingewiesen, deren 
Anfang lautet: „Deo T. 0. M. sacrum Johannes et Elisabetha conjuges ille 
Nassoviae et Bredae comes ista landgravia Hassiae templum hoc urbicum anno 
redempti orbis MDI dicarunt . . ." ^*') Diese Stelle wird bei Dönges, S. 18, also 
übersetzt: „Dem dreieinigen, allgütigen Gott heilig! Die Eheleute Johannes (Y.) 
und Elisabethe, jener Graf von Nassau und Breda, diese Landgräfin von Hessen, 
haben diese heilige Stadtkirche im Jahre der Welterlösung 1501 eingeweiht..." 
Sehen wir von der falschen Beziehung des sacrum zu Anfang ab und bleiben 
einen Augenblick bei der üebersetzung des Wortes „dicarunt"! Dicare wird 
zwar häufig im Sinne von dedicare gebraucht und kann mit „weihen", gleich- 
bedeutend mit „widmen", übersetzt werden, niemals jedoch mit „einweihen". 
Es handelte sich im vorliegenden Falle um die Einweihung einer katholischen 
Kirche, die von einem Bischof vorgenommen werden muss, und das hier allein 
in Betracht kommende richtige lateinische Wort ist consecrare.^^) Aber nehmen 
wir selbst einmal mit Dönges fälschlich an, dicare hiesse wirklich „einweihen", 
dann stände in der Inschrift von 1680 doch nur, dass die Dillenburger Stadt- 
kirche im Jahre 1501 eingeweiht wäre. Woher also die Angabe von der Ein- 
weihung am Weihnachtsfeste? Zur Eotscheidung der oben erwähnten Streitfrage, 
ob die Pfarrkirche städtisch oder herrschaftlich sei, wurde von der Landes- 



Provinz vorhanden, keine Schulen in diesen Gegenden noch angeordnet und die Kirchspiele 
alle sehr weitläufig waren, so lässt sich davon auf das, was man Christentum dos gemeinen 
Mannes in dieser Zeit hiess, sehr leicht der Schluss machen. Es bestand also in blinder An- 
hänglichkeit an die Priester und Priester-Gebote, denn keine andere Quelle der Erkenntnis 
hatte das Volk. Das damalige Christentum beruhte auf pünktlicher ]5ofulgung der Cerenionien 
der Kirche . . ." Aus diesen flachen Bemerkungen Steubings wird bei Dönges (S. 5) 
folgendes: „Da in vielen Provinzen vielleicht noch nicht einmal sich ein Testament oder eine 
Bibel befand, so lässt sich von „Christentum" in unserer Gegend zu damaliger Zeit nicht viel 
sagen. Es beruhte in blinder Anhänglichkeit an die Priester und Erfüllung der Cerenionien!" 

®) Dönges a. a. 0. S. 5. 

^") Ich citiore nach einer in der Akte des Staatsarchivs in ^Viesbaden VII, B 1, 
K No. 263, Bd. I, Bl. 32 befindlichen Abschrift. 

") Vgl. Hinschius, Kath. Kirchenrecht, Bd. 4, S. 144 ff., wo auch der Unterschied 
zwischen consecratio und bonedictio hervorgehoben wird, und Bd. 2, S. 40 ff. Erwähnt sei 
auch das volkstümliche Schriftchen von J. Herr, Die Einweihung oder Konsekration einer 
kath. Kirche und des Altar.^. Wiesbaden 1902. 



149 

regierung ferner auf den „Fimdationsbrief des am heiligen Christabend 
1501 aufgerichteten Stifts ^^) in Dillenburg" hingewiesen. Aus dieser 
missverstandenen Aktennotiz und jener Inschrift von 1(380 scheint 
dann Dönges die Einweihung der Stadtkirche am Weihnachtsfest 
1501 konstruiert zu haben. Zum mindesten hätte es dann doch der 
Weihnachtsabend 1501 sein müssen! Wie steht es nun mit der eben gcnanoten 
Stiftung des Grafen Johann V. und seiner Gemahlin Elisabeth vom 24. De- 
zember 1501, auf die allein die Inschrift vom Jahre 1680 Bezug haben kann? 
Sie hat, wie die noch in Abschriften erhaltene Stiftungsurkunde vom gleichen 
Tage ^•^) authentisch darthut, mit einer Gründung oder Erbauung oder Einweihung 
der Pfarrkirche zu Dillenburg nicht das Geringste zu thun. 

Schon 1499 trug sich Graf Johann mit dem Gedanken, den Gottesdienst 
in der Pfarrkirche zu Dillenburg, als deren „giffter oder patrone" er bezeichnet 
wird, reicher zu gestalten; er wandte sich deshalb an seinen „Schwager", den 
Erzbischof Johann von Trier, und dieser gestattete durch Urkunde vom 16. Juli 
1499 (uff dinsztag des sees;- zehenden tags des monats Julii) ^'), dass der Graf 
und seine Erben ^,inn der pfarJdrchen zu Dillenher g unser s kriesems {der der- 
selbe unser sivager giffter oder patrone ist) durch frome erbere doeglicJie priestere^ 
clercken, scJiohneister, cliorcde und schoelere (die ime und nach ime syne erben 
genüegen) die sieben gesyde nach ordenunge unsers stiffts^ auch salve regina 
mit versickeln, coUecten etc. im chore und uff den drien altaren vur dem chore 
inn gemelter kirchen misse lesen und singen thun moege, ivelche syt (doch ge- 
burlich) ime oder synen erben gelicbet, umb zimliche presenfie, distrihutie oder 
loen (damit die personen, die solchen dinst also tun tverden, zufridden syn), 
ivelche presentie, distributie oder loen der obgenante unser sivager darzu ver- 
ordnen, bestellen und stifften wirdet uff syn und anderer andechtiger menschen 
dargeben.^' ^''') An dem Gottesdienst und der Stiftung sollten auch der Pfarrer 
und der Kaplan zu Dillenbmg teilnehmen. Den Plan zu dieser Fundation legte 
Graf Johann auch dem Pfarrer von Dillenburg, Matthias Moring, vor und gab ihm 
Bedenkzeit, besonders darüber sich zu äussern, ob er und sein Kaplan gewillt 
seien, „in glichermaisz als die anderti personen zu singen und zu lesen." Die 
interessante Unterredung, die zwischen dem Grafen und dem Pfarrer nach 
Ablauf der Frist am Montag, den 7. Oktober 1499, um sieben Uhr morgens 
zu Dillenburg ,,uff der burgk in der grossen stoben'^ im Beisein des Ritters 
und Amtmanns in Dillenburg, Hermann Schenck zu Schweinsberg, des Ritters 
Caspar von Berlepsch (Berlenpschen), des Priesters Melchior Schramm **') und 

^'^) In der oben erwähnten Akte heisst es irrtümlich „Stift", und so steht es denn auch 
bei Dönges S. 18. Es bedarf aber wohl nicht des Hinweises, dass von einem Stifte keine Rede 
sein kann, vielmehr die Stiftung gemeint ist, von dor Dönges ja schon S. 5 spricht. 

^') Staatsarchiv in Wiesbaden, Urk. VII. Auch Arnoldi kannte sie bereits; vgl. a. a. (J. 
Bd. 2, S. 197 Anm. 

") Original, Pergament mit gut erhaltenem Siegel des Erzbischofs am Pergamontstreifen ; 
Staatsarchiv zu AYiesbaden, Urk. VII. 

^^) Gleichzeitig bestätigte er die der Pfarrkirche verliehenen Ablässe. 
, ^^') Wahrscheinlich ein Sohn des 1497 gestorbenen gleichnamigen Schulthoi.ssen von 
Dillenburg; seiner wird auch an erster Stelle in der Fundation von 1501 gedacht. 



150 

des Notars Mag. Heidenreich Nerkorn stattfand, wurde von dem kaiserlichen 
Notar und Cleriker Johann Heckman von Gräveneck protokolliert und darüber 
ein Notariatsinstrument ausgefertigt.") Der Pfarrer erklärte, er und sein Kaplan 
hätten mit dem Gottesdienst in der Pfarrkirche und den zugehörigen Kapellen, 
sowie mit der Spendung der Sakramente „gnoirh 2U schaffen'^ doch „ican die 
angenommm i^ersonen in der Jcirchen die gezyde singen, tvil ich gerne, so ferr 
es yen zu willen ist, helfen singen und regieren." 

Die Ausführung des Planes zog sich noch zwei Jahre hin; erst Weih- 
nachten 1501 war alles so weit vorbereitet, dass die Stiftung ins Leben treten 
konnte. Sie ist eine Stipendienstiftung, die von dem gräflichen Ehepaare mit 
Bestätigung des Erzbischofs Johann für die Dillenburger Pfarrkirche zur Erlösung 
der Seelen im Fegfeuer, zur Mehrung des Gottesdienstes und zum ewigen 
Gedächtnis des Leidens Christi gemacht wurde. Ihre zahlreichen Bestimmungen 
betreffen lediglich die Regelung des Gottesdienstes in Dillenburg, vor allem 
die von Familien aus Dillenburg und anderen Orten früher gestifteten und die 
neuerdings fundierten wöchentUchen Messen, die Funktionen der bei der Ab- 
haltung des Gottesdienstes und besonders bei dem Singen der sieben Zeiten 
(Mette, Prim u. s. w.) beteiligten Personen — dem Pfarrer und seinem Kaplan 
wurden hierfür noch 5 Priester, 1 Schulmeister, 1 Locat (Gehülfe des Schul- 
meisters) und 4 Schüler beigegeben — , ferner die Feier der Jahrzeiten auf 
St. Blasii (3. Februar, dem Sterbetag des Vaters des Grafen), und St. Tiburtii 
zum Andenken an die Verstorbenen, die Anlage des Stiftungskapitales auf 
Renten und die Auszahlung der näher festgesetzten Besoldung durch den 
Rentmeister. Das ist kurz der Inhalt des sehr umfangreichen „Fundations- 
briefes" ^^), in dem von einer Einweihung der Kirche ebensowenig die Rede 
ist, wie die Stiftung etwa aus Anlass der Kirchweihe gemacht wurde. ^^) 

") Staatsarchiv in \Yie8l)aden, Urk. YII, Original, Pergament. 

18) Vielleicht bietet sich an anderer Stelle Gelegenheit, auf diese wertvolle Urkunde 
ausführlicher zurückzukommen. 

1^ Ueber die Auslegung und Befolgung der in der Stiftungsurkunde vom 24. Dez. 1501 
gegebenen Vorschriften kam es zwischen den beteiligten Personen zu Streitigkeiten, ja sogar 
„zu Hantgryff." Wiederholt gaben deshalb die Grafen Johann und Wilhelm Erläuterungen 
und neue Artikel, so am 7. Oktober 1506 (uff mitwocheun noch Francisci) und am 24. Juni 1509 
(Jüh. Bapt.), und zum 1. Januar bezw. am 3. Mai 1511 wurde sogar eine Ordnung erlassen, 
„wie sich hienfur alle unnd iglicli scholmeister itnnd locaten zu Dillenherg haltenn sollenn'' 
(Staatsarchiv in Wiesbaden, Urk. Abschriften^ - Am lü. Februar 1508 (1507 nach Trierer 
Stil, uff sand Scholastice tage) bestätigte der Trierer Erzbischof Jakob [Markgraf von Baden] 
zu Ehrenbreitstoin auf Bitten des Grafen Johann und der Einwohner von Dillenburg die be- 
kannte Urkunde seines Vorgängers, des Erzbischofs Johann, vom 16. Juli 14(ty und gab zu- 
gleich seine Einwilligung zu einer weiteren Vermehrung des Gottesdienstes ; an jedem Donners- 
tag oder, falls auf diesen Tag ein Fest fiele, am Mittwoch oder Freitag sollte nämlich das 
Altarssakrament in feierlicher AVeise aus dem Chore nach dem hl. drei Künigealtar (vgl. S. 159) 
getragen und die Benediktion unter den üblichen, vorgeschriebenen Gesängen erteilt werden, 
("originalurk., Pergament, mit wohlerhaltenem Siegel des Erzbischofs am Pergamentstreifen, 
im Staatsarchiv zu Wiesbaden, Urk. VII). Am gleichen Tage vorlieh Erzbischof Jakob in einer 
zweiten Urkunde allen Personen, die an gewissen Festtagen die Pfarrkirche zu Dillenburg be- 
suchen, ihre Sünden wahrhaft bereuen und beichten würden, einen Ablass von 40 Tagen 
(Originalurk., Pergament, mit gut erhaltenem Siegel des Ausstellers am Pergaraentstreifen, im 



151 

Ferner, wie steht es, wenn wir uns die Uebersetzung des dicare mit 
„einweihen" noch einmal aneignen, mit der Einweihung der katholischen Pfarr- 
kirche zu Dillenburg durch Laien ? Oder waren Graf Johann und seine Gemahlin 
Elisabeth keine Laien? Woher hatten sie dann bischöfliche Weihegewalt? Wäre es 
weiter nicht mehr als sonderbar, dass erst 1501 die Pfarrkirche sollte eingeweiht 
worden sein, nachdem schon, wie Dönges selbst erzählt, die Pfarrei Feldbach 
1490 nach Dillenburg übertragen und die Pfarrkirche damals bereits im Bau war?-'^) 

In Wirklichkeit ist denn auch die jetzige Stadtkirche nicht 
1501, sondern 10 Jahre früher, nämlich am 3. Juni 1491 als Pfarr- 
kirche von Dillenburg eingeweiht worden. Um diese Thatsach3 festzu- 
stellen, bedurfte es nicht langwieriger Nachforschungen, sie war schon längst 
durch den auch von Dönges benutzten ^^) Arnoldi^^) bekannt. 

Doch sehen wir uns einmal selbst die urkundlichen Beläge für die zuerst 
von Arnoldi gebrachte Einweihungsnachricht und die Vorgänge an, die zur 
Verlegung der Pfarrei Feldbach nach Dillenburg und zur Erbauung der neuen 
Pfarrkirche, der jetzigen Stadtkirche, führten. 

Die älteste Kirche in Dillenburg war die Schlosskapelle, die wahrscheinlich 
seit der Erbauung des Schlosses bestand, oder damals eingerichtet wurde, als 
Graf Johann (1290 bis 1328) Residenz in Dillenburg nahm-=^); seit 1329 sind 
uns Schlosskapläne in Dillenburg dem Namen nach bekannt.-^) Der Ort Dillen- 
burg, einschliesslich des Schlosses, war nach Feldbach eiogepfarrt, einem südlich 
von Dillenburg gelegenen Dörfchen, dessen Pfarrer zuerst in einer Urkunde 
vom 2. Juni 1287 erwähnt wird.-') So blieb es bis in die zweite Hälfte des 
15. Jahrhunderts hinein. 

Wann die Kapelle in der Stadt Dillenburg gebaut wurde, aus der die 
Pfarr- und Stadtkirche hervorging, lässt sich nicht mehr feststellen; sie scheint 
aber schon 1454 (nicht 1453) ^*') bestanden zu haben. Aus diesem Jahre sind 



Staatsarchiv zu Wiesbaden a. a. 0.). — Die Pundation des Grafen Johann und die angeführten 
Urkunden von 1499 und 1508 wurden noch einmal auf Ersuchen des Grafen am 8. Januar 1514 
(1513 nach Trierer Stil, Sonntag nach der heiligen dryer konig tage) zu Ehrenhreitstein von 
Erzbischof Richard [von Greiffenklau] bestätigt (Originalurk., Pergament, mit v^'enig beschädigtem 
Siegel des Erzbischofs am Pergamentstreifen, a. a. 0.). 

2°) Dönges a. a. 0. S. 5 und 18. 

^^) Dönges a. a. 0. citiert einmal S. 40 im Text Arnoldi, und die von ihm S. 5 
über die Nachricht von der Abtrennung der Kirche Feklbach von Herborn und die Erhobung 
zur Pfarrkirche ist wörtlich aus Arnoldi Bd. 3, H. 2, S. 169 entlehnt, auch das falsche Datum 
1292 statt 1294 (vgl. Vogel a. a. 0. S. 709). 

^'^) Arnoldi a. a. O. Bd 3, H. ), S. 68. 

") Arnoldi a. a. 0. Bd. 1, S. 85. 

^*) Dönges kennt diese alte Schlosskapelle nicht, er erwähnt nur die (neue) Burg- 
kapelle, die während der Sclilosserweiterungsbauten in der zweiten Hälfte des 15. Jrhrhunderts 
entstand. Die über die Schlosskapelle in Dillenburg von mir gesammelten Nachrichten gedenke 
ich in einer der nächsten Nummern der Mitteilungen unseres Vereins zu bringen. 

2^) V^yss, A., Hessisches Urkundenb., I. Abt. Urk. d. Deutschordens - ßallei Hessen, 
Bd. 1, No. 477. 

'■^'^) Vogel a. a. S. 708 und nach ihm Dönges S. 5 geben das Jahr 1453 an; es muss 
aber 1454 heissen, da für uns der in den 3 Urkunden angegebene stilus Treverensis, nach 
dem das Jahr mit dem 25. März anfing, ja nicht mehr massgebend ist. 



152 

nämlich drei Urkunden erhalten, welche die „Kapelle Dillenburg" betreffen. 
In der ersten vom 10. Februar 1454 (1453 secundum stilum Treverensem ipso 
die Scholastice virginis) -^) präsentiert Graf Johann IV. von Nassau, Vianden 
und Diez, dem Trierer Archidiakon in Dietkirchen Adam Toyle ^^) von Irmtraud 
(Irmentroyde) „ad altare^^) situm in cojJeUa Dillenhergh consecratumque in 
honore sanctorum Änthonii et Sebastiani" den Kleriker Valentin Walderstorff ^°) 
von Daun (Dhauns). Durch die zweite vom 14, Februar 1454 ([die] Valentin! 
martiris) •"'^) beauftragt der genannte Archidiakon den Pleban von Feldbach 
Johann Pförtner (Portenarius) ^^), die Präsentation des Walderstorff für den 
erwähnten Altar zu verkünden, und alle, die Einspruch dagegen erheben wollen, 
für den 11. März (proxima die lunae post dominicam Invocavit) in das Refec- 
torium des Marienstifts zu Diez zu eitleren. Es erschien aber niemand, und so 
übertrug Adam Foyle zu Diez in der dritten Urkunde vom 11. März 1454 
(proxima secunda feria post dominicam Invocavit) ^^) dem Dekan von Haiger 
die Einführung des Valentin Walterstorff und schrieb gleichzeitig für letzteren 
den Text des zu leistenden Treueides vor, 15 Jahre später finden wir Valentin 
noch einmal wieder am „nüwen altar zo Dillenberg in der cappelen, der dmi 
gewyget ist in ere sant Änthonius, sant Sebestians und der regnen jonffrauwen 
sente Barben'^] am 13. November 1469 (uff man tag nach sant mertinstag des 
helgen byszchoffs) nämlich verkauft Heideureich von Dernbach dem genannten 
Altare oder vielmehr dessen Baumeistern und Momparen, dem Dillenburger 
Rentmeister Wyszhenne und Matthias Gryln, für 40 rheinische Gulden eine 
jährliche Rente von 2 Gulden aus den Dernbach'schen Gütern zu Nieder- 
manderbach.'^^) Diese Rente bezog der Altarist — Valentin wird als solcher erst 
unter den Zeugen genannt — für das Celebrieren einer von weiland Henne 
von Hirzenhain (Hyrtzenhayn) gestifteten ewigen Messe. Mit den gleichen 
Worten wie in dieser Urkunde werden der Altar •"''') und die Kapelle schon in 



^^j Original im Staatsarchiv in Wiesbaden, Urk. VII ; Pergament, durch Mäusefrass etwas 
beschädigt, am Pergamentstreifen das stark verletzte Siegel des Grafen. 

^*) In der vorliegenden Urkunde heisst er „Foyl", in den beiden anderen „Ffoyle". 

^®) Es waren also nicht Altäre, wie Vogel S. 708 und Dönges S, 5 behaupten, 
sondern nur ein Altar den Heiligen Änthonius und Sebastianus geweiht. 

2") In der Urkunde vom 10. Febr. 1454 heisst er „Walterszdorff", sonst „AValderstorfF". 

3') Original im Staatsarchiv in Wiesbaden a, a. 0., Pergament, beschädigtes Siegel des 
Ausstellers am Pergamentstreifen. 

^^) Unter dem Text der Urkunde bescheinigt er die Ausführung des Auftrages: „Executum 
est niandatum per me Johannem Portenariura, plebanum ecclesie in Veltpach, quod protestor 
manu propria", 

^') Original a. a. 0., Pergament, durch Mäusefrass etwas zerstört, an Pergamentstreifen 
das Siegel des Archidiakons und ein nicht bestimmbares Siegel. InderPlika: „Nicolaus uffm 
Graben, notarius scripsit". 

^*) Original im Staatsarchiv in Wiesbaden, Urk. Yll, Pergament mit 3 Siegeln derer 
von Dernbach am Pergamentstreifen. 

**) Es ist zweifellos derselbe Altar wie 14.54, wenn auch nicht ersichtlich ist, weshalb 
der Altar 1465 und noch 1469 als neu bezeichnet wird. Vermutlich hatte eine Erneuerung 
des Altars stattgefunden, oder die hl. IJarbara war als neue Schutzpatronin des Altars eingesetzt 
worden; möglich auch, dass die Bezeichnung „neuer Altar" zum Unterschiede von dem 
Altar in der Schlosskapelle sich eingebürgert hatte. 



153 

einem Rentenbriefe vom 4. Dezember 1465 (uff sant Barberen dag) beschrieben, 
durch den der Herborner Bürger Jakob Kuyrszenner und seine Frau Katharine 
aus ihrem Hofe zu Uckersdorf (Ockerstorff) dem „nuwen altare" gegen ein 
Darlehn von 79 rheinischen Gulden eine Jahresrente von 5 Gulden überweisen; 
auch der von Henne gestifteten Seelenmesse wird gedacht, der Inhaber des 
Altares aber nicht genannt.''*') 

In allen diesen Urkunden fehlen nähere Angaben über die Lage der 
Kapelle; es heisst nur „in capella Dillenberg" oder „zo Dillenberg in der 
cappelen", und deshalb ist man geneigt anzunehmen, hier sei zum erstenmale 
nicht die Schlosskapelle, sondern die Kapelle der Stadt Dillenburg genannt; 
namentlich die Urkunden von 1465 und 1469 scheinen dafür zu sprechen. 
Dieser Annahme stehen andererseits aber gewichtige Bedenken gegenüber. 
Es sind uns nämlich sämtliche Altäre der späteren Stadtkirche bekannt, und 
man sollte meinen, der eine oder andere Altar der neuen Pfarrkirche wäre 
nach dem Altar der Kapelle benannt worden, aus der die Pfarrkirche hervorging. 
Das ist aber nicht der Fall ; wohl finden wir an einem Altar den hl. Sebastian, 
an einem anderen die hl. Barbara, aber nur als Nebenpatrone, die Altäre sind 
nicht nach ihnen benannt, und der hl. Anthonius kommt an keinem der sieben 
Altäre der Dillenburger Pfarrkirche als Schutzpatron vor. Die Bedenken, dass 
in den genannten Urkunden die Kapelle der Stadt Dillenburg gemeint sei, 
werden vor allem auch durch die Aufschriften auf der Rückseite der Urkunden 
vom 10. und 14. Februar 1454 verstärkt. Auf der ersten steht in Schriftzügen 
des 16. Jahrhunderts „Presentz desz altars uff dem schlos Dillenhergh" 
und auf der zweiten sogar in gleichzeitiger oder nur wenig jüngerer, jedenfalls 
aber noch in Schrift des 15. Jahrhunderts „praesentatio et investitiira 
alfaris in castro Dilnberg'^ und darunter von etwas späterer Hand der 
bekannte Namen des Altaristen; gewichtige Zeugnisse, vermutlich aus der 
Registratur des Archidiakons und des Pfarrers, die doch gewusst haben sollten, 
um welche Kapelle es sich handelte. Und trotzdem kann es sich hier schwerlich 
um die Schlosskapelle gehandelt haben. Auffällig ist schon sehr, dass in dem 
Registraturvermerk auf der Rückseite der Urkunde von 1469, der von der 
gleichen Hand wie bei der Urkunde vom 10. Februar 1454 herrührt, sich nicht 
der Zusatz „auf dem Schloss Dillenburg" findet, sondern nur der „sanct Anthonius 
und sanct Bastians altar zu Dillenbergk" genannt wird. Die Zweifel löst aber 
erst eine Urkunde vom 5. Mai 1463 (uf donnerstag nechst des seylichen creutz- 
tage inventionis) ^^), in der Johannes Juxta, Pastor zu Haigcr und „Kaplan 
uf der hurgh zu Dillemherg¥\ bekundet, dass er mit Wissen des Grafen 
Johann zwei zu seinem Altar gehörige Mühlen, die eine zu Herborn-Selbach, 
die andere zu OfFenbach, an die Brüder Cunz und Heinrich Becker und deren 
Ehefrauen Katharine und Elise zu Herborn als rechtes Erblehen vergeben habe, 

^®) Gleichzeitige Abschrift auf Papier im Staatsarchiv in Wiesbaden a. a. 0. Das Original 
war durch die Büi'germeister von Herborn mit dem Stadt- und Gorichtssiegel von Ilerborn besiegelt. 

^'') Beglaubigte Abschrift durch den Herborner Stadtschreiber Jakob Ueun vom 22. Januar 
1575 im Staatsarchiv in Wiesbaden, Akten, VII A. D. A., H. No. 1107. Das Original war 
von dem Grafen und für den Kaplan von den Bürgermeistern der Stadt Herborn besiegelt. 



154 

und dass die Belehnten ihm und seinen Nachfolgern „Ä'ap^awew des ehegenannten 
altaersz uf der burch Dilleniherg'-^ jährlich eine näher bestimmte Pachtabgabe 
zu liefern hätten. Nun wäre es ja sehr wohl möglich, dass schon damals, wie 
es später sicher der Fall ist, mehrere Altäre in der Schlosskapelle vorhanden 
waren; dann müsste man aber für 1463 auch zwei Schlosskapläne annehmen. 
Allein es hat nur einen Schlosskaplan gegeben, wie zahlreiche Urkunden vor 
und nach dieser Zeit darthun, und so werden wir, da für 1463 Johannes Juxta 
ausdrücklich als „Kaplan auf der Burg zu Dillenburg" bezeugt ist, die Kapelle, 
in der Valentin Walderstorff von 1454 bis 1469 Inhaber des Antonius- und 
Sebastiansaltars war, für die Kapelle der Stadt Dilleuburg halten müssen. 
Auf sie bezieht sich wahrscheinlich auch eine Nachricht von 1472, die uns der 
Rentmeister von Dillenburg überliefert hat; in diesem Jahre wurde nämlich zu 
wiederholten Malen, u. a. am 22. April, am 4. Mai (desz mandagesz in der 
krutzwachen) und am 27. Nov. (frydag nach St. Katharinen) von den Priestern 
^^dasz heyige sackermynt von Feltbach zo Dilnherg drymal umh die Kirche 
vur die pestellinfz'''' getragen.'^*^) 

Mit völliger Sicherheit aber lässt sich das Vorhandensein der Kapelle 
der Stadt Dillenburg für das Jahr 1477 nachweisen. ^^) Auch über diese 
wichtige Thatsacbe findet sich bereits eine kurze Notiz bei Arnold i^^), und 
ausführlichere Nachrichten bietet uns eine noch erhaltene, sehr wertvolle Urkunde 
des Erzbischofs Johann von Trier ^^) vom 30. Mai (penultima Mali) 1477^^) 
über die Kapelle und den Gottesdienst in Dillenburg. Vorausgegangen war 
ihr, wie aus dem Text erhellt, eine Supplik des dem Erzbischof verschwägerten^^) 
Grafen Johann V. von Nassau und Diez, die sich über die kirchlichen Ver- 
hältnisse in Dillcnburg verbreitete. Die Bewohner der Feste Dillenburg unter- 
ständen zusammen mit der Kapelle im Thale dortselbst der Mutterkirche 
in Feldbach, wo sie an Sonn- und Festtagen ihren kirchlichen Pflichten nach- 
zukommen hätten. Da aber der Weg von Dillenburg bis zur Pfarrkirche weit 
sei und dem Orte bei Ausbruch eines Brandes während der Abwesenheit der 
Gläubigen Verderben drohe, so bitte der Graf, der Erzbischof möge zur Ver- 
mehrung des Gottesdienstes gestatten, dass in der genannten Kapelle in 

'^) Staatsarchiv in Wiesbaden, Rechnungen, Dillenb. Rent. Rechn. v. 147ii. 

^®) Dass erst 1490 die jetzige Kirche als Kapelle durch Johann V. erbaut wurde, ist 
eine Behauptung von Dunges (S. 5j, die durch die Zusammenwerfung zweier Angaben Vogels 
über die Verlegung der Pfarrei von Feldbach nach Dillenburg 1490 und die Erbauung der 
Stadtkirche durch den Grafen Johann V. entstand und durch nichts zu beweisen ist. 

^") Arnoldi a. a. O. Bd 3, IL 1, S. 67. 

*') Johann stammte aus dem Geschlechte der Markgrafen von Radon und war von 
1456 — 1503 I'h'zbischof von Trier. Vgl. Eubel, C, Hierarchia catholica niodii alvi, Münster 
1901, Bd. 2, S. 279 und Görz, Regoston der Erzbischöfo von Trier, S. 205. 

*^) Original im Staatsarchiv in Wiesbaden, Urk. VII; Pergainünt, am Pergamentstreifon 
das gut erhaltene Siegel des Erzbiscliofs. Ausstellungsort: Schloss Ehrenbreitstein, 

*^) Johanns Bruder Graf Engelbert II., der bei der Teilung 1475 die Regierung der 
niederländischen Besitzungen übernahm, heiratete 1469 Cimburgis, die Tochter des Markgrafen 
Karl von Baden, eines Bruders des Erzbischofs Johann von Trier. In den Urliunden wird 
Graf Julianii l)ald als „cousanguinous", bald als „alfinis" oder „swager" des Erzbischofs bezeichnet 
(vergl. oben S. 149). 



155 

Dillenburg an den Sonntagen und anderen Feiertagen das Messopfer dargebracht 
und gepredigt, auch die hl. Eucharistie und das hl. Oel für die Kranken auf- 
bewahrt werde.*^) Diesem Wunsche des Grafen kam Erzbischof Joliann durch 
die eben genannte Urkunde vom 30. Mai 1477 unter der Bedingung nach, dass die 
Einwohner von Dillenburg an den hohen Feiertagen die Mutterkirche in Feld- 
bach zu besuchen verpflichtet waren; ausserdem sollten sie nur hier das Sakrament 
der Taufe empfangen, nur hier ihre letzte Ruhestätte finden. In allem Uebrigen 
blieb das Recht des Plebans von Feldbach gewahrt.^'') Das Reservat für 
Feldbach bezüglich der Taufe und des Begräbnisses sollte zwar ein dauerndes 
sein, trotzdem war aber durch die von dem Grafen erwirkte, für die Einwohner 
und die Entwicklung der Stadt Dilleuburg höchst wichtige Vergünstigung der 
Pfarrei Peldbach der Todesstoss versetzt; es konnte nur eine Frage der Zeit 
sein, dass die letzte Unbequemlichkeit der Bewohner Dillenburgs in der Erfüllung 
ihrer kirchlichen Pflichten beseitigt, Dillenburg selbst zur Pfarrei erhoben und 
die kleine Ortskapelle in eine Pfarrkirche umgewandelt wurde. Schon nach 
dreizehn Jahren waren die Verhältnisse infolge des Aufschwunges der Stadt 
soweit gediehen, dass der Graf, die Bürger von Dillenburg und andere Mit- 
gheder der alten Parochie bei dem Erzbischof von Trier um die Verlegung 
der Pfarrei von Feldbach nach Dillenburg einkamen. Erzbischof Johann 
erfüllte diese Bitte und übertrug am 10. September 1490 die Pfarrei Feldbach 
mit allen Rechten nach Dillenburg. In der darüber ausgefertigten Urkunde'") 
stellt sich diese Konzession zunächst als Vergünstigung des Erzbischofs gegen 
den ihm verwandten Grafen Johann dar, der häufig mit seiner Familie in der 
Stadt Dilleuburg weile ^^), dann aber wird hervorgehoben, wie fast alle Paro- 



**) „Pro parte nobilis consanguinei nostri fidelis dilecti Johannis coraitis de Nassauwo 
et Dietz nobis expositum est, qualiter incole fortalicii in Dilleraburg uiiacum capella in vallc 
ibidem sita sub raatrice ecclesia in Veitbach constituti siiit atque subjecti. Verum quoniam 
inter ipsum fortalicium Dillemberg et jani dictam ecclesiam parrochialem in Veltbacb longa sit 
itineris distancia habeantque christifideles in Dillemberg commorantes singulis diebus festi- 
vitatum dominicis et aliis pro audiendis missis divinisque sermonibus ex debito introductaque 
consuetudiue matricem ecclesiam visitare, tinieatur tamen in futurum, quod inoolis absentibus 
catervatimque ecclesiam matricem petentibus interea vel igne proprio aut liostium fraude, quod 
absit, gravis posset exoriri pernicies irrecuperabileque dampnum. Quare idem consanguineus 
noster nobis humilime supplieavit, ut pro divini cultus augmentacione ac sui contemplacioue 
annuere velimus, quod in pretacta capella in Dillemberg, que filia ipsius matricis ecclesie in 
Veltbacli existit, deinceps singulis dominicis diebus et aliis festivitatibus divina missarum 
celebrari solempnia, verbum divinum seminari necnon ibidem sacratissima eukaristia cum oleo 
sacro in usum incolarum in Dillemberg degentium obtineri atque servari possit." Aus der 
Urkunde vom 30. Mai 1477 a. a. 0. 

") „Tali tamen condicioue adjecta, quod ipsi subditi ac incole in Dillemberg in summis 
festivitatibus ipsam matricem ecclesiam visitare debeant facturi pro jure ipsius pastoris sivc 
plebani, quemadmodum ex veteri et laudabili consuetudine introductum est. Volumus eciani, 
quod baptismi sacramentum et sepultura apud eandem ecclesiam parrochialem in Voltbach per 
incolas et vicinos in Dillemberg, ut racionis est, potantur et inviolabiliter perpotuis inantea 
temporibus observentur, salvo ociam in omnibus aliis jure ipsius plebani sive curat!, quem per 
hoc nostrum indultum defraudari nolumus quoquomodo." Urkunde vom 30. Mai 1477 a. a. 0. 

*'^) Das Original im Staatsarchiv in Wiesbaden a. a. 0. 

") Seine gewöhnliche Residenz war Siegen. 



156 

chianea von Feldbach die Stadt Dillenburg auf kürzerem und bequemerem 
Wege erreichen könnten als das Dörfchen Feldbach, und zu Kriegszeiten und 
im Winter sei es für die Einwohner von Dillenburg, die an Zahl und Stand in 
den letzten Jahren sehr gewachsen seien und täglich zunähmen, gefährlich und 
unbequem, nach dem kleinen Dorfe zu wandern, das nur wenige Bewohner 
aufzuweisen habe. Fortan konnten in der Dillenburger Kirche alle Sakramente, 
auch das der Taufe, empfangen werden, die Pfarrei Feldbach hörte auf zu be- 
stehen und wurde von nun an nach Dil'enburg benannt. Ihr Leiter, ein 
rector oder plebanus, hatte an den Sonntagen und dreimal in der Woche, am 
Montag, Mittwoch und Freitag, die Messe zu lesen und den übrigen Gottes- 
dienst zu versehen. Die Dillenburger Kapelle war, wie wir aus dieser Urkunde 
zum ersten Mal erfahren, der Jungfrau Maria geweiht; ihr Ausbau zur Kirche 
oder die Erbauung der Pfarrkirche an der Stelle der Kapelle hatte auf Kosten 
des Grafen und der Einwohner von Dillenburg bereits begonnen, die Vollendung 
wie auch der Bau eines Pfarrhauses sollfe sobald wie möglich geschehen. Die 
Reparatur- und Unterhaltungskosten fielen dagegen allen Mitgliedern der Pfarrei 
zur Last. Damit nun aber Feldbach nicht ganz des Gottesdienstes entbehrte, 
sollte der Dillenburger Pfarrer an jedem Samstag in Feldbach eine Messe ce- 
lebriereu oder celebrieren lassen, und ausserdem hatte der Rektor oder sein 
Kaplan oder mit deren Einwilligung ein anderer Priester an den Sonntagen 
und an den hohen Feiertagen auf Kosten des jeweiligen Grafen den Umgang 
mit Weihwasser in der Kirche und auf dem Kirchhof zu Feldbach zu halten 
und die Messe zu lesen ; auch die hl. Eucharistie sollte dort aufbewahrt werden. 
Endlich blieb Feldbach Begräbnisplatz auch für die Dillenburger, abgesehen 
jedoch von dem Falle, dass jemand in oder bei der neuen Pfarrkirche begraben 
sein wollte.'^^) Wir werden weiter unten sehen, dass die Einwohner von Dillen- 



*®) „Cum parrochialis ecclesia in villula Yeltbach nostre diocesis, intra cujus parrocliiam 
seu limites castrum Dillemberg cum suo adjacente opido, in quo generosus affinis fidelisque 
noster Johannes, comes in Nassauw, Dietz et Vienna, cum conjuge, liberis et familia suis 
crebrius commorari consuevit, situatur, a jam dicto opido, ad quod ecclesie predicte parrochiani 
circumsedentes fero omnes brevius et commodius quam ad villulam supradictam pervenire 
queunt, distet ita, quod guerrarum et incursionum hiemis intompestatumque temporibus tarn 
comiti suisquo conjugi, liberis, proceribus et familie quam eciam opidanis, qui per aunos 
aliquot proximo preteritos et numero et statu satis aucti fuere et in dies magis augentur, ad 
supradictam villulam, que satis vilis perpaucos habet incolas, pervenire admodum sit poriculosum 
et incommoduni fueritque propterea nobis tarn pro parte comitis quam eciam opidanorum et 
aiiorum parrocliiauorum supradicte parrocliialis occlesie supplicatum, ut modo sequenti hujusci 
periculis et incommoditatibus oceurrere dignareraur, nos igitur dictam parrochialom ecclesiam de 
villula Veitbach cum baptismo reliquisque sacraraentis, insignibus et juribus parrochialem ecclesiam 
constituentibus, prediin quoque, fructibus, redditibus et proventibus ac indulgonciis suis universis 
ad capellam sive ecclesiam sancto Marie virginis intra sopodictuni opidum sitam, ex qua scu 
loco cujus sepedicti comes et opidani suis impensis pro tota hujusmodi parrochia ecclesiam, 
ut dicitur jam ceptam cum predictis sacramentis, insignibus et juribus, domum quoque ibidem 
dotalera sive pastoralem cum opurtunis et consuetis attinentibus congruas et deoentes quam- 
primum erigent et perficient, que post universorum parrothianorum impensis, ut juris et moris 
fuerit, reparabuntur et conaorvabuntur, ordinaria nostra auc^toritato transforimus ita, quod in 
futurum parrocliialis ecclesia, que hactenus in Veltbach fuit sicquo nominata et intitulata cxtitit, 
in Dillenburg sit sicque nominetur et intituletur, ibidem eciam rector sive plebanus residere, 



157 

bürg an der Begräbnisstätte, auf der ihre Vorfahren die letzte Ruhe gefunden 
hatten, festliielten. 

Ueber den Bau der Pfarrkirche in Dillenburg haben sich weitere bestimmte 
Nachrichten, soweit ich sehen kann, nicht mehr erhalten. Auch die alten 
Dillenburger Rentei- und Kellereirechnungen geben darüber keine zuverlässige 
Auskunft, obwohl in den letzteren sich eine besondere Ausgabenrubrik für 
Bausachen vorfindet; höchstens aus der grossen Anzahl der dort aufgeführten 
Arbeiter und der Arbeitstage in den Jahren 1490 u. 1491 lässt sich vermuten, dasses 
sich hier ausser den jährlichen Reparaturarbeiten auf dem Schlosse vielleicht 
auch um den Bau der Pfarrkirche gehandelt hat, der ja, wie wir oben hörten, 
auf Kosten der Einwohner und des Grafen ausgeführt wurde. Dagegen sind 
wir über die Yollendung des Baues und die damit zusammenhängende Ein- 
weihung der neuen Pfarrkirche und die erfolgte Verlegung der 
Pfarrei Feldbach nach Dillenburg genau unterrichtet; über diesen feier- 
lichen Akt wurde nämlich am Tage der Einweihung, am 3 Juni 1491 (die 
vero veneris tertia mensis Junii) um 8 Uhr vormittags in der Kirche selbst 
durch den kaiserlichen Notar und bischöflichen Schreiber Bernhard Riet von 
Deventer ein Notariatsinstrument ausgefertigt, das noch im Originale vorliegt.'^^) 
Als Hauptpersonen werden genannt Johann [von Eindhoven], Titularbischof 
von Azotus •'*'), der als General vikar und Stellvertreter des Erzbischofs Johann 
von Trier die neue Kirche einweihte, der Pfarrer der bisherigen Pfarrei Feldbach, 
Mag. Matthias Moring •''^), der Dillenburger Rentmeister Conrad Stentze •''') als 
Vertreter des Grafen Johann, und als Zeugen die Priester Kaplan Johann 
Molitor von Dillenburg, der Schlosskaplan Eckhard und der Altarist von Sechs- 
helden (Sext^ell), Heinrich Kruck, ferner der Glöckner Conrad in Dillenburg 
und die dortigen Schöffen Hengin Arnoldi, Andreas Nerkorn, Hengin Ploiszkopp 
und Sybel Molitor. In Gegenwart dieser Personen und der zum Gottesdienst 



in festis dominicis et tribus acilicet lune, veneris et mercurii ebdomadarum singularum diebus 
missas et alia consueta divina oificia peragere ac sacramenta ministrare jure et more consueto 
teneatur. Ne tarnen sepedicta ecclesia in Yeltbach divino cultu plane destituatur, celebrabit 
ibidem aut celebrari procurabit singulis sabbatis rector sivo plebanus hujusmodi missani, dictus 
eciam comes et illius lieredes seu successores suis impensis procurabunt, ut singulis dominicis 
et summis festis diebus rector sive plebanus hujusmodi seu ejusdem capellanus sive de rectoris 
seu plebani consensu alter sacerdos ydoneus cum aqua benedicta ecclesiam in Veitbach et 
illius cimiterium adhibitis ceremoniis consuetis ambiat, niissara qnoque celebret ibidem, ubi 
et Yenerabile eucharistie sacrameutum et niortuorum sepultura decenter obdervabuntur, uisi qui 
pecierint aut voluerint in seu apud novam parrochialem ecclesiam in Dillenburg scpeliri." 
Urkunde vom 10. September 1490 a. a. 0. 

*^) Im Staatsarchiv in Wiesbaden a a. 0., Pergament mit der Unterschrift und dem 
Notariatszeichen des Bernhard Riet (auch Ryec). 

^'') Johann von Eindhoven (in BrabantJ war zugleich Prior des Augustinerklosters 
Eberhardsklausen in der Diözese Trier und weihte 1496 auch einen Altar in der Schlosskapelle 
zu Dillenburg ein; er starb 1508. Vgl. Eubel a. a. O. Bd. 2, S. 113 und 311 und C. Schorn, 
Eiflia Sacra. Bonn 1888, Bd. 1, S. 453 ff. 

^^) Auch Moringk, Morungk und Morinck; er starb 1507. 
, *^) In der vorliegenden Urkunde heisst er „Steyntz" ; er selbst nennt sich in den von 
ihm geführten Renteirechnungen „Stentze". 



158 

versammelten Gemeinde frug Weihbischof Johann den Pfarrer Moring, ob er 
aus freiem Willen in Würdigung der in der Translationsurkunde [von 1490] 
ausgesprochenen, uns bereits bekannten Gründe in die Uebertragung der Pfarrei 
mit allen Rechten und Einkünften von Feldbach nach Dillenburg unter Bei- 
behaltung der Begräbnisstätte in Feldbach einwillige. Moring erklärte sich 
unter der Bedingung damit einverstanden , dass der Graf eine Sonntagsmesse 
in der Kirche zu Feldbach stifte, zwei Teile der Zehnten der Kapellen in 
Hirschberg (Eirszbergh) und Burg (Borck) für die Fundation dieser Messe 
verwendet würden und der Pfarrer ein eigenes Pfarrhaus in Dillenburg erhalte. 
Nachdem hierauf der Rentmeister für den Grafen versprochen hatte, den Pfarrer 
in allem zu befriedigen, bekräftigte dieser seine Einwilligung mit einem feier- 
lichen Eide in die Hände des Notars, der dann auf Wunsch des Rentmeisters 
den notariellen Akt aufnahm.'''') Ein zweites Zeugnis über die erfolgte Verlegung 
der Pfarrei Feldbach und die Einweihung der neuen Pfarrkirche in Dillenburg 
hat uns Conrad Stentze selbst geliefert; er zahlte dem genannten Notar an 
Gebühren 3 Turnosen"^) aus und trug darüber in die Renteirechnung von 1491 
unter der Rubrik „Ausgabegeld allerhand" folgende interessante Notiz ein : 
,,Uf fridag noch corporis Christi [= 3. Juni], als der ivihehuschof 
die hirche zu Dilnburg geivihet hait, ist der pherner durch den wihehuschof 
gefragt sum irsten vor den priestern und etlichen scheffen, darnoch vur der 
gantzen genieyu, oh die tronslatio der pharre zu Veltprach her gein Dilnburg 

^^) „. . . Prefatus dominus Mathias pastor ad requisitionem per predictum reverendum 
in Christo patrem et dominum episcopum Azotensem super consensu traiislationis parrochialis 
ecclesie de Veitbach ad vallem castri Dillenburg sibi factam non dolo, vi, metu, fraude aut 
aliqua sinistra machinatione, uti asseruit seductus aut oircumventus, sed ex ejus certa scientia 
et spontanea voluntate animoque deliberato certis de causis et inconvenientibus ad hoc animum 
suum inducentibus, presertim propter difficilem illorum de Dillenburg et castrensiura ad dictam 
ecclesiam de Veitbach asceusum atque nimiam distanciam impregnatavum et nascentiura peri- 
culum causantem ac reliqua incommoda ad hoc ipsum moventia in litteris super hujusmodi 
translationo confectis et obtentis luce clarius expressa et enarrata omnibus melioribus modo, 
via, jure, causa, forma et ordine, quibus melius et officatius potuit et debuit pro se et suis 
successoribus in translationem parrochie de Veitbach ad vallem castri Dillenburg cum omnibus 
et singulis fructibus, redditibus, proventibus, emolumentis et pertinentiis ad eandem parrochiam 
spectantibus oinnibusque juribus et attinentiis insignem parrochiam constituentibus dempta 
mortuorum sepultura, quo in Veitbach remanebit, consentiit assensumque prebuit, adhibuit atque 
dedit infracriptis tamen protestationibus sibi et ecclesie in Veitbach semper salvis videlicet 
imprimis et ante oronia, quod una missa dominicalis in sepefata ecclesia de Veitbach per 
prefatum nobilem et generosum dominum comitem de Nassauwe etc. a novo erigatur et fundatur, 
(juodque due partes decimarum capcllis in Kirszbergh et IJorck cedentium pro misse hujusmodi 
fundatione ordinentur et disponantur, similiter, ut sibi videlicet domino pastori domus dotis 
decentis structure habitatio in valle castri Dillenburg construatur, erigatur seu alias quomodolibet 
oportune constituatur. Que orania sepedictus Conradus Steyntz reddituarius in porsonam domini 
comitis prefati sui principalis facere subiit atque assumpsit, eundem quoque dominum pastorem 
super premissis in omnibus et per omnia conteiitare promisit. Quibusquidem omnibus et singulis 
premissis sie ut prefertur stantibus atque salvis sepefatus dominus Mathias pastor consensum 
translationis hujusmodi se ratum, gratum atque firmum inviolabilitor perpetuis temporibus ad 
mei notarii publici infrascripti manus medio suo juramcnto solompnitor stipulantem absque 
rovocationo observaturum promisit . . ." Aus der Urkunde vom 3. Juni 1491 a. a. 0. 

") Vergl. meine Abhandlung in den Anualen Bd. 32, S. 65 Anm. 29. 



159 

geschiecht, sin (jnter tville sj/ etc., hau er geantwort : Ya. Daruf hah ich vonn 
ivegen mins gnedigen hern j)rotestirt und des ivihehiischofs schriher als einen 
notarium erfordert unnd gebeten, des m gesugnusse instrumenta zu machen etc. 
und ime pro arra geben 3 f." ■'■') Mit diesen über jeden Zweifel erhabenen 
Zeugnissen ist der Beweis erbracht, dass die Stadtkirche in Dillcuburg nicht 
am Weihnachtsfest 1501, sondern bereits am 3. Juni 1491 eingeweiht worden ist. 
Zum Schluss noch ein Wort über die bisher unbekannten Altäre der 
Pfarrkirche und das erste Pfarrhaus in Dillenburg ! Die Kirche, über deren 
Bauart und heutige Gestalt wir eine kurze Beschreibung von Lotz'"'^) besitzen, 
war dem hl. Apostel Johannes Evangelista als Hauptpatron •''■^) geweiht und 
hatte im Jahre 1501 sieben Altäre ^^), sechs in der Kirche selbst und einen 
Altar in der Sakristei. Der Hochaltar war dem allmächtigen Gott, Maria, 
der Mutter Christi, den hl. Aposteln Johannes, Petrus, Jakob und den hl. 
Jungfrauen Barbara und Dorothea geweiht. Zur linken Hand, ,,tüan man zum 
chore innen gehet'-'-, stand der hl. Kreuz-Altar, der auch Unser Lieben Frau, 
dem hl. Andreas, dem hl. Sebastian und der hl. Katharina geweiht war und 
dessen Weihefest am Tage der Kreuzerfindung (3. Mai) gefeiert wurde ^ der 
Altar zur rechten Hand hatte als Patrone die Heiligen Philipp und Jacob, 
Christophorus und Margareta und Weihefest am Tage der elftausend Jungfrauen 
(21. Oktober). Ein Altar „unten im Fronbogen''' war nach den hl. drei Königen 
benannt und zählte zu seinen Patronen auch die hl. Anna, den hl. Johannes 
den Täufer, den hl. Laurentius und den hl. Ruprecht; die Altarweihung wurde 
am Feste der hl. drei Könige gefeiert. Der fünfte Altar stand „oben stracks 
bober des heiligen creutzes altar'-' und war den Heiligen Franciscus, Bern- 
hardinus, Hieronymus und Valentin und allen Heiligen gewidmet; der sechste 
lag „zum Schloss zu'-'- und hatte zu Patronen die Heiligen Michael, Gabriel, 
Raphael, alle heiligen Engel und Jungfrauen. Der Altar in der Sakristei endlich 
war errichtet zu Ehren des hl. Matthias, an dessen Tage (24. Februar) auch 
das Weihefest begangen wurde, der hl. Apostel Simon und Judas und der hl. 
Apollonia. Die Anzahl der Altäre""^) entsprach also den in der Stiftungsurkunde 
vom 24. Dezember 1501 für den erweiterten Gottesdienst in der Pfarrkirche 
zu Dillenburg vorgesehenen sieben Priestern. 

^^) Staatsarchiv in Wiesbaden, Rechnungen, Dill, Rent. Rechn. von 1491, Folio 239. 
Auf dem Notariatsinstrument vom 3. Juni 1491 unten links in der Ecke quittiert der Notar 
wie folgt: „Exposuit venerabüis dominus Munster in Vyenna [= Vianden] unum florenum pro 
instrumento testor manu propria Berhardus Riet, notarius", und daneben in anderer Tinte, 
aber von derselben Hand „et cum tribus albus ut supra" ; wer aber der Spender dieses Gulden 
ist und in welcher Beziehung er zu der Ui'kunde steht, entzieht sich meiner Kenntnis. 

^^) Lotz, W., Die Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden. Berlin 1880, S. 81. 
Leider fehlt bei ihm wie bei Dönges a. a. 0. ein Grundriss der Kirche. 

^^) Urkunde vom 24. Dezember 1501 a. a. O. 

^*) Nach der Urkunde vom 24. Dezember 1501 a. a. 0. 

*^) Bis zum Jahre 1499 werden nur 3 Altäre „vur dem chore" genannt; die Urkunde 
vom 8. Januar 1514 hebt ausdrücklich hervor, dass 2 weitere Altäre erst nach dieser Zeit 
errichtet seien, „das der von Nassauwe nach obgenanten Ertzbischovo Johannsen fundacion 
inn der kirchen zu Dillenberg noch zwen altar zu den dryen buyssem dem chore im corpus 
uffgericht unnd machen laissea haben," 



160 

Wir hörten oben, wie der Pfarrer am 3. Juni 1490, dem Tage der Ein- 
weihung der Kirche, sich die Stiftung einer Sonntagsmesse in Feldbach und 
die Errichtung eines Pfarrhauses ausbedang. Genau ein Jahr später löste der 
Graf sein damals durch seinen Rentmeister gegebenes Versprechen ein ; allerdings 
geschah die Stiftung von dem Grafen, dem Schultheissen, den Schöffen, dem 
Bürgermeister, den Einwohnern und der ganzen Gemeinde des Thaies Dillen- 
burg ''''^) gemeinsam, aber der Graf gab doch das Meiste zu der Fundation. 
Am 4. Juni 1492 (uf mondag noch dem sondag Exaudi zu latin genannt) 
bekundeten die Genannten urkundlich "^), dass „toir noch Veränderung unnser 
parreMrchenn vonn Veitbach zu Dillemhurg, dw'de unnser vorfarenn unnd alternn 
alle milder gedechtnus ire hegrebnus hysanhere zu Veitbach, das unnser parre ge- 
tcehsen ist, gehabt, ivir deeler vur uns unnd unnser nochkommen auch hinforter 
unser graff noch tvillen des almechtigenn daselbs erJciesenn unnd zu behaltenn 
hoffen, habenn darumb mit gueder bedrachtung gode dem almechtigenn unnd 
der eynigenn ungedeiltenn heiligenn dryvaldicheit zu lobe^ Marien der moter Cristi, 
allem hymmelschen heere unnd sunderUch dem heiligenn noifhtdff'er unnd busschove 
sent Niclas als patronenn daselbs zu eren, allen cristgleubigenn seelen unnser 
vorfarenn, unser selbs unnd unnser nochkommen, der lichnam zu Veitbach uf 
dem kirchhove rastemi, zu heile, troiste unnd selicheit, darzu mit volbart, tvillen^ 
ivissen unnd verhengnisse des ivirdigenn hernn Mathis Morings vonn Herbornn, 
in den siebenn fryhenn konstenn meister, unnsers perners zu Dillemburg, ein 
sonndagsmisse unnd ewig gedechtnus nochfolgender maissenn fimdiret, gestifft 
unnd geordent." Diese Messe in der Nikolauskirche zu Feldbach musste der 
Geistliche früh lesen, ehe das Hochamt in Dillenburg begann; ferner sollte ein 
Umgang mit Weihwasser stattfinden und ein Vaterunser für alle ghäubigen Seelen 
gebetet werden. Nur an drei Sonntagen im Jahre konnte die Messe in Feldbach 
ausfallen, nämlich an den Kirchweihfesten zu Nanzenbach, Oberscheid und 
Niederscheid, weil dann der Pfarrer von Dillenburg auch hier Messe zu lesen 
hatte. Für die Versehung des sonntäglichen Gottesdienstes in Feldbach erhielt 
der Dillen burger Pfarrer zunächst zwei Zehnten im Felde zu Dillenburg, die 
bisher zu den Kapellen in Hirschberg (Hirtzberg) und Burg gehört hatten; 
an ihre Stelle konnte auch eine Jahresrente von 3 Gulden (2 für Hirschberg 
und 1 für Burg) treten. Ferner sollten ihm die „Bauleute" der Pfarrkirche 
jährlich :3 Gulden zahlen, die aber verkürzt werden oder ganz in Wegfall 
kommen konnten, wenn von anderer Seite Renten für diese Feldbacher Messe 
gestiftet wurden. Ausserdem erklärte der Graf den dem jeweiligen Pfarrer in 
Dillenburg zustehenden „wiedombhoff" zu Veitbach für bede- und dienstfrei, 
und schliesslich wies er das bei dem gräflichen Hofgarten gelegene „Haus bei 
der Hütten" ''-), das weiland Heinze von Hurle, ein Beamter des Grafen, ge- 



80) Zur Unterscheidung von dem Scliloss Dillenburg wird der Ort oft „Thal Dilleuburg" 
oder auch, wie wir oben sahen, „vallis caatri Dillenburg" genannt. 

") Original, Pergament, mit den Siegeln des Graten, des Pfarrers von Ilorborn und der 
Stadt Dillenburg am Pergamentstreifen, im Staatsarchiv in Wiesbaden a. a. O. 

«2) Vergl. den der Abhandlung von A. Spiess „das Dillenburger Schloss" in den 
Anualen IJd. 10, S. 223 ff. beigegebenen Situationsplan von Dillenburg aus dem Jahre 1763. 



161 

kauft hatte, als Pfarrwohnung an. Der auf diesem Grundstück haftende jährliche 
Bodenzins von 4 Turnosen sollte fortfallen und das Haus ganz abgabenfrei sein; 
ausserdem erhielt der Pfarrer das einst von Heinze Fink, dem Nachfolger des 
Ileinze von Hurle, zu dem Hofgarten gezogene Stück wieder zur freien Ver- 
fügung. Diese Stiftungsurkunde wurde auf Bitten des Matthias Moring, des 
Schultheissen, der Schöffen unJ der Gremeinde Dillenburg von dem Grafen Johann 
besiegelt, auf Bitten Morings ferner von dem Pfarrer von Herborn, Heinrich 
Juch, und auf Bitten des Schultheissen, der Schöffen und der Gemeinde auch von 
Cunz Weber, dem damaligen Bürgermeister von Dillenburg. IN och die Stiftungs- 
urkunde vom 24. Dezember 1501 gedenkt dieser Sonntagsmesse und der schon 
1477 verordneten Sonnabendsmesse in Feldbach und ermahnt die Bewohner 
von Dillenburg und Feldbach, darauf zu achten, dass der Pfarrer von Dillen- 
burg seinen Verpflichtungen auch nachkomme. 



11 



Zum Andenken an Friedrich Otto, 



Von 

L Conrady. 



Der ehrenvollen Aufforderung, dem lieimgegangenen Professor Friedrich 
Otto ein Denkmal in diesen Blättern zu setzen, kommt der Schreiber dieser 
Zeilen wehmütig, aber mit um so grösserer Bereitwilligkeit nach, als ihm damit 
vergönnt ist, nicht so sehr seinem tiefen Herzensdauk für so viele unverdiente, 
reiche und treue Freundesliebe des Unvergesslichon Ausdruck zu geben und 
an dessen ganzem Leben zu erproben, was ihm als Recensent so vieler Schriften 
des Verewigten bei dessen Lebzeiten zu bewähren eine Freude war, als vielmehr 
die volle, ungeschminkte Wahrheit über ihn reden zu dürfen. Denn das wissen 
alle, Otto hat, soweit es einem Sterblichen verliehen ist, als erwählte anima 
Candida, wie ihn sein damaliger Direktor Dr. Pähler mit Recht in öffentlicher 
Rede nannte, zu deutsch als eine bis ins Greisenalter hinein bewahrte reine 
Kindesnatur in der ihm eigenen bescheidenen Stille sich selber unbewusst ein 
unvergängliches Denkmal mit seinem Leben gesetzt, und es gilt nur, mit Aus- 
schluss dessen, was das Geheimnis der Persönlichkeit als unüberschreitbare 
Schranke zieht, dessen Linien nachzufahren. Er hat das in diesen Blättern 
um so mehr verdient, je mehr er in ihnen für das Gedächtnis anderer gesorgt 
und mit je treuerer Hand er die Lebensbilder verdienter Mitglieder des Vereins, 
wie des Oberschulrats Dr. K. Schwarz und des Obermedizinalrats Dr. 
K. Reuter gezeichnet hat, er selber seiner erlauchtesten Glieder eines. 

Was zunächst seinen äusseren Lebensgang betriffst, so sind wir 
so glücklich, für dessen Anfang zur vollendetsten Cliarakteristik seiner selber 
ihm selbst das Wort geben zu dürfen. Wir fanden nämlich unter seinen 
Papieren ein von seiner eigenen Hand geschriebenes, im klassischen Latein 
verfasstes curriculum vitae vor, das er zu seiner ersten Staatsprüfung im Herbste 
1849 einzureichen hatte, und das wir schon als Probe seines frühen philologischen 
Könnens hier um so mehr in seiner Urgestalt*) wiedergeben, als es durch unsere 
Uebersetzung nur verlieren würde. Es lautot also: 

*) Es liegt uns nur das Konzept vor, das die Verbesserung einiger Flüchtigkeiten nötig 
macht; die vorgenommenen Aenderungen oder Zusätze, die sich nicht ohne weiteres von selbst 
ergeben, sind durch eckige Klammern kenntlich gemacht. 



163 

Nato mihi a. d. VI. Noii. Mart. ann. 1826. nomcii Friedericus Ilenricus 
iiulitum est ; pater in pago provinciae Langcnschwalbacliensis qui Niedermeilingen 
vocatur, e gentc Ottonum oriundus pracdicatoris evangelici niunera fungebatur. 
Qui quum admodum juvenis mox repentino gravique moi'bo oppressus praematurc 
diem supremiim obisset, quam reli(iuGrat cum tribus lil)eris uxorem viduam, ea 
ad patrem Rhodium, praedicatorem Bachheimicnsem, rcvcrtit, ubi inde a i)rima 
aetate us(iue ad pueriles annos vixi. Mater novo inito matrimonio cum Bickelio 
viro optimo eodemque pagi Brandoberndorfiensis provinciae Usingensis praedicatore, 
cum huc se contulisset, me quoque sex annorum puerum novi cxceperunt loci et 
socii et fratres. At uno omnes familiäres vinclo amoris et pietatis continebamur 
atque adhuc qui viuimus continemur, Suavi ut videtur et simplici vitae initio 
usum mox ludus publicus suscepit et inter agricolarum pueros ab orbis terrarum 
motibus et strepitu sejunctus primis quae pueri apud [nos] doceri solent rudimentis 
imbutus sum. 

Naturae autem convenientem et simplicem vivendi modum et rationem opti- 
mam rati, ut talis fierem qui paucis contentus non magis sumptus indigere[m] magni, 
quam qualemcunque [sors] mihi obtulisset vitae condicionem, et ferre possem et 
lubenter ferrem parentes curabant. 

Primis igitur tali modo vitae annis peractis, pater animum altius trahendum 
curavit et magistro me artis musicae qua adhuc maxime delector, tradeus, et ipse 
linguae Latinae initia docens, ita ut insequentibus temporibus quum in paedagogium 
Dillenburgense deductus essem, examine superato tertiae classi adscriberer, 

Inde per VII annos patriae Nassoviensis scholas publicasDillenburgensem et Weil- 
burgensem Dresslero et Metzlero summis viris gubernantibus, frequentavi, quarum 
magistris qui veterum res gestas et literas tradiderunt, summas et habui gratias 
et habebo. Quibus enim majora debemus, parentibus qui vitam dederunt exceptis, 
quam iis qui animum excoiuerunt humanumque reddiderunt ut neque bestiarum 
more vivaraus neque recte vivendi ratio lateat? 

Exactis studiorum tirociniis a. 1844. Gottingam ut virum clarissimura C. F. 
Hermannum audirem profectus sum. Namque jam multos ante annos id consilium 
ceperam totum me antiquitatis studio dare virumque quem dixi Optimum esse omnis 
disciplinae et rationis instituendae magistrum, uno omnes ore consentiunt. Appetebam 
autem rerum magis Cognitionen! atque institutionum publicarum et literaruni quam 
sermonis et linguae leges, quamquam eas non esse negligendas intelligebam; sicut 
medicus quibus ars medendi nititur venenis ea cognita habeat necesse est. Itaque 
etiam Schneidewinum virum in arte critica exercenda liorentem audivi et linguam 
Sanscriticam quam Benfejus docebat discendam esse putavi. Krischius veterum 
philosophorum sententias copiose exponebat, Ritterus et Lotzius philosophiae i)artes 
singulas, Schaumannus et Havemannus mediae et novissimae aetatis historias trade- 
bant. 

Quorum quum virorum doctorum scholis uterer, studiorum talis erat coudicio, 
ut philologiae potissimum et historiae et quae suo omnia continet vinclo philosophiae 
operam darem. Atque omnia si et ipse exercueris et cum aliis aut una perfeceris 
aut sermone instituto perstrinxeris majorem fructum aft'erre ratus maxima cum 
voluptate quod contigit, ut cum amicis paucis societates literarias magistris mo- 

11* 



164 



derantibus publicis instituerem, amplexus sum, Quarum altera et quidem pbilologa 
Krischio carissimo magistro guberuante quum in Aristotele legendo et explicando 
tum in dissertationibus de singulis philosophiae veteris locis, divini inprimis Piatonis 
et cujus apud Romanos maxima est sermouis pbilosoplii auctoritas Ciceronis, et 
componendis et perstringendis versabatur. Alterius historicae societatis penes 
Scbauraannura erat summa potestas ad quem quum vesperi convenissemus serrao de 
variis hominum celebriuni rebus et factis exorsus est. Neque quibus res altius 
inquireretur disquisitiones deerant quas suo quisque tempore fontibus perlectis 
et exarainatis confecerat et dijudicaudas proposuerat. 

Biennium Gottingae moratus Bonnam petii ubi doctissimi florent viri Welckerus, 
et Ritscbelius, alter graecarum artiura et mythologiae peritissimus, alter in indagandis 
sermonis et linguae Latinae legibus sagacissimus, cujus de grammatica Latina audivi 
scholas et Aescliyli iuterpretationem, majorcmque inde Piatone relicto tragicis 
graecis tribui curam. Et adtempus seminarii publici illis moderantibus viris 
sodalis factus sum. 

Itaque postquam a Thucydide ut Herodoto initium cepi, inde per pbilosoplios 
Graecos et Latinos progressus, poetas tum amplexus ad oratores demum Atticos 
et Latinos provectus, summis saltem labris multorum praestantissimorum gustavi 
virorum opera. 

Nam si non omnia possumus omnes, tamen et summa quaeque nee aequata nee 
aequanda cognita babeamus opera humana enitendum est. 

Similis in rebus cognoscendis et antiquitatibus circumscriptus est cursus qui 
cum ab exterioribus ut ita dicam partibus coepisset, summum Welckero duce vestigium 
religionis ascendit. Itaque Hermanno et Leutschio ducibus literarum bistoriae campum 
permigravi, idem Herraannus artium bistoriam et rerum publicarum instituta 
graecarum, Scbopenus Romanarum docuit. üt mittam singularum descriptionem 
rerum, postremo bistoriae omnis et reipublicae fundamenta et quae esse deberent, 
Dahlmannus vir apud optimum quemque insignis, Perthes quae apud majores nostros 
fuissent, copiose et erudite demonstraverunt. 

Interea ex lege nostra et more magis magisque inveterato stipendia per 
sex ferebebdomadesWisibadae merui et libeuter quidem magnumque me inde capturum 
fructum putavi quod alio modio atque speraveram accidit. Nam quum rege Fran- 
corum expulso motus totum fere in orbem invasisset omnesque per ordines 
manasset, tumultu Badensi exorto, ego quoque vix domum Bouna reversus, ut patriam 
a turbis Heckerianis liberarem postulatus, at quamquam libentissime ex lege rae 
obtulissem, studiorum respectu babito missus sum. 

Postquam vero rebus maxima cum gloria in bello Danico adhuc gestis novus 
delectus habitus est nostrarumque militum pars quae patria jura defenderet signa 
raovit, praesto esse jubeor, et inde per VI fere menses studiis videlicet et literis 
relictis bella gessi siquidem bella fuerunt. Neque enim tormentorum audivimus toni- 
trua neque praelio cum hoste dimicavimus, qui vixdum viso, indutiis illis factis, cum 
secundus Badensis tumultus paucis quidem post diebus sedatus ortus esset, huc 
Yocati ad animos civium placandos usque ad Natalis domini morati sumus tan- 
demque missio facta est. 



165 

Nequc multo post pccunia soluta arma valere jussi, totumquc me studiis 
dedissem nisi recens et majus accidissct impedimentum. Vitrico cnim carissimo 
a. d. X Cal. Febr. 49 mortuo novi labores et officia obeunda et domesticae res 
curandae erant, 

Mater Weilburgum liabitatum profecta est quam secutus dermo literas ainplexus 
sum ut vobis me examinandum et torquendum darem. 

Scribebam Weilburgi Non. Scptembr. [1849] F. 0. 

Fahren wir von hier ab selbständig in seinem Lebonsbcrichtc fort, so ist 
auf Grund seiner sorgfältigen Einzelaufzoichnungen und anderer uns zu Gebote 
stehenden reichlichen Quellen zu erzählen, dass er in dem bereits genannten 
Herbste 1849 die erste Staatsprüfung vor der damaligen herzoglichen Prüfungs- 
kommission in "Wiesbaden, laut Zeugnis vom 15. Mai 1850, — ein Grad wird 
nicht genannt — • bestand. Von dem damaligen philologischen Prüfling aber, 
das müssen wir einschalten, erwartete man mit Ausschluss etwa der Mathematik 
die Kenntnis der ganzen Gymnasialwissenschaft, weshalb Otto in seinem Gesuch 
um Zulassung zur Prüfung bemerken zu müssen glaubte, „dass er sich vorzüglich 
in den Wissenschaften der klassischen Philologie, Geschichte und Philosophie 
auszubilden versucht, dem Studium der Naturwissenschaften aber und den 
neueren Sprachen wenig Einfluss konnte gestatten. " Infolge der bestandenen 
Prüfung wurde er alsdann als Kandidat zur Aushilfe für den erkrankten da- 
maligen Oberlehrer Clauder vom 27. Mai bis Herbst 1850 an dem Wiesbadener 
Gelehrten-Gymnasium verwandt und lehrte notgedrungen in der damaligen Sexta 
gerade das seiner Neigung und seiner Vorbildung am wenigsten entsprechende 
Französisch. Es wurde ihm aber hierauf aus Rücksicht auf seine in Weilburg 
lebende verwitwete Mutter gestattet, sein vorschriftsmässiges Probejahr vom 
Herbst 1850 bis Januar 1852 am dortigen Gymnasium abzuleisten. Bei dieser 
Gelegenheit fand er gleichzeitig als Hilfslehrer für das Lateinische und Deutsche 
seine Stelle und erhielt hierzu das Ordinariat der Sexta, worauf er am 1. Januar 
1852 eben dort als Collaborator mit bescheidenen 200 fl. Gehalt fest angestellt 
wurde. Zwei Jahre darnach, im Herbst 1854, legte er vorschriftsgemäss die 
zweite, sogenannte praktische Staatsprüfung ab. Sind nun auch Prüfungen im 
allgemeinen sozusagen nur Momentaufnahmen, da sie von allen Zufällen des 
Augenblicks abhängen und so wenig den Gradmesser des wirklichen Wertes 
des Prüflings darstellen, als selbst Musterschüler nicht immer eine Garantie 
für Mustermenschen abgeben, so hat doch der Ausfall dieser Prüfung mit seinem 
das des Maturitätsexamens wiederholenden Prädikat „gut" den wirklichen Wert 
des Wissens und Könnens Ottos für immer festgesetzt, und hat der Schreiber 
dieses um die gleiche Zeit, als der junge Collaborator seinen Mitabiturienten 
und ihm ein erbetenes Privatrepetitorium in der alten Geschichte gab, mit 
heiliger Scheu das profunde Wissen des um 6 Jahre Aelteren angestaunt, so sieht 
er nun aus dem vor ihm liegenden 6 seitigen „Auszug aus dem Generalvortrag", der 
aus Pirnhaber, Lex, F. P. Müller und Cuntz zusammengesetzten Prüfungs- 
kommission mit freudiger Genugthuung, wie berechtigt schon seine damalige 
Wertschätzung war. Denn hat auch das Urteil „misslungen" über das gelieferte 



166 

französische Exercitium und die Bemerkung: „Die Aufgabe aus der Natur- 
geschichte wurde nicht gelöst", nur das oben angeführte freimütige Bekenntnis 
des Examinanden vor der Prüfung bestätigt, so haben doch die Prädikate 
„vorzüglich" für die deutsche, lateinische und griechische Arbeit mit den Unter- 
stufen „fast gut" und „gut" den ausbündigen Philologen gekennzeichnet und 
ihm mit Recht das endgiltige Zeugnis: „gut befähigt zu dem Unten-icht in 
den altklassischen Sprachen, der Geschichte und der deutschen Sprache und 
Litteratur in allen Klassen eines Gymnasiums" eingetragen. Wie sicher er 
übrigens seines Erfolges sein musste, beweist die Thatsache, dass er schon 
am 14. Juni 1853 mit Elisabeth Jakobine, geb. Kröck von Diez, seiner ihn 
überlebenden, um ein Jahr jüngeren Gattin, in die Ehe getreten war. Diese 
Ehe von vorbildlicher Innigkeit war fast volle 50 Jahre das treueste Zeugnis 
vom Werte beider Gatten. Ihr sind vier ebenbürtige Kinder entsprossen: 
Reinhard, dermalen Sanitätsrat und Oberarzt an der Irrenanstalt Herzberge 
der Stadt Berlin, Marie, die Gemahlin des Professors K i e n i t z am Gymnasium 
in Karlsruhe, Ernst, zur Zeit Oberleutnant im 10. Lothringischen Infanterie- 
Regiment 1 74 und Elisabeth, Gemahlin des Apothekers Schott in Lorsch. 

Bis zum Jahre 1859 verblieb Otto am Weilburger Gymnasium, der 
Reihe nach, wie die zu Rate gezogenen dortigen Programme ausweisen, mit 
den Ordinariaten der Quinta, Sexta und Septima betraut, wozu sich 1857/58 
noch die Verwaltung der Bibliothek gesellte. Zugleich bezeichnet das Jahr 
seines Abgangs von dort die Zeit seiner ersten schriftstellerischen Thätigkeit, 
zu der freilich zunächst nur das übliche Muss des dazu an der Reihe seienden 
Gymnasiallehrers Anlass bot. Im Gymnasialprogramm von 1859 erschienen 
seine „Beiträge zur Lehre vom Relativum bei Homer, 1. Teil", eine Arbeit, 
die er selber zwar bescheiden nur „ein Scherflein zur weiteren Prüfung" nennt, 
die aber bei dem Stande des damaligen homerischen Wissens sicher eine höhere 
Wertung erhielt. Hätte sie doch sonst schwerlich einen zweiten Teil erhalten. 
Jedenfalls hat sie an Fleiss der Beobachtung nichts zu wünschen übrig gelassen. 

Von hier ab vcrfloss seine Amtsthätigkeit bis zu seinem Rücktritt im 
Jahre 1894 ununterbrochen am Wiesbadener Gymnasium, der Anstalt, der 
bekanntermassen immer die hervorragenden Lehrkräfte des alten Herzogtums 
zugeführt wurden, weshalb auch der damalige Regierungsrat F i r n h a b e r 
am Jubiläumstage Otto 's es als sein besonderes Yerdienst bekennen durfte, 
dass er ihn als solchen erkannt und hierher gerufen habe. Hier wurde er 
am 1. Januar 1860 vom Collaborator zum Konrektor mit 1100 fl. befördert 
und musste neben dem Unterricht in Geschichte in Quarta, Tertia und Sekunda 
und in Geographie für Quinta den 9 stündigen Lateinunterricht für das Schul- 
jahr 1859/60 im Realgymnasium übernehmen. Von letzterem wurde er im 
folgenden Jahre zum grossen Leidwesen des Direktors der letzteren Anstalt, 
aber zur begreiflichen eignen Gcnugthuung, die jeder in solcher Zwitterstellung 
befindlich Gewesene ihm nachfühlen wird, entbunden, um von da ab bis 1873, 
fast beständig mit dem Ordinariate der Tertia, seit 1866 der Obertertia, be- 
lehnt und 1870 zum Oberlehrer ernannt, Deutsch, Lateinisch, Griechisch und 
Geschichte in der einen und anderen Klasse zu lehren. Zwischendurch aber 



167 

von Ostern 1863 bis zu dem denkwürdigen Morgen im Juni 1866, wo er, 
um 6 Uhr früh angetreten, die Schule geflohen fand, übernahm er sogar den 
Lateinunterricht in der Kadettenschule. 

In diese Zeit fällt 1863 seine zweite litterarische Arbeit: „Graf Philipp 
von Nassau-Weilburg und der Schmalkaldische Krieg"'), die erste geschicht- 
liche, mit der er seine bis ans Ende dauernde segensreiche Laufbahn als 
nassauischcr Geschichtsforscher betrat. Zugleich beginnt seine verdienstvolle 
Mitgliedschaft am Verein, dem er seit 1859 und noch im selben Jahre als von 
da ab ständiges Vorstandsmitglied angehörte, dessen Direktor er von 1878—1887 
war und zu dessen Ehrenmitglied er 1894 ernannt wurde. Im Osterprogramm 
des Gymnasiums vom folgenden Jahre beschliesst er seine schriftstellerische 
eigentliche philologische Thätigkeit mit dem zweiten Teile seiner „Beiträge 
zur Lehre vom Eelativpronomen bei Homer", das frühere „Rolativum" nun 
mit dem genaueren „Relativpronomen" präzisierend. Der Grund dieses immer 
seltsam erschienenen frühen Endes seiner produktiven philologischen Thätigkeit 
ist uns nun erst klar geworden, wo uns die Worte seines curriculum vitae 
vorliegen: „appetebam autem rerum magis cognitionem atque institutionem 
publicarum et litterarum quam sermonis et linguae leges", und wir begreifen 
nun, dass die von ihm mit so vielem Fleisse und Erfolg betriebene sprachliche 
Seite der Philologie ihm nie so sehr Herzens-, als Pfiichtsache war. Jene zwei 
philologischen Programme sind möglicherweise nur der Anregung seines damali- 
gen treuesteu Freundes, des verstorbenen Professors Fleckeisen, zu verdanken. 

Dem ins reifere Mannesalter Getretenen öffnen sich indes dem Herkommen 
gemäss die Ordinariate der höheren Klassen Untersekunda bis Oberprima, und 
mit der Vergrösserung der Aufgaben und wohl auch der Lehrkräfte vermindern sich 
entsprechend die Unterrichtsstoffe, die sich nach Ausweis der Programme allmählich 
auf Lateinisch und Griechisch beschränken. Und nun beginnt auch die vollere 
litterarischo Thätigkeit, der freilich, wie er selbst einmal gestand, die Korrektur so 
vieler lateinischer und griechischer Exerzitien wenig günstig war, aber nun auch die 
so viel schwierigere Korrektur der lateinischen Aufsätze nicht hinderlich wurde, 
ebenso wenig, wie die ihm zu der Zeit verordnete ehrenvolle Mitgliedschaft an 
der Prüfungskommission „pro schola et rectoratu" im Regierungsbezirk für alte 
Sprachen und Geschichte. Es ist ordentlich, als ob der Rastlose, der um diese 
Zeit auch noch immer neben so manchen anderen ähnlichen Beschäftigungen 
seinen langjährigen Unterricht im Fritze'schen Mädchenpensionate fortsetzte, 
damit den Ausfall seiner geschichtlichen Gymnasialthätigkeit decken wollte. 
Denn nun erscheint zunächst als Vorläufer seiner spezifisch nassauischen Ge- 
schichtsforscherarbeit wie eine Verbeugung vor dem neuen grösseren Vaterlande 
im Gymnasialprogramm 1873 seine Abhandlung aus der preussischen Geschichte: 
„Die Teilnahme der brandenburgischen Truppen an der Expedition Wilhelms 111. 
nach England", die „in etwas veränderter Fassung" den im Februar 187:^ im 
Museum gehaltenen Vortrag des Verfassers wiedergibt und in dem Programn) 
des städtischen Gymnasiums zu Königshütte vom Direktor Dr. B r o c k unter 



1) Annal. 7, 1, 296—98. 



168 

dem Titel: „Ueber die Teilnahme der brandenburgischen Truppen an der Fahrt 
Wilhelms von Oranien nach England" eine nachprüfende Ergänzung erfahren hat. 

Alsdann aber tritt er zum erstenmale 1877 mit einem selbständigen Buche 
auf den Plan, das zunächst zur Begrüssung der damals hier tagenden Philologen- 
versammlung bestimmt, zugleich verheissungsvoll bestimmend für seine ganze 
spätere litterarische Thätigkeit wurde und ihn zu dem gemacht hat, was soeben 
die Stadt in dankbarer Erkenntnis der unvergänglichen Verdienste ihres ver- 
ewigten, gelehrten Mitbürgers um ihre Geschichte in der Schaffung einer Otto- 
strasse für immer festgelegt hat, zum unübertroffenen Geschichtsschreiber der 
Stadt Wiesbaden. Wir meinen seine „Geschichte der Stadt Wiesbaden", mit 
einem historischeu Plane von der Stadt-) und sind noch heute der Ueberzeugung, 
dass wir in einer Rezension dieser Schrift in der Westdeutschen Zeitschrift mit ihrer 
Bezeichnung: „Ein Kabinetsstück historischer Kunst" das Rechte getroffen haben. 
Denn sie bietet noch ohne selbständige Forschung in gedrängter Zusammen- 
fassung, zugleich als ihre stillschweigende Kritik, die gesicherten Ergebnisse 
aller bisherigen Darstellungen der Stadtgeschichte mit der ihrem Verfasser nun 
einmal gegebenen unvergleichlichen Zuverlässigkeit und Treue. Dazu ist sie, 
nächstdem dass der Schreiber dieser Zeilen bei seinem damaligen Weggang nach 
Miltenberg ausser seiner Sammlung nassauischer Studenten dem Freunde seine 
Materialien für die Wiesbadener Gemarkungsnamen zur Weiterbearbeitung und 
Vollendung übergeben hatte, der folgenreiche Anlass geworden, dass er unter 
grosser selbstloser Mühewaltung, die nur einer, der, wie wir, den vorigen Zu- 
stand kannte, voll zu würdigen weiss, der erste Ordner und damit gewissermassen 
der Schöpfer des Stadtarchivs wurde. Auf Grund des in letzterem befindlichen 
Quellenmaterials und unter Zuhilfenahme des Staatsarchivs konnte er alsdann mit 
fast aliwissender Kenntnis des Stoffes seine alsbald beginnenden erfolgreichen 
Forschungen über die Vergangenheit der Stadt auf erbauen. 

Seinem zähen Fleisse gelingt es, schon im Jahre 1879 davon Proben 
abzulegen, als erste: „Zur Geschichte der Stadt Wiesbaden", die sorgfältigst 
mit Urkunden belegt, eine genaue Beschreibung der Weiher, der Mauern und 
Thore, der Verteidigung der Stadt, der Letzen und Wachttürme und der Ver- 
pflichtung der Unterthanen zum Weiher- und Mauerbau bietet'^); als zweite: 
„Die Rodungen in der Gemarkung von Wiesbaden: 1. der Neroberg, 2. die 
Wellritz, 3. der llainer"^); als dritte: „Aus der Bürgermeisterrechnung der 
Stadt Wiesbaden vom Jahre 1524"-^); als vierte: „Die Schuldisziplin zu Wies- 
baden in der Mitte des 18. Jahrhunderts".") Daneben berichtet er im selben Jahre 
über den Rosse l'schen Nachlass als Zusatz zu M e n z e 1 s Regesten der in dem 
Archive des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 
aufbewahrten Urkunden.'') Auch einen „Brief des Fürsten Karl Wilhelm von 
Nassau"^) veröffentlicht er in diesem Jahre. Zu gleicher Zeit setzt hier seine 
bis ans Ende dauernde, später mehrmals mit Dr. W i d m a n n geteilte Thätig- 
keit für nassauische Bibliographie mit der „neueren historischen, das Vereins- 



2) Wiesbaden, Jul. Xiedner 1877. 179 S. 8«. — ^) Annul. 15, 41—98. — ^) ib. 390. — 
<*) ib. 295 f. - «) ib. 369 tf. - ') ib. 264 f. - ") ib. 399. 



169 

gebiet betvefFenden Litteratur" gewissormassen als Abschlag auf die von ihm 
leider vergeblich erstrebte Gesamtbibliographie Nassaus ein, die ihm sehr am 
Herzen lag, aber nur zu einer kleinen Sammlung bei ihm gedeihen wollte, da 
die Schwierigkeit der Beschaffung des Materials übergross für ihn, den Einzelnen, 
war. Dieser bibliographische Gedanke hat ihn offenbar auch bestimmt, der 
Einladung zur Mitarbeit au den „Jahresberichten der Geschichtswissenschaft im 
Auftrag der historischen Gesellschaft, herausgegeben von F. Abraham, 
J. Hermann und Edm. Meyer" stattzugeben. Er behandelte dort von 
1880 ab 11 Jahre lang den „Mittelrhoin", später den „Mittelrhein und Hessen", 
mit gewiegter Sachkunde, wie sorgfältiger und klarer Hervorhebung des Wesent- 
lichen in der erschienenen Litteratur, sich selber dabei mit dem für die eignen 
Arbeiten nötigen Wissen aufs höchste bereichernd und anregend. 

Bedenkt man, welche zeitraubende Arbeit schon dies allein neben der 
mit dem gewissenhaftesten Fleisse gepflegten Schularbeit darstellt, so kommt 
man nicht aus dem Staunen und Verwundern heraus, wenn man sieht, wie von 
hier aus kein Jahr vergeht, in dem er nicht ein zweiter 'ASa[j.avtto? und 
XaXxsvTspo? gleich Origenes mehrere Stadt- und andere geschichtliche Arbeiten 
zugleich veröffentlicht. Wir begegnen deshalb in demselben Jahre 1880 einem . 
Vortrag über „Die Einwirkung des Bauernkriegs 1525 auf die Bürger von 
Wiesbaden", wie über „Die Namen der Wiesbadener Bade- und Gasthäuser"^) 
und seiner „Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden". ^^) Die letztere ist 
um so wichtiger und verdienstlicher, als sie die sorgsam aus den Quellen 
herausgeholte Vorgeschichte des jetzigen Königl. Gymnasiums darstellt. 

Im Jahre 1881 rückt Otto nach dem Tode des Professors K i r s c h b a u m 
an dessen erste Oberlehrerstelle auf und erhält als verdiente Auszeichnung den 
Titel Prorektor und Professor. In dasselbe Jahr fällt seine kleine Arbeit über 
das „Exordium magnum ordinis Cisterciensis" im „Neuen Archiv der Gesell- 
schaft für ältere deutsche Geschichtsforschung"^^), sowie drei Vorträge. Der 
erste gibt „Mitteilungen über die sogenannte Fräuleinsteuer in der Grafschaft 
Wiesbaden" (Rhein. Kurier 1881, No. 35 u. 36), der zweite bringt „Mitteilungen 
aus Briefen des Superintendenten Grote von Usingen an dessen Oheim, den 
darmstädtischen Geheimrat Wilh. v o n S c h u 1 1 z"^-)? ^velche über die Stimmung 
des nassauischen Volkes in den ersten Jahren (1756—58) des siebenjährigen 
Krieges belehren, der dritte handelt über „Das Geschlecht der Herren von 
Wiesbaden und deren Besitzungen".^''') 

Das folgende Jahr 1882 ist mit nicht weniger als 14 Veröffentlichungen 
ausgezeichnet, das Ergebnis der nie unterbrochenen Studien der vorangegangenen 
Zeit. An ihrer Spitze steht die selbständige Schrift: „Das Merkerbuch der 
Stadt Wiesbaden, ein Beitrag zur Geschichte der Stadt im 14. und 15. Jahr- 
hundert" ^')i das nicht nur dies älteste Stadt- und Gerichtsbuch der Stadt mit 
erschöpfenden Anmerkungen zum Abdruck bringt, sondern auch in seinem 



»j Rhein. Kurier 1880, No. 11. — '°) Gymnasialprogramm 1880. — ") Bd. 6, S. 605. 
— i^X Rhein. Kurier 1881, No. 59. — ^^) Ebenda No. 237. — ^*) Wiesbaden, Jul. Niedner, 

1882. 92 S. 8". 



170 

Anhang die wertvollsten urkundlichen Nachrichten über die Grafen von 1355 bis 
1596, den Adel in Wiesbaden von 1360—1460, die Klöster und Stifter, welche 
in Wiesbaden Besitzungen haben, das Hospital, die Brüder der elendigen 
Brüderschaft zu Wiesbaden 1388, die Bäder zu Wiesbaden bis zum 30 jährigen 
Kriege, städtische Beamte im 14. und 15. Jahrhundert und Münzenverhältnisse 
liefert und damit den Beweis der Meisterschaft 1 1 o ' s auf diesem Gebiete 
minutiöser Lokalforschiing. Dem „Merkerbuch" folgt ein Vortrag über „Das 
Aufkommen des Hauses Nassau-Oranien"^'^) und diesem die Annalenartikel : 
„Nassauische Biographie" ^^), die er später mit Dr. Widmann fortsetzte, 
„Die Beschreibung des Rheiugaus von Bartholomaeus Angelus und Johannes 
Butzbach aus dem 15. Jahrhundert" ^■'), „Kaspar Hedio's Sendbrief an die 
Rheingauer vom 25. November 1574"^^), „Der Brand zu Bingen 1540"^"), 
„Karte des Rheingaus von 1525"-*^), „Die Waldschmieden in Weilburg im 
15. Jahrhundert"-^), „Die Zahl der Pferde vor dem 30jährigen Kriege"^^), 
„VogePs litterarischer Nachlass"'^'^), „Römische (?) Ilufeisen"^^), „Christliche 
Inschriften aus Wiesbaden"-'^) und endlich „Sonnenberg". -^) 

Etwas minder fruchtbar lässt sich das Jahr 1883 an, denn aus ihm sind 
nur die folgenden Veröffentlichungen aufzuführen: „Schauspieler in Schwal- 
bach"^''), „Johann Hofmeister"^^«), „E. A. Krugs Salzquellen"23) und in Ver- 
bindung mit Dr. Fritze „Zwei Gedichte über Wiesbaden aus dem 15. Jahr- 
hundert"^^), der Fortsetzung der „Nassauischen Biographie" und der Vereins- 
gebietslitteratur nicht zu gedenken. Dazu kommen noch ein Vortrag über „Die erste 
Erwähnung des Namens Wiesbaden bei Einhard" und „Mitteilungen zur Sitten- 
geschichte des nassauischen Landes auf Grund fürstlicher Verordnungen".-''^) 
Wir nennen aber gewissenhaft, so weit es uns möglich ist, alle diese seine 
Publikationen mit Namen und werden es weiterthun, so registerhaft es sich aus- 
nimmt, weil sie nicht bloss Kinder seines Geistes, sondern auch, wie jeder 
Schriftsteller weiss, Kinder seines Herzens sind, auf denen sein Auge liebe- 
und erwartungsvoll geruht und die darum ebenso viel zum bibliographischen, 
als zum biographischen Material seiner Darstellung gehören, zumal sie die son- 
stige Ereignislosigkeit seines Lebens unterbrechen, das, wie das des Militärs, 
nur „des Dienstes gleichgestellte Uhr" kennt und kaum einmal von einer 
Ferienreise unterbrochen ward, wie etwa der unvergesslichen zu uns nach 
Miltenberg und solcher zu Verwandten. Ausserdem aber ahmen diese ein- 
tönigen Namen genau den Rhythmus des eintönigen Lebens nach. 

Nun aber folgt ein Jahr der Ehren, wie es selten einem Schulmannc zu 
teil wird, hier aber an einen reichbognadigten Lehrer und Jünger der Wissen- 
schaft zum Bcwusstsein brachte, wie hoch noch immer, gleich ehrend für den 
Gefeierten wie für die Feiernden, eine in bescheidener Stille geübte, reine, 
treue und erfolgreiche Pflichterfüllung gewertet ist. Am 6. Mai 1884 waren es 
von seinen 32 Amtsjahren 25, dass unser Freund, damals ein Achtundfünfziger, seine 



'*) Rhein. Kurier No. 223. — '") Annal. 17, 42—55. — ") ib. 11 — 16. — '^) ib. 16 
bis 23. — 1») ib. 23 f. - ^'') ib. 34, mit einer Tafel. - ^') ib. 35-39. — ^2) ib. 39-41. — 
*•■') ib. 70-72. — ^*) ib. 106. — ^^) ib. 143-145. - '") ib. 146-148. - ^J) Annal. 18, 27. 
— *^) ib. 54. — '■*») ib. 142. — "") ib. 143 f. — =") Rhein. Kurier 1883, No 261. 



171 

Lehrthätigkeit dem Wiesbadener Gymnasium allein gewidmet hatte, und es ist 
wahrhaft herzerquickend, in den damaligen hiesigen Blättern zu lesen, wie 
man sich zum Dank für so viel empfangenen Segen beeiferte, dem Jubilaro 
diesen Tag zu einem Lebensfeiertage zu gestalten. Schon am Morgen über- 
raschten die Schüler der oberen Klassen des Gymnasiums den hochverehrten 
Lehrer mit Ueberreichung einer Sammlung künstlerischer Abbildungen athenischer 
Altertümer. Darauf begab sich eine Deputation der Lehrer der Anstalt in 
das Haus ihres Kollegen, um in einer Ansprache unter wärmsten Glück- 
wünschen den Gefühlen treuer Liebe und innigster Hochachtung im Namen des 
Kollegiums Ausdruck zu geben und zu bleibender Erinnerung an den Ehrentag 
ein künstlerisch ausgestattetes Album mit den Photographien sämtlicher Kollegen, 
wie als Symbol seiner beglückten hohen Gymnasialmission einen prächtigen 
Hermeskopf und Ansichten seiner Wirkungsstätte, des Gymnasiums und der 
Stadt, deren beider Geschichtsschreiber er geworden, ihm darzubringen, Auch 
von vielen anderen Seiten flössen ihn in Briefen, Telegrammen, unter anderen 
einem lateinischen seines alten Freundes, des Gymnasialdirektors Bern- 
hardt in Weilburg, im Namen der dortigen Anstalt, und Blumen- 
spenden die Beweise dankbarer und pietätvoller Teilnahme an seinem ge- 
segneten Lebenswerke zu. Am Nachmittage aber versammelten sich die 
älteren Schüler, Kollegen und Freunde des Gefeierten, 90 an der Zahl, 
im Saale des nun abgebrochenen Gasthofes „Zum Adler", um einige Stunden 
in zwangloser Freude mit ihm zusammen zu sein. Die Worte, die bei diesem 
Anlass gesprochen wurden, legen ein tief ergreifendes Zeugnis von dem ab, 
welch ein beseligender Lohn der Anerkennung, Dankbarkeit und Pietät der 
anspruchslosen Treue beschieden ist. Es wird wohl selten einem Gymnasial- 
direktor, wie dem damaligen Direktor Dr. P ä h 1 e r , vergönnt gewesen sein, 
einen solchen aus dem Herzen gequolleneu Hymnus auf einen seiner Lehrer 
auszubringen, wie den damals auf Otto, und es hat noch kein nassauischer 
Gymnasiallehrer erlebt, dass, wie es damals durch einen seiner ältesten Schüler, 
den jetzigen Geh. Sanitätsrat Dr. Arn. Pagenstecher, geschah, dem Jubilare 
unter den Worten des ehrenreichsten Dankes im Namen der Mitschüler die Spende 
einer Sammlung zu einer mit seinem Namen auf immer verbundenen Stiftung 
zu Zwecken der Anstalt zu Füssen gelegt wurde, damit auf alle Zeiten der 
Name „des milden und gerechten Lehrers" mit den Annalen der Anstalt ver- 
knüpft sei und die „Ottostiftung" noch in den fernsten Tagen dem befähigten, 
mittellosen Schüler der Oberklassen bezeuge, was er der Liebe und Pietät längst 
Verstorbener für ihren alten Lehrer verdanke. Und welch ein tiefempfundenes 
„Gaudeamus igitur" neben den zwei launigen deutschen Liedern hat die Muse 
des Professors Aug. A m m a n n bei dieser Gelegenheit dem geliebten Ver- 
wandten und Freunde erklingen lassen!"") Und doch hat niemand diesen Tag 

*^) Es stehe hier zu beider Ehren: 

Gaudeamus igitur Gaudeamus plurimum! Eoce! quot disoipuli 

Hac solerani hora! Namque celebramus üiiinium aetatuni, 

lam replete vos Germano Excellentem professorem, Post ludorum onera 
Vino pocula Rheuano Rerum iuvestigatorem, liouum eius opera 

Omnes sine mora ! Omnes quem amamus. Naucti vitae statum. 

[Fortsetzung umstehend!] 



172 

tiefer und reiner und damit seiner würdiger gefeiert, als der Gefeierte selbst. 
Das besagen die Worte, mit denen er die seines Direktors erwiderte und die 
wir darum gleich dem oben mitgeteilten curriculum vitae seiner Hand als 
treueste Selbstzeichnung seines Wesens seinem Gedächtnis nicht unterschlagen 
dürfen. Sie lauten: „Mit tiefbewegtem Herzen ergreife ich das Wort, um 
nächst Gott Ihnen, meine hochverehrten Herren, meinen innigen Dank aus- 
zusprechen für die hohe Ehre, welche Sie mir heute erweisen, die ich nicht 
erwartet, deren ich mich nicht für würdig gehalten habe. Denn, was 
ich gethan habe, hielt ich für ein einfaches Gebot der Pflicht und weiter 
keiner Erwähnung wert. Ich gestehe, dass ich immer und mit Freude 
täglich meinen Schulgang machte und sogar mit Interesse die lästige Korrektur 
besorgte. Aber was Sie mir heute bereitet haben, übersteigt das Mass dessen, 
was ich iro:end erwarten oder hoffen konnte. Nehmen Sie dafür meinen 
herzlichen, innigen Dank. Doch möchte ich heute den Gedanken, der uns 
hier zusammengeführt hat, erweitern und sagen: Es ist nicht die Person, 
die Sie feiern, sondern es ist die Schule, der ich nun 25 meiner besten Jahre 
gewidmet habe. Es ist ein Fest der Schule, das sich nur an meine Person 
anlehnt. Denn alle, die wir hier versammelt sind, stehen mit dieser Schule 
in enger Beziehung, sei es als Lehrer oder als Freunde oder als ehemalige 
Schüler. Daher darf ich Sie unbedenklich auffordern, mit mir in den Wunsch 
einzustimmen, dass unsere Anstalt weiter und weiter blühen und gedeihen 
möge." Wie aber diese Worte den Menschen, so zeichnen die anderen, die 
wir deshalb ebenso mitteilen müssen, den Pädagogen Otto, wenn er nach 
dem Dank für die ihm gewidmete Stiftung, der Schüler gedenkend, den Trink- 
spruch ausbringt: „Wir Lehrer haben den Vorzug, dass wir mit der Jugend 
in fortwährender Berührung bleiben. Es kommen und gehen die Geschlechter 
derselben an uns vorüber, wir haben immer die gleichen frischen Gesichter vor 
uns und werden inmitten derselben alt, ohne es zu merken. Denn dieser 
beständige Verkehr mit der Jugend hält den, welcher sich für den Sinn und 
die Denkungsart derselben nicht verschliesst, selbst jugendlich. Mit jedem 
neuen Jahr fassen wir dieselbe Arbeit, weil die Schüler neue sind, mit gleichem 
Eifer und gleichem Interesse auf und unser grösster Lohn ist, wenn sie mit 
Eifer und Interesse, wie es gottlob bei den meisten der Fall ist, unserer An- 
weisung folgen." In wie reichem Masse aber die Ehre dieses Tages nicht er- 
sessen, sondern voll verdient war, das hat Otto in der Folge damit er- 



Quam obscurae ante hunc Quid maiores egerint, Vivat Otto, vigeat, 

lies Nassovienses! JJene illustravit ; Diu sit in florel 

Diiigenter indagavit, Ubi doniicilia Quidquid iuvenes iuvat, 

Cuiiose exploravit Fuerint et balnea, Diu porro doceat 

Res Visibadenses. Cläre domonstravit. Sumnio in lionoro! 

Vivat et faniilia 
Carl praeceptoris ! 
Vivat uxor optima, 
Tota gens egrogia 
Nostiü profossoris! 



173 

wiesen, dass er nach wie vor der bescheidene Mann blieb, dessen Lippe nie eine 
Selbstüberhebung befleckt, ja niemals von eignem Verdienst geredet hat, wohl 
aber alle Zeit bereit war, anderer Verdienste anzuerkennen. Ebenso hat er, 
den niemals unedler Ehrgeiz gestachelt, sondern immer nur die einfache Pflicht 
trieb, nicht etwa von dem Erfolg berauscht, höheren Zielen zugestrebt, oder 
umgekehrt die Hände in den Schooss gelegt, sondern im altgewohnten gleichen 
Tempo weiter gearbeitet, so in der Schule, so auf litterarischem Gebiete. 

Auf letzterem haben wir in diesem Jahre die Arbeit über „Ein Lied auf 
Graf Albrecht von Nassau "^'^j und drei Vorträge zu nennen, den ersten über 
„Bevölkerungszahlen im Mittelalter und Geschichte des Schützenhof bades zu 
Wiesbaden"'^^), den anderen über „Die Geschichte des Geschlechts und der 
Burg Eppstein"^-^) und den dritten über „Die Einführung des Gregorianischen 

Kalenders" J^'O 

Dann aber geht, wie es scheint, zum erstenmale ein Jahr ganz leer aus und 
erst das Jahr 1886 bringt neben der gewohnten Vereinsgebietslitteratur"^) und 
dicht hinter ihr „Das Weistum vom Lindauer Gericht"^^), „Ort und Tag der 
Geburt des nassauischen Superintendenten J. D. K. B i cke l"'^''), „Die ältesten 
Bürgermeisterrechnungen der Stadt Wiesbaden, ein Beitrag zur Geschichte der 
Stadt im Anfang des 16. Jahrhunderts, mit Nachtrag"^^) und „Nekrolog des 
am 3. Juli 1885 verstorbenen Gymnasialdirektors a. D. Oberschulrat Dr. K. 
Schwarz".*^) Desgleichen hielt er in diesem Jahre Vorträge über Si ekel 's 
Arbeit betr. unbekannte Briefe Wallensteins, den Namen Biebrich, Arminius, 
die Lorelei und Johannes Hilchen. 

Der 29. Januar des folgenden Jahres 1887 bezeichnet den Abschluss 
seiner 9 jährigen Thätigkeit als Direktor des Vereins. Wird einmal die Ge- 
schichte der Konsuln dieser kleinen nassauischen Republik geschrieben, so 
wird man erfahren, mit welcher Summe von Arbeit, Mühen und leider auch 
Widrigkeiten das lange Konsulat 1 1 o ' s belastet war, und wie letzterer trotz 
aller Einreden — Schreiber dieses entsinnt sich seiner Briefe darüber aus 
Miltenberg — Anlass wurden, die einem so friedfertigen und friedebedürftigen 
Gemüte, wie dem Otto 's, zu schwer gewordene Last von den Schultern zu 
nehmen, von der sie nur der Tod hätte befreien sollen. Denn Otto war bis 
dahin unstreitig der berufenste Direktor des Vereins gewesen, da er seiner 
wissenschaftlichen Bedeutung nach der fachmännischste war und sein Bestreben 
unablässig dahin ging, den Verein dem wissenschaftlichen Berufe zuzuführen, 
den sein Name bedingt. 

Trotz seines Rücktritts vom Direktorat ist er gleichwohl noch ein treues 
Mitglied des Vereins geblieben, wenn auch, wie wir wissen, die widerfahrene 
Unbill zwei Jahre lang in ihm nachgezittert hat. Das erhellt aus seinen Ver- 
öffentlichungen im Vereinsorgan vom Jahre 1889 ab, die sogleich in letzterem 
neben dem Litteraturbericht „Karl Hartwig Gregor von Meusebach, Lebens- 



ää) Annal. 18, 267—272. — '^*) Eheiii. Kurier 1884, No. 58. — ") ib. No. 146. — 
") ib. No. 268. - ") Aimal. 19, 1-13. — "») ib. 39-58. - "*) ib. 54. - ") ib. 76-104 u. 
188. — ") ib. 219—224. 



174 

naclirichteü, von Dr. K. Schwarz für die Annalen bearbeitet"^-), „Das 
Chronogramm auf das Jahr des grossen Brandes von Wiesbaden"^^^), „Wiesbaden 
im Sommer des Jahres 1796 nach den Aufzeichnungen des Wilh. Lautz"^*) 
und den vorläufigen „Nachruf für den Obermedizinalrat Dr. K. Reuter"^^) 
darbieten. 

Ihnen folgen 1 890 die Fortsetzung der Lebensnachrichten über von Meusehach*^) 
und der Nekrolog des „Dr. Karl Reut er"^^) samt der Vereinsgebietslitteratur, 
Wir finden aber auch zum erstenmale im „Evangelischen Gemeindeblatt" zu 
dieser Zeit eine Arbeit von ihm, dorthin wie manche andere später abgegeben, 
w^eil es so seinem rücksichtsvollen Sinn entsprechend erschien gegenüber den 
nicht konfessionellen Annalen. Sie betitelt sich: „Die Einführung der 
Reformation in der Stadt Wiesbaden". ^^) Ihr schliessen sich ebendort 1891 an: 
„Die Jesuiten in der Grafschaft Wiesbaden"*^), „Die Reformierten zu 
Wiesbaden"'^^), „Yertriebene Salzburger in Wiesbaden "•'^^) und „Graf Johann 
von Nassau".''-) In den Annalen dieses Jahres aber finden sich die zahlreichen 
folgenden vor: „Friedrich von Reiffenberg 1515—1595"'*^), „Aus dem Stamm- 
buch des Georg Birckell"^^), „Felix Mendelssohn-Bartholdy's Lied: «Des Jägers 
Abschied«"'''^), „Wallensteins Briefe an den Grafen Johann den Jüngeren von 
Nassau-Siegen"^^), „Ein Reim Hellmunds auf sich selbst"'^''), „Die Juden zu 
Wiesbaden"-^^) und „Zwei Todesurteile des Schöffengerichtes zu Wiesbaden"''^) 
samt der Vereinsgebietslitteratur. 

Nicht minder fruchtbar erwies sich das Jahr 1892. Da sind es in erster 
Reihe die Aufsätze im „Evangelischen Gemeindeblatt" : „Die ältesten Spuren 
des Christentums in Nassau"^''^), „Die Visitationen der nassauischen Kirchen 
des Erzbistums Mainz"*'^), denen sich in der „Zeitschrift für Kirchengeschichte" 
die „Berichte über die Visitationen der nassauischen Kirchen des Mainzer 
Sprengeis in den Jahren 1548—1550"'''-) gesellen, und „Ketzergerichte und 
Staat". ^^) Hierzu kommen in den Annalen: „Johann Hilchen von Lorch"^^), 
„Kourad Oerlin von Wiesbaden""^), „Fürst Karl Wilhelm von Nassau- 
Idstein"^*'), „Johann Konrad von Seibach" nebst Anhängen'"'''), „Das alte 
Wiesbaden" und „Grabschrift des Gustav Ernst von Seydlitz zu Nastätten".''^) 

Nun tritt eine zweijährige Pause in den Veröffentlichungen des un- 
erschöpflich Scheinenden ein, die indes keine Ruhepause im Weiterarbeiten 
bedeutet, sondern nur die Vorbereitung zu grösseren Darbietungen ist, wie sich 
zeigen wird. In diese Zeit fällt aber der schwerwiegende Entschluss, von 
seinem Schulamte zurückzutreten. W^io langen inneren Kampf dieser gekostet 
hat, wissen ausser seinem Hause die nächsten Freunde und werden alle die 
verständlich finden, die begreifen, was es heisst, einen Lebensberuf aufzugeben, 
an dem man mit allen Fasern seines Daseins gehangen hat, wie er, der seine 

") Annal. 21, 43-75. - ") ib. 76. - ") ib. 77-106. - *'') ib. 288. - *") Annal. 22, 
1_14. _ "^ ib. 139-145. - "*) Jahrg. 10, No. 40, 41. - *") Jahrg. 11, No. 5, 6, 12. - 
»») ib. No. 17. - ^') ib. No. 18-21. - ^^) ib. No. 30-83. - ") 23, 1-39. - ^') ib. 90. - 
") ib. 104. - "'") ib. 107-113. — ") ib. 114. - ^') ib. 129-148. — *') ib. 154. - "«) Jahr- 
gang 12, No. 197. - •") ib. No. 47—50. - «') 15, 3, 427-436. - "*) Jahrg. 12, No. 13. - 
) 24, 1-19. — ") ib. 23. — ""j ib. 24. - <") ib. 85—95. — "*) ib. 248-253. 



G4 



1 



<;) 



Liebe zum Lehramte nicht nur erst in seinem curriculum vitae so schön be- 
kannt hat, sondern, \vi(^ die Familientradition W(!iss, schon als kleiner Dorf- 
schüler Brandoberndorfs die Bemerkung machte: „Ich will auch Lehrer werden, 
aber ein anderer als der Herr Kirsch", sein damaliger erster Volksschullehror. 
Es war nicht die Lust nach Freiheit von den langen Fesseln des plagereichen 
Schulhaltens, sondern, was ihn allerwege geleitet hat, sein tiefes PHichtgofühl, 
wasjhn zum Entsagen zwang, dasselbe, das ihn in den letzten Jahren sich 
hatte beugen lassen unter die neue Gymnasialordnung, obgleich sie nicht nur 
seiner altgewohnten Lehrweise Abbruch that, sondern ihm aucii, wie uns Alten 
allen, als eine Gefahr für die Zukunft unserer gelehrten Bildung erschien. Er 
glaubte seines schwieriger gewordenen Gehörs wegen, das er, wie wir zufällig 
fanden, mit mehreren Vorfahren teilte, nicht mehr im stände zu sein, seiner 
Schulaufgabe voll zu genügen und reichte endlich sein Gesuch um Entlassung 
ein, dem, da er ohnedies das vorschriftsmässige 65. Pensionslebensjahr bereits 
überschritten hatte, am 30. November 1893 so ehrenvoll vom Königl. Provinzial- 
Schulkollegium in Kassel willfahrt wurde, dass wir uns nicht entbrechen können, 
den entsprechenden Wortlaut der Antwort hier wiederzugeben. Es heisst nach 
dem vorangeschickten Formellen: „Zugleich nehmen wir gerne Veranlassung, 
Ihnen für die langjährigen, hingebenden, treuen und erfolgreichen Dienste, die 
Sie dem dortigen Gymnasium geleistet haben, unseren besonderen Dank und 
unsere warme Anerkennung auszusprechen. Dem unterzeichneten Vorsitzenden 
des Provinzial-Schulkollegiums gereicht es zu ganz besonderer Freude, dass es 
ihm vergönnt ist, seinem in treuer, dankbarer Erinnerung hochverehrten Lehrer 
diesen Dank und diese Anerkennung übermitteln zu dürfen." Dieser Unter- 
zeichnete aber ist kein Geringerer, als Se. Exzellenz der ehemalige Oberpräsident 
Magdeburg, der Stolz unserer nassauischen Heimat. Und doch 
konnte 1894, Otto selber, wie wir wissen, befremdlich, die Entlassung 
eines so hervorragenden Lehrers im Programm eines Gymnasiums un- 
erwähnt bleiben, das 10 Jahre zuvor sein 25 jähriges Jubiläum mit solcher 
Begeisterung gefeiert hatte, das durch seinen Direktor die Ottostiftung 
verwaltet und in seiner „Bibliotheca pauperum", wie wir hier einschieben 
wollen, das Andenken an ihren menschenfreundlichen Gründer Otto bewahrt, 
und das alles, während dem Scheidenden nicht bloss die hiesigen Tagesblätter, 
sondern selbst die „Kölnische Zeitung" warme Nachrufe widmeten. Die Ver- 
leihung des Eanges der Bäte 4. Klasse kurz zuvor und des Roten Adlerordens 
der gleichen Klasse kurz darnach erwähnen wir nur nebenbei, während wir es 
als eine ungleich höhere Ehre erachten, dass ihm 1894 die Leitung der damals 
sich bildenden historischen Sektion des Vereins, der 1897 der Vorsitz in der 
aus ihr entstandenen historischen Kommission für Nassau folgte, übertragen 
und er im gleichen Jahre 1894 in dankbarer Anerkennung seiner grossen Ver- 
dienste um den Verein und die nassauische Lokalgeschichtschreibung, wie 
bereits bemerkt, zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Lange zuvor, wir wissen 
nicht mehr den Zeitpunkt, war aber schon die Ernennung zum Mitgliede der 
„Gesellschaft für rheinische Geschichtskuude" erfolgt. Unerklärlicherweise 
hat ihn Kürschners „Deutscher Litteraturkalender'% der ihn eine zeit- 



176 

lang verzeichnet hatte, trotz unserer jährlichen Proteste später fallen ge- 
lassen. 

Im Jahre 1895 aber erfuhr man, was den vom Amte Zurückgetretenen 
so schweigsam gemacht hatte. Es waren die umfänglichen Vorarbeiten zu 
seiner jetzt erscheinenden grösseren Schrift „Goethe in Nassau".*'^) Die An- 
regung zu ihr hatte dem in die Wiesbadenforschung nun einmal Eingeschworenen 
ohne Frage der Aufenthalt Goethes in Wiesbaden gegeben. Wie die Geschichte 
unserer Stadt in grösserem oder geringerem Grade den Ausgangspunkt für alle 
seine geschichtlichen Arbeiten abgab, so war von Wiesbaden auch hier nur 
ein Schritt auf Nassau. Stand bei ihm dazu Goethe, wie Homer bei den 
Griechen, im Mittelpunkte der Verehrung, dei er durch immer neue Lektüre 
seiner Werke stetige Nahrung gab, so war auch der Schritt zum nassauischen 
Eustathios vorgezeichnet und der Wettbewerb mit dem Alexandrinismus der 
Goetheforscher, so manche Widerrede er darüber auch von Freunden hören 
musste, um so näher gelegt, als er in echt philologischer Gleichgestimmtheit zu 
ihm aufschaute und ein geborener Scholiast, dem eigenen Triebe nur das Wort 
geben musste. Die Schrift, an der des Verfassers Herz bis zuletzt hing, ist in ihrer 
Weise eine geradezu klassisches Muster von unverdrossenstem Fleisse und 
findigstem Spürsinn für ihren Gegenstand und ehrt ihn als Denkmal treuester 
Pietät für seinen Lieblingsdichter. Noch sein durchschossenes Handexemplar 
legt Zeugnis davon ab, wie er einer völlig abgegrasten Weide noch immer 
eine ganze Zahl stehen gebliebener Gräslein abzugewinnen weiss. Ein „totus 
in illis" ist auch ein Ruhmestitel und kein kleiner. Gleichzeitig erscheint noch, 
ebenso an Wiesbaden anknüpfend, in den „Hessischen Quartalblättern" ein 
Aufsatz: „Der Pfarrer Wolff zu Friedberg 1545— 1548".^o) 

Denselben unvergleichlichen Bienenfleiss, wie „Goethe in Nassau", be- 
kundet 1896 die erste Abteihing seiner „Nassauischen Studenten auf Universitäten 
des Mittelalters"^^), die auf Grund unserer obengedachten Vorarbeiten von 
langer Hand vorbereitet, nach sorgfältigster Durchmusterung aller einschlagenden 
Universitätsmatrikeln, jeden Studenten nicht bloss nennt, sondern auch bis in 
das fernste erreichbare Notizchen über sein ferneres Leben verfolgt, eine 
geradezu staunenswerte Leistung, die in seinem Handexemplare noch eine ganze 
Reihe von Zusätzen aufweist und die in ihrer jetzt erscheinenden zweiten Ab- 
teilung diesen Eindruck nicht unwesentlich verstärkt, aber freilich das ver- 
missen lässt, was wir ihm bei der Uebergabe unserer Anfänge ans Herz gelegt 
hatten und was allein einen solchen Fleiss verdient, den kulturgeschichtlichen 
Nachweis über den in diesen Studenten nicht bloss vertretenen nassauischen 
Bildungstrieb, sondern auch und vor allem den durch sie Nassau zugeflossenen Geist 
aus dem der verschiedenen Universitäten. Dadurch würde unser dermaliger 
Bildungsstand wirksam erklärt und unter anderem anschaulich gemacht werden, 
wie dieses kleine Land — wir zählten sie einmal mit dem Freunde zusammen — 
nicht weniger als etwa 25 wissenschaftliche Vertreter auf deutschen Universitäten 
besitzt, dessen zu geschweigen, was dieser zugeflossene Geist an Bildungs- 



»J Annal. 27, 53 — 188. — '") 1895, 669—671. — ") Annal. 28, 97-154. 



1 



i i 



elementen in langen Jalirliundorton in Staat, Kirclio und 8chulo goAvnrfen 
hat. Hier ist die erste Konstitution, zuerst die Union und di(! Siniultan- 
schulo erstanden, entspreeiiend dem, dass, wie wir in diesen IJlättern 181)2 /u 
erweisen versuchten, liier auf nassauischem Boden, ein TInikum in dor Kirclnni- 
g-eschichte, einst ein Siihnekloster auf dem Grabe eines Gebannten stand. Auf der 
von Otto geschaffenen, ausgesucht vortrefflichenllntcrlage kann nunmehr aber das 
Versäumte, besser das, wie wir gleich sehen werden, unserem Freunde Unmögliche, 
nachgeholt werden. Die rechte jugendliche Kraft dazu wird sich schon finden, die 
wie der wunderbare P r e n s s e n auf seinem Gebiete ein echtestes Kind der 
Heimat in ihrer Seele liest und das ihr Zugeraunte von fremd her mit stillem 
Fleiss zu ermitteln weiss, ein treuer Otto, nur mit anderen Augen. Doch 
vergessen wir uns nicht, sondern melden wir, dass dieser grösseren und grossen 
Arbeit unseres Freundes noch im gleichen Jahre die kleinere über „Zwei Eber- 
bacher Inschriften"^-) und die Vorträge in der historischen Sektion des Vereins 
gefolgt sind über „Den Besuch der Universität Bologna durch Scholaren aus 
dem Gebiete des vormaligen Herzogtums Nassau", über „den Geheimschreiber 
Karls V. Alexander von Schweiss aus Herborn '•'•, über „Das Buch desWilh.Triphyllo- 
daenus" und über „Erklärungen der Namen Seeroben, Kohlkorb und Leberborg''. 

Da wir dem Unermüdlichen seiner Zeit nicht vergeblich das Material aus 
der Miltenberger Sammlung angetragen hatten, so erscheint 1897 seine Ab- 
handlung über „A. F. Hofmann, Präsident des rheinisch-deutschen National- 
konvents in Mainz, seine Sendung nach England in den Jahren 1793, 1794, 1795 
nebsteinigen anderen Nachrichten über seinLeben'"^''), abermals ein beredtes Zeug- 
nis von der gründlichen Beleuchtungsart des Verfassers für jeden Gegenstand, 
der in seinen Gesichtskreis fiel, aber auch hier wieder nicht die volle Erfüllung 
des von uns Gewünschten. Wir hatten in Anknüpfung hieran um die Ent- 
wickelung des revolutionären Gedankens auf nassauischem Boden bis zum 
Jahre 1830 gebeten. Auch das wird man wohl einmal nachholen. Otto 
aber hielt im gleichen Jahre noch Vorträge über „Die Freimaurer in Nassau 
im 18. Jahrhundert und den Freimaurerkonvent zu Wiesbaden 1796"'* und 
„Das älteste Einhorn in Wiesbaden*".^') 

Die beiden nächsten Jahre 1898 und 1899 zeitigen das Lieblingskind 
seiner Forschung: „Die Ciarenthaler Studien"'' ')? ^^^^ Arbeit von um so höherem 
Verdienste, je spärlicher die Quellen zu ihr fliessen und mit je peinlicherem 
Pleisse die geflossenen ausgebeutet erscheinen, deren Schluss aber, dass wir 
vorgreifen, das „Nekrologium des Klosters Clarenthal bei Wiesbaden"^"), den 
Gipfel dieses Verdienstes bedeutet, da wohl selten, mit Ausnahme der be- 
deutenderen, ein so bescheidenes Klosterbuch, wie dieses, die Ehre einer 
solchen bis in die kleinsten Teile und Teilchen liebevollen, geradezu aus- 
pressenden gelehrten Bearbeitung genossen hat, dass das Ganze eine gelehrte 
Filigranarbeit ersten Ranges genannt werden darf, nur dass auch hier wiederum 
der Mangel der Verfolgung des kulturliist(n-ischen Interesses zu beklagen bleibt. 



^ä) ib. 296— 298. — ") Annal. 29, 77-92. — ") Mittoil. d. Vor. 1898, 72-74, 103-lOG. 

— ")' 29, 2, 172—201 u. 30, 1—54. — ") Wiosbiidon, IJcritfmaiin 19(il, VoiüHentli<Oimip:eii 

der liist. Koiiiniissiou f. Niissnii, TTl. 

12 



178 

Damit ist aber die Summe dieses Riesenfleises in der gleichen Zeit nicht ef- 
schöpft. Wir treffen 1898 noch auf die kleinere Arbeit: „Die Zerstörung der 
Stadt Wiesbaden im Jahre 1242'^"), der gleichzeitig „Wiesbaden eine königliche 
Stadt im Jahre 1241"^-), „Goethe und der Verein für nassauische Altertums- 
kunde und Geschichtsforschung'''-') und „Zur Geschichte des Grafen Johann 
von Nassau-Idstein und Wiesbaden ''^o) folgen. Dagegen hat das Jahr 1899 
nur drei kleinere Abhandlungen aufzu^Yeisen: „Die Wellritz, ihr Name und 
ihre Benutzung durch Bürger und Adel im 14. Jahrhundert''^^), „Mitteilungen 
aus dem Stammbuch des J. A. Ritzhaub'"^-) und „Friedrich von Reiffenborg 
auf der Universität zu Wittenberg''/^-') 

Dafür bringt das Jahr 1900 seine letzte grössere Schrift als zweite der 
„Veröffentlichungen der historischen Kommission für Nassau" und erste der 
„Quellenschriften zur nassauischen Rechts- und Verfassungsgeschichte" : „Das 
älteste Gerichtsbuch der Stadt Wiesbaden". ^^) Ein Pendant zu dem soviel 
älteren „Merkerbuch" erfährt dieses eigentliche und darum älteste Stadtgerichts- 
buch von 1554—60 seine sorgfältige, wo es not thut, mit Anmerkungen ver- 
sehene Wiedergabe. Zu seinem Verständnis aber ist ihm eine eingehende 
„Historische und rechtsgeschichtliche Einleitung" vorausgeschickt, die fast die 
Hälfte des Ganzen ausmacht und in gewohnter meisterhafter Sachkunde nichts 
zur Erläuterung dieses volkstümlichen Gerichtsbuches vermissen lässt. Ebenso 
aber zeigen „Die Namen und Lage von Wiesbadener Oertlichkeiten"**', „Der 
Name Heil (Heyl) zu Wiesbaden im 16. Jahrhundert'"^") und „Nachträge zu 
Goethe in Nassau" ^^) die nimmersatte Lust des Verfassers an seiner lokal- 
geschichtlichen Aufgabe. 

Dasselbe wiederholt sich noch im Jahre 1901 in dem „Verzeichnis der 
Güter des Klosters Eberbach im Rheingau in der Feldmark zu Wiesbaden im 
Anfang dos 14. Jahrhunderts„^^), „Den Grenzbegängen der Stadt Wiesbaden"**")? 
den „Stammbuchversen schweizerischer Pilgerfahrer"-"') und der „Gräfin 
Maro-arethe von Nassau-Idstein und die Stadt Wiesbaden".''^) Selbst das ver- 
liäno-nisvoUe Jahr 1902 hat noch zwei, freilich früher vorbereitete Arbeiten 
seines Fleisses aufzuweisen: „Die Kreuzfahrer aus dem Gebiete des späteren 
Herzogtums Nassau"-'-) und „Zinsregister der Mauritiuskirche zu Wiesbaden". **•') 

Dann aber entfiel für immer die Feder dieser nimmermüden Hand, die 
nicht bloss das hier Genannte alles geschrieben, sondern neben zahlreichen 
kleineren Rezensionen und Mitteilungen an die Tagesblätter nocli unzählige 
ungedruckte Sammlungen ihres unbezeichenbaren Fleisses liinterlässt, darunter 
noch ein druckfertiges Manuskript, die mit unsäglicher Liebe und sicherem 
Wissen erläuterte, ausführliche Selbstbiograi)hie Kindlingers, die wir ihm seiner 
Zeit von Miltenberg aus zur Veröft'eutlichung übergeben hatten und di(> bis 
heute noch keinen Verleger liat finden wollen trotz aller Iknuühung. 



") Mitteil. 1898, 118-121. - '«) Aiiiuil. 29, 2, 222-224. - ") Mitteil. 1898/99, 25 f. 
— 8") Mittf'il. .-)8— 60 - «') Aiuial. 30, 131-142. - *'2) Mitteil. 24-30. — '") iL. 117 f. - 
*") Wiesbaden, IJor-niann 19U0, HG S. gr. 8». - "') Aiinal. 31, 2, 193-202. - ") Mitteil. 
1S99/I900, :{2 -34. - ") iL. 87-89. — "") Amuii. 32, lOä -121. - ««) Mitteil. 1901/02, 
24 29. - "") il). 77-81. - '") ib. 77-81. - «^ Mitteil. 1902/0.3, 22-25. - ''') ib. 74-83. 



170 

Man bcg-roif't, was os boihaitct, das.s (aiiciii .MaiiiK^ Vdii dicsia' das go 
wöhnliohoMaass weit üborstoigondon und fast übcM'frucIitliarcii Goistosthätigkoit 
beinahe ein volles Jahr vor seinem letzten Hauch Feioralxmd gciboten ward von 
jener Altcrserkraukung- der Gehirngefüsse, die bereits im Sommer 11)01 schon 
mit Schwächeorscheinungen in den Beinen und weiterhin leichten Schlaganfäncn 
begonnen hatte. Wenn ihm auch glücklicherweise eigentliche körperliche Schmerz- 
empfindungen erspart bleiben durften , dieser tägliche stereotype Wechsel 
zwischen Bett und Sessel, den im Anfange nur unterstützte Gehversuche unter- 
brachen, aber ausser der Pfeife keine gewohnte Beschäftigung, nicht einmal 
das Selberleseu, mildern konnte und durfte, war kaum mindere Tortur ; und hat 
der Teure seineu Tod schon lang stille vorausgeahnt, als er einst auf eincmi 
Spaziergange dem Freunde unerwartet die Sorge für seine nunmehrige Witwen 
ans Herz legte, so hat er diesen laugsamen Tod nicht weniger mit vollem JJe- 
wusstsein durchkostet, bis ihm den allerletzten Kampf ein gnädiges Geschick 
mit sanftem Schlag verhüllte und er in der letzten langen, langen Sterbenacht, 
die müde Hand in der treuen der greisen Gattin, entschlief. Aber hat er auch 
manchmal in diesem langen Todesjahr der menschlichen Schwachheit seinen 
Zoll gebracht und das Ende früher gewünscht, er hat mit stillem, tapferen 
Mute ausgehalten und den Seinen und seinen Freunden wird gerade dieses 
Jahr unvergesslich bleiben, das so hohe, schmerzliche Forderungen an ihr Mit- 
gefühl stellte und ihnen doch so reiche Aeusserungen seiner reichsten Liebe 
und Treue brachte, das neben dem herzerquickendsten Lachen — er lachte 
einem ja immer das Herz auf — ■ den Stoff zu den ernstesten, alles Endliche 
hinter sich lassendeu, sich in die Ewigkeit tauchenden Gesprächen bot. So hat 
er geendet, wie er gelebt, still und treu, ein Friedereicher, wie ihn sein Vorname 
Friedrich nicht besser hätte benennen können, früh 6V2 Uhr am 27. Dez. 1902. 

Yergegenwärtigen wir uns hiernach, mit welchen Geistes gaben dies 
lange Leben so übertreu gewuchert hat, so kann es dem Entschlafenen keinen 
Abbruch thun, wenn wir ihn nicht den genialen Geistern zugesellen. Dagegen 
würde er selber am ersten protestieren und nicht aus Bescheidenheit, sondern 
in voller Selbsterkenntnis. Ihm war vielmehr nur ein reiches Mittelmass des 
Geistes zugefallen, ein Geist, der scharf, klar und zumeist schnell die Dinge 
erfasste, ohne darum zur Schärfe und Helle der Kritik im Vollsinn des Wortes 
befähigt zu sein. Daran hinderte ihn die Eigenschaft seines Geistes, dass er 
ein durchaus nüchterner, fast hausbackener war, der jeglicher Phantasie ledig 
ging, ja dieser ausgesprochenermaassen so abhold war, wie der Sentimentalität 
des Gefühls, damit aber die Gabe entbehrte, die selbst der schärfste Verstand 
bedarf, um ihn zur schnellen und sicheren Kombination der Begriffe zu be- 
fähigen und ihm, wo es angezeigt ist, die für die Wissenschaft unentbehrliche 
Hypothese einzugeben. Eben deshalb war seinem Wesen auch der herzgeborene 
Humor und das funkelnde Geisteskind, der Witz, selbst das Wortspiel fremd, 
wenn er auch auf beide mit Freuden einzugehen verstand und damit ohne 
Wissen und Wollen der Phantasie, ihrer Mutter, Kecht werden Hess. Dafür 
entschädigte Otto in gewissem Sinne eine Gabe in reichstem Maasse, ohne die 
ein Gelehrter ohnehin undenkbar ist, ein wunderbares starkes und treues Gc- 

12" 



180 

dächtnis, das, wio wir boioougcn können, solbst bis in seine letzten Tage hinein 
seine Dienste ni<dit versagte, wenn auch das Auffassen ein schwereres geworden 
war. Nur durch es hat sicli bei iliin ein Wissen aufhäufen können, das man 
mit einer ganzen Bibliothek vergleichen kann und dessen Verlust dem Untergang 
einer solchen gleichkommt und in gewisser Weise ebenso unersetzbar ist, wie 
deren Handschriften, Inkunabeln und sonstige Kimelieu, da erworbenes Wissen als 
kombiniertes und verarbeitetes in keinem Buche steht, sondern Einzeleigentum 
ist. Und es war hier nicht das ungefähre, das verschwommene Behalten, 
sondern das fast verboteuus-Bevvahren, das sichere einzelne Wort, die Zahl, die 
Stunde, der Tag, das Jahr, die genauen Einzelumstände, die Buchseite, vor 
allem die Anekdote, das kleine Ding. 

Das alles aber sind ererbte, durch die Lebensumstände zur Erscheinung 
getriebene Anlagen. Der Mensch ist das Kind seiner Familie und seiner 
Heimat. Die Wiege der Familie Otto aber stand, wie der von diesem ihrem 
grössten Sohne mit grosser Umsicht und Liebe aufgestellte, bis ans Ende des 
16. Jahrhunderts zurückgeführte, vor uns liegende Stammbaum darthut, im 
Usingerlande, wo die Ahnherren in Mauloff, Riedelbach und Altweilnau in den 
ersten drei Generationen Bauern waren, die ein Küfer dazu mit 4 Generationen 
Landpfarrern verband, nahe versippt, dass wir dies besonders betonen mit der 
ebenfalls von dort stammenden, nachher hessischen Familie Wenck, die in 
ihrem „hochfürstlichen Hessen-Darmstädtischen Konsistorialrat, Direktor des 
fürstlichen Pädagogs, Historiographen und Hofbibliothekar", llelferich Bernhard 
Wenck, dem Verfasser der 4 bändigen „Hessischen Landesgeschichte", zugleich 
den geistigen Ahnherrn unseres nassauischen Historiographen Otto bcsass. 
Ebenso sind die Ahnen Khod von mütterlicher Seite her seit undenklichen 
Zeiten Landpfarrer gewesen. Dazu ist Otto, wie wir sahen, auf dem Lande 
aufgewachsen und erst als Mann zur grösseren Stadt gekommen. Kein Wunder, 
dass dies alles den Geist, wie selbst den kurzgedrungenen Körper samt dem 
der Stadtform fremden, ungelenken Benehmen gestalten half. Hier ist der 
nüchterne Geist daheim und die Phantasie ein um so seltenerer Gast, als, wie 
wir uns sagen Hessen, Brandoberndorf in reizloser Umgebung liegt, was die 
noch jüngst von uns gehörte Schulanekdote verbürgt, nach der ein dortiger 
Bauernknabe bei der Katechese über „Gott hat alles gut gemacht" bemerkte: 
„aber nicht in Brandoberndorf, Espa und Weiperfelden". Die völlige Ab- 
gezogenheit von der grossen, flutenden W\'lt schärft den Blick für die kleinen 
Dinge und erzeugt jenen hausbackenen llationalismus, dem in seiner 
theologischen Gestalt überdies mindestens drei Generationen vor unserem Otto 
notorisch ergeben waren und der nichts mehr von der Orthodoxie seines nächsten 
Vorgängers verstand, wenn da so treuherzig noch 1741 von Johann Konrad 
Otto gemeldet wird: „Seine Eltern haben ihn bei Erinnerung seiner sündlichon 
Geburth dem Bad der Wiedergeburth in der heiligen Tauft den 2. August des 
besagten Jahres (171o) vortragen und Gottes Bund einverleiben lassen". Wie 
aber dem nüchternen Verstand dieses liationalismus das biblische Wunder 
zerrann, so auch die Wunder der Phantasie. Selbst die grossen, von der 
Phantasie beschwingten Ideen fanden keinen Kaum bei ihm. Das alles hat 



181 

se\rni (loutliclicn Sptiron hei unst;roiu Freunde hintei-liissen. Unter den uns zur 
Verfügung gestellten Aufzeichnungen O 1 1 o s in das Alhuni der Frau Luise Fürsten- 
rath vom 16. Fehruar 1800 findet sich beispielsweise die bezeichnende Antwort 
auf die Frage: Lieben sie das Ideale oder KealeV „das Keale, das dem Idealen 
am nächsten kommt''. Wie er deshalb jeder poetischen Anlage (u-mangcslt und 
wie ihm selbst die Kunst in allen ihren Cfattungen nach eben diesen Auf- 
zeichnungen nur die Aufgabe hat, „über die Mühen des Lebens emporzuheben", 
so ist ihm auch das Wunderland der Mythologie verschlossen geblieben. Zu 
genau durch seine philologischen Studien mit den Ergebnissen der modernen 
mythologischen Forschung bekannt, konnte er sich natürlich nicht mehr mit ihr 
durch den altrationalistischen Euhemerismus abfinden, aber eben deswegen blieb 
sie ihm bei aller genauen Kenntnis von ihr ein unnahbares Gebiet, das er 
höchstens als Erklärer der griechischen und römischen Klassiker in der Schule 
berührte. Es ist das wohl niemand näher getreten als dem Verfasser dieser 
Zeilen zu der Zeit, wo er mit dem Freunde 1899 die Korrekturbogen seines 
Buches: „Die Quelle der kanonischen Kindheitsgeschichte Jesus" las. Otto 
war einverstanden bis zum beschämenden Lobe mit dem philologischen Teile 
und billigte unsere wissenschaftliche Methode, deren mühsame Erwerbung wir 
zu einem guten Teile dem Beispiele und der Anregung des Freundes verdanken, 
aber er fand keinen Geschmack an der egyptischen Mythologie des Endes und 
erklärte sich für absolut inkompetent zu ihrer Beurteilung, so viel auch der 
Verfasser zu deren Begründung und Verständnis redete. Freilich wirkte bei 
seiner konservativen Art auch die Angst mit wegen der aus dem Buche sich 
ergebenden Schlüsse für das Dogma, so fern er auch diesem sonst gegenüberstand. 
Aber es ist noch eine andere Eigentümlichkeit, die das Aufgewachsensein 
auf dem Lande dem Geiste 1 1 o * s verlieh. Stadtkinder verlieren schon 
früh, wie der Kiesel im Strom, im mannigfaltigen Verkehr mit so vielen 
anderen ihre geistigen Ecken und lernen spielend eingehen auf die Ge- 
danken anderer. Nicht so er. Die ländliche Abgeschlossenheit, auch die des 
Pfarrhauses, erzog schon früh den selbstgewachsenen Sondermenschen, nicht 
Sonderling, der, was er einmal geworden, bis ans Ende unverbrüchlich 
blieb, der seine einmal gewonnene Ueberzeugung zwar nie schroff, aber mit 
hartnäckiger Festigkeit allen Einreden zum Trotz beibehielt, wie er dann 
nach einem heftigen gelehrten Streite — es war über die Etymologie von 
Uff hoben und Seeroben — uns so ergötzlich zurief: „Sie haben recht, ich habe 
aber auch recht". So suchten wir ein anderes Mal vergeblich das der Neuzeit 
geläufige Gesetz der sittlichen Vererbung und des Atavismus zu vertreten, 
er blieb bei dem altrationalistischen Grundsatz von der Selbstschuld, wobei freilich 
seine Abscheu und sein Unvermögen gegenüber jedem mystischen Hintergründe, 
wie bei der Mythologie und überhaupt seine Ideenscheu mitspielten. Gewöhnlich 
gibt man zwar ein solches Verhalten dem Lehrer und Pfarrer schuld, weil sie 
unwidersprochen lehren. Hier aber hat es sicher den genannten Grund, da es 
vor aller Lehrthätigkeit auftrat und schon die Wahl des Studiums nicht bloss, 
sondern die Richtung auf das Reale in ihm bestimmte. Es ist vollauf be- 
rechtigt, wenn der Verfasser des jovialen und doch so herzwarmen Nachrufs 



182 

im „Rheinischen Kurier'''") ihn zu einem „nussauischen Original" macht. 
Kann man in heutiger Zeit, wie ein umlaufendes Bonmot sagt, nur noch 
Original sein, wenn man sich natürlich gibt, so hat Otto dies unbewusst sich 
selber zum Ruhm ausgiebig erfüllt und selbst der namentlich in der Schule 
ihm geläuhge Gebrauch der Provinzialismen bezeugen nur die Urwüchsigkeit 
dieses seltenen Originals, denn es sind die echten Eierschalen der Heimat, 
und sie unterscheiden sich, mit Fritz Reuter zu reden, nicht unwesentlich von 
dem Messiugisch der älteren Generation der gebildeten Nassauer, das auch noch den 
älteren heimischen Gymnasiallehrern eigen war. Sein von dem eben genannten 
Verfasser beispielsweise hervorgehobenes „setzen''' oder wohl richtiger, „setze 
sich se'', wie das ihm ebenso bräuchliche „zu" statt „in" der Ortsbezeichnung 
sind sicher Usinger, jedenfalls ländlicher Provenienz und haben manchmal 
unter uns zum Streit über diese unerlaubte grammatische Inversion und die 
unbefugte Präpositionsverwechselung geführt, zum gegenseitigen Vergnügen 
freilich erfolglos. Dieser Provinzialismus aber ist im Grunde der sicherste 
Stempel der geistigen Mitgift aus Familie und Heimat. 

Solche geistige Mitgift aber in ihrer Gesamtheit — damit gehen wir 
einen Schritt weiter — zu dem organischen Ganzen zu gestalten, wie es bei 
1 1 o in solcher wie gewachsenen Ursprünglichkeit so prunklos und doch so 
ehrfurchtgebieteud und zugleich so herzgewinnend zur Anschauung kam, 
ist die x\uf gäbe des Charakters, des sittlichen Faktors im Menschen, seine 
eigenste That, die selber freilich wieder x\uswirkung der Anlage und der auf 
sie geübten Einflüsse ist. Auch hier sind die Anfänge in dem von der Ab- 
stammung, der Umgebung und der Zeit bedingten Elternhause zu suchen und 
Otto gibt uns selber davon einen Begriff, wenn er so schön in seinem curriculum 
vitae berichtet: „Naturae autem convenientem et simplicem vivendi modum 
et rationem optimam rati, ut talis fierem, qui paucis contentus uou magis sump- 
tus indigerem magni, quam qualemcunque sors mihi obtulisset vitae condiciouem, 
et ferro possem et lubeuter ferrem, parentes curabant". Diese Gewöhnung zur 
naturgemässen Einfachheit der Lebensführung bildet eine der Grundlagen in 
dem Charakter Otto 's, die in seiner lebenslänglichen Anspruchs- und Be- 
dürfnislosigkeit zu Tage trat. 

Hierzu aber tritt die edelste Gabe des alten Rationalismus, die in dem 
unerbittlichen kategorischen Imperativ Kants ihren vollendeten Ausdruck 
gefunden hat, das strenge Pflichtgefühl, und auch dessen als eines Erbes war 
sich der Verewigte bewusst, als er uns einmal in rührender Pietät von der 
zeitlebens hochverehrten Mutter erzählte, wie sie ihm, dem Knaben, zugeredet 
habe: „aber Friedrich, das muss man doch". Er selbst hat deshalb in jenen 
Aufzeichnung(m sein Hau])tbestreben als „Gewisseuhaftigkciit in Pflicht- 
erfüllung" bezeichnet. Er versteht darum unter Glück nur „Zufriedenheit", 
während das Unglück ihm „getäuschte Hoffnung" ist, er wünscht, dort zu leben 
„wo er ungestört seinen Beschäftigungen obliegen kann" und begehrt nur eins sehn- 
lich, wie ihm so herrlich widerfahren ist, „nach glücklichem Leben ruhig zu sterben". 



') vom 14. Jamiiir 1903. 



188 

Bern gesellt sich aber das schwerwiegende and(!re, wovuii ebenfalls sein 
ganzes Leben die leuchtende Probe ist, dass er in jenen Aufzeichnungen als 
un(U'lässliche Eigenschaft des Mannes „Wahrhaftigkeit im Reden und 'i'liun" 
nennt, ganz wie er es seinen Eltern abgesehen. Kein Wunder, dass diese 
strengen Tugenden eines edlen Rationalismus unsern 1 1 o zu dem ,,integer 
vitae scelerisque })urus" gemacht haben, aber frei von jeglicliem Tugendstolz 
und Pharisäismus. Denn er ist zugleich bis in die innerste Herzenstiefo 
der lautere, der „frei von Schuld und Fehle bewahrt die k i n d l i c; h reine 
Seele", der Mann der rührenden Herzenseinfalt, dem eben deshalb die warmen 
Accente der Liebe und Treue so heilig gepflegte Lebensmitgaben sind, dass 
ihre Entfaltung allen ihm Nahenden auf den ersten Blick das Herz abgewinnt, 
hier die ungezierte, herzwarme Leutseligkeit schafft, dort in rührendem Pietäts- 
gefühl jene wunderzarten Blüten treibt, deren einer wir soeben schon gedacht und 
der wir die andere an die Seite stellen dürfen, wenn wir erzählen, dass er 
seinem Stiefvater selbst eine so innige Yerehrung bewahrt hat, dass er ihn 
nicht bloss biographisch verherrlichte, sondern auch bis in seine letzten Tage 
nie von ihm redete, ohne dass ihm die Thränen in die Augen traten. Das 
ist dieselbe Treue, die ihn auch zu dem unwandelbar Zuverlässigen gemacht 
hat, so im Leben wie in der litterarischen Arbeit. Er hat fehllos allewege 
Wort gehalten. 

Dies alles aber lebt, keimt, treibt, blüht und bringt seine kostbaren 
Früchte bei ihm, allerdings begünstigt durch ein äusserlich sorgenfreies und 
fast bis in sein letztes Jahr von Krankheit verschontes Leben, nicht, wie bei 
andern in Sturm und Kampf, in Unterliegen und Aufraffen, in Abbruch und 
Wiederaufbau, in Schmerz und Jubel, zerstückt und ruckweise, sondern in 
stetiger, geradliniger, ungetrübt friedlicher und harmloser Entwickelung. Es 
steht das aucli unter dem Gesetze der angeborenen Nüchternheit, die beharrlich 
Chilons Gebot: [xrj^sv a^av gehorcht und vor nichts so grosse Scheu hat als 
vor Ueberstürzung und Ueberhastung, überhaupt keine Leidenschaft kennt, 
es sei denn die gegen das Unwahre und das Unrecht. Dieselbe Eigenschaft 
temperiert auch sein Gefühlsleben. Es kommt nie bei ihm zu Gefühls- 
ausbrüchen. Er kann darüber bei andern sogar seinen gutartigen Spott — einen 
andern kennt er nicht — auslassen. Dafür brennt ihm die stille, wortlose 
Glut im Herzen und schaut aus den unsagbar treuen Augen. Ein Feind liohler 
Worte war ihm die gute That alles, die gute That aber ohne Ostentation als 
ein selbstverständliches Ding. 

Als ein solcher aber hat er sich in allen Lagen und Beziehungen des 
Lebens bewährt. So war er als Mensch an sich, der am strengsten gegen 
sich selber im Bewusstsein der Verantw^ortung seines Menschenberufs jede 
Minute seines Lebens bis zur Neige auskauft und jenen stupenden Fleiss 
entfaltete, in dem er allen voran leuchtete, die grosse Mehrzahl weit, weit 
hinter sich Hess. Und doch war dieser Fleiss nicht ein Kind unedlen Ehrgeizes, 
nicht die Triebfeder zum Glänzenwollen. Ein Mann, eine reine Natur, wie 
er, hat selclu^ gemeine Dini>-e nur dem Hörensagen nach gekannr. Für ihn gab 
es nur eine Tiiebfeder von früh auf, ilie Pflicht. Das hat ihm das schöne 



184 

Wort in den genannten Aufzeichnungen eingegeben, dass jede Tliätigkeit ihm 
am höchsten steht, „die fördert in Erkenntnis und sittlicher Vervollkommnung". 
Licht für sich und Licht für andere und die Steigerung des eigenen sittliclien 
Wertes, der doch wiederum anderen zu gute kommt, das hat ihn zu dem 
rastlosen Auskaufer seiner Lebensstunde und darum zum Segen für alle gemacht, 
denen er sich zum Segenspender verhaftet wusste, ganz abgesehen davon, was 
er ihnen als Mann des goldtreuen Herzens war. 

Und was er als Gatte gewesen, wir berührten vorübergehend dies Ver- 
hältnis bereits oben, das sagen allein schon die Worte jener Aufzeichnungen, 
in denen er die Liebe definiert als „Vereinigung zweier gleichgestimmten Seelen", 
die Ehe als „die heiligste Einrichtung, welche den Menschen erst zum Menschen 
macht", die Frau „die treueste Lebensgefährtin in Freud und Leid" nennt 
und auf die Frage nach der besten Freundin antwortet: „Meine Frau ist meine 
beste Freundin". Gesegnet darum die nun einsam gewordene greise Hüterin 
der Erinnerungen eines nahezu fünfzigjährigen Zusammenlebens mit dem Un- 
vergesslichen, dass sie den Rest ihrer Tage an ihnen zehren und dabei der 
gewissen Zuversicht leben darf, dass der Glaube an die ewige Wiedervereinigung 
nur ein anderer Ausdruck für unsere untrüglichen, geistigen Integritätsgefühlc 
ist. Wir aber dürfen es dem Gedächtnis des Guten nicht vorenthalten, wie 
manchesmal wir auf unseren zahlreichen Spaziergängen mit ihm Zeuge waren, 
wenn er lächelnd, wie ein Mann der Flitterwochen, verschwand, um eine kleine 
IJeberraschung für die ihn daheim Erwartende einzukaufen, deren leiseste 
Wünsche nach irgend einem Buche ihres Geschmackes dazu, wie wir wissen, 
ihn stillschweigend in den Buchladen trieb, es eiligst für sie zu erwerben. 

Dass einer von solchem Herzen gegen die Gattin auch der rechte Vater 
war, das beweisen die vier schon oben mit ihrer Eigenschaft genannten Kinder. 
Wie ihr Leben Bürge für solchen Erzieher ist, so muss man ihre Verehrung 
gegen den nun ihnen Genommenen kennen, um aus diesem lebendigen Echo 
auf das Wesen dessen zu schliessen, der es weckte. Und auch hier sind wir 
wieder stille Zeugen, wenn uns der Heimgegangene auf den Spaziergängen 
mit leuchtenden Augen alle die Plätze wies, wo er mit seinen Kindern gewandelt 
war, was er ihnen da und dort gezeigt, welche Blumen sie gepflückt, was 
er mit ihnen bewundert habe in glücklicher Vaterfreude. 

Den F r e u n d aber zu schildern, versagen uns fast die Worte. Denn 
diese Treue, diese wortlos leuchtende Liebe, diese allzeit willige Bereitschaft, 
dem Freunde mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufopfernd und ^ 
selbstlos zu dienen, jeden Dank als unverdient abzuweisen, den Dankenden als 
einen „Ueberschwänglichen" mit heiterem Lachen verstummen zu machen, 
dafür jeden ihm geschehenden Dienst als unvergängliche That anzukreiden, 
das ist nicht in Worten zu sagen, bleibt aber in unvergesslichem (Jedächtnis 
jedem treu bewahrt, den er seiner Freundschaft gewürdigt hat, insondtn-heit 
, den, der, wie der Schreiber dieser Zeilen, sie als ein(i unverdiente Gabe 
empfing. Wie aber alle diese Nächsten, so empfingen auch die Fernsten von 
diesem Mann den Eindruck, dass ihnen in ilim (iine herzgewinnende Friumd- 
lichkeit. v\n seltenes AN'nhlwolhui, die wulir{( politcsse du (:(»eur, ein Friede und 



185 

Güte ausstrüiuendes Wesen inul docli ein fester, ganzer Mann begegnet sei, 
dem man zwar sofort den weltabgeschiedenen Gelehrten ansah, den aber zu- 
gleich der Zauber des reinen und schönen Menschlichen umgab. 

Und ob er auch dem politischen Treiben fern stand, ein Patriot im 
weitesten und ernstesten Sinne des Wortes ist er gewesen. Das hat er vor 
allem sattsam durch alle seine, der engeren Heimat gewidmeten Studien be- 
zeugt. Denn so treibt man nur, was man bis ins innerste Herz hinein liebt. 
Es ist das auf der einen Seite ein gewisser Ahueiücultus, auf der and(a'en Seite 
die tiefe Freude an der Scholle, die diese Ahnen, gleich uns, genährt hat. 
Aber nicht minder hat der Patriotismus im höheren Sinne eine warme Stelle 
in seinem Herzen gehabt. Es ist der echteste Patriot, der auf die Frage nach 
der rechten politischen Richtung in jenen Aufzeichnungen bekennt, das sei 
die wahre, „die an das Bestehende anknüpfend, selbstlos das allgemeine Wohl zu 
fördern sucht." 

Aber wir dürfen bei ihm auch zum Höchsten emporsteigen, zur 
Religion. Nicht nur, dass er ein treuer Sohn seiner Kirche war, wie er 
unter anderm durch seine Rede in der Aula am Lutherfeste und seine kirchen- 
geschichtlichen Veröffentlichungen nach dieser Richtung hin bewies, und nicht 
nur, dass ein starker Zug altanererbter Pietät ihn bei, wie wir schon an- 
deuteten, freiester dogmatischer Ueberzeugung im innersten Herzen den Bestreb- 
ungen abhold sein Hess, die auf gewaltsamen, ja nur gewaltsam scheinenden 
[Tmsturz der Dinge des überkommenen Glaubens hinausgehen, er war im 
innersten Herzen ein frommer Mann, aber den oben geschilderten unvermerkten 
Einflüssen seines Geschlechtes gemäss nur im innersten Herzen. Der alte, 
ehrlichfromme Rationalismus hat von dem Christuswort: „Wenn du aber betest, 
so gehe in dein Kämmerlein und schliesse die Thüre hinter dir zu'' den inten- 
sivsten Gebrauch gemacht und nicht im sozialdemokratischen, sondern in dem 
echten keuschen Sinne das Wort: „Die Religion ist Privatsache'"', auf seine 
Fahne geschrieben, dass die heiligen Empfindungen nur Gott gehören, die Welt 
aber bloss unsere in Gott gegründeten Thaten zu sehen hat. Ein Blättclien, 
das er der Gattin in ein geschenktes geistliches Buch gelegt hat, lässt uns 
ein Stückchen seines innersten Heiligtums erkennen. Darauf heisst es: „Nichts 
ist im Getriebe des täglichen Lebens dem Menschen so notwendig, als stille 
Einkehr bei sich zu halten, um in jenem nicht sich selbst zu verlieren. Möge 
dies Buch als Führer für diese stillen Stunden dienen. — Dies wünscht dein 
tr. V. '' Und sehen wir die beiden von ihm in der Schule gebrauchten Gebet- 
bücher nach, das älteste, betitelt „Sammlung von Gebeten und Mahnsprüchen 
für die Jugend", Darmstadt 1851, von ihm im gleichen Jahre angeschafft, und 
das andere: „Christliches Handbuch in Gebeten und Liedern gesammelt von 
Dr. E. Grüneisen", Stuttgart und Augsburg 1859, so finden wir an den deutlich 
bemerkbaren Gebrauchsorten nicht bloss den für das fromme Gefühl der ihm 
anvertrauten Jugend treu besorgten Lehrer, sondern auch den selbst frommen 
Mann vor, der so kindlich mit seiner Jugend gebetet hat. So schliesst auch 
diese .Seite des wahren Menschseins den Charakter Otto's harmonisch ab und 
lässt uns alle die kleinen Mängel, die jedem Besten nun einmal unvermeidlich 



186 

anhaften und denen er auch seinen Tribut zahlen rausste, um so leichter ver 
gessen, als sie niemanden absichtlich zu nahe traten. 

Es erübrigt uns nun noch, nachdem wir seinen Lebensgang, seine Anlagen 
und seinen Charakter durchmustert haben, damit wir ein YoUbiid erhalten, der 
Würdigung seines Lebenswerkes als Lehrer und Gelehrter unsere 
Aufmerksamkeit zu schenken. 

Von ersterem können wir, da unsere eigene Erfahrung ihn nur als jungen 
Collaborator streifte, bloss nach Hörensagen berichten. Dieses aber bestätigt 
merkwürdiger Weise jene. Der nächste Eindruck, den der Schüler von solchem 
Lehrer gewann, war der, dass er einer sittlich gefestigten Persönlichkeit „von 
seltener Lauterkeit des Gemüts, von wirklich vornehmer Denkungsart und einem 
weichen Herzen", wie es in dem genannten schönen ^Nachruf eines alten 
Schülers heisst, und einem enormen, allezeit paraten und grundsicheren Wissen 
gegenüberstand. Wie sehr namentlich letzteres imponierte, bezeugt die Aeusse- 
ruDg des Sohnes des Schreibers dieser Zeilen, als er einst aus der Schule kam : 
„Denke Dir, Papa, Professor Otto kennt selbst die Theorie der Musik gründ- 
lich." Er vermittelte darum allen ernsten Schülern ein selten festes Wissen 
und zog selbst die Trägen, wo es nötig war, durch eiserne Strenge mit, un- 
ermüdlich bis in die obersten Klassen hinein, wie er selbst uns berichtete, 
wiederholend, bis alles festsass, und keine Mühe scheuend, des Ungelehrigen 
Verständnis selbst auf Kosten der indes sich langweilenden Geförderten zu er- 
zwingen. Dazu gehörte ihm als gewiegten Kenner vor allem die grammatische 
Grundlage. Absolute Sicherheit in der griechischen und lateinischen Formen- 
lehre und Syntax war sein unerbittliches Ziel. In der lateinischen Stylistik 
aber hat er in Nassau seines Gleichen gesucht, und er durfte "uns einmal, — das 
einzige Mal, wo er von einem Besserwissen sprach — mit berechtigtem Stolze 
sagen: „darin weiss ich mehr als Sie." Eben deshalb war es ihm ein solcher 
Kummer, dass er nach der Gymuasialreform, wie er uns einmal erzählte, 
den Schülern bekennen musste : „Darüber darf ich Ihnen jetzt nichts mehr 
sagen." Dieselbe Gründlichkeit beobachtete er bei der Erklärung der griechischen 
und römischen Klassiker auf grammatischer Grundlage, womöglich mit wörtlicher 
Uebersetzung zum sicheren Verständnis emporsteigend. Hier aber trat die 
Schranke seiner Begabung ein. Die volle Entwickelung und die Weiterver- 
wertung des Gedankens war ihm versagt, dagegen wurden die vorkommenden 
Realien bis zu greifbarer Deutlichkeit umständlich gezeichnet. Bei der Er- 
klärung der griechischen und römischen Dichter aber stand ihm der Mangel eigner 
poetischer Begabung leider stark im Wege, und es wurde wohl geklagt, dass man 
bei ihm Homer und Vergil gründlich übersetzen lerne, aber von ihren poe- 
tischen Schönheiten nichts erfahre. Ungleich jenem bekannten fremden Kollegen, 
der in stiller Verzückung über die dichterischen Wunder seines Autors, einmal 
über das anderemal, die Schüler vergessend, nasalierend vor sich hin sprach: 
„Meisterhaft, meisterhaft", konnte er nur das nüchterne prosaische Verständnis 
erwirken. Dazu war ihm die Gabe der eigentlichen Anregung versagt, weil 
ihm selber das anregende Leben in der Idee abging, sein Sinn vielmehr auf 
dem Kealen und nach den Realien stand. Das gab auch seinem Vortrag, wie 



IST 

man versichert, etwas Eintöniges, fast Einschläferndes, zumal er seinem so schwer 
aus sich herausgehenden Wesen entsprechend oft ein stockender war. Trotz 
alledem ist über die Vorzügliclikeit seiner Lehrmethode nur eine Stimme, und 
seine Schüler, das haben sie an seinem Jubilüumstag bewiesen und jener 
mehrgenanute Nachruf beweist es noch jetzt, wussten, wie Grosses sie ilim fürs 
Leben verdanken, und manch einer, mit dem Letztgenannten zu reden, „wird 
an seinem Grabe eine ehrliche Thräne im Auge zerdrücken." Unter seinen 
Kollegen aber wird das Gedächtnis fortbestehen, dass wie er der treueste, teil- 
nehmendste, unverdrossenste und gewissenhafteste Genosse gewesen war, keiner 
ihn erreicht hat in seiner Korrektur der Exercitien und Aufsätze. 

Den Gelehrten haben wir bereits bei der Aufzählung seiner 
mehr als zahlreichen Schriften und der Besprechung ihrer vornehmsten kennen 
gelernt und stückweise zu zeichnen gesucht. Jetzt gilt es ein Gesamturteil 
über ihn zu gewinnen und zu dem übergrossen Zähler den rechten Nenner 
zu finden. Wir haben hierbei sofort in Abstrich zu bringen, dass er in dieser 
Gestalt nicht als Philologe nach der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes zu 
betrachten ist. Denn als solcher hat er sich mit Ausnahme jener zwei Ab- 
handlungen über das Relativpronomen bei Homer nur als Lehrer in dem Ge- 
dächtnis seiner zahlreichen Schüler verewigt. Der Gelehrte ist uns hier 
allein der Geschichtsforscher und Schreiber, und als solcher, das dürfen wir 
sogleich mit Stolz behaupten, nimmt er auf immer unter Seinesgleichen in der Ver- 
gangenheit wie Jetztzeit eine ehrenvolle, in Nassau die hervorragendste Stelle ein. 
Aber er zählt nicht, das müssen wir der Wahrheit gemäss sofort hinzusetzen, 
zu den Geschichtsforschern und Schreibern ersten Ranges. Dazu hat er sich 
in richtiger Selbsterkenntnis auch selber nie gezählt, wie wir aus seinem 
eignen Munde wissen, und konnte es um so weniger, als der Gegenstand seiner 
Forschung der engumschriebene der Lokalforschung war; und selbst auf diesem 
Gebiete hat ihn seine eigentümliche Begabung einen noch engeren Kreis seiner 
Thätigkeit ziehen lassen. Wir meinen aber hierbei nicht, dass dieser Kreis in 
der schliesslichen Beschränkung der Erforschung der Geschichte der Stadt 
Wiesbaden besteht, sondern in der Art und Weise, wie er in diesem engen 
Kreise forschend zu Werke ging. Diese Art und Weise aber bestimmt sich schon 
im allgemeinen durch den in jenen oft genannten Aufzeichnungen aufgestellten 
Grundsatz, der auf die Frage: „welches historische Ereignis missfällt Ihnen am 
meisten?" antwortet: „Ich versuche die Ereignisse zu begreifen, weder gefallen 
noch missfallen sie mir". Das drückt zwar den höchsten Grad der dem Ge- 
schichtsforscher unerlässlichen Objektivität aus und giebt die Gewähr, dass der 
Forscher wirklich die reine Thatsache, soweit sie erreichbar ist, ans Licht 
bringen wird. Aber diese leidenschaftlose Nüchternheit erringt die reine That- 
sache nur als nackte, losgelöst von dem sie verständlich machenden Zusammen- 
hang. Es ergibt sich daraus als besonderes und markantes Kennzeichen der 
Art der Forschung Ottos, dass sich ihm lediglich das Ding an sich um seiner 
selber willen als Objekt darstellt, dass es ihm nicht Mittel zum Zweck, 
sondern einfach Selbstzweck ist. Hierin aber hat er es zu unbestrittener 
Meisterschaft gebracht und das Wort des Dichters glänzend erfüllt: „Im kleinsten 



188 

Punkte die höchste Kraft". Was Heinr. Seidel in der wunderfeinen novelHst- 
ischen Zeichnung seines „Leberecht Hühnchen", was in malerischer Beziehung 
die holländischen Meister mit ihren „Stillleben" erreicht, das hat Otto auf 
dem Gebiete dieser Art Lokalforschung unübertrofPen bis jetzt geleistet. Sein 
„Groethe in Nassau", seine „Nassauischen Studenten", seine „Ciarenthaler Studien" 
sind wahre Perlen dieser historischen Kleinkunst. Hat ihm auch neben seinem 
ängstlich nüchternen Sinn das allzu treu bewahrte Wort seines alten Lehrers 
Ritschel: „est ars nescieudi", das er uns gegenüber oft betonte, wenn er uns 
in zu hohe Regionen verstiegen glaubte, allezeit und überall im Wege ge- 
standen bei seiner Forschung, wo es galt, mit kühnem Schluss eine Brücke zu 
schlagen von dem Ding an sich zu dem Zusammenhang mit anderen und reichen 
kulturhistorischen Erwerb zu den historischen nackten Pacten einzubringen, die 
Geschichtsforscher und Schreiber grossen Stils werden dankbar und ehrerbietig 
einst die von Otto mit so fehlloser Sicherheit geförderten und zugehauenen 
Bausteine in ihre grossen Gebäude fügen und den nassauischen Alexandriner 
bewundern, der neben seiner Schule ein so beträchtliches Stück seines Lebens 
auf die PörderuDg und Behauuno- dieser Steine verwendet hat. Und wird sich 
dann auch Schillers Distichon vom „gelehrten Arbeiter" erfüllen: 

„Nimmer labt ihn des Baumes Frucht, den er mühsam erziehet, 
Nur der Geschmack geniesst, was die Gelehrsamkeit pflanzt." 

Wir kennen die stillen, köstlichen Freuden, die ihm das Pflanzen gebracht 
und die seine Mühen versüsst haben. 

Und wir, seine Landsleute, werden bis in die fernsten Zeiten stolz darauf 
sein und bleiben, dass ein solcher Mann uns zugehörte und wir in ihm mitzählen 
zu den Förderern des Guten und Wahren und Reinen in der Weltgeschichte. 
Wem er aber nahe stand, dem hat er einen unvergänglichen Schatz für sein 
Leben hinterlassen und sein Bild als leuchtendes Vorbild. 



Annalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. Bd. XXXIII. 



Taf. I. 




Thongrefässe aus Braubach und Oberlahnstein. 



Nach der Natur gezeichnet von Franz Molitor, Oberlahnstein. 



Zu Bodewig, Vorrömische Dörfer in Braubach u. Lahr 



Aiinalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. Bd. XXXIII. 



Taf. II. 




Sehmuckg^egenstände und Geräte aus Braubach und Oberlahnstein. 



Nach, der Natur gezeichnet von Franz Molitor, Oberlahnstein. 



Zu hodewif, Vorrömische Dörfer in Braubacli u. Laliustein. 



Annalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. ßd. XXXIII. 



Taf. III. 




Waffen und Geräte aus Braubaeh und Oberlahnstein. 



Nach der Natur gezeichnet von Franz Molitor, Oherlahnstem. 



Zu Bodewig, Vorrömische Dörfer in Braubach u. Lahnstein. 



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Aunalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. Bd. XXXIII. 



Taf. IV. 







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Zu Bodewig, Vorrömische Dürfer in Braubach u. Lahnsteir 



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Aimalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. ßd. XXXIII. 



Taf. V. 



Grosses Gebäude 

auf der Nord&eite 
des Fichtenkopfs. 

MaasNsUil. I : 200. 




Zu Soldan, Niederlassung aus der Hallstattzeit bei Neuhäusel (Westerwald). 



Annalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. ßd. XXXIII. 



Taf. VI. 




Zu Eichholz, Die Burg- der Erzbischöfe von Mainz zu Eltville. 



Annalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Gesch. Bd. XXXIII. 



Taf. VII. 







Zu Eichholz, Die Burg der Erzbischöfe von Mainz zu Eltville. 



A-nnalen d. Vor. f. Nasa. Altert, u. Gesch. Bd. XXXIII. 



Taf. Vm. 



BetsfrUiu.pak&. 




2.(DI>t^(bo6 








Zu Eich holz, Die Burg der Erzbischöfe von Mainz zu Eltyille. 



Annalen d. Ver. f. Nass. Altert, u. Goaoh. Bd. XXXIII. 



Taf. X. 




Zu Eich holz, Die Burgr der Erzbischöfe von Mainz zu Eltvill 



ANNALEN DES VEREINS 



FÜR 



NASSAÜI8CHE ALTERTUMSKUNDE 



UND 



GESCHICHTSFORSCHUNG. 



DßEIUNDDREISSIGSTER BAND. 

Z^WEITES HEFT. 

1903. 



WIESBADEN. 

KOMMISSIONSVERLAG VON RUD. BECHTOLD & COMP. 

1904. 



DRÜCK VON RUD. BECHTOM) & COMP., WIESBADEN. 

BÜCHDRÜCKEREl 4 UTIlOOll. ANSTALT. 



Inhalts-Verzeichnis 

des zweiten Heftes. 



Seite 

YIII. Das Wappen der Stadt Wiesbaden. Von P. Wagner 189—209 

IX. Beiträge zur Geschichte der Eisenindustrie in Nassau. Von L. Beck 210—296 

X. Der grosse Brand der Stadt Herborn i, J. 1626 und die Kollekten 

für die Abgebrannten. Von M. v. Doniarus 297—364 

XI. Die Umänderung des Ortsnamens Humbach in Mons Thabor. Von 

J. P. Schmitz (Montabaur) 365—372 

XII. Nassauische Hausmarken. Von L. Conrady 373 — 380 



Das Wappen der Stadt Wiesbaden, 



Von 

P* Wagner* 



I. 

Die bisherig-en Ansichten. Rössel, v. Goeckingk. Das Stadtwappen 

von 1898. Die Quellen. Das Problem. 

Die Stadt Wiesbaden hat Jalirhuüderte hindurch als ihr Wappen drei 
goldene Lilien im blauen Felde geführt, ohne dass es jemandem beigekommen 
wäre, daran Anstoss zu nehmen und den Vorschlag zu machen, das Wappen 
zu ändern. Allerdings versuchte im Jahre 1861 K. RosseP) an der Hand 
eines fleissig zusammengetragenen Quellenmaterials den Nachweis zu führen, 
dass das Lilienwappen, wie es der Kürze halber hier genannt werden mag, 
keineswegs das älteste Wappen gewesen, dass vielmehr als „echtes und rechtes 
Wappen" der Grafenschild der Nassauer anzusehen sei, wie er auf den ältesten 
Siegeln der Stadt aus dem 14. Jahrhundert erscheint.^) Allein so weit ging 
er doch nicht, auf Grund des Ergebnisses, zu dem er gelangt zu sein glaubte, 
von der Stadt eine Umänderung ihres bisherigen Wappens zu verlangen. Da- 
von schien dann um so weniger die Rede sein zu können, als im Jahre 1883 
Kammerherr H. A. G. v. Goeckingk^) für die volle Berechtigung des Lilien- 
wappens eintrat. Ohne dass er neues Material für die Frage beibrachte, prüfte 
er nur die von Rössel benutzten Quellen mit kritischem Blick, und indem er 
auf den von Heraldikern allgemein betonten Unterschied zwischen Wappen und 
Siegel, den Rössel nicht gekannt oder w^enigstens nicht beachtet hatte, auf- 
merksam machte, wies er nach, dass das Lilienwappen mindestens seit dem 
16. Jahrhunderte das Wappen der Stadt Wiesbaden gewesen ist. 

In der Literatur ist die Frage seitdem nicht wieder erörtert worden^"); die 
von V. Goeckingk vorgebrachten, sehr beachtenswerten Ausführungen sind wissen- 
schaftlich noch heute unwiderlegt. Es musste darum eine gewisse Verwunderung 
erregen, als die Vertretung der Stadt im Jahre 1898 plötzlich beschloss, ein 
neues Wappen anzunehmen, für das sich bisher, wenigstens öffentlich und aus 



^) K. Rössel, Das Sfadt-Wappen von Wiesbaden. Wiesbaden 1861. 
*) Rössel, a. a O., S. 59. 

^) H. A. G. von Goeckingk, Das AVappen der Stadt Wiesbaden. Wien 1883. 
- ^") Was Roth, Gescliiclite u. historische Topographie der Stadt AViesbaden, Wiesbaden 
1883, S. 398 ff. über das Stadtwappen sagt, ist lediglich ein Auszug aus Rössel. 

13 



190 

wisseoschaftlichen Gründeu, niemand erwärmt hatte. Dieses neue Wappen 
stellt eine Verbindung des Lilienwappens mit dem Grafenwappen in der Weise 
dar, dass man die goldenen Lilien im blauen Schild etwas zur Seite schob, 
sie möglichst gross zeichnete und den in der Mitte gewonnenen Raum mit 
dem nassauischen Grafenschilde belegte. Es mag dabei das Siegelbild eines 
Stadtgerichtssiogels, sowie noch vorhandene Wappendarstellungen, vor allem das 
Wappen am städtischen Brunnen in der Marktstrasse vor dem alten Rathause vor- 
geschwebt haben. Ob indessen eiue gründliche Untersuchung der Frage statt- 
fand und dabei erwogen ist, welche Beweiskraft dieses Siegelbild und diese 
Wappen haben, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis. Das neue Wappen ist 
seitdem auf den amtlichen Drucksachen der Stadt regelmässig angebracht 
worden, es schmückt eine Reihe der städtischen Bauten, und auch die Industrie 
hat es angenommen, obwohl man in einige Verlegenheit kam, wenn man farbige 
Darstellungen, z. B. bei Fahnen, herzustellen hatte, weil alsdann zwei blaue 
Schilde aufeinander zu liegen kamen, die sich in der Farbe nicht voneinander 
abhoben. Kurz entschlossen half man sich zuweilen dadurch, dass man den 
Lihenschild hellblau, den Grafenschild dunkelblau tingierte. Mau beging aber 
damit, ohne es zu ahnen, eine heraldische Sünde, da die Heraldik eben nur 
ein einziges Blau kennt. 

Neuerdings sind vereinzelt Bedenken und Zweifel gegen dieses neue 
Wappen erwacht, die schliesslich auch die Stadtbehörde veranlasst haben, der 
Wappenfrage von neuem Beachtung zu schenken. Es erscheint darum wünschens- 
wert, sie auch vom wissenschaftlichen Standpunkte nochmals einer Prüfung zu 
unterziehen. 

Wenn das auf den folgenden Blättern geschehen soll, so sei gleich im 
voraus bemerkt, dass sich die Untersuchung nicht auf erheblich neues Material 
stützen kann. Rössel hat, wie oben bemerkt, die in Betracht kommenden 
Quellen, schriftliche Zeugnisse, Siegel und Wappendarstellungen, wenigstens 
bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, wenn auch vielleicht nicht vollständig, 
aber doch insoweit gesammelt, dass man sich ein genügend sicheres Urteil bilden 
kann. Wesentlich Neues ist seitdem weder bekannt geworden, noch auch 
zu erwarten, und selbst wenn wirklich ein neuer Siegelstempel oder eine 
noch unbekannte Wappendarstellung zu Tage käme, so würde das auf den 
Gang der Untersuchung kaum Einfluss ausüben, sondern nur dazu dienen, die 
Beweise für oder gegen eine der bestehenden Ansichten zu verstärken. Aber 
auch in den Ergebnissen wird die hier anzustellende Untersuchung nicht neu 
sein, nicht einmal überall in der Begründung; sie wird sich in der Hauptsache 
den Ausführungen v. Goeckingks anschliessen, der die richtigen Gesichtspunkte 
bereits aufgestellt hat. Es wird sich also lediglich darum handeln, seine Be- 
weisführung hier noch einmal in scharfer, auch dem Laien einleuchtender 
Gruppierung vorzuführen und an manchen Stellen durch neue Gründe zu ver- 
stärken. 

Bevor indessen hierzu übergegangen wird, möge zunächst das Problem 
der Untersuchung bestimmt formuliert werden. Rössel war, wie wir wissen, 
zu dem Ergebnis gelangt, dass das „rechte und echte" Wappen der Stadt 



191 

Wiesbaden der Grafenschild der Nassauer gewesen ist. v. Goeckingk bewies, 
dass wenigstens seit dem Ende des 15. Jahrhunderts das Lilienwappen als das 
Wappen der Stadt angesehen werden muss. Wenn die städtischen Beliörden 
im Jahre 1898 eine Wappenänderung vornahmen, so liaben sie das, obwohl 
man über ihre Motive nichts weiss, gewiss nicht getan, um ein neues Wappen 
einzuführen, sondern lediglich in der Annahme, dass das von ihnen gewählte 
das einzig berechtigte, weil älteste Wappen der Stadt gewesen ist. Es handelt 
sich also um die rein historische Frage: welches ist das älteste Wappen Wies- 
badens? Dass dieses Wappen, sofern es heraldisch einwandfrei ist, eine innere 
Berechtigung hat, noch heute und dauernd geführt zu werden, ist eine historische 
und heraldische Notwendigkeit, der man nicht aus dem Wege wird gehen 
können, und die um so zwingender wirken muss, wenn sich etwa nachweisen 
lässt, dass dieses älteste Wappen zugleich das einzige gewesen ist, das Wies- 
baden bis zum Jahre 1898 gehabt hat. 

II. 
Die Stadtbehörde. Das Stadtsieg-el. Unterschied zwischen Sieg-el und 

Wappen. 

Es ist bekannt, dass das mittelalterliche Wiesbaden zuerst im Jahre 830 
genannt wird. Der Ort war ein königlicher Fronhof, aus dem sich im Laufe 
der Zeit eine Stadt entwickelte. Sie blieb im Besitz des Reiches bis in die 
zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Als civitas imperatoria wird sie 1242 aus- 
drücklich noch einmal genannt.^) Um 1280, vielleicht schon früher, fiel sie an 
die Grafen von Nassau, denen sie 1255, wie es scheint, noch nicht gehört 
hatte. Von ihrer Verfassung in dieser Zeit wissen wir nur wenig, aber dass 
Schultheiss und Schöffen vorhanden waren, beweisen die Urkunden. Daneben 
muss die Gemeinde wohl auch noch andere Organisationen gehabt haben, die 
bei dem Mangel an städtischen Urkunden — eine Folge des Brandes von 1547 — 
für das 13. und 14. Jahrhundert allerdings nicht zu erweisen sind; erst im 
15. Jahrhunderte werden Bürgermeister genannt. Aber wenn um das Jahr 1200 
der Graf von Leiningen hier Zehnten erhebt'), wenn 1215 vom Grundbesitz 
Zins und Steuern gezahlt''), und um 1241 Reichssteuern erhoben werden"), 
wenn man weiter bedenkt, dass die Stadt eine Mark besass, so ist klar, dass 
zur Erledigung der hierdurch veranlassten Geschäfte Beamte auch ausser dem 
Schöffenküllegium noch vorhanden gewesen sein müssen. Diese Behörden, von 
denen Schultheiss und Schöffen die oberste und vornehmste bildeten, und 
daneben die Gesamtheit der Bürger ist anscheinend gemeint, wenn in Urkunden 
von der universitas de Wisehaden die Rede ist. Coram universitate de Wise- 
baden wurden Rechtsgeschäfte verhandelt, wie z. B. ein Gütertausch, den im 

*) Winkelmann, Acta imperii Nr. 675; vergl.Ottoin den Mitteilungen 1897/98, Sp. 120. 
^) Krem er, Origines Nassoicae II, 220. 
") Hennes, Grafen v. Nassau I, 231. 
' ') Siehe das Verzeichnis der Eeichssteuern, das Schwalm im Neuen Archiv, Bd. XXIII. 
S. 517, veröffentlichte, dazu Otto in Annalen XXIX, 222. 

13* 



192 

Jahre 1280 Graf Adolf von Nassau mit dem Kloster Tiefeutal machte.'^) Die 
Universitas besass auch ein eigenes Siegel zu Beurkundungen, und sie allein 
besass ein solches, es ist das Stadtsiegel. Ob sie es schon zur Zeit der Reichs- 
freiheit der Stadt führte, ist ungewiss; erhalten ist kein Abdruck, und auch aus 
den Urkunden, die aus jener Zeit vorhanden sind, lässt sich darüber nichts er- 
mitteln. Dass die Urkunde von 1280 über die zuvor erwähnte Verhandlung 
vor der Universitas nicht auch durch sie besiegelt ist, spricht eher gegen, als 
für das Vorhandensein eines Siegels. Aber als die Stadt ihre Reichsunmittel- 
barkeit verloren hatte und an die Grafen von Nassau gelangt war, erscheint 
das Siegel der Gemeinde (universitas) und zwar in einer Form, die dem neuen 
staatsrechtlichen Verhältnis Rechnung trug. Es zeigt nämlich im Siegelfelde 
den unveränderten nassauischen Grafenschild mit dem damals noch un- 
gekrönten steigenden Löwen und bestreut mit Schindeln.^) Die Umschrift lautet: 
t S. VNIVERSITATIS OPPIDI WYSEBADEN. Die Stadt hatte damit ge- 
tan, was viele andere Städte ebenso getan haben, sie hatte das Wappen ihres 
neuen Landesherrn in ihr Siegel aufgenommen und sich damit als eine diesem 
unterworfene Stadt charakterisiert oder charakterisieren müssen. Das älteste 
vorhandene Siegel dieser Art befindet sich an einer Urkunde aus dem Jahre 
1326^"), aber schon aus dem Jahre 1324 ist eine Urkunde vorhanden, an der 
es gehangen haben muss, nur ist es abgerissen und verloren gegangen. ^^) 
Jedenfalls ist der Stempel noch älter und vielleicht schon am Ende des 13. 
Jahrhunderts angefertigt. Er bheb bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts in 
Gebrauch, dann erscheint ein neuer, nicht erst, wie Rössel angibt^^), von 1361 
ab, sondern zuerst an einer Urkunde vom 10. April 1358. ^■■^) Er zeigt im 
Siegelfelde wieder den nassauischen Grafenschild, nur hat der Siegelstecher die 
leeren Räume oder Segmente zwischen den Seiten des dreieckigen Schildes 
und der inneren Kreislinie, die das Siegelfeld von der Legende trennt, mit je 
einer Rose ausgefüllt, eine Spielerei, die bei Siegeln öfters vorkommt und keine 
weitere Bedeutung hat. Dieser neue Siegelstempel blieb das 14. und 15. Jahr- 
hundert im Gebrauch und kommt sogar noch einmal zu Anfang des 17. Jahr- 
hunderts vor.^^) Die Stadt hatte kein anderes Siegel, Schultheiss und Schöffen, 
d. h. das Stadtgericht gebrauchten es regelmässig zu ihren Beurkundungen bis 
zum Ende des 15. Jahrhunderts, 

In dem Bilde, das dieses älteste Siegel der Stadt aufweist, hat nun 
Rössel auch das älteste Wappen der Stadt erblickt; er setzte dabei voraus, 
dass Siegelbild und Wappen völlig gleich seien. Dem hat v. Goeckingk wider- 
sprochen, indem er auf den Unterschied hinwies, der zwischen Siegel und 



"*) Sauer, Cod. diplora. Nassoicus I, 966. 

®) Eine Abbildung bei liossel, a. a. 0., S. 7. 

">) Rössel, a. a. O., S. 6, kennt nur Urkunden von 1341 ab, an denen das Siegel 
vorkommt, aber schon eine Urkunde vom 7. April 1326 für das Kloster Klarental hat es. 
Staatsarchiv Wiesbaden, Kl. Klarental. 

") Rössel, a. a. O., S. 4. 

'') Rössel, a. a. 0., S. 6. 

") St. A. AViesbaden, V 7, Oboramt Wiesbaden, Urkunden. 

") Rössel, a. a. O., S. 11. 



193 

Wappen besteht.^'') Der bekannte Heraldiker 0. T. v. Hefner urteilt: ,,Am 
häufigsten werden von Historikern Begriff und Bezeichnung von Siegel und 
Wappen verwechselt."^*') „Das Wappen nämlich," sagt ein anderer Heraldiker*^), 
„repräsentiert die Stadt, das Siegel dient zur Bekräftigung von Urkunden; eine 
Stadt kann also nur immer ein Wappen, aber für verschiedene Amter auch 
verschiedene Siegelbilder füliren ; und wenn auch manche Stadt in einem Siegel 
ein unverkennbares Wappen ohne andere sphragistische Beigabe als die Um- 
schrift führt, so hat dasselbe ursprünglich für die betreffende Stadt dennoch 
nicht die Bedeutung eines Wappens, wenn dieses letztere das Eigentum des 
Laudesherrn war." 

Wenn man auch zugeben muss, dass aus dem Siegelbilde öfters ein 
Wappen geworden ist, so wird man den Unterschied zwischen Siegel und 
Wappen im Wiesbadener Falle um so mehr gelten lassen müssen, als hier 
eine andere Erwägung zu dem gleichen Ergebnis führt. Rössel sowohl wie 
v. Goeckingk nehmen mit Recht an, dass das älteste Siegel bereits am Ende 
des 13. Jahrhunderts in Gebrauch gekommen ist. Während der erstere dies 
aus dem Typus, den er mit Siegeltypen der Grafen Adolf und Gerlach von Nassau 
vergleicht, folgert*''), wird man aus der staatsrechtlichen Erwägung, die Rössel 
noch nicht anstellen konnte, dass die Annahme dieses Siegels mit dem Erwerb 
der Stadt durch den Grafen Adolf von Nassau in Zusammenhang steht, zu der 
gleichen Annahme gedrängt. Ist das aber der Fall, stammt also das Siegel 
aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, so scheint einleuchtend, dass der Grafen- 
schild im Siegelfelde lediglich als Siegelbild, nicht als Wappen aufzufassen ist; 
denn es ist ganz unglaublich, dass der kleine und unbedeutende Ort Wiesbaden 
damals schon, am Ende des 13. Jahrhunderts, ein Wappen gehabt haben soll. 
Ein Bedürfnis dazu wird in so früher Zeit noch gar nicht vorgelegen haben. 

ni. 

Die Zeugnisse für das Stadtwappen. Die Lilien des Stadt-Behältnus- 

Buehes. Der Bericht des Grafen Philipp von 1562. Die Wappen- 

darstellungfen mit dem Lilienwappen. 

Wollte jemand den Beweis, dass die ältesten Siegel Wiesbadens nur Siegel- 
bilder, keine Wappen aufweisen, noch nicht als geführt ansehen, so wird er 
doch so viel zugeben müssen, dass Siegelbilder für die Wappenfrage ein 
mindestens streitiges und zweifelhaftes Material sind, und dass man, um sicher 
zu gehen, gut tun wird, sich einmal nur mit denjenigen Zeugnissen zu befassen, 
bei denen es sich ausschliesslich und unzweifelhaft nur um Wappen handelt. 

Ein solches Zeugnis liegt nun aber aus dem ganzen Verlauf des Mittel- 
alters nicht vor; weder spricht eine Urkunde oder eine sonstige Quelle von 
einem Wappen der Stadt, noch hat sich eine Darstellung desselben als Zeichnung, 

1^) V. Goeckingk, a. a. 0., S. 3. 4. 

'*) O. T. V. Hefuor, Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik, I., S. 2. 

^ ") Seyler im „Herold" 1872, S. 13. 
") Rössel, a. a. 0., S. 5. 



194 

Skulptur oder soust in irgend einer Weise erhalten. Erst vom 16. Jahrhunderte 
ab sind Nachrichten und Abbildungen vorhanden, und diese sprechen, um das 
hier gleich vorweg zu nehmen, lediglich für die Berechtigung des Lilieuwappens. 
Wenn zwei erhaltene ältere Wappen dem zu widersprechen scheinen, so werden 
wir im Folgenden sehen, in welcher Weise sich dieser scheinbare Widerspruch 
aufklärt. 

Rössel hat als ältestes Zeugnis für das Vorkommen des Lilienwappens 
das Stadtbehältnus-Buch von Wiesbaden angeführt ^^), das 1557 augelegt ist 
und auf seinem Schweinsledereinband die drei Lilien in der Anordnung ^ 
als blosses Ornament, nicht als Wappen, in Schwarzdruck aufweist. Allein 
schon V. Goeckingk glaubte Grund zu der Annahme zu haben, dass die Lilien 
erst später dem Deckel aufgeprägt worden sind.-"^) Es ist das auf den ersten 
Blick zweifellos; denn da auf dem Einband von dem Buchbinder, der die LiUen 
aufprägte, auch die Jahreszahlen 1557 und 1620 aufgedruckt sind, so ist das 
ein Beweis, dass der Einband aus dem letzteren Jahre stammte. Das Stadt- 
behältnus-Buch scheidet damit aus der Zahl der Zeugnisse des 16. Jahr- 
hunderts aus. 

Allein aus wenig späterer Zeit liegt gleich ein anderes Zeugnis von solcher 
Beweiskraft vor, dass man sich nur wundern kann, wie wenig Eindruck es auf 
Rössel und diejenigen gemacht hat, die einer Abänderung des Stadtwappens in 
neuester Zeit das Wort geredet haben. Nur v. Goeckingk hat seine Be- 
deutung erkannt und gewürdigt. 

Im Jahre 1547 war bekanntlich die Stadt Wiesbaden von einem schweren 
Brandunglück heimgesucht worden, bei dem unter anderem auch die städtischen 
Urkunden und Akten mitverbranuten. Die damaligen Landesherren, sowohl 
Graf Philipp der Altherr von Nassau-Idsteiu, wie dessen Sohn, Philipp der 
Jungherr, bemühten sich ernstlich, der Stadt wieder aufzuhelfen, und namentlich 
der letztere wünschte ihr einen Ersatz für die verlorenen Freiheitsbriefe zu 
verschaffen. Als daher im Jahre 1562 ein Reichstag nach Frankfurt berufen 
wurde, der über die Wahl eines Nachfolgers Kaiser Ferdinands I. beraten 
sollte, benutzte Graf Philipp der Jungherr die Gelegenheit, an den regierenden 
Kaiser, der persönlich in Frankfurt erschienen war, ein Gesuch um Erneuerung 
und Bestätigung der Freiheiten Wiesbadens zu richten.-^) Er erwähnt darin 
besonders Freiheit und sicheres Geleit der Bürger, wie die Frankfurter es be- 
sassen, ferner das Recht, vier Jahrmärkte, sowie Wochenmärkte in der Stadt ab- 
zuhalten, und endlich das Recht, ein Wegegeld zu erheben. Für die Verhandlung 
mit dem Kaiser wurde neben diesem Gesuch noch ein ,, Bericht'' als Memorial 
aufgesetzt, in dem die verschiedenen Punkte des Gesuchs zusammengefasst und 
eine Art historischer Einleitung oder Begründung vorangeschickt wurde. Vielleicht 
sollte er die Grundlage zu weiteren mündlichen Verhandlungen bilden. Dass 
er dem Kaiser selbst zugegangen ist, lässt sich nicht erweisen, aber im Verlauf 



1») Kossei, a. a. 0, S. 29. 

'"') V. Goeckingk, a a. U., S. 9, Anm. 15. 

21\ 



') Siehe Beilage Nr. 1. 



l'J5 

der Verhandlungen teilte ihn Graf Philipp der Stadt Frankfurt mit. Dieser 
Bericht, den Rössel kannte und veröffentlichte--), beginnt mit folgenden Worten: 

Das vor undenklichen jaren zu zeiten haiser Caroli Magni die stat und 
ivarm ladt zii Wiszhadcn mit gnaden und freiheiten und der stat wappeu 
mit dreien gelen lllien in einem bloen feld ivie FranJcreich begabt, 
sonderlich in selben freiheitsbrief vermelt in allermasz, ivie derzeit die stat 
Frankfurt begabt und begnadet. Solcher freiheiten ist man noch mehrertheils 
im herkumen und gebrauch, solchs sigel biess auf diesen tag gebraucht iv'trt. 
Zu den Zeiten aber, das konig Adolf, ein grave zu Nassau etc. durch Alber- 
tum ersten hertzogen zu Osterreich vom reich Teutscher nation abgetrungen und 
erschlagen, seind die von Wieszbaden und auch königs Adolfs erben umb alle 
brief und schein komen . . . 

Man kann die durchaus fabelhafte Ausstellung eines Privilegiums durch 
Karl den Grossen für Wiesbaden beiseite lassen. Ein solches hat es ganz 
gewiss niemals gegeben, und wenn es eins gegeben hätte, so würde darin sicher 
nichts von der Verleihung eines Wappens au die Stadt gestanden haben, 
weil Wappen überhaupt erst seit den Kreuzzügen, etwa seit der Mitte des 
12. Jahrhunderts, aufkamen. Was in dem Bericht hier allein interessiert, 
ist die Angabe, dass die Stadt ein Wappen mit drei gelben Lilien im 
blauen Felde „wie Frankreich" führt. Man beachte wohl: nicht den Schild 
mit drei Lilien, belegt mit dem nassauischen Grafenschilde, sondern , die 
drei gelben Lilien im bliuen Felde, wie Frankreich. Und , es |^ist kein 
gewöhnlicher, unwissender Schreiber, der dies berichtet, sondern die Mit- 
teilung kommt in einem amtlichen, im Auftrage des Landesherrn abgefassten 
Berichte vor, der den Verhandlungen mit dem Kaiser zugrunde gelegt werden 
soll und unter anderen auch der benachbarten, mit allen einschlägigen Ver- 
hältnissen doch sehr wohl vertrauten Stadt Frankfurt amtlich übersandt worden 
ist. Ein stärkeres, gewichtigeres und glaubwürdigeres Zeugnis über das Wappen 
der Stadt Wiesbaden kann es doch wohl kaum geben. Wenn irgend jemand, 
so wird der eigene Landesherr der Stadt gewusst haben, welches Wappen sie 
führte, und es ist nicht zu verstehen, wie nicht jede Untersuchung in der 
Wappenfrage von diesem Zeugnis ihren Ausgang genommen hat. Aber vielleicht 
möchte jemand geneigt sein, die Worte des Berichts anders, als es oben ge- 
schehen ist, nämlich so aufzufassen, als ob Graf Philipp habe sagen wollen, 
dass Karl der Grosse das Wappen der Stadt mit drei gelben Lilien bereichert 
hätte. Man müsste danach annehmen, nach des Grafen Meinung hätte die 
Stadt bereits ein Wappen geführt, etwa den nassauischen Grafenschild, und 
durch Karl den Grossen die Lilien noch dazu erhalten. Eiue gewisse Be- 
rechtigung könnte diese Auslegung durch den Umstand gewinnen, dass der 
Graf in dem Berichte bemerkt, ein Siegel, das das von ihm beschriebene Wappen 
aufweist, sei noch, d. h. also im Jahre 1562, im Gebrauch. Nun hat es im 
ganzen 16. Jahrhunderte ein Siegel der Stadt mit dem Lilienwappen nicht ge- 



22 



) Der Abdruck bei Rössel, a. a. 0., S. 64, Anlage D, ist sehr ungenau und ver- 



stümmelt. In Beilage Nr. 3 folgt unten ein genauerer. 



196 

geben, wohl aber, wie wir noch sehen werden, ein Siegel mit dem Grafenschilde 
und den drei Lilien in der Legende, das Stadtgerichtssiegel, das einzige, das 
der Graf überhaupt im Auge haben konnte. Allein, dass die Worte des Be- 
richts in solcher Weise aufzufassen sind, dürfte bei unbefangener Erwägung 
doch völlig ausgeschlossen sein. Denn erstens hätte sich der Graf in diesem 
Falle anders ausdrücken müssen. Das Wappen der Stadt mit drei Lilien im 
blauen Felde, wie Frankreich, begaben, würde heissen, in den vorhandenen 
Wappenschild drei Lilien aufnehmen, nicht aber einen Lilienschild verleihen 
und darin das bisherige Wappen aufnehmen. Zweitens aber ist jeue Erklärung 
durch den ganzen Zusammenhang, in dem die Erwähnung des Wappens im 
Berichte vorkommt, ausgeschlosseu. Wappenverleihungen war ein Recht der 
Kaiser, das im 15, und 16, Jahrhunderte von ihnen oft genug ausgeübt wurde, 
und so nahm die Wiesbadener Tradition und mit ihr der Graf an, dass Karl 
der Grosse der Stadt auch ihr Wappen, uäralich die drei Lilien im blauen 
Felde, wie sie die Könige von Frankreich führten, verliehen hatte. Indem nun 
der Graf in dem Berichte die Gnadenbezeugungen und Freiheiten, die die Stadt 
angeblich Kaiser Karl verdankt, erwähnt, rechnet er dazu auch ihr Wappen, 
natürlich als ganzes. Das ist offenbar der Sinn seiner Worte ; an eine blosse 
Zutat zu dem vorhandenen Wappen würde er in diesem Zusammenhange 
schwerlich gedacht haben. Weiter müsste er, wenn jene andere Deutung zu- 
treffend wäre, eine sehr genaue Kenntnis von der Entwickeluug des Wiesbadener 
Wappens gehabt haben. Er hätte wissen müssen, dass anfänglich nur ein 
Wappen, und zwar das Wappen seines eigenen Geschlechts, als Stadtwappen 
geführt worden, und dass diesem durch den Kaiser dann die Lilien beigefügt 
worden wären; er hätte wissen müssen, dass sein Geschlecht lange vor Karl 
dem Grossen ein Wappen geführt habe — alles Dinge, die so unwahrscheinlich 
sind, dass man sie dem Grafen wirklich nicht zutrauen darf. Wäre endlich 
im Jahre 1562 ein Wappen geführt worden, das den Grafenschild und ausserdem 
drei Lilien als Wappenbild gehabt hätte, und hätte der Graf in seinem Berichte 
an dieses Wappen gedacht, so bliebe völlig unverständlich, dass drei Jahrzehnte 
später Wappen angefertigt wurden, die, wie wir noch sehen werden, nur die 
drei Lilien enthalten, also genau dem Wappen entsprechen, das der Graf be- 
schreibt, wenn wir jene Deutung seiner Worte ablehnen. Tatsächlich hat aber 
bisher niemand die Worte des Berichts in solcher Weise erklärt, weder Rössel, 
noch V. Goeckingk, noch in älterer Zeit Schenk, der den Bericht des 
Grafen ebenfalls gekannt hat. Alle fassen die Worte lediglich so auf, dass nach 
des Grafen Meinung Karl d, Gr. der Stadt den Lilienschild verliehen hat. 

Unter diesen Umständen bleibt nichts anderes übrig, als die Bemerkung, 
dass ein Siegel mit dem vorher beschriebenen Wappen noch im Gebrauch sei, 
nicht wörtlich auf ein Siegel mit dem Lilienschildc zu beziehen, sondern auf 
das Stadtgerichtssiegel, das einzig vorhandene Stadtsiegel überhaupt, das neben 
dem Grafenschilde die drei Lilien in der Legende hat, und von dem später 
weiter die Rede sein wird. Der Graf würde also in seinem Bericht sagen, 
das Siegel der Stadt, das die von Karl verliehenen Lilien (wenn auch nicht 
allein) aufweise, sei im Jahre 1562 noch im Gebrauch. 



* 197 

Aus dem Bericht ergibt sich nun nicht allein, dass die Stadt das Lilien- 
wappen damals, als der Bericht abgefasst wurde, also im Jahre 1562, führte, 
sondern auch weiter, dass sie es schon sehr lange geführt hatte. Die Verleihung 
wird darin Karl d. Gr. zugeschrieben; da aber dies nicht der Fall sein kann, 
so wird man annehmen dürfen, dass es bereits seit Menschengedenken, also 
doch wenigstens seit dem 15. Jahrhunderte geführt worden ist. Damals als 
das Wappenwesen in seiner Blüte stand, mochte die Stadt eher den Wunsch 
und das Bedürfnis empfunden haben, ein eigenes "Wappen anzunehmen. 

Auf die Frage, wie sie dazu gekommen ist, gerade die Lilien als Wappen- 
figur anzunehmen, braucht hier nicht näher eingegangen zu werden. Rössel 
hat bereits eine befriedigende, auch von Goeckingk angenommene Vermutung 
ausgesprochen, der bis jetzt keine bessere entgegenzustellen ist.-'*) Da man 
nämlich in Wiesbaden Karl d. Gr. für den Urheber der städtischen Freiheiten 
hielt und man in Unkenntnis der Geschichte glaubte, dass er ein fränkischer 
König gewesen, und seine Nachkommen die französischen Könige seien, die ja, 
wie man wusste, das Lilienbanner führten, so wird man angenommen haben, 
dass auch er letzteres gehabt hat, und wird sich folglich für berechtigt gehalten 
haben, es ebenfalls anzunehmen, um dadurch gewissermassen seinen Zusammen- 
hang mit jenem grossen und mächtigen Kaiser auch äusserlich zu bekunden. 

Das Zeugnis des Grafen Philipp findet nun seine Bestätigung in einigen 
Wappendarstellungen, von denen wenigstens die eine noch dem 16. Jahrhunderte 
angehört. Sie befindet sich an einem jetzt im Wiesbadener Museum aufbewahrten 
Architekturstück von Sandstein und zeigt das Lilienwappen mit der Jahreszahl 
1592.^^) Aus wenig späterer Zeit, nämhch dem Jahre 1610, ist dann das ebenfalls 
heute noch erhaltene Wappen über dem Haupteingange des alten Rathauses in 
der Marktstrasse vorhanden; es zeigt in gleicher Weise, wie jenes, den Lilienschild, 
wie ihn Graf Philipp in seinem Berichte beschreibt. Man beachte übrigens 
auch hier, dass es kein beliebiges Privathaus ist, an dem dieses Wappen ein- 
gelassen ist, sondern das der Stadt gehörige, im Jahre 1609 erbaute Rathaus, 
Endlich muss auch noch das Wappen in dem sogenannten ,, kleinen Stadt- 
gerichts-Siguet" erwähnt werden. Zwar sollte von Siegeln als Beweismaterial 
abgesehen werden, aber freilich doch nur insoweit, als sie lediglich Siegel- 
bilder enthalten, bei denen es zweifelhaft ist, ob sie als Wappen aufzufassen 
sind. Allein in dem Stadtgerichts- Signet, das etwa vom Jahre 1623 bis ins 
18. Jahrhundert vorkommt und zur Besiegelung weniger wichtiger Schriftstücke, 
zu Briefverschlüssen u, s. w. gebraucht wurde, kommt tatsächlich ein unzweifel- 
haftes Wappen im Siegelfelde vor, als solches kenntlich am Helm mit dem 
Helmkleinod auf dem Schilde. Dieser Schild aber ist eben kein anderer, als 
der Lilienschild.-'') Und als dieses Siegel am Ende des 18. Jahrhunderts durch 
ein neues, das sogenannte „Kontrakten-Siegel" ersetzt wurde, nahm man auch 
in dieses wieder den Lilienschild mit Helm und Helmkleinod als Wappen auf.-'') 

-^) Rössel, a. a. 0., S. 36. v. Goeckingk, S. 9. 10. 
") Abgebildet bei Rössel, S. 29. 
, ^^) Abgebildet bei Rössel, S. 51. 
^'') Abgebildet ebenda S 52. 



198 

Dass im Verlauf des 19. Jahrhunderts bis zum Beschluss der Stadt- 
vertretung im Jahre 1898 immer nur der Lilienschild als Stadtwappen ge- 
golten hat, darf als bekannt vorausgesetzt werden. 

Aus unzweifelhaften Wappeuzeugnissen ergibt sich also, dass wenigstens 
vom 15. Jahrhunderte, d. h. soweit wir überhaupt Nachricht haben, das Lilien- 
wappen Stadtwappen von Wiesbaden gewesen ist. 

lY. 

Wappendarstellung-en mit anderen Wappen: das Wappen am Gasthaus 

zum Einhorn, die Holzskulptur von 1609 und das Wappen am 

Stadtbrunnen von 1753. Das Stadtgerichtssieg-el. 

Mit dem bisher gewonnenen Ergebnis scheinen nun einige Wappen- 
darstellungen nicht im Einklang zu stehen, die den Lilienschild nicht aufweisen 
und doch als Stadtwappen gegolten haben und noch gelten. Wir müssen 
ihnen im Folgenden um so mehr Aufmerksamkeit schenken, als namentlich 
zwei von ihnen von entscheidendem Einfluss auf die Wappenänderung von 1898 
gewesen sein mögen. 

Am alten Gasthof zum Einhorn in der Marktstrasse befand sich und be- 
findet sich noch heute, wenn auch nicht mehr an der alten Stelle, ein in Holz 
geschnitztes Wirtshausschild mit der Jahreszahl 1600, das neben dem Einhorn 
als Wirtshauszeicheu den nassauischen Grafenschild enthält.-') Rössel spricht 
letzteren als Stadtwappen an und sieht darin einen Beweis für seine Ansicht, 
dass selbst noch in dieser späten Zeit das Grafenwappen zugleich auch Stadt- 
wappen gewesen ist. Er kommt dazu, jenes Wappen als Stadtwappen anzu- 
sehen, weil er das Gasthaus zum Einhorn für ein der Stadt gehöriges Gebäude 
hält. Aber auch hier hat v. Goeckingk bereits mit Recht eingewandt, dass 
Rössel sich im Irrtum befindet.-^) Das Einhorn gelangte um 1524 in das 
Eigentum der Grafen von Nassau, war also herrschaftlicher Besitz und blieb 
herrschaftlich bis zum Jahre 1769.-^) Das Wappen jener Holztafel ist also 
das gräfliche und beweist darum für Ro ss el 's Ansicht so wenig, wie die ältesten 
Stadtsiegel, auf die er sich stützt. 

Mit weit grösserem Recht können scheinbar gegen das Lilienwappen eine 
Holzskulptur vom Jahre 1609 und das bemalte Saudsteinwappen am Stadt- 
brunnen vor dem alten Rathause in der Marktstrasse vom Jahre 1753 ein- 
gewandt werden. 

Am alten Rathause der Stadt befanden sich unter den Fenstern des Ober- 
geschosses geschnitzte Holztafeln als Füllungen, die noch heute im Landes- 
museura zu Wiesbaden aufbewahrt werden. Das Rathaus wurde 1609 erbaut, 
die Holzskulpturen stammen also aus eben diesem Jahre. Eine derselben zeigt 
zwei Medaillons; auf dem rechten sieht man den aus seiner Asche empor- 



") Abgebildet bei Rössel, S. 38. 
^^) V. Goeckingk, S. 9, Anni. 15 



*^) Schüler, Wiesbadener Tagblatt, Jahrg. 1895, Nr. 141; vergl. auch F. Otto, Das 
„älteste Einhorn" in Wiesbaden, Mitteilungen des Vereins f. Nass. Altertumsk. 1897/98, Sp. 105. 



199 

steigenden Vogel Phönix abgebildet; das linke enthält eine Cartouche in 
Renaissance-Form und in deren Mitte den nassauischen Grafenschild mit zwei 
Lilien am oberen und einer Lilie am unteren Rande/"') Will man die Car- 
touche als Schild auffassen, so hat man damit das Wappen von 1898. Ganz 
ähnlich ist bekanntlich auch das Wappen am Stadtbrunneu von 1753: ein von 
einem Löwen gehaltener Schild, in dessen Mitte sich der nassauische Grafen- 
schild befindet mit je einer Lilie an dem oberen und einer Lilie am unteren Eck. 
Dem grossen Publikum gilt namentlich dieses letztere Wappen ohne alle Be- 
denken als Stadtwappen, vermutlich weil es aus alter Zeit stammt und alles 
Alte dieser Art unbedingt glaubwürdig erscheint. Allein haben wir es hierbei 
und bei jener Holzskulptur wirklich mit einem Stadtwappen zu tun, oder welche 
Bedeutung haben jene Wappen sonst? 

Um diese Frage zu beantworten, sei zunächst eine allgemeine Erwägung 
vorausgeschickt. 

Begreiflicherweise kann eine Stadt zu einer Zeit doch nur immer ein 
Wappen haben. Hat nun Rössel mit seiner Ansicht Recht, so würde die Stadt 
Wiesbaden am Ende des 13. Jahrhunderts als ihr Stadtwappen das Wappen 
der Grafen von Nassau angenommen und etwa bis zum Anfang des 17. Jahr- 
hunderts geführt haben. Nach Rössel und auch nach den obigen Ausführungen 
ist gewiss, dass sie im 16. Jahrhundert das LiUenwappen geführt hat. Stellt 
das Wappen auf jener Holzskulptur von 1609 und auf dem Stadtbrunnen von 
1753 ebenfalls das Stadtwappen dar, so würde daraus folgen, dass im 17. und 
18. Jahrhunderte das aus dem Lilien- und dem Grafenwappen zusammengesetzte 
Wappen angenommen und geführt worden ist. Aber schon im 18. und das 
ganze 19. Jahrhundert hat wieder das Lilienwappen gegolten, bis dann 1898 
die Annahme des zusammengesetzten Wappens beschlossen worden ist. Nun 
stelle man sich dieses beständige Schwanken vor, wenn die Dinge sich wirk- 
lich so verhalten haben, wie hier angeführt, und frage sich, ob das denk- 
bar ist. Das Wappen ist ein Kennzeichen eines Geschlechts, einer Korporation, 
einer Stadt oder eines Landes. Es bezeichnet den, der es führt, wie ihn sein 
Name bezeichnet. Man erkennt die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht oft 
lediglich nur aus der Übereinstimmung der Wappen. Alle Heraldiker sind 
einig, dass Wappen etwas Beständiges und Bleibendes sind.-'^) Wohl kommen 
Abänderungen vor, Veränderungen in der Farbe, Hinzufügung von Beizeichen 
oder Brüchen, jedoch immer nur aus ganz besonderer Veranlassung. Auch 
kann es vorkommen, wiederum nur wenn besondere Umstände mitwirken, dass 
ein Geschlecht ein neues Wappen annimmt. Dass aber eine Stadt im Laufe 
der Jahrhunderte ohne sichtliche Veranlassung hin- und herschwankt, dürfte 



»») Abgebildet bei Rossol, S. 47. 

^•) F. Warnecke, Heraldisches Handbuch, 2. Autl., Goerlitz 1880, S. 1: „Wappen 
sind bleibende, nach bestimmten Kegeln festgestellte Abzeichen einer Person, Familie oder 
Körperschaft, v. Sacken, Katechismus der Heraldik, Leipzig 1880, S. 1: Was sind Wappen? 
Bestimmte, nach gewissen Griindsiltzen und Regeln verfertigte Eilder, die von Personen oder 
Körperschaften als eigentümliche, bleibende Abzeichen und mit einer besonderen Be- 
rechtigung geführt und gebraucht werden. 



200 

doch wohl in hohem Masse unwahrscheinlich sein. Jedenfalls aber ist diese 
Erwägung geeignet, von vornherein Misstrauen gegen das Wappen der Holz- 
tafel und des Brunnens einzuflösseu und die Prüfung ihrer Bedeutung als 
Wappen nahezulegen. 

Dazu kommt aber ein weiterer Umstand. Das Wappen der Holztafel 
von 1609 ist ein Teil eines Dekorationsstückes, nämlich einer Füllung unter 
einem Fenster des Oberstockes des alten Rathauses. In einer anderen Holztafel, 
die ebenfalls als Füllung diente, befanden sich zwei ganz ähnliche Medaillons, von 
denen das eine das nassauische Grafenwappen enthält, das andere daneben als 
Parallelstück zu dem Vogel Phönix einen Pelikan, der seine Jungen mit seinem 
Blute ernährt.'^^) Andere Tafeln zeigen symbolische Frauengestalten, die Per- 
sonifikationen bürgerlicher Tugenden, so eine Fortitudo, Prudentia, Temperantia, 
Fides, Spes, Caritas^ Justitia.^^) Mau sieht also, der Holzbildhauer, der diese 
Tafeln schnitzte, ein Strassburger Meister Namens Schütterlin, war ein phantasie- 
begabter Künstler, der nach Motiven suchte, und dem es darauf ankam, mit 
seinen Schnitzereien gewisse Gedanken in Bildern zum Ausdruck zu bringen. 
Es ist darum gewiss nicht ohne Bedeutung, wenn er neben das Wappen des 
Landesherrn das Bild des Pelikan setzte, der seine Jungen träiikt. Es sollte 
das ein Symbol des Landesvaters sein, der sich für seine Untertanen aufopfert. 
Mochte der Gedanke im vorliegenden Falle nur eine Übertreibung oder eine 
plumpe Schmeichelei sein, gegen die Idee an sich, den Landesherrn mit dem 
Pelikan zu vergleichen, lässt sich nichts einwenden. Yielieicht war es auch 
nicht ohne tiefere Bedeutung, wenn der Künstler zugleich den aus seiner Asche 
verjüngt emporsteigenden Vogel Phönix bildete. Ist das Wappen daneben das 
Stadtwappen, so würde mit dem Phönix die Stadt gemeint sein. Allein für 
eine Stadt will der Gedanke nicht eben gut passen, dass sie sich immer aus 
sich selbst verjüngt, da sie vielmehr auswärtige Hilfskräfte und des Zuzugs 
von aussen bedarf. Ob er nicht passender für die Stadtb ehörde seia würde, 
die sich selbst ergänzt und immer verjüngt erscheint? 

Doch gesetzt, das fragliche Wappen der Holztafel von 1609 sei wirklich 
das Stadtwappen, dann hätte man am alten Rathause zwei ganz verschiedene 
Wappen derselben Stadt in genau derselben Zeit angebracht. Denn, wie er- 
wähnt, ist das in Sandstein gehauene Wappen über dem Haupteiogange das 
Lilienwappen, das 1610 beim Neubau angefertigt und in die Mauer eingelassen 
wurde. Dass aber dieses Vorkommen zweier verschiedener Wappen in gleicher 
Zeit eine Unmöglichkeit ist, bedarf keines weiteren Wortes. Wenn man nun, 
gestützt auf das völlig glaubwürdige Zeugnis des Grafen Philipp von 1562, 
daran festhalten muss, dass das Lilienwappen das Stadtwappen von Wiesbaden 
gewesen ist, so bleibt nichts weiter übrig, als für das Wappen der Holztafel 
eine andere Deutung zu suchen. 

Wir müssen hierbei auf das Siegel der Stadt zurückkommen. Als solches 
haben wir zuvor das Sigillum universitatis kennen gelernt. Wie erwähnt, ist 



"2) Rössel, S. 47. 
^^) Rössel, ebenda. 



201 

es in zwei Stempeln enthalten, die beide im Siegelfelde als Siegelbild den 
nassauischen Grafenschild aufweisen und die Umschrift tragen : S.- VNIVERSI- 
TATIS OPPIDI WYSEBADEN. Gebraucht wurde das Siegel von Schultheiss 
und Schöffen, d, h. dem Stadtgericht als der eigentlichen Stadtbehörde. Da- 
neben war kein anderes im Gebrauch, und auch keins vorhanden. Am Ende 
des 15. Jahrhunderts, etwa um das Jahr 1500 erscheint nun aber ein neues 
Siegel von einem etwas anderen Typus.^^) Es trägt die Umschrift: Siglum 
judicii opidi Wisbaden, erweist sich also als Siegel des Stadtgerichts, nicht 
oder nicht mehr als Siegel der Gesamtgemeinde. Rössel und v. Goeckingk 
schreiben diesem Umstände eine besondere Bedeutung bei. Rössel meint, es 
hinge das mit einer würdevolleren Stellung des Stadtgerichts zusammen, das 
sich als Korporation und Gerichtshof mehr abgesondert habe.-^') v. Goeckingk 
nimmt das ebenfalls an und will dementsprechend beobachtet haben, dass, wo 
Schultheiss und Schöffen als Gerichtshof Urkunden, sie sich lediglich nur des neuen 
Gerichtssiegels bedienen, während wenn Schultheiss, Schöffen, Bürgermeister 
und ganze Gemeine als Verwaltungsbehörde Urkunden, sie nur das alte Siegel 
mit den Rosen gebrauchen."''^) Allein hiervon hat Rössel nichts bemerkt, 
wenigstens behauptet er, dass dieses letztere Siegel nur hin und wieder noch 
im dienstlichen Gebrauch neben jenem neuen Gerichtssiegel geblieben ist.-''^) 
Eine scharfe Unterscheidung zwischen Justiz und Yerwaltung liegt dem Mittel- 
alter jedenfalls durchaus fern, und dessen Verfassungsverhältnisse weisen im 
allgemeinen eine viel grössere Beständigkeit auf, wie die der Gegenwart. 
Ausserdem war Wiesbaden immer nur eine sehr kleine Landstadt, in der sich 
keine so grosse Verfassungsänderungen vollzogen haben, wie die Absonderung 
von Justiz und Verwaltung es sein würde. Es ist darum als gewiss anzusehen, 
dass die Stadtbehörde immer dieselbe geblieben ist, ebenso wie sich ihre Befug- 
nisse nicht wesentlich geändert haben. Rössel muss es ausdrücklich zugeben, 
dass das Stadtgericht auch Verwaltungsbehörde ist.^^) Es wird also die Her- 
stellung des neuen Siegels weder auf eine würdevollere Stellung des Stadt- 
gerichts, noch auf die Absonderung der Justiz von der Verwaltung zurück- 
zuführen sein, sondern eher auf eine Geschmacksveränderung oder sonst einen 
nebensächlichen Umstand. Allerdings führte das neue Siegel die Umschrift: 
Sigillum (Siglum) judicii opidi Wisbaden, während die des äheren lautet: 
Sigilluml(universitatis oppidi Wysebaden. Allein das entsprach lediglich den 
tatsächhchen Verhältnissen. Die Gesamtgemeinde (wiiversitas) als solche übte 
um 1500 keinen Einfluss auf das Stadtregiment mehr aus, der auch früher 



^*) Ich folge hier der Angabe Rosseis, würde mich aber nicht wundern, wenn bei 
genauerer Untersuchung sich ergeben würde, dass der neue Siegelstempel erst aus etwas 
späterer Zeit stammt. Das erste bis jetzt bekannte Siegel dieses Typus stammt aus dem Jahre 
1534. Auf die beiden 00 in der Legende, die nach Rössel, S. 12 und v. Goeckingk, 
S. 5, angeblich auf die Jahreszahl 1500 deuten, ist nichts zu geben. 

3^) Rössel, S. 27. 
36) V. Goeckingk, S. 6. 
. ") Rössel, S. 11. 
38j Rössel, S. 22. 



202 

kein grosser gewesen sein wird; das Regiment lag, soweit es die Grafen nicht 
ausübten, ganz in den Händen der Stadtbebörde, die eben Scbultheiss und 
Schöffen vorzüglicli bildeten, während Bürgermeister und Geschworene daneben 
nur eine untergeordnete Rolle spielten."^) Man wird daher wohl kaum fehl 
gehen, wenn man annimmt, dass die Behörde, die das ältere Siegel gebrauchte, 
genau dieselbe ist, wie die, die das neue führte. Dieses neue Siegel nun 
unterscheidet sich äusserlich von den früheren; es ist nicht rund, wie diese, 
sondern hat, dem Geschmack der jüngeren Zeit mehr entsprechend, die Form 
eines am oberen Rande rechteckigen, unten kreisrund gebogenen Schildes. 
Das Siegelfeld enthält jedoch genau dasselbe Siegelbild, wie die älteren Siegel 
des 14. Jahrhunderts, nämlich den nassauischen Grafenschild. Die Legende 
lautet, wie bereits angegeben: Siglum (Sigillum) judicii oppidi Wisbaden. Eine 
neue Zutat indessen bilden in der Legende, die Worte derselben unterbrechend, 
di'ei Lilien, die so angeordnet sind, dass zwei in den oberen Ecken, eine am 
unteren kreisrund gebogenen Rande zu stehen kommen; sie zeigen ein hohes 
Relief und sind von solcher Ausdehnung, dass sie in das Siegelfeld hineinragen 
und den Grafenschild berühren. ^°) Auf den oberflächlichen Beschauer macht 
das Siegel den Eindruck der Ähnlichkeit mit dem Wappen der Holztafel von 
1609. Allein der grosse Unterschied zwischen beiden ist, dass die Lilien hier 
nicht in einem Schilde stehen, der mit dem Grafenschilde belegt ist, sondern 
dass sie in der Siegellegende lediglich als Ornament vorkommen. Man hat es 
eben auch hier nur mit einem Siegel, nicht mit einem Wappen zu tun; und 
wenn Rössel von dem Löwen- Wappen mit den drei Lilien am Rande sprichf^^), 
das das Stadtgericht seit dem 16, Jahrhundert geführt hat, so verkennt er 
auch hier wieder den grossen Unterschied zwischen Siegel und Wappen. Eine 
Behörde, wie das Stadtgericht, kann wohl ein Siegel führen, aber unmöglich 
ein eigenes Wappen haben. Woher die Lilien stammen, darüber kann unmöglich 
Zweifel bestehen. Rössel allerdings hält sie lediglich für eine ,, ornamentale 
Zutat, die das Stadtgericht als solches am Ende des 15. Jahrhunderts zur 
Kennzeichnung seiner Akte in das Siegel aufnahm und zur Unterscheidung von 
der städtischen Verwaltung beibehielt".^-) Dem hat v. Goeckingk bereits mit 
Recht widersprochen, "*■'} Indem er sich auf jenen Bericht des Grafen Philipp 
von 1562 stützte, in dem von dem alten Wappen der Stadt mit den drei gelben 
Lilien im blauen Felde die Rede ist, folgerte er, dass die Stadt schon seit dem 
15. Jahrhundert dieses Wappen führte, und dass die drei Lilien keine willkür- 
liche ornamentale Zutat des Siegelstechers, sondern die Wappenfiguren des 
Stadtwappens sind. Der Schluss ist für jeden unbefangenen Beurteiler zwingend. 



^^) Ein im Jahre 1G3G Jingefortigter Siegelstenipel mit tlor Umschrifc: Sigillum univorai- 
tatis oppidi Wisbadensis 1636 und dem Grafenschildo mit den Rosen ist lediglich ein Ana- 
chronismus; es ist eine einfache Nachbildung des zweiten Siogelstempels aus dem 14. Jahr- 
hundert und nur kurze Zeit im Gebrauch gewesen. Ross'ol, S. 53. 

*») Abgebildet bei Rössel, S. 11, 28. 

"'J Rössel, S. 29. 

'^) Rössel, S. 37. 

") V. Goeckingk, S. 9. 



203 

Uumüglicli kuunto ein Siegelstecher im Zeitalter der Blüte der AVappeukuost 
auf den Gedanken kommen, in ein Siegel eine so charakteristische, in der 
Heraldik öfters verwertete Wappenfigur, wie die Lilie, als blosse ornamentale 
Zutat aufzunehmen, wenn sie nicht Bedeutung für den Siegelführer hatte. 
Umgekehrt hatte es sehr wohl Sinn, wenn er dem ohne jede Veränderung 
übernommenen und darum in diesem Falle wenig bezeichnenden nassauischen 
Grafenschilde noch die Wappenfiguren des städtischen Wappens beifügte. 

Das Stadtgerichtssiegel vom Ende des 15. Jahrhunderts blieb bis in das 
dritte Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts in Gebrauch. Der alte Stempel wurde 
dann zwar 1636, 1664 und 1749 durch neue ersetzt, aber das Siegelbild war auf 
allen immer das nämliche : der Grafenschild mit den drei Lilien im Siegelfelde, 
niemals ein Wappenschild mit drei Lilien, belegt mit dem Grafenschilde. '^) 

Mit diesem Siegelbilde haben nun, wie bereits erwähnt, die Wappen der 
Holztafel von 1609 und des Stadtbrunnens von 1753 eine grosse Ähnlichkeit. 
Da nun das Siegelbild kein Wappen ist, und alle sonstigen Zeugnisse für das 
Lilienwappen sprechen, so bleibt schliesslich kein anderer Ausweg übrig, als 
anzunehmen, dass jene beiden Wappendarstellungen von dem Siegelbild ab- 
hängig und nur Nachbildungen des Stadtgerichtssiegels sind, das hier miss- 
verständlich in einen Schild gestellt und so zum Wappen geworden ist. Die 
Meister der beiden Skulpturen, waren keine geborenen Wiesbadener, der der 
Holztafel war ein Strassburger, und der Steinmetz des Brunnens stammte aus 
Reistenhausen.'-^) Beide lebten in einer Zeit, die kein richtiges und lebhaftes 
Empfinden mehr für die Heraldik hatte; beide kannten sicherlich das Siegel 
des Stadtgerichts sehr gut. Was Wunder also, wenn sie beide in denselben 
Fehler verfallen sind, in den auch Rössel verfallen ist, nämlich Siegel und 
Wappen gleich zu setzen. Für den Steinmetz von 1753 kommt dabei weiter 
als Entschuldigung hinzu, dass er die Holztafel von 1609 vorfand und als 
Modell benutzen konnte. Sollten aber beide nicht selbst die Erfinder des 
Wappens sein, sondern es nach Mitteilungen anderer gearbeitet haben, so haben 
eben diese das Missverständnis begangen. Dass mit dem Wappen etwas Neues 
geschaffen, und dass dieses Neue heraldisch anfechtbar war, wird ihnen schwer- 
lich zum Bewusstsein gekommen sein. Wenigstens ist es überaus zweifelhaft, 
ob ein Heraldiker der guten Zeit die Verbindung der beiden Wappen, des 
Lilien- und des Grafenwappens, die tatsächlich in dem zusammengesetzten 
Wappen der Holztafel vorliegt, so hergestellt haben würde, wie es hier der 
Fall ist, nämlich durch Auflegen eines Schildes auf den anderen. In zahlreichen 
anderen Fällen ist die Verbindung zweier einfacher Wappen in der Weise 
erfolgt, dass ein Schild gespalten oder geteilt wurde und die beiden Hälften je 
ein Wappen aufnahmen. Was man aber in Wiesbaden selbst über jene Wappen 
gesagt und gedacht haben mag, entzieht sich unserer Kenntnis. Warum sollte 
es im 17. und 18. Jahrhundert anders gewesen sein, als heute, wo wir heral- 
dische Fehler oft genug an unseren öffentlichen Gebäuden bemerken und — 
ruhig ertragen. 

- ") Rössel, S. 53, 54. 
*6) Eossei, S. 50, 54. 



204 

Aber auch völlig abgesehen von der Deutung der beiden Wappen als 
bewusste Nachbildungen des Stadtgerichtssiegels, welche Beglaubigung haben 
die beiden, auf die man sich in dieser Frage so gern beruft, ausser der ihres 
Alters? Beide sind Dekorationsstücke, gemacht von Handwerksmeistern, über 
deren heraldische Genauigkeit man durchaus nichts weiss. Es fehlt ihnen 
somit der Charakter eines offiziellen Zeugnisses, den beispielsweise ein Siegel 
unter allen Umständen hat. Hierbei weiss man, dass die Behörde, die es 
führte, es in der dargestellten Form gewünscht hat. Bei Dekorationsstücken 
überlässt man noch heute die Ausführung dem Meister und nimmt schliesslich 
auch Fehler mit in den Kauf, wenn nur der Gesamtzweck oder der Gesamt- 
eindruck erreicht ist. 

Unter diesen Umständen wird man den beiden Wappendarstellungen keine 
fundamentale Bedeutung beizulegen und von ihnen keine Erschütterung der 
Ansicht zu befürchten haben, dass lediglich das Lilienwappen als Stadtwappen 
von Wiesbaden zu betrachten ist. 

V. 

Ergebnisse. Die heraldische Gestaltung* des Lilienwappens: 

Mauerkrone, Helm. 

Am Schluss der Untersuchung sei deren Ergebnis noch einmal kurz zu- 
sammengefasst: 

Die ältesten Siegel der Stadt kommen für die Frage des Stadtwappens 
nicht in Betracht, weil Siegelbilder keine Wappen sind. Der landesherrhche 
Wappenschild ist im ältesten Stadtsiegel nur als Siegelbild aufzufassen. Ein 
Wappen der Stadt ist erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bekannt, doch kijnn 
es auch schon früher angenommen worden sein. Ein Stadtwappen, das zu blaso- 
nieren wäre: blauer Schild mit drei goldenen Lilien belegt mit dem nassauischen 
Grafenschilde (steigender, goldener, bekrönter Löwe mit 7 goldenen Schilden in 
blauem Felde) ist historisch nicht nachzuweisen. Das hierfür angeführte Stadt- 
gerichtssiegel vom Ende des 15. Jahrhunderts hat im Siegelfelde nur ein Siegel- 
bild, kein Wappen, und die Wappen der Holztafel von 1609, sowie des Stadt- 
brunnens von 1753 sind fehlerhafte Nachbildungen des Stadtgerichtssiegels. 
Das einzige, vom Ende des 15. Jahrhunderts an bekannte, vielleicht aber noch 
ältere Wappen der Stadt bis zum Jahre 1898 ist immer gewesen: ein blauer 
Schild mit drei goldenen Lilien, augeordnet ']. Beweise in chronologischer 
Reihenfolge bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts: das Zeugnis des Grafen 
Phihpp von Nassau-Idstein vom Jahre 1562, das Sandsteiuwappen von 1592, 
das Sandsteinwappen am alten Rathause von 1610 sowie die Sekretsiegel des 
Stadtgerichts von 1623 und aua dem Ende des 18. Jahrhunderts. 

Eine Ergänzung möge diese historische Untersuchung schliesslich noch 
durch eine heraldische Bemerkung erfahren. 

Der einfache und heraldisch völlig einwandfreie Lilienschild der Stadt 
Wiesbaden hat im 19. Jahrhunderte eine heraldische Verunzierung dadurch 
erhalten, dass eine Mauerkrone auf ihn gestellt worden ist. Diese Mauerkronen 



205 

aber sind eine moderne, der guten Zeit der Heraldik ganz unbekannte Erfindung 
für Städtewappen. Eine Stadt, die, wie Wiesbaden, ein Wappen spätestens 
seit dem Ende des 15. Jahrhunderts führt, sollte darauf unbedingt verzichten, 
wie das auch v, Goeckingk mit Recht bereits verlangt hat.'") Zweifelhafter 
könnte man sein, ob au Stelle der Mauerkrone ein Helm mit der Lilie als 
Helmkleinod auf den Wappenschild zu stellen ist, wie es v. Goeckingk empfohlen 
hat. Heraldiker, wie 0. T. v. Hefner, glauben verneineu zu müssen, dass Körper- 
schaften Helme auf ihren Wappenschildern zukommen, doch müssen sie zu- 
geben, dass selbst bei diplommässigen Verleihungen von Wappen an Städte 
auch in der Zeit der guten Heraldik Helme raitverliehen worden sind.^^) 
Der „Bericht" des Grafen Philipp von Nassau aus dem Jahre 1562 sagt hin- 
sichtlich des Wiesbadener Wappens von einem Helme nichts, auch das Wappen 
von 1592 hat ihn nicht, wohl aber findet er sich bei dem Sandsteinwappen von 
1610 am alten Rathause, sowie auf den Wappen in den Sekretsiegeln des Stadt- 
gerichts aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Da aber der „Bericht" keine voll- 
ständige Beschreibung des Wappens geben will, und das Wappen von 1592 
nur dekorativen Zweck hat, so würde es sich doch empfehlen, den Helm bei- 
zubehalten und ihm dann, wie es auch bei den Wappen der Sekretsiegel der 
Fall ist, eine goldene Lilie als Helmkleinod beizugeben. 



Beilagen. 



7. Graf Philipp von Nassau-Idstcin an Kaiser Ferdinand I. 1502, November 27. 

Bittet um Bestätigung der Freiheiten der Stadt Wiesbaden und um Gewährung 
eines vierten Jahrmarkts für seine Herrschaft Idstein. 

Gleichzeitige Abschrift. Stadtarchiv zu FranTcfurt a. ilf., Reichssachen 9008. 

Es haben c. k. m. vorfarn am reich, Romische kaiser und koni.ije hochlob- 
lichster gedechtnus, die stat und warme bad zu Wiszbaden, so irer m. und des reichs 
eigenthumb, aber meiner voreitern, der graven zu Nassau-Wiszbaden, und nunmehr 
mein leben gewesen und noch seind, mit allerlei ansehentliclien genaden und frei- 
hciten allergnedigst begäbet und begnadigt, sonderlich aber mit aller freiheit, Sicher- 
heit, gleidt und anderm gleichmessig der stat Frankenfurf, item mit vier jarmcrkten, 
als nemblich uf den sontag Jubilate und Johannis baptiste uf Michaelis archangeli 
und uf sanct Andreas des apostels tag in ehegenanter stat Wiszbaden zu halten, des- 
gleichen auch mit etzlichen wochcnmcrkten durchs jar, auch einem zimlichen wege- 
und stegegelt etc., des alles auch bisz daher obermeltc meine voreitern also im 
brauch und besitz gewesen und ich noch bin. Dieweil aber im jar der vingern zal 
vierzig sieben mehrgedachte stat Wiszbaden durch böse Icut mit an vielen orten ein- 
gelegtem feucr angetzundet, dardurch dieselbig vast zu grund, auch alle kirchen, 
pforten und thurn auszgebrent, also das damals auch alle der gemeine burgerschaft 
daselbst brieve und documenta verbrennen, so erfordert die notdurft, c. k. m. umb 
gnedigste verneucrung und confirmation derselben underthenigst antzurufen. 



■*«) V. Oocckingk, S. 11. 

") O T. V. lief 11 Ol-, llftiidl)ii<0i ilov tlioorntisolion und praktischen TLeraldilc, T, S. lOS. 

14 



206 

Weiter, allergnedigster kaiser, gieb e. k. m. ich uuderthenigst zu verneinen, 
wiewol die herrschaft Itzstein drei jarmerkt, nemblich uf den suntag Trinitatis zu 
Strintz"^^), uf Bonifatii zu Aldeuburg^'^) und uf Dionisii zu Wolfsbacli''*^) von alters ge- 
habt und herbracht, die auch noch järlichs also gehalten werden, das doch dieselben 
nach gelegenheit des bezirks ehegedachter meiner herrschaft Itzstein zu wenig und 
für notwendig geachtet wirt, noch einen jarmarkt, damit derselben auch vier, wie in 
der stat Wiszbaden, seien, antzurichten. So langt dem allem nach an e. k. m. mein 
underthenigste vleissige bitt, e. k, m. geruhen allerguedigst, erstlich mehrgedachter 
stat Wiszbaden zu besseruug derselben, als e. k. m, und des reichs eigenthumb alle 
oberzelte ire gnaden, i)rivilegien, freiheiten, recht und gerechtigkeiten iumassen sie 
die von alters und gleichmessig der stat Frankenfurt gehabt und herbracht haben 
zu verneuern, auch die obgenannten vier jarmarkt und einen wochenmarkt sampt 
dem wege- und steggelt daselbst gnedigst zu confirmirn, und dan noch einen jar- 
markt in der herrschaft Itzstein, so uf den sontag Quasimodogeniti järlichs uf den 
Hönerberg'^) soll gehalten werden, zusampt den andern hievor gemelten jarmarkten in 
meiner herrschaft Itzstein mit allen denen freiheiten, rechten und gerechtigkeiten, so 
offene jarmarkt zu haben pflegen und haben sollen, von neuem allerguedigst conce- 
diren. Das will umb c. k. m. ich mit meinen underthenigsten schuldigen und ge- 
horsamen dinsten in aller undertheuigkeit zu verdiene jederzeit gevlissen und bereit 
seien. Datum Frankfurt freitags den siebenundzweinzigsten Novembris anno etc. 1562. 

E. k. m. uuderthenigster gehorsamer 

Philips, 
grave zu Nassau, hcrr zu Wiszbaden und zu Itzstein. 



2, Kaiser Ferdinand I. an den Rat der Stadt Frankfurt. Frankfurt, 1562, 

Dezember 3. 

(Lectum dinstags den 2. Aprilis anno etc. 63. Presentatum 24. Aprilis anno 1563.) 

Original mit eigenhändiger Unterschrift des Kaisers und Verschlusssiegel. Stadt- 
archiv zu Frankfurt a. 31., Reichssachen 9G0S. 

Übersendet das Gesuch des Grafen Philipp von Nassau-Idstein (Nr. 1), 
auf das er sich ohne nähere Erkundigung nicht entschliessen mag., und erfordert 
Bericht., ob die darin erivähnten Jahr- und Wochenmärkte, soivie die andern 
Freiheiten noch in Gebrauch sind, und. ob er ohne BoiacJiteiligung der Nach- 
barn auf die Getvährung eines neuen Jahrmarkts für die Herrschaft Idstein 
eingehen könne. 

3, Denkschrift des Grafen Philipp von Nassau-Idstein für Kaiser Ferdinand I. 
ivegen Erneuerung der Freiheiten der Stadt Wiesbaden und BeiviUigung eines 
vierten Jahrmarkts in der Herrschaft Idstein. 0. D. [1502, Novemher- 

Dezember.J 

A. Anlage zu Nr. 4. — Stadtarchiv zu Frankfurt a. M., Eeichssachen 
9608. 

B. Gleich.zeitige Abschrift im Staatsarchiv zu Wiesbaden, V 7, Herr- 
schaft Wiesbaden, Wiesbaden 102. Vermerk auf der Bückseite: Be- 
richt der jar- und wochenmerktc zu Wisbaden und herrschaft Itzstein, 



*^) Strinz-Trinitatis inv. Idstein. 

*") Altenburg so. Idstein; "». Juni. 

^"j Ausgegangener Ort bei Idstein; 9. Oktober. 

*■') lliihnerkirolie b. Limbach, nw. Idstein. 



207 

woruf confirmationos auszuprcngen. Anno 1562. Zu Frankfurt uf dem 
weltag. 

Gedruckt hei Rössel, Bas Stadt-Wappen von Wiesbaden, Anlage D., 
S. ()4 (nach einer Vorlage im Stadtarchiv zu Wiesbaden?) 

Bericht 

Das vor undenklichen jaren zu zeiten kaiser Caroli Mangni die stat und warm 
bad zu Wiszbaden mit gnaden und freiheiten und der stat wappen mit dreien gelen 
lilien in einem bloen feit, wie Frankreich, begabt, sonderlich in selben freihcitsbrief 
vermelt, in allermass wie der zeit die stat Frankfurt begabt und'"'-) begnadet. 

Solcher freiheiten ist man noch mehrertheils im hcrkumen und gebrauch 
solchs sigel biesz auf diesen tag gebraucht wirt. 

Zu den zeiten aber, das könig Adolf, ein grave zu Nassau etc., durch Alber- 
tum ersten hertzogen zu Osterreich vom reich Teutscher nation abgetrungen und er- 
schlagen, seind die von Wiszbaden und auch künigs Adolfs erben umb alle brief und 
schein komen. 

Biesz volgents uf kaiser Ludwigen Bavarum, da haben die graven und herrn 
zu Wieszbaden wider previlegien und freiheiten erlangt.''-') 

Volgents auch bei kaiser Carolo quarto auch gemert.''"'^) Es haben die von 
Wiszbaden noch vor zwantzig jarn abschritt gehabt des ersten freiheitsbrieffs], durch 
Carolum Mang[n]um gegeben, und viel gueter antzeigung, denen nach man hat ver- 
gleitung und freiheit zu Wissbaden gleichmessig Frankfurt gegeben, wie noch im 
herkumen ist'"'') und gepraucht wirt. 

Aber anno 1547 ist Wieszbaden mit feuer dermassen an vielen orten an- 
getzundet, das kein weren helfen mögen, kirchenpforten und dorn zumahl mit'^^') allen 
iren briffen'^'^) und verrat der gemein zu grünt verbrant, das sie nunmehr gar kein 
schein dartzu thun haben. 

Nun haben die von Wieszbaden noch, neben dem man da hat freiheit, Sicher- 
heit und gleit, wie zu Frankfurt, zu geben, jerlich vier jarmärkt, als nemlich sontag 
Jubilate, Johannis baptista, Michaelis des ertzengels tag, und sancte Andre und dan 
von dem wochenmark[t] durchs jar sunsten durch die vilfaltig Verwüstung brants 
und sunsten vorgestandener krieg etwas nachlessig geraten, das die allein in der 
fasten wöchentlichen gehalten. 

Es ist auch in der herschaft Itzstein, so zu Wiszbaden gehörig drei jar- 
märkt, nemlich zu Strintzs Trinitatis auf den sontag Trinitatis, item zu Aldenburg 
uf Bonifatii, item zu Wolspach zu Sanct Dionisii im geprauch und herkumen, aber im 
selbigen betzirg und herschaft Itzstein zu wenig; darumb zu bitten, noch einen 
neuen jarmärkt zu erlangen uf dem Hönerberg genant, das der auf dieustag Quasi- 
modogeniti möcht werden. 

Dieweil nun die herschaft Wiszbaden durch die durchzug der kriegsleut vil- 
faltiglich, und vornemlich stat und flecken'^») mit den baden, gar verbrant und ver- 

") b. u. fehlt B. 

") Ui-kimdeu Kaiser Ludwigs des Baiern für die Grafen von Nassau - Wiesbaden sind 
mehrere vorhanden, doch betrifft keine die Belehnung mit AViesbaden. 

^*) Der älteste erhaltene Lehenbrief über die Herrschaft Wiesbaden ist von KarllV. am 
27. Juli 1348 ausgestellt; vergl. Otto, Geschichte der Stadt Wiesbaden, S. 80 

^^) i. fehlt A. 

*^) z. mit A. 

^') begriffen A. 

^^) Man unterschied in Wiesbaden bekanntlich den um den heutigen Marktplatz ge- 
legenen, von einer Mauer umgebenen Stadtteil als Stadt von dem Flecken, d. h. dem zwischen 
Stadtbefestigung und Iloidenmauer bis zum Mauritiiisi>lntz r(»ichendeii Stadtteile. 

14* 



208 

^Yust, uud solche gelegenheit des reichs eigenthumb und Nassauischs leben die her- 
schaft Itzstein zu gering, iren mitgenachbarten zu ufnemung wider zu vei'helfeu, 
und sich Nassau schuldig erkent und einem iglichen lehennian gepurt, sein lehen zu 
bessern mit des lehenherrn zuthun und huilf. 

So bitt grave Philips zu Nassau underthenigst, die Römischs kaiserliche maje- 
stät woll solche Verwüstung der herschaft Wiszbaden zu gnedigistem bedenken ziehen 
und alle solche herbrachte und noch werende Freiheiten, jarmärkten und wochen- 
märkten gnedigist widerumb erneuern, vermehren und conürmiren, wie dan eines 
jeden freiheits-bads herkumen und geprauch ist, den armutscligen und reichen 
mit leibsscheden und krankheiton beladen von gott gegeben, erschaffen zu hilf, 
heilung und gesundheit zu komen, denselbigen verordent und mit schwerlichen costen 
erbauet worden und noch nach hochbeschwerlichcm erlittenem vilnfaltigen brand- 
scbaden schwerlich erhalten musz werden, auch gemelten neuen jarmarkt uf dem 
Ilönerberg gnedigist bewilligen und bestetigen, damit ein solche herschaft iren gc- 
nacht1)arn auch desto besser zu hulf kumen mögen, und [zu] wideraufkomen der durch- 
gehenden wege und stege ein zimlich wegegelt und zoll, der armen gemein daselbst 
zu Wiszbaden zu guetem und Steuer zu komen, gnedigist zu begnadigen. 



4. Philipp Graf von Nassau- Idstein an den Rat von Fra^ilcfurf. Wiesbaden, 
1568, Juni 26. (Presentatum d. 28. Juni 1563.) 

Original ohne Unterschrift mit Verschlusssiegel. Stadtarchiv zu Frankfurt a. M., 

Eeichssachen 9608. 

Er hat vor längerer Zeit dem Rat ein Schreiben des Kaisers zugesandt., 
das er bisher noch nicht rvicder in Anregung gebracht hat. Darm trollte er 
Erliundignngen in Betreff der Jahrmärkte in Wiesbaden und der Herrschaft 
Idstein einziehen., damit niemand durch sein an den Kaiser gerichtetes Gesuch 
um Beunlligung eines Jahrmarkts auf dem Ilülmerberg benachteiligt tverde. Er 
hat erfahren., dass durch einen Jahrmarkt auf Quasimodogeniti niemand in der 
Nachbarschaft Schaden erleide. Dieweil nun auch die hohen bcschwerden unser 
stat Wiszbaden sich also durch vilnfaltige verbernung und boszen unfal gemehrt, das 
es nit wider zu aufncmung one sundei'liche kaiserliche begnadigung komen mag, auch 
ir aus beiliegendem bericht zu vernemen und selbst als die genachtbarten 
unsere nahcge[se]ssene freund mehr guete erfarnus, dan andere, wissens haben, das 
es die hohe notturft und kein verfortheilung ist, so bittet er um Beantuortung 
des kaiserlichen Schreibens. 



.->. Der Rat von Frankfurt an den Kaiser Ferdinand I. 1503, Jidi ß, 
(dinstag nach ülrici episcopi). 

Concept. Stadtarchiv Frankfurt a. ilf., Kcichssachen 9008. 

Er kann die geivünsclite Atishinft nicht geben, da er die Privilegien, die 
die Grafen von Nassau vom Reiche haben, nicht kennt und nicht iveiss, ivelche 
davon noch Geltung hätten; denn er ist den Herrschaften Wiesbaden und Id- 
stein nicht nahe benachbart, und die FranJcfurter liaben in diesen auch nicht 
sonderlich viel zu ttm. Das ist uns aber wolbcwusst, aucii sunst offenbar, das im 
verschienen sieben und vierzigsten jar die obgenant stat Wisbadcn vast zu gründe (wie 
in supplicatione vermclt wirt) abgebronnen, also das wol sein mag, das damals auch 
gedachter stat privilegia und alte documenta mit verbronnen seien. Welchen Inhalt 
sie jedoch gehabt, iveiss er nicht, da er sie nie gesehen noch gehört, und auch 
die Nachbarn kein Wissen davon haben. Er stellt die Bestätigung dem Kaiser 
anheini. Dem Grafen ivill er ivegen des nachgesuchten Jahrrnarfds für die 



209 

Herrschaft Idstein nicht hinderlich sein, dieser hätte für Franhfurt keine N<ich- 
tcile; oh er für andere Nachbarn fJHZidräglichkeitoi mit sich brächte^ ivisse er 
nicht. Das Gesuch des Grafen von Nassau sendet er zurück. 



0. Der Rat von Frankfurt an den Grafen von Nassau. ]56S, Juli H (dicnstag 
post Ulrici). 

Concept. Stadtarchiv Frankfurt a. 71/., lieichssachen 9608. 

Sendet das kaiserliche Schreiben und seine Antwort darauf zur Be- 
förderung an den Kaiser, fließ eine Abschrift von letzterer für den Grafen bei 
tmd hofft, dass dieser mit dem Wegegeld die Bürger von Frankfurt nicht über 
Gebühr beschweren werde. 



7. Kaiser Maximilian II. bestätigt auf Bitten des Grafen liaUhasar von 
Nassau-Idstein der Stadt Wiesbaden alle unnd yede obberurt ire gnad, freihait, 
Privilegien, recht und gerechtigkait, die ire vorfordern unnd sy von gedachten unnscrn 
vorfaren am reiche redlichen erlanngt unnd erworben auch ire jar- unnd wochen- 
miirkt unnd andere alte herkommen unnd guete gewonhaiten, so vil sy deren in üb- 
lichem unnd löblichem geprauch bisher gewesen sein. Wien., 150"/\ Juli 29. 

Original., Pergament mit eigenhändiger Unterschrift und abhängendem Majestätssiegel 
an schwarz-gelber Siegelschnur. Staatsarchiv Wiesbaden, V 7, Herrschaft Wiesbaden. 



Beiträge zur Geschichte der Eisenindustrie 

in Nassau. 



Von 

L« Beck* 



I. Die Hütten im Weiltal und die Familie Sorge. 

Die Eisenindustrie liat belcanntlich in den letzten 50 Jahren eine grosse 
Umwälzung erfahren: die alten Frisch- und Hammerhütten sind verschwunden, 
die ihnen folgenden Puddelwerke wieder eingegangen oder vermindert; an ihre 
Stelle sind Stahlwerke mit Bessemer-, Thomas- oder Martinöfen getreten. Das 
Schweisseisen wird immer mehr durch den Flussstahl ersetzt; wir leben im 
Zeitalter des Stahls. 

Eine ähnliche Umwälzung erfuhr die Eisenindustrie im 16. Jahrhundert, 
in welchem die Hochöfen aufkamen und die alten Rennfeuer oder die Wald- 
schmieden, wie sie bei uns in Nassau hiessen, verdrängten. Erst im 15. Jahr- 
hundert hatte man das Eisen in seinem flüssigen Zustand kennen und ver- 
wenden gelernt, erst in diesem Jahrhundert begann der Eisenguss. Erfindungen 
verbreiteten sich aber damals nicht so schnell wie heuzutage und so dauerte 
es geraume Zeit, bis das neue Verfahren, die Gewinnung des Eisens in flüssiger 
Form als Roheisen in hohen Öfen, die auch heute noch die Grundlage aller 
Eisenbereitung bildet, in allgemeine Anwendung kam. In Nassau geschah dies 
mit am frühesten. Nassau ist ein mit guten Eisenerzen besonders gesegnetes 
Land; am meisten gilt dies von dem damals zu Nassau gehörigen Siegerland, 
aber auch die Herrschaften Dillenburg, Weilburg, Usingen und Idstein litten 
daran keinen Mangel. Infolgedessen, und da es an Holz nicht fehlte, wurde 
schon im Mittelalter die Eisengewinnung und Verarbeitung die wichtigste 
Industrie dos Landes und blieb es bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts, 
um welche Zeit das nassauische Holzkohleneisen, trotz seiner grösseren Güte, 
durch die Konkurrenz des mit Steinkohlen erzeugten billigeren Eisens verdrängt 
oder benachteiligt wurde. 

Wenn wir nun den vorerwähnten Umschwung der Eisenindustrie in 
einzelnen Gegenden des nassauischen Landes etwas näher betrachten wollen, 
so sind es nicht nur die technischen Fortschritte, die unsere Aufmerksamkeit 



211 

auf sich ziehen, sondern auch die Persönlichkeiten, welche sich darum verdient 
gemacht haben und ich glaube, dass eine an Persönlichkeiten geknüpfte Schilderung, 
auf Grundlage der in hiesigem Archiv befindlichen Akten, ein anziehenderes Bild 
gewährt als eine trockene Beschreibung der technischen Fortschritte jener Zeit. 
Das Siegerland ist die alte klassische Wiege der deutschen Eisen- und 
Stahlbereitung und auch der erwähnte grosse Umschwung in der Eisenindustrie, 
das Ausschmelzen der Erze in Hochöfen und die Herstellung von Eisenguss- 
waren hat sich hier am ersten — nachweislich bereits im 15. Jahrhundert — 
vollzogen, während diese Neuerungen in den übrigen nassauischen Ländern 
erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Einführung gelangten. Am 
frühesten geschah dies in den Nassau- Walram'schen Landesteilen wohl im 

Weiltal. 

Das Tal der Weil, welche am Feldberg, nahe dem Feldbergkastell, am 
römischen Limes entspringt und bei AVeilburg in die Lahn fliesst, ist für die 
Geschichte des Eisens von hervorragender Bedeutung. Von hier stammten die 
Erze und wohl auch die Waldschmiede, die schon zur Römerzeit am Drusen- 
kippel und Dreimühlenborn nahe der Saalburg Eisen schmolzen und es in die 
Werkstätten des römischen Castrums lieferten.^) Wir haben sichere Nachricht, 
dass zur Zeit Karls des Grossen im 8. Jahrhundert im Weiltal Eisen ge- 
schmolzen wurde und hier war es, wo sich 1421 am Ufer des Flüsschens nicht 
weit von Weilmünster der Waldschmied Otto ansiedelte und eine AValdschmiede 
erbaute. Diese wurde 1434 von Nicolaus Udo vergrössert und von ihm 
erhielt sie den Namen Uden- oder Audenschmiede, unter welchem Namen dieses 
Eisenschmelzwerk länger als vier und ein halb Jahrhunderte geblüht hat und 
noch blüht. — Bis zum Jahre 1543 blieb die Audenschmiede im Besitz der 
Nachkommen des Nicolaus Udo, seine Familie hat 109 Jahre lang dieses 
Eisenwerk betrieben. Mit dem Tode des letzten männlichen Nachkommen fiel 
es an den Landesherrn, Graf Philipp HL von Nassau- Weilburg, zurück. 

Die Eisenhütten und Hämmer waren damals wie die Eisensteinbergwerke 
nicht freier Besitz, sondern Erbleihen der Landesherren. Dies war eine Folge 
des Regalrechtes und teils aus dem Bergwerkregal, teils aus dem Wald- und 
Wasserregal entstanden. Solange die Waldschmiede nicht sesshaft waren und 
noch nicht die Wasserkraft benutzten, sondern die Blasebälge ihrer Schmelzfeuer 
mit Hand oder Fuss bewegten und nur Handhämmer zum Schmieden des 
Eisens benutzten, waren sie freizügig und unabhängig. Sie bauten ihre ein- 
fachen Rennfeuer im Walde, wo es ihnen passte. Hierüber und über den 
Holzbezug verständigten sie sich mit den Waldmärkern oder den Gemeinden, 
die meist froh waren, einen Eisenschmied in der Nähe zu haben; Grund und 
Boden erwarben sie nicht. War der Wald in der Nähe zu sehr gelichtet, so 
suchten sie sich einen anderen günstigeren Platz. Im allgemeinen zog also 
der Eisenschmelzer dem Holz, beziehungsweise dem Walde nach, während er 
die nötigen Erze von der Fundstelle zur Schmelzstätte hinschaffte, daher stammt 
der sehr richtige Name „Waldschmied". Dies änderte sich durchaus, als die 



1) Yergl. Annalen XIV, S. 324 und XV, S. 124. 



212 

Waldschmiede antiugeu, die Wasserkraft zur Beweguug ihrer Hämmer uud Blase- 
bälge zu verwenden. Da brauchten sie ein Wassergefälle und Grund und 
Boden für ihre Bauwerke und hierdurch wurden sie in das kunstvolle Netz 
der Regalität, eine Haupteinnahmequelle der Fürsten, verstrickt und wurden 
mit ihrer Sesshaftigkeit zugleich abhängig. 

Die Verwendung der Wasserkraft war aber die Ursache und der Aus- 
gangspunkt des grossen Umschwungs in der Eisenbereitung. Als man dazu 
überging, die Blasebälge durch Wasserräder zu betreiben, hatte man noch kein 
Mass der verwendeten Kraft und keine Ahnung ihrer Wirkung. Durch die 
stärkere Kraft kam viel mehr und viel gepressterer Wind in den Ofen; die 
Folge hiervon war eine grössere Hitze, wodurch ein Teil des reduzierten Eisens 
in Eoheisen verwandelt wurde, schmolz und mit der Schlacke aus dem Ofen 
floss. Anfangs sah man dies für einen Nachteil an und hielt das geflossene 
Metall, das spröde war und sich nicht schmieden Hess, für verdorbenes Eisen, 
weshalb man es mit Schimpfnamen belegte. In Steiermark nannte man es 
graglach, Dreckfluss, in Deutschland Saueisen, welche Bezeichnung sich in 
England als pig-iron für Roheisen erhalten hat. Durch Versuche lernte man 
aber bald, dass, wenn man dieses geflossene Eisen in der Weise, wie seither 
die Erze, in einem Herdfeuer von neuem niederschmolz, man ein besseres und 
gleichmässigeres Schmiedeeisen erhielt als vordem aus den Erzen. So wurde 
man mit dem Frischen und dem Frischeisen vertraut, dessen älteste Bezeichnung 
„zwiegeschmolzen Eisen" war. Weiter lernte man das flüssige Eisen in Formen 
zu giessen uud kam so zur Eisengiesserei. 

Kehren wir zu der Audenschmiede zurück. Nachdem die Familie des 
Waldschmied Udo erloschen war, wurde das Hüttenwerk im Jahre 1543 einem 
Joh. Mock und o Mitgewerken verlieben. Der Erbleihbrief ist erhalten. 
1551 brannte das Hüttenwerk mit vielen Wohngebäuden nieder. Die schwer 
heimgesuchten Gewerken flehten den Grafen um Hilfe an und dieser half ihnen 
auch die Audenschmiede wieder aufzubauen. Ob damals schon ein hoher Ofen 
errichtet und Gusswaren geschmolzen wurden, ist sehr zweifelhaft, wenigstens 
liegen keine schriftlichen Nachrichten darüber vor. 

Aktenmässig erwiesen ist der Bau eines hohen Ofens der Audenschmiede 
erst im Jahre 1587. In diesem Jahre erhielt der „Off'engieszer" Wilhelm 
Wilking die Belehnung der Hütte mit der Bedingung, innerhalb eines Jahres 
einen hohen Giessofen zu erbauen. Dies tat er, doch musste er, um es aus- 
führen zu können, noch einen Mitgewerken annehmen. Das Werk kam in flotten 
Betrieb und wurden viele Öfen und andere Sachen gegossen. Es dauerte aber 
nicht lange, so wurden die Hammerschmiede, die mit der Neuerung unzufrieden 
waren, aufsässig und verweigerten die Arbeit. Sie waren von Anfang an gegen 
den Bau des hohen Ofens gewesen, weshalb, wie Wilking in seiner Klageschrift 
an den Grafen schreibt: „sie nicht aufhörten mit seiner Verfluchung, ja aller 
so rath, that, hueiff vnds ursach einen ofen aufzurichten gegeben, schendlichen 
vnds lesterlichen vermaledeyungen hab müssen anheren vnds einbeissen, so doch 
den Zentner eiszens ihnn für zween gülden bezahlen und mir zu Frankfurt 
über 27 batzen (= 1 Fl. 48 Kr.) nit güld, zudem einen gülden fuhrlohn vom 



213 

ofen geben muss." — Der Graf möge ihn deshalb gegen diese Schmiede, mit 
denen er nichts mehr zu tun haben wolle, schützen; zugleich bittet er ihn die 
baufällige Hütte wenigstens soweit wieder in Stand zu setzen, dass sie vor Peuers- 
gefahr gesichert sei. Wie es mit Wilking weiterging, ist aus den Akten nicht 
zu ersehen. Die Audenschmiede wurde jedenfalls fortbetrieben, denn es waren 
damals gute Zeiten für die Eisenwerke. Nassauische Stabeisen und nassauische 
Eisengusswaren, besonders die mit Bildern verzierten Öfen, waren gesucht und 
erfreuten sich guten Absatzes. Infolgedessen entstanden um jene Zeit mehrere 
neue Eisenhütten in Nassau. 

Im Jahre 1590 gestattete Graf Philipp von Nassau -Saarbrücken dem 
Peter Sorge von Solms einen hohen Giessofen bei Emmershausen oder 
Emmerichshausen, wie es damals noch hiess, im Weiltal zu erbauen. Dieser 
Peter Sorge war Hüttenmeister zu Kraftsolms und ein tätiger Berg- und Hütten- 
maun. Ich besitze eine ältere Urkunde über ihn in Gestalt einer eisernen 
Ofenplatte aus dem Jahre 1586. Auf dieser ist in drei Feldern die Geschichte 
der Enthauptung Johannis des Täufers dargestellt, darunter befindet sich 
folgender Vers: 

Johannes wird verdampt zvm Tot 

Zwe Fisch wirt reichen vnd fvnf Brod, 

Petrus im Meer am Glauben feilet 

Christus hilft ihm — viel Kranken heilet. 
Die erste Zeile bezieht sich auf die erwähnte Abbildung, die folgenden eben- 
falls auf beliebte Darstellungen aus der heiligen Schrift auf Ofenplatten jener 
Zeit und gehörten wohl die 3 Platten ursprünglich zu einem vollständigen Ofen. 
Über dem Vers und unter dem Bild befindet sich auf meiner Platte eine 
Schnalle mit der Aufschrift: Peter Sorge Hüttenmeister zu Kraft-Solms und 
Gertrud Scheres von Cassel seine H. F. (Hausfrau) Anno 1586. Es war also 
wohl die Platte eines Ofens seiner eigenen Wohnung, vielleicht ein Geschenk 
für seine Frau. Damals fanden diese verzierten eisernen Kasteuöfen, die früher 
nur in Schlössern, Klöstern und Ratsstuben verwendet worden waren, bereits 
Eingang in den besseren Bürgershäusern und gerade für diese wurden von den 
protestantischen hessischen, solmsischen und nassauischen Bewohnern die 
biblischen Darstellungen auf den Ofenplatten beliebt und bevorzugt und bildeten 
diese Ofen die wichtigsten Absatzartikel der Giesshütten. — Dieselbe Platte 
mit derselben Abbildung, der Enthauptung des Johannes und mit demselben 
Vers findet sich im hiesigen Altertumsmuseum als Vorderplatte des schönen 
Ofens aus dem Schloss zu Katzenelnbogen im Raum VIII der Sammlung, doch 
ist diese Platte Jahre jünger, als die meinige, denn auf der Schnalle lautet 
die Inschrift: Christoifel Sorg 1595. Von diesem Christof werden wir später 
noch hören. — Der vorerwähnte Peter Sorge, Hüttenmeister zu Kraft-Solms 
ist der Stammvater einer Familie, die über 100 Jahre durch 4 Generationen 
eine wichtige Rolle in der Geschichte des nassauischen Berg- und Hüttenwesens 
gespielt hat. Nachdem Peter Sorge die Emmershäuser Hütte erbaut hatte, 
erschürfte er 1593 bei Neu-Weilnau das Silber-, Blei- und Kupferbergwerk im 
Königsholz, das er zu hoher Blüte brachte. Durch den 30jährigen Krieg kam 



214 

es zum Erlieg-en, wurde aber im Jahre 1690 von Graf Walrad vou Nassau- 
Usingeu, dem ruhmvollen Feldherrn, wieder eröffnet. 

Ein Protokoll über die Genehmigung zur Erbauung der Emmershäuser 
Hütte befindet sich in hiesigem Archiv und hat folgenden Wortlaut: 

„Wir Philipp Grave zu Nassau, zu Saarbrücken und zu Saar- 
werden, Herr von Lahr u. s. w. bekennen hiermit öffentlich, darnach 
gegenwärtiger Peter Sorge von Solms den Wohlgeboren Ynser freund- 
lich Herrn Yetters Gnade Johann den eitern zu Nassau-Katzenellen- 
bogisch u. s. w, vnd Vus vnderthenlich ersucht, wir ihnen verstatten 
vnd erlauben wollen, einen hohen Giessofen zu Ampt Altweilnau in 
gemeinde Vnsrer obrigkeit zu Emmerichshausen anzurichten vnd zu 
bawen. Und dazu ihm vnd seinem Brüdern, der ein mitgewerker ist, 
ein freien Sitz vnder Vns, so lange diese Ynsere Leihe und Zu- 
lassung wehren würde, zu vergönnen. — Das wir ihnen allein solche 
anrichtung des offens sonder auch begehrten freien Sitz für vnser 
persohn gnedig bewilligt. Doch dergestalt, dazu Jährlichs, so lang er 
den offen brauch vnd nit vffsagen würdt, Je dem Herrn Zehn Gulden 
15 Batzen verlegen vnd in Unssere Schultheisserei Altweilnau liefern. 
Ynd sich keines Holzkaufs in Ynsrem gebiet, ohne sonderbare erlaubniss 
mechtigen oder vermessen wolle. Bei welcher während Zulassung wir 
ihn Ynser Theils schützen und Handhaben wollen. 

Gegeben zu Newen Weilnaw den 7 Martis ao. fünfzehnhundert 
und ueunzigk." 
Bemerkenswert ist diese Yerleihung auch dadurch, dass der Hüttenzins 
in Geld und nicht wie sonst üblich, in einer Abgabe von Eisen festgesetzt ist. 
Die Brüder Sorge bauten das Hüttenwerk; Peter blieb in Kraft-Solms, 
während sein Bruder Heinrich seinen Wohnsitz in Emraershausen nahm, wo 
er 1616 als nassau-katzenelnbogenscher Schultheiss genannt wird. Die Emmers- 
häuser Eisenhütte kam in guten Betrieb und blieb darin bis in den 30jährigen 
Krieg hinein. 

Die ersten beiden Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts, die Zeit vor dem 
30jährigen Krieg, war für die nassauische Eisenindustrie eine gute Zeit. 
Das vortreffliche Frischeisen und die schönen und zweckmässigen gusseisernen 
Ofen wurden immer mehr gesucht. Diese günstigen Yerhältnisse veranlassten 
den damaligen Ober-Amtmann Johann Gottfried von Stein noch ein 
drittes Eisenhüttenwerk, die „neue Hütte" oder Neuhütte im Weiltal, dicht 
bei Weilmünster zu gründen. Johann Gottfried von oder vom Stein war ein 
hervorragender Yorfahre des zwei Jahrhunderte später wirkenden preussischen 
Ministers vom Stein. Er war ein vorzüglicher Yerwaltungsbeamter und hatte 
Liebe und Yerständnis für das Berg- und Hüttenwesen, Eigenschaften, die auch 
seinen berühmten Nachkommen auszeichneten. Dabei war er ein treuer, tätiger 
Beamter seines Herrn, des Grafen Ludwig H., unter dem alle Nassau- Walramischen 
und Saarbrückischen Besitzungen wieder vereinigt waren. Dieser schenkte 
seinem Oberamtmann vom Stein unbegrenztes Yertrauen und behandelte ihn 
als seinen Freund, so dass er ihn auch im vertraulichen schriftlichen Yerkehr 



215 

mit „Du" auredete. Da Graf Ludwig fast iinnior iu Saarbrückeu residierte, 
so war der Oberanitmann vom Steiu der eigentlicii Regierende iu der Grafschaft 
Nassau-Weilburg, was aber nur zum Vorteil des Landes wie des Fürsten war. 

Am 17. Februar 1615 schreibt nun Joh. Gottfried vom Steiu an den 
Grafen und bittet um seine Genehmigung, eine Rohr seh miede auf der Weil 
bei Weilmünster errichten zu dürfen. Von Anfang an tritt er selbst als der 
Unternehmer auf. Die Gründung einer Rohrschmiede, d. h. einer Gewehrfabrik 
lag ihm zunächst am meisten am Herzen. Eine solche gab es bis dahin in 
den nassau-w^alramischen Landen nicht. Vermutlich hatte v. Stein eine Vor- 
ahnung der kommenden Kriegszeiten, weshalb ihm eine Rohrschmiede im Lande 
als ein Bedürfnis erschien. Doch sah Stein auch schon den Bau eines hohen 
Ofens in Verbindung damit vor. Zu alle dem gab der Graf bereitwillig seine 
Zustimmung. In einem Weilburger Ratsprotokoll vom 4. Mai 1615 finden wir 
die vereinbarten Bedingungen formuliert. Hiernach wird dem Joh. Gottfried 
vom Stein die Beleihung mit einer Rohrschmiede und einer Hochofenhütte bei 
Weilmünster erteilt und zwar in Erbleihe auf 30 Jahre gegen einen billigen 
Jahreszins. Über letzteren verständigte sich v. Stein mit dem Grafen dahin, 
dass der Zins entsprechend wie von den Eisenhütten zu Krafcsolms und Emmers- 
hausen zu entrichten sei. v. Stein hatte die Absicht, die für die neue Rohr- 
schmiede erforderlichen gelernten Arbeiter: Schmiede, Schleifer, Schlossmacher 
u. s, w. von dem durch seine Waffenindustrie seit Alters berühmten Suhl oder 
Suhla in Thüringen kommen zu lassen. Graf Ludwig gewährt die erbetene 
Befreiung der fremden Arbeiter von allen dinglichen Lasten. Zugleich räumte 
er seinem Oberamtmann das Recht ein, Mitgewerke anzunehmen, v. Stein 
liess hierauf die für seine Rohrschmiede nötigen Schweisser, Bohrer, Schlosser 
und Schleifer von Zella St. Blasii bei Suhl iu Thüringen kommen, nachdem er 
ihnen einen für damalige Zeit sehr hohen Lohn in barem Geld zugesagt hatte. 
Die Sache nahm auch einen guten Anfang, aber nachdem die Fremden etwa 
IV2 Jahre in der Rohrschmiede gearbeitet hatten, entwichen sie sämtlich und 
zwar mit Hinterlassung von Schulden. In einem Gesuch vom 3. Mai 1617 
bittet V. Stein den Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, Landgraf von 
Thüringen und Markgraf von Meissen, die Flüchtlinge anzuhalten. Es scheint 
aber nicht, dass dies geschah, oder dass sie zurückgekehrt seien. Dass Mus- 
keten auf dem Rohrhammer bei Weilmünster gemacht worden waren und 
vielleicht auch noch in den folgenden Jahren gemacht wurden, erfahren wir 
aus einem Schreiben Steins aus dem Jahre 1620, worin er dem Grafen mit- 
teilt, dass der Amtmann von Wiesbaden 50 Stück grosse Musketen zu 3 Reichs- 
taler (ä 30 albus) das Stück von ihm seinerzeit bezogen, aber noch nicht 
bezahlt habe; er bittet deshalb den Grafen, den Betrag durch die gräfliche 
Kammer anweisen zu lassen. 

Die schlechte Erfahrung, die v. Stein mit den fremden Arbeitern und 
der Rohrschmiede gemacht hatte, liess es ihm wünschenswert erscheinen, 
den hohen Ofen zu bauen und sich hierfür mit einem fachkundigen Ge- 
werken zu verbinden. Einen solchen glaubte er in der Person eines 
gewissen Johann Caton der Jüngere von Gülch (oder Cato von 



216 

Jülich), Bergherr zu Waldmichelbach und Stromberg gefunden zu haben. Mit 
diesem verband er sich in der Weise, dass er ihm - nachdem der Graf auf 
sein Vorkaufsrecht verzichtet hatte — die Hälfte seiner Rohrschmiede und 
Eisenhütte, genannt die Neuhütte, verkaufte. Dem Erbleihbrief wurden die 
Bestimmungen der Erbleihe der Audenschmiede vom Jahre 1543, woraus 
V. Stein einen Auszug gemacht und eingesandt hatte, zugrunde gelegt. Zu 
Gunsten des Betriebes eines Hochofens räumte der Graf dem Oberamtmann 
V. Stein und seinem Mitgewerken noch weitere Rechte ein. Er gestattete ihnen 
die Errichtung und Ausbeutung von Eisensteinbergwerken, falls sie solche 
erschürfen würden, auch sollen keine solche Bergwerke in der Umgegend an 
andere verliehen werden. Ferner sollen Eisenerze von den Bergwerken, die 
an die Audenschmiede und die Emmershauser Hütte hefern, nicht wie seither 
in auswärtige Länder, nämlich nach Solms, Reiffenberg u. s. w. verkauft, sondern 
ihnen das Bezugsrecht eingeräumt werden. Ebenso bewilligt der Graf den 
Bezug der Hälfte des Kohlholzes aus denjenigen Waldungen, aus denen die 
Audenschmiede ihr Holz bezog. 

Für den Bau des hohen Ofens wurde nun alles vorbereitet, doch kam 
derselbe augenscheinlich erst im Jahre 1620 zu Stande, denn am 25. Juli dieses 
Jahres bittet Joh. Gottfried v. Stein den Grafen um die Genehmigung, dass 
Johann Caton auf der Wiese des Thomas Mehell (Mehl) zu Weilmünster einen 
hohen Ofen erbaue. Den Bau des Hochofens führte also Johann Caton aus, 
mit dem Stein sich vermutlich schon verständigt hatte, dass Caton nach dessen 
Fertigstellung das ganze Werk allein übernehmen solle, da er doch erkannt 
hatte, dass sich diese industrielle Tätigkeit mit seinen Berufsgeschäften nicht 
wohl verbinden Hess. 

Aus dem Jahre 1619 ist ein Kaufkontrakt vorhanden, worin sich Wilhelm 
Kämmerling, Hüttenherr von Löhnberg verpflichtet „ein Comitat Eysern offen 
der Gattung Pharaonis Historie," sodann 100 etwas kleinere Öfen mit der 
Historie von Judith und der vom verlorenen Sohn, „welche kleinere offen ganz 
mit sechs Krücken vff die andern zu setzen", sollen gefertigt werden, zu liefern. 
Er verkauft diese an „Johann Caton den Jüngern aus Jüllich, die Wog (d. h. 
die Waage zu 120 tt) für 2 fl. 3 albus 3 pfge; den Gulden zu 24 albus, den 
albus zu 8 Pfennichen gerechnet." 200 Gulden waren gleich zu zahlen, den 
Rest auf der künftigen Frankfurter Ostermesse. Dieser Kauf hatte jedenfalls 
den Zweck, dem Caton schon im voraus ein Lager von Öfen, die er später selbst 
giessen wollte, zu verschaffen, um bereits Handelsverbindungen anknüpfen zu können. 

Im Jahre 1620, also ehe der Hochofen in Betrieb kam, verkief Joh. 
Gottfried vom Stein auch die andere Hälfte der Neuhütte an Johann Caton 
von Gülch, nachdem Graf Ludwig hierzu am 29. April 1620 schriftlich seine 
Genehmigung gegeben hatte. Die Hauptrechte des Kauf- und des Leihbriefes 
waren folgende: 

1, soll Käufer das Recht haben in den alten Bezirken, welche die anderen 
Hütten mit Eisenstein versehen: Nodenholz, Weissengraben, Philipp- 
stein und Bernbach Eisenstein zu kaufen oder graben zu lassen gegen 
Entrichtung des Zehnton, 



217 

2. ihm „die Befreyung mit nothdürftig-em Bauholz zum Kohlschupfen, 
Hüttenwerk, und auch zum Ingebau als Hammerhelme, Karamenstreichen 
und was nothwendig zur Fortpflanzung des ganzen Werkes gebraucht 
wird aus den nächstgelegenen der Herrschaft oder der Weil münsterer 
Wälder ohne Waldzins oder Eutgeld zu überlassen, wie sonsten bei 
andren Hütten gebräuchlich, 

3. sollen die Bauwerke unterschiedliche Haushaltung auf gemeltem. werk 
oder wo sie in der Herrschaft sonsten wohnton, in Städten oder Dörfern 
sich häuslich aufhielten, sie sambt den Ihrigen Dienst und aller andern 
prästation, Beschwernuss oder der weine und biere ohne accis brauch- 
niss vfFzurichten gefreyet sein, doch nit weiter als wie es den Hütten- 
Verwandten berührt, nach ausweissung der vom Grafen Philipp lo.ST 
verliehenen Freyheit, 

4. billiger Kohlholzbezug zu Haibetheil mit Audenschmiede und mit Aus- 
schluss fremder Köhler." 

Die Pflichten waren nach der Erbbelehnung folgende: 
Beständer soll den hohen Ofen, Kohr- und Hammerschmidt an Gebäueii 
und allem erhalten. Die Gebäue sollen bei Vermeidung von Straf 
durch Fahrlässigkeit nicht in Abgang kommen. Er soll freies Brenn- 
holz haben, doch keine Hacke oder Axt, Pferd oder Fuhre im Wald 
gebrauchen, also nur was sie tragen können, Beständer soll im Weil- 
münsterer Gewäld kein AValdrecht haben. 
Zins soll sein 8 Wag Eisen vom Hammer, 30 Zentner Gusswaren vom 

hohen Ofen; bei säumiger Lieferung tritt Pfändung ein. 
Sollte Beständer die Hütte veräussern wollen, so hat er sie zuvörderst 

der Herrschaft anzubieten. 
Die Herrschaft hat das Recht jedes Jahr 6 AVochen lang selbst zu 
schmelzen, wie auf der Audenschmied vorbehalten. Wenn die Herr- 
schaft die 6 Wochen nicht für sich schmelzt, so hat Beständer dafür 
2 Waag Eisen zu liefern. 
Wenn Beständer Pferde hält, soll er der Herrschaft jedes Jahr eine 

Landfahrt von 6 Meilen tun. 
Der hohe Giessofen der Neuhütte kam gegen Ende des Jahres 1620 in 
Betrieb. 1621 ging alles gut, aber schon 1622 gab es Schwierigkeiten und 
Klagen, wozu die Kriegszeiten das Ihrige beitrugen. Johann Catou beschwert 
sich bei dem Grafen über die Höhe des Hüttenzinses. Wenn die Auden- 
schmiede ebenfalls 10 Waag Eisen im Jahre zahle, so sei zu bedenken, dass 
diese der Herrschaft grosse Baukosten verursacht habe, während die Errichtung 
der Neuhütte ihr nichts gekostet hätte. Die Hütten zu Kraftsolms, Löhnberg 
und Emmerichshausen zahlten geringeren Zins, letztere nur 3 Waag Eisen. 
Cato bittet deshalb ihm den Zins zu ermässigen. Weiterhin führt Caton Klage 
über den Schultheiss zu Weilmünster, dass er keine Ordnung hatte. Es kamen 
öfter Schlägereien zwischen den Weilmünsterern und den Arbeitern der Neu- 
hütte vor. — Die Weilmtinsterer waren dem Caton aufsässig, besonders ein 
gewisser Joh. Mathias Mehl, den Catou 1621 ins Gefängnis gebracht hatte. — 



218 

Ferner beschwert sich Caton wegen der Holzlieferung und bittet den Grafen, 
„die Jäger" anzuhalten, die richtigen Holzfällungen vorzunehmen. — Caton 
hatte auch mit seinen Arbeitern Streitigkeiten wegen des Lulines. Die demo- 
ralisierende Wirkung des Krieges mag mitgewirkt haben. Im Jahre 1623 
wurden die Verhältnisse nicht besser. Johann Catons Gesundheit war erschüttert 
und konnte er nicht mehr wie früher den Geschäften nachgehen. Am 6. Dezember 
1623 schloss er noch mit 6 benachbarten Gemeinden einen grossen Holzkauf ■ 
ab, bald darauf verstarb er. Da er weder Frau noch Kinder hinterliess, wurden 1 
seine Geschwister, ein Bruder und zwei Schwestern, seine Erben. ' 

Der Bruder Heinrich Caton von Gülch war Secretarius in Braunfels. 
Am 3. Februar 1624 bittet er den Grafen Ludwig von Nassau um Belehnung 
mit der Neuhütte für sich und seine Geschwister. Der Oberamtmann Johann 
Gottfried vom Stein befürwortet das Gesuch, erinnert aber zugleich die Erben 
daran, dass sie ihm noch einen Teil des Kaufschillings schuldig seien. Der 
Graf erteilt seine Zustimmung und lässt den Erbleihbrief ausfertigen. 

Heinrich Caton von Gülch w^ar kein Hüttenmann, wohl aber ein Prozess- 
krämer und kam dadurch bald in Schwierigkeiten. Zunächst erhebt der vor- 
erwähnte Mathias Mehl, der wohl mit dem Mehell, auf dessen Wiese der hohe 
Ofen im Jahre 1620 erbaut worden war, nahe verwandt war, eine Entschädigungs- 
klage gegen die Erben, worin er ausführt, „dass, weylandt Johann Cato von 
Jülich, Mein nunmehr in Gott ruhender Gegentheil, Mich vor diesem unbilliger 
weiss auch bloss geschöpften argwöhn hin, befängnusset und in haften ziehen 
lassen, auch nachgehends auff geleistete lebendige Bürgschaft, mich zum recht 
einzustellen. Mich zwar derselben erlassen, aber hingegen einen langwierigen 
unnothwendigen Frozess wider mich aufgenommen. Darinnen doch Ihme Ich 
mit Bestände des Rechtes obgesieget vnd von der intendirt unbilligen Klag 
allerdings absolvirt, Er aber zur Erstattung aller aufgelaufenen Kosten und 
schaden, auch restituirung meiner abgeschnittnen ehr und guten Leumunds 
condemnirt worden." — Mehl behauptet weiter, dass ihm in eventum victoriae 
ein Pfandrecht auf die Neuhütte zugesprochen worden sei und da er obgesiegt, 
so geht sein Verlangen dahin, dass ihm die Neuhütte „zur Bürgschaft eingesetzt, 
verschrieben, in arrest gelegt und dem Heinrich Cato nicht das geringste daraus 
gefolgert werde." Weiter präsentiert er eine gesalzene Rechnung für ihm 
erwachsene Kosten im Betrag von 755 Gulden 2V2 Albus. Diese beginnt, 
charakteristisch für den Manu und die Zeit, also: „Erstlich dem Schreiber, so ich 
in meinen Sachen augefragt, gegeben einen Goldguldeu macht 5\/2 Gulden 12 Pfg., 
damals mit ihm fünf maass firn-wein getrunken, thun 5 fl." und so ähnlich geht 
die Rechnung weiter. — Heinrich Cato nennt in seiner Replik den Mehl einen 
„übelbefürigten" Mann, seine Angaben Lügen und lehnt jede Zahlung ab. — 
Mehl verfolgte aber den Heinrich Cato hartnäckig jahrelang, und als er darüber 
starb, setzten seine Erben den Prozess fort. 

Eine andere Klage, die auf Heinrich Caton kein günstiges Licht wirft, 
strengte der A^erwalter und Hüttenschreiber der Neuhütte Carl Baden, ein lang- 
jähriger Beamter der Familie, gegen die Erben, beziehungsweise gegen Heinrich 
Caton an. Er hatte von dorn verstorbenen Johann Caton in der letzten Zeit 



219 

vor dessen Tod keinen Gehalt mehr erhalten, vielmehr aus eigenen Mitteln 
verschiedene Vorlagen für die Neiihütte gemacht. Diese Beträge wollte Heinrich 
Caton nicht anerkennen. Um sich der Zahlung zu entziehen, erhob er ausser- 
dem Gegenforderungen, die unbegründet und unfein waren, z. B. für angeblich 
entgangeneu Gewinn, dann für einen Posten Dachbord aus dem Jahre 1609, 
also 15 Jahre zurück, mit der alleinigen Begründung, dass der Ausweis darüber 
fehle. — Aus dem umfangreichen Schriftenwechsel geht deutlich hervor, dass 
Heinrich Caton im Unrecht war, doch zog er den Prozess mehrere Jahre hin, 
brachte den Hüttenschreiber Baden, der ganz von ihm abhängig war und 
während der ganzen Zeit die Geschäfte der Neuhütte gewissenhaft weiterführte, 
in Not, so dass er ausser Stand war, eine ihm angebotene Anstellung auf der 
Stromberger Hütte antreten zu können und zwang ihn endlich zu einem Vergleich. 
Heinrich Caton fehlte es am Betriebskapital und da er trotzdem die Hütte 
fortbetrieb, kam er mehr und mehr ins Gedränge. Mehrere Bergleute ver- 
klagten ihn wegen rückständiger Löhne. Zu Anfang 1625 legte der gräfliche 
Keller zu Weilburg wegen nichtbezahlten Zinses Arrest auf alle vorhandenen 
"Waren: Stangeneisen und Gusswaren. Heinrich Caton bittet den Grafen um 
Freigabe derselben, indem er schreibt, , das Geschrei wegen geschehenen Arrestes 
sei schon zu Frankfurt erschollen." Und in der Tat erhebt auch gleich darauf 
ein Frankfurter Handelsmann, der Jude Joseph vom roten Turm, Klage auf 
Grund einer Verschreibung der halben Hütte für eine Forderung und verlangt 
Vollstreckung. Schon damals betrieben in unserer Gegend die Juden mit Vor- 
liebe den Eisenhandel und zwar mit wohl deshalb, weil er Gelegenheit zu be- 
sonderem Gewinn dadurch bot, dass der Händler den Gewerken in vorüber- 
gehender oder andauernder Geldnot Vorschüsse gegen hohe Zinsen und gegen 
vorteilhafte Verschreibungen machte. Die Juden führten damals meistens noch 
keine Familiennamen, nahmen aber gern klangvolle Beinamen an; so be- 
zeichnete sich unser Joseph als Joseph Judt vom roten Turm und unterschrieb 
auch so. Er war zäh und kannte die Rechtswege, deshalb gelang es ihm 
bald auf Grund der Forderung, die nicht seine eigene war, sondern die er von 
einem Manne aus Heidelberg übernommen hatte, allen Besitz des Heinrich 
Cato einschliesslich der Neuhütte zu „verarrestieren". — Diesem blieb jetzt kein 
Ausweg mehr, als die Hütte ganz oder wenigstens die Hälfte zu verkaufen. 
Trotz der Kriegswirren fand er hierfür auch günstige Gelegenheit. Weil er 
aber unzuverlässig war und zu schlau sein wollte, kam er nur in neue Un- 
gelegeuheiten. Es waren zwei Liebhaber da: einerseits die Gewerken der 
Audenschmiede, denen die neue Hütte als Konkurrenz und wegen Beein- 
trächtigung ihrer Privilegien sehr unbequem war, anderseits der bereits ge- 
nannte Christof Sorge, Hüttenmeister zu Kraft-Solms, ein Sohn des Peter 
Sorge und mit Heinrich Cato durch Heirat verwandt, weshalb er in den 
späteren Akten von Cato öfter als der ,, Vetter Stoffel" angeführt wird. Beide 
Letztgenannten trafen sich auf der Ostermesse, also anfang April 1625 in 
Frankfurt und hier verkief Heinrich Caton dem Christof Sorge die ganze 
Neuhütte mit allem Zubehör, Vorräten, Waren und 2800 Klafter Holz für 
6000 Taler = 9000 fl., worüber sie einen schriftlichen Vertrag aufsetzten. 



220 

üra dieselbe Zeit verhandelte Heinrich Caton aber auch mit den Gewerken 
der Audenschmiede: Martin Cämmerling, Oberschultheiss von Weilniüuster und 
dem Hüttenmeister Julius Bilson wegen Verkaufs der Hälfte der Neuhütte. Am 
3. Mai 1G25 erschienen Heinrich Caton und Christof Sorge in der gräf- 
lichen Kanzlei zu Weilburg, um den Kauf durch einen amtlich ausgefertigten 
Kaufbrief auf Grund des von beiden ,,an ostermess 1625 ufFgerichten mit 
Eigenen bänden Unterschriebenen undt bestetigten Kauff- Akkords" fest zu 
machen. Ausser diesem ,,Kauff- Akkord" legt Heinrich Caton einen am 
1. April 1625 datierten Erbvergleich mit seinen Schwestern vor, worin der 
Wert der Neuhütte mit allem Zubehör zu 9000 Gulden veranschlagt war, hier- 
von sollten 3700 fl. zur Tilgung der von Johann Caton hinterlassenen Schulden, 
5300 fl. als Erbteil der Geschwister angesehen werden. Gleichzeitig produzierte 
Heinrich Caton eine Vollmacht seiner Geschwister für den Verkauf der Neu- 
hütte. Der Kaufbrief wurde ordnungsmässig ausgefertigt und unterschrieben. 
Es waren darin dem Christof Sorge die Waren, darunter 300 gegossene 
Ofen, die Vorräte und 2800 Klafter Holz verkauft. Hieraus entstand alsbald 
ein Streit. Sorge verlangte den Nachweis über die 2800 Klafter Holz. Die- 
selben standen aber nur auf dem Papier, als von dem Kauf des verstorbenen 
Johann Caton im Dezember 1623 herrührend. Die beteiligten Bauern der 6 
Gemeinden Weinbach, Laimbach, Edelsberg, Weilmünster, Ernsthausen und 
Altenkirchen wurden sofort zu einem Termin am 5. Mai nach Weilburg auf 
das Amt geladen. Sie erschienen in grosser Zahl. Auf die Frage, ob sie sich 
zum Verkauf und Lieferung des Holzes bekannten, erhob sich ein grosser 
Tumult, der eine wollte kein Geld erhalten haben, der andere kein Holz oder 
nicht soviel wie angegeben verkauft haben u. s. w. Es entstand ein solcher 
Disput, dass weder der gräfliche Beamte noch die Parteien zum Worte kommen 
konnten. Als Sorge sah, dass die Verhandlung erfolglos war, packte er sein 
Geld, das er zur Anzahlung mitgebracht hatte, wieder auf und fuhr nach Hause. 
Am folgenden Tag den 6. Mai schickte er seinen Sohn Hans Heinrich zu 
Caton und liess ihm sagen, dass, wenn er das versprochene Holz nicht liefern 
könne, der Kauf hinfällig sei, denn nur des Holzkaufs wegen habe er den- 
selben geschlossen; ohne Holz könne ihm die Hütte nichts nützen. Caton 
schickte nun seinen Sohn Julius mit dem jungen Sorge zurück, um den Herrn 
Vetter zu besänftigen. Dieser gibt denn auch soviel nach, dass er sagen lässt, 
wenn Caton 2000 Klafter Holz bestimmt liefern könne, wolle er sich damit 
genügen lassen. Darauf macht Caton noch einen Versuch und schickt den 
Hüttenschreiber Carl Baden zu Sorge. Dieser kehrt am 8. Mai mit dem Be- 
scheid zurück, wenn er das Holz nicht liefere, wolle Sorge von dem Kauf 
nichts wissen, auch solle die Herrschaft zuvor erklären, dass sie keine andere 
Eisenhütte in der Umgegend genehmigen würde. Obgleich diese Verhandlungen 
kaum einen Erfolg erwarten Hessen, ist es doch überraschend, aus den Akten 
zu ersehen, dass nur zwei Tage später, am 10. Mai 1625, Heinrich Caton die 
Hälfte der Neuhütte mit den zugehörigen Werkzeugen an die obengenannten 
Gewerke der Audenschmiede, den Schultheiss Martin Cämmerling und den 
Hüttenmeister Julius Bilson verkauft und sie diesen Kauf auf denn Amt zu 



221 

Weilburg verbriefen lassen, wobei erwähnt wird, dass dieser Kauf bereits am 
1. April zwischen ihnen verabredet worden sei. Für die halbe Hütte mit allen 
Betriebswerkzeugen und Geräten, die in dem Kaufbrief einzeln aufgeführt 
sind, erhielt Caton 1800 Reichstaler in guter vollwichtiger Münze und zwar 
700 Tlr. sogleich, aus dem verbleibenden Rest von 1 100 Tlr. sollte zunächst 
der Rest des Kaufschillings an den Oberamtmann J. Gottfr. vom Stein bezahlt 
werden. 

Nach diesem Kaufpreis kostet die ganze Hütte mit Zubehör 3000 Tlr. 
Derselbe Preis dürfte auch dem Kauf von Christof Sorge zugrunde gelegen 
haben. Derselbe wollte 6000 Tlr. zahlen, darin waren aber einbegriffen 
2800 Klafter Holz, wovon 2V2 Klafter Holz 1 Tlr. kosten sollten, das gibt 
1120 Tlr. für Holz, 300 Öfen sind mindestens zu 1000 Tlr. zu schätzen, es 
bleiben also für sonstige Waren und Vorräte bei dem gleichen Preis der Hütte 
280 Tlr., was der Wahrheit entsprechen dürfte. 

Der Verkauf der Hälfte der Neuhütte an Cäramerling und Bilson wurde 
rechtskräftig. Christof Sorge erhob keinerlei Einsprache, doch betrachtete weder 
er noch Caton den früheren Handel für gänzlich abgetan. Caton bemühte sich, 
mit Hilfe der gräflichen Regierung Klarheit in den Ilolzkauf zu bringen und 
mit den Bauern der 6 Gemeinden eine Vereinbarung zu treffen. Sorge, der 
Catons Lage kannte, wusste, dass über kurz oder lang ihm doch mindestene 
die andere Hälfte der Hütte zufallen würde. Aus diesem Grund bekümmerte 
er sich öfters um den Betrieb des Hochofens und des Hammerwerkes, wovon 
er etwas verstand, der Secretarius Caton dagegen nicht, über welche Ein- 
mischung aber sowohl dieser als Cämmerling sich bei dem Grafen beschwerten. 
Sorge tat dies aber wirklich zum Nutzen des Caton, dem er auch in anderen 
Dingen behilflich w^ar. 

Durch den Verkauf der halben Neuhütte an die Audenschmieder Gewerke 
war Heinrich Caton noch keineswegs aus seiner Bedrängnis herausgekommen. 
Das Restkaufgeld an Joh. Gottfried vom Stein und die dringendsten Betriebs- 
schulden waren zwar bezahlt worden, aber die Prozesse mit Mathias Mehl und 
mit Carl Baden gingen mit ungünstigem Verlauf für Caton weiter. Der Arrest, 
den der Jude vom roten Turm auf Catons Vermögen gelegt hatte, war nicht 
aufgehoben. Dazu machten sich die Schrecken des 30jährigen Krieges immer 
fühlbarer. Bis 1626 war es der Neuhütte noch leidlich gegangen. Heinrich 
Caton hatte an den Feldherrn Graf Tilly eine kaiserliche Salvaguardia für die 
Neuhütte erwirkt. Aber im Sommer 1626 kamen Wallensteinsche, die überall 
plünderten und zu diesen gehörte wohl auch der Rittmeister, der mit seiner 
Truppe Ende August die Neuhütte überfiel, raubte was zu rauben war, das 
verschlossene Warenmagazin erbrechen und 107 schwere eiserne Ofen, die 
über 300 Zentner wogen, also viele Wagenladungen ausmachten, fortschleppen 
liess und zwar in trierisches Gebiet, wo er sie möglichst schnell versilberte. — 
Wegen dieses räuberischen Überfalls findet sich eine Anzahl von Beschwerde- 
schriften bei den Akten, teils an den trierischen Oberst, der gleichzeitig 
Kommandant des Ehrenbreitsteins und Amtmann war, und in dessen Amtsbezirk 
die Öfen verschleppt worden waren, teils an die kurfürstliche Regierung. 

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222 

Einige dieser Klageschriften sind von Rcchtsgelehrten verfasst und mit latei- 
nischen Rechtssätzen und Entscheidungen begründet. Die wichtigste Beschwerde- 
schrift ist aber wohl die, welche von Heinrich Cato direkt an den Kurfürsten 
von Trier gerichtet ist und die von Christof Sorge persönlich überreicht wurde. 
Sie beginnt folgenderinassen : „Hochwürdigster Churfürst und Erzbischof. Ewer 
Churfürstl. Gnaden seyen meine Undertheuigste bereitwilligste Dienste zuvor, 
gnädigster Churfürst und Herr. — Ewer Churfürstl. Gnaden habe ich im ver- 
littenen Septembri dieses zu entlauffenden Jahres vnderthenigst clagend vor- 
gebracht, wessmassen alle meine eysene offen, deren 107 vff die 600 Reichs- 
thaler werth, so ich in der nuwen Hütte bei Weilmünster in der schmelzhütte 
verschlösse gehabt, durch einen Rittmeister seyen entwehndt vndt gewaltthätiger 
Weiss, aus eynige gegen mich gehabte Ursach, zu notlichem meinem grossen 
schaden und verderben weggeführt werden, dem von ihrer excellenz Herrn 
Grafen von Tilly dem Hüttenwerk gnedig mitgetheilten salvaguardien gantz 
zuwider .... Diese Öfen sollen „in churfürstlichen Landen bei Mühlen im 
Thal") bei denen unterthanen anzutreffen sein." — Er habe alsbald um Restitution 
gebeten, darauf habe auch der Amt- und Hauptmann des Ehrenbreitsteiu 
Weisung erhalten, die Sache zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen. „Sinde- 
mahl nun ein gevollmächtigter Diener in gewisse Kundschaft gebracht, dass zu 
Mühlen im Thal") trey underthanen 73 offen und 5 ungerathe Stück in Händen 
haben, so sind sie geladen worden, haben erklärt, dass sie 150 Reichsthaler 
darauf gelehnt haben." Er sollte nun dieses Geld erst ersetzen. Das sei ein 
Unrecht, weil er ausdrücklich durch Tilly kaiserliche Salvaguardia gehabt u. s. w. 
Er bitte um Rückgabe der Öfen. Die Bittschrift ist ausgefertigt im Oktober 
1626 und unterzeichnet Heinrich Caton von Jülch, Secretarius zu Braunfels. — 
Hierauf wurde am 16, Dezember von der trierischen Kanzlei resol viert, 
dass zuerst die einheimischen Untertanen und der „Judt in Frankfurt" zufrieden 
gestellt werden sollten, es war dies jedenfalls wieder der Jude Joseph vom 
roten Turm. Da Caton hierfür kein Geld hatte, eine weitere Bittschrift vom 
1. Januar 1627 erfolglos war, auch seine anderen Gläubiger immer dringender 
wurdeu, so blieb ihm nichts anderes übrig, als auch die andere Hälfte der Neu- 
hütte zu verkaufen. Dies geschah am 14. Februar 1627, Käufer war Christof 
Sorge aus Kraftsolms. Vorverhandlungen hatten schon im Dezember 1626 
stattgefunden, aber Caton wehrte sich gegen den Verkauf, so lange er konnte. 
Am Abend des 13. Februar bei einer Mahlzeit wurde endlich der Kauf ab- 
geschlossen. Am Morgen des folgenden Tages erschienen beide, Caton und 
Sorge, auf dem Amt in Weilburg, Hessen den Kaufbrief ausfertigen und unter- 
schrieben denselben. Caton verkief an Sorge die ihm zustehende Hälfte der 
Neuhütte mit allem Zubehör, Vorräten und 1800 Klafter Holz zum Preise von 
3175 Reichstaler in guter, harter und passierlicher Münze. Diese Summe sollte 
Sorge bis auf 800 Tlr., die erst zur nächsten Frankfurter Herbstmesse fällig 
sein sollten, sofort erlegen. Der Holzpreis wurde zu 1 Tlr. für 3 Klafter fest- 
gesetzt und sollte eine sicJi ergebende Differenz des Holzquantums danach 

') Mühllieim im Thal, der alte Name des Stiidtchens Ehrenbreitsteiu, im Gegensatz zur 
Feste noch im 17. Jahrh. so genannt (Rhein. Antiquarius IL, 1. Bd. S. 14J. 



223 

berecliiiet und boglicliou werden. Cato hatte diesmal 1000 Klafter Holz weniger 
verkauft als das erstemal und waren wohl diese 1800 Klafter die Menge, auf 
die er sich schliesslich mit den 6 Gemeinden geeinigt hatte. Der Handel war 
für Caton durchaus günstig, denn nach Abreclmung des Holzes und der Vor- 
räte erhielt er für die halbe Hütte mindestens ebensoviel, wenn nicht mehr als 
Cämmerling und Bilson für die andere Hälfte zwei Jahre zuvor bezahlt hatten. 

Kaum war aber der Kauf perfekt gew^orden, so erhob Heinrich Caton bei 
der gräflichen Regierung Beschwerde und verlangte seine Ungültigkeitserklärung. 
Als Gründe gibt er au, dass der Kauf bei einer Abendmahlzeit zustande ge- 
kommen wäre, dass die Vorräte an Kohlen und Eisenstein von ihm nicht mit- 
verkauft worden seien, endlich dass Christof Sorge die Zahlung nicht der Absprache 
gemäss geleistet hätte. Die ersten beiden Einwände waren hinfällig. Mit der 
Anzahlung scheint es sich folgendermassen verhalten zu haben. In dem Kaufvertrag 
war bestimmt, dass aus der ersten Anzahlung die auf der Neuhütte haftenden 
Schulden bezahlt werden müssten. Sorge wollte dies der Sicherheit wegen 
selbst besorgen und hielt das Geld dafür zurück. Da aber der Kaufbrief aus- 
drücklich bestimmte, dass Caton die Schulden aus der geleisteten Anzahlung 
bezahlen sollte, so wurde Sorge durch Urteil vom 8. Mai 1627 zur Zahlung 
verurteilt. Diese erfolgte und Heinrich Caton bezahlte die Schulden, wo- 
für Sorge schon gesorgt haben wird. — Nach der Herbstmesse, nachdem 
Caton auch die 800 Tlr. Restkaufgeld empfangen hatte, verglich er sich endlich 
auch am 12. Oktober 1627 mit dem Hüttenschreiber Carl Badon. Damit hörten 
alle Beziehungen des Heinrich Caton zur Neuhütte auf, sein Name verschwindet 
aus den Akten. 

Christof Sorge, seit dem 14. Februar 1627 rechtmässiger Besitzer der 
halben Neuhütte, scheint sich mit den Besitzern der anderen Hälfte Cämmerling; 
und Bilson, beide zugleich Gewerke der Audenschmiede, gut vertragen zu haben. 
Er beaufsichtigte den Betrieb, hatte die Vertretung der Hütte; wichtigere Bitt- 
schriften unterzeichnete Cämmerling mit ihm. Sorge war in eine sorgenvolle 
Zeit gekommen. Die Kriegsnot nahm immer mehr zu, hierzu kam, dass der 
vortreffliche, hoch angesehene Graf Ludwig, der eifrige Förderer der nassauischen 
und saarbrückischen Eisenindustrie, am 8. November 1627 starb. Er hinterliess 
4 Sühne, wovon 2 noch minorenn waren Nach einem 7^ jährigen Condominium 
wurde das Land in 4 Teile geteilt. Die Brüder als gute Protestanten hielten 
zur evangelischen Sache, zum Pfalzgrafen, und schlössen sich später Gustav 
Adolf und den Schweden an. Infolgedessen wurden sie, nach dem Sieg der 
Kaiserlichen bei Nördlingen, im Jahre 1635 ihrer Besitzungen für verlustig 
erklärt; sie mussten fliehen und begaben sich unter französischen Schutz. Wie 
furchtbar das Nassauer Land aber in und nach dieser Zeit durch den schreck- 
lichen Krieg zu leiden hatte, ist genugsam bekannt. 

Nach dem Tode des Grafen Ludwig erscheint die fürstliche Autorität im 
Weiltal bereits bedenklich erschüttert; die Bauern griffen schon mehrfach zur 
Selbsthilfe. Wir finden die Weil münster er in andauerndem Streit mit den 
Ilüttenhcrrn der Neuhütte und Audenschmiede wegen der Ilolzlieferung. Auf 
Christof Sorge's Beschwerde bei der gräflichen Regierung bitten die Weil- 

15* 



224 

münsterer, ihnen die Auflage der Holzabgabe an die Neubütte zu erlassen. Der 
Oberamtmann v. Stein habe das Werk an Fremde verkauft, die Neuhütte bringe 
der Gemeinde keinerlei Nutzen. Bei dieser „unaufhörlichen Kriegsbeschwerung" 
könnten sie ihre Schulden nicht bezahlen, wenn ihnen das Holz genommen 
würde. Die gegenseitigen Klagen und Beschuldigungen nahmen kein Ende. 
In einer gemeinschaftlichen Supplik an den Grafen von Christof Sorge und 
Mathias Cämmerling vom 30. August 1633 klagen diese, dass sie jetzt schon 
seit Jahren vergeblich bei dem Amte zu Weilburg Beschwerde wegen ihres 
Bauholzes geführt hätten. — Die Weilmünsterer leisten den Aufforderungen 
der gräflichen Regierung keine Folge, beharren bei ihrer Weigerung und führen 
eine immer schärfere Sprache. Sie seien mehr wie genug belastet durch die 
Audenschmiede, die doch schon vor mehr als 100 Jahren erbaut sei. Da die 
neue Hütte „gar nicht mit consens oder Vorwissen der Gem.einde vfFerbawet, 
gehet sie auch Vns, wie in gleichem der Zins vnd die arbeyter vnd gesinde 
nichts an." — Am 3. März 1634 bittet Christof Sorge den Grafen, das Hauen 
des Holzes in den gräflichen Wäldern für Kohlholz, das inhibiert war, weil 
der Graf ein Abkommen getroffen hatte, seine Kriegsschulden mit Holz zu be- 
zahlen, wieder zu gestatten. Gleichzeitig klagt er, dass die Weilmünsterer 
fortführen, ihm das Bauholz zu verweigern. Er sei ja bereit, auch dafür eine 
billige Vergütung zu erstatten, bittet aber in Anbetracht der schweren Kriegs- 
zeiten, die Zahlung für das Holz bis zur Ostermesse zu stunden. Der Handel 
liege jetzt gänzlich danieder. — Am 17. Juni 1634 bittet Sorge nochmals den 
Grafen vor dessen Abreise nach Strassburg, ihm doch wegen des Holzes 
und der Zahlung Bescheid zu geben. — Dieses ist das letzte Schriftstück über 
die Neuhütte aus der Zeit des 30jährigen Krieges und das letzte von Christof 
Sorge unterschriebene Aktenstück in unserem Archiv. — Aus späteren Rech- 
nungen erfahren wir, dass Christof Sorge den Eisenhammer mit Zustimmung 
des Grafen im Jahre 1634 neu aufrichtete, die Kosten dafür aber vorlegen 
musste. Die Reise des Grafen nach Strassburg war der Anfang seiner Flucht. 
Erst 12 Jahre später, 1646, kehrte er in sein Land zurück. Einen Notschrei 
der Weilhütten lesen wir noch in einem Bittgesuch des Hüttenmeisters Julius 
Bilson, von Braunfols, wohin er wohl geflohen war, vom 14. Januar 1635 
datiert, darin „verhofft er, dass die Herren (d. h. der Graf und seine Räte) den 
Weiimünsterern doch stark genug seien." Er bittet um Schutz für sein Hütteu- 
eigentum, dass verboten werde seine Kohlen wegzunehmen und seine Kohl- 
schuppen mit Einquartierung zu belegen. 

Jetzt begann die traurigste Zeit des 30jährigen Krieges und der seque- 
strierten nassauischen Lande. Alle Gewerbtätigkeit, auch die Eisenindustrie 
hatte ein Ende. Bezeichnend ist ein Rechnungsblatt der Emmershäuser Hütte 
im hiesigen Archiv. Oben steht mit blasser Tinte: „1632 — vom hohen Ofen 
20 fl. — Ein Waag Eysen." Darunter mit schwarzer Tinte aus späterer Zeit: 
„Welches in Rechnung finden, dass im Jahr 1632 bezahlt worden; ob es 1633 
ausbezahlt, würde sich in selbiger Rechnung finden, welches sich in der Kanzley 
finden würde. — Seither ist nichts geliefert worden." — Hierunter noch später 
von anderer Hand: „de anno 1633 ist weiter nichts bezahlt worden und ist 



225 

bis in annum 38 eine bösse Zeit gewesen, anwo noch mit de anno 1639 bis 
1661 inclusive zusammen 22 Jahre thut 440 fl., weiter 22 Waag Eisen je zu 
4 fl. 15 alb, thut 99 fl. Sma. 539 fl " — Diese zweite Notiz stammt also aus 
dem Jahre 1662 und lässt vermuten, dass die Emmershäuser Hütte seit 1639 
wenigstens zeitweilig v^^ieder betrieben wurde. — Die Audenschmiede lag bis 
1647, der hohe Ofen der Audenschmiede bis 1652. Die Neuhütte, oder die 
Weilmünsterer Hütte, wie sie öfter jetzt genannt wird, sogar bis 1654, also 
20 Jahre lang, gänzlich still. In der zweiten Hälfte des 30jährigen Krieges 
hatte die Yerwilderuug und Raubgier der Soldaten jeden Hüttenbetrieb un- 
möglich gemacht. Es war die traurige Zeit, in der man die Hütten und Hämmer 
zuschliessen und verrammeln, alles bewegliche verstecken musste. Hierzu 
gehörten besonders auch die Blasebälge, welche die räuberischen Banden mit 
Vorliebe zerschnitten, um das Leder zu stehlen. — Auch nach dem Friedens- 
schluss vergingen noch Jahre, bis man Mut fasste, die Hämmer wieder in Gang 
zu setzen und die Schmelzöfen wieder anzublasen. Die früheren Besitzer waren 
verdorben, gestorben. Es ist ein höchst seltenes Vorkommen, dass wir dieselbe 
Famihe im Besitz eines Eisenhüttenwerkes vor und nach dem 30jährigen Krieg 
finden. Dies war bei der Neuhütte und der Familie Sorge der Fall. 

Im Jahre 1653 unternehmen es Lucretzia Sorge, die Witwe des in- 
zwischen verstorbenen Christof Sorge und ihr Sohn Philipp, der Oberschul- 
theiss von Weilmünster geworden war, die Neuhütte w^ieder aufzurichten. Die 
Sorge erscheinen seitdem als die alleinigen Besitzer. 

Zunächst versuchen sie den Hammer wieder in Gang zu bringen. Yom 
Jahre 1654 ab zahlen sie regelmässig ihren Zins in Schmiedeiseu an die gräf- 
liche. Kammer wie früher. 1655 setzten sie auch den Hochofen wieder in 
Betrieb, denn in diesem Jahr liefert Philipp Sorge für die vom Grafen von 
Nassau-Idstein neuerbaute Michelbacher Hütte Gusswaren. — Die regelmässige 
Zinszahlung von Giessöfen an die Herrschaft beginnt 1656. Die Neuhütte 
kam bald wieder in Blüte, obgleich sie mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen 
hatte. Die grösste derselben war wieder der Holzbezug. Die Weilmünsterer 
versuchten diesen wie früher zu verweigern. Ihre Beschwerden und Klage- 
schriften gegen ihren eigenen Oberschultheiss Philipp Sorge beginnen im Jahre 
1656. Sie beziehen sich darin auf frühere Proteste. Die Hütte sei durch das 
lange Kriegswesen gänzlich zerstört. Jetzt wollten die Witwe Sorge und ihr 
Sohn der Oberschultheiss das Werk wieder aufrichten und verlangten von der 
Gemeinde dafür 300 Stämme, diese könnten sie nicht liefern. — In ihrer 
nächsten Beschwerdeschrift vom 10. April 1657 beklagen sie sich bitter, dass 
die Sorgischen Besitzer der Neuhütte die besten Stämme nach ihrem eigenen 
Gelüste aus dem Walde holten. Es handle sich dabei gar nicht um eine 
Wiederinstandsetzung des alten Hammerwerks, sondern um eine grössere Neu- 
anlage, denn sie richteten jetzt 2 Feuer ein, während früher nur eins bestanden 
hätte. Am 19. April erhebt die Gemeinde Klage gegen den Oberschultheiss 
und die Besitzer der Neuhütte, worin sie ausführt, es handle sich dabei um 
die Zukunft der Gemeinde. Gott sei Dank sei jetzt wieder ein junger Nach- 
wuchs da, der die verkommene Gemeinde wieder aufrichten und die ruinierten 



226 

Gebäude wieder aufbauen köuute, dafür eben brauchten sie ihr Holz sclbit. — 
Die Gemeinde war sicher in übler Lage, die Gewerkeu aber nicht minder. 
Am 28. Juni 1657 ruft Philipp Sorge, Oberschultheiss von Weilmünster, den 
Grafen zur Hilfe gegen die widerspenstigen Bauern an. Der Graf befiehlt 
hierauf den Weilmünsterern bei Strafe, das Holz, das sie zu liefern verpflichtet 
seien, freizugeben. — Lucretia Sorge und ihr Sohn Philipp bitten den Grafen 
um Nachsicht wegen des Zinses und mildere Bedingungen, weil die Kosten 
zum Aufbau der Hütte für sie unerschwinglich seien. Es seien keine Pferde 
zu beschaffen für die Anfuhr der Materialien, keine Handwerker als ganz 
schlechte und die Arbeiter seien sehr teuer „der Landeszerrüttung und des 
hochschädlichen Kriegswesens halber." In einer anderen Schrift bitten sie von 
neuem wegen des Bauholzes, aber auch um Erlassung des rückständigen Zinses, 
weil sie doch an dem Stillstand und Verfall der Hütte keine Schuld trügen. — 
Unter der Leitung von Philipp Sorge scheint die Neuhütte in gutem Betrieb 
gewesen zu sein. Es existieren noch manche Ofenplatten mit seinem Namen, 
eine solche befindet sich z. B. im Nationalmuseum iu München. 

Er muss wohl schon in oder vor 1674 gestorben sein, denn in diesem 
Jahre erscheint bereits sein ältester Schwiegersohn Niclas Wilhelm! als Ober- 
schultheiss von Weilmünster und als Vertreter der Neuhütte. Als solcher 
bittet er den Grafen, der Neuhütte mit Eisensteinfuhren zur Hand zu gehen. 
Er führte die Geschäfte für die Familie, „die Sorge 'sehen Erben". Aus einer 
Abrechnung dieser mit der Herrschaft erfahren wir, wie bereits erwähnt, dass 
der verstorbene Stoffel Sorge im Jahre 1634 dem in Strassburg weilenden 
Grafen eine Vorlage von 600 Gulden gemacht hat, die noch nicht zurück- 
gezahlt war und wofür die Erben Quittung von einem H. J. Haas in Strass- 
burg, der wohl der Agent des Grafen war, vorlegen. Niclas Wilhelmi verstarb 
wahrscheinlich 1693, denn im Herbst dieses Jahres erhalten die Sorge'schen 
Erben eine Vorladung auf das Amt nach Weilburg, um sich über die Fort- 
führung der Neuhütte zu erklären. Diese Erben waren die von Philipp Sorge 
hiuterlassenen Kinder, 4 Töchter und 1 Sohn. Die beiden älteren Töchter 
waren bereits Witwen, nämlich Anna Elisabeth Wilhelmi zu Weilmünster und 
Lucrezia Cambergerin. Der einzige Sohn Friedrich Christof Sorge war Ober- 
förster und kümmerte sich nicht um den Betrieb der Neuhütte. Im Januar 
geben die 5 Erben vor dem Amtsgericht zu Weilburg die Erklärung ab, dass 
sie Hochofen und Hammerwerk der Neuhütte fortbetreiben wollten, dass jeder 
der 5 Erben sich verpflichte, hierfür innerhalb 14 Tagen ein Kontingent von 
150 Tlr. einzuzahlen und dass ein jeder, der nicht rechtzeitig zahle, einen 
Jahreszins von 30 Tlr. wie seither zu erlegen habe. Wer die Geschäfte 
führen solle, ist aus diesem Protokoll nicht zu ersehen» 1709 erscheint aber 
ein Dr. Bremer, der eine der Erbinnen geheiratet hatte, als Geschäftsleiter. 
Der Betrieb Hess indess schon vordem viel zu wünschen übrig. Am 29. März 
1098 beschwert sich der Grosskaufmann Paulus von der Lahr in Frankfurt, 
der Hauptabnehmer der Neuhütte, bei dem Grafen über das gelieferte schlechte 
Eisen und weigert Zahlung, „weil es nicht als Kaufmannsgut zu halten sei". 
Die Hüttenverwaltung schiebt die Schuld auf den schlechten Eisenstein, der 



227 

ihr geliefert worden sei. Paulus von der Lahr crwiedert, das ginge ihn nichts 
an, es sei Sache der Sorge'schen Erben, dafür zu sorgen, dass guter Stein an- 
geliefert werde. Die Sorge'schen Erben zu Weilmünster und Braunfels bitten 
den Grafen um seinen Konsens, 500 Karren Eisenstein aus der Langheck an- 
fahren zu dürfen. Es war ihnen, weil sie bereits ohne gräflichen Konsens 
Eisenstein von dort geholt hatten, von dem gräflichen Keller Kraft zu Weil- 
burg eine Strafe von 50 Tlr. auferlegt worden. Sie flehen bei dem Grafen 
um Erlass derselben. Diese Bitten und Beschwerden wegen Mangels an Eisen- 
stein mehren sich von da ab. Ausserdem klagen Arbeiter gegen Dr. Bremer 
wegen schuldig gebliebenem Lohn. Zwei Klageschriften dieser Art befinden 
sich bei den Akten, die eine von einem Former Mathias de Paul aus Lüttich 
von 1705, die andere von einem Mathieu de Pouille von 1701). Vermutlich 
beziehen sich beide Namen auf dieselben Personen. Bemerkenswert ist es aber, 
dass man damals auch nach Weilmünster Former und Eisengiesser aus dem 
Lütticher Land engagiert, was durch das Beispiel der an der Lahn so erfolg- 
reichen Eisenindustriellen-Familie Mariot, die aus Lüttich stammte, veranlasst war. 

1710 erhebt der Kaufmann Paulus von der Lahr zu Frankfurt Anspruch 
auf den Besitz der Neuhütte auf Grund seiner Forderungen an die Sorge'schen 
Erben. Um diese Zeit kam die Neuhütte zum Erliegen. Bald darauf verstarb 
Paulus von der Lahr. Im Jahre 171o klagt Sebastian Heinrich Kraft, Amt- 
mann zu Weilmünster und Hauptgewerke der Audenschmiede gegen die Erben 
des Paulus von der Lahr auf Herausgabe von V'> der eingegangenen, so- 
genannten neuen Hütte oberhalb Weilmiinster, als angeblicher Erbe des 
Oberförsters Friedrich Christof Sorge und auf Grund einer von seinem Yater 
herrührenden Forderung von 1000 Tlr., welche dieser im Jahre 1665 dem 
längstverstorbenen Philipp Sorge geliehen hätte. 

Dieses ist das letzte Aktenstück, das uns von der Neuhütte und der 
Familie Sorge Kunde gibt. — Nach fast lOOjährigem wechselvollem Betrieb 
war die Neuhütte für immer eingegangen. — Fragen wir nach der Ursache, 
so lag diese wohl zum Teil in dem Aussterben der Familie Sorge, in der 
Hauptsache aber doch darin, dass der Anlage für eine längere Dauer die 
Lebenskraft fehlte. Als Joh. Gottfried vom Stein im Jahre 1615 das Werk 
gründete, waren wohl Holz und Eisenstein im Üherfluss vorhanden. Aber für 
den anhaltenden Betrieb von zwei Hochofenhütten, der Audenschmiede und der 
Neuhütte, in nächster Nachbarschaft, dafür reichte der Holzbestaud und der 
Nachwuchs der Waldungen um Weilmünster herum nicht aus. Ein Hochofen 
geht Tag und Nacht ununterbrochen fort und verschlingt deshalb eine grosse 
Menge von Kohlen und Erz. Wohl waren die Hochöfen jener Zeit Zwerge 
gegen die heutigen. Auch galt damals eine Hüttenreihe von 40 Wochen im 
Jahr als das Maximum, meist begnügte man sich mit einer Betriebsdauer von 
30 Wochen. Heute blasen die Hochöfen 6, ja 10 Jahre und noch länger. 
Die Tageserzeugung eines Hochofens betrug damals höchstens 1000 kg, heute 
100000 kg und mehr. Trotzdem verbrauchte auch damals schon ein Hoch- 
ofen mit den dazu gehörigen Frisch- und Schweissfeueru eine so enorme Menge 
Holz als Brennstoff, dass ein ausgedehntes, reiches Waldgebiet für die dauernde 



228 

Unterhaltung erforderlich war. Deshalb kam die Neuhütte schon sehr bald, wie 
wir gesehen haben, in Schwierigkeiten wegen des Ilolzbezuges. Ebenso trat 
in den letzten Jahrzehnten Mangel an Eisenstein ein. Holz und Eisenstein aus 
grösserer Entfernung zu beziehen, war aber zu kostspielig. Deshalb musste 
eins der beiden Hüttenwerke zugrunde gehen; dieses Los traf die Neuhütte. 
Die Audenschmiede hat dagegen ihren Betrieb bis auf den heutigen Tag auf- 
recht erhalten können. 



II. Die Familie Mariot und ihre Eisenwerke im unteren Lahngebiet. 

Gegen Ende des dreissigjährigen Krieges erblühte im unteren Lahngebiet 
eine umfangreiche Eisenindustrie, die von nachhaltiger Bedeutung für 
diesen Teil Nassaus wurde und viel dazu beigetragen hat, die schweren Wunden, 
die der verderbliche Krieg jenen Landesteilon geschlagen hatte, zu heilen. 

Der Begründer dieser Industrie war ein Niederländer, Jean Mariotte 
aus Lüttich, der durch seine glücklichen Unternehmungen zu grossem Wohlstand 
gelangte und der Gründer einer angesehenen Familie, die später als Freiherin 
von Mariot zu Langenau dem deutschen Reichsadel angehörte, wurde. Eine 
nähere Betrachtung dieser Schöpfungen und dei Schicksale der Familie ist so- 
wohl für die ludustriegeschichte als auch für die Kulturgeschichte von Be- 
deutung und wird ermöglicht durch das reichliche Aktenmateiial im Nassauischen 
Staatsarchiv dahier. 

Der dreissigjähiige Krieg hatte Deutschland in ein Trümmerfeld ver- 
wandelt; die Rheinlande und das Gebiet des späteren Herzogtums Nassau hatten 
besonders schwer durch ihn gelitten. Kapital und Unternehmungslust waren 
verschwunden, die alten Hüttenbestäuder waren verdorben und gestorben und 
es dauerte meist viele Jahre, bis die im Krieg zerstörten Werke wieder aus 
dem Schutt erstanden. 

Unter solchen Umständen war für einen Ausländer, der Geld, Kenntnisse 
und Tatkraft besass, die Gelegenheit günstig, in Deutschland wertvollen Berg- 
werks- und Hüttenbesitz zu erwerben und gewinnbringende Unternehmungen zu 
gründen. Ein solcher Mann war Jean M a r i o 1 1 o aus L ü 1 1 i c h oder wie 
er deutsch hiess, Johann j\I a r i o t (Marioth) aus Lück (Ijuyk). Er trat zuerst 
mit K u !■ f ü r s t P h i 1 i }) p Christoph von T r i e r in Verbindung, von dem 
er in dessen rechtsrheinischen Landen wertvolle Belehnungcn auf Eisen- 
erz i ]n Amte Montabaur erhielt. Der erste Leihbrief, der Mariot die 
Konzession erteilte, in dem Amte Montabaur uii<l den benachbarten tricrischen 
Amtern Eisenerz aufzusuclum und hohe Öfen zu erbauen, ist aus dem Jahr 1639, 
worauf er sofort mit dem Bau eines Gicss- und Hanunerwerkos bei Montabaur 
begann. Seitdem hiess Mariot der Hütten her r von Montabaur. 

Von seinen Vorfahren wissen wir nichts. Er wird ein Kaufmann genannt 
und entstammt einer angesehenen, aber nicht adligen Familie französischer Her- 
kunft. Er unterschrieb immer nur Jean Mariotte, erst seine inzwischen ge- 
adelten Urenkel nannten ihn Johann von Marioth. Seine Gemahlin, oder nach 



229 

der Ausdi'ucksweise jener Zeit, seine Hausfrau, war Johanna a Fornaio; ob 
dies ein adliger Name war, ist ungewiss. In Deutschland galt Johann ^Mariot 
als Bürgerlicher, wenn er auch als llüttonhcrr im Nekrologiuni des Klosters 
Arnstein als dominus bezeichnet wird. Es heisst dort sb. 13. November: 
Commemoratio domini Joannis Mariot, qui pie obiit 1670.°') Jedenfalls war 
er ein unternehmender, erfolgreicher und angesehener Geschäftsmann. 

Das E i s e n b e r g w e r k bei D e r n b a c h war die Grundlage und der 
Ausgang für seine industriellen Schöpfungen. Die obenerwähnte Konzession 
von 1639 wurde am 3. Juli 1646 von Kurfürst Philipp Christoph erneuert und 
dahin erweitert, dass Johann Mariot 

1. die aufgerichteten Werke im Amte Montabaur zu gebrauchen noch 
auf 2 Jahre dergestalt belehnt werde, dass er 

2. zu solchen auch den Eisenstein zu Dernbach allein zu 
gebrauchen das Recht habe; dass er 

3. nach Ablauf der 20 Jahre auf Ansuchen vor anderen von neuem 
belehnt werden solle; dass er 

4. in diesem (Amte) daherum hier oder wo sonsten Eisenstein suchen 
und fördern möge, ihm 

5. das nötige Holz aus Kurfürstlicher und Gemeinde-Waldung vor andern 
gegönnt und verkauft werde. 

Nur teilweise stimmt hiermit folgende Angabe des Rheinischen Antiquarius 
(Bd. H, S. 469) : „Einen wichtigen Gewerbszweig verdankt dem Kurfürsten 
Philipp Christoph die Umgebung von Ehrenbreitstein. Auf dessen Veranlassung 
legte Johann Mariotte, von Geburt ein Lütticher, den Hochofen zu Fallerau bei 
Montabaur an: demselben Mariotte und dem Johann Heinrich Sorg vergönnte 
der Kurfürst am 23. November 1646 bei Dernbach Eisenstein zu graben und 
ist diese Konzession die Veranlassung geworden zu des Mariotte ferneren 
Hüttenanlagen zu Engers, Nievern, Ahl und Hohenrhein, zu dem schwunghaften 
Betrieb des Silberwerkes zu Weinähr u. s. w. " Wie weit diese Angaben richtig 
sind, werden wir in der Folge sehen. Irreführend ist zunächst die unrichtige 
Schreibweise des Hochofens zu V a 1 1 e r a u mit P statt mit V. Diese gänzlich 
verschwundene Eisenhütte wurde an Johann Mariot erst 1654, etwa 15 Jahre 
später als der hohe Ofen bei Montabaur, erbaut. Der Ort Yallerau, wenn ein 
solcher je existiert hat, ist verschwunden, Die Hütte lag in der Nähe von 
Hillscheid, wahrscheinlich bei der Ilüttenmühle an der Strasse von Cadenbach 
nach Hillscheid, wo sich noch grosse Haufen alter Eisenschlacken finden.') 
Etwa 1000 m nördlich der Hüttenmühle beginnt der „Vallerauer Wald", ein 
ausgedehnter Staatswald, der sich nach der Montabaurer Höhe hinzieht.') — 
Die Angabe, dass Johann Heinrich Sorg 1646 ein Mitgewerke des Johann Mariot 
gewesen sei und beide o-cmeinschaftlich mit dem Dernbacher Eisensteinbergwerk 



^) Dr. Becker, Nekrologium des Klosters Arnstein. Annalen XVI, S. 194. 
*) Diese Angabe verdanke ich Herrn Prof. Bodewig in Oberlahnstein. 
*) In Iv eh rein, Nass. Namenbuch, wird S. 154 u. 591 der „Vallerauer Wald" als 
Distriktsname von Hillscheid erwähnt. 



230 

belehnt worden wären, findet weder in dem Leilibrief nocli in sonstigen Akten 
eine Bestätigung. Jedenfalls war nach dem Jahre 1646 Johann Mariot der 
alleinige Besitzer. 

Am 29. August 1654, nach dem Tode des Kurfürsten Philipp Christoph 
und vor Ablauf der 20 jährigen Frist, erhielt Johann Mariot von dessen Nach- 
folger, dem Kurfürst Karl Kaspar (von der Leyen) für sich und seine Erben 
eine neue Belohnung auf 20 Jahre, worin ihm gestattet wurde, dass er, ausser 
den bereits erbauten noch eine oder zwei Guss- und Hammerhütten im Amte 
Montabaur errichte, dass er sich hierzu nötigenfalls einen anderen bequemeren 
Ort mit gnädigem Vorwissen auswählen möge und dass demselben auch gestattet 
sei, die verfallene Gusshütte (bei Yallerau) wieder aufzubauen und unter den- 
selben Bedingungen zu betreiben. Ferner besagte der Leihbrief, dass, falls 
(nach Ablauf der Leihe Beständer oder seine Erben auf dieselbe verzichteten) 
„ein zeitlicher Kurfürst diese Guss- und Eisenhütten selbst an sich bringen und 
selbst behalten oder andere damit belehnen wollte, alsdann diese Hütten ob- 
gemeldetem Beständer oder seinen Erben nach dem durch Werkverständige 
billig abzuschätzende Erbauungskosten vergütet werden sollen." 

Hieraus geht hervor, dass die Vallerauer Eisenhütte, die auch öfter als 
Cameralhütte bezeichnet wird, eine ältere trierische, im 30 jährigen Krieg in 
Verfall geratene Anlage war. Sie war die zweite der von Mariot mit Dern- 
bacher Eisenerzen betriebenen Hochofenhütten. Das Dernbacher Bergwerk war 
also damals schon sehr ergiebig. Es war angelegt auf einem ausgedehnten 
tertiären Becken von Ton mit Brauneisenstein und Sphärosiderit, der rheinischen 
Grauwacke aufgelagert, das sich in den Gemarkungen Dernbach, Elgeudorf, 
Wirges und Staudt erstreckt. Die Erze, die etwa 34 ^/o Eisen enthalten, sind 
nicht reich, aber leichtschmelzig. Obgleich in geringer Tiefe liegend, gewann 
sie Mariot doch durch Strecken- und Stollenbau, weil derselbe damals jedenfalls 
billiger für ihn war als Tagebau, der die Erwerbung von ausgedehntem Ge- 
lände erfordert hätte. Einigen Grundbesitz beanspruchten die Anlagen der 
Schächte, Stollen und Berghalden ohnedies und musste er dafür, nach einem 
Bericht von 1655, jährlich 3 Malter Hafer an die kurfürstliche Kellerei zu 
Montabaur entrichten. Dies war die Quote, womit „die 12 Malter Land he- 
haftet waren, indem auf allen Äckern Lehn- und Fuderhaber haften that". 

Dass Mariot bestrebt war, an verschiedeneu Orten Hochöfen zu errichten, 
statt ein grösseres Zentralwerk zu bauen, erklärt sich aus den Betriebs- 
bedingungen jener Zeit. Die Holzkohlen waren der wichtigste und volu- 
minöseste Rohstoff. Die Erze Hessen sich viel leichter nach den Schmelzöfen 
schaffen, als das Holz oder die Holzkohlen, wovon bei dem unvollkommenen 
Schmelzverfahren jener Zeit die vielfache Menge selbst dem Gewicht des Erzes 
nach gebraucht wurde. Die Billigkeit der Holzkohlen war die 
Grundlage der Rentabilitcät einer Eisenhütte. Zur Verringerung 
der Frachtkosten mussten deshalb die Schmelzöfen in waldreichen Gegenden 
errichtet werden. Auch diese gestatteten auf die Dauer infolge des langsamen 
Jlolznachwuchses nur einen beschränkten Betrieb. Eine weitere Beschränkung 
erfuhr der Betrieb dadurch, dass die Wasserkraft in den waldrei-chen Höhen- 



231 

lagen meist nicht bedeutend war, weshalb nur massig grosse Blasebälge und 
entsprechende Öfen in Anwendung kommen konnten. Aus diesem Grunde trennte 
man häufig die Schmelzhütte von der Frisch- und llammcrhütte und noch mehr 
von den Hämmern, welche das Frischeisen zu Handelseisen und Hchmiedewaren 
verarbeiteten. Um Holzkohlen zu sparen, liess man den Hochofen nur einen 
Teil des Jahres gehen und betrieb das Hammerwerk, wenn der Ofen ruhte oder 
wenn Überfluss an Wasserkraft war. 

Johann Mariot besass auch bei V a 1 1 e n d a r einen E i s e n h a m m e r , 
der zu seinen älteren Anlagen gehörte und wahrscheinlich das auf der Vallerauer 
Hütte geschmolzene Roheisen verarbeitete. Aus den oben angeführten Gründen 
suchte Mariot nicht hur im Trierischen, sondern auch in benachbarten, wald- 
reichen Ländern Konzessionen für Eisenhütten und Holzbezug zu erwerben. 
Dies gelang ihm zunächst im Gebiete der Abtei Arnstein gegen Ende der 1650 er 
Jahre, wo er zu W e i n ä h r eine Belehnung erhielt. 

Ferner erwarb Mariot im Jahre 1660 eine wichtige Belohnung im hessen- 
darmstädtischen Teil der Niedergrafschaft Katzenelnbogen bei Katzen ein- 
bogen im Amte Braubach. An dieser Erwerbung nahmen seine beiden älteren 
Söhne Walt her und Johann als Mitgewerke teil. Walther war zwar ein 
canonicus, doch bewies er das regste Interesse für die industriellen Unter- 
nehnmngen des Yaters ; in noch höherem Grade war dies bei dem zweiten Sohn 
Johann der Fall, der gewissermassen die rechte Hand des alten Mariot wurde. 
Johann Mariot der Jüngere hielt sich damals in Bingen auf, Avährend Walther 
seinen Wohnsitz in Wcinähr hatte. 

Das älteste, auf die Katzenelnbogische Beleihung bezügliche Aktenstück 
in dem hiesigen Archiv ist vom 2S. September 1660. In gut stilisierter, schöner 
Schrift teilt Johann Mariot der Jüngere zu Bingen darin mit, dass er von dem 
Landgrafen von Hessen „die Gerechtigkeit" erwirkt habe, in dessen Gebiet bei 
Katzenelnbogen Erz zu graben und ein Hüttenwerk aufzurichten. Er wolle aber 
den Eisenstein zuvor in Weinähr, woselbst er eben mit dem Bau einer 
Eisenhütte beschäftigt sei, probieren. 

Am 15. Oktober 1660 erstattet der Amtmann von Braubach, Jeremias 
Philipp Stamm, Bericht wegen des Holzbezuges für eine Eisenhütte. Hierfür 
sei bei Katzenelnbogen nur der Wald an der Fuchsenhell geeignet, der aber 
in das Vierherrische gehöre. Ausserdem sei im Braubacher Bürgerwald Holz 
genug, doch sei es beschwerlich anzufahren. 

Wichtiger ist ein Schreiben des Amtmannes Stamm vom 16. November 
1660, worin er dem Landgrafen meldet, „dass ein Kaufmann von Lück, welcher 
sich sonsten mehrenteils in Bingen aufhalten soll und mit Namen Jean 3Iarioth 
heisst, sich bei Eurer Gnaden Herrn Schultheissen zu Katzenelnbogen angemeldet 
und angehalten hat, dass ihm möchte vergönnt werden, nach Eisenstein im 

Kirchspiel Katzenelnbogen zu suchen und ob es ihm nicht vergönnt 

werden möchte, gar eine Eisenhütte allda aufzubauen, auch ob er alsdann umbs 
Geld Holzkohlen bekommen könne?" Unter demselben Datum (16. November 
1660) schreibt Amtmann J. Ph. Stamm an den Landgrafen Georg von Hessen, 
des Jean Mariot jun. ältester Bruder Walther habe sich im Namen seines Vaters, 



232 



welcher sich zu Montabaur aufhalte und „welche Mariots sehr reiche Leute sind, 
an ihn und den Keller (von Braubach) und den Amtmann Naurother zu Embs ge- 
wendet, mit dem Ersuchen umb Gestattung in Em b s nach Erz suchen zu dürfen". 
Also auch in der Hessen und Nassau gemeinschaftlichen Yogtei Ems 
wollten die Mariots Unternehmungen gründen. Der Landgraf ergriff die Ge- 
leo-enheit mit Freuden und erteilte Johann Mariot, Hüttenmeister zu Montabaur 
und seinen beiden Söhnen Walther und Johann und deren Erben unter sehr 
günstigen Bedingungen das Recht, in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen 
Eisenerze zu gewinnen und zu schmelzen. In einem Bericht aus Anfang 1661 
heisst es, dass den beiden Mariots Johann und Walther die Mutung verliehen 
sei. Ein, den 19. April 1661 von Darmstadt datiertes Schriftstück enthält die 
Bedingungen der Erbleihe. Die wichtigsten Eechte waren 1. die Erbauung 
einer Eisenhütte, 2. Eisenerz zu graben gegen Erstattung des Bergzehnten, 

3. desgl. auch Blei, Zinn, Kupfer und edle Metalle, wenn sich solche fänden, 

4. in allen vorhandenen Wäldern Holz zum Yerlcohlen zu billigem Preiss kaufen 
zu dürfen, 5. der Bezug von freiem Bauholz (Eichenstämme) aus den zu- 
ständigen Waldungen, 6. Gebäude, sowie ein Back- und Brauhaus für ihre 
Arbeiter zu errichten, wogegen 7. die Erbleiher für strafbare Handlungen ihrer 
Arbeiter verantwortlich seien, 8. das Recht freier Jagd für sich und ihre Be- 
diensteten, 9. für die Anlage der nötigen Zufuhrwege und 10. freies Schürfrecht 
ohne andere Belastung als den Ersatz des abzuschätzenden Schadens. 

Auf Grund dieser Bedingungen sollte der Leihbrief ausgefertigt werden 
und wurde den landgräflichen Beamten noch besonders eingeschärft, die Unter- 
nehmer in keiner Weise zu behindern, sondern ihnen behilliich zu sein. Die 
Ausfertigung des Leihbriefes erfolgte am 22. April 1661. 

Bald darauf starb Landgraf Georg H., der Gelehrte genannt, ihm 
folgte Landgraf Ludwig VL Alsbald Hess Johann Mariot der Jüngere durch 
seinen Sekretär Marnet die Erneuerung des hessischen Lehnbriefes beantragen. 
Ludwig YL befiehlt diese am 30. Mai 1662, die Ausfertigung erfolgte am 

5. Juni. Die wichtigsten Sätze des Lehnbriefes lauten: „Wir etc 

bekennen und thun kund, da Johann Marioth von l^ück, Hüttenmeister zu 
Montabaur und dessen beide Söhne W^alther und Johann Marioth die alten 
Bergwerke in Katzenelnbogen, die verfallen und in Abgang gekommen sind, 
neu aufrichten wollen .... Sie und ihre Erben und Nachkommen mit den 
Mitgewerken wie berggebräuchlich in Unserm Kirchspiel Katzenelnbogen mit 
allerley Ertz, Metallen, Mineralien, Steinen, sie seyeu edel oder unedel, Stein- 
kohlen, Yitriol, Alaun, Salzbrunnen und alles andere darinnen und was unter der 
Erde im ganzen Kirchspiel Katzenelnbogen gefunden wird .... zu beleyhcn 
und zu befreyhen .... auch alle dazu nöthigen Gebäude, Hütten, Hämmer, 
Ocfcn zu errichten." — Sie haben freies Schürfrecht und nur den verursachten 
Schaden zu vergüten. — Dagegen dürfen sie die Bergwerke oder Hütten an 
keinen Ausländischen ohne Bewilligung dos Fürsten verkaufen. 
Dieser hält sich den Yorkauf für alle Erze und Metalle vor; ausserdem 
werden von den Erzgruben (auf Blei, Kupfer, Silber und Gold) 3—4 Kuxen 
für die Herrschaft vorbehalten. 



233 

Drei Jahre laug sollen sie von Zehnten, sowie von allen Zöllen und Ab- 
gaben befreit sein. Von da ab ist die Zehnte in natura oder in Eisen oder 
Geld zu erlegen „und wolle er ihnen jedesmal den zehnten Pfennig Ilüttenkosten 
dafür auszahlen". Sie sind berechtigt, Holz zum Bauen frei aus den fürstlichen 
Wäldern zu entnehmen und ausserhalb dieser um den gebührenden Preiss durch 
die Unsrigen sich anweisen zu lassen. Sie sollen auch das Recht haben, Erze, 
die sie auf ihren Bergwerken in Nassau und Diezischer Botmässigkeit graben, 
anzufahren und zu schmelzen. 

Sie und ihre Erben sollen von allen Kontributionen und militärischen 
Einquartierungen, sowie auch von allen Frohndiensten sie und ihre Arbeiter 
(sofern es keine Untertanen sind) gänzlich eximiert und befreit sein. Alles 
soll nach der Hessischen Bergordnung gehalten und die Gewerken und ihre 
Erben danach geschützt Averden. 

Auf diese weitgehende, günstige Beleihung antworteten am 30. Juni 1662 
der alte Jean Mariot und seine Söhne Walther und Jean durch ein Anerkennungs- 
und Dankschreiben mit ihrer dreifachen Unterschrift und dreifachem Siegel. 

Die Mariots hatten auf der H a a r m ü h 1 e (auch Hoyer-, Haiger- und 
Herrnmühle genannt) unterhalb Klingelbach einen hohen Schmelzofen errichtet, 
der damals bereits im Betrieb war, ebenso wie der bei Weinähr erbaute Ofen. 

Im Amte Montabaur Hess sich der alte Mariot durch seinen Sohn Walther 
vertreten. Dieser schloss am 26. August 1662 mit der kurtrierischen Regierung 
einen Vergleich ab, wonach der Kurfürst dem Hüttenmeister Walther Mariot 
zu Montabaur gestattete „soviel Holz als er zu den Eisenhütten nötig habe und 
begehren müsse auszuhauen und brennen zu dürfen; doch solle er dieses dem 
Keller zuvor anzeigen, junge Stämme, die Balken geben, schonen, Eichenbäume 
zur Fortpflanzung des Waldes unberührt lassen und für 11 Klafter Holz 
1 Reichstaler an die Rentkammer zahlen." Am 28. April 1662 hatte der 
Schultheiss von Katzenelnbogen der landgräflichen Kammer berichtet: „Herr 
Jean Mariot der Jüngere von Lück habe eine Eysen- oder schmelzhütt zu 
Weyhnänder angefangen. Jetzt wolle er auch einen Hammer daselbst aber in 
Nassauischer Jurisdiction anlegen." Dieses Gesuch war von dem alten Mariot 
folgendermassen unterschrieben: Jean Mariotte au nom de mon mre (mineur) 
Jean Mariot le jeuue. 

Landgraf Ludwig VL von Hessen, der den Mariots sehr gnädig gesinnt 
war, räumte ihnen seinerseits auch in der Yogtei Ems, die er mit Nassau- 
Dillenburg gemeinschaftlich besass, dieselben weitgehenden Rechte ein. Ein 
hierauf bezügliches Gesuch d. d. 28. April 1662 ist von dem bereits genannten 
Mariotischen Beamten Johann Marnet abgefasst ; darin lieisst es : „E. Gnaden 
ist ja bekannt, welcher Gestalt Mein Herr Johann Mariot der Jüngere aus 
Lück eine Eysen- und Schmelzhütte bei Weyuänder unter des Prälaten von 
Arnstein Gebieth und Botmässigkeit vor kurzen Jahren angefangen." Derselbe 
bitte jetzt um Erlaubnis, einen Eisenhammer dabei auf Nassauischem Gebiet 
errichten zu dürfen. Ebenso wolle Mariot eine Eisen- und Schmelzhütte in 
der Gemeinschaft Embs errichten und bitte hierfür um Erlaubnis, sowie 



234 

um das Schürf- und Mutrecht, die Erhiubnis, Bergwerke auf Erze und Mineralien 
anzulegen, sowie die Holzung daselbst. 

Ein ähnliches Schreiben richtete Marnet „au nom de mon Seigneur Jean 
Mariotte le Jeune" an das Haupt der nassauischen Landesverwaltung zu Diez, 
den Obersten Preiherrn (Graf) von Hohenfeld. 

Der Landgraf erteilte am 5. Juni 1662 dem alten Mariot und seinen 
beiden ältesten Söhnen die erbetene Beleihung in demselben Umfang und den- 
selben günstigen Bedingungen wie in Katzenelnbogen. 

In dem Leihbrief heisst es: „Nachdem uns Johann Mariot von Lück, 
Plüttenmeister zu Montabaur und dessen beide Söhne Walther und Jean Mariot 
unterthänigst zu vernehmen gegeben, Welchergestalt vor einer ziemblich anzahl 
Jahren ein Bergwerk in der Gemeinschaft der Vogtey Embs, so nunmehr ver- 
fallen und in gänzlichen Abgang kommen, gewesen. Und Sie auf ihre Gefahr 
einen Versuch zu thun nicht abgeneigt sind .... so gewähren wir Ihnen: 
Freies Schürfrecht auf alle Metalle, Bley, Erz, Eisenstein, Mineralien, Steine, 
sie seien edel oder unedel, Steinkohlen, Vitriol, Alaun, Salzbrunnen und alles 
andere und dazu nöthige Gebäu und Reichen, Hütten, Hämmern, Oeffen etc. 
zu erriciiten und zwar ihnen und i hr e n Mi tge w er k en allein und 
sonst niemanden." — Finden die Beständer Blei, Kupfer, Silber u. s. w. 
und legen ein Bergwerk darauf an, so behält sich der Landgraf „3—4 Guckhes" 
(Kuxen) vor. Ferner gewährte der Lehnbrief Befreiungen von Zehnten, Zöllen 
und Abgaben für 3 Jahre, freies Bauholz, billiges Kohlholz wie im Katzeneln- 

bogenschen. 

Graf Hohenfeld, der Vertreter des Grafen Friedrich Wilhelm von 
Nassau zu Diez machte dagegen im Interesse seiner nassauischen Herrschaft 
Schwierigkeiten, da ihm die Berechtigungen zu weitgehend erschienen. Hierüber 
klagt Walther Mariot, indem er dem Landgrafen schreibt, wenn ihnen solche 
Auiiao-en gemacht würden, wollten sie lieber beim Eisenstein bleiben und den 
Erzbergbau fahren lassen. Sie hätten mit dem Bau eines hohen Ofens begonnen, 
derselbe wäre fertig, wenn sie von Nassau-Dioz die Zusage erhalten hätten. 
Besonders klagt er über die Auflage, mit dem Hochofen auch gleich ein 
Hammerwerk aufzurichten. 

Die Bedingungen, welche Graf Hohenfeld gestellt hatte, waren folgende: 
L die Beständer sollen kein freies Jagdrecht haben; 

2. sollen sie ausser dem hohen Ofen innerhalb Jahresfrist einen Eisen- 
hammer bauen und in Betrieb setzen; 

3. sobald der hohe Ofen in Gang kommt, sollen sie an Nassau-Diez 
für Ilüttenzins und Wassergeld 6 Jahre lang jährlich 24 Rtlr., der 
Hammer aber doppelt soviel, ausser dem Zehnten für den Eisenstein, 
bezw. 9 Albus für die Fuhre für den nassauischen xinteil an dem- 
selben erlegen; 

4. das alleinige Recht auf Mineralion soll eingeschränkt werden. Wenn 
fremde 0(;werko auch Blei, Zinn, Kupfer, Silber und Gold schürfen 
wollen, sollen sie nicht ausgeschlossen sein, dagegen sollen die 
Mariots den Eisenstein allein haben. 



235 

Obgleich diese liicrgogon ankiiin})ften, mussten sie doch nachgeben. Das 
Jagdrecht auf Kleinwild, d. h. Hasen, Jlühncr u. s. w. wurde ihnen zugestanden. 
Aus einer hessischen Verfügung vom 15, Januar 1666 geht hervor, dass sie 
für das Wassergefälle des mit Nassau-Diez gemeinschaftlichen Baches bei Ems, 
womit sie ihre Eisenhütte betrieben, jährlich 5 Etlr. an die Kellerei zu Braubach 
zu zahlen haben. Ferner ergibt sich aus einem Abkommen, das Walther jNlariot 
am 24. Juni 1666 mit Kur-Trier schloss, dass die Mariots für die Eisensteine, 
die sie von Dernbach auf ihre Eisenhütte bei Ems ausser Landes führten, 
jährlich eine Abgabe von 30 Rtlr. oder 45 Gulden rheinisch zu zahlen hatten. 

Den Mariots wurde gestattet, eine E i s e n s c h n e i d m ü h 1 e in der Herr- 
schaft Fach ba eil zu errichten, und sollten sie für den Wasserlauf, „wann 
das Rad geht", jährlich 10 Rtlr. zahlen. „Den Bau sollen sie anfangen de dato 
in einem Jahr, wenn dies nicht geschieht, ist dieser Punkt hinfällig. Alles 
Holz in der Herrschaft soll ihnen und niemand anders um billige Zahlung be- 
lassen werden. Bauholz erhalten sie nach der Bergordnung umsonst. Diese 
Abmachung ist unterschrieben von A. H. Hohenfeld nassauischer Kammer- 
präsident und Walther Mariot. 

Am 9. Juni 1668 erhielt Mariot von dem Kurfürsten Philipp von Mainz 
die Konzession zur Anlage des Ahler Eisenhammers bei Oberlahnstein; 
damit hatte er auch in Kur-Mainz festen Fuss gefasst. 

Am 13. November 1670 starb Johann Mariot der Altere nach einem 
taten- und erfolgreichen Leben. Ihm blieb im Gedächtnis der Nachwelt der 
Ruhm, der, Gründer des Reichtums der Familie, sowie der zahlreichen Berg- 
und Plüttenwerke im unteren Lahngebiet gewesen zu sein. Mehr als 100 Jahre 
später schreibt ein kundiger Fachmann^) : „Ln Katzenelnbogenschen und Um- 
gegend sind viele Eisenwerke. Der Stifter der meisten derselben war Johann 
Marioth, Hüttenverleger zu Montabaur, der im vorigen (17.) Jahrhundert gegen 
14 Eisenhütten an der Lahn und Mosel erbaut haben soll und 1660 die Be- 
lehnung in der Niedergrafschaft zuerst erhielt. Das Holz galt damals nur einige 
Albus die Klafter. Seit der Zeit sind die Waldungen zurückgegangen, so dass 
jetzt schon 20 bis 24 Gulden für das Fuder Kohlen bezahlt worden sind." 

In einem Aktenstück des hiesigen Archivs aus annähernd derselben Zeit 
heisst es: „Jean Mariot hat den ersten Fuss in den gemeinschaftlichen Flecken 
Ems gesetzt und durch die durchlauchtigsten Häuser Hessen und Nassau die 
Erbbestände über dortiges Bergwerk und neu aufgerichtetes Hüttenwerk erhalten." 

Da der alte Mariot seine beiden ältesten Söhne Walther und Johann 
bereits zu seinen Lebzeiten zu Mitarbeitern herangezogen und in alle Geschäfte 
eingeweiht hatte, so konnten diese die Unternehmungen des Vaters in seinem 
Geiste fortführen und veranlasste sein Ableben um so weniger Störung, als die 
Ijoilibriefe kluger Weise bereits auf die Namen dieser Söhne ausgestellt waren. 

Die öfter genannten älteren Söhne W a 1 1 h e r und Johann waren aber 
keineswegs die einzigen Kinder, die der alte Mariot hinterliess, ausser diesen 
waren noch zwei jüngere Söhne, Peter Michael und Bertram, sowie eine 



^) P. E. Klip stein, Mineralogischer Briefwechsel II. 327. 



236 

Tochter, die später als Ehefrau des Hüttenmeisters Eberhard Franz B o u i 1 1 e 
erscheint, da. Zunächst führten die beiden älteren Sölme die Geschäfte weiter. 
Im Jahre 1671 erteilte Kaspar von der Leyen, Kurfürst von Trier, als 
Vormund seiner beiden minderjährigen Neifen den Mariots die Konzession, auf 
einer zu der von der Leyen'schen Herrschaft gehörigen Insel des Lahnflusses 
unterhalb des Ortes Nie vorn eine Eisenhütte erbauen und den Wasserlauf 
der Lahn hierfür benutzen zu dürfen. Alsbald wurde ein Hochofen, ein Hammer- 
werk und die dafür nötigen Kanäle erbaut. 

Leider verstarb der tätige Johann Mariot, „der Jüngere" genannt, bereits 
im Jahre 1676. Sein Bruder Walther überlebte ihn nur wenige Jahre; er starb 
1679. Da er dem geistlichen Stand angehörte, war er ehelos geblieben. Sein 
Bruder Johann hiuterliess dagegen eine Witt we Susanna Catharina 
Mariot, geborene G all oder deGal und zwei minderjährige Söhne Franz 
und Anton. Ihre Mutter war eine umsichtige, tatkräftige Frau, welche die 
Verwaltung des umfangreichen Besitzes mit sicherer Hand führte. Bald nach 
dem Ableben ihres Gemahls richtete der Amtmann von Braubach ein Gesuch 
an den Landgrafen, dass der Witwe gestattet werden möge, die Eisenhütte bei 
Katzenelnbogen, die einige Jahre stillgestanden hätte, wieder in Betrieb setzen 
und -'li Stunden unterhalb des Fleckens bei dem Dorfe Klingelbach eine Erz- 
wäsche anlegen zu dürfen. 

Am 18. Mai 1677 bat die Witwe Mariot „Susanua Catharina Gal refue 
de feu, Jean Marioth", unter Übersendung einer Abschrift des Erbleihbriefes, 
den Landgrafen zu Darmstadt, ihr und ihren Kindern das Graben von Eisen- 
stein u. s. w. in der Herrschaft Katzenelnbogen wie früher gestatten zu wollen. 
Ein Schreiben des Landgrafen von demselben Tag, an den Förster zu Katzen- 
elnbogen gerichtet, erlaubte, dass die Witwe Mariot die Erzwäsche, die in- 
zwischen von dem Amtmann Forst inhibiert worden war, wieder in Betrieb 
nähme, doch „ohne Schädigung unsres Forellenwassers und der Unterthanen". 
Am 1. Oktober 1677 erfolgte die Erneuerung des Erbleihbriefes durch den 
Lando-rafen Ludwig. Es wird darin ausgeführt, dass Johann Mariot aus Lüttich, 
Hüttenmeister zu Montabaur selig und dessen beiden Söhnen Walther und Johann 
schon vor Jahren von seinem Vater das Recht, in seiner Niedergrafschaft Katzen- 
elnbogen zu schürfen und zu graben, erteilt worden sei, infolgedessen sie das 
Bergwerk genannt Mühlenfeld aufgetlian und gebaut hätten und dass „nun- 
mehr nach bemeldet Johann Mariots tödlichem Hintritt, dessen Wittwe Susanna 
Catharina Gal gebeten, sie und ihre Kinder mit dem Bergwerk zu belehnen." 
Dies wird unter folgenden Bedingungen bewilligt. Sie sollen das Bergwerk auf 
dem Mühlenfeld nach bestem Vermögen bauen, jedoch ohne Jemandes Schaden ; 
sie sollen berechtigt sein, dasselbe zu verkaufen, zu verpfänden, zu verleihen 
oder auf andere Weise zu begeben, aber mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, 
dass es ohne des Landgrafen ganz spezielle Bewilligung an keinen Ausländischen 
überlassen werde. Den Erzzehnten sollen sie wie berggebräuchlich entrichten. 
Die Herrschaft behält sich den Vorkauf dos ausgebrachten Metalles „zu etwas 
leidlicherem Freiss als Fremden" vor. Die Anlage eines Waschwerks wird 
genehmigt „ungehindert der an der Gemeinde wegen causierter Ungelegenheiten 



237 

nach getrofFenom Vcrgloicli jährlich auf Martini zu zahlenden 3 ßeichsthaler." 
Wegen der etwa erschürften Erze und edlen Metalle wird der gleiche Vorbehalt 
gemacht wie früher. 

1678 starb Landgraf Ludwig VL, infolgedessen musste der Leihbrief 
wieder erneuert werden. Dies geschah am 31. Juli 1679 durch seine Witwe 
Landgräfin Dorothea als Vormünderin ihres Sohnes, des noch unmündigen Land- 
grafen Ernst Ludwig.'^) Darin wird bestimmt, dass die Herrschaft den Zehnten 
auch Yon dem geschmolzenen Metall gegen Erstattung des zehnten Pfennigs der 
Hüttenkohlen verlangen könne. 

In diesem Jahre begannen die Beschwerden wegen der Eisensteinwäsche 
bei Katzenelnbogen. 

Inzwischen war der Mariotische Bergwerks- und Hüttenbesitz in zwei 
Gruppen geteilt worden. Dies hatte der alte Mariot schon dadurch vorbereitet, 
dass er die hessischen und nassauischen Beleihungen im Namen seiner beiden 
älteren Söhne Walther und Johann genommen hatte. Diesen fielen alle Be- 
sitzungen im Hessischen, Kurmainzischen und Arnsteinischen zu, während die 
jüngeren Kinder Peter Michael, Bertram und die Tochter Frau Bouille die Be- 
sitzungen im Kurtrierischen Amte Montabaur und der Vogtei Ems erhielten. 
Dies wird bestätigt durch eine Petition des „Peter Michael Mariot und seiner 
Kompagnie" vom 7. Juni 1691. Er erinnert unter Bezugnahme auf den 
Mariotischen Leihbrief vom 26. September 1662 daran, dass sie von militärischer 
Einquartierung und Frohndienst befreit seien, sowie auch ihre Arbeiter, sofern 
sie nicht Untertanen seien. Trotzdem hätte die Gemeinde zu Embs sich 
unterstanden, ihre Schmelzhütte mit Kriegseinquartierung zu belegen , auch 
Geldvorschuss für gelieferten Hafer, Heu und Verpflegungskosten von ihnen 
gefordert. Diese Beschwerde war gerichtet an Ludwig, Landgraf zu Hessen 
und Friedlich Wilhelm, Fürst zu Nassau, Graf zu Katzenelnbogen, Vianden, 
Diez etc. 

Nachdem die beiden jüngeren Söhne des alten Mariot im Jahre 1693 ohne 
männliche Nachkommen gestorben waren, trat diese Vermögensteilung noch 
deutlicher hervor, nachdem der Besitz an deren Witwen übergegangen war. 

Die Witwe von Bertram Mariot, Ida Katharina geborene Weickel war 
kinderlos, die Witwe von Peter Michael Mariot, Maria Laurentia geb. Malaise 
hatte drei Töchter. 

Im Mannesstamm wurde die Mariotische Familie nur durch Johann Mariot 
den Jüngeren erhalten, dessen Witwe Susanna Catharina geb. de Gal von ihm 
zwei Söhne Johann Franz und Anton hatte. Obgleich die Witwe des Johann 
Mariot die Erbschaft ihrer Kinder mit Klugheit verwaltete, wurde sie doch 
in verschiedene Streitigkeiten verwickelt. Der erste und längste Zwist entstand 
mit dem R e i c h s k r i e g s k o m m i s s a r K o c h, Besitzer der Eisenhütte zu 
Hohenrhein bei Niederlahnstein. 



^) Von diesem Leihbrief befinden sich mehrere Abschriften bei den Akten der Familie 
Mariot im Xass. Staatsarchiv, 

16 



238 • 

Diese Hütte war 1679 auf tnerischem Gebiet gegründet worden. Am 
2. Dezember dieses Jahres hatten sich Lorenz Giessen, Johann Conrad Koch 
und ein Niederländer Weinand Charles Nottemann verpflichtet, jährlich 200 Rtlr. 
für die Erlaubnis, zwischen Mosel und Rhein nach Eisenerz graben zu dürfen 
„für ihre vorhabende Schmelz- und Hammerhütte an den Kurfürsten von Trier 
auf dessen Grund zu erbauenden Hütten" zu bezahlen. Giessen und Nottemann 
zogen sich bald von dem Unternehmen zurück: Koch, der durch seine Stellung 
und Verbindungen besonders auf grosse Munitionslieferungen hoffte, blieb der 
alleinige Besitzer der Hohenrheiner Hütte. Er litt aber Mangel an Eisenstein 
und suchte deshalb seit 1681 in Amte Braubach Eisenstein zu gewinnen, 
wodurch er mit den Mariots, die dies für einen Eingriff in ihr verliehenes 
ausschliessliches Recht erklärten, in Streit geriet. 

Ein anderer Zwist entstand der Witwe mit den jüngeren Brüdern des 
verstorbenen Johann Mariot: Bertram und Peter Michael Mariot und dem 
Schwager Gerhard Franz Bouille, die gemeinschaftlich im Jahre 1682 bei der 
verwitweten Landgräfin Dorothea vorstellig geworden waren, dass ihnen „in 
dem Gewälds Braubach für ihre Hüttenwerke nöthiges Kohlholz gegen billigen 
Preiss und baare Zahlung verabfolgt werde". 

Doch hatten sie damit keinen Erfolg. Ihr vorgeblicher Anspruch wurde 
abgewiesen, weil nur den Erben des Johann Mariot des Jüngeren ein Recht 
darauf zustände. 

Aus den Akten ergibt sich, dass die Erben des Johann Mariot im. Jahre 1686 
auch bei Kirdorf (meist Gördorf geschrieben) im benachbarten Vierherrischen 
eine Eisenhütte hatten. Die hessische Beleihung wurde an den Landgraf Ernst 
von Hessen-Rotenburg-Rheinfels erteilt und lautete: „Von Gottes Gnaden Ernst, 

Landgraf von Hessen, Fürst zu Hersfeld u. s. w Es hat uns Johann 

Marioths hinterlassene Wittib Frau Susanna Catharina de Gal zu vernehmen 
gegeben, dass sie ... . für ihre Eisenhütte bei Gördorf**) unseres Holzes und 
Eisenerzes zu begehren für nöthig befunden in unserer Niedergrafschaft Catzen- 
elnbogen", was ihr und ihren Söhnen Johann Franz und Anton hierdurch ge- 
nehmigt wird. 

Am 14. Mai 1688 verstarb Anton Mariot, der zweite Sohn von Johann 
Mariot dem Jüngeren. In dem Nekrologium der Abtei Arnstein heisst es unter 
dem 4. Mai: commemoratio domini Antonii Mariot de nostro conventu bene 
meriti, qui anno 1683 omnibus sacramentis rite munitus Parisiis obdormuivit 
in Domino. Hieraus und aus dem Umstand, dass er unverehelicht blieb, lässt 
sich vermuten, dass er wie sein Oheim Walther dem geistlichen Stande an- 
gehört hatte. 

Am 27. September 1688 wurde der Mariotische Erbleihbrief von Landgraf 
Ernst Ludwig von Hessen, nach seinem Regierungsantritt, erneuert und zugleich 
die infolge des Streites mit dem Kriegskommissar Koch am 16. Mai der Witwe 
Mariot, deren Kinder und Erben erteilte Berechtigung, dass sie für neue Berg- 



*) Möglicherweise ist hiermit die Marioth'sche Eisenhütte zur Haarmühle gemeint, die 
nicht weit von Kördorf entfernt war. 



239 

werke, die sie in hessen-clarmstäcltischein Gebiete anlegen, die gleichen Rechte 
haben sollen wie auf dem Mühlenfeld und dass ihnen Kohlholz aus dem Kirch- 
spiel Katzenelnbogen vor anderen um billigen Preis gegönnt sein soll. 

Der Kriegskommissar Koch hatte nicht aufgehört, gegen die Mariots zu 
hetzen und durch glänzende Vorspiegelungen war es ihm gelungen, das Ohr des 
jungen Landgrafen zu gewinnen und ihn zu überreden, sich mit ihm als Mit- 
gewerke bei der Hohenrheiner Hütte zu verbinden. Es scheint, dass die 
Mariots ihre Eisenhütte bei Katzenelnbogen um diese Zeit nur schwach betrieben 
hatten, infolge dessen sich die Einnahme der Herrschaft an Zehnten verminderte. 
Koch nutzte dies zu seinem Vorteil aus und die landgräflichen Beamten unter- 
stützten ihn. Die Kammerdirektion in Darmstadt forderte die Mariots zum 
Bericht auf. 

Im Frühjahr 1690 gab sich Koch die grösste Mühe, den Landgrafen für 
sein Unternehmen zu gewinnen. Er sandte ausführliche Berichte, Betriebs- 
und Gewinnberechnungen ein. Darin führte er aus: „Erstlicher, das Catzen- 
elnbogensche Reichs-Eysen-Bergwerk, obgleich es an die Wittwe Jean Mariot 
und Söhne verliehen worden, so steht es doch ohne Verletzung des Contraktes 
Sr. hochfürstl. Durchlaucht frei, an das Bergwerk auch daneben zu senken, 
das Erz zu ziehen und selbiges die Lahn bei Ahrenstein durch deren katzen- 
elnbogensche Unterthanen, von dannen durch die Embsser Schiffleuth um^ ein 
billiges und weit geringeres als Fremde nach der Hütte abführen zu lassen. 
Massen die Marioten ihr Erz von Ballenstein (Balduinstein), also noch viel 
höher die Lahn herab nach Embss und so fort zu ihrer Hütte, die eine Stunde 
fernerer gegen Wald oberhalb Embss gelegen ist, aus dem Schiff wieder auf 
die Achs zu führen haben; da hingegen zu Hohenrhein gleich bei der Hütte 
abgeladen würde." Zweitens: Dasselbe gälte von den Kohlen aus dem Katzen- 
elnbogenschen. Drittens: Die Wälder von Biaubach und Ems läg-en erünstio-er für 
Hohenrhein. Viertens stellt Koch folgende schöngefärbte Gewinnberechnung; auf: 



QV^UV^V. ^V.lX^.X.j,^ 



Ausgaben: 

2 V2 Fuder Eisenstein zu gra- 
ben, zu fahren, zu rösten, 
zu brechen und zu waschen 

2 Fuder Kohlen, für Holz- 
hauen, Brand- und Fuhr- 
geld 

Für Fluss- oder Kalkstein 
höchstens 

Für Hüttenarbeiter- und 
Schreiberlohn .... 

Extrakosten und Reparaturen 

Summa der Kosten . ISRtlr. 

Würden Granaten, Carcassen etc. Livrement gegossen : Nutzen bis 30 Rtlr. 
täglich, pr. Monat 900 Rtlr. 

16* 





Einnahmen: 






Erzeugung 4000 Pfund, doch 






nur 3600 berechnet. Blat- 




8 Rtlr. 


ten, Tackchen, Oeffen, 
Kugeil, Geussen und dar- 
bei ordinari Gusswaar je- 




5 „ 


derCentner auf mindestens 
4 Kopfstück wohl öfter 




V'2 „ 


mehr 


32 Rtlr. 




ab Kosten . 


18 „ 


372 „ 


täglicher Gewinn . 


14 Rtlr. 


1 » 


pro Monat . 


420 „ 



240 

Durch die günstige Lage von Hohenrhein würde aber der Nutzen viel 
höher bis 1800 Rtlr. Seither seien zu Hohenrhein nur 30 Ztr. täglich ge- 
schmolzen worden. Die Mariots zu Katzenelnbogen schmelzen aber täglich 
40 Ztr., deshalb seien 36 Ztr. nicht zu hoch gegriffen. 

„Letzlichen ist das Hüttenwerk zu Hohenrhein ganz frei, adelig und 
Eigenthümblich, so nur nach Friedberg zur Reichs-Rittersteuer ein geringes 
beiträgt. Hat auch die Gerechtigkeit des Wassers von 300 Jahren hergebracht. 
Dahingegen alle anderen Marioten-Hütten entweder gar bürgerlich oder doch 
lehnbar und so oneros seiend, dass sie antheils Ortheu bis 100 Rtlr. jährlichen 
Grund- und Wasserzins auff der Lohn entrichten müssen und mit allen Gebäuwen 
dem Landesherrn verfallen sind." 

Holzmangel könne nicht eintreten. Die Mariots, die das Holz aus den 
herrschaftlichen Waldungen zu Braubach, Katzenelnbogen und Ems bezögen, 
hätten immer noch Holz genug zu ihren Hütten und Hämmern den Rhein 
herabgeführt. Das Unternehmen würde in den nächsten 3 Jahren sicherlich 
immer besser werden und viel mehr ergeben als die Mariots jemals erzielt 
hätten. Diese betrieben zwei Hütten zu Katzenelnbogen und führten Guss- 
waren und das geläuterte Eisen zu ihren Hämmern den Rhein herunter. Koch 
berechnete, dass er 150000 Pfund Gusswaren im Jahr machen würde. 

Infolge der günstigen Fracht würde der Nutzen mindestens 2 Kopfstück 
für den Zentner mehr als wie der der Mariots betragen. Diesen könne man 
den holländischen Handel, den sie inne hätten, ganz entwinden 
zu viel grösserem Nutzen der Herrschaft. — Für das Geschäft nach Holland 
hielt er sich durch seine Stellung und seine Kenntnisse für besonders befähigt. 

Durch solche verlockende Vorspiegelungen veranlasste Koch, des Land- 
grafen Ernst Ludwig sein Mitgewerke zu werden. Am 14. September 1690 
wurde zwischen beiden ein Kaufkontrakt geschlossen. Danach soll die Hohen- 
rheiner Hütte 3 Jahre lang gemeinschaftlich betrieben werden. Erweise sich 
alsdann annähernd eine Rentabilität, wie sie Koch angegeben hatte, so würde 
der Landgraf von Hessen die Hütte zum Preise von 40 000 Rtlr. käuflich über- 
nehmen. Yon dieser Summe wären vorab 2000 Rtlr. an Freiherrn von Metternich 
und 20000 Rtlr. an den Hof Juden Isaac in Frankfurt für ihre Vorlagen, der 
Rest von 18 000 Rtlr. in 4 Jahren jährlich zu ein Viertel an Koch zu zahlen. 
Sollte der Gewinn weniger als 4000 Rtlr. ergeben, so hätte der Landgraf das 
Recht, sie zu einem entsprechend geringeren Preis zu übernehmen. Sollte aber 
das Werk keinen Gewinn bringen oder mit Schaden arbeiten, so sollte der 
Landgraf nicht gebunden sein, dasselbe zu übernehmen. 

Dieser letztere Fall trat ein. Die Hoffnung auf grossen Gewinn erwies 
sich als eine Täuschung. Bereits nach zwei Jahren ergab die Ende 1692 auf- 
genommene Inventur eine Verschuldung von 39 100 Rtlr. einschliesslich der 
Forderungen an Metternich und den Juden Isaac, die mit Zinsen auf 23 300 Rtlr. 
aufgelaufen waren. Diesen Passiven standen an Vorräten, Werkzeugen, Modellen 
und Formen nur ein Wert von 3400 Rtlr. als Aktiva gegenüber. Das war 
das Ende des schönen Luftschlosses. Die Hohenrheiner Hütte ging ein. Die 
20 000 Rtlr.j die der Hof Jude auf Veranlassung des Landgrafen vorgeschossen 



241 

hatte, musste dieser bezahlen. Das erste Kapitel der Geschichte der Hohcn- 
rheincr Hütte war damit beendet, die Fortsetzung werden wir später kennen lernen. 

Der Schaden, den der Ivi-iegskommissar Koch und die Konkurrenz der 
Hohenrheiuer Hütte der Familie Mariot zugefügt hatte, war an und für sich 
nicht gross, aber es war hierdurch zum erstenmal eine Störung in das gute 
Verhältnis zu dem Landgrafen und noch mehr zu seinen Beamten herbeigeführt 
worden und diese Störung wirkte lange nach. Im Jahre 1691, als Koch seine 
Musterwirtschaft zu Hohenrhein begann, wäre es fast zu einem Bruch mit den 
Mariots gekommen. Diese wurden beschuldigt, einen grossen Handel mit Eisen- 
stein zu treiben, ohne den Zehnten zu entrichten. In einem Schreiben des 
Kammerdirektors wurde der landgräfliche Keller zu Braubach deshalb beauftragt, 
die Schächte der Bergwerke zu schliessen und den Betrieb so lange zu inhibieren, 
bis nachgewiesen sei, dass der Zehute richtig bezahlt worden sei. — Hiergegen 
legte N. Bernard, Kommis der Witwe Mariot, in einem in französischer Sprache 
geschriebenen Schriftstück Verwahrung ein. Er führte aus, die Mariots seien 
bereit zu beschwören, dass der Zehute richtig von ihnen entrichtet worden sei ; 
sollte sich eine Differenz herausstellen, so seien sie bereit, dieselbe in natura 
mit Eisenerz von Ballenstein zu ersetzen. — Dieses strenge Vorgehen war von 
dem Kriegskommissar Koch veranlasst, weil er den Mariotischen Zehntstein auf 
der Hohenrheiner Hütte verschmelzen wollte. Die Feindseligkeiten zwischen 
Koch und Mariot übertrugen sich sogar auf ihre Bergleute. 

Am 4. März 1691 schrieb der Amtskeller zu Braubach, er habe zwar die 
Portführung der Mariotischen Bergwerke genehmigt, den geförderten Eisenstein 
aber einstweilen mit Arrest belegt. Eine Abrechnung über den Zehntstein ist 
beigefügt. 

Um diese Zeit verstarb die Witwe Mariot geborene de Gal. Ihr Sohn 
Jean Fran^ois (Johann Franz) erbte das ganze grosse Vermögen. Mit diesem 
erbte er auch den Streit mit Koch, der andauerte, so lange dieser die Hohen- 
rheiner Hütte betrieb. Im Frühjahr 1691 beklagt sich Jean Frangois Mariot 
über Attentate der Koch'schen Hüttensozietät und verlangt, dass dieser das zu 
seinem Nachteil betriebene Bergwerk nicht vergönnt werde. Er solle jetzt den 
Erzzehnten in natura und nicht wie seither in Geld liefern, nur, damit die 
Koch'sche Hütte Eisenstein bekomme. Die Koch'sche Verwaltung habe diesen 
Stein widerrechtlich von der Halde fortgeholt, obgleich ihm doch nach dem 
Leihbrief das Vorrecht daran zustehe. Anders wäre es ja, wenn die Herrschaft 
selbst 3 bis 4 „Gucksen" baue. Die Hohenrheiner Hütte werde aber nicht 
von der Herrschaft, sondern von der Koch'schen Sozietät und Frankfurter 
Juden betrieben. Gegen alles Bergwerksrecht sei jenen genehmigt worden, 
Schächte aus 8 Klafter von den seinigen anzusetzen und mit diesen seine Erze 
abzubauen. Hieraus müsse der Kuin seines Bergwerks resultieren. 

Am 18. Juli 1691 erliess der Landgraf den Befehl, die Koch'schen Bergleute zu 
ermahnen, mit ihren Anlagen mehr als 8 Klafter von den Mariotischen Schächten 
entfernt zu bleiben. Dagegen schrieb die hessische Kammerdirektion am 
4. Oktober an den Keller zu Braubach, der Mariotische Zehntstein sei an die 
Koch'sche Hütte zu liefern. Es stehe dem Fürsten frei, den Zehntstein in 



242 

natura zu fordern. Mit dem Mariotischen Zehntstein könne die Koeh''sche 
Hütte ziemlich in Nahrung erhalten werden. 

Mit dem Zusammenbruch des Koch'schen Unternehmens Ende 1692 endete 
auch dieser Streit, wenn auch nicht sogleich. Denn am 19. April 1693 schreibt die 
Darmstädter Kammer an den Keller zu Braubach, es habe sich herausgestellt, dass 
seit 8 Jahren von den Mariots nicht das zehnte, sondern das elfte Maass gestürzt und 
geliefert worden sei und solle der Keller für die Ausgleichung der Differenz sorgen. 
Auch der von Koch angeregte Gedanke, dass der Landgraf viel mehr gewinnen 
könne, wenn er selbst eine Eisenhütte betreibe, verschwand nicht sofort. In 
den Jahren 1695/96 wurden Erhebungen wegen Anlage einer herrschaftlichen 
Hütte bei Katzenelnbogen angestellt, doch wurde damals ermittelt, dass das 
Wassergefälle zu schwach sei. Musste doch selbst die Mariotische Eisenhütte 
auf der Haarmühle öfter wegen Wassermangel still liegen. Man liess das 
Projekt fallen und hiernach wurden auch bald die alten guten Beziehungen 
zwischen der landgräflichen Regierung und Johann Franz Mariot wieder her- 
gestellt. Letzterer erweiterte seine Hüttenanlagen bei Katzenelnbogen und 
Weinähr, 1695 wurde ihm das Eisensteinbergwerk „Kuheiche" im Birlenbacher 
Wald für 40 ßtlr. jährlichen Zins auf 20 Jahre verliehen. Die gewonnenen 
Erze machte er auf seiner Eisenhütte bei Weinähr zu gute.'-*) 

Am 10. Februar 1696 berichtete der Amtmann Forst zu Braubach an die 
darmstädtische Hofkammer: „es habe Franz Mariot von Weinähr auf seiner 
Eisenhütte, der also genannten Haarmühle allhier zur vorgebenden Nothdurft 
seiner Arbeiter eine Mahlmühle, Bierbrauerei, Brandwcin-Brennerey und Bäckerei 
jetzo angelegt. Diese sei angeblich auf Grund des Lehnbriefes abgabefrei, 
wodurch sich die Gemeinde beschwert fühle." Franz Mariot behauptete sein 
Recht und wies ausserdem nach, dass die Haarmühle freiadeliger Besitz sei, 
der von altersher den Herren von Klingelbach gehört habe. Von diesen hätten 
ihn die Herren von Riedesel geerbt, von denen ihn vor etlichen 30 Jahren 
der kurfürstlich Trierische Kanzler von Sohler käuflich erworben und ihn dann 
seinem Vater Johann Mariot verkauft habe. Demnach sei das Gut ohnedies 
abgabenfrei. Amtmann Forst empfiehlt am 9. August 1696 sich mit einer 
Rekognitionsgebühr zu begnügen. 

Zu den obenerwähnten Bauten, die auf einen verstärkten Betrieb der 
Eisenwerke schliessen lassen, hatte die landgräfliche Regierung ihre Zustimmung 
gegeben. Ebenso stellte sich diese auf Franz Mariot's Seite, als im Jahre 1696 
seine beiden Tanten Mariot, die Witwen der beiden jüngeren Brüder seines 
Vaters, Anteil an seinem Besitz im Hessischen beanspruchten. Veranlassung 
dazu hatte ein Hol/kauf Franz Mariot's von 500 Klaftern aus dem Walde der 
Gemeinde Gutenacker gegeben, wogegen die Witwen Einsprache erhoben, weil 
sie dieselben Rechte hätten. Bei dieser Gelegenheit griffen sie die Vorrechte 
Franz Mariot's im hessischen Gebiet prinzipiell an. „Itta (Idu) Catharina 
Weickel und Maria Elconora Malaise, des Bertram und Peter Michael Mariot 
nachgelassene Witwen zu Valcndar und Lück (Lüttich) klagen en compagnie 



i 



*) Bochor, Minoralogische Beschreibung der Oranisch-Nassauischen Lande S. 42, 



243 

gegen ihren cousin Jean Franoois Mariot." Sie verlangen Anteil an der Be- 
leihung ohne Bevorzugung des Letzteren, die Zurückziehung des einseitigen 
Leihbriefes und Ausfertigung eines neuen. Sie behaupten, als Erben von Jean 
Mariot dem Älteren die gleichen Rechte an der Erbleihe von 1662 zu haben. 
Ihr cousin hab" einen neuen Leihbrief erhalten, auf Grund dessen er sich das 
Bergwerk^^) allein aneignen wolle. Die Gemeinde Guthenacker habe ihnen 
widerrechtlich Holz verweigert und dasselbe anderweit verkauft. — Dieser 
Klageschrift ist ein Kaufkontrakt der Gemeinde Ems mit Wernero de Lardino, 
Hüttenschreiber der Mariotischen Kompagnie^*), beigefügt. 

Eine spätere Beschwerde der Witwen „contra Johann Franz Marioth zu 
Coblenz" verlangt sogar die „diffamation^' desselben und Aufhebung der Erbleihe. 

Die hessische Kammer gab diesen Forderungen keine Folge, sondern 
bestimmte, dass es bei dem früheren votum, d. h. bei der Gültigkeit des Leih- 
briefes zu verbleiben habe. Ln übrigen möchten sich die Familienangehörigen 
verständigen. Dieses geschah in der früher schon angegebenen Weise, dass die 
Erben der jüngeren Geschwister, die eine Kompagnie gebildet hatten, den Besitz 
im Trierischen und in der Vogtei Ems erhielten, während die Besitzungen im 
Katzenelnbogenschen, Arnsteinschen, Mainzischen und Vierherrischen Franz 
Mariot als Erben der beiden älteren Brüder verblieben. 

Im Jahre 1696 wurde Johann Franz Mariot in den freien 
deutschen Reichs ritterstand erhoben, nachdem er das reichsritter- 
schaftliche Gut Langen au durch Kauf erworben hatte. Das aitberühmte 
Rittergeschlecht der Herren von Langenau war 1613 ausgestorben. Ihre Be- 
sitzungen fielen an die Herren von Elz-Rübenach und kamen von diesen an 
die Familie von Wolff-Metternich zur Gracht. Von diesen kaufte sie Johann 
Franz Mariot zu Weinähr am 9. August 1696. Seine Vermählung mit Clara 
Catharina Eleonora vonSohlern, einer Tochter des hochaugesehenen 
kurtrierischen Kanzlers von Sohlern, welcher der Reichsritterschaft angehörte und 
im Trierischen, Nassauischen und Mainzischen begütert war, hatte hierzu die 
Veranlassung gegeben. 

Das Gut Langenau war ein kurkölnisches Lehen. Der Konsens des 
kölnischen Lehnshofes zur Übernahme des Gutes wurde am 17. Februar 1698 
in Bonn erteilt. Weil das um diese Zeit geborene erste Kind eine Tochter 
war, beantragte 1698 Freiherr Johann von Mariot zu Langenau, wie er von 
jetzt an heisst, das feudum masculinum in ein feudum promiscuum zu ver- 
wandeln. In demselben Jahre erbaute Franz von Mariot in den verfallenen 
Umfassungsmauern der alten Burg ein stattliches Herrschaftshaus, das noch 
steht, wenn auch unbewohnt und nur landwirtschaftlichen Zwecken dienend. 
Es zeigt im Innern französischen Geschmack. Gleich in der geräumigen Vor- 
halle befindet sich ein schönes Kamin mit gusseiserner verzierter Rückplatte 
(Tacken); über dem Marmorsims ist in schöner Schrift zu lesen: 



*") In der Vogtei Ems. 

") Die Unterschrift lautet: Lardin, au nom de Mad. les Veuves Mariotte et Compagnie, 



244 

Sustiiic ot Abstine 
Medium Teniiere 
Beati. 
Eine Mahnung, die von den späteren Herrn von Langeuau täglich gelesen, 
aber niemals befolgt wurde. 

Über der Haustüre befindet sich ein in Sandstein gehauenes ovales Wappen- 
schild, rechts mit dem von Mariotischen, links mit dem von Sohlern'schen Wappen 
und der Unterschrift: Johann Frantz Edler Herr von Mariot von und zu Langenau 
und Clara Eleonore Freyin von Solllern 1698. 

Dieses war die Zeit des höchsten Glanzes und des grössten Wohlstandes 
des Hauses Mariot, dessen einzigen männlichen Vertreter Johann Franz von 
Mariot man weit und breit als den reichen, glücklichen „Fundgrübner" pries. 
Die Zeit ungetrübten Glückes dauerte aber nur kurz. Am 28. Januar 1704 
verstarb in ihrem 30. Lebensjahr die Gattin Freifrau von Mariot, nachdem sie 
ihrem Gatten 3 Kinder, 2 Söhne und eine Tochter geboren hatte, die sie in 
zartem Alter zurückliess. 

Franz von Mariot war ein tätiger, unternehmender Mann, der darauf be- 
dacht war, seinen Besitz zu mehren und den Glanz seines Hauses zu erhöhen. 
Durch seine vornehmen Bekanntschaften und adligen Familienverbindungen wurde 
aber sein Interesse mehr auf den Erwerb herrschaftlicher Güter als auf die 
Pflege und Ausdehnung seiner Berg- und Hüttenwerke, den eigentlichen Quellen 
seines Reichtums, hingelenkt. Er erwarb eine Anzahl solcher Besitzungen 
nicht sowohl aus wirtschaftlichen Gründen, als um seinen adligen Besitz und 
sein Ansehen zu vermehren. Das Gut Langenau vergrösserte er durch den 
Ankauf von Metzenau am 13. April 1707. Ln Jahre 1709 kaufte er einen 
grossen freiadligen Hof zu Geisenheim von der Familie von Sickingen, an die 
er von den Herrn von Brömser gekommen war. Hierzu gehörte auch noch 
ein Gut zu Gaulsheim auf der anderen Rheinseite, wofür er Matrikularbeiträge 
an die Oberrheinische Reichsritteischaft zu entrichten hatte. Ein anderes schönes 
freiadeliges Gut zu Erbach im Rheingau erwarb er am 8. März 1709 von 
Franz Friedrich von Sickingen; dieses Gut war früher eine von Sponheim'sche 
Besitzung gewesen. 

Ln ganzen sind unsere Nachrichten aus dieser glänzenden Zeit des ersten 
Freiherrn von Mariot zu Langenau nur spärlich, weil er in wohlgeordneten 
Verhältnissen lebte und mit seinen Lehnsherrn auf gutem Fuss stand, Klagen 
und Prozesse, die unser hauptsächliches Aktenmatcrial bilden, nicht vorkamen. 
Über den frühen Tod seiner Gemahlin gibt uns das Nekrologium des Erz- 
stiftes Arnstein Kenntnis. Es heisst darin unter dem 28. Januar'^): Com- 
memoratio praenobilis dominae Clarae Catharinae de Sohleren, conjugis praenobilis 
domini Francisci de Marrott ex Langcnaw, quae occlesiae nostrae varia donavit 
paramenta. Obiit anno 1704 28. januarii ac in ccclesia nostra prope altaro 
B. V. M. sepulta jacet. Pro loco sepulturae pro sua familia dedit nobis dictus 
dominus de Mariott paramenta serica nigra cum autependio. 



'^) Necrol. Arnatein ed. Dr. Becker in Annalen des Nass, Altertums-Vor. I3d, XYI, S, 55, 



245 

Fi'cifviiii von Mariot war dcninach eine kirchlich gesinnte Dame, die zu 
Lebzeiten dem Stift verschiedene Paramente geschenkt hatte. Sie wurde in der 
Stiftskirche nahe dem Marienaltar beigesetzt und für diesen Begrübnisplatz 
schenkte Johann von Mariot reiche Messgewänder aus schwarzer Seide mit 
Antependiura. 

Aus den vorhandenen Archivalien erfahren wir das Folgende: 

Die Eisensteinbergwerke im Katzenelnbogenschen wurden regelmässig foit- 
betrieben. In einem Schreiben des Landgrafen Ernst Ludwig von 1707 wird 
verfügt, Mariot zu gestatten, mit Schürfen in der Fuchsenhöl fortzufahren, 
doch habe er das Holz, das dadurch Schaden leide, zu vergüten. 1712 tauchen 
Zweifel auf, ob der Zehntstein richtig geliefert werde und sollen die Bergleute 
verpflichtet werden, „bey Verlust des göttlichen Segens trewlich anzugeben", 
den Zehntstein gewissenhaft gestürzt zu haben. 

Eine Beschwerde des Franz von Marioth an die Reichsritterschafts-Kanzlei 
in Friedberg betrifft den angeblich zu hohen Matrikular-Anschlag seines Gutes 
in Geisenheim. — Ein Schreiben der Ritterschaft bezieht sich auf die Ver- 
steuerung des Gutes Langenau und auf begehrten Nachlass einer Kontribution 
an die Krone Frankreich von jährlich 200 Lires. Aus dem Jahre 1716 datiert 
ein Bericht, den herrschaftlichen Forellenbach bei Katzeneinbogen, woran sich 
die Mariot'sche Erzwäsche befand, betreffend und der 12 Gulden Zins, welchen 
selbige Gemeinde von einem für dieses Waschwerk hergegebenen Platz be- 
ansprucht. Letzteres Abkommen sei vor ca. 10 Jahren getroffen worden. 
Ausserdem erhalte die Gemeinde von früher her für die der Gemeinde durch 
das Waschwerk verursachten Ungelegenheiten jährlich 3 Rtlr. von den Mariots. 
— ■ Bei dieser Abfindung beruhigte sich aber die Gemeinde Katzenelnbogen- 
Klingelbach nicht. Sie trug vor, die Mariots hätten ursprünglich mit der 
Kratze gewaschen, später erst hätten sie zum Betrieb der Wäsche ein Rad ein- 
gebaut. Es erscheine fraglich, ob sie hierzu berechtigt waren. Dieses Rad 
bediene aber nicht nur die Wäsche, sondern treibe auch noch einen kleinen 
Hammer zum Zerkleinern der Erze. Das Rad nehme zuviel Wasser fort und 
müssten sie dafür einen höheren Wasserzins beanspruchen. 

Auf diese Forderung der Gemeinde verfügte die Darmstädtische Kammer 
am 2. Mai 1716 zu Gunsten von Johann Franz Mariot, wie folgt: es sei bereits 
früher entschieden worden, dass die Mariots nach dem Leihbrief von 1688 
berechtigt gewesen seien, ein Erzwaschwerk anzulegen, dazu den Bach frei und 
ungehindert zu gebrauchen und es auszurichten, wo es ihnen passe. Dagegen 
seien sie veipflichtet, der Gemeinde für allerlei Behinderung des Baches jährlich 
3 Rtlr. zu bezahlen. Das Rad stehe auf Gemeindeboden, wofür die Mariots 
Pacht zahlten. Wegen des Rades habe eine Abfindung des Michael Hofmann 
von der Gal'schen Mühle stattgefunden. Aus der Benutzung des Wassers könne 
die Gemeinde keinen Anspruch erheben. Es müsse also von der Auflage eines 
weiteren Wasserzinses Abstand genommen werden. 

Auch mit den Landgrafen von Hessen-Rheinfels standen die Maiiots auf 
gutem Fusse. 1716 bestätigten die Landgrafen Wilhelm der Altere und Jüngere 
zu Hessen-Rheinfels dem Erben Johann Franz von Mariot, Freiherr von 



246 

Lano-enuu die von ihrem Vater und Grossvater gewährten Hüttenkonzessionen 
mit folo-enden Worten: „Es hat uns Johann Mariot's hinterlassenc Wittib, Frau 
Susanna Catharina de Gal zu vernehmen gegeben, wessmassen sie zu genüglicher 
Unterhaltung ihrer bei Gördorf (Kördorf) angerichteten Eisenhütte sich nicht 
allein umb mehr Erz, sondern auch Holzes, als sie bereits hätte, zu bewerben 
genöthigt finde und dahero Uns, dass wir Ihr und hierunter bekannten Erben, 
dass sie in hiesiger Unsrer Niedergrafschaft Katzenelnbogen Eysen-Erz auf ihre 
Kosten suchen und graben, sowohl private concedirt als auch den Verkauf von 
Kohlholz, als Buchen- und ohnholtz etc. vor allen Ausländischen haben möchten, 

gnädig vergönnen wollen genehmigen Wir, dass sie auf ihre Kosten 

und ohne Schaden der Unteithanen Eisenerze graben, solche, wenn sie sie nicht 
selbst verschmelzen, erst den Fürsten zum Verkauf anbieten müssen und dass 
sie, als sie für das zum Verkauf stehende Kohlholz zu dem Preiss der fremden 
Käufer bieten, den Verkauf durch die Rentkammer haben sollen (d. d. 4./14.Novbs. 
1686 Rheinfels, Ernst, Landgraf— Bestätigt Langen-Schwalbach, den 10. October 
1716 Wilhelm und Wilhelm der Jüngere, Landgrafen von Hessen)." 

Der spanische Erbfolgekrieg brachte dem Rhein- und Lahngebiet mancherlei 
Kriegsbeschwerden, dem glücklichen Fundgräber Franz von Mariot aber Gewinn, 
denn er verstand es, durch Lieferung von Munition und Kriegsbedarf die Lage 
auszunützen. Auch mit barem Geld half er den bedrängten Fürsten aus. Der 
heimgesuchte Landgraf von Hessen-Rheinfels, der durch die Belagerung und 
Zerstörung der Feste Rheinfels in Not geraten war, wandte sich an Mariot. 
Dieser lieh Wilhelm dem Älteren erst 10000 fl., wofür ihm am 28. September 
1716 eine Hypothek ausgefertigt wurde; im folgenden Jahre lieh er demselben 
weitere 12 000 fl. (oder 8000 Rtlr. zu 90 Kreuzer), wofür er am 2. August 
1712 eine zweite Hypothek erhielt. Verpfändet waren Waldungen in der Weise, 
dass ihr Ertrag für Zinsen und Kapital aufkommen sollte. Das Geld ver- 
wendeten die Landgrafen zum Wiederaufbau und zur Ausrüstung der Feste 
Rheinfels. Zum Dank „insonderheit bei denen einige Jahre über wegen reoccu- 
pation Unsres Eigenthums der Vestung Rheinfels und zugehörigen Landes 
Troublen durch öfter an Uns gutwillig gethanener nahmhafter Anlehen .... 
so wie wegen seiner treuen devotion an unser Interesse" ernannte Landgraf 
Wilhelm der Jüngere den Johann Franz von Mariot zum „Adlichen wirklichen 
Geheimenrath", mit welcher hohen Ehrenstclle ein Jahresgehalt von 500 Gulden, 
welche die Ämter Hohenstein und Reichenberg zu gleichen Teilen aufzubringen 
hatten, verbunden war. 

Ausserdem kief Mariot öfter grosse Posten Holz aus den landgräflichen 
Waldungen, besonders in den Ämtern Schwalbach, Reichenberg und Hohenstein, 
wofür er das Geld vorausbezahlte, weshalb er meist im Vorschuss war. So 
gestattete z. B. Landgraf Wilhelm von Hessen am 28. September 1718 .,dem 
edlen unserem nunmehrigen würklichen geheimen Rath Johann Franz von 
Mariüth, Herrn zu Langcnau noch auf eine Parthic Kohlholz von und umb 
Tausend Reich stlialern nach unserm bereits hicvor mit ihm aufgerichteten 
Contract in der ncmlichen anzahl und maass auf unsere Waldungen zu Laufen- 
seiden zu nehmen und wenn dies nicht ausreicht, in anderen Hecken und an 



247 

deo Hoffen bcy uud lunb Höllenstein bis zu der verglichenen Summe von 
3600 Klaftern und eines Hundert in den Kauf nach Inhalt vorigen Contraktes 
zu schlagen, wofür er 1000 Rtlr. baar bezahlt hat. Hierüber quittirt — Wien, 
den 28. September 1718 Wilhelm, L. Ct. von Hessen." 

Gleichzeitig wird das Forstamt der Niedergrafschaft Katzenelnbogen an- 
gewiesen, diese 3700 Klafter Kohlholz aus genannten Waldungen zu verabfolgen. 
Diese Darlehen und Vorschüsse au die Landgrafen brachten Mariot mehr- 
fachen Vorteil, ausser guten Zinsen, billigen, reichlichen und bequemen Holz- 
bezug für seine Eisenhütten. Hierzu kam noch der weitere Nutzen, dass er 
grosse Quantitäten Eisen für Bauten, Munition etc. zu gutem Preise lieferte. 
Hierüber befinden sich eine Anzahl Quittungen im Archiv. In einer derselben 
vom 7. Juni 1719 werden aufgeführt: 

11995 Stück eiserne Kugeln im Gewicht von V/2 bis 22 V2 Pfd. 
20000 „ Handgranaten von P/* Pfd. Gewicht, 22 Stück zu 1 Rtlr. 
516 „ Bomben von 90 Pfd. pr. Zentner IV2 Rtlr. 
516 „ Bomben von 30 „ „ „ 2 „ 

Im Ganzen für 3084 Rtlr. 

„Dass diese spezifizirte Amunition von des Herrn geheimbten Rath von 
Mariot seinen Hüttenverwaltern richtig durch den Zeugwärter Schmidt empfangen 
worden ist, attestiert de Kellerhofen — Rheinfels, den 14. Juli 1719." 

1719 und 1720 bezog Rumpelhart, Schlosser zu Dahl, für die landgräfliche 
Herrschaft eine grössere Menge Schmiedeeisen vom Ahler Hammer für den 
Neubau der fliegenden Brücke bei St. Goar. Die Zahlung sollte aus dem ein- 
gehenden Brückengeld erfolgen. 

Im Jahre 1720 erkannte Landgraf Wilhelm der Jüngere die oben an- 
geführten Hypothekschulden nochmals ausdrücklich an. Nach einer im Archiv 
befindlichen Zusammenstellung schuldete Landgraf Wilhelm zur Zeit seines 
Ablebens an Mariot über 30000 Gulden: 

an Kapitalien inkl. Eisenlieferungen . . 25 950 Gulden 29 Petermännchen 
an Interessen und rückständiger Besoldung 4190 „ 30 „ 



zusammen 30 141 Gulden 23 Petermänuchen 
„ohn die aparte auf Kohlholz avancierten in ca. 3 oder 4000 Gulden." 

Es ist nicht klar, ob diese Schuld jemals zurückbezahlt worden ist. 

Franz von Mariot beschränkte sich nicht auf den Erwerb von Herrschafts- 
gärten, Bergwerken, Waldungen u. s. w., er kief auch ein Amt. 1720 erwarb er 
von dem Grafen von Manderscheid das pfälzische Oberamt Mosbach im Odenwald. 
Solche höhere Verwaltungsposten wurden damals wie Erbleihen an qualifizierte 
adlige Käufer abgegeben und gingen aus einer Hand in die andere. Franz von 
Mariot erwarb das Amt für seinen zweiten, leichtfertigen Sohn, dem er damit 
eine standesgemässe Lebensstellung verschaffen wollte. — Als Freiherr von 
Langenau wurde er auch von dem Erzstift Arnstein mit der Obergerichts- 
barkeit in den Dörfern Winden und Weinähr belehnt. 

Johann Franz von Mariot hatte 3 Kinder: eine Tochter, die sich noch zu 
Lebzeiten des Vaters mit dem kurtiierischen Hofrat Freiherrn Hugo von Sohle- 



248 

niacher verheiratete, einen Sohn A n t ü n, den Majoratserben und einen jüngeren 
Sohn Joseph Anton. Der ältere Sohn vermählte sich mit Franziska, Charlotte 
von Diez, Tochter des Philipp Adam von Diez, Freiherrn von Ardeck und 
nassauischen Erbmarschall, vermutlich 1723, denn in diesem Jahre kaufte ihm 
sein Vater ein adliges Gut zu Erbach i. Rhg. von Lucas von Diez, wo das 
junge Paar seinen Wohnsitz nahm. Die junge Frau von Mariot stammte aus 
einer altadligen Familie, die aber zurückgegangen und im Aussterben begriffen 
war. Deshalb verkaufte auch Philipp Adam von Diez, der Schwiegervater 
Mariots, da er keinen Sohn hatte, seinen Stammsitz, den Holzheimer Hof, ein 
früher von Ardeck'sches Besitztum, an seinen Schwiegersohn Anton von Mariot. 
Nach einer späteren Schätzung betrug der Wert dieses Besitzturas 10 200 Rtlr. 
Am 18. 3Iärz 1726 verstarb in hohem Ansehen Johann Franz von Mariot^'^), 
Freiherr von und zu Langenau. Er wurde in der Stiftskirche des Klosters 
Arnstein an der Seite seiner 1702 verstorbenen Gemahlin beigesetzt. Die in 
der linken Wand des Schiffes eingelassene marmorne Gedächtnistafel trägt 
folgende wohlerhaltene Inschrift: 

Johann Frantz von Marioth von und zu Langenau undt Hochgerichts- 
herr zu Winden und Weinähr, Ober Amptmann des churpfälzischen 
Ober-Ampts Mosbach aufm Odenwaldt. Seyner Hochfürstl. Durch- 
laucht Hep'n Landgravens des Jüngeren zu Rheinfelts Geheimpte 
Rath war geboren anno 1663 den 1. Decembris, starb den 18. Märtz 
1726. Clara Catharina Leonore von Marioth Gebohren Freyin von 
Sohlern war geboren 1674 des 17. 7bris — starb 1704 den 28. Januar. 

Beide Eheleute. 
Die vier Ecken der Platte sind mit kleinen Familienwappen geschmückt. ^^) 
Franz von Mariot hatte ein Testament hinterlassen. Freiherr Langwerth 
von Simmern, der zum Testamentsvollstrecker ernannt war. berichtet darüber 
„an die unmittelbare freie Reichsritterschaft des Mittelrheinischen Kreises dies- 
seits Rhein, in der Wetterau und zugehörigen Orten etc. zu Burg Friedberg". 
Erben waren Franz Anton von Marioth, Elisabeth Charlotte Franziska von 
Solemacher und der minderjährige Franz Joseph von Marioth. Bereits am 
2. Mai 1726 kam auf Grund des Testamentes ein Teilungsvertrag zu Stande, 
wonach der ältere Franz Anton das Eisenwerk zu Weinähr zu der Anschlags- 
summe von 20 000 Gulden übernahm. Er erbte die Herrschaft Langenau, sowie 
alle übrigen Berg- und Hüttenwerke seines Vaters. Das Herrschaftsgut in 
Geisenheim und die Oberamtmannschaft von Mosbach blieb für den jüngeren 
Sohn Franz Joseph reserviert. 

Der Amtmann von Braubach berichtete alsbald über das Ableben des 
Franz von 3Iariot au die Hessen-Darmstädtische Kammer. Diese erinnerte 
daran, dass die Erben innerhalb Jahresfrist die Renovation des Leihbriefes be- 
antragen müsstcn. Anton von Mariot stellte am 18. September 1726 den ent- 



'') Er selbst schrieb sieb deutsch Frantz von Marioth. 

") Es sind 4 gleich grosse AVappenschilde mit Namen, links oben de Marioth, rechts 



oben de Gal, links unten de Tornau, rechts unten de Langh (V). 



249 

sprechenden Antrag, worauf ihm aufgegeben wurde, sein Erbrecht zu be- 
ffründen. Hiernach berichtete er am 4. Februar 1727 über sich und seine 
Familie: „Ich Anton von Mariot zu Langenau jure horeditatis mittels vätterlicher 
Erbteilung successor, habcns biss anhero drey Töchter mit Franziska meiner 
Frau, einzige und Erbtochter Weylandts Philipp Adam von Dietz, Freiherrn 
von und zu Ardeck, Erb Marschall des hochfürstlich durchlauchtigsten Hauss 
Nassau Dietz: Erstlich die ältere Maria Sophia Charlotte, die zweyte Maria 
Antoinetta, die dritte Maria Elisabeth." 

Am 6. Mai 1727 erfolgte die Renovation des Leihbriefes für Anton von 
Mariot zu Langenau in Gemeinschaft mit seinen beiden Geschwistern Joseph 
und Charlotte, Die zu der Eisenschmelze Haigermühle (Haarmühle) gehörigen 
Eisenstein^ruben werden darin als ein hessen-darmstädtisches Erblehen bezeichnet. 

Anton von Mariot übernahm die Verwaltung der grossen väterlichen Erb- 
schaft, der er aber in keiner Weise gewachsen war. Die Eisenbergwerke und 
Hütten vernachlässigte er in unverantwortlicher Weise. Er verstand es, im 
Gegensatz zu seinem Vater, durchaus nicht sich mit den hessischen Verwaltungs- 
beamten in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen auf guten Fuss zu stellen, 
vielmehr geriet er schon nach wenig Jahren mit ihnen in einen Streit, der sich 
lange hinzog und sehr nachteilig für den Wohlstand der Familie wurde. Eine 
unordentliche und verschwenderische Haushaltung trug hierzu noch bei. 

Die erste Veranlassung zu dem Streit mit dem hessischen Oberbeamten, 
dem Kammerrat und Amtmann von Braubach, Johann Christoph Drach, gab das 
Gesuch eines Vetters der Mariots von Langenau, des Hüttenherrn Alfred de 
Requile, der 1736 die Eisenhütte zu Hohenrhein neu aufgebaut hatte und in 
demselben Jahre darum nachsuchte, Eisenstein in der Grafschaft Katzenelnbogen 
graben zu dürfen, wobei er sich auf seine Mariotische Verwandtschaft berief. 

Zum besseren Verständnis müssen wir den Faden der Geschichte des 
älteren Zweiges der Familie, der Mariots von Langenau, hier unterbrechen und 
die Schicksale der Erben der jüngeren Söhne des alten Johann Mariot kurz 
betrachten, nicht nur der Familiengeschichte wegen, als vielmehr, weil diese für 
die spätere Geschichte der Eisenhütten an der unteren Lahn noch wichtiger 
waren, als die Mariots von Langenau. 

Die Erben der jüngeren Söhne des Johann Mariot sen. 
Wir haben bereits erwähnt, dass die Eisensteinbergwerke und Hütten im 
Amte Montabaur, besonders die Gruben bei Dernbach und die Hütten und 
Hämmer zu Montabaur, Vallerau und Vallendar, sowie die Bergwerke und 
Hütten in der Vogtei Ems nach dem Tode des alten Mariot an seine jüngeren 
Kinder, die beiden Söhne Bertram und Peter Michael und die Tochter 
Charlotte, die mit dem Hüttenmeister Gerhard Franz Bouille vermählt 
war, fielen. So war es ursprünglich wohl nach dem Willen des Vaters später 
durch einen Vergleich mit den älteren Brüdern geordnet worden. Diese jüngeren 
Geschwister und ihre Familien bildeten unter sich eine Handelsgesellschaft. 
Von dieser „Kompagnie" hören wir zuerst im Jahre 1G72 durch einen 
zwischen dem Kurfürsten von Trier und „der Mariotischen Komi)agnie auf- 



250 

gerichteten Akkord, den Holzbezug für das Montabaurer und Vallerawer Hütten- 
wesen betreffend." Sodann findet sich bei den Akten eine behördliche Anzeige 
von 1674, dass die Mariotische Hüttenkompagnie im letzten Jahre 500 Klafter 
Holz im Montabaurer Wald gefällt habe. 1675 erliess die kurtrierische 
Regierung ein Reglement wegen der Mariotischen Eisensteinwäsche bei Dernbach. 
Auf Grund der früheren Vergünstigungen bewilligte am 3. Juni 1680 die 
Regierung der Mariotischen Kompagnie je 8 Klftr. Holz für 1 Rtlr. Das Holz 
sollte unter Aufsicht des Kellers gefällt, gesetzt und abgefahren werden. Beim 
Hauen sollte immer der zehnte Stamm stehen bleiben. „Die Beständer dürfen 
keine schädlichen eichene Bäume hauen und sollten den Wald menagieren, dass 
das Hüttenwerk in gebräuchlichem Stand erhalten werden könne und nicht 
wegen Holzmangel in Abgang gerathe". Deshalb sollen die Haue so eingerichtet 
werden, dass ein jeder ausgehauene Platz alle 16 Jahre wieder mit Holz be- 
wachsen und auf's neue gehauen werden möge. 

Über den vergeblichen Versuch der jüngeren Brüder Mariot, im Jahre 1682 
Holz aus dem Katzenelnbogen'schen zu beziehen, haben wir schon berichtet. 
Es beweist, dass ihr Hüttenbetrieb damals schwungvoll betrieben wurde. 

1683 wurde die Erbleihe, beziehungsweise die erzbischöfliche Kommission 
der Mariotischen Kompagnie vom Kurfürst Johann Hugo von Trier erneuert. 
Er gestattete den Brüdern Bertram und Peter Michael Mariot und dem Gerhard 
Franzen Bouille, Hüttenmeister zu Montabaur, in den trierischen Amtern 
Montabaur, Limburg, Ehrenbreitstein, Grenzau und Engers „so lange sie unsre 
Hütten auf unserem Amte Montabaur halten, ohne Schaden anderer Hüttenmeister 
Eisenerz zu suchen und zu graben". 

Auch befindet sich ein weiterer Akkord wegen Holzfällung bei den Akten. 
Nach dem Tode der Brüder Mariot, die beide 1693 gestorben zu sein scheinen, 
wurde auf Ansuchen von Ida Catharina Weickell und Maria 
Lauren tia Malaise als des Bertram und Peter Michael Mariot 
hinterlassene Witwen um Belehnung der Eisenhütten, Hämmer und 
„sicheren Eisengruben" im Amte Montabaur, wie auch des Hofes zu Vallerau, 
sowie des Neuen Hofes im Amte Dernbach am 15. Januar 1694 ein neuer 
Leihbrief von dem Kurfürsten erlassen. Dieser entsprach dem Gesuch, nur 
machte die kurfürstliche Regierung wegen des Neuen Hofes bei Dernbach 
Vorbehalte, die aber von den Witwen angenommen wurden. 

Um diese Zeit entbrannte der Streit der beiden Witwen gegen ihren 
Cousin Johann Franz Mariot wegen ihrer Rechte in der Gemeinde Gutenacker, 
der Vogtei Ems und der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, welch' letztere aber 
zurückgewiesen wurden. Ein neuer kurtrierischer Leihbrief vorh 15. Januar 
1 694 ist unterschrieben von „Jean Guillaume de Requile au nom de 
Marie Laurence Malaise ma belle mere et de ses deux filles et Catharine Weickell, 
veuf de feu Bertrand Mariot". Letztere war kinderlos, während erstere von 
Peter Michael Mariot 3 Töchter hatte, deren älteste damals bereits mit Jean 
Guillaume de Requile aus Lüttich verheiratet war. Die beiden jüngeren ver- 
mählten sich später ebenfalls mit zwei Niederländern de Barme und R y c k - 
m a n n (Riekmann), der oben erwähnte Leihbrief war auf 20 Jahre gestellt. 



251 

Diese Zeit von 1674 bis 1714 verlief ungestört, denn es sind aus dieser Zeit 
keine Beschwerden vorhanden und dass die Geschäfte der Koni])agDie gut gingen, 
beweist, dass sich die Erben der inzwischen verstorbenen Witwen schon im 
Jahre 1713 eifrig um die Erneuerung der Erbleihe bemühten. Diese wurde 
am 26. Juni 1713 den genannten Tochtermännern de Requile, de Barme und 
ßyckmann als alleinige Erben und Teilhaber der Mariotischon Komi)agnie auf 
15 Jahre, beginnend mit dem 29. August 1714 erteilt. Die Beleihung er- 
streckte sich auf das Dernbacher Bergwerk und die Eisenhütten im Amte 
Montabaur. Aus diesem und den benachbarten Ämtern wurden ihnen jährlich 
2 bis 3000 Klafter Kohlholz zu billigem Preis zugesagt. Der jährliche Kanon 
für die Eisenhütten betrug 300 fl. Sodann wurde bestimmt: „da so Wir oder 
unser Successoren selbige Erz- und Eisensteinbergwerke, Guss- und Eisenhütten 
an Uns oder unser Erzstift bringen, es selbst behalten oder aber falls Beständer 
oder deren Erben selbiges ferner anzugehen nicht begehrten und behalten 
wollten, sollen wir schuldig sein die Baukosten, wie durch Werksverständige 
erkannt wird, zu ersetzen.'' 

Der Bergwerks- und Hüttenbetrieb der Kompagnie ging ungestört fort 
bis 1719, in welchem Jahre die Gemeinde Dernbach und die von Hilchen Be- 
schwerde erhoben wegen ihnen von dem Dernbacher Bergwerk verursachten 
Feldschaden. Die von Hilchen erhoben Entschädigungsansprüche bis vor 
60 Jahre zurück, wogegen sich die Gesellschaft energisch verwahrte, weil für 
die Beschädigungen an den Wiesen von Alters her eine Vergütung von 30 Rtlr. 
jährlich festgesetzt und bezahlt worden sei, wofür überdies noch eine Kaution 
von 400 Rtlr. gestellt worden sei. Auch hätten sich die Mariots schon früher 
mit den von Hilchen verglichen. Die Beschädigung der Wiesen durch Ver- 
sandung geschehe auch nicht nur durch die Erzwäsche der Mariotischen 
Kompagnie, sondern weit mehr durch das „obig gelegene Hüttenwerk zu Hunss- 
dorf", welches deshalb mit heranzuziehen sei. Die Kompagnie bittet bei dieser 
Gelegenheit um Erleichterungen wegen Abräumung des Grundes, da ohne solche 
die Gewinnung des nicht tief lagernden Eisensteins unmöglich sei. 

Wegen der vorgebrachten Beschwerden setzte die kurfürstliche Regierung 
eine Kommission ein, die am 13., 14. und 15. Mai 1719 Augenschein nahm 
und die Parteien an Ort und Stelle abhörte. Hierüber befindet sich das Protokoll 
bei den Akten. Die Kompagnie wies nach, dass die Mariots in den letzten 
20 Jahren, auf Grund eines 1676 mit der Gemeinde abgeschlossenen Akkordes, 
der Gemeinde Dernbach für Wiesenschaden jährlich 6 Rtlr. bezahlt hatten. 
Die Grundbesitzer verlangten, dass die Gewerken wenigstens nachts ihre Wäsche 
stillstellten, damit sie am Morgen ihre Wiesen mit klarem Wasser bewässern 
könnten. Oberst von Hilchen verlangt für die Verschlammung seines Grund- 
stücks jährlich 6 Rtlr. und 3 Malter Hafer. Es wird eine Vereinbarung dahin 
getroffen, dass die Mariotische Schütze einen Schuh tiefer gelegt und 2 Schuh 
breiter gemacht werde." Oberst von Hilchen erklärt sich bereit, den von der 
Hunsdorfer und Mariotischen Wäsche aufgeschwemmten Sand, soweit solcher 
für die Erhöhung des Ufers erforderlich sei, auf seinen Wiesen liegen zu lassen, 
weiin ihm dafür jährlich, so lange das Hüttenwerk im Gang sei, 3 Rtlr. 



252 

.Judemnisation" bezahlt werde. Während des Monats April solle die Wäsche 
still stehen. 

Auf Antrag des Mariotischen Hüttenschreibers Jacoby solle „der Huns- 
dorfer Hüttenmeister, so von Alters her auf einig Orten auf Erz graben lassen, 
insoweit zur Gleichniachung der Bauten uiitconcurieren". Tagebau soll statt- 
haft sein, wo die Erze nur 3 bis 4 Schuh unter der Oberfläche lägen. Für 
die beanspruchten Flächen will die Kompagnie ein entsprechendes Äquivalent 
an Land in Austausch geben. 

In einem späteren Schreiben der Mariotischen Kompagnie vom 29. Januar 
1722 wird die durch ihre Erzwäsche zu Dernbach verschlammte Fläche auf 
157 Ruten angegeben, welche sie durch ein Äquivalent ersetzen will. 

Ein Monitum zur Montabaurer Kellereirechnung von 1722 verlangt Nach- 
weis über Einnahmeausfall für das von dem Dernbacher Bergwerk nach der 
Emser Eisenhütte abgefahrene Erz. Die Beantwortung ergibt, dass bis 1720 
eine regelmässige Eisensteinabfuhr von Dernbach nach der Emser Eisenhütte statt- 
gefunden hatte und hierfür jährlich 20 Rtlr. an die kurfürstliche Kellerei ent- 
richtet worden waren, dass aber seitdem kein Eisenerz mehr nach Ems gefahren, 
solches vielmehr nur auf den inländischen Hütten zu Montabaur und Yallerau 
verschmolzen worden war. Es scheint dies mit einer Abnahme der Produktion 
des Dernbacher Bergwerkes, worüber in den 1720 er Jahren wiederholt geklagt 
wird, zusammenzuhängen. 6 Jahre lang lagen die Montabaurer Eisenhütten in 
der 15 jährigen Pachtzeit wegen Erzmangels still. Im Jahre 1723 begannen 
Klagen der kurfürstlichen Kammer wegen nicht oder zu wenig gelieferten Zehnt- 
steins. So sehr hatten sich die Verhältnisse der Eisenwerke im Amte Montabaur 
verschlechtert, dass, als 1729 die Pachtzeit abgelaufen war, die früheren Teil- 
haber der Mariotischen Kompagnie nur wenig Lust bezeugten, die Leihe zu 
erneuern. Jean Guillaume de Requile, das Haupt des Unternehmens, war mit 
Hinterlassung von 7 Kindern: 5 Söhnen und zwei Töchtern gestorben. Die 
Mariotische Kompagnie wollte sich auflösen. 

Am 29. April 1729, 4 Monate vor Ablauf der Leihe, Hess Kurfürst Franz 
Georg den Beständern vorkündigen, dass er die Werke übernehmen wolle, weil 
die Mariotische Gesellschaft gekündigt hätte und sich auflösen wollte. 

Inzwischen wusste aber Albert de Requile, der älteste Sohn des 
verstorbenen Johann Wilhelm de Requile, den Kurfürsten für ein von ihm ent- 
worfenes Projekt zu gewinnen. Er wollte die verfallene Kochische Hütte zu 
Hohcnrhein erwerben, neu und grösser aufbauen und den ganzen Eisenhütten- 
betrieb des Amtes Montabaur an diesen günstiger gelegenen Platz verlegen. 
Er übersandte dem Kurfürst einen Entwurf mit Zeichnungen, der dessen Beifall 
fand und da er sich überdies bereit fand, einen höheren Pacht zu zahlen, so 
gab die kurfürstliche Kammer ihre Absicht, die Werke in eigene Regie zu 
übernehmen, auf und belehnte Albert de Requile und seinen Bruder auf 25 Jahre 
mit den Eisenwerken in Montabaur und Umgegend. In dem Leihbrief heisst 
es: Nachdem die der Mariotischen Kompagnie am 2(j. Juni 1713 erteilte Kon- 
zession über ihre Hüttenwerke im Amte Montabaur vom 29. August angefangen 
ad 15 naclKrmandcrfolgonde Jahre verstrichen und die Kompagnie zur Räumung 



253 

angewiesen, belehnt der Kurfürst den Jehan Albert de ßequile und seinen 
Bruder auf 25 Jahre vom 3. Oktober 1729 beginnend unter folgenden haupt- 
sächlichen Bedingungen : 

Sie sollen das Dernbacher Bergwerk mit allem Fleiss treiben und auf 
ihren Hütten und Hummern zu Montabaur, in der Vallerau und zu Yallendar 
verschmolzen und verarbeiten und „das Eisen nacher bestem Wohlgefallens 
inner- und ausserhalb Unsres Erz-Stifts zu verparthieren und zu führen ver- 
gönnt und bewilligt sein". Sie sollen jedes Jahr zu Martini oder bis 14 Tage 
später an die Landrentmeisterei 1200 Trierische Gulden zahlen. 

Sollten die Erze und Eisensteine im Amte Montabaur zur Fortsetzung 
der Hütten nicht mehr ausreichen und sie gewillt sein, ihr Hüttenwerk näher 
an den Ehein auf Unserm Grund und Boden zu transferieren und in selbiger 
Gegend Eisenerze zu suchen, so sollen sie dies melden. Sollten sie dergleichen 
Mineralien aber nicht antreffen, so dürfen sie auf ein halbes Jahr kündigen und 
alsdann über ihre Hütten, Mühlen, Materialien etc. frei verfügen. Sie haben 
keinen Anspruch auf Kohl- oder Stammholz in den Trierischen Wäldern, dürfen 
aber frei und ungehindert solches auf Mosel und Rhein auf alle ihre im 
Erzstift liegenden Hütten und Hämmer beziehen, ohne dass solches zu 
Koblenz (zur Verzollung) angehalten werde. Finden sie Gold, Silber, Kupfer, 
Blei u. s. w., so haben sie solches anzuzeigen und nichts heimlich zu verführen. 
Imfalle die Herrschaft nach Ablauf der Leihe die Hütten etc. übernähme, so 
sei alles nach billiger Taxe zu entschädigen. 

Für die Hütten zu Montabaur und Vallerau sind jährlich 30 Waag brauch- 
bares gutes Gusseisen zu unserer Hofkammer nach Ehrenbreitstein zu liefern 
und ist auch sonst der Herrschaft billigen Vorkauf zu gewähren. 

Die Erzwäsche soll im Mai und October der Fische halber still liegen, 
wie auch der Hüttenmeister von Hunsdorf, welcher in der Wirgeser Gerechtig- 
keit Erz gräbt, eben diese zwei Monate still liegen und ebenfalls seine Gräben 
aufräumen soll. Im übrigen sollen sie sich mit den Wollwebern in Montabaur 
gut vertragen. 

Ferner wird den Beständern Cameral-Vertretung zugesagt, wenn ihnen 
aus dem neuen Lehnbrief Prozesse mit ihren vorigen Compagnons de Barme 
und Riekmann erwachsen würden. Unterschrieben wurde dieser Leihbrief am 
3. Oktober 1729 von Franz Georg, Kurfürst einerseits, andrerseits von Godfridus 
Petrus de Requile, canonicus et Scholasticus archidiaconalis Ecclesiae Tungreris, 
von loannes Guilielmus Loyens constitutario nomine advocatus curiae Leodinensis 
consiliarius und von loannes Albertus de Requilo juris utriusque licentiatus et 
advocatus curiae Leodinensi. Die Urkunde wurde in deutscher und französischer 
Sprache ausgefertigt. 

Der in dem Schlusssatz des Leihbriefes vorgesehene Fall eines Rechts- 
streites mit den früheren Teilhabern der Mariotischen Kompagnie trat ein. Sie 
verlangten ihr Anteil heraus und klagten gegen Albert de Requile, worauf dieser 
sich mit ihnen verglich und 90 000 Gulden herauszahlte. ^•'') 



*^) Nach einer anderen Angabe sogar 130 000 Gulden. 

17 



254 

Albert de Requile war nun mit seinem Bruder Godfried Peter, der dem 
geistlichen Stand angehörte und sich um Geschäfte nicht kümmerte, alleiniger 
Besitzer des vormals Mariotischen Besitzes in Kurtrier und der Yogtei Ems. 
Er begann sofort mit dem Bau der neuen Eisenhütte zu Hohenrhein, die 1730 
in Betrieb kam. Da ajch die alten Hochöfen im Amte Montabaur fortfuhren 
zu schmelzen, so trat alsbald, weil die Ergiebigkeit des Bergwerks zu Dernbach 
sehr nachgelassen hatte, Mangel an Eisenstein ein. Requile bemühte sich deshalb 
Eisenerze aus dem Katzenelnbogenschen zu bekommen und selbst dort zu 
schürfen. Hierin fand er die Unterstützung des hessen-darmstädtischen Kammer- 
rates und Amtmanns zu Braubach Johann Christoph Drach. Dieser berichtete 
am 21. August 1730 an den Landgrafen, „der Hüttenherr von Requile wolle 
als ein Mariotischer Mitbelehnter Eisen etc. Bergwerke in Katzenelnbogen be- 
treiben, pro concessione 50 Rtlr. erlegen und von dem grabenden Eisenstein 
den Zehnten ordentlich entrichten." Er empfiehlt das Gesuch als vorteilhaft 
für die Herrschaft, weil Mariot, der überall Erze grabe, die hiesigen Bergwerke 
vernachlässige, so dass diese im vorigen Jahr nur 17 Gulden au Zehnten 
ergeben hätten. 

Hieraus entwickelte sich ein langdauernder Streit, worin Amtmann Drach, 
obgleich er wissen musste, dass Requile keinen Anteil an der Erbleihe des 
Franz Anton von Mariot zu Langenau hatte, die Interessen Requiles gegen 
Mariot vertrat. Er gestattete ohne weiteres dem Requile in dem hessischen 
Gebiet nach Eisenstein zu graben. Am 21. Oktober 1730 fragt der Landgraf: 
„Der Mariotische Hütten-Cousort Johann Albert Requilet habe Eisenstein in der 
Fuchsenhöhl gegraben. Wie dieser mit Mariot verwandt sei?" Hierauf ant- 
wortet Drach erst am 15. Juli 1733, des Requile Mutter sei eine Tochter des 
Johann Mariot gewesen, deshalb eine „Mitbelehntin" der Allendorfer und 
Fuchsenhöhler Bergwerke. Dem war aber nicht so. Requiles Ansprüche rührten 
von seinem Grossvater Peter Michael Mariot her, der an der hessischen Leihe 
des Johann Mariot nicht beteiligt war. Sodann, fährt Drach fort, habe der 
jetzige Mariot zu Langenau das Bergwerk so schlecht und „negligent" betrieben, 
dass die Herrschaft kaum 14 bis 15 Gulden Jahreszehnten erhalte und die 
Untertanen Schaden leiden, weil er die Fuhrleute nicht bezahle, so dass er an 
2000 Gulden für Fuhrlölme schuldig sei. 1732 habe er statt 1000 nur 170 Fuder 
gefördert. Dazu vorkaufe er noch Erze ausser Land auf andere Eisenhütten. 
Requile dagegen erböte sich 

1. jedes Fuder Zehntsteiu mit 30 albus statt wie seither Mariot mit 
20 albus zu vergüten; 

2. alle Fuhrlöhne nur einzig und allein den Untcrthanen zu gut kommen 
zu lassen; 



n 



3. pro concessione 2 bis 300 CJulden zu bezahlen; 

4. alles Kohlholz zu „ziomblichcm Preiss" zu bezahlen; 

5. die Bergwerke mit mehr force zu betreiben. Zum mindesten könne 
Re(|uile nach Drachs Meinung als ein Mitgewerke angenommen 
werden. 



255 

Anfänolich scliloss sich die Kaniinordircktion in Darmstadt der Ansicht 
Drachs an, indem sie annahm, dass bei der Erneuerung der Erbleihe 1077 
und 1079 die Tochter des Johann Mariot und angebliche Mutter des Requile sen. 
mit Unrecht übergangen worden sei, wodurch sie aber ihr jus quaositum nicht 
verloren habe. Bei einem neuen Gesuch der Brüder Requile vom 30. Septbr. 1733, 
in der Fuchsenhöhl Eisensteine graben zu dürfen, reichten sie zur Begründung 
ihrer Ansprüche einen Stammbaum ein, welcher sich im Archiv befindet, der 
aber für ihre Behauptungen nichts bewies und nur klarstellte, dass seine Mutter 
eine Tochter des Peter Michael Mariot war, 

Anton von Mariot erhob Protest gegen die Forderung der Brüder de Requile 
und verlangte gerichtliche Entscheidung. Das am 18. Januar 1734 gefällte 
Urteil fiel denn auch zu seinen Gunsten aus. Darin heisst es: Der Leihbrief 
des Johann Mariot sen. lautet vor sich und seine Erben und Nachkommen 
nominati Walter und Johann (tertio filio Petro Michaelo non nominato) für unsre 
Vogtei Ems und Herrschaft Katzenelnbogen. Nach des alten und jungen Johann 
Mariots Tod wurde am 1. Oktober 1677 die Erbleihe auf die Witwe des Johann 
Mariots jun. Susanna Catharina Gall und ihre beiden Söhne Johann Franz und 
Anton und deren Erben erneuert und zwar ist darin ausdrücklich das Katzen- 
elnbogen'sche Bergwerk im Mühlenfeld und das Wasserwerk genannt. Nachdem 
Anton Mariot bald nach der letzten Renovation gestorben war, hat die Witwe 
alles private und erblich ihrem Sohn Franz übertragen. Nach dessen am 
18. März 1726 erfolgten Tod hat sein Sohn Franz (Anton) das Lehen für sich 
und seine Geschwister (Joseph Anton und Elisabeth Charlotte) am 6. Mai 1727 
gemutet, Requiles Grossmutter ist in keinem der Leihbriefe genannt. Zwar 
hat diese Maria Eleonora Malaise 1696 Klage erhoben auf Grund ihres juris 
retractus auf Holz, so die Unterthanen im Kirchspiel Katzenelnbogen verkaufen 
wollten, auf Grund der Erbleihe, hat aber dann den Leihbrief anerkannt, 
nachdem ihr der Belehnte Jean Frangois Mariot sein Anteil an der Hütte und 
Schmelzofen bei Embs samt allen Zubehörnissen für 1000 Speziesthaler vom 
26. August 1680 ab käuflich überlassen und verkauft hat. Die Landgräfliche 
Kammer hätte zwar versucht, dass Mariot den Requile auf gütlichem Wege als 
Teilnehmer annehme, dieser habe aber abgelehnt. Danach verbleibt das Berg- 
werk u, s. w. in der Grafschaft Katzenelnbogen allein dem Mariot. Es könne 
jedoch dem Requile erlaubt werden, neben dem Mariot in dem Allendorfer Felde 
und der Fuchsenhöhle nach Mineralien zu graben, weil das Recht des Mariot 
kein jus privatum sine exclusione ex parte domini sei, sich auch nicht auf die 
ganzen Felder, sondern nur auf die benannten Mariotischen Bergwerke beziehe, 
wobei aber allerdings kein Schaden durch das Schürfen entstehen dürfe. 

Requile hatte angeblich auf Kupfer schürfen wollen, wovon der hessische 
Oberberginspektor Müller von Thalitter Anzeigen gefunden haben wollte; in 
Wahrheit war es ihm nur um Eisenstein zu tun. Drach unterstützte ihn auch 
hierin. Dieser schlug sogar vor, Requile möge eine eigne Hütte in der Graf- 
schaft errichten, doch begehrte dieser das Erz nur für seine Eisenhütte zu 
Hohenrhein. Nachdem er sah, dass er seinen Hauptzweck, in die Mariotischen 
Rechte eingewiesen zu werden, nicht erreichen konnte, zog er sich zurück und 

17* 



256 

schrieb 1734, da man ihn so lang auf Bescheid habe warten lassen, hatte er 
sich anderweit Eisenstein verschafft. 

Drach's Verhältnis zu Anton von Mariot wurde ein immer feindseligeres, 
jener denunzierte bei jeder Gelegenheit. Freilich gab Mariot hierfür auch oft 
genug Veranlassung. Sowohl durch die Ungunst der Verhältnisse jener Zeit, 
als durch unordentliche und leichtsinnige Wirtschaft waren die Bergwerke und 
Hütten des Freiherrn von Mariot sehr zurückgegangen. Er lebte verschwenderisch 
in den Tag hinein und vernachlässigte seine Einnahmequellen, besonders die 
Bergwerke und Hütten. Wie er in Katzenolnbogen die Fuhrleute nicht bezahlte, 
so zahlte er in Weinähr den Arbeitern ihren verdienten Lohn nicht, so dass 
diese sich klagend an den Kurfürsten von Trier wenden mussten. Eine Anzahl 
Arbeiter, meist Former und Schmelzer, trug vor, Freiherr von Mariot zu Langenau 
schulde ihnen für iu den Jahren 1731 bis 1733 nicht bezahlte Löhne 722 
Rtlr., 3 Albus Vi Pfg. Ihre Forderung sei von demselben abschläglich be- 
schieden und sie zur Ruhe verwiesen worden. Da hier keine Mittel zur Zahlung 
vorhanden seien, so möge kurfürstliche Regierung sich nach Darmstadt wenden, 
Aveil Mariot in Katzenolnbogen begütert sei. Dieses Gesuch war unterschrieben 
von Peter Moneau, Lambert Chevremont, Joseph de Champ, Jörg und Stephau 
Gilles, alles fremdländische Namen, die auf Arbeiter aus dem französischen 
Niederland hindeuten. 

Am 11. Juli 1734 wollte der Amtmann Drach dem von Mariot Eisensteine 
zwangsweise versteigern lassen, weil dieser den Untertanen 1634 Gulden 27 albus 
schuldete und diese, wenn sie keine Zahlung erhielten, zugrunde gingen. 
Hierauf bat Mariot in einem Schreiben vom 15./7. 1734 den Landgrafen um 
Nachsicht. Er habe grosse Ausstände, so schulde ihm z. B. die kurfürstlich 
Mainzische Hofkammer für gelieferte Ammunitiou 5115 fl. 20 alb. ; sobald er 
diese erhalte, wolle er bezahlen und die Hütte weiter betreiben. 

Hiergegen berichtete Drach, die Schuld des Mariot an die Untertanen für 
Fuhren, Löhne und Lieferungen sei bereits auf 2509 Gulden gestiegen. Auf 
den Hütten sei von Kohlen und Erz nichts mehr vorhanden, man müsse zur 
Tilgung der Schulden Mariotische Eisensteine verkaufen. Dies geschah denn 
auch am 16. Juli 1734 durch öffentliche Versteigerung, wobei der Hütteuherr 
Remy von Bendorf als Käufer auftrat. Aus dem Erlös wurden die Gläubiger 
befriedigt und dadurch, wie Drach berichtet, die Blamage des Baron von Mariot 
vermieden. Hiermit war aber die Sache keineswegs beigelegt. 

Bereits am 23. Juli 1734 erhob Kammerrat Drach weitere Anklagen goffen 
Mariot. Dieser verkürze die Herrschaft bei dem Zehnten dadurch, dass er nui- 
20 albus für den Zentner Zehntstein vergüte, während er die Erze viel teurer 
verkaufe. Nach dem Leihbiief von 1677 dürfe aber Mariot ohne Genehmigung 
der Herrschaft kein Erz ausser Land verkaufen. Er rät in einem Schreiben 
vom 23. August 1734 der Herrschaft, selbst eine Eisenhütte bei Katzenolnbogen 
zu erbauen, damit den Untertanen die Nahrung nicht entgehe. In diesem Sinne 
regte er auch eine Petition der Katzenelnbogenschcn Untertanen an den Land- 
grafen an, es mcige den Mariots bei Verlust der Leihe aufgegeben werden, die 
geförderten Erze im Lande zu versclimelzen. 



257 

Drach warf forni'r am 27. Januar 1735 diu Frage auf, ob dein Mariot 
wegen Verkauf von Eisenstein im }3etrage von etwa 4000 Rtlr. , Verpachtung 
ilirer Eisenhütte auf 12 Jahre und wegen ungenügenden lietriebcs ihrer Berg- 
werke die Leihe entzogen werden könne? Hierüber wurde 1737 der fachkundige 
Bergrat J. D. Wagner, damals in Strassburg, später in Kassel zur Begutachtung 
aufgefordert. Dieser verneinte zwar die Frage, empfahl aber, den Beständer 
strenger anzuhalten und stellte sich wegen der Errichtung einer herrschaftlichen 
Eisenhütte auf Drachs Seite. Er arbeitete selbst einen Plan dafür aus, der 
1740 zur Ausführung gebracht wurde. ^*') Am 8. Februar 1737 Hess Amt- 
mann Drach auf alles ^lariotische Fuhrwerk, sowie auf den vorrätigen Eisen- 
stein Arrest legen. 

Jetzt erst erhob Mariot energischen Protest gegen Drach's Beschuldigungen. 
Er beklagt sich, dass er niemals gehört worden sei, um sich zu rechtfertigen. 
Drach's Vorgehen sei eine ungerechte Vergewaltigung, auch habe er mehr Eisen- 
stein versteigern lassen, als die Forderungen betragen hätten. Er verlangt Unter- 
suchung durch eine unparteiische Kommission, wofür er Regierungsrat Schmidt 
und Kammermeister von Walbrunn vorschlägt, womit sich auch die hessische 
Regierung einverstanden erklärte. Drach aber fuhr auch in den folgenden Jahren 
fort Mariot anzuschwärzen. Er hätte unberechtigter Weise seine Hütte an einen 
holländischen Kaufmann Ilartkop verpachtet, ferner habe er angeboten, 100 
Louisd'or der Herrschaft zu zahlen, wenn Drach von weiteren Nachrechnungen 
wegen des Zehuten abstehe. Dies bestreitet Mariot, indem er angibt, er habe 
100 Louisd'or der Herrscliaft zu zahlen geboten, wenn der Kammerrat be- 
wirke, dass die herrschaftliche Hütte nicht gebaut werde. 

Ln Archiv befindet sich ein umfangreiches Aktenraaterial (aus 1738 bis 
1743) über die Beschuldigungen von Bergrat Wagner und Kammerrat Drach 
und die Erwiederungen und Beschwerden des Freiherrn Anton von Mariot zu 
Laugenau über Beeinträchtigungen ihrer lehnbaren Eisenwerke und Erzwäsche 
bei Katzenelnbogen und Allendorf im sogenannten Mühlfelde und der Fuchsenhöhle. 

Ausser den bereits angeführten Beschuldigungen gegen Mariot führte 
Drach aus, dass jener für die ausser Landes verkauften Eisensteine Zoll schuldig 
sei. Er habe 1739 200 Fuder Fuchsenhöhler Eisenstein für 2 fl. den Zentner 
ab Grube an Remy in Bendorf verkauft, Requile habe mehrmals Vk Rtlr. 
ab Zeche (oder 4 Rtlr. 15 Petermännchen mit dem Fuhrwerk bis Hohenrhein) 
bezahlt. Im ganzen habe Mariot in der Zeit 591 Fuder in das Ausland ver- 
kauft, wofür er 157 fl. 36 Pfg. an Zoll hätte zahlen müssen. Mariot beschwert 
sich seinerseits: Der Amtmann Drach habe ihm zum Schimpf Eisenstein ver- 
kauft und Forderungen von Untertanen zu eignem Vorteil gemacht. Das im 
Leihbrief ihm zugestandene Vorzugsrecht beim Holzkauf sei dagegen nicht be- 
achtet worden. Auch khigt er über Beeinträchtigung seines Waschwerks, sowie 
seiner Bergwerke durch Anlage fremder Schächte. Seine von diesseitiger 
herrschaftlicher Eisenhütte gebrauchten Eisensteine seien niolit ersetzt worden. 



''®) In Klipsteins Mineralogischem Briefwechsel lieisat es, dass zu Anfang der 178üer 
Jahre die neue herrschaftliche Eisenhütte von dem Kasseler Hofrat Wagner erbaut worden sei. 



258 

Wegen des Zolles gibt Mariot zwtir zu, dass er 591 Fuder Eisenstein in das 
Ausland verkauft liabe, aber hierfür Zoll zu bezahlen, sei er nicht verpflichtet, 
da in den Leihbriefen von 1679, 1686 und 1727 nichts davon erwähnt sei. 
Wegen des Erzzehnten lasse der Leihbrief freie Wahl, denselben in Erz oder 
in fabriziertem Eisen oder in Geld zu leisten. Das Vorkaufsrecht der Herr- 
schaft berechtige diese nicht zu billigerem Preis zu beziehen. 

Über die Zollangelegenheit entspann sich ein umfangreicher Schriftwechsel. 
Anton von Mariot erbot sich zuletzt für die 1727 bis 1740 in das Ausland 
verkauften Erze 426 fl. 24 albus für Zoll zu vergüten. Die Beschuldigung des 
Kammerrat Drach wegen dei von Mariot angebotenen 100 Louisd'or wurde 
durch Zeugnis des Prälaten von Ainstein, der bei der Unterredung zugegen 
war, in einem am 3. Februar zu Braubach abgehaltenen Termin als falsch, 
die Angabe Mariot's als richtig erwiesen. Diese Sache hatte für Kammerrat 
Drach üble Folgen. Nicht lange danach wurde er von seinem Amte suspendiert 
und Werner zum Amtmann von Braubach ernannt. 

Anton von Mariot's Yermögensverhältnisse gestalteten sich immer un- 
günstiger. Seinen Wohnsitz hatte er auf seinem Gute zu Erbach im Rheingau. 
Als er 1740 nach dem Ableben des Landgrafen um Penovation des Leihbriefs 
bittet, klagt er, er könne nur kurz nach Katzenelnbogen kommen, da er eine 
kranke Frau und kranke Kinder habe und ihn die Krankheiten und die Erziehung 
der Kinder sehr viel koste. 

Die Renovation des Leihbriofes erfolgte am 13. xVugust 1740. Aber 
bereits im Oktober bat Mariot den neuen Landgrafen, die Eisenbergwerke und 
Hütten selbst zu übernehmen oder zu gestatten, „dass er zur Beförderung der 
Nahrung und Nutzens der Unterthanen, ihm aber zur Ruhe gestatte, dass er 
sie in admodiation oder sonsten käuflich begeben möge". 

Der neue Amtmann Werner wurde wegen Verkaufs oder Verpachtung 
der Mariotischeu Berg- und Hütteuwerke zum Bericht aufgefordert, worauf 
dieser ein Inventar einsandte. Dieses umfasste 

L die Bergwerke in Katzenelnbogen, 

n. die Schmelzhütte zur H ey c h er - M ü h 1 (Haarmühle) -- liegt auf 
einem zwischen dem fürstlich hessischen Haus und dem Vierherrischeu 
in puncto juris territorialis strittigen Gebiet; besteht 

1. aus einer sehr wohlgebauten Schmelzhüttc ; 

2. aus einer sehr wohlgebauten Hüttenschreiber- Wohnung mit 9 Stuben 



und Kammern und einer Küche 



3. einem grossen Forrnenhaus; alle Gebäude mit doppelten Speichern 
und den nötigen Kellern ; 

4. einem grossen Kohlenschopfcn ; 

5. drei grossen Hopfengärten, zur Zeit von dem Hüttendirektor als 
Anteil seines Gehaltes benutzt; 

6. einer grossen Mahlmühle mit einem Gang, darf aber nur gehen, 
wenn die Schmelzhütte Überfluss an Wasser hat; 



259 

7. Äcker imd Wald, der jähiiich ca. 300 Klafter Holz liefert, wovon 
Vs der Herrschaft, 7-> ^^^^' J^ütto zustehen; 

8. Fruchtscheunen und Stallungen für 8 oder mehr Pferde. 
Ausserdem besitzt Mariot: 

2 Eisenhämmer zu Weinähr auf der Abtei Arnstein zu- 
ständigem Boden, der grosse Hammer mit 3, der kleine mit 
1 Feuer, Kohlenschopfen, Wohnung u. s. w. ; 
den Ahler Hammer („sonst Schwalbrinn genannt"), grosser 
Hammer mit 3 Feuer, Direktorswohnung, Stallung u. s. w. ; 
hierzu noch Holzvorkauf in allen Gebieten der Hütten und 
Hämmer. 

Mariot hatte den Austausch dieser Besitzungen gegen ein Äquivalent vor- 
geschlagen. Der Landgraf verlangte die Bezeichnung des Äquivalentes, sodann 
genauere Angabe über Rechte und Mengen des Holzbezuges, Die Herrschaft 
wäre unter Umständen geneigt, die Haarmühle mit Zubehör, nicht aber die 
in fremden Gebieten liegenden Hämmer zu erwerben. 

Auf Mariot's Vorschlag wurde eine Kommission, bestehend aus Kammer- 
rat von Hombergk und Amtmann Schenk, zur Besichtigung und Begutachtung 
ernannt. — Mariot hatte seine Eisenwerke an den Kaufmann Hartkop von 
Amsterdam für jährlich 1500 fl. verpachtet. Der Pachtvertrag lief 1741 ab 
und Hartkop wollte ihn nicht erneuern, weil er bereits etliche tausend Taler 
Schaden gemacht hatte. Nach einer Aufstellung der Kommission hatten die 
Bergwerke in den letzten 3 Jahren mit Yerlust gearbeitet. Als Kaufpreis 
hatte Mariot erst 40 000 Gulden verlangt ; er war dann auf 30 000 fl. herunter- 
gegangen, davon sollten 20 000 fl. sogleich, der Rest in Raten bezahlt werden. — 
Nach dem Erträgnis berechnete die Kommission den Wert zu nur 15 530 fl. 
Sie empfahl den Ankauf nicht, besonders nicht den der auf fremdem Gebiet 
liegenden, da sie viele Beamten und ein beträchtliches Betriebskapital erforderten. 
Der Ankauf der Haarmühle und der Bergwerke im Katzenelnbogeuschen könne 
in Erwägung gezogen werden, doch rät die Kommission, damit zu warten, bis 
Mariot sich zu einer Separation der Werke verstehe oder bis er durch „Wiedrig- 
keiten" zum Verkauf gezwungen werde, „welches sich mit der Zeit schon von 
selbst ergeben dürfte". 

Weder ein Verkauf noch ein Tausch kam zu Stande, dagegen fand Mariot 
in den Gebrüdern Grandjean neue Pächter für seine Eisenwerke. 

Ein Bericht vom 16. August 1742 besagt, „Mariot wolle die zu Lehn 
tragende Bergwerke und Allodial-Schmelzhütte benebst denen hin und wieder 
gelegenen Eisenhämmer lehn- oder käuflich begeben an einige im Erzstift Trier 
angesehene Männer Namens Grandjean, benebst einem vierzigjährigen Prakti- 
kanten zur Obersicht." Er bittet, „gedachte Männer nicht allein auf- und 
anzunehmen, sondern auch vorzeichenden Kontrakt von vorgesetzter Hof-Reichs- 
kammer confirmieren zu lassen". 

Der beiliegende Kontrakt lautet: „Kundt und zu Wissen, dass heute Anton 
von Marioth, Herr zu Langenau etc. denen Hoch Edlen Herrn Gebrüdern Peter 
Franz und Georg Wilhelm Grandjeau zu Montabaur die eigcnthümlichen Hütten 



260 

und Bergwerke zu Woinähr, den Hammer zu Ahl mit beigelegenem Wohnhaus 
und die sogenannte Schmelz Haycher Mühl sambt beigehöriger Mahlmühle, 
Garten, Wiesen, Fischerei und übrigen appertincntien und privilegien auf 
12 Jahre dergestalten als erlehnt und verpfagt (verpachtet) habe, dass 

1. die couductoren oder pf ächtern gehalten sein sollen, dem Herrn 
Locatori (Erbleihinhaber) nach Verfluss eines jeden Pacht-Jahres 
tausend fünfzig ßeichsthalern (= Gulden rheinisch den Etlr. zu 
90 Kreuzer gerechnet) pr. canoue zu gewähren; 

2. hiervon pro avance die Summe von zweytausend fünfhundert Rtlr. 
zu schiessen, die mit 5 Pzt. auf den Pacht zu verrechnen sind; 

3. sollen der Jüngeren Herrschaft bei Yorzeigung des contracts hundert 
Spezies Dukaten zum douceur präsentiret werden/' 

Weiter wird bestimmt, dass die Herrschaft Vorkaufsrecht habe, dass aber 
im Falle des Verkaufes der Pacht noch 6 Jahre mindestens laufe. Auch ist 
der Grundherr berechtigt, in societate seu associatione einzutreten. Dieser 
Vertrag wird ein Temporal-Pacht- und Societäts-Kontrakt genannt. 

Die beiden Amtmänner zu Braubach, Schenk und Werner, berichten hier- 
über am 18. August 1742: ,,Die bemeldten conductores seien artis periti und 
Leute von gutem Verlag und deren Unterthanen stärker und ordentlicher als 
des von Mariot, dem es an dem dazu erforderlichen Verlag fehlt, und wird 
deshalb der contract der Herrschaft empfohlen." 

Wenige Tage danach starb Anton von Mariot, Freiherr von und zu 
Langenau zu Erbach im Rheingau. Der Eintrag im Kirchenbuch von Erbach 
lautet: anno 1742 die 25. Augusti obiit pientissime perillustris D. Antonius de 
Marioth omnibus sacramentis munitus: annorum 49. 

Er hinterliess eine Witwe mit 6 Kindern, von denen aber zwei bald 
danach gestorben sein müssen, da in der Folge immer nur 4 genannt werden : 
eine Tochter, die seit kurzem mit einem Freiherrn von Dalwigk vermählt war 
und 3 Söhne Joseph Anton, Victor Amadeus und H u g o Franz, die alle 
noch minderjährig waren. Die Vermögensverhältnisse waren ungünstig und 
in grosser Unordnung. 

Anton von Mariot, der als reicher Mann in die Ehe getreten war, hatte 
mit seiner Frau geb. Freiin von Diez es fertig gebracht, ein für damalige Zeit 
grosses Vermögen fast ganz zu verwirtschaften. Am 2. August 1742 hatte 
er ein Testament gemacht, das am 22. August der Reichsritterschaftskammer 
in Friedberg übergeben und von dieser am 24. eröffnet wurde. In diesem 
Testament war der Reichsfreiherr Philipp Köth von Wanscheid zum Vormund 
der Kinder ernannt, dieser lehnte aber auf die Anfrage des Ritterschaftshaupt- 
manns am 15. Oktober die Vormundschaft ab, weil er schon mit anderen 
Vormundschaften zu sehr belastet sei. Er schlug Freiherrn von Sohler^''), der 
ein Verwandter der Mariöt's war, vor. Die Witwe Franziska (Charlotte von 
Mariot, geb. Freiin von Diez erbat sich aber den kurmainzischen Hof rat Frei- 



") Jedenfalls durch Freifrau Franz v. Mariot geb. von Sohlorn. Der Name wird in der 
Folge immer von Sohler geschrieben. 



261 

hcrrn Langworlh von Siitiiucrn^^) als Voi'iiiimd für iliro Kinder. Dieser nahm 
auf Anf'i'ag'o der Jieiclisritterscliaf'tskaninier am 6. Februar 174)} die Vor- 
numdschaft an. Freiherr von Langwcrth kam auch anfangs den schwierigen 
Aufgaben dieses Amtes mit liebevollem Eifer und Opferwilligkcit nach.. Hein 
Vertrauensmann hierbei war der Keller des Mariotischen Gutes zu Erbacli, 
Lebrecht Franz Winterstein, gebürtig aus Iladamar, der seit 24. Juni 1726 
diese Stelle bekleidete und sich als ein treuer Beamter der Familie erprobt 
hatte. Bei der Testamentseröffnung war er der Vertreter der Witwe von Mariot 
gewesen. Freiherr von Langwcrth rausste sich um so mehr auf Winterstein 
verlassen, weil Frau von Mariot eine sehr unordentliche Haushälterin war und 
er selbst bald darauf die Gegend verliess und nach Hannover übersiedelte, weil 
er zum Rat des Obergorichtes in Cello berufen worden war. Winterstein führte 
sein Amt mit Gewissenhaftigkeit, das beweisen seine Abrechnungen. 

Die leichtfertige Witwe unterhielt ein anstössiges Liebesverhältnis mit 
dem Hauslehrer ihrer Kinder, dem Hofmeister Härtung, das nach Aussagen 
der Dienerschaft schon zu Lebzeit ihres Gemahls begonnen haben soll, dessen 
Folgen sich aber im Sommer 1745 nicht mehr verbergen Hessen und in der 
ganzen Gegend ruchbar wurden. Infolge dessen entfloh sie im Herbst 174.5 in 
Begleitung einer Schwester des Härtung, die sie als Beschliesserin in Dienst 
genommen hatte. Frau von Mariot gab vor, sie wolle eine Cousine in Loth- 
ringen, die aber, wie die spätere Untersuchung ergab, längst tot war, besuchen. 
Zunächst fuhr sie nach Frankfurt, angeblich zur Kaiserwahl. Dort kehrte sie 
in einem Gasthof ein, verbot aber dem Diener, der sie begleitet hatte, ihren 
Namen und Stand zu nennen, schickte denselben nach einigen Tagen nach 
Hause zurück und war von da ab für längere Zeit verschwunden. Die Reichs- 
ritterschaft stellte eine Untersuchung au, die das ganze Verhältnis an das Licht 
brachte. Die Söhne, die hierbei auch verhört wurden, sagten aus, Härtung 
habe ihrer Mutter nicht die gebührende Achtung bezeugt. Es war eine traurige 
Geschichte, die namentlich auf die unerzogenen Kinder von üblem Einfluss 
war. Freiherr von Langwcrth befand sich in peinlicher Lage. Er schrieb an 
die Ritterschaftskammer und klagte über die schlechte Wirtschaft der Baronin, 
von der er nie eine Abrechnung oder ein Inventar hätte bekommen können. 
Obgleich es in seiner jetzigen Stellung sehr schwer für ihn sei, die Vormund- 
schaft fortzuführen, sei er doch aus Mitleid für die verlassenen Kinder hierzu 
bereit, wenn ihm gestattet würde, den Vertrag mit dem Keller Winterstein 
zu erneuern. Nur dieser könne sich in den konfusen Verhältnissen zurecht- 
finden. W^intcrstein sei ein alter, treuer Diener der Familie Mariot und durch- 
aus zuverlässig. Er habe jetzt auch aus Not die drei Pupillen, von denen die 
beiden älteren vordem in Cobleuz die Schule besucht zu haben scheinen, ob- 
gleich ungern in Kost und Logis genommen, „wofür er von jedem für Wohnung, 
Essen, Trinkon, Wäsche, information und Freyhalt 5 Kopfstfick erluilten habe; 



^ ^^) Es war dies, nach gütiger Mitteilung des Frhr. Langwerth von Simmern zu Eltville, 
sein Urgrossvater Freiherr Georg Reinhard Langworth von Simmern. 



262 

wegen der Theuorung verlangt er jetzt aber zwei Gulden." Diesem Gesuch 
füo-te er folgende von ihm entworfene Instruktion für Winterstein bei: 

1. soll er nach Coblenz reisen, genaues Inventar über alles aufnehmen 
und was überflüssig und entbehrlich ist, verkaufen; 

2. soll er das Erbacher Weingut mit bestem Fleiss bauen; 

o. soll er sich nach den pupillen fleissig erkundigen, sie vor Schaden 
bewahren, das Verlorene herbeizuschaffen suchen, nötigenfalls mit 
Hilfe eines Advokaten; 

4. soll er das Gütchen zu Langenau, den Holzheimer llof und die 
pfälzischen Ilofgüter auf's höchste zu verpachten suchen; 

5. soll er alle eingehenden Früchte baldmöglichst und nicht unter dem 
Mainzer Marktpreis verkaufen; 

6. sich bemühen, das Hüttenwerk wieder in Gang zu bringen; 

7. soll er ohne Anweisung des Vormundes keine Gelder auszahlen und 
keine Weine verkaufen; 

8. soll er ordentliche Kechnung über alle Einnahmen und Ausgaben, 
sowie über das Inventar führen; 

9. den Pupillen mit Rat und Tat beistehen, ihnen aber auch nichts 
verschweigen ; 

10. kurz alles tun, was einem richtigen Vormund, Keller und Rechnungs- 
führergeziemt und zwar alles und jedes unter derDirektion desVormundes. 

Freiherr von Langwerth erklärte sich bereit, für den Winterstein Kaution 
zu stellen. 

Die Ritterschaftskammer zu Friedberg trug aber wegen der grossen Ent- 
fernung des Wohnortes des Freiherrn in Hannover Bedenken gegen dessen 
Vormundschaft und fragte bei Freiherrn von Sohler zu Lorch, einem Verwandten 
der Mariot's, an, ob er oder sein Bruder von Sohler zu Groroth bereit seien, 
die Vormundschaft zu übernehmen. Darauf bat Freiherr Langwerth von Simmern 
am 18. März 1746 um Enthebung von der Vormundschaft, was ihm bewilligt 
w^urde. Am 22. März 1746 wurde Freiherr Anton Joseph von Sohler zu Groroth 
von der Mittelrheinischen Ritterschaft zum Vormund der Mariotischen Kinder 
ernannt. Er übernahm das verantwortliche Amt zweifellos mit bestem Willen, 
unterschätzte aber die Schwierigkeiten und war den Anforderungen viel weniger 
gewachsen als sein Vorgänger. 

Die Lage war allerdings die denkbar ungünstigste. Freifrau von Mariot, 
das Haupt der Familie und Mutter der unmündigen Kinder, war vor einem 
halben Jahre durchgegangen. Man hatte keine Kenntnis von ihrem Aufenthalt, 
bis sie im Januar 1746 einen Brief an ihren ältesten, aber noch unerwachsenen 
Sohn schrieb, worin sie mitteilte, dass sie am 21. Dezember 1745 auf dem 
Pommerer Hof bei Coblenz mit einer Tochter niedergekommen sei und dass sie 
sich am 28. Dezember mit dem ehemaligen praeceptor ihrer Kinder ex post 
copisten (Härtung) habe copulieren lassen. Sie verlange nun das Ihrige, wes- 
halb sie nun an den Keller Winterstein die Post ergehen lasse. 

Um diese Zeit, im Januar 1746, kündigte das Kistenarat des Domstiftes 
zu Mainz ein in anno 1740 Herrn und Frau von Mariot vorgeschossenes Kapital 



I 



263 

von 20 000 (»iildeii. Ms hMtv. auch sonst nic^ht an Scliiildon, für wolclu! wv- 
scliicdono Einkünfte bereits gepfändet waren. Ein nennenswertes Erträgnis 
warf nur das Erbaclicr Gut ab. 

Sohler's Grundsatz war strengste Sparsamkeit und hierdurch gelang es 
ihm auch in den ersten beiden Jahren 1746 und 1747 kleine Überschüsse zu 
erzielen. 1748 hörte dies aber bereits auf. In diesem Jalir betrugen die Ein- 
nahmen 2467 Gulden 8 Kzr., die Ausgaben 2756 Gulden 39 Kzr., blieb Ver- 
lust 289 fl. 31 Pfg. 

Aus der Jahresrechnung von 1748 ersehen wir, dass in diesem Jahre der 
ältere Mariot die Universität Mainz bezogen hatte und bei einem Dr. Knoth in 
Kost war. Die beiden jüngeren Söhne waren bei einem Herrn Staudinger in 
Kost und Logis, der dafür 164 fl. 48 Kzr. erhielt. Die Ausgabe für Kost war 
auch in Mainz nicht höher, aber es erscheinen andere nicht unbedeutende Auf- 
wendungen, z. B. für den Perrückenmacher, den Sprachmeister u. s. w., die 
das Defizit veranlassten. 

Ein sonderbares Ereignis trug sich 1746 in Schloss Langenau zu. Un- 
erwartet erschien die Härtung, die frühere Beschliesserin der Freifrau von 
Mariot, jetzt ihre Schwägerin und verlangte Kleider, Weisszeug und sonstige 
Dinge, die Eigentum ihrer Herrin seien. Ritterschaftsrat vom Stein, dem die 
Aufsicht über das Herrschaftsgut Langenau übertragen war, verweigerte die 
Herausgabe. Die Beschliesserin wusste sich aber Eingang in das Schloss zu 
verschaffen, traktierte die Bediensteten, die sie kannten, machte sie mit Brannt- 
wein sinnlos betrunken, packte dann Kleider, Bettzeug und viele andere Dinge 
auf ihr Fuhrwerk und fuhr damit davon. 

Tn dieser ganzen Zeit waren die Mariotischen Eisenwerke nur sehr schwach 
botrieben worden. In einem Bericht über die „Hoyer Mühle" (Haarmühle) 
vom 30, Juni 1746 wird gesagt, die Gebrüder Grandjean, welche die Pächter 
waren, hätten zu Weinähr einen neuen Hochofen erbauen und ihn abwechselnd 
mit der Haarmühle betreiben wollen, seien aber davon zurückgekommen, nach- 
dem die Requile zu Hohenrheiner Hütte ihnen die Kohlen abgetrieben hätten. 
Die Pächter schienen deshalb die Haarmühler Eisenhütte stärker betreiben zu 
wollen. 

Die darmstädtische Hofkammer verlangte die Einreichung regelmässiger 
Jahresberichte. Aus diesen ergibt sich, dass die Eisensteingruben Gelber Berg, 
Roter Berg und Allendorfer Feld im Abbau standen und dass die Grandjean 
1746 Ammunition gössen. 

Die hessische herrschaftliche Hütte war damals an einen Kölner Kauf- 
mann Namens Pauli verpachtet.^-') 

In einem der Vierteljahrsberichte des Bergwerks- und Hütten-Kontrolleurs 
J. Chr. Hendorff in Katzenelnbogen heisst es: Der Pauli'sche Ilüttenschreiber 



^^) In dem Wetterauer Geographus von 1747 heisst es: Catzenelnbogen . . . dabei 

eine herrschaftliche Eisenschmelz, Hütte und Bergwerk, die aber nunmehr ein Kölnischer 

Kauftnann Namens^Pauli in Besitz hat. Dieses Bergwerk hat Eisenstein von allen tiattungen, 
muss aber aus den benachbarten Wald und Holzungen betrieben werden. 



264 

Dern habe sich geäussert, dass er auf der Mariotischen Hütte eine 30 bis 40 
wöchentliche Kampagne zu tun imstande sein würde. Die Pächter waren dem- 
nach sehr lässig und der Mariotische Vormund verstand nichts davon und 
kümmerte sich nicht darum. 

1749 befahl die Herrschaft, dass die Bergwerke im gelben Triesch und 
in der Fuchsenhöhle wieder in Gang gesetzt werden müsstcn. Dieser Befehl 
wurde aber nicht befolgt und musste 1751 wiederholt werden. Hendorff be- 
richtet, die Mariotische Eisenhütte scheine in diesem Jahre nicht in Gang zu 
kommen, weil sie keine Eisensteine habe. Die Fuhrleute w^ollten keine fahren, 
ehe die Löhne aus früheren Jahren bezahlt seien. Die Witwe Mariot vertröste 
auf die Zeit, wann ihre Söhne majorenn würden und die Leitung selbst über- 
nehmen könnten. Am meisten wird der „Pastor" Grandjean wegen des saum- 
seligen, schlechten Bergwerks- und Hüttenbetriebes beschuldigt. Die Grandjean 
verdienten nichts und zahlten keinen Pacht, so dass die Familie Mariot aus dem 
einst so glänzenden Besitz in der Niedorgrafschaft Catzenelnbogen keinen Pfennig 
vereinnahmte. 

1748 erhob Charles le Franque (auch Lefrancq und de France geschrieben), 
gewesener Mariotischcr Hüttenmeister zu Wcinähr wegen rückständiger Forde- 
rungen und von ihm für die Eisenhütte Ilaichermühle geleistete Vorschüsse 
Klage bei der Mittelrheinischen Reichsritterschaft. Der Vormund von Sohler 
sollte zahlen, konnte aber nicht. Erst im Jahre 1758, also nach 10 Jahren, 
wurde der Streit durch Vergleich beendet. 

Die Witwe Freifrau von Mariot zu Langenau geborene Froiin von Diez 
„modo Madame Härtung" hatte wiederholt bei der Eeichsritterschaft in Friedberg 
die Herausgabe ihrer Mitgift (dotem et donationcm proptcr nuptias) verlangt, 
sich aber 1749 mit ihren Kindern und der Ritterschaft dahin verglichen, dass 
ihr 200 Gulden sogleich und dann von Weihnachten 1749 an jährlich 106 Gulden 
ausgezahlt würden. Ausserdem wurden ihr die ihr zugehörigen Möbel, ein 
Bett, Vorhänge, zinnerne Teller und Leuchter u. s. w., Familieuporträts, eine 
mater dolorosa und ecce homo auf Glas gemalt ausgeliefert. In einem späteren 
Schriftstück wird dieser Vergleich als ein für die Mariotischen Kinder günstiger 
bezeichnet; es scheint aber, dass sie bereits bei ihrer Flucht alle Schmuck- 
und AVertsachen mitgenommen hatte, da von solchen auch später nie die Rede ist. 

1749 begannen Gesuche der Mariotischen Verwaltung an die Ritterschaft, 
bezw. an den damaligen Ritter-Hauptmann Freiherrn von Köth, Excellenz, um 
Erlass von Pacht und Steuer wegen Überschwemmungen und schlechter Ernte. 
— Die vormundschaftlichen Jahresrechnungen ergaben steigende Fehlbeträge, 
so vom 1. Dezbr. 1749 bis 1750 993 Gulden 57 Kzr., von 1750 bis 1751 
1635 Gulden 53 Kzr. Der Vormund von Sohler, der alles mit Sparsamkeit 
zwingen wollte, hielt bei solcher Finanzlage die jungen Herrn von Mariot äusserst 
kna])p. Am meisten hatte der zweite Sohn Victor von Mariot hierunter zu 
leiden. Er sollte in Mainz studieren, kam aber bei dem knaj)})en Zuschuss 
bald in Schulden. Mit der Wahrheit nahm er es auch nicht genau, doch hielten 
seine Ausflüchte und Vorspiegelungen nicht lange vor. Als er von seinen 
Gläubigern hart bedrängt wurde, lieh er sich im März 1751 von einem Bürger 



265 

und Metzger 7ai Mainz Jacob Franz ein Leimpferd unter dem Vorwand nach 
lEüf Grorod zu seinem Vormund zu reiten, um dort Geld zu holen, doch Ross 
und Reiter kehrten nicht zurück. Nachdem :> Wochen verstrichen waren, 
schrieb der Bürger Franz an Herrn von Sohler und verlangte für das entführte 
Pferd und den Sattel 103 Gulden Ersatz. Erst nach Jahr und Tag konnte er 
60 Gulden erlangen, womit er sich zufrieden geben musste. Vicktor von Mariot 
blieb längere Zeit verschollen, bis endlich aus Ingolstadt Nachricht von ihm kam. 
1751 erklärte der Vormund von Sohlor der Reichsritterschaft zu Friedborg, 
dass er nicht imstande sei, die auf etwa 9000 Gulden angewachsenen laufenden 
Schulden zu bezahlen und dass er bereits 3000 Gulden aus eigenen Mitteln 
für die Mariots vorgeschossen habe. Er beantragt deshalb ein Kapital „zu 
negotiieren", wozu aber die Zustimmung der Freifrau von Dalwigk und des 
älteren von Mariot, der sich in Fritzlar aufhalte, erforderlich sei. 

Am 3. März 1752 legte der älteste der Söhne Joseph Anton von Mariot 
das 25. Jahr zurück. Damit war er grossjährig und verlangte nun durch einen 
Anwalt Veröffentlichung des Testamentes seines verstorbenen Vaters und Ein- 
setzung in sein Erbteil. Das Testament sprach die Lehnsherrschaft Langenau 
dem ältesten Sohn zu, doch sollte dieser nach von Sohler's Ansicht es nur ver- 
walten als ein den drei lebenden Söhnen gemeinschaftlich zustehendes feudum. 
Joseph von Mariot bestritt dies und entstand hieraus ein lang'wieriger Rechts- 
streit. Gleichzeitig mit dem grossjährigen Sohn forderte auch die ältere Tochter 
Frau von Dalwigk die Erbteilung. Von Sohler, zum Bericht aufgefordert, gibt 
an, die Passiven betrügen 39 577 Gulden liquida und 7800 Gulden illiquida, 
die Aktiven 22 604 Gulden. Eine Erbteilung und Schuldendeckung sei nur 
möglich, wenn das Gut zu Erbach verkauft werde. Joseph von Mariot und 
von Dalwigk beantragen dies bei der Ritterschaftskammer in Friedberg; von 
Sohler erklärt sich im Interesse seiner Mündel gegen den Verkauf. Trotzdem 
stimmt die Ritterschaft dem Verkauf zu und beauftragte Freiherrn Langwerth 
von Simmern mit der Einleitung desselben. Dieser schätzte den Wert des 
Gutes nur auf 15 000 Gulden; eine Taxation von Sachverständigen ergab 
28 448 Gulden. Die Ritterschaft beschloss die öffentliche Versteigerung und 
schrieb dieselbe auf den 6. Dezember 1752 aus. 

Inzwischen war Nachricht von dem aus Mainz entflohenen zweiten Sohn Victor 
von Mariot aus Ingolstadt eingetroffen. Er lebte dort als Student in grösster 
Dürftigkeit. Zu seinem Glücke hatte er in der verwitweten Landgräfin von Ilessen- 
Rheinfels, die sich zu den Karmeliterinnen in Ingolstadt zurückgezogen hatte, eine 
Beschützerin gefunden. Diese schrieb am 29. Juni 1752 zum erstenmal an Haupt- 
mann und Räte des Mittelrheinischen Reichsritterschaftsverbandes zu Burg Fried- 
berg als Fürsprecherin für den jungen Victor von Mariot, der seit einem Jahr sich 
aus Mainz entfernt habe, weil er von seinem Vormund zu hart gehalten worden 
sei. Seitdem lebe er in Ingolstadt, wo er auf ihre Fürsprache und auf eine 
von der Priorin der Karmeliterinneu gestellte Kaution als (akademischer) 
Bürger aufgenommen und mit dem Notdürftigsten versehen worden sei. Sein 
Vormund von Sohler verweigere ihm aber jede ihm notwendig zukommende 
Alimentation. Sie würde sich dieser Sadie nicht angenommen und die Priorin 



266 

zur Übernahme der Bürgschaft veranlasst haben, wenn sie nicht erkannt hätte, 
dass der junge Mann in seiner Not und Desperation für Zeit und Ewigkeit 
unrettbar verloren sein müsse, wenn ihm nicht geholfen werde. Sie bittet 
deshalb dringend, den Vormund von Sohler zur Zahlung des Unterhalts an- 
zuhalten. Daraufhin weist die Kitterschaft den Vormund von Sohler zur so- 
fortigen Zahlung der alimenta des Victor von Mariot für 4 Wochen an. Am 
7. Juli 1752 reichte Joseph Seitz, Bürger und Bierbrauer zu Ingolstadt, bei der 
Ritterschaft eine Eechnung von 134 Gulden 35 Kzr. für Kost und Wohnung 
des Victor Amadeus Adolphus Maximilianus L. B. de Marioth ein. Von Sohler 
zahlte nichts. Nach einiger Zeit sendet die hessische Landgräfin ein zweites 
dringendes Schreiben an die Mittelrheinische Eitterschaft, worin sie sagt: „Die 
Neigung, die ich jederzeit vor die Mariothische Familie in meinem Gemüth 
hege, auch die Sorge vor des jungen Victors von Marioth zeitlicher und ewiger 
Wohlfahrt", veranlasse sie zu diesem Schreiben. Mariot habe jetzt über 
250 Gulden Schulden in Ingolstadt und befinde sich in grösster Not. In einem 
beigefügten Briefe des Victor von Mariot erklärt dieser, er habe alle Lebens- 
hoffnung aufgegeben und wolle in den Franziskanerorden eintreten. Der Prior 
des Ordens bittet aber die Fürstin, dass erst seine Schulden in Ingolstadt be- 
zahlt würden. — Auch hierauf schickte von Sohler kein Geld. — Victor von 
Mariot schrieb auch der Fürstin, sein älterer Bruder conspiriere mit dem Vor- 
mund, um die väterlichen Güter zu billigem Preis zu erwerben und ihn mit 
Gewalt in das kurmainzische Militär zu zwingen. 

Am 7. Oktober 1752 schreibt die verwitwete Landgräfin von neuem an 
die Mittelrheinische Ritterschaft, dass der Vormund von Sohler nach wie vor 
dem Victor Mariot jede Alimentation vorenthalte. Der junge Mann leide buch- 
stäblich an allem not, sei ganz elend und krank. Sie bittet dringend um 
Zahlung seiner Schulden, damit er ins Kloster eintreten könne. Frater Joannes 
de Mata Weniger, Magister des Franziskanerordens, fügt ein sehr gutes Zeugnis 
über ihn bei. Inzwischen war das Testament des Vaters Freiherr Anton von 
Mariot zu Langenau eröfl^net worden. In demselben war, abgesehen von Neben- 
sächlichem, bestimmt, dass die Mobilien unter die 6 Kinder zu gleichen Teilen 
verteilt werden sollten. Die Herrschaft Langenau sollte dem ältesten Sohn, 
sobald dieser mündig sei, zufallen. Sterbe dieser ohne männliche Erben, so 
folgt der zweite Sohn u. s. w. AVenn aber einer derselben ein anderes als ein 
„stiftmässigcs Fräulein'"' heirate oder sich von der allein selig machenden Kirche 
abwende, solle solcher „eo ipso Von allen prärogationis nicht allein, sondern 
der ganzen Heredität verlustig, ausgeschlossen und ohne Jedermanns Einwand 
für sich und der seinigen, sein und verbleiben. " Die übrigen Güter sollen 
unter den männlichen Erben geteilt werden. Die Witwe behält die Nutzniessung. 
Für den Fall, dass sie den Haushalt niederlege, soll sie ein Jahreseinkommen 
von 400 fi. beziehen, welches auf die Güter Waldlaubersheim, Rummelsheim 
und Weinsheim sichcn- zu stellen wäre. 

Die Bevorzugung des ältesten Sohnes bozügl. des Kamiliengutes Langenau 
wurde von den übrigen Erben als rechtlich unzulässig angefochten, weil hicn-über 
nur der Lehnsbrief, aber kein Testament bestimmen könne. Josojdi von Mariot 



267 

müsse sein Vorrecht aus dem Lehnsbrief beweisen. Zum Mobiliar ^Yird bemerkt, 
dass von Pretiosen, Silbergeschirr u. s. w. nichts mehr vorhanden und anzu- 
nehmen sei, dass die Witwe von Mariot „bei ihrer nachher geführten Haus- 
haltung, Entweichung und üblem Bezeichen'' solche verwertet oder mit- 
genommen habe. Um die Schulden bezahlen und eine Erbteilung ermöglichen 
zu können, hatte die Kitterschaft die öffentliche Yersteigerung des Erbacher 
Gutes angeordnet, den Termin aber wieder hinausgeschoben. 

Am 4. Januar ll^)o protestierte Joseph Anton von Mariot gegen den 
Verkauf, weil Taxation und Spezifikation des Gutes nicht richtig seien. Auch 
verlangte er richterliche Entscheidung wegen der Immobilien und seines Vor- 
rechtes auf Langenau. 

Von der Erbteilung wurde deshalb zunächst abgesehen und für den Ver- 
kauf des Erbacher Gutes ein neues Subhastationspatent mit abgeänderten Be- 
dingungen veröffentlicht. Der Versteigerungstermin wurde auf den 18. Januar 
1753 ausgeschrieben. Das Ergebnis war ein über Erwarten günstiges. Das 
Höchstgebot betrug 48300 Gulden. Aber verblendet durch diesen Erfolg ver- 
weigerten die Beteiligten den Zuschlag. Sobald das Ergebnis bekannt wurde, 
meldeten sich alle Gläubiger, darunter das Domkapitel in Mainz und eine Ver- 
wandte, Fräulein Philippiue von Diez, eine Schwester der Witwe von Mariot 
mit einer angeblich auf dem Erbacher Gut lastenden Forderung von jährlich 
772 Gulden „Spielgeld" vi dispositionis paterna. Ausser der hessischen Land- 
gräfin schrieb nun auch der Stadtrat von Ingolstadt an die Mittelrheinische 
Reichsritterschaft wegen Bezahlung der Schulden des Victor von Mariot. Diese 
gibt dem halsstarrigen Vormund von Sohler am 23. Mai 1753 unter Straf- 
androhung auf, innerhalb 14 Tagen den angeforderten Betrag von 260 Gulden 
an den Stadtrat zu Ingolstadt zu schicken und wird ihm gestattet, hierfür von 
den in Erbach lagernden Weinen zu verkaufen. Aber auch dieser Aufforderung 
kam der eigensinnige Mann nicht nach, worauf ihm von der Ritterschaftskammer 
unumwunden der Vorwurf der Pflichtversäumnis gemacht wurde. 

Drei Jahre lang hatte er seinem Mündel Victor von 3Ia.riot keinen Pfennig 
zukommen lassen, während er doch dem älteren Bruder Joseph wiederholt 
grössere Beträge ausbezahlt hatte. Nun erhoben auch die Mariotischen Ge- 
schwister gegen den Vormund von Sohler Klage, wegen schlechter Führung der 
Vormundschaft zu ihrem Nachteil. Es sah auch wirklich recht übel in dem 
einst glänzenden Besitz aus. Ganz verwahrlost war die Verwaltung der Berg- 
und Hüttenwerke. Die Eisenhütte zu Weinähr war gänzlich in Verfall geraten. 
1742 hatten die Grandjeans die sämtlichen Mariotischen Eisenwerke für 1050 Rtlr. 
jährlich gepachtet. Hierauf hatten sie dem verstorbenen Anton von Mariot 
2500 Rtlr. vorausbezahlt, seitdem aber auch bis 1752 nichts mehr. Nur bis 1746 
hatten sie Rechnung abgelegt und damals hatten sie für bauliche Verbesserungen 
sogar gegenüber dem verfallenen Pacht noch etwas herausverlangt. Niemals 
habe, nach Angabe der Mariotischen Kinder, der Vormund von dem Pächter 
eine Abrechnung verlangt, selbst dann nicht, als diese den Pacht kündigten. 
Damals habe von Sohler den Verkauf oder anderweitige Verpachtung der Berg- 
und Hüttenwerke bei der Hessischen Reffierun"- wohl beantragt, sich aber nie- 



268 

nials im geringsten darum bemüht, so dass beides unterblieb. Auch wurde von 
Sohler vorgeworfen, dass er, obgleich er nichts tat, doch hohe, angeblich zu 
hohe Reisekosten berechnet hätte. Diese betrugen von 1746 bis 1752 685 fl. 
31 Kzr., davon im Jahre 1752 allein 212 fl. 28 Kzr. — Endlich verlangte der 
ältere Mariot Herausgabe oder wenigstens Vorlegung der von seinem Vater 
hinterlassonen Briefe und Dokumente. — Das sehr milde Urteil der Reichs- 
ritterschaft ging dahin, dass von Sohlcr innerhalb 6 Wochen die Papiere ordnen, 
vorlegen und sich über eine Reihe von Punkten ausweisen sollte. 

Von Sohler verklagte dagegen Joseph Anton von Mariot wegen des von 
ihm angeordneten Hauen und Verkauf von Holz aus dem Langenauer Wald, 
da er den Nachweis nicht erbracht habe, dass er hierzu berechtigt sei, worauf 
dieser Gegenklage gegen seine Geschwister erhob. 

Der Verkauf des Erbacher Gutes war immer noch nicht zu Stande ^e- 
kommen. Die Ritterschaft hatte zwar die Forderung des Fräulein von Diez 
von jährlich 7^2 Gulden als eine auf dem Besitztum ruhende Last verworfen, 
auch hatte sie einen neuen Versteigerungstermin auf den 17. September 1753 
ausgeschrieben. Hierbei hatte aber das Höchstgebot nur 41 500 fl. betragen, 
wogegen Frau von Dalwigk Einsprache erhob, „da sich bei ihr andere Lieb- 
haber gemeldet hätten und es bekannt sei, dass Niemand so bedürftig sei, wie 
sie mit ihren Kindern''. Auch von Sohler kam mit einem Nachgebot von 
43 000 fl. Der Zuschlag wurde deshalb verweigert und ein neuer Termin auf 
den 8. November 1753 anberaumt, mit der Bedingung, dass das zuletzt ab- 
gegebene Gebot mit 43 056 fl. angeboten und der Zuschlag erteilt werde. Die 
Versteigerung erzielte diesmal ein Höchstgebot von 45150 fl., das H. Kluck 
im Auftrag des Freiherrn Langwerth von Simmern abgegeben hatte. Dieses 
Gebot erhielt den Zuschlag. 

Es war bestimmt, dass die Zahlung in Raten erfolgen sollte. Von Sohler 
verlangte, dass die erste Rate nicht an die Mariots, sondern an ihn gezahlt 
werde und dass er davon 3000 fl. für seine Vorlagen entnehmen dürfe. Dies 
geschah^aber nicht, vielmehr erhielt von den von Baron Langwerth am 26. No- 
vember angezahlten 10000 fl. Joseph Anton von Mariot 4000 fl., Frau 
von Dalwigk 4000 fl. und von Sohler als Abschlag auf 4000 fl. 2000 fl. 

Alsbald meldeten sich wieder mancherlei Gläubiger. Die Nonnen von 
Neuburg-Ingolstadt schrieben, dass sie den Victor von Mariot aus grossem Elend 
gezogen und in ihrem Krankenhaus verpflegt hätten. Sie bitten um Ersatz der 
Kosten. Trotzdem verweigerte von Sohlcr noch immer die Zahlung der Ingol- 
städter Schulden. Jetzt beflehlt ihm aber die Ritterschaft die Auszahlung unter 
Androhung der Exekution. Darauf schickt von Sohler endlich am 14. Februar 
1754 den Betrag von 260 fl. ein. Jetzt erst konnte Victor von Mariot Ingol- 
stadt verlassen und nach Mainz zurückkehren. 

Bald darauf am 24. ISIärz erhoben die beiden jüngeren Brüder Victor und 
Hugo von Mariot gemeinschaftliche Klage gegen ihren Vormund von Sohler bei 
der Reichsritterschaft, dass sie von demselben so schlecht und unwürdig ge- 
halten würden, dass sie sich schämen müssten und bitten um einen anderen 



269 

Vonmmd. von Sohlcr erhielt hierauf eiue ernste Vermahnung unter Hinweis auf 
seine Pflichten und auf das am 23. Oktober 1753 gegen ilin ergangene Urteil. 

Am 27. März 1754 meldete sich auch die Witwe von Mariot geb. von Diez 
mit Forderungen. Ihre Handschrift ist zitterig geworden. Am 5. April ver- 
langt Yictor Amadeus von Mariot Erbteilung. Die Mittelrheinische Ritterschaft 
ernennt Freihorrn vom Stein zu Nassau, den Vater des grossen Ministers, zu 
ihrem Kommissar, um die Sache zu prüfen und zu vergleichen. Dieser sendete 
1755 folgenden Bericht über die Mariotischen Eisenhütten: Der Gross- und 
Kleinhammer des älteren Herrn von Mariot zu Weinähr seien schon über 
10 Jahre zerfallen und unbrauchbar gewesen. Der Vormund von Sohler hätte 
seiner Zeit der Ritterschaft angezeigt: da dies ein Arnstein'sches Lehen 
wäre, mit der Bedingung, dass Hammer und Hütte nie still liegen dürften, 
weil sonst der Platz mit allem Zubehör dem Gotteshaus Arnstein wieder zufalle, 
so wäre 1755 Verzicht geleistet worden. Den Hüttenwald bei der Haichermühle 
(Haarmühle) besässen sie mit Hessen-Darmstadt gemeinschaftlich in der Weise, 
dass den Mariots Vs, Hessen Vs des Holzes zukommen. Bei einer Erbteilung 
müssten alle Besitzteile, insbesondere die Bergwerke und Hütten von Sach- 
verständigen taxiert und pro pretio taxato verlost werden, wenn kein höheres 
Gebot erfolge. Von den Hofgütern Rommeisheim und Waldlaubersheim seien 
die der Niederrhoinischen Reichsritterschaft zustehenden Abgaben im Rückstand. 

Es wurde damals vereinbart, dass der zweite Sohn Victor Amadeus von 
Mariot, sobald er mündig sei, die Berg- und Hüttenwerke übernehmen sollte. 
Dieser reichte deshalb im Frühjahr 1755 an Se. Majestät den Kaiser durch die 
Ritterschaftskammer ein Gesuch um Mündigkeitserklärung ein. Am 12. Juli 
1755 wurde dem Gesuch willfahrt und Victor von Mariot mündig erklärt. Das 
Aktenstück ist unterzeichnet von Graf von Bamberg, Kammerherr des Kurfürsten 
von Mainz und Kaiserl. General-Feldmarschall etc. 

Kaum selbständig klagt am 14. Xovbr. 1755 Victor von Mariot gegen 
seinen älteren Bruder Joseph wegen Devastation des Langenauer Waldes. Er 
ruiniere das Gut zum Nachteil der Familie, ebenso wie die Berg- und Hütten- 
werke. Er spricht von der ruinierten Eisenhütte zur Herrnmühle (Haarmühle). 
Erst hätte Grandjean diese zu Grunde gerichtet, jetzt sein Bruder der Art, 
dass, hätte man sie ihm nicht entzogen, jetzt kein Stumpf und Stiel mehr 
da wäre. 

Für die Herbeiführung der Erbteilung ernennt die Ritterschaft den Ritter- 
rat Freiherru vom Stein zum Oherkommissar und Rat Tabor zum Kommissar. 
Es finden mit den Erben und deren Vertretern, wobei nur die zwei jüngeren 
Söhne und die Tochter genannt werden, wiederholt Verhandlungen im Wirtshaus 
„zum Stern" in Nassau statt. Am 27. November 1756 wurden, nachdem alles 
taxiert war, die einzelnen Besitzteile unter den Erben verlost. Es war dies 
„der hochfreiherrlich von Mariotische Erbteilungsprozess'\ auf den in späteren 
Akten oft Bezug genommen wird. 

Mit den Eisenbergwerken und Hütten wurde der Anfang gemacht, da 
dieselben nicht getrennt werden konnten. Genannt sind die Schmelze zu Haicher- 
mühle nebst der Mahlmühlo aus dem Hüttenwald, der Ahler Hammer, die 

18 



270 

Eiseusteingruben mit allem Zubehör. Dies alles zusammen Avar abgoscliätzt 
auf 7280 Rtlr. 16 Albus und fiel Victor Amadeus von Mariot zu, der auch 
noch den verfallenen Hammer von Weinähr für 200 Gulden übernahm. — 
Hierauf kam der Holzheimer Hof zum Ausgebot, den Herr von Dalwigk für 
lOOOOHtlr. erhielt. Die Güter Eommelsheim und Waldlaubersheim fielen zum 
Anschlag von 2425 Rtlr. dem jüngsten Bruder Hugo von Mariot „per commissio" 
zu. Joseph Anton von Mariot behielt das Adelsgut, sollte aber darauf 8020 fl. 
13 Kzr. an seinen Bruder Victor herauszahlen. Victor von Mariot begann die 
Eisenhütte bei Katzenelnbogen wieder zu betreiben. Von 1754 liegt eine Nach- 
richt vor, dass auf der Mariotischen Hütte runde Öfen und Gossen gemacht 
wurden. Er hatte aber einen schwierigen Stand neben der herrschaftlichen 
Hütte, die von einem kölnischen Kaufmann, Pauli, betrieben wurde, v\'elcher 
in hiesigen Akten von 1757 als Erbbeständer der Herrschaftlichen Eisenhütte 
genannt wird. Gegen Victor und Hugo von Mariot schwebten Schuldklagen, 
meist alte Rückstände, z. B. eine Forderung der Staudinger'schen Erben für 
Kostgeld von 1748, des Universitäts-Rechenmeisters in Mainz 9 fl. für Unter- 
richt an Hugo von Mariot. Die grösste Forderung von 424 H. 39 Kzr. hatte 
der kurmainzische Hoftauzmeister Johann Caspar Bossart für Kost und Logis 
der beiden Brüder während ihres gemeinschaftlichen Aufenthaltes in Mainz. 
IIuo-o Franz von Mariot stand 1757 als Offizier im Feld und zwar als kur- 
mainzischer Leutnant in Böhmen. Er will nur 100 fl. von Bossart entliehen haben. 

In der Klagebeantwortung vom 28. März 1759 beschweren sich beide 

Brüder, dass ihnen ihre Gefälle und Zinsen aus dem Gute Langenau von ihrem 

älteren Bruder vorenthalten wurden. Hugo verlangt 300 fl., die er zu seiner 
Equipieiung und für ein Pferd für den Feldzug nötig habe. 

Von der Ausgleichungssumme aus der Eibteilung hatte Joseph von Mariot 
nur einen Teil bezahlt, so dass noch 6000 fl. rückständig waren. Diese klagte 
Victor im Jahre 1759 ein, worauf ein Vergleich zustande kam, derait, dass 
Victor von 1760 das freiherrliche Gut Langenau, Joseph aber die Bergwerke 
und Hütten, sowie die Güter Eommelsheim und Waldlaubersheim zum Taxwert 
von 2425 fl. von dem jüngeren Hugo übernahm, wogegen ihm die Restschuld 
von 6000 fl. erlassen wurde. Die „ritterliche Verlassenschaft", d. h. das Gut 
Langenau, war dabei zu 17091 fl. 15 Kzr. veranschlagt. 

Joseph von Mariot war des ewigen Prozessierens mit seinem intriganten 
Bruder leid geworden. Dieser hatte auch die Bestimmung dos väterlichen 
Testaments, dass der Herr von Langenau mit einem „stiftsniässigen Fräulein" 
verheiratet sein müsse, zu einer Klage benutzt. Joseph Anton von Mariot hatte 
sich 1757 mit Jose])ha Theresa von Seiller (Seyler), Tochter dos hochangesehenen 
kurfürstlich trici'ischen Leibmedikus von Seillci verheiratet, die, obgleich vornehm 
und gebildet, doch nicht „stiftsmässig" war, weshalb er, wie Victor in seiner 
Klage ausführte, „der Präferential-Succession des Stammhauses Langenau und 
J'ertinenzien verlustig und zu exkludieren, er aber als zw^eiter Sohn präferentialiter 
zu admittiren sei." Durch den erwähnten Vergleich wurde im Jahre 1760 
Victor von Mariot Herr von Langenau. Dieser stak tief in Schulden und ist 



271 

niemals aus don Schulden licrausgekonnnen. Sehr bald hauste er viel ärger als 
sein Bruder auf dem Gute, so dass dieser ihn jetzt wegen Deterriorierung des 
Fideikommisses verklagte, wobei er wieder von der ßeichsritterschaft die Heraus- 
gabe der Familien-Urkunden und Papiere seines Vaters verlangte. 

Schon 1760 nahm Victor von Mariot von Martin von Guaita von Köln 
ein verzinsliches Darlohen von 3000 fl. auf, das mit Zustimmung des kui- 
kölnischen Lehnshofes hyi)othekarisch auf das Gut eingetragen wurde und in 
G Jahren zurückzuzahlen war. Der Baron zahlte aber weder Zinsen, noch zahlte 
er die Steuern an die Keichsritterschaft, so dass diese schon 1762 zwangsweise 
eine Vormundschaft, die zunächst nur in einer Beaufsichtigung bestand, ein- 
setzte und damit den Ritterrat Freiherrn vom Stein beauftragte. Dieser vor- 
treffliche Mann hat dieses undankbare Geschäft 20 Jahre lang mit grosser Ge- 
wissenhaftigkeit und Geduld versehen. 

Victor von Mariot söhnte sich mit seiner Mutter, die zum zweitenmale 
Witwe geworden war, aus, mit wohl deshalb, um durch sie zu Geld zu kommen. 
Am 11. Oktober 1763 bittet er die Ritterschaft um Konsens zur Aufnahme 
eines Kapitals von 2125 fl. auf den Niederstädtischen Hof für seine 3Iutter. 
Dieser wurde bewilligt. Die Witwe von Mariot zog zu ihrem Sohn nach Schloss 
Langeuau, wo sie einst bessere Tage erlebt hatte. Victor von Mariot fuhr fort, 
Schulden zu machen. Freiherr vom Stein hatte seine liebe Not mit dem leicht- 
sinnigen, verlogenen Baron. Er schrieb am 6. Dezember 1764 an die Ritter- 
schaft, dass er nichts als leere Versprechungen von ihm erhalte. „Dieser Mensch 
ist im mindesten nicht vermögend, sich selbst zu führen und wenn er nur etwas 
Geld aus den Früchten erlöst, so lässt er es durch die Finger fallen und denkt 
an nichts weniger als an die Erfüllung seiner Zusagen. Ja, er spricht nicht 
mehr die Wahrheit, sondern sucht mit Ränken sich durchzubriugeu. Um nur 
etwas für die Gläubiger herauszubringen, muss man das Gut verpachten und 
das vorhandene Vieh verkaufen. Es ist nur gut, wenn dem Mariot in dem 
Pächter zugleich ein Wächter gesetzt wird." 

Auf dem Langenauer Gute wurde auch Weinbau getrieben, doch lohnte 
er selten die Kosten. 1765 wurden IIV2 Ohm Wein erzielt. Daneben trieb 
der Freiherr auch Bergbau, obgleich die Mariotischen Eisenwerke nicht mehr 
in seinem Besitz waren. 

Schon im Jahre 1759 hatten die Mariotischen Erben die Bergwerke und 
Hütten zum Verkauf ausgeboten. Damals klagten sie dem Landgrafen von 
Hessen, dass sie den Zehntstein nicht los werden könnten. Der Pächter der 
herrschaftlichen Hütte brauchte ihn nicht, weil er eigne Eisensteingruben betrieb. 
Nach Ablauf des Pachtvertrags mit den Grandjean hatte ein Hofrat Schmidt zu 
Weyer „die Haarmühler Eisenhütte" eine Zeit lang betrieben. Ein Bericht des 
hessischen Bergbeamten Hendorff vom 31. Oktober 1760 an den Landgrafen 
meldet, dass das Fuchsenhöhler Bergwerk mit 7, das auf dem Mühlenfeld mit 
4 Mann belegt sei. „Die Haarmühler Eisenschmelz betreffend hat solche nur 
27 \'2 Wochen geblasen, hätte aber wegen des starken Vorraths an Kohlen, 
der sich auf 400 Klafter beläuft, wohl bis Pfingsten fortgetriebeu werden 
können. Da man aber wegen der vielen Fourage-, Mehl- und anderen Kriegs- 

18* 



272 

fahrten keinen Eisenstein beifaliren konnte, hat man soloho vor der Zeit aus- 
geblasen.'"' 

Durch den bereits erwähnten Vergleich vom 15. November 1759 war 
Joseph Anton von ^lariot, der inzwischen als ßegierungsrat in kurpfälzische 
Dienste getreten war, Besitzer der Mariotischen Eisenwerke geworden. Er 
scheint im pfälzischen Dienst gerade dem Bergwesen vorgestanden zu haben, 
denn er wurde später Bergrat. Diese Stellung gab ihm wohl auch die Gelegenheit, 
einen Liebhaber für die väterlichen EisenAverke zu finden. Am 1. August 1761 
veikief er dieselben an den Bankier und Hofrat Gottfried von der Null zu Köln, 
angeblich nur deshalb, weil ihm seine Beamtenstellung in kurpfälzischem 
Dienst die eigne Administration unmöglich machte. Der Kaufpreis betrug 
15000 fl., ausserdem 500 fl. „als ein Trankgeld für die gnädige Frau von 
Marioth und 80 fl. für beide Fräulein Töchter." Die landgräfliche Regierung 
war mit dem Verkauf einverstanden und übertrug die Erbleihe auf von der 
Null zunächst auf 25 Jahre. Doch erfolgte die Ausfertigung erst am 4. November 
1762, weil die Einwilligung des Victor Amadeus von Mariot erst beigebracht 
werden musste. 

Pauli, der Hüttenadministrator der Herrschaftlichen Eisenhütte zu Katzen- 
elnbogen hatte sich inzwischen viele Übergriffe gegen die Mariotischen Berg- 
werke erlaubt, weshalb der neue Besitzer sofort im Jahre 1761 mit ihm in 
Streit geriet und seitdem zahlreiche Beschwerden und Klagen bei der Darm- 
städtischen Regierung anbrachte. Die Beschuldigungen betrafen vornehmlich 
den rechtswidrigen Verkauf von Katzenelnbogener Eisenstein ins Ausland zum 
Nachteil des von der Null und der Herrschaft. Bei diesem Handel wurde der 
alte Pauli, der, wie es scheint, gleichzeitig Hüttenadministrator der Nassauischen 
Eisenhütte zu Michelbach war, von seinem Sohn Peter Reinhard Pauli, Berg- 
und Hüttendirektor der Nassau - Saarbrückischen Hofkammer zu Wiesbaden, 
unterstützt. Sowohl nach Michelbach als an die Nieverner Hütte hatte Pauli 
Eisenstein, angeblich Zehntstein, verkauft. Er behauptete, hierzu berechtigt 
zu sein, weil er statt des Erzzehnten jährlich 150 fl. bezahlt habe. Bei den 
Mariotischen Bergwerken werde der Eisensteinzehnte in natura geliefert, er aber 
könne, da er eine Abfindung dafür bezahle, frei über das Erz verfügen, auch 
habe er dafür keinen Zoll zu entrichten, weil nach dem Bergrecht Hütteneffekten 
zollfrei seien. Hiergegen bemerkt die hessische Regierung, „in dem Pauli'schen 
Erbleihbrief sei zwar der Punkt vom Zoll als gewöhnlich omittirt, aber in 
dem Vergleich mit der Nassau-Usingischen Rentkammer wohl exponirt worden, 
weshalb Pauli den Zoll schuldig sei." Pauli erklärte sich hierauf bereit, für 
die verkauften Eisensteine den Zehnten zu bezahlen, aber nicht den Zoll. Die 
Bergwerke in Katzenelnbogen seien der Fürstlich Nassau-Usingischen Herrschaft 
verhypothizirt. Er ersucht nachträglich um die Ausfuhrerlaubnis von 500 Fuder 
Eisenerz gegen Erlegung des Zehnten nach. — Hiergegen erhob von der Null 
Einsiirache, woraus ein langwieriger Rechtsstreit entstand. Durch seinen Hütten- 
schreiber Bach liess von der Null in einer Verhandlung am 18. Juni 1762 
ausführen, dass er nach dem Mariotischon Leihbrief gegen Erlegung des Zehnten 
das Vorkaufsrecht für allen im Katzenelnbogenschen geförderten Eisenstein habe. 



273 

Hiergegen hätte sicli Pauli vergangen, indem er 400 Fuder Eisenstein an den 
Ilüttenlicrru de Barme zu Nieveru verkauft habe. Joseph Anton von ^Mariot, 
kurpfälzischer Regieruugsrat, damals zu Bacharach, unterstützt von der Null, 
indem er in derselben Sache bei dem Landgrafen Klage erhebt „um Aufhebung 
der von dem Erbbeständer Pauli erschlichenen Signatur und herrschaftlichen 
Verordnung, dass ihm der Verkauf der überflüssigen Eisenerze gegen Entrichtung 
des Zehnten zustehe/' Die Klage ist unterschrieben: „Unterthänigster Vasall 
von Marioth zu Langenau und dessen Beständer Gottfried von der Null zu 
Coblenz". 

Die hessische Kammer erwiderte, dass die Eisenstein-Ausfuhr im all- 
gemeinen nicht erwünscht sei und dass es freundschaftliche! wäre, wenn Pauli 
seinen ÜberHuss an Eisenstein dem von Mariot, beziehungsweise von der Null 
ablasse. Ein Recht darauf habe aber letzterer nicht. Jedenfalls solle in Zu- 
kunft kein Erz ohne Zustimmung der Herrschaft ausser Landes verkauft werden. 
Nach empfangener Mitteilung seien die Erze von der Michelbacher Hütte ge- 
kauft und von dieser nur deshalb an die Nieverner Hütte abgegeben worden, 
um sie dort ausschmelzen zu lassen. Das Roheisen sollte nach Michelbach zu- 
rückgehen, um es hier weiter zu verarbeiten und zu probieren, ob es sich für 
Draht eigne. 

Damit war der Streit aber keineswegs beendet. Pauli beantragte 1764, 
dass dem von der Null die Erbleihe genommen werde, was abgelehnt wurde. 
Am 30. April 1764 bittet von der Null den Landgrafen, am Bernbacher Bach 
eine Eisensteinwäsche anlegen zu dürfen. 1766 versprach Pauli dem von der 
Null 400 Fuder Erz wohl als Äquivalent für das ausgeführte Quantum, lieferte 
sie aber nicht, weshalb von der Null sich von neuem beschwerte. Nachdem 
Landgraf Ludwig VIII. 1769 gestorben war, beantragte von der Null die Er- 
neuerung der Erbleihe. Diese erfolgte am 30. September 1771. 

Aus dem Anfang der 1780 er Jahre findet sich ein interessanter Bericht 
über die Katzenelnbogenschen Eisenhütten in P. E. K 1 i p s t e i n's Mineralogischem 
Briefwechsel von 1784 (Bd. II, S. 324 etc.). Er lautet: Heute besah ich die 
hiesige Eisenschmelzhütte. Sie ist ein herrschaftlicher Eibbestand. Der hohe 
Ofen ist vom Herdstein bis zur Mündung 19 Schuh hoch, bis zur Rast 5 Schuh, 
bis zur Düse 372 Schuh. Die Form ist 14 bis 16 Zoll vom Herd; dieser ist 
1 Schuh 4 Zoll weit. Die ganze Weitung des Ofens mit der Stellung beträgt 
8 Schuh, von da zum Rückstein sind 5 Schuh. — Die Eisensteine werden vor- 
erst so klein wie möglich zerschlagen, weil dieselben, besonders die Roten- 
berger, sehr hartschmelzig sind. Zum Waschen der Steine ist ein viereckiger 
steinerner Behälter, worüber in der Mitte ein Brett liegt, bestimmt. Das Wasser 
fällt durch einen Kanal hinein und läuft dem gegenüber wieder heraus. Der 
Wäscher stürzt die Steine vor das einfallende Wasser, rührt sie mit der Schippe 
um und bringt sie etlichemal unter den Wasserfall; den nun reinen Stein 
schöpft er heraus; das, was hinter den Wäscher auf die andere Seite des über 
den Behälter gelegten Brettes geschwemmt wird, ist Abgang, eine schwarz- 
braune Erde, etwa der dritte Teil. Geröstet werden die Eisensteine nicht, 
sondern statt dessen nur 2 Schuh über der Gicht aufgegeben. Die drei Sorten 



274 

werden wohl vergatticrt oder gemöllert, ^ '7 Fuchscnhöhler, ^h Rothenberger und 
7? Gelbenbcrger Stein wird für den besten gehalten. Die zwei letzten Sorten 
dürfen aus der Ursach nur zu -/' und ^'7 genommen werden, weil sie wegen 
ihrer erdi"-en Beschaffenheit Neigung zum Kaltbruch haben; auch werden noch 
4 5 bis 6 Schippen Kalkstein auf die Gicht getan. Die glänzende, glimmernde 
Schlacke auf der Gose, ein Anzeigen, dass der Ofen nicht mit Steinen über- 
setzt war, nennen hier die Hüttenleute „Kies".^°) Die Hüttenreise währt 24, 
oO, auch 35 Wochen. Die Verschiedenheit diesei Dauer beruht auf den Kohlen, 
welche selten vor Pfingsten zu erlangen sind; und auf dem frühen und spaten 
Frost, deswegen man selten auf 40 Wochen kommt. Bei einer 30 wöchentlichen 
Kampagne werden erfordert 

vom roten Berg .... 90 

vom gelben Berg .... 45 

von der Fuchsenhöhlo . . 180 

zusammen . . 315 Fuder. 
Das Mariotisch Fuder zu 20 Maass kommt bei dem gelben auf 27^ A.» 
bei dem Fuchsenhöhlei auf 4\'2 fl., bei dem Eothenberger auf 4 auch 5 fl. 
Das Maass vergattierter Eisensteine wird 3 Zentner, folglich das Fuder 60 Zentner 
wiegen. In 24 Stunden gehen durch 2 Fuder Kohlen und 1"2 Fuder gattierter 
Stein, woraus zwei Massel ä 15, 16, 17 auch 1800 Pfund fallen. — Ein 
Fuder Kohlen kommt auf 16 fl. auch höher, besteht aus 18 Mariotischen 
Maassen. Sie werden im Rheinfelsischen auch in etwas aus den landesherr- 
lichen Waldungen erhalten. Der Stellraeister erhält wöchentlich 5 fl., der 
Kleinschmelzer 2 fl. 20 Albus und die zwei Aufsetzer jeder 1 fl. 7 albus 4 Kzr. 
Das Eisen wird an verschiedene Orte verführt und dafür 37^ fl. der Stab be- 
zahlt. Die Nähe der Eisensteine an der Hütte und die Leichtigkeit die Materialien 
und Produkte zu Wasser bei- und abzuführen, nebst dem gestiegenen Eisen- 
preis mindern einigermaasson die Verwunderung, wie die dortigen Weike bei 
jenem hohen Kohlenpreis bestehen können. Während zu der Zeit, als Johann 
Mariot 1660 die Belehnung in der Niedergrafschaft erhielt, das Holz nur 
einige Albus das Klafter kostete, werden jetzt bis 20, ja bis 24 fl. für das 
Fuder Kohlen bezahlt. — 

1785 starb Hofrat von der Null, infolge dessen nuisste die Erbleihe für 
die erbberechtigten Hinterbliebenen erneuert werden. Diese waren die Witwe 
Johanna Catharina von der Null geborene Gogel, ihre zwei Söhne Johann und 
Jacob Friedrich und 4 Töchter. Die Erneuerung des Erbleihbiiefes erfolgte 
am 10. März 1786. Eine der Töchter heiratete einen, wie es scheint, in Berg- 
und Hüttensachen erfahrenen Mann namens Jacob Kraus. An diesen und seine 
Frau trat die Witwe von der Null alle ihre Rechte auf die Eisenwerke in 
Katzeneinbügen uh ; einige Jahre danach starb sie. 1794 suppliziertcn die von 
der Nüll'scheu Kinder um Erneuerung der Erbleihc. Im Juli 1801 bittet Jacob 
Kraus für sich und als Vormund seiner erbberechtigten Kinder um Erneuerung 
des Leihbriefes; dieser wird am 19. Novcmbcn- 1802 ausgefertigt. Hiermit 



«0 



') = Graphit. 



275 

schliessen die Nachrichten über die Mariotischen Eisenwerke in der Grafschaft 
Katzenelubügcn im hiesigen Archiv. 

Kehren wir zu den Schicksalen der freiherrlichen Jjrüder von Mariot zu 
Langenau zurück. Der älteste, Franz Joseph, war kurpfälzischer Beamter ge- 
worden und wohnte seit 1769 als Regieruugs- und J3ergrat in Mannheim. Der 
zweite residierte oder hauste zu Schloss Langenau unter reichsritterschaftlicher 
Vormundschaft. Trotzdem machte er immer noch neue Schulden. Der Vor- 
mund Freiherr vom Stein bestand deshalb darauf, dass das Gut verpachtet und 
Mariot auf ein Fixum gesetzt wurde. Dies geschah; seit 1766 war das Herr- 
schaftsgut Laugenau für jährlich 300 H. an Christian Kneuper verpachtet. Der 
Baron behielt freie Wohnung im Schloss, ein Stück Garten für seinen Bedarf, 
der Pächter musste ihm eine Kuh und 2 Schweine füttern, ausserdem erhielt 
er 50 fl. von der Pacht baar und 4 Malter Korn. Dem jüngeren Bruder 
wurden 100 fl. aus dem Jahrespacht angewiesen und damit auch dessen Forde- 
rungen, die er noch im Jahr zuvor, 1765, in heftigem Ton vor die Ritterschaft 
gebracht hatte, beglichen. In diesem Schriftstück beschuldigte er seinen 
Bruder, dass dieser ihn um eine gute Heirat gebracht habe, ihm aber in keinerlei 
Weise helfe. Er spricht von seines Bruders „trunkenen Augen" und verlangt 
ungestüm das ihm gebührende Anteil aus den Holzfällungen. 

1766 forderten Guaita's Erben, die in den 6 Jahren keinen Pfennig Zinsen 
erhalten hatten, ihr Kapital zurück, wenn dies nicht geschehe, verlangten sie 
Lrrrrrission in den Besitz des Gutes. Gegen letzteres erhob Hugo von Mariot 
Protest, sein Anteil müsse verschont bleiben. — Die vielen gegen Victor von 
Mariot schwebenden Schuldforderungen suchte der Kurator Freiherr vom Stein 
aus Holzfällungen zu befriedigen, doch tauchten immer wieder neue auf und 
wiederholt wurden der Pacht des Gutes und der Erlös des Waldes gepfändet. 
Die Ritterschaft, die ja auch ihre Abgaben nicht bekam, war geneigt, das Gut 
zu verkaufen, um es vom Ruin zu retten und nicht alles verfallen zu lassen. 

Ausser von Schulden verlautet von Victor von Mariot nichts, als dass er 
als Gutsherr 1768 gegen die Anlage einer Poststrasse durch sein Gebiet pro- 
testiert. Der Vormund vom Stein gab sich die grösste Mühe, durch Sparsam- 
keit Überschüsse zu erzielen, doch konnten diese bei den geringen Erträgnissen 
nur klein sein. 

Hugo von Mariot beantragte am 17. Juli 1773 den Verkauf von Langenau, 
da er kein anderes Mittel wisse, seine Gläubiger zu befriedigen, vom Stein 
berichtet, er habe bis jetzt noch keinen Käufer gefunden. Seine Abrechnung 
von 1776 weist 290 fl. 357^ Kzr. Einkünfte und 106 fl. 39 Kzr. Ausgaben, 
also eine Erträgnis von 183 fl. 56 V2 Kzr. nach. Was war dies aber gegenüber 
der Menge der Schuldforderungen? Die wichtigsten 1774 aufgeführten Gläubiger 
waren: 1. Le Francq, 2. Jud Liebmann Oppenheim, 3. Schneider Pestel, 
4. die Grosshansin, 5. Bennoit, 6. Lanio, 7. Ricx. Die Ritterschaft beauf- 
tragte vom Stein, die Schulden aus den Erträgnissen der Herrschaft Langenau 
zu bezahlen. Die in jeder Art schwerwiegendste war aber die der Witwe 
Guaita in Köln. 



276 

Diese hatte am 6. Oktober 1774 bei dem kurfürstlioli kölnischen Lehnshof 
ein Urteil auf Immission beziehungsweise auf Verkauf des Gutes erwirkt, 
welches der Mittelrheinischen Reichsritterschaft insinuiert wurde. Infolge dessen 
beauftragte diese den vom Stein, das Cfut taxieren zu lassen und den Verkauf 
vorzubereiten. Hiergegen erhob Hugo von Mariot am 29. Mai 1775 Inter- 
ventionsklage. Die durch vom Stein im Mai 1775 angeordnete Taxation ergab 
einen Wert von 39 282 fl. 29 Kzr. Am 11. Mai forderte die Witwe Guaita, 
ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Auch die Ritterschaft war der An- 
sicht, dass der Verkauf der Herrschaft das einzige Rettungsmittel der Mariotischen 
Familie wäre, doch sei es ihrem Bevollmächtigten, Frhrn. vom Stein, bis jetzt 
nicht gelungen, einen Käufer zu finden. 

Am 4. Januar 1778 verstarb zu Langenau die Witwe Antons von Mariot, 
ireborene Freiin von Dietz. Dadurch wurde das zur Sicherstellung ihres Unter- 
halts hinterlegte Kapital von 2100 fi. frei und fiel den 4 Erben zu gleichen 
Teilen von je 525 fl. zu. Am 30. Juni schrieb deshalb die Witwe des Joseph 
Anton von Mariot, geb. von Seyler aus Mannheim, dass ihr Eheherr, gewesener 
kurpfälzischer Regierungsrat und Bergwerksdirektor gestorben sei und sie mit 
2 Söhnen und 3 Töchtern zurückgelassen habe. Sie bäte um Auszahlung ihres 
Anteiles an der Hinterlassenschaft ihrer Schwiegermutter. Ferner befindet sich 
bei den Akten eine Verfügung vom 6. Juli 1779, dass die eingeklagte Forde- 
rung des Bossart in Mainz gegen den Oberleutnant Hugo von Mariot aus dem 
mütterlichen Erbteil bezahlt werden solle. 

1778 sollte die Herrschaft Langenau zum öffentlichen Verkauf aus- 
geschrieben werden, was aber Baron Victor dadurch hintertrieb, dass er der 
Reichsritterschaft zu Friedberg anzeigte, „durch eine vorhabende Verheiratung'' 
werde sich seine Vermögenslage so bessern, dass der Verkauf nicht nötig sein 
werde. Hiervon wurde der kölnische Lehnshof am 8. 2. 1781 (!) benachrichtigt. 

Eine inzwischen im Jahre 1781 angestellte private Taxation des Langenauer 
Gutes hatte nur einen Weit von 14222 fl. ergeben, eine Berechnung nach dem 
Erträgnis, zu 3% gerechnet, ergab sogar nur 7200 fl. 

Da die Gläubiger immer dringender wurden, ein Verkauf aber vorläufig 
aussichtslos war, so wurde die Herrschaft Langenau von der Reichsritterschaft 
selbst in Administration genommen unter der Oberaufsicht des Reichsritterrates 
vom Stein. Dies war auch deshalb nötig geworden, weil der verkommene Baron 
anfing, seine ehrlichen Beamten zu verleumden. Er beschuldigte sowohl seinen 
Pächter als auch seinen Förster, den er sich selbst ausgesucht hatte, des Dieb- 
stahls und der Unterschlagung zu seinem Nachteil, was nach vom Steins Über- 
zeugung gänzlich unwahr und nur von ihm erfunden war. Sodann beklagte 
er sich bei der Ritterschaft über schlechte Behandlung. So schrieb er am 
19. Ai)ril 17H0, wenn man ein Pferd im Stalle habe, das so behandelt würde 
wie er, so würde jeder sagen: „das arme Thier". V(mi Stein gibt zu, dass 
Mariots Kompetenz sehr gering und er jetzt übler daran sei wie früher, als 
seine Mutter noch lebte, die eine Rente bezog. Besonders drückend seien die 
Begräbniskosten für ihn gewesen. 



277 

Am 28. Septcnibor 1781 boantnigtc Victor von Mariot den Verkauf des 
Gutes Laugonau, Aufliobung der Administration und Aushändigung der Faniilien- 
papiere. Letzteres deshalb, weil er sicli einbildete, noch grosse Forderungen an 
das hessische Fürstenhaus von seinem Grossvater her an den Landgraf von 
Hessen-liheinfels zu haben. Freiherr vom Stein ersucht die liitterschaft, ihn 
mit Schluss des Jahres von der Vormundschaft zu entbinden : Victor von Mariot 
sei ein Quärulant, der selbst in der Jugend nie einen Dienst habe annehmen 
wollen; er wiege sich in Träume und suche den Stein der Weisen in den Ruinen 
eines zertrümmerten Vermögens. 

v. Stein sollte durch die Einsetzung der obenerwähnten Administration 
entlastet werden. Der ersternannte Administrator Koch legte aber schon nach 
kurzer Zeit sein Amt nieder, weil er eine Anstellung als fürstlich Nassauischer 
Landschreiber in Lahr erhalten hatte. Die erste Jahresabrechnung der Ad- 
ministration vom 9. Dezember 1782 weist 365 fl. 34 Kzr. in Einnahme, 284 fl. 
36 Kzr. in Ausgabe, also 80 fl. 58 Kzr. Überschuss nach. 

Lifolge Ablebens des Kurfürsten von Köln und Neubesetzung des erz- 
bischöflichen Stuhles wurde der Lehnbrief der Herrschaft Langenau am 7. Juli 
1784 erneuert. Am 11. Oktober bittet Victor von Mariot die Mittelrheinische 
Reichsritterschaft wegen andauernder Krankheit und daraus erwachsene Kosten 
um einen Zuschuss, weil er mit seinem „appointement" von 50 fl. nicht herum- 
kommen könne. In der Tat war er damals so elend, dass vom Stein die Witwe 
des Joseph von Mariot hiervon, sowie von dem am 16. Oktober 1784 erfolgten 
Tode des jüngeren Bruders, des Hauptmanns Hugo von Mariot benachrichtigte 
wegen eventueller Wahrung der Erbrechte ihres Sohnes. 

Victor von Mariot erholte sich aber wieder. Auch verbesserten sich seine 
Verhältnisse dadurch etwas, dass ihm durch den Tod seines Bruders dessen 
Kompetenz von 100 fl. jährlich zufiel. Lange genoss er diese aber nicht. Am 
16. Juni 1786 quittiert J. C. Forst den Pacht von 155 fl. 40 Kzr. für Victor 
von Mariot, weil dieser krank darniederliege. Am 17. Juni 1786 verstarb der 
Freiherr zu Schloss Langenau nach langer Krankheit und mit Hinterlassung 
zahlloser Schulden, darunter auch nichtbezahlte Löhne von Bergleuten. Die 
vielen Gläubiger hatten sich immer noch hinhalten lassen durch den in Aussicht 
stehenden Vorkauf des Gutes, jetzt verlangten sie Zahlung ihrer Forderungen. 
Die Ritterschaft versucht sie weiter zu vertrösten, so z. B. den Bürger 
und Bäckermeister Martin Schmitz in Bonn, der einen am 17. Juni 1760 von 
Mariot ausgestellten Sola- Wechsel im Betrag von 342 fl. in Händen hatte, damit, 
dass der Kölnische Lehnshof den consensus ad alineandum noch nicht erteilt 
und vom Stein noch keinen Käufer gefunden habe. 

Die Herrschaft Langenau wurde für den Erben, den noch minderjährigen 
Sohn des älteren Bruders Joseph Anton von Mariot weiter administriert. Der 
Administrator G, F. Weiler stand unter der Oberaufsicht des Frhrn. vom Stein 
und stellte mit diesem 1787 ein Verzeichnis der Schulden auf. Ausser der 
Guaita'schen Forderung hatten 44 Kreditoren 7076 fl. 18 Kzr. zu bekommen. 
Das Gut war an einen Labonte verpachtet ; ein Versuch des Kaiserl. Kaiumerrats 



278 

von Albiri, es für seinen Scliwagei Peter deRequile käuflich zu erwerben, miss- 
lang, wie später näher ausgeführt werden wird. 

Von den fünf Kindern des Joseph Anton von Mariot lebten 1787 nur 
noch drei : ein Sohn Franz Joseph Ferdinand und 2 Töchter Sophie und Therese, 
sämtlich noch minderjährig. Die Administration ging ruliig fort bis 1794. In 
diesem Jahre lief der Pacht des Labonte ab. Die Witwe von Mariot geborene 
von Seiller, eine energische Frau und begierig, die Herrschaft von Langenau 
anzutreten, benutzte diese Gelegenheit und zog mit ihren Kindern, obgleich der 
älteste Sohn noch nicht mündig war, in Schloss Langenau ein, setzte sich in 
Besitz und nahm die Bewirtschaftung des Gutes selbst in die Hand. Das ver- 
dross natürlich den Administrator Weiler, doch konnte er es um so weniger 
verhindern, weil Frau von Mariot sich wegen der auf dem Gut lastenden Forde- 
rung der Guaita'schen Erben, die auf 6600 fl. angewachsen war, mit diesen 
verständigt hatte. Auch wurde ihr Sohn Franz Joseph Ferdinand bereits im 
Januar 1795 mündig erklärt und konnte jetzt als rechtmässiger Erbe das Herr- 
schaftsgut übernehmen. Frau von Mariot beantragte bei der Reichsritterschaft 
die Aufhebung der Administration und da sie ein Abkommen mit Guaitas Erben 
auf Ratenzahlungen vorlegte, erteilte diese die Zustimmung. Hierüber beschwerte 
sich zwar der seitherige Administrator Weiler, der unter vom Steins Aufsicht 
seit 1788 die Administration gewissenhaft geführt hatte, wobei er auf die über- 
triebenen Holzfällungen der Frau von Mariot hinwies, aber ohne Erfolg, es 
blieb bei dem Beschluss. Weiler und Freiherr vom Stein sandten die Schluss- 
abrechnung ein und damit endete die Administration der Herrschaft Langenau. 
Ferdinand von Mariot war jetzt der Herr von Langenau und bewirt- 
schaftete das Gut mit seiner Mutter, die aber bald starb. 1803 hatte es durch die 
politischen Umwälzungen mit der freien deutschen Reichsritterschaft ein Ende. 
Durch den Rcichsdeputationshauptschluss und dann durch die Rheiubundaktc 
1806 kam die Herrschaft Langenau an das Herzogtum Nassau. Nassau war 
Landesherr, zugleich aber auch anstelle von Kurköln Lehnsherr geworden. 
Deshalb reklamierte Franz Joseph Ferdinand von Mariot zu Langenau im Jahre 
1806 bei der Herzoglich Nassauischen Landesadministration zu Wiesbaden: 

1. wegen Herausgabe von Rechnungen seiner Vorfahren für die Provian- 
tierung der Feste Rheinfels für den Landgrafen von Hessen; 

2. wegen Akten über Schuldforderungen der von Mariot an die Familie 
Brenner zu Gerolstein., Erbamtmann zu Reichenberg. 

Die Nassauische Administration erklärte sich für letztere Forderung nicht 
zuständig, ersterc wurden nach längerem Recherchieren bei den letzten Beamten 
der Reichsritterschaft beigebracht. 

Zum Schluss ist noch über einen aktenmässig festgelegten abenteuerlichen 
Vorgang von Schloss Langenau zu berichten. Ln Mai des Jahres 1813 wurdn 
Freiherr von Mariot auf seinem Schloss überfallen und ausgeraubt. Ein im 
hiesigen Archiv befindlicher Aktenfaszikel enthält die auf den räuberischen 
Überfall in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai stattgehabten gewaltsainee 
Einbruch bei Herrn von Mariot auf seinem Gute Langenau im Amt Nassau 
bezüglichen Nachrichten. 



279 

lu einem am ol. Mal au die Regierung in Wiesbaden eingereichten Be- 
richt beschreibt Freiherr von Mariot den Vorgang. In der oben angegebenen 
Nacht erbrach eine Schar von lläubern mit Gewalt alle Zugänge zu der Burg- 
wohnung, sprengten die Türen, stürmten durch alle Zimmer, raubten und zer- 
störten alles und legten zuletzt Feuer an. Mit Mühe und Not rettete sich 
der aus dem Schlaf aufgescheuchte Baron vom Dach aus auf eine alte Mauer, 
wo er angstvolle Stunden verlebte, weil die morschen Steine unter seinen Füssen 
abbröckelten und er fürchten musste, entweder herabzustürzen oder von den 
Räubern entdeckt zu werden. In solcher Lage musste er einen grossen Teil 
der Nacht verbringen. — Hierauf schildert er die grosse Unsicherheit des 
Platzes überhaupt. Sein Urgrossvater, der Besitzer von 14 Hüttenwerken ge- 
wesen sei, habe schon einmal einer Räuberbande, die sein Gut überfallen habe, 
8000 fl. Lösegeld bezahlen müssen. Seine Fischerei und seine Acker würden 
immer bestohlen. Das Hofgut Langenau sei nur klein und es wohnten keine 
sesshaften Bauern in der Nähe, es läge ganz isoliert, wodurch es jedem Über- 
fall ausgesetzt sei. Das Gut könne ihn nicht ernähren ; nur ein Bauer, der 
selbst sein Feld baue und bearbeite, könne darauf bestehen. Deshalb sei ihm 
jetzt durch den räuberischen Überfall und die ausgestandene Angst das Gut 
und jede Arbeit darauf derart verleidet, dass er bitte, es lieber einzuziehen 
und ihm dafür irgend eine Anstellung zu geben, da er für eine solche befähigt 
sei. Seine Vorbildung habe er in einem ehemals kurtrierischen Stift erhalten, 
habe dann Kameral- und Rechtsstudien getrieben, hierauf bei einem Anwalt 
der Regierung in Mannheim und bei einem Reichsvikariats-Assessor in München 
gearbeitet. Früh verwaist habe er dann das Gut Langenau übernehmen müssen. 
Hier habe er einen grossen Teil der darauf lastenden hohen Schuld abgetragen, 
die grosse Unordnung abgestellt und viele verwickelte Rechtshändel erfolgreich 
betrieben. Bei dem Rückzug der Franzosen unter Jourdan sei er überfallen 
und ausgeraubt worden. Er habe viele Gefahren und Unannehmlichkeiten aus- 
gestanden, weil er auf dem Gute ausgeharrt habe und immer bestrebt gewesen 
sei, es zu heben. Und nun sei er von Räubern überfallen und ausgeraubt 
und müsse zum zweitenmal in einem leeren Hause zu wirtschaften an- 
fangen. Seine Eltern seien durch beträchtliche Forderungen an Grosse und 
durch eine mangelhafte Vormundschaft sehr zurückgesetzt worden. Er fühle 
sich der Aufgabe, wieder von vorn anfangen zu müssen, nicht mehr gewachsen; 
darum bitte er um ein Plätzchen, wo es auf Ordnung und Vertrauen ankäme. — 

Die nassauischo Regierung Hess eine Untersuchung über den Vorfall an- 
stellen, um so mehr, als im Amte Nassau in letzterer Zeit mehrere räuberische 
Überfälle vorgekommen waren, so bei dem Geheimen Hofkammerrat von Speicher 
zu Kloster Arnstein und bei dem Hofrentmeister Schellenberg zu Scheuern. 
Der Ort Singhofen war besonders verdächtig, eine Herberge der Räuber zu 
sein. Die Untersuchungskommission erreichte aber nichts, Sie brachte in 
ihrem Bericht allerlei Vorwürfe gegen den Amtmann Justizrat Rath zu Nassau, 
der ein autokratisches Original war, vor; die Regierung fand aber keinen Grund, 
gegen ihn vorzugehen. Aus einer Anstellung des Mariot wurde ebenfalls nichts. 
Er lebte weiter in der alten Burg als verarmter Edelmann und Sonderling. Er 



280 

war bekanut in der Umgegend unter dem Spitznamen „der Kurat", vielleicht 
stand er wie sein Onkel unter Kuratel. Mit ihm starb 1847 die einst glänzende 
Familie von Mariot zu Langenau aus. Die Erinnerung an diesen letzten seines 
Geschlechtes ist bei den älteren Bewohnern von Obernhof, Weinähr und Nassau 
noch lebendig. 

Die Herrschaft Langenau wurde verkauft und kam in den Besitz der 
Gräfin von Giech, einer Tochter des berühmten Ministers vom Stein. Diese 
gründete in dem alten Schloss eine Wohltätigkeitsanstalt für Idioten, die später 
nach Scheuern verlogt wurde, wo sie noch segensreich wirkt. Nach dem Tode 
der Gräfin von Giech fiel Langenau an ihre Schwester, Gräfin von Kilmannsegge, 
deren älteste Tochter Gräfin von der Groben es erbte und noch besitzt. 

Joseph Anton von Mariot senior. 

Im Vorhergehenden haben wir die Hauptlinie der Mariot geschildert. Der 
reiche Borg- und Hüttenherr Johann Franz von Mariot zu Langenau hatte bei 
seinem Tode 1726 noch einen zweiten Sohn mit Namen Joseph Anton hinter- 
lassen. Diesem fiel — vermutlich durch Testament — das schöne Herrschafts- 
gut zu Geisenheim und die Oberanitmannschaft von Mosbach im Odenwald zu. 
Er vermählte sich mit Maria Anna, Tochter des kurpfälzischen Generals Frei- 
herrn von Freudenberg. Am 16. April 1727 fand die Trauung in der Schloss- 
kapelle des Freudenbergischen Herrschaftsgutes Agnesental statt. Nach einem 
Abkommen vom 2o. Februar 1727 hatte er schon ein Jahr vor der Hochzeit 
10 000 fi. als Mitgift seiner Frau ausbezahlt bekommen, die für den Fall, dass 
seine Frau kinderlos verstürbe, an die Freudenbergische Familie zurückfallen 
sollte. Ausserdem war ihm, nach seiner Angabe, die Oberamtmannschaft Dils- 
berg versprochen worden. 

Joseph Anton von Mariot führte ein so leichtsinniges, verschw^enderisches 
Leben, dass er sein Vermögen durchbrachte und mit seiner Frau und seiner 
Schwiegermutter, deren Mann inzwischen gestorben war, in grossen Unfrieden kam. 

Am 15. April 1749 schickte die verwitwete Frau Generalin Freifrau von 
Freudenberg, geborene von Hundheim, zugleich im Namen ihrer Tochter die 
erste „Imploration" an die Mittelrheinische Reichsritterschaft zu Burg Friedberg, 
worin sie diese gegen den J. A. von Mariot um Hilfe anrief. Sie könnten, 
so schrieb sie, „die schliepff'erige und den völligen umbsturz nach sich ziehende 
Lebensarth und aufführung ihres Ehe- resp. Tochtermannes nicht länger bergen, 
da sie durch dieselbe um ihre Mitgift, die Kinder um ihr Erbtheil kämen. Er 
habe schon alles durchgebiacht, sogar auf seine Güter schon Geld aufgenommen. 
Die Mitgift mit den für ein Jahr bedungenen Zinsen betrüge 10 500 fl. Da 
trotz aller Vorstellung an den Eheherrn und Tochtermann nach langgehabtem 
Nachsehen nicht die geringste Besserung zu hoffen, sondern je länger je ärger 
zu werden das ohnbctriegliche Ansehen habe, gestalt derselbe sich bis anhero 
nicht als ein Eheherr viel weniger als ein Vatter gegen seine Kinder gezeigt 
und sicher das übrige gänzlich verschwenden werde, so bitten sie um nöthige 
Vorsorge und Sicherheit auf das Gut für die Ehefrau und Kinder." 



281 

Joseph von Mariot, zu einer Erkläriiug aufgefordert, lehnt in leidenscliaft- 
lichem Ton jede Schuld von sich ab. Zwar gibt er den Empfang der 10000 tl. 
Mitgift unter den angeführten Bedingungen zu, bestreitet aber jede Verpflichtung 
hieraus und das um so mehr, als ihm die Schwiegereltern die versprochene 
Oberamtmaunschaft Dilsberg nicht verschafft hätten. Damals sei gesagt worden : 
„wer die Tochter heirathc, dem solle das Amt Dilsberg pro gratiale princii)is 
gegeben werden/'' Nach seiner Verheiratung hätten aber die Schwiegereltern 
dieses Amt für 12 000 fl. anderweit verkauft. Er habe also eine Gegenforderung 
von 12 000 fl. „Dann habe aber seine Gemahlin einen solchen wiederwilligon 
humeur, dass sie genau acht gäbe, mit welchen cavaliers, officiers u. s. w\ er 
verkehre, sich einmenge und ihn mit seinen Freunden verfeinde. Sie habe 
sogar bei der kurfürstlich Mainzer geistlichen und weltlichen Regierung Unan- 
ständigkeiten vorzutragen keinen Abscheu gehabt, alles von einem spiritu 
contradictionis herrührend."" Er fährt fort, in heftigen Ausdrücken seine Frau 
zu beschuldigen und ihre Behauptungen als Lügen hinzustellen. „Jedoch wäre 
es schier kein Wunder, wenn eine schlüpfrige Lebensarth bey solch umbständt 
folgen sollte, weilen die melangolie einen cörper hierbei aufreiben muss. "• In 
ganz toller Weise fährt er dann fort, seine Frau und Schwiegermutter als seine 
rachsüchtigen Feinde zu schildern und sich selbst zu loben. Er habe das Gut 
in Agnesental vortrefflich eingerichtet, aber der schlechte Verwalter sei sein 
Feind gewesen. Anstatt diesen fortzujagen, hätten die Frauen ihm beigestanden. 
Dieser Mensch sei an allem Schuld. 22 Jahre habe er (Mariot) alle Kosten 
der Haushaltung getragen, seine Kinder erzogen, den Sohn im Militär unter- 
gebracht und bei den Kaiserlichen als Körnet equipiert; die Mademoiselles habe 
er in das französische Kloster getan. Seit dem Abzug der Frauen habe er 
diesen jährlich ein Stück Wein für ihren Unterhalt geschickt, während doch 
Frau und Kind füi" ein bagatelle bei ihm leben könnten. Er wäre zu allem 
bereit, wenn sie nur den schlechten Menschen, den Verwalter fortjagten." 
Hiergegen führt Freifrau von Freudenberg aus: 

„Anno 1747 den 28. Mai hat er — von Mariot zu Geisenheim — seine 
Frau und beiden Töchter mit einer Person selbige zu bedienen mir auf den 
Hals geschickt. Sie habe sich darauf mit ihm auf ein Kostgeld von 400 fl. 
für diese geeinigt. Dieses habe er zwei Jahre bezahlt, seit 1749 aber keinen 
Kreuzer mehr." 

Da gütliche Vorstellungen der Reichsritterschaftskammer nichts halfen, 
verurteilte sie am 16. Dezember 1751 den Baron von Mariot zur Zahlung der 
vereinbarten Alimente. Er zahlte aber nicht und wendete ein, sein Geisen- 
hoimer Gut werfe kaum 300 fl. ab, „man möge ihn doch glimpflicher behandeln, 
damit ihm die zukömmliche Leibesnahrung nicht allzusehr geschmälert werde." 
Ein Stoss von Akten wurde hierüber verschrieben, aber Joseph von Mariot 
zahlte nicht. 

Am 13. Oktober 1752 sendete Frau General von Freudenberg eine Auf- 
stellung ein, wonach von Mariot für die anerkannten Unterhaltungskosten seiner 
Familie 2750 fl. schuldete. Da er aber fortfuhr, keine Alimente zu bezahlen, 
musste die 83 jährige Dame 1753 klagend gegen ihn vorgehen. Sie hatte zu 



282 

fordern 150 ti. verfallene Alimentationsgelder, an Vorlagen 100 H. für Waren 
und 148 fl. 48 Kzr. füi Gerichtskosten. 

Joseph Anton von Mariot wiederholt seine früheren Einwände und weist J 
darauf hin, dass seine Schwiegermutter gar nicht so schlecht gestellt sei. Sie I 
beziehe einen Gnadengehalt von ÖOO fl. und habe aus anderen Quellen an * 
700 fl. Einnahmen. Er beschuldigt seine Schwiegermutter des spolium's, weil 
sie zu Zitzenhausen befindliche, ihm gehörige „meubles'^ an sich genommen 
habe. Gegen das frühere Urteil der Reichsritteischaft habe er bei dem Eeichs- 
kammergericht in Wetzlar appelliert. 

Auf diese faulen Ausflüchte Hess sich selbstverständlich die Reichsritter- 
schaft nicht ein und verurteilte den Joseph von Mariot, „der allein durch sein 
Verhalten die unglücklichen Frauen und Kinder in den gegenwärtigen Notstand 
gebracht habe'^ zur Zahlung und beauftragte den Ritterrat Freiherru Lang- 
werth von Simmeru Wein und was sonst auf dem Geisenheimcr Gut zu finden, 
Früchte, Geschirr, Vieh u. s. w. zu verkaufen, um die rückständigen xllimente 
beizutreiben, ausserdem von dem Besitztum an Äcker, Wiesen u. s. w. soviel 
abzutrennen, als etwa einem jährlichen Erlös von 400 fl. entspräche, hieraus 
den von Mariot zu exmittieren und die Klägerinnen zu immittieren. 

Für den Verkauf des Weines und sonstiger Objekte wurde eine Kommission 
ernannt, die sich am 28. Januar 1754 auf das Gut zu Geisenheim. begab. In 
dem geräumigen Weinkeller fanden sich 11 Stückfässer vor, aber leer, denn 
Mariot, der unterrichtet war, hatte den Wein kurz vorher zu billigem Preis an 
Mainzer Weinhändler verkauft. Ausserdem fanden sich noch vor 3 Stück 
Winkeler und 1 Ohm Gartenwein, sowie 2 Ohm Rotwein. Auch alles brauch- 
bare Mobiliar hatte von Mariot fortgeschafft, so dass die Kommission nur altes 
Geiümpel antraf. Der Freiherr selbst war nicht aufzufinden. Von Vieh war 
vorhanden 2 Kühe und ein altes Pferd, auf deren Verkauf verzichtet wurde. 
Was sich sonst noch vorfand an „Tappezirereien", Küchen- und Weissgerät, 
Geschirr u. s. w. erbrachte bei wiederholter Versteigerung nur 524 fl., die 
3 Stück saurer Winkler Wein 330 fl. In der schön angelegten Orangerie waren 
44 gute Orangenbäume, auf welche ein Vertreter des Grafen von Ingelheim 
unter Vorbehalt 3 fl. 30 Kzr. für das Stück bot. Der Bruttoerlös betrug 854 fl., 
nach Abzug der Kosten aber nur 722 fl., die dem Anwalt der Klägerinnen 
Notar Rittmann aus IIoid(dberg ausgehändigt wurden. Sodann ei griff dieser in 
der üblichen Weise durch Ausstechen eines Rasens aus den abgeteilten 
1174 Morgen 34 Ruten Wiesen, geschätzt zu 1800 fl. und durch Ausheben 
einer Scholle aus dem V!.\ Morgen 35'/-' Ruten messenden Ackerland, geschätzt 
zu 4G0 fl., für seine Klientinnen, die dadurch immittiert waren, feierlich Besitz. 
Nach Beendigung dieser Handlung rügte Notar Rittmann in scharfen Worten 
das Benehmen des Freiherrn Joseph Anton vcm Mariot zu Langenau, der alles, 
wie der Augenschein zeigte, vernachlässigt, zu Grunde gerichtet und verschlejipt 
hatte, der auf diesen seinen Klientinnen zugesprochenen Ackern aus Bosheit 
100 der schönstem, fruchtbarsten Obstbäume abgehauen hätte. Nur mit Gewalt 
habe er das schöne Gut in einen so jämmerlichen Zustand bringen können, wie 



283 

es heute erscheine. Das sei der Kest eines Vermögens von mehr als 2 Millionen 
Gulden.-^) 

Nacli der Beschreibung bestand das freiadlige von Mariotische Gut zu 
Geisenheim aus einem woldgebauten Ilerrschaftshaus, zwei Kellern für 70 Stück 
Wein, llof und Kellerhaus, Scheuer, Pferde- und Viehställe, einer grossen 
Orangerie mit 3 Fontänen u. s. w., sodann gehörten dazu 12 Morgen gute 
Weinberge, 12 Morgen bestes Ackerland und noch 2 Morgen gute Wiesen, 
welches alles als ein geschlossener Besitz das Hofhaus und Garten umschlossen. 
Das Gut hatte Jagd- und Beholzungsrechte. 

Durch die geschilderte Zwangsversteigerung hatten nur die eingeklagten 
Schulden gedeckt werden sollen, der Alimentationspflicht war er dadurch keines- 
wegs entbunden. Doch kümmerte er sich darum so wenig wie zuvor, wie die 
fortgesetzten Klagen seiner Frau und Kinder beweisen. — Noch zahlreiche 
andere Gläubiger drängten auf Bezahlung ihrer Forderungen. Für den einzigen 
Sohn, der als Leutnant bei den Kaiserlichen Gelhay 'sehen Küiassieren stand, 
nmssten Mutter und Grossmutter 1756 wiederholt Schulden bezahlen. Die 
Reichsritterschaft verfügte den Zwangsverkauf des Geisenheimer Gutes und 
setzte den Versteigerungstermin auf den 14. Juni 1756 fest. Eine allerdings 
auffallend niedrige Taxe gab den Wert des Gutes zu nur 8874 fl. an. Hier- 
gegen erhob Joseph Anton von Mariot Einsprache, indem er behauptete, dass 
das freiadlige Gut mit seinen Privilegien mindestens 25 000 fl. wert sei; unter 
diesem Preis dürfe es nicht verkauft werden. — Ein zweiter Termin am 
16. August 1756 verlief aber ebenfalls resultatlos. Bei dem 3. Termin am 
21. Februar 1757 legte ein gewisser Kluck ein Höchstgebot von 16175 fl. ein. 
Er war nur der Agent des Freiherrn Ferdinand Wolfgang von Wallbruun zu 
Parthenheim, Württembergischer Geh. -Rat und Oberhofmarschall zu Stuttgart, 
dem auch der Zuschlag erteih wurde und der am 23. März 1757 6175 fl. an- 
zahlte. Diese wurden zur Tilgung der dringendsten Schulden verwendet. Die 
Restzahlung von 10 000 fl. erfolgte am 1. Juni 1757. 

Joseph Anton von Mariot sollte jetzt das Gut räumen. Zuvor verschleppte 
er von dem Inventar noch soviel er nur konnte. Hierauf erkrankte er und starb 
bereits am 11. Juli 1757. Er schied noch mit einem Schwindel aus der Welt, 
indem er die Hälfte der Kreszenz des Gutes, die ihn gar nichts mehr anging, 
den Armen Geisenheims vermachte. Diese Schenkung, die rasch bekannt ge- 
worden war, bereitete dem neuen Besitzer. Freiherrn von W'armbrunn, ütosso 
Unannehmlichkeiten. 

Der einzige Sohn scheint früh und ohne Nachkommen verstorben zu sein. 
Damit war auch dieser Seitenzweig der Familie von Mariot zu Langenau erloschen. 

Die Familien de R e q u i 1 e und de Barme und ihre Eisen- 
hütten seit 1734. 

Albert de Requile war durch seine Mutter Johanna Franziska ge- 
borene Mariot ein Enkel von Peter Michael Mariot und ein Urenkel des alten 



^^) Hiermit ist wohl das ganze, von dem Vater Franz v. Mariot hinterlassene Vermögen gemeint. 



284 

Johann Mariot und der Lehnstrtiger der von diesen gegründeten Eisenwc^-ke im 
Amt Montabaur und der Vogtei Ems. 1729/30 hatte er mit Zustimmung des 
Kurfürsten von Trier die Eisenhütte zu Hohenrhein neu aufgebaut mit der Ab- 
sicht an diesem günstiger gelegenen Phitz seine Betriebe zu zentralisieren. Er. 
war nicht gebunden, die alten Hütten bei Montabaur und Vallerau eingehen zu 
lassen und da der Erfolg zu Hohenrhein in den ersten Jahren nicht so glänzend 
war, als er erwartet hatte, betrieb er die alten Werke, wenn auch unregel- 
mässio-, weiter. Natüilich beanspruchte Kurtrier hierfür Abgaben und Zehnten. 
Hieraus entstanden, nachdem Albert de Requile 1736 gestorben war und Gott- 
fried Peter de Requile für sich und seine Brüder in die Erbleihe eingetreten 
war, Streitigkeiten, weil er die Abgaben und Zehnten nicht oder sehr säumig 
zahlte. Für die Zehnten der im Amte Montabaur von den Mariotischen Erben 
betriebenen Eisenwerke war früher ein Kanon von jährlich 1200 fl. festgesetzt 
o-ewesen. Als Peter de Requile mit dem Zehnten im Rückstand blieb, forderte 
die kurtrieiische Kammer zunächst den vollen Betrag der verfallenen Zehnten. 
Peter de Requile erhob hiergegen Einsprache, weil er nur den Zehnten von 
der wirklichen Produktion zu zahlen habe. Hieraus entstand eine lange Reihe 
von Untersuchungen, Beschwerden und Bittgesuchen, woraus wir nur das 
Wichtigste mitteilen wollen. 

Peter de Requile führte 1740 folgendes aus. Schon wehige Jahre nach 
dem Kontrakt von 1729 (wegen Erbauung der Hohenrheiner Hütte) seien die 
Kohlen auf jener Seite des Rheins so teuer geworden, dass sie mit schweren 
„fast ohnerträglichen" Kosten Kohlen von der Obermosel herunter zu Wasser 
hätten beziehen müssen, welche Verbindung aber durch den Anfang 1734 
entfallenen französischen Krieg unterbrochen worden sei. Infolgedessen hätten 
die Hütten, in specie die Hütte zu Vallerau, die ganze Kriegszeit über ohne 
den geringsten Gebrauch stillstehen müssen. Als dann die Mosel wieder frei 
wurde, sei als neues impedimentum der Abgang des Eisensteins zur Betreibung 
beider Hütten eingetreten, infolgedessen Vallerau im sechsten Jahre still liege. 
Die beiden Hütten hätten in dieser Zeit weniger als ein Drittel, fast nur ein 
Viertel der Zeit gehüttet. Dementsprechend bitte er den canon von 1200 H. 
zu ermässigen. 

Der kurtrierische Bergbeamte führte hiergegen aus, wenn die Requile 
die Hütte in einem Jahre aussetzen wollten, waren sie verpflichtet, dies '/2 Jahr 
vorher anzuzeigen oder die Leihe zu kündigen. Angestellte Ermittelungen er- 
sahen, dass die Vallerauer Hütte in den .5 .Jahren von 1730 bis 1734 nur 
28 Monate und 25 Tage, oder, nach einer späteren Angabe des Berginspektors 
Jacobi 898 Tage betrieben worden war und dass sie seit dem 25. Mai 1734 
kalt lag. Die Hütte zu Montabaur war dann nach einer spezifizierten Aufstellung 
in der Zeit von 1734 bis 1738 28 Monate und 13 Tage betrieben worden; 
beide Hütten zusammen von 1730 bis 1738 1919 Tage. Nur der Vallendarer 
Hammer hatte einen „tollerabelen canon" erzielt. Nach Requile's Angabo sei 
das Dernbachor Eisenstein-B(n'gwerk ganz frei zu lassen, weil der weniger ge- 
nommene Stein durch die Mehrkosten des aus dem Hallensteiner Revier be- 
zogenen Erzes aufgewogen werde. Peter de Re(juile rechnet heraus, dass sein 



285 

Vater, indem er bis 1730 deu vollen cauon entrichtet, im Verliültnis zur J>etriebs- 
zeit 2Ü00 H. zuviel bezahlt hätte. Für die Zeit von 1737 bis 1742 verlangte 
Kurtrier für rückständigen Zehnten der Hütten und Bergwerke im Amte Monta- 
baur auf 6 X 266 fl. 36 alb. = IGOO H. de Requilo wies nach, dass die 
Montabaurer Hütten in den Jahren 1738 bis 1741 still lagen und verlangt 
weitere Ermässigung der Abgaben. Die kurtrierische Regierung setzte den 
Jahressatz auf 177 fl. 42 alb herab. Danach berechnete de Requile den 
Hüttenkanon 

von 1734 bis 1739 zu 6 x 177 fl. 42 alb. . . = 1060 fl. 36 alb., 

dazu für je den 9. Haufen vom Dernbacher Berg- 
werk (1 Haufen = 60 Maass galt 4 fl. 18 alb.) = 25 „ 2 „ 

Summa . . = 1091 fl. 38 alb. 

Trotz den Zugeständnissen der kurtrierischen Kammer zahlen aber die 
Brüder de Requile den schuldigeuden Zehnten nicht und so gehen die Auf- 
forderungen, Drohungen und Bittgesuche von Jahr zu Jahr weiter. 

Erwähnung verdient eine von Berginspektor Jacobi am 24. /9. 1739 ein- 
gesandte Abmachung, wonach aller noch auf der Montabaurer Hütte und der 
Erzwäsche zu Dernbach lagernde Eisenstein nach Ems gefahren werde, damit 
das Werk zu Hohenrhein keinen Mangel leide. Damals wollte de Requile den 
Betrieb der Montabaurer Werke wohl einstellen. Sie fuhren aber fort im Amte 
Montabaur Eisenerz zu graben und nach Hohenrhein zu fahren, zahlten jedoch 
keinen Zehnten. Eine deshalb von der kurtrierischen Kammer veranlasste 
Untersuchung ergab (nach Bericht vom 12./10. 1744), dass von dem Dern- 
bacher Bergwerk folgende Erzmengen nach Ems beziehungsweise nach Hohen- 
rhein abgefahren worden waren : 



1740 ... . 419 Maass 

1741 .... 2112 „ 

1742 ... . 589 



» 

in Summa . 3120 Maass = 52 Haufen zu 60 Maass, 

was von Joseph de Requile durch Unterschrift anerkannt wurde. 

In einem im J^amen der Gebrüder de Requile abgefassteu Schreiben vom 
7. Juni 1743 an die Kammer teilen diese mit, dass ihr Bruder Gerhard Martin ver- 
storben und ihr Bruder Joseph schwer erkrankt sei. Sie bitten, dass ihnen der noch 
aus früherer Zeit seit 1734 rückständige Zehnte von 1600 fl. zur Hälfte erlassen 
werde. Auch hierauf geht die trierische Kammer ein und eimässigt ihre Forde- 
rung so weit, dass sie dieselbe von der Zeit von 1734 an gerechnet auf 1244 fl. 
24 alb. festsetzt. Hierfür fordert sie aber Zahlung bis zum 6. Mai 1744 unter 
Androhung von Exekution. Auf Bitten wird dieser Termin zunächst auf den 
15. Mai verlängert. Eine weitere Verschiebung suchen die Requile durch Be- 
anstandung eines Postens von 54 fl. zu erlangen. Sodann verlangen sie Ein- 
setzung einer Kommission. Sie reklamieren gegen den Zoll auf Kalkstein. In 
dieser Weise suchen sie die Sache zu verschleppen. Im Juli 1749 wird ihnen 
von Kurtrier wieder eine Frist zur Zahlung von 14 Tagen unter Androhung 
der Exekution gesetzt. 

19 



286 

Aus einer Beschwerdeschrift, in der sich die Gebrüder de Requile als die 
„ehemaligen" Beständer des Dernbacher Eisensteinbergwerks bezeichnen, geben 
sie an, dass der rückständige canon der Hütten und Gruben im Amte Montabaur 
noch 800 rheinische Gulden und 30 Wagen Eisen zu P/j Rtlr. per Zentner 
betragen habe. Nach mehrfachen Erlassen sei diese Schuld Ende 1746 auf 
888 H. 48 alb. festgesetzt worden. Diesen Betrag hätten sie bezahlt und ihre 
Schuld damit beglichen. Nachträglich sei ihnen aber noch die Lieferung von 
30 Wagen Eisen für 8 Jahre angefordert worden. Diese seien in jener Summe 
einbegriffen gewesen und verweigern sie die Zahlung. Auf diese Einsprache 
hin wurde die angedrohte Exekution suspendiert. Eine weitere Beschwerde der 
Gebrüder Requile richtete sich gegen die Forderung von 100 fl. jährlich für 
Wasserzins der Hohenrhciner Hütte. Nach ihrer Angabe sei Hohenrhein jure 
private proprietario Eigentum der Abtei Arnstein gewesen und von dieser bis 
1585 ohne Wasserzins verpachtet worden. In diesem Jahre sei Hohenrhein 
durch Tausch erst an den Grafen Heinrich von Nassau, später an die von 
3Ietternich, dann an die von Hohenfeld gekommen, die alle keinen Wasserzins 
bezahlt hätten. 1680 wurde das Hofgut den Nottemann 'sehen Erben übertragen, 
die an dieser Stelle mit Vorwissen und Zustimmung des Kurfürsten Johann 
J[ugo von Trier eine Eisenhütte erbauten. Von einem Wasserzins sei dabei 
keine Rede gewesen. W^ohl aber habe die dabei liegende Stühle eine Abgabe 
von Vji Malter jährlich zu leisten, wahrscheinlich als Rekognitionsgebühr für 
das Wassergefälle. Diese Abgabe hafte nur auf der Mühle, nicht aber auf der 
Hütte, die auf Privateigentum erbaut sei. Dagegen zahlte die Hütte jährlich 
10 fl. an die Kirche zu Niedeilahnstein und wäre dies vermutlich der canon 
für den Wasserzins, welcher der Kirche überwiesen worden sei. Dieser canon 
sei auch in den Jahren erhoben worden, in denen die Hütte in Verfall geraten 
und still gelegen hätte. Ihr Vater Albeit de Requile habe die jetzige Hütte 
auf den alten Fundamenten aufgebaut und sei jetzt kein Wasserrad mehr als 
vordem vorhanden, weshalb kein neuer canon auferlegt werden dürfe. Die 
Abgabe von 10 fl. an die Kirche in Niederlahustein zahlten sie ebenso, wie 
ihre Vorgänger Koch und Nottemann dies getan hätten. Da sie den „beschwer- 
lichen"' canon von 200 fl. für das Eisensteinbergwerk Balleustein, ferner jährlich 
170 fl. den proprietariis von Hohenrhein. ausserdem jährlich über 600 fl. für 
Reparaturen, im ganzen also 900 bis 1000 fl. Abgaben und Unkosten für die 
Hütte zahlen müssten, so bitten sie um Erlass des Wasserziuses. 

Aus alle den vielen Beschwerden geht hervor, dass die Eisenhütten keinen 
grossen Gewinn abwarfen und die Gebrüder Requile oft in Geldnot waren. 

Am 3. Oktober 1754 lief die 25 jährige Leihe ab. Niemand kümmerte 
sich darum; sie wurde weder gekündigt, noch wurde sie erneuert; man Hess 
den Zustand stillschweigends bestehen. Trotz vieler Klagen über die Gebrüder 
de Requile ging dieses Verhältnis unbeanstandet fort bis 1785, in welchem 
Jahre die de Recpüle mit der Forderung hervortraten, der Kurfürst müsse ihr 
ITüttenwerk übernehmen und sie entschädigen. 

Auf das Dernbacher Eisensteinbergwerk bezog sich diese Forderung nicht, 
denn auf dieses hatten die de Requile schon 174!) Verziciit geleistet. Über- 



287 
lies war durch den Ablauf der Leihe, wie durch die Einstellun«' des Betriebes 



das Borgwerk ins Freie gefallen. 

Der 1 [ütteumeister d e B a r m v. von der Eisenhütte zu N i e v e r n , 
mütterlicherseits ein Mariotischer Erbe und ein Vetter der Eequilo gelangte 175f^ 
in Besitz des Dernbachcr Eisensteinbergwerkes, in einem Gesuch an den Kur- 
fürsten von Trier vom 28. Juni 1757 führte er aus, dass die früheren Beständer 
das Bergwerk wegen Mangel an Erz seit vielen Jahren verlassen hätten. Er 
hätte aber dort wieder Erz erschürft und bitte deshalb und zugleich als ein 
Nachkomme des Johann Mariot um die Beleihung für 15 Jahre. Hierauf 
wurde der Hüttenmeister de Barme von der Nieverner Hütte auf 10 Jahre mit 
dem Dernbacher Bergwerk beliehen und ihm für den Kameral - Zehnten das 
Fuder Eisenstein (zu 20 Maass ä 150 Pfund) zu 3 fl. zugestanden. 

Vordem scheint de Barme mit den Brüdern Requile zusammen gearbeitet 
zu haben, wenigstens befindet sich eine gemeinschaftliche Beschwerdeschrift 
Avegen Kohlholzbezuges aus dem Jahre 1756 unter den Akten des Archivs. 
Von 1758 an betrieb de Barme die Eisenhütte zu Nievern allein und augen- 
scheinlich mit gutem Erfolg. Er hatte dafür eine Jahrespacht von 310 fl. zu 
zahlen. Nachdem die Ballensteiner Eisengruben gänzlich erschöpft waren, be- 
klagte er sich über die Höhe des Pachtes. Im April 1766 wurde der Kellner 
von Montabaur mit der Vermessung des Zehntsteines des Dernbacher Bergwerks 
beauftragt. Diese ergab 26 Fuder 18 Maass Erz, wofür de Barme 3 Gulden 
für das Fuder zahlte. Seit 1766 lag das Bergwerk wieder 6 Jahre lang still. 
Im Jahre 1772 begann Alexander de Barme, kurpfälzischer Hofgerichtsrat und 
Ilüttenherr zu Nievern, wieder Eisenstein in Dernbach zu gewinnen. Berg- 
inspektor Jacobi, damals zum Hüttenmeister der von der kurfürstlich trierischen 
Regierung neu erbauten Kameral-Eisenhütte zu Sayn ernannt, liess den Zehnt- 
stein vermessen. Es ergaben sich 7 Fuder, 1 Maass oder 141 Maass Eisen- 
stein, die Jacobi nach der Sayner Hütte fahren Hess, gegen Vergütung von 
2 Rtlr. oder 3 fl. rheinisch für das Fuder, womit die Kammer sich einverstanden 
erklärte. Gegen dieses Abfahren des Eisensteins erhob aber de Barme Be- 
schwerde, weil er nach dem Leihbrief ein Vorrecht auf den Stein hatte gegen 
Ersatz von 3 fl. für das Fuder, wozu er bereit gewesen sei. Jacobi führte 
dagegen an, de Barme's Leihbrief sei abgelaufen, er habe kein Vorrecht mehr 
auf den Zehntstein, verdiene auch keine Rücksicht, weil er das kurfürstliche 
Interesse nicht gew^ahrt und das Bergwerk jahrelang liegen gelassen habe. Der 
Wert des Streitobjektes betrug nur 14 fl. 5 alb., doch wurde darüber bis 1677 
ein Stoss Papier verschrieben. 

Ein ernsthafterer Streit war um dieselbe Zeit zwischen der trierischen 
Kammer und den Gebrüdern de Requile ausgebrochen. Diese hatten mit Er- 
laubnis der Kammer im Jahre 1764 bei Sayn geschürft und ein Eisenstein- 
bergwerk auf der Melierbach eröffnet. Sie nannten das Bergwerk wohl wegen 
des guten Erzes für Stahleisen nach dem berühmten Stahlwerk am Müsener 
Stahlberg im Siegerlande „Lohe". Die Eisenerze wurden nach Ilohenrhein 
gefahren. Als Kurtrier 1772 auf Vorschlag des Berginspektors Jacobi bei Sayn 
eine eigene Kameral-Hütte erbaut hatte, begannen die trierischen Beamten, den 



288 

Betrieb des Bergwerk« Lohe scharf zu kuntiullieren. Scliun 1772 erfolgte eine 
Anzeige an die trierische Kammer, dass der Zehntstein nicht geliefert beziehungs- 
weise nicht rein gehalten und getrennt gelagert würde, wie es das Berggesetz 
vorschreibe. 1774 wurde von der Kammer eingeschärft, dass der Zehntstein 
von Lohe nach der Sayner Hütte gefahren und dort verschmolzen werden solle, 
was de ßequile sehr unangenehm war und worin er Beeinträchtigung seines 
Rechtes erblickte. Hieraus entstand ein erbitterter Streit. Jacobi sah im 
Interesse der Sayner Hütte scharf auf die richtige Anlieferung des Zehntsteins. 
1776 erhob die Kellerei Engers Klage wegen unregelmässiger Lieferung und am 
3. August 1776 machte Jacobi der kurfürstlichen Kammer die Anzeige, dass 
von der Grube Lohe ohne eingeholte Erlaubnis Eisenerze nach der Eisenhütte 
bei Bendorf, die Herrn ßemy gehörte, gefahren würden. Da die Gebrüder 
Requile trotz Verbotes und der Bestimmungen des Leihbriefes nicht aufhörten 
Eisenerze au die Bendorfer Hütte zu verkaufen, da sie ausserdem ihre Ver- 
messungsarbeiten entgegen den Bestimmungen der trierischen Bergordnung von 
ausländischen Markscheidern vornehmen Hessen, so ordnete die trierische 
Regierung 1778 die Sperrung des Stollens des Bergwerks Lohe in der Melierbach 
bei Sayn wegen Unregelmässigkeiten und Renitenz der Bergherrn de Requile an. 

De Requile protestierte hiergegen und, indem er den Hofrat Fritsch und 
den Berginspektor Jacobi als die eigentlichen Urheber der widerrechtlichen 
Sperrung des Loher Bergwerkes beschuldigte, verlangte er die Aufhebung der 
Sperre und eine grosse Entschädigung. Die trierische Kammer erwiderte, er 
sei nach Bergrecht verurteilt, die Aufhebung der Sperre könne deshalb nur 
durch eine oberbergrechtliche Entscheidung erfolgen. Die Sperre sei nicht nur 
durch die angeführten Gründe, sondern auch dadurch veranlasst, weil infolge 
Einstellung des Betriebes die Grube ins Freie gefallen wäre, doch sei die 
Kammer zu einem Vergleich bereit. Ein solcher kam aber infolge der über- 
triebenen Forderungen der de Requile nicht zu Stande und so zog sich die An- 
gelegenheit hin bis 1787. Um diese Zeit trat de Requile mit der Behauptung 
auf, dass die kurtrierische Regierung, ausser zur Entschädigung für die Sperrung 
des Loher Bergwerks, verpflichtet wäre, ihre sämtlichen Hüttenwerke zu über- 
nehmen und sie dafür zu entschädigen. Durch diese neue Forderung wurden 
die Prozessverhandlungen noch viel verwickelter und umfangreicher, ohne zu I 
einem Ziel zu führen. Bis in das Jahr 1814 zog sich der Streit hin. 1 

De Requile bemühte sich, die Verpflichtung der kurtrierischen Regierung 
historisch und aus den alten Leihbriefen nachzuweisen. Seine Rechte seien 
durch die Beleihungen seiner Mariotischen Vorfahren entstanden und reichten 
148 Jahre zurück. Er behauptete, dass sein Vater auf Veranlassung des Kur- 
fürsten die Vallerauer Hütte näher an den Rhein verlegt und die Hohenrheiner 
IFütte erbaut habe. Er verlangte Entschädigung für die Sperrung des Loher 
B«;rgwerks und für die Bevorzugung ausländischer Eisenwerke beim Holz- und 
Kchlenverkauf, infolge dessen z. B. im Jahre 1787 4000 Klafter Holz nach 
Köln ausgeführt worden seien. — Der vorsichtige trierische Referent Schenk 
rät zu einem Vergleich gegen eint; massige Abfindung. Hierauf fordert die 
trierische Regierung den kaiserlichen Hof rat und Referendar von Albini zur 



{ 



289 

Begutaclilun«^ auf. Dieser oiiipliclilt l'rül'uii^' (liitcli eine; Kdiimiission. Zu 
Koiinnisstii'cn werden die Geheimen Jiätc^ Ilü^cl und Linz ernannt. Diese 
kommen nach eingehender Untersuchung zu dvm Schhiss, dass die Forderungen 
der Brüder de Kcquile rechtlich nicht begründet seien. In einem hingen Exjjose 
werden CJründe und Gegeugründc gegenüber gestellt. Wir teilen daraus das 
Wichtigste im Auszug mit. 



Forderungen der Brüder de Requile. 

De Koquile behauptet, dass nach 
der von ihm geschehenen Aufkün- 
digung die kurfürstliche Regierung 
verpflichtet sei, die Hohenrhciner 
Hütte u. s. w. nach dem abzu- 
schätzenden Werte zu übernehmen. 
In allen Leihbriefen hätten sich die 
Kurfürsten das Eigentum an den 
Mariotischen Hütten, die von Albert 
de Requile nach Hoheurhein trans- 
locirt worden seien, vorbehalten. 



De Requile begründet seine An- 
sprüche ferner damit, dass in dem 
Leihbrief von 1729 Albert de Requile, 
im Falle ihm aus der Belehuung mit 
seinen seitherigen Mitgewerken de 
Barme und Rickmann ein Prozess 
entstünde, Kameral-Yertretung zuge- 
sichert wurde. Auch habe jener im 
Namen der kurfürstlichen Hofkammer 
den beiden übrigen Bestandteilhabern 
den vertragsinässigcn Ersatz der Bau- 
kosten etc. mit ca. 90000 Gulden 
bezahlt. 



De Requile leitet Ansprüche daraus 
her, dass der Kurfürst bei der Trans- 
location der Montabaurer Hütten be- 
stimmt habe, dass die neue Hütte 



Entgegnungen der kurfürstl. Kammer. 

Das ganze Besitzverhältnis der 
Mariot und ihrer Erben sei ein Tem- 
])oralbestand, der L nach abgehxufcner 
Frist von selbst an den Regalherrn 
zurückfalle; 2. seien nicht die Ge- 
bäude und Anlagen verliehen, son- 
dern die Erlaubnis Erze zu suchen 
und zu verhütten. Erstere seien ihr 
Eigentum, nicht das des Kurfürsten, 
der nicht gezwungen oder verpflichtet 
sei es zu übernehmen ; dass es Privat- 
besitz sei, werde durch die ausdrück- 
liche Erlaubnis, wenn sie abzögen 
mit ihren Gebäuden, Anlagen, Ma- 
terialien etc. frei zu schalten und 
darüber nach ihrem besten Vorteil zu 
disponieren, bestätigt. 

Es ist nicht wahr, dass Albert de 
Requile seine Schwäger im Namen 
des Kurfürsten entschädigt habe; dies 
sei in seinem eigenen Namen ge- 
schehen. Der Kurfürst konnte gar 
keine Gebäude entschädigen, die den 
Beständern gehörten. Auch hätte der 
Kurfürst ebensowohl die Schwäger in 
der Leihe aufgenommen. Albert de 
Requile habe aber die Belehnung nur 
für sich und zu seinem Vorteil be- 
gehrt. Die Schwäger de Barme und 
Rickmann hätten auch nur vonRequile, 
nie von dem Kurfürsten Entschädigung 
verlangt. 

Das sei selbstverständlich, denn 
auf fremdes Gebiet zu bauen, konnte 
der Kurfürst nicht erlauben ; auch 

das Interesse des 



wäre es 



gegen 



290 



auf trierischem Gebiet errichtet wer- 
den müsse. 

Als Hauptgrund für seine An- 
sprüelie führt de Requile die in den 
Leihbriefen eventuell zugesagte Über- 
nahme der Gebäude etc. gegen 
eine Abschätzung durch Sachver- 
ständige an. 



Landes gewesen, die inländischen Erze 
in ausländischen Hütten verschmelzen 
zu lassen. 

Die eventuelle Übernahme sei ein 
persönlicher Vorbehalt des Kurfürsten 
gewesen, für den Fall, dass er selbst 
gewillt sein sollte, die Werke zu 
übernehmen, wenn andere ihm ge- 
nehme Liebhaber nicht dagewesen 
wären. Wenn aber der Fürst nicht 
will und andere Liebhaber nicht da 
sind, so verbleibe die Sache dem Be- 
sitzer. Eine Yerpflichtung zur Über- 
nahme und Entschädigung bestehe 
nicht. Letztere könne eist eintreten, 
wenn der Kurfürst die Werke selbst 
behalten oder andere damit belehnen 
wollte, was beides nicht eingetreten 
sei. Die de Requile waren berechtigt zu 
kündigen, nicht aber Ersatz zu fordern. 
Hieran ändere auch das Verhältnis, ob 
Erb- oder Temporalbestand, nichts. 

V. Kequile hatte ferner (1792) behauptet, durch die Anlage der Sayner 
Kamoral-Eiscnhütte seien ihm die Erze entzogen worden und verlangt hierfür 
Ob violatum et non impletum contractum mehrere tausend Taler Entschädigung. 

Hiergegen wird ausgeführt: von Requile habe zwar nach dem Lehnbrief 
das Recht, im Amte Montabaur zu schürfen, Erze zu graben und Hütten zu 
errichten, doch sei dies keineswegs ein ausschliessliches Recht, ein solches 
könne nur für das Dernbacher Bergwerk in Frage kommen. Auch die Aus- 
dehnung des Schürfrechtes, bei Verlegung der Hütte „in dasiger Gegend'' Eisen- 
stein graben zu dürfen, war kein ausschliessliches Recht. Von Requile habe 
dies auch anerkannt, indem er bei der Errichtung der Sayner Hütte ruhig zu- 
gesehen und niemals Einspruch erhoben habe. Die Berufung auf ältere Lehu- 
bricfe sei belanglos, da es sich um einen Temporal-, nicht um einen Erbbestand 
handle, was ja auch daraus hervorgehe, dass der Pacht und die Pachtzeit 
wechselten, von 700 bis 1200 Gulden und von 15 bis 25 Jahien. Jetzt sei 
nur der letzte Leihbrief massgebend.' Dies gelte besonders auch von den Kohlen, 
deren Bezug im letzten Leihbrief schon eingeschränkt sei, indem gesagt sei: 
„wobei wir aber keineswegs verbunden sein sollen, den Beständern zeitwähronder 
solcher Location einiger Kohl- und Stompelholz aus uusren erzstiftlichen 
Waldungen zu iln-em Hüttenwerk und Erzgruben zukommen zu lassen, hingegen 
aber gnädigst gestatten, dass sie ihr erkauftes Holz auf Rhein und Mosel her- 
führen dürfen, ohne dass sie in Koblenz angehalten werden sollen."--) 



**) Wegen Verzollung. 



291 

Die gTüSsto Forderung- urJiob de JicMiiiile wcgon dr.m gesperrten p]i.senstein- 
bergwerk Lohe bei Sayn. Anfangs hatte er seinen jährlichen Schaden auf 
2000 bis 3000 Rtlr. angegeben, was an der kurfürstliehen Kammer zurück- 
gewiesen wurde. Die Sperrung des Stollens sei eine berggerichtliche Strafe für 
verschiedene Vergehungen gegen das Berggesetz und ein Zwangsmittel zur 
Zurechtweisung des widerständigen Beständers gewesen. Die kurfürstliche 
Kammer sei einem Vergleich geneigt gewesen, doch sei derselbe an den un- 
mässigen Forderungen des de Eequile gescheitert. 

Im März 1790 bittet letzterer um eine baldige Beendigung des Vergleichs- 
geschäftes. Er behauptet, die Erze des Bergwerks Lohe seien der Hauptbezug, 
sowie die Grundlage für die Band- und Nageleisenfabrikation der Ilohenrheiner 
Hütte gewesen. Der Sayner Hütte sei es nicht gelungen, mit ihren Horhauser 
Erzen ein starkes Eisen für Nagel- und Gewaltbandeisen zu erzeugen. Er sei 
schwer geschädigt. Die Stollenanlage habe ihn 10 000 fl. gekostet, sein jähr- 
licher Schaden durch die Sperrung des Bergwerks betrage 12332 fl., das mache 
seit 1778 147 984 fl. 

Die kurtrierischen Räte Kalt und Simon als Kommissare für den Vergleich 
sind der Ansicht, dass diese übertriebenen Forderungen nur dazu dienen sollten, 
Requiles Hauptzweck, die Übernahme seiner sämtlichen Werke durch die kur- 
fürstliche Kammer, zu erreichen. Diese Kameral-Ü bernahme wäre allerdings 
besser, wenn eine Gefahr bestände, dass auch nur der zehnte Teil dieser Forde- 
rung bezahlt werden müsste. Requiles Riesenrechnung war aufgebaut auf der 
Preisdifferenz des Qualitätseisens, das er mit dem Lohei Eisenerz erzielt haben 
könnte, gegenüber dem ordinären Eisen, das er jetzt machen müsse. Der Preis 
des „kaltweissen" englisch gewalzten Bandeisens betrüge 60 fl., das des. Nagel- 
eisens 50 fl. für die Waag, woraus sich ein jährlicher Schaden von 3332 fl. 
für ihn ergäbe. ^'^) Infolge dieser überspannten Forderungen zogen sich die 
Vergleichsverhandlungeu immer länger hinaus und kam de Requile durch seinen 
Eigensinn in immer grösseren Schaden. Kur-Trier hörte auf zu bestehen, ehe 
der Streit beendet war. 

Gottfried Peter von Requile war übrigens wegen seines Eigensinns und 
seiner Exzentrizitäten am ganzen Mittelrhein bekannt. Wiederholt wurde er 
wegen seiner Tollheiten und Gewaltstreiche mit Festung bestraft. Der Rheinische 
Antiquarius weiss viele absonderliche Geschichten von ihm zu erzählen. Eine, 
die charakteristisch ist für die Zeit und für den Hütteuherrn von Ilohenrheiu, 
wollen wir im Wortlaut mitteilen: 

„Das erstemal wurde Gottfried Peter von Requile wegen eines Land- 
friedensbruch auf dem Ehrenbreitstein eingesperrt. Er hatte Kohlen auf Mainzer 
Gebiet erhandelt, deren Ablieferung jedoch das Amt Oberlahnstein (wegen 
NichtVerzollung) untersagte. Dies brachte den nachbarlichen Groll zum Ausbruch. 
Von Hohenrhein zog Requile an der Spitze seiner Hütteuarbeiter aus und durch 
eine Anzahl aus Berlenbach berufene Bergknappen verstärkt, überschritt er die 
Lahn. Aber es hatte das Amt (Obcrlahnstein) die ganze Mannschaft, die 



^^) Diese Ziffer stimmt durchaus nicht mit der oben angegebenen. 



292 

Spiesse niclit vergessou, in des Waldes vortheilhaftesten Positionen aufgestellt 
und deren sich zu bemächtigen, niusste Kequile eine heisse Schlacht liefern. 
Thcuer erkauft, doch vollständig war der Sieg. Bis zu den Mauern von Lahn- 
stein dehnte die Verfolgung sich aus und im Triumph wurden zu llohenrhein 
unter Trompeten- und Paukenschall, unter wiederholten Böllersalven des Sieges 
Trophäen, die erbeuteten Kohlen, eingeführt. 

Jedoch verfolgte mit rechtlichen Klagen die Kegieruug zu Mainz den Ge- 
waltthätigen, den Ruhestörer und der Jahrestag des Sieges stand bevor, als 
Eequile in das Staatsgefängniss nach dem Ehrenbreitstein abgeführt wurde." — 
Nach seiner Entlassung lebte er als launischer Selbstherrscher zu Hohenrhein. 
Er benahm sich wie ein kleiner Füist, hielt sich seinen eigenen Haus- 
kaplan, einen Pater Manfredus, den er aber bei einem Zechgelage, als dieser 
ihm wegen seines Lebenswandels Vorwürfe machte, über ein Geländer in den 
Hof warf, woran der Pater beinah' gestorben wäre. Diese Tat brachte den 
tollen Requile wiederum und für längere Zeit auf den Ehrenbreitstein. 

1789 wollte Peter von Requile, als sein heruntergekommener Vetter Freiherr 
Victor von Mariot zu Langenau gestorben war, und die Mittelrheinische Reichs- 
ritteischafts-Kammer einen Käufer für das Adelsgut Langenau suchte, dieses 
kaufen. Er wurde dabei von seinem Schwager, dem Kaiserlichen Reichskammer- 
gerichts-Beisitzer von Albini, unterstützt. Dieser schrieb am 26. Mai 1789 
im Namen seiner Frau geborene Requile an den Hauptmann und die Ritter- 
schaft zu Burg Friedberg: „es hat dieselbe auf Antrag der mit ihr in Ver- 
wandschaft, bekanntlich aber in sehr misslichen Umständen stehende von 
Mariotische Familie zu Mannheim sich resolviret, das von denselben mit er- 
haltener Erlaubniss des kurkölnischen Lehnshofes schon geraume Zeit zu ver- 
kaufen gesucht, zur mittelrheinischeu Ritterschaft gehörige Rittergut für ihren 
Bruder, meinen Schwager Gottfried Peter von Requile und seine Familie, 
welche ohnehin schon ein niederrheinisches Rittergut, Waidenbach genannt, 
auf dem Hundeck besitzet und ebenfalls von dem gemeinsamen Stammvater von 
Mariotte herkommt, an sich zu kaufen. '' 

Die Ritterschaft stellte folgende Bedingungen: Käufer sollte für die Be- 
zahlung der Schulden des verstorbenen Victor Amadeus von Mariot möglichst 
Sors-e tragen, das Gut iu besseren Stand setzen, die rückständigen Steuern be- 
zahlen und die Abschätzungssumme bei der Versteigerung anbieten. Mit diesen 
Bedingungen war die Witwe von Mariot einverstanden. Die Zustimmungs- 
erklärung ist unterschrieben von Josepha von Mariotte geb. von Seylern, Franz 
Joseph Ferdinand von Mariotte, Sophie von Mariotte und Nicolas Müller als 
Gegenvormund der minderjährigen Theresa von Mariotte. Peter von Requile 
beanstandete aber die von der Ritterschaft verlangte öffentliche Versteigerung. 
Die Guaita'schen Erben erhoben ebenfalls Widerspruch und da inzwischen die 
Witwe von Mariot zu Mannheim mit letzteren ein Abkommen getroffen hatte, 
80 wurde ihrer Bitte, die Versteigerung zu inhibieren, da ihr Sohn nach seiner 
bald eintretenden Mündigkeit das Gut übernehmen könne, stattgegeben, womit 
dieser Zwischenfall seine Erledigung fand. 



293 

Tnf'olgo <lor politiHC'hoii und stiuitsrochtliclioii IJinwälzim^cn, wuIcIk; die 
AuHösuiig (los JJoutsc'hon Koiches, dio (j-iiindnng dos Khoinhundos und ondli(di 
die Schöpfung dos Deutsclien Buudos durcli don Wiener Frieden im Jahre 1815 
mit sich bracliton, gingen die Besitzungen der zum Teil verarmten Nachkommen 
und Erben der Familie von Mariot meist in andere lländo über. 

Der Hüttenmeister und Ilüttenherr der N i c v e r u e r Eisenhütte, 
de Barme, war im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts ohne Hinterlassung 
von Leibeserben gestorben und fiel die Hütte durch Erbschaft an Frau von 
Albini, geborene de Requile in Wetzlar, die sie verwalten Hess, bis sie 
dieselbe im Anfang des 19. Jahrhunderts au Maximilian d' m a 1 i u s ver- 
kaufte, der aber 1816 fallierte. Infolge dessen wurde die Nieverner Hütte samt 
den hiuzuerworbeneu Eisensteingruben bei Balduinstein am 21. Mai 1817 zum 
Preise von 60 500 Ü. an die Herren Grisar, die teils in Antwerpen, teils in 
Nievern wohnten, verkauft. Diese betrieben das Eisenwerk, das damals 2 Hoch- 
öfen, 1 Grobhammer mit 2 Frischfeuern und Eisenschneidwerk umfasste, unter der 
Firma Gebrüder Grisar. Sie vergrösserten das Werk, indem sie schon 1847 
gleichzeitig mit der Kanalisation der Lahn einen grossen, für Koksbetrieb ein- 
gerichteten Hochofen erbauten, ferner legten sie ein Puddel- und Walzwerk 
und 1849 eine Eisengiesserei, die zu grosser Blüte kam, an. 1861 wandelten 
die Gebrüder Grisar das umfangreiche Unternehmen in eine Aktiengesellschaft 
„Nieverner Bergwerks- und Hüttenverein" um. Diese erbauten 1864 anstelle 
des einen Holzkohlenhochofens einen Kokshochofen nach schottischem System, 
der 1865 in Betrieb kam. Bis 1871 blieb die Familie Grisar noch etwa zur 
Hälfte beteiligt; seitdem sind die Aktien in den ausschliesslichen Besitz der 
Familie Frank übergegangen. 

Das Puddel- und Walzwerk ist längst verschwunden, die Hochöfen liegen 
still, aber die Eisengiesserei blüht noch heute und erfreut sich eines grossen 
Rufes. Von allen den vielen von Johann Mariot gegründeten Werken ist dies 
das einzige, welches noch im Betrieb steht. 

Auch die benachbarte Ahler Hütte bei Oberlahnstein erlebte im 
19. Jahrhundert eine Zeit der Blüte. Der letzte Mariotische Erbe, der das 
Werk besass, war Jacob Kraus im Anfang des 19. Jahrhunderts gewesen. 
Von diesem kam es in Besitz der Schaumburgischen Vormundschaft, die das 
Werk am 29. November 1817 an die Firma Remy und HofFmann verkaufte. 
Damals bestand das Hüttenwerk aus einem 17 Fuss hohen Holzkohlenhoch- 
ofen, einem Eisenhammer mit 2 Frischfeuern, einem Glühofen, einem Walzwerk 
mit daranhängendem Schneidwerk zur Herstellung von Nageleisen. Alle diese 
Anlagen befanden sich auf einer Insel in der Lahn. Dazu gehörten 4 Eisen- 
steinbergwerke und das Vorkaufsrecht der Erze der Schaumburgischen Gruben. 
Die Ahler Hütte lieferte bei vollem Betrieb 40 000 Pfd. Roheisen in der Woche, 
wovon nur ein Teil bei günstigem Wasserstand der Lahn zu Stab- und Nagel- 
eisen verarbeitet wurde. Ende der dreissiger Jahre wurde der Hammerwerks- 
betrieb eingestellt und das Roheisen an das von Ferdinand Remy 1826 zu Alf 
a. d. Mosel angelegte erste Puddelwcrk in Deutschland abgesetzt. 1840 wurde 
der alte kleine Hochofen abgerissen und auf dem linken Lahnufer ein 30 Fuss 



294 

holior llolzkohlcnliochofen nobst Zyliüdcrg'cbläsc für eine Wochcnproduktiou 
von 100000 Pfd. erbaut. Nach einem verunglückten Versuch, mit Koks zu 
schmelzen, wurde der Betrieb im Jahre 1871 eingestellt. Die Bergwerke wurden 
an Friedrich Krupp in Essen, das Eisenwerk an die Emser Blei- und Silber- 
hütte verkauft, von der es 1892 in den Besitz der Gewerkschaft Friedrichs- 
segen b. Oberlahnstein gelangte. 

Ebenso erlebte auch die H oh enrh einer Hütte im 19. Jahrhundert 
noch eine Zeit des Aufschwungs. Nach dem Aussterben der Familie de Kequile 
war sie in den Besitz einer Familie Breidenbach gelangt, die sie 1846 an Carl 
Stumm in Ncunkirchon und die Dillingor Eisenwerksgesellschaft verkaufte. 
Letztere a-olanffte 1856 in den Alleinbesitz. Sie betrieb daselbst 2 Holzkohlen- 
hochöfen, von denen der eine 1858 wegen ungünstiger Konjunktur eingestellt 
wurde. Zu Anfang der 1860 er Jahre führte man Koksbetrieb ein. Das 
Masseleisen ging zu Wasser lahnabwärts in den Rhein und von da die 
Mosel hinauf nach der Dillinger Hütte. 1876 wurde der Hochofenbetrieb 
eingestellt. 

Von allen übrigen ^[ariotischen Hütten sind höchstens noch Trümmer 
vorhanden. Von dem Vallerauer Hochofen ist sogar die Erinnerung geschwunden ; 
nur Schlackenhalden lassen noch seine Lage vermuten. Ähnlich ist es mit den 
Mariotischeu Eisenhütten bei Ems und bei Weiuähr. Von letztgenannter Hütte 
erkennt man noch spärliche Mauerreste au dem Weg von Weinähr nach der 
Weinährer Silberhütte. Von der einst schwunghaft betriebenen Eisenhütte zur 
Haarmühle bei Katzenelnbogcn stehen nur noch einige Mauern und die ärmliche 
einsame Mühle am Eingang des Jammertals lässt nichts mehr von der ver- 
o-auo-eiien glänzenden Zeit ahnen. Die herrschaftliche Kameralhütte bei Katzen- 
einbogen wurde im 19. Jahrhundert noch zeitweise betrieben, erst von einem 
Breitenbach, später von einem Scheuermann. Vor 6 Jahren konnte man das 
Wasserrad mit dem Blasebalg und Reste des Hochofens sehen. Jetzt ist die 
Anlage von dem letzten Besitzer in eine Wohltätigkeitsanstalt umgewandelt 
worden. Auch die Mariotischen Eisenerzbergwerke sanken in Vergessenheit, 
doch werden auf denselben Lagern noch Erze gewonnen. Der Beigbau um 
Katzenelnbogcn bei Allendorf wird wieder betrieben und das Bergwerk zu 
Dernbach bei :Moutabaur hat eine zweite Glanzzeit erlebt. Nach fast 100 jährigem 
Schlaf wurde an derselben Stelle ein grossartiger Tagebau auf Eisenerz, die 
Grube „Glück auf" angelegt. Man glaubte ein unverritztes Feld vor sich zu 
haben und war höchlich erstaunt, als man in der Tiefe auf wohlgebaute Strecken, 
alte Türstöcke und Reste eines ausgedehnten Bergbaus stiess: so gänzlich war 
der einst so blühende Beigbau der ^fariots in A' ergessenhcit geraten. Ein 
eisernes Kreuz mit der Jahreszahl 1672, Türstöcke mit Jahreszahlen, wo- 
von die jüngst(! 1723 war und der mehrfach eingeliauene Buchstaben M. 
gaben Kunde von der Zeit des alten Betriebes und von dem Namen des 



Bergherrn. 



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296 

Die Marions sind versclnvundcD, von ihren vielon Bergwerken und Hütten 
haben sich nur einige Reste bis auf unsere Zeit erhalten. Aber die Erinnerung 
an ihre AVerke und ihre erfolgreiche Tätigkeit lebt noch fort. Mariotisch 
Maass und Gewicht blieb im Lahugebiet zur Zeit des Herzogtums Nassau 
beim Bergbau in Gebrauch. Wohl mussteu die alten Ho-lzkohlenhüttcu nach 
Einführung der Steinkohlen verschwinden und damit auch die Glanzzeit der 
nassauischen Eisenhütten. Aber noch heute blüht in unserer Provinz die Eisen- 
industrie und gibt tausend fleissigen Händen Arbeit und Unterhalt. Zu dieser 
Blüte hat aber die Familie Mariot vielfach die Anregung gegeben, die Grund- 
lage gelegt und sie zu einer nicht wieder erreichbaren Höhe gebracht. Deshalb 
darf der Name Mariot in der Geschichte der Industrie und in der Ge- 
schichte Nassaus nicht in Vergessenheit geraten. 



Der grosse Brand der Stadt Herborn i. J. 1626 
und die Kollekten für die Abgebrannten.'^ 



Von 

M, Y, Domarus, 



Wie schwer die nassauischeu Lande, besonders die Grafschaften Dillen- 
biirg, Diez und Hadamar schon in der ersten Zeit des dreissigjährigen Krieges 
unter Einquartierungen und Durchmärschen der Soldaten zu leiden hatten, das 
hat ein gründlicher Kenner der einschlägigen Quellen schon in den Dillenburger 
Intelligenznachrichten-) in knappen Zügen dargestellt. Wie trübselig es aber 
wenige Jahre nach dem Ausbruch des Krieges in den heimgesuchten Ländern 
aussah, das schildert am besten ein Schreiben der wetterauischen Grafen an 
den Kaiser von 1626""), jenem für die Stadt Herborn so verhängnisvollen Jahre. 
„Gleichivohl seintt wir," heisst es dort, „. . . nhim über die sechs jähr hero 
fast ohne underlass mit solchenn einlagertmgemi, diirchzugen, musterplätzenn, 
landtsverderblichen, hochschädlichen exactioneti, contrihutionen, plündern^ rauhen 
undt dergleichen unwessen sehr hart belästigt, beschwert, getrucJct undt bezivängt 
tüorden, auch noch bis uff den heutigen tagk damitt continuirlich belästiget, 
beschivert, getrucJct undt betranget werden, das, sobaldt eine trouppe aus einem 
quartir tifbrechen undt abstehen thut, eine andere, ungeachtet aller vorgeiviessenen 
undt öffentlich ahngeschlagenen Jcagser-, chur- undt fürstlicher, auch hochgedachiter 
herrn generale ertheilter protection^ schutzs undt schirmbbrieffm, salvaguardien, 
ordinantsen, accorden., passzettuln undt bevelhen (welche off't sehr schimpfflich 
gehalten undt gahrnicht respectirt, auch ivohl gahr abgerissen undt zur erden 
qeicorffen iverden) sich ahn die statt legt undt viell arger undt ubeller dan die 
vorige hausset." Soldaten und Offiziere beraubten und plünderten ganze Dorf- 
schaften, die Herden wurden fortgeführt oder mutwillig erschossen, die Besitzer 
aller Habe beraubt, gequält oder ermordet, Frauen und Kinder in erzwungener 
Gegenwart ihrer Angehörigen geschändet, die Speicher erbrochen und die 

'j Die vorliegende Abhandlung war ursprünglich für die Festschrift aus Anlass des 
Herborner Stadtjubiläums von 1901 bestimmt, konnte aber damals wegen der Kürze der Zeit 
nicht fertiggestellt werden. 

2) Jahrgang 1776 ff. 

^) Konzept im St.-A. W. VII A. D. A. K. 1349; es trägt nur die Jahreszahl 1626, 
fällt aber, wie aus anderen Schreiben hervorgeht, wahrscheinlich in den August oder September. 



298 

Früchte verkauft; in den Häusern müsse alles „vom grossen bis zum kleinen 
zerschlagen, verwüst und verderbt sein, damit ja der arme hausman nichts 
übrig behalte .... In summa, alte ehrliche krigsleutte, so hiebevor gegen 
den erbfeindt^) und sonsten gedienet, bekennen rundt, dass sie dergleichen 
tyrauei und Unmenschlichkeiten nicht gesehen oder gehöret, auch von dem 
erbfeindt selbsten nicht."'') Über die unerträglichen Kriegslasten, die un- 
erschwinglichen Kontributionen, die endlosen Einquartierungen und die Nicht- 
beachtung der Sakaguardien hatten sich auch wiederholt, zuletzt noch im Juli 
1626, die Grafen Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg und Johann Ludwig 
von Nassau-Hadamar bei dem Kaiser und seinen Befehlshabern beschwert und 
um Abhilfe gebeten, jedoch ohne sonderlichen Erfolg. 

Unter den nassauischen Städten, die von diesen Drangsalen des Krieges 
schwer heimgesucht wurden, nimmt Herborn die erste Stelle ein. Begünstigt 
durch seine Lage an der grossen Heer- und Handelsstrasse Köln-Leipzig sah 
es in den Jahren 1623 — 1646 fast beständig Infanterie- und Kavallerietruppen 
in seinen Mauern und hatte trotz der hohen Kriegssteuern*'), die es zahlte, um 
von Durchmärschen und Einquartierungen befreit zu bleiben, alle Leiden zu 
kosten, die die Beherbergung bunt zusammengewürfelter Kriegsvölker mit sich 
brachte. Erwähnt seien nur die wiederholten Tumulte zwischen Soldaten und 
Bürgern 1621 und 1626, die Erpressungen und Demolierungen im Jahre 1623, 
die Plünderungen und Räubereien von 1634 und 1635; Teuerungen und Krank- 
heiten machten das Übel noch grösser; auch die Pest hat mehrmals während 
dieser Zeit ihre Opfer in Herborn gefordert. 

Das grösste Unglück aber, das die Stadt im dreissigjährigen Kriege traf, 
war jener gewaltige Brand, der am Sonntag, den 20. August^) ausbrach und 
fast die Hälfte der Stadt in Schutt und Asche legte. Zwar wurde er nicht 
von plündernden oder raohesüchtigen Soldaten angelegt, sondern das Feuer 
entstand durch die Unvorsichtigkeit eines Stallburschen, gleichwohl kommt es 
auf das Sündenkonto des in Herborn einquartierten Kriegsvolkes. 

Die Nachrichten über diese Feuersbrunst, von der Zeitgenossen 
und Spätere fast immer nur als von „dem grossen Brande" sprechen, fliessen 
nicht sehr zahlreich; am bekanntesten sind wohl die Angaben Steubings*^), 
die im grossen und ganzen zutreffen. Ihm dienten als Quelle die Mitteilungen 
über den Brand in den Dillenburger Intelligenznachrichten von 1785 und 1777''), 
wahrscheinlich auch die chronikalischen Aufzeichnungen am Ende des Herborner 
Stadtprotokolls ^*') und die von dem Herborner Pfarrer und Professor J. II. 

*) Die Türken. 

^) St.-A. W. a. a. 0. Fol. 28 u. 29. 

^) Vcrgl. ötoubiiii,', Topo.i,'raphie der Stadt llorborn S. 149 f. — Dill. Iiitell. Naolir. 
V. 1777, Sp. 280 ff., 329 f., 392. 

') Nach dem alten Kalender; der 30. August nach der neuen Kechnung. 

*) Steubing a. a. 0., S. 141. 

") 1785, Sp. 544 u. 1777, Sp. 379. Die Nachricht von 1785 ist nichts als eine "Wieder- 
liolung oder geringe Umarbeitung von der von 1777. 

'") KrhuUen sind die StadtprotokoUe von l()33--ir)7r) ; Original in der Sammlung dos 
Herborner Altertums Vereins; Abschritt im St.-A. W. VII. A. I). A. 11. 2401, 2 Bde. 



299 

Schramm am 20. August 1726 gehaltene Busspredigt, die auch im Druck 
erschien und „viele Merkwürdigkeiten" zur Stadtgeschichte bot. Trotz langer 
Nachforschungen ist es mir bisher nicht gelungen, ein Exemplar dieser Predigt 
aufzutreiben"); sie dürfte aber schwerlich mehr enthalten als die noch vor- 
handenen Auszüge Schramms zur Geschichte von Herborn, die er aus Hand- 
schriften und gedruckten Werken machte und am Ende seiner Predigt ver- 
mutlich zu einer Art von Chronik zusammengestellt hat. Da die Dillenburger 
Tntelligenznachrichten, ebenso wie Steubings Topographie heute rar geworden 
sind, so seien ihre kurzen Angaben hier zusammengestellt und zum Vergleiche 
auch Schramms älterer Auszug mitgeteilt. Die Dillenburger Intelligenz- 
Nachrichten von 1777 berichten wie folgt: 

„[1626]. Der Obrist Eichstätt lag anfänglich in Herborn. Den 
20. August entstände aus Unvorsichtigkeit eines Bedienten ein grosser 
Brand in Herborn. Des Obristen Pferde standen hinter dem Rathhause 
in Johann Franck, Stoifel Schützen Eidams Stall. Ein unbenannter Graf 
hatte selbigen Tag bey dem Obrist gespeiset. Er wollte den Abend spät 
noch fort. Der Bediente gienge mit einem Licht in erwehnten Stall, um 
die Pferde zu recht zu machen, und da solcher mit dem sehr nachlässig 
umginge, kam dadurch Feuer aus. Das Feuer nahm gleich überhand 
und es wurde nicht nur das Rathhauss mit allen Documenten, Gerichts- 
bücher und allem, was darinnen gewesen^-), eingeäschert, sondern es 
brannte auch noch die Begräbnisskirche mit der ganzen Hinter- und 
Neugasse ab. Man zehlte 214 Gebäude, so abgebraunt waren. Der 
Obrist Eichstätt kam hierauf nach Driedorf im Schloss zu liegen." 
Steubing gibt in seiner Topographie Herborns von 1792 S. 141 folgende 
Darstellung des Brandes: 

„Die dritte [sc. Feuersbrunst] ist unter dem Namen des grosen 
Brandes fast allen Einwohnern bekannt. Er entstand 1626 20sten August. 
Es lag damals der Oberst Erkstädter, welcher eben an diesem Tag einen 
Grafen bei sich zu Gast hatte, in der Stadt in Garnison. Durch Un- 
vorsichtigkeit der Knechte, welche das Licht in Jo. Frank StoffeP") 
Eidams Stall hinter dem Rathhauss nicht verwehrt hatten, brach das 
Feuer aus und griff so sehr um sich, dass nicht nur das Rathhaus mit 
der ganzen Neugasse, sondern auch die Hintergasse mit den Scheunen 



") Das St.-A. W. besitzt leider nur den Anfang der gedruckten Predigt, die unter dem 
Titel erschien : „Ruhm der Güte, Barmherzigkeit und Treue unseres Gottes offentlicli ver- 
kündiget in einer volkreichen Versammlung, an dem von Gnädigster Herrscliaft't angeordneten 
Danck- und Buss-Tage, den 20. August-Monats 1726, welcher war der Gedächtnis-Tag des 
vor 100 Jahren zu Herborn entstandenen grosen Brandes." St.-A. Hohe Schule Herborn, III 
4. B. 1, Nr. 75. 

^^) Ähnlich sprechen sich zwei andere Aufzeichnungen aus. St.-A. W., Nachlass Vogel 
Nr. 49 und Nachlass v. Rauschard III. Nr. 32. Wir werden weiter unten sehen, dass 
diese Angaben nicht wortgetreu zu nehmen sind. 

^^) Steubing lässt hier den Namen „Schütz" aus und dieser auch bei Schramm 
vorkommende Fehler lässt neben anderem darauf schliesscn, dass gerade Schramm die 
Quelle Steubings war. 



300 

und der sogenannten Todtenkirche — zusammen 214 Gebäude — ein 
Raub der Flamme wurden. Es waren 128 Einwohner, welche dieses 
Unglück, den einen mehr, den andern weniger, betroffen hatte." 
Steubing bietet also, abgesehen von der letzten Notiz, die sich auf ein von 
ihm gefundenes Verzeichnis der Abgebrannten stützt, nichts, was nicht schon 
die Dilleuburger Intelligenznachrichten gebracht hätten; nur lässt er die Notiz 
über den Verlust aller Rathausarchivalien fort, und das mit Recht. Vergleichen 
wir mit diesen beiden Berichten den bisher nicht bekannten Bericht von 
Schramm, der einige interessante Einzelheiten mehr bietet! Schramm 
schöpfte zweifellos aus einer offiziellen Quelle; er bezeichnet sie durch eine 
Randnotiz als „Msc. auf hiesigem rahthaiiss." Schon Steubing behauptete, 
dass „die vom grosen Brande übrig gebliebene Dokumenten und aus jenen 
Zeiten im Rathause noch vorhandene Nachrichten fast allein" von dem Herboruer 
Stadtschreiber Andreas Jakob Hoen (1603—1652) herrührten.^') Sicher ist, 
dass das Stadtprotokoll von 1633—1652 von Hoen niedergeschrieben ist, und 
vermutlich stammen von ihm auch die chronikalischen Nachrichten von 1479 
bis 1626 am Ende des Protokolls, die auch über den Brand von 1626 be- 
richten.^'') Jedenfalls hat Schramm auch diese Quelle gekannt; es muss ihm 
aber noch eine andere Handschrift vorgelegen haben; denn seine Angaben 
sind genauer als die am Schlüsse des Stadtprotokolls; zudem fehlt bei ihm 
die Stelle über den Verlust der Archivalien. Doch hüren wir ihn selbst: 

„1636 den 20. August ist die stadt Herhorn mit einem entsef Wichen 
hrand heimgesuchet ivorden. Bas (euer ist durch ohnvorsichtiglceit der 
knechten des kaiserlichen Obersten Erckstätters und eines hey ihm zu gast 
geivesenen grajen, tvelche das licht in Johann Franck Stoff'els^^) eydams 
stall hinter dem rahthaus nicht verwehret^ in der schaafgassen ausge- 
kommen und hat so geivuhtet, dass von dem iveissen ross an biss an das 
unterste thor von S gassen nicht das geringste stehen gehlieben, auch das 
rahthaus samt allem was darinnen gewesen, stadt -thurm-dächer und 
unterste oder hegrähnis-kirche durch die flammen verzehret worden." 
[Durchgestrichene Randnotiz „und über 200 Wohnhäuser und gebäuden."y) 

1*) Steubing a. a. 0. S. 68. 

'6) Die Stelle lautet: „Anno 1626 ist ein groser hrand den 20ten Augusti durch des 
obrist Eckstetters, so im quartier alhie gelegen hinderm rahthauss in Johann Franken, 
Stoffel Schützen eidamhs, stall und eines graven, so hey ihm zu gast gewesen und des ahends 
in der eill uff sein wollen, dienern entstanden, dadurch das rahthauss mit allen documenten, 
gerichtshüchern und was darin gewesen, gunlz eingeäschert toorden, satnpt der hegrülmus- 
kirehen, gantzen hinder- und newgassen hey 314 bew seind verhrandl.^' St.-A. W. YII A. 
D. A. H. 2401 b am Schluss. 

'») Vergl. S. 299, Anm. 13. 

'^) Schramm, Geschichte von Herborn, Folio 17 v. (alte Paginierung S. 28); das 
Manuskript, ein Geschenk des Hofrats Dr. Spengler in Ems, ist seit 1858 in der Sammlung 
des hiesigen Altertumsvereins. — Schramm setzt zu seiner obigen Notiz noch hinzu: „Und 
ist dabey merckwurdig, dass im Jahr zuvor dergleichen hrand die gute Stadt Heiger betroffen 
(wie fürst Ludwig Henrich im colleclenbuch solcfies seihst angezeichnet und sich entschuldiget, 
dass seine obwolen ansehnliche Steuer wegen solchen Heigerischen brand nicht gröser seyn 
können.'' Dieser Zusatz lässt vermuten, dass vielleicht die ganze Stelle über den IJrand aus 
einem der KoUckteiibücher stammt. Vergl. Beilage II. Anfang. 



301 



Dieser Quelle vermag ich noch eine weitere offizielle, bis jetzt nicht beachtete 
hinzuzufügen, nämlich das von dem Bürgermeister und Hat der Stadt 
Herborn für die Kolloktoren Johannes Lott und Gerhard Holler 
ausgestellte Beglaubigungsschreiben vom 11. Dezember 1626. „Kmidt 
und 2U loissen sey hiemit öffentliche^' so heisst es dort, „nachdem leider gott 
erharms mehr aJss zuviel bekant, welcher gcstalt jüngsthin den 20ten Augusti 
zu nachts umh neun uhr dieses 1020 jhars hey einlägerung des hayserlichen 
hriegsvolcks durch verivahrlosung des lichts von den reuterjungen in einem stall 
hinder dem rahtthaus der statt Herhorn ein groser hochbetrübter und gantz 
verderblicher brandt uffgangen, dass nicht allein ermeltes rahtthaus sampt allem., 
ivas darin gewesen^ sondern auch die begräbnusMrcJtj statttächer uff turn und 
mauern und alle bew daherumb schier die halbe statt in die äsch gelegt ivorden, 
tvie leider der augenschein und anzahl der beiv mehr als zu viel ausstv eiset. ''^^) 

Darin stimmen alle Nachrichten überein, dass das schreckliche Brand- 
unglück durch Unvorsichtigkeit von Soldaten verursacht v^urde. Seit 
dem März bis zum August 1626 hatten Truppen vom Regiment des Herzogs 
Franz Albrecht zu Sachsen -Lauenburg unter Kapitän von Dersen in Herborn 
gelegen ^'^); an ihre Stelle trat Mitte August Kavallerie von der Tilly'schen 
Armee unter dem Oberst Hans Ernst von Eckstätt.^'') Der Bursche dieses 
Offiziers oder der Bediente eines bei dem Obersten zu Gast weilenden Grafen 
war der Übeltäter. Sie besorgten am Sonntag Abend, den 20. August, gegen 
9 Uhr zur Abreise des Gastes die Pferde, die im Stalle des Johann Frank'-'), 
des Schwiegersohnes von Stoffel Schütz, standen; dabei gaben sie nicht acht 
auf das brennende Licht, das Stroh fing Feuer und in kurzer Zeit standen die 
Nachbargebäude in Flammen. Die Ausbruchstelle liegt hinter oder neben dem 
Rathause in dem Winkel nahe der oberen Schafgasse, so dass die Angabe bei 
Schramm, der Brand sei in der Schafgasse ausgekommen, nicht unberechtigt 
ist; von hier griff das Feuer auf die Hintergasse, jetzt „Hinter der Mauer", 
über und fand dort in den voll gefüllten Scheunen, die sich an der Stadtmauer 
entlang von dem runden nördlichen Turm an der Dill bis zum südlichen so- 
genannten lioken oder Hexenturm erstreckten, einen ungeheuren Nahrungsstoff 
vor. Kein Zweifel, hätte sich die Stadt nach dieser südöstlichen Seite hin 
weiter ausgedehnt, es wäre alles in dem gewaltigen Flammenmeer untergegangen. 
Fiel doch auch die schon jenseits der Stadtmauer am St. Leonhards- oder 



1») A. V. H. Nr. 1025. 

") Nach den Dill. Intell. Nachr. v. 1777 lag v. Dersen (auch Torsen) noch am 
4. August 1626 in Herborn; nach einer anderen Quelle (St.-A. W. VII. A. D. A. K. 518b) 
war er schon am 14./24. Juni abgezogen. 

2'') Auch Eckstadt, Eckstatt, Ekstatt, aber nicht Erkstädter oder Erckstätter, wie Steubing 
und Schramm schreiben, und auch nicht Eichstätt, wie er in den Dill. Int. Nachr. genannt 
wird. Es sind noch zahlreiche Korrespondenzen über seine Einquartierung im Dillenburgischen 
und Hadamarschen vorhanden, aus denen sein Name sich feststellen lässt; St.-A. W. a. a. O. 
K. 500 u. 518. 

^') Wahrscheinlich derselbe, der in der Brandliste Johann Frank Arnold heisst; er 
scheint Öastwirt gewesen zu sein. Vergl. Beilage f, Nr. 14. 

20 



302 

Hintersandtor stehende unterste oder Begräbniskirche--) dem Feuer zum Opfer. 
Die ganze Hinter- und die Schafgasse brannten nieder. 

Dicht neben der Ausbruchstelle, dem Stalle Johann Franks, lag das 1589, 
in seinem oberen Teil wahrscheinlich aus Fachwerk erbaute Rathaus. Die 
Flammen müssen auch dieses Gebäude sofort ergriffen haben, sonst Hesse sich 
nicht erklären, dass so wenig aus dem Rathause gerettet wurde. Allerdings 
sind die Angaben der oben angeführten Quellen, dass das „Rathaus mit 
allen Dokumenten, Gerichtsbüchern und allem, was darinnen ge- 
wesen," verbrannte, nicht wörtlich zu nehmen; schon Steubing kannte, wie 
wir oben sahen, „vom grosen Brande übrig gebliebene Dokumente'' und in der 
Sammlung des Herborner Altertumsvereins werden heute noch mehrere Bände 
wichtiger Archivalien aufbewahrt, deren Standort ehemals das Archiv im Rat- 
hause war, so z. B. ein Gerichtsbuch über peioliche Sachen und Urfehden von 
1573 — 1629, ein Protokollbuch der Erbkäufe im Gericht und Amte Herboru 
1588—1591, ein Uffruffbuch der Amts- und Gerichtsboten, 1603-1607-^), 
u. a. m. Die Gerichtssitzungen fanden im Rathause statt -^), die Gerichtsbücher 
können also nur von dort aus dem Brande gerettet sein. Sind die ebenfalls 
im dortigen Verein vorhandenen Bücher über Grenzbegänge innerhalb und 
ausserhalb der Stadt von 1598 und 1608 wirklich Originale, und ich habe 
keinen Grund daran zu zweifeln, dann waren diese Archivalien noch lange nach 
dem Brande verschollen; noch 1634 nimmt nämlich die städtische Behörde 
selbst an, sie seien mit dem Rathause verbrannt. In das städtische Protokoll- 
buch dieses Jahres trägt der Stadtschreiber unter dem 15. Januar ein: „Hab 
ich ahn herrn secretariiDn-') im namen burgermeister und rahts geschrieben^ 
wie vormahls etlich mahl cmgehalten, dass uns unser mit dem rahthaues 
verbrente Privilegium und alt hegangsbuch oder was dergleichen mehr 
im Dillenb ergischen archiv zu finden^ ufgesucht und under unsers gnedigen 
herrn hand uticl siegell mitgetheilt werden möchten. Zu ivelchem ende ich auch 
eine underthenige siippliccdion an den hochivohlgebohrnen unsern gnedigen herrn 
iimb hewilligung solcher uffsuchung und mittheilung gestellet und mit hinauff- 
geschickt." Ferner unter dem 28. April 1634: „Ist der gangh geschehen^ wie 
ein besonderes begangsbiich^ weill das alte mit dem rahthauss verbrennet 
ist, darüber vjf'gerichtet tvorden^'^ und am 2. Juni 1624 bestätigt Hoen, dass 
er die von dem Dillenburger Sekretär „begehrte copiam deren aJcten Seibach 
contra Herborn beneben einer abschriftß eines alten gangbuchs" eingesandt 
habe. Nicht diese Abschrift, sondern die Originale der Grenzbegangbücher von 
1598 und 1608 sind im Archiv des Herborner Altertumsvereins vorhanden.-'') 

Auch das alte Stadtprivileg von Herborn — es kann nur das von 1251 
gemeint sein — ist nicht bei dem Brande vernichtet worden; es wurde mit 

'■'^) Näheres über sie bei Steubing a. a. O. S. 44 ff. 
*^) Nach freundlichen Mitteilungen des Herrn Hoffmann in Herborn. 
^*) Steubing a. a 0. S. 41. 
") Philipp Sengel. 

'^®) Auch die Nachricht am Ende des Stadtprotokolles, dass die Archivalien des Rathauses 
sämtlich zugrunde gegangen seien, spricht dafür, dass sie lange verschollen geblieben sind. 



303 

den schon genannten Dokumenten gerettet, blieb aber zunächst verachollen. 
Auf welchem Wege diese durch das Herborner Jubiläum von 1901 wieder 
mehr bekannte Originalurkunde vom 6. November 1251 später in das Dillen- 
burgische Archiv-^) geraten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Von dem Rat- 
haus sprang das Feuer auf die Häuser am Säumarkt über und legte die ganze 
Neugasse bis zum Holzmarkt und dem unteren Tor und den zwischen der 
Neugasse und der heutigen unteren Schafgasse belegenen Gebäudekomplex in 
Asche. -^^) An der östlichen Seite der Neugasse, etwa in der Mitte der von 
dem Konradis- und einem namenlosen Winkel begrenzten Häuser, lag das alte 
berühmte Herborner Wirtshaus „die Rose"; auch sie ging in Flammen auf.^^) 
Auch die neben dem Rathaus nach der Obergasse zu gelegenen Häuser am 
Buttermarkt brannten nieder oder wurden schwer beschädigt ■'^^); erst bei dem 
noch heute bestehenden Gasthaus „zum weissen Ross" an der Obergasse und 
dem Buttermarkt machte das Feuer halt. Yon der ungeheuren Gewalt des 
Brandes kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, dass 
mehr als 720 Wagen und Karren an Korn, Heu und Stroh, 21 Wagen Holz, 
500 Schuh Latten, 1100 Schuh Stroh und bedeutende Vorräte an Wolle ein 
Raub der Flammen wurden. Es ist nur zu verwundern, dass unter diesen 
Umständen und bei den unzureichenden Löschgeräten, die nach einem städtischen 
Inventar von 1608''^) aus etwa 160 ledernen Eimern, einer grösseren Anzahl 
Leitern und 4 primitiven Handspritzen aus Messing, den sogenannten Strützen, 
bestanden^-), das Feuer nicht noch weiter um sich gegriffen hat. Zweifellos 
war es an jenem Augustabend ziemlich windstille, oder nur ein leichter Nord- 
oder Nordwestwind wehte; das war ein Glück im Unglück, denn anderenfalls 
wäre der Stadt Ilerborn wohl ein gleiches Schicksal beschieden gewesen, wie 
eben ihrer Schwester Aalesund in Norwegen. 

Wie gross die Anzahl der verbrannten und zerstörten Gebäude gewesen 
ist, darüber gehen die Angaben auseinander. Die Dillenburger Intelligenz- 
nachrichten ^^) und ebenso Steubing behaupten, wie wir oben lasen, dass 214 Ge- 



") Jetzt im St.-A. W. ürk. VII. 

^*) In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fertigte der damalige Feuerwehr- 
kommandant, Herr Fabrikant Hoffmann, der jetzige um die Geschichte seiner Vaterstadt sehr 
verdiente Vorsitzende des Herborner Alterturasvereins, einen Plan der Stadt an, in den er alle 
bemerkenswerten Brandstätten von 1601 — 18-41 einzeichnete. Er war so liebenswürdig, mir 
für die vorliegende Abhandlung eine Kopie seines wertvollen Planes zu überlassen, die mir 
eine willkommene Übersicht über die Ausdehnung des Brandes bot und mir die Arbeit wesent- 
lich erleichterte; auch sonst verdanke ich Herrn Hoffmann manche interessante Notiz. 
29) Vergl. Beilage I Nr. 85. 
»«) Vergl. Beilage I Nr. 92. 
^^) Abschrift in der Sammlung des A.-V. H. 

^'■') Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Hoffmann hatten diese „Strützen" 
eine Länge von 1^/2— 2 Fuss und einen Durchmesser von etwa 3 Zoll; das Mundstück war 
von Holz. Auf den Dörfern wurden sie aus 4 Brettchen zusammengenagelt und der Kolben 
mit Wollgarn oder Hutfilz abgedichtet. Noch 1820 waren solche Strützen in Herborn vor- 
handen. Ihr Aussehen ähnelt im übrigen dem Kinderspielzeug, das noch heute in Herborn 
„Stritzbüchse" genannt wird. 
' =>=>) A. a. 0. S. 145. 

20* 



304 

bäude dem Brande zum Opfer gefallen sind, und sie können sich berufen auf 
eine noch heute erhaltene, zuerst von Steubing mitgeteilte Inschrift auf einem 
Balken über einem Scheunentor •^') in der Strasse „Hinter der Mauer," der 
alten Hintergasse: „Anno 1026, den 20. Augusü ist der vorige baute sampt 
213 beuwen durch gottlose kricksbiihiven abgebrant, den 16. Martzi 1627 ist 
dieser bauiv durch Conrat Kapsen ivider bracht ihn stand." ^^') Auch die von 
Steubing ebenfalls zuerst veröffentlichte Inschrift auf einer Holztafel, die in 
der 1633 wieder aufgebauten Begräbniskirche neben der Kanzel zum Gedächtnis 
an den Brand angebracht war""), besagt sogar, dass ausser der Totenkirche 
und dem Rathause „noch zweihundert vierzehn hauss zu asch verbrant" sind. 
Dieser Ansicht gibt auch die Randnotiz bei Schramm, nach der ,,üher 200 
ivohnhäuser und gebäude'"' dem Feuer anheimfielen, Ausdruck. Dagegen weiss 
eine andere gleichzeitige Quelle, die Matrikel der Herborner Hochschule, nur 
von 200 oder 202 verbrannten Gebäuden zu berichten: „Anno 1626, 20. Augusti, 
incendium, a duobus militura Caesareanorum famulis excitatum, absumpsit 
aedes hujus oppidi ducentas, quas inter curia et templum extra urbem 
fuere."''^^) Auch ein im 18. Jahrhundert angefertigter Auszug aus den Original- 
Kollektenbüchern spricht nur vou 200 ,,in die asche gelegter wohnhäusser und 
gebunden, darinnen das rahfhauss und begräbnis-Jdrche mitbegriffen isf.^''^^) 
Die noch 1626 von der Stadt als Kollektoren ausgesandten Professoren Piscator 
und Matthaeus geben die Zahl der abgebrannten Häuser auf 198 an.^^) Bald 
nach dem Brande trat eine Kommission zusammen, um den Schaden zu schätzen 
und Unterstützungen zu verteilen; sie setzte sich aus den Bürgermeistern, den 
Schöffen, dem Stadtschreiber Andreas Jakob Hoen und dem Pfarrer, Professor 
Dr. Johann Irlen zusammen und stellte ein noch heute erhaltenes'*') Brand- 
register auf, das eine Übersicht über die von dem Unglück betroffenen Personen 
und ihren gesamten Verlust gibt. Steubing hat aus ihr in seiner Topographie 



'*) Die Scheune gehört Oskar Schramm. 

^®) Ich zitiere nach dem von Herrn Hilfsprediger Schlosser (jetzt in Wiesbaden) an- 
gelegten Corp. inscript. Herborn. Nr. 57 im A.-V. H. 

^'^) Die Tafel wird, nachdem 1861 die Totenkirche abgerissen worden ist, jetzt in der 
Sammlung des A.-V. H. aufbewahrt. Vergl. Corp. inscript. Herb. Nr. 47; Steubing a. a. O., S. 146. 

^') A. V. d. Linde, Die Nassauer Drucke der kgl. Landesbibl. in "Wiesbaden, Bd. 1 
(1882), S. 416. Steubing, Gesch. d. hohen Schule Herborn S. 145. 

'«) St.-A. W. Mscr. A. 37. Vergl. Beilage II, Anfang. 

^^) Ratsprotokoll der Stadt Bremen vom 1. April 1627: „Darnach ist furlesen ein 
schreiben oder boweis von graf Henrich Ludicich von Nassouiv, so D, Mattheits^ professor zu 
Herhorn, alhero gebracht. Dabei wirdt bogheret eine ziisteuer, weil zu Herborn 198 
heuser, das rnthhauss und eine kirche abgebrant."' Nach einer freundlichen Mitteilung des 
Herrn Syndikus und Staatsarchivars Dr. v. Bippen in Bremen. — Ratsmanual der Stadt 
Zürich vom 14. Februar 1627: „Herrn M. Philippo Ludovico Piscatori, professoren zu 
Herhorn, abgesandten der uff 20ten augusti dess verschinncnvn 1026tcn Jahrs durch ein leidige 
brunst, welche um die 108 hüser daselbst berüret, gcschedigten burgerschaft daselbst, 
sind zu einer christmitlydenlichen stür 200 gülden an 134 rychstaleren uss dem seckel und 
obman amt von gemeiner statt tvegen zegeben erkehndt worden."' Nach einer freundlichen 
Mitteilung des Herrn Staatsarchivars Dr. Nabholz in Zürich. 

*") Sammlung des A.-V. II Nr. 1028. Vergl. Beilage I. 



305 

von Herborn nur die Namen der AbjL^ebranQtcn und die Summe ihres Schadens 
abgedruckt, aber auch diese ungenau und unvollständig; ich verwerte deshalb 
in der Beilage I alle Angaben dieses auch sonst für die Geschichte der Stadt 
höchst wichtigen Verzeichnisses. Wenn ich in dieser Braudliste selbst jedes 
kleinste Ställchen, jedes halb oder zum dritten Teil verbrannte Jlaus, ja jeden 
nur beschädigten Giebel oder jedes zertrümmerte Dach zähle, komme ich ein- 
schliesslich der Kirche und des Rathauses auf etwa 104 Häuser und 93 Scheunen 
und Ställe. Bei 9 Personen in dem Verzeichnis I des Brandregisters ^^) fehlen 
aber nähere Angaben über ihren Verlust; nehmen wir an, ihnen sei nur je 
ein Haus oder Stall verbrannt, so wäre die Zahl 200 schon um 6 überschritten. 

Doch gleichviel, ob nun insgesamt 214 Gebäude oder weniger in Flammen 
aufgingen, nie zuvor und nie nachher ist die Stadt Herborn von einem so 
furchtbaren Brandunglück heimgesucht worden; „schier die halbe statt" liegt 
in Asche, so klagen Bürgermeister und Rat in ihrem schon zitierten Schreiben 
vom 11. Dezember 1626 und noch im Oktober 1627, als ein Ort zu einer 
Zusammenkunft der Grafen von Nassau mit den Grafen von Sayn, Solms, Wied 
und anderen bestimmt werden sollte, konnte Graf Ludwig Heinrich in seinem 
Schreiben vom 5./ 15. Oktober 1627 an den Amtmann und die Räte in Siegen, 
„Iceinen bequemem orth dorzue, weil die statt Herborn auch fast halb 
ahgebrent, alss die statt Siegen vorschlagen."^") Wenn auch nicht die halbe 
Stadt, mehr als ein Drittel lag tatsächlich in Trümmern; Herborn zählte im 
Jahre 1606 nach einer amtlichen Aufstellung 260 Wohnhäuser oder Feuer- 
stätten^"'), 1642 deren nur 230^^); genau 140 Jahre später gab es erst 309 
Privathäuser und 94 Scheunen^'') (also nur wenig mehr, als 1626 zerstört 
wurden), und Ende des Jahres 1900 wies die Stadt 455 Wohngebäude auf.^^') 

Durch das Brandunglück vom 20. August 1626 wurden wenigstens 
133 Bürger betroffen; die schon erwähnte Liste der Geschädigten, aus der 
Steubing nur 119 Namen mitteilt, führt allein schon 130 Personen^') auf. 
Der Schaden betrug nach dieser Zusammenstellung 96387 Gulden 9 Albus 
4 Pfennig ^^), eine Summe, deren Wert in heutigem Gelde ungefähr auf 
172 Millionen Mark eingeschätzt werden muss. Allerdings ist in dem Ver- 
zeichnisse der Verlust einiger Personen nicht angegeben; es betrifft aber, von 
zwei Fällen abgesehen ^•^), nur solche, die keine Gebäude, sondern nur Frucht, 
Hausrat oder Handwerkszeug eingebüsst hatten. Trotzdem ist der Schaden zu 



") Vergl. Beilage I Nr. 18, 36, 42, 51, 77, 97, 102, 107, 111. 

*') St.-A. W. VII, Korresp. 

*^) St.-A. W. VII A. D. A. H. 257. 

") Protokoll von 1642, St.-A. W. VII H. 2401a. 

^') St.-A. W., Nachlass Vogel Xr. 49 Fol, Gr. 

■'®) Nach einer Mitteilung des Herrn Ho ff mann in Herborn. 

'") Nicht 128, wie Steubing a. a, O. S. 141 angibt. Die Zahl 198 boi Haussen i. 
d. Ztschr. f. Pastoraltheologie „Halte, was Du hast", Jahrg. 27 (1903) Nr. 3, S. 133 ist ein 
Druckfehler für 128. 

**) 1 Gulden = 24 Albus, 1 Alb. = 8 Pf. ; 1 Reichstaler = 1 G. 21 Alb. — 
Steubing a. a. 0. S. 145 rechnet 95304 Floren zusammen! 

*') Vergl. Beilage I Nr. 33 u. 36. 



306 

hoch eingeschätzt; es soll damit jedoch kein Zweifel an der Gewissenhaftigkeit 
der Geschädigten oder der Einschätzer ausgesprochen werden.'^*') Viele der 
Bürger, deren Häuser eingeäschert wurden, haben nämlich nicht nur ihr ver- 
lorenes Hab und Gut, sondern auch den Wert ihres Wohnplatzes oder ihrer 
Hofstätte angegeben/'^) Diese heute nicht mehr feststellbaren Beträge sind 
natürlich von der Gesamtsumme abzuziehen; immerhin bleibt der Verlust auch 
dann noch ein gewaltiger. Würde heute jeuer ganze südöstliche Stadtteil von 
Herborn im Umfange von 1626 abbrennen, so könnte man nach dem Urteil 
Sachverständiger den Schaden auf etwa 1 bis I72 Million Mark einschätzen, 
vorausgesetzt, dass auch sämtliche Mobilien verbrennen würden.''^) Am höchsten 
bewertete seinen Schaden eben jener Johann Frank Arnold, in dessen Pferde- 
stall das Feuer ausbrach; er verlor zwei Wohnhäuser und ein Hinterhaus, 
zwei Pferdeställe, eioe Scheune, 10 Wagen Korn, 4 Wagen Heu, 10 Ober- 
und Unterbetten, Tischtücher^ Hausgerät, einen Vorrat Pulver u, a. m., im 
ganzen 6146 Gulden 6 Albus, abzüglich der Hofstätte/'^) Ihm am nächsten kam 
Heinrich Friedrich „zur Rosen", der Wirt der alten berühmten, in der Neu- 
gasse belegenen Herberge, der Rose.''^) Er hatte ein neues Wirtshaus gebaut, 
das ebenso wie „die alte Ross", sein Wohnhaus, ein anderer Bau, fast seine 
gesamte Haus- und Wirtscbaftseinrichtung, 28 Wagen Korn und 18 Wagen Heu 
nebst vielem anderen dem Feuer zum Opfer fiel; sein Verlust wird trotzdem 
wesentlich geringer eingeschätzt als der von Frank Arnold, nämlich auf 4000 
Gulden.'''') Ebenso hoch berechnete Albert Mudersbach sein verbranntes Gut; 
wahrscheinlich ist er identisch mit jenem Albrecht Mudersbach, der 1609 Rent- 
meister in Dillenburg war, dann nach Herborn kam, wenigstens von 1613 bis 
1626 die Schulrenterei inne hatte, und wegen fortgesetzter Betrügereien am 
17. September 1627 enthauptet wurde.''") Sehr beträchtlich war ferner der 
Schaden des Simon Hepp (3600 Gulden)''^) und der Witwe des Präzeptors 
Christian Baum (3000 Gulden); letztere büsste drei Wohnhäuser, einen Neubau 
und ein halbes Haus ein, ferner zwei und eine halbe Scheune, einen Stall, 
17 Wagen Korn, 7V2 Wagen Heu, einen Karren Wicken und Hausrat; ausser- 



*") Dass die Schätzungen bei annähernd gleichem Verlust weit auseinandergehen, dafür 
bietet das Verzeichnis allerdings auch Beweise; vergl. Beilage I Nr. 1 zu 4, 24 u. 27; 83 
u. 84; 100 u. 101 u. a. m. 

*^) Vergl. Beilage I Nr. 13, 16, 19, 22, 34, 38, 42, 54—56, 61 u. a. m. 

'"-) Die Schätzung wurde nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Hoff mann in 
Ilorborn unter Zuhilfenahme des Katasters vorgenommen. 

^2) Vergl. Beilage I Nr. 13. 

**) Die Rose war lange Zeit hindurch im Besitze der Familie He ns eh. Im Jahre 1599 
war Katharina Hensch, die Witwe des Peter Hensch, Inhaberin ; damals wurde „die hcrhcrgk 
zur roscn sumbt atallung'^ auf 1200 Gulden geschätzt; ferner gehörte dazu eine Scheune in 
der Ilintergasse zu 200 Gulden und eine Scheune y,iiff' der buche'' zu 190 Gulden. St -A. W. 
VII A. D. A., S. 1135. — Vergl. unten S. 51. — Heinrich Friedrich war noch 1648 in der 
Rose; 1646 beklagte er sich bei der Stadt, „dass er allein die höchste offizier halten söll^. 
Herborner Stadtprotokoll. 

^^) Beilage I Nr. 85. 

^®) Beilage I Nr. 8. Vergl. Steubing, Hohe Schule, S. 170 f. und Topogr, S. 59. 

") Beilage I Nr 94. 



307 

dem „5 ohm hlcr^ so ihr von hauren aussgcfrunJicn." ^^) Schwer heimgesucht 
wurden auch Philipp Behr (2448 G. 18 A.), die Witwe des Sebastian Petri 
(2550 G.) und die Kinder des verstorbenen Johannes Sartor (2320 G.) ''''"'), die 
später bei der Verteilung der Holzentschädigung sogar „als arm" bezeichnet 
werden. Von den übrigen Abgebrannten geben noch fast dreissig ihren Ver- 
lust auf mehr als 1000 Gulden an, und dann folgt die grosse Reihe der 
weniger Geschädigten bis hinab zu Heinrich Petri, dem ersten Bürgermeister 
von 1626. der die ihm verbrannten 5 Wagen Korn und eine Scheune auf 
105 Gulden taxierte ''*'), und Jakob Blum, dem in Mudersbachs Scheune ein 
Wagen Korn im Werte von 20 Gulden verbrannte. ^^) Mancher rettete aus 
dorn Feuer nur das Notdürftigste; so verbrannte z. B. dem Stoffel Will ausser 
drei halben Gebäuden auch aller Hausrat „bis vff hett und die Meider, so er 
am leib gehapt" ''-), mancher hatte auch alles verloren. Ausser den eben ge- 
nannten Sartorschen Kindern werden noch Katharine Lott, die Witwe des 
Johann Lott, deren Wohnhaus in der Hintergasse niederbrannte, Irmgart 
Knebel, des Gerlach Knebel hinterlassene Ehefrau, deren Verlust sich auf 
290 Gulden, einschliesslich der Hofstätte, bezifferte, die Witwe des Stoffel 
Ebersbach und die Kinder des verstorbenen Johann Breuer als arm genannt.^^) 

Es war bisher nicht bekannt, ob auch Menschen bei dem schrecklichen 
Brande vom 20. August verunglückten, nach der wiederholt zitierten, amtlichen 
Brandliste scheint es jedoch, als ob auch ein Herborner Bürger, nämhch Jost 
Heinrich Becker, in den Flammen umkam; wenigstens findet sich neben seinem 
Namen der Vermerk „ist darin verbranndt"^'^); die mit ihm genannte „Jost 
Beckers Wittib", die auch eine Entschädigung aus der Kollekte erhielt, dürfte 
seine Ehefrau sein. 

Einen schweren Schlag versetzte der Brand auch dem Herborner Hand- 
werk, das infolge der Kriegslasten und der Teuerungen schon an und für sich 
daniederlag. Nicht weniger als neun Meister aus der alten Wollenweberzunft 
büssten ihre Häuser, Scheunen, Handwerkszeug, oder Vorräte an Wolle, Garn 
und Tüchern ein. Konrad Reichart verlor ausser seinem Wohnhause, seinem 
Werkzeug und Hausrat 43 Kleut'''^) Wolle, fast ebensoviel Philipp Pfriem, dem 
ausserdem 9 Herbornische Tücher, sein Wohnhaus, eine Scheune, 9 Wagen 
Korn, 6 Wagen Heu, das ganze Handwerkszeug, Hausrat und Kleider ver- 
brannten; ihre Zunft- und Leidensgenossen waren Jost Mass, Severus Ebers- 
bach, Hans Kip genannt, Usinger, Frank, Steinbach, Heinrich Weiss, Balthasar 
Hinter und Matthias Vester.''^') Als im Jahre 1627 das Herborner WoUen- 



^*) Beilage I Nr. 104. 
^^) Beilage I Nr. 19, 92, 93. 
^*') Beilage I Nr. 100. 
^•) Beilage I Nr. 130 
«2) Beilage I Nr. 90. 
®') Beilage I Nr. 33, 34, 42, 44. 
^^) Beilage I Nr. 76. 

''*) Für Kleuder, altes hessisches Wollgewicht = 21 Pfund. Sanders, Wörterbuch 
der. deutschen Sprache (1860) Bd. 1 S. 936. 

6«) Beilage I Nr. 41, 86, 3, 39, 55, 58, 60, 64, 70. 



;-308 I 

haudwerk besonders häufig Geldanleilieu bei dem Juden „Aron zur Schulen" 
in Frankfurt a. M. machen rausste, führt es zur Begründung oder Entschuldigung 
an „tveil deren etlich meister durch den Brandt verderbt." ^'^) Auch zahlreiche 
andere Handwerker verloren ihr Hab und Gut oder wurden schwer geschädigt.^^) 
Noch 1628 suchten die Bäcker und Brauer zu Herborn unter Berufung auf | 
den Brand von 1626 einen Vorteil zu erreichen. Der Schultheiss hatte am 
9. Juni 1628 verordnet, dass die Mass Bier für 1 Albus (= 8 Pfennig) 
gegeben werden solle; noch an demselben Tage erhob hiergegen das Bäcker- 
und Brauerhandwerk Beschwerde bei dem Grafen in Dillenburg, um so mehr, 
als drei Wochen vorher Schultheiss wie Bürgermeister und Rat ihnen den 
Ausschank zu 10 Pfennig verwilligt hätten. Für 1 Albus, so heben sie hervor, 
könnte man keine gute Mass Bier geben; in Dillenburg und Haiger koste sie 
10 Pfennig^'*'), in Giessen 12, in Siegen sogar 18; ausserdem seien sie durch 
Einquartierung und Kontributionen geschwächt und sie hätten „auch tneisten- 
teils in dem schädlichen hrand eingebucsetj da uns unsere scheuwern mit den 
fruchten in dem tmglück gehliehen sind.'"'' '^^) Auch der Landesherr erkannte 
an, dass das Herborner Handwerk durch den Brand geschädigt worden sei und 
suchte ihm wieder aufzuhelfen. Am 1. August verlieh Graf Ludwig Heinrich 
den Schlossern, Uhrmachern, Schmieden, Messerschmieden, Glasern, Leien- 
deckern, Seilern, Leinentuch- und anderen Krämern einen gemeinsamen Zunft- 
brief, „damit dieselbige nach dem hochschädlichen undt unwiederbringlichen 
grossen brandschaden, icelchen sie in negst abgewichenen 1020. jähre den 
20. augusti erlitten imdt ausgestandten, sich etwas n^ieder erholen . . . möge"'^^), 
und mit derselben Begründung gab er am 12. September 1627 den sieben 
Hutmachern in Herborn eine Zunftordnung.^-) 

Unter dem Brandunglück hatte naturgemäss auch die hohe Schule zu 
leiden, deren Besuch sich in den Kriegsjahren merklich vermindert hatte. Mehr 
als hundert Wohnhäuser lagen in Trümmern; dass es nun deshalb an Wohnungen 
für die Studenten gefehlt haben sollte, ist zwar nicht unmöglich, aber auch 
nicht sehr wahrscheinhch; denn so stark war schliesslich, wie gesagt, der 
Besuch der Schule damals nicht — vom Juli 1625 bis Juni 1626 wurden nur 
42 Studenten, von da ab bis Juni 1627 nur 20 immatrikuliert'^'') — , und wenn 
nicht bald nach dem Brande wiederum die gefürchtete Pest in Herborn auf- 
getreten wäre, so würde die Hochschule wohl kaum geschlossen worden sein. 
Die Matrikel selbst sagt hierüber: „Incendium hoc immane non multo post 
excepit'^') pestis, quae scholam ita dissipavit, ut toto semestri byberno annorum 

®^) Akten betr. die Herborner Wollweberzunft im A.-V. \V. 

68) Vergl. Beilage I Nr. 10, 30, 44, 50, 53, 56, 61, 71, 72, 109, 127 u. a. m. 

6") In Ilaiger, Dillenburg und Ilerborn wurde von altorsher zur Zeit des Jahrmarktes 
der Preis des Bieres um 2 I'fonnig aufgeschlagen. 

'») St.-A. W. VII, A. D. A. Z. 30. 

") St.-A. W. Urk. VII. 

") Vergl. Annalen Bd. 32, S. 68 u. 86. 

'^) V. d. Linde a. a. O.. S. 414—416. 

'*) Schon im Mai 1626 war die Pest in Ilerborn ausgebrochen; als einer der ersten er- 
lag ihr am 16. Mai der Präzeptor Christian P.aiim. St -A. W., Hohe Schule Herborn IV 2 A, 
Vergl. Stcubing, üosch. d. hob. Schule S. 200. 



309 

1626 et 1627 mera hoc loci fuerit solitudo," Erst im April 1627 wurden die 
Vorlesungen wieder aufgenommen, nachdem die Professoren schon am 3. März 
darum gebeten und das Verzeichnis der Vorlesungen eingesandt hatten. ''•'') 

Ein Professorenviertel scheint der niedergebrannte Stadtteil nicht gewesen 
zu sein; das Brandregister nennt nur den Professor der Theologie Georg 
Pasor'''), dessen Verlust auf 600 Gulden eingeschätzt wurde. Pasor, der 
besonders durch sein griechisches Lexikon des Neuen Testaments bekannt 
geworden ist, war seit 1597 an der lateinischen Schule zu Siegen und Herborn 
als Lehrer, seit 1607 als Professor der Theologie tätig, für das Jahr 1622/23 
wurde er zum Rektor gewählt. Er war ein vom Unglück verfolgter Mann; 
1614 verlor er an der Pest seine Frau und seine Töchter und lag selbst 
längere Zeit an dieser Krankheit danieder; von den Kriegsleiden wurde er so 
hart betroffen — ■ ein Kriegskommissar hatte ihn sogar misshandelt und ver- 
wundet — , dass er die ihm angebotene Professur der griechischen Sprache in 
Franecker freudig annahm. Sein Entlassungsgesuch datiert vom 20. August 
1626, dem Tage des Brandes; in seinen erneuten Eingaben vom 30. August 
und 10. September ist auffällig, dass er nicht auch seines letzten Unglückes 
in Herborn, des Verlustes seiner Wohnung, gedenkt. Am 21. September 
verliess er die Stadt, am 17. Oktober kam er in seiner neuen Heimat an; am 
10. Dezember 1637 starb er.''^) 

Zu den Abgebrannten zählte auch die Witwe eines ehemaligen Präzeptors, 
des M. Johannes Gottslebius^'^j, der, soweit bekannt, in den Jahren 1587 bis 
1589 die erste Klasse des Herborner Pädagogiums unterrichtete; Anna Maria 
Gottslebius verlor ausser ihrem Wohnhaus all ihre Leinwand, „ohne ein etwas, 
so sie zu Dillenherg" hatte, ferner allen Hausrat, Zinnwerk, Kleidung „und 
alles"; ausserdem verbrannten die Bücher ihres Mannes, deren Wert sie auf 
300 Gulden schätzte, während ihr Gesamtschaden auf 1500 Gulden angegeben 
wird. Der Witwe des Präzeptors Christian Baum wurde schon oben gedacht; 
rechnen wir noch den bereits genannten Schulrentmeister Albert Mudersbach 
hinzu, so dürften wir alle Abgebrannten beisammen haben, die zur Zeit des 
Brandes oder früher mit der hohen Schule und dem Pädagogium in Beziehung 
gestanden haben. 

Neben dem rührigen Handwerk verdankte Herborn sein Emporkommen 
der von dem Grafen Johann dem Älteren 1584 gestifteten hohen Landesschule. 
Diese akademische Schule war es auch, die nach dem grossen Brandunglück 
von 1626 zum Wiederaufbau der Stadt und zur Linderung des Elends, in das 
so viele Bürger unverschuldet geraten waren, ihr gut Teil beigetragen hat. 
Ob aus ihrem Kreise heraus die erste Anregung zu Sammlungen für die Ab- 



") St.-A. W. a.a.O. IV 2a. Yergl. v. d. Linde a. a. 0. S. il6 u. Stcubing a.a.O. 
S. 144 f. 

^^) Beilage I Nr. 102. 

") St.-A. W., Hohe Schule Herborn, HI 4 B 1 JSTr. 65. 

'*) Die Brandliste schreibt „Gottleri Wittib'', Steubing, Topogr. S. 144 Xr. 91 macht 
daraus „Gortiers Wittib"; richtig gibt ihren Namen die Kollektenrechnung. Yergl. Steubing, 
Hohe Schule S. 198 und Beilage I Nr. 67. 



310 

gebrannten auch über die Heimat hinaus hervorgegangen ist, das Lässt sich 
heute nicht mehr feststellen; sicher ist nur, dass die beiden Professoren 
Matthaeus und Piscator vor dem Grafen oder dessen Beamten in Dillenburg 
ihre Bereitwilligkeit zu kollektieren erklärt haben, und dass dieser Entschluss, 
der Sitte der Zeit entsprechend, mit einem Trunk gefeiert wurde. ^'^) 

Wie sah es aber in Herborn aus? Der ganze südöstliche Stadtteil lag 
in Schutt und Asche; mehr als hundert Wohnhäuser waren vernichtet, wenigstens 
300 — 400 Personen ohne Obdach und Nahrung. Da tat schleunige Hilfe not, 
und sie wird selbstverständlich zunächst von den vom Feuer verschonten Mit- 
bürgern gekommen sein, die die Obdachlosen bei sich aufnahmen, Nahrungs- 
mittel verteilten und auf sonstige Weise dem Jammer abzuhelfen suchten. Ein 
schönes Zeugnis für die Wohltätigkeit der Herborner Bürger und zugleich der 
Handwerker bietet das Zunftbuch der Schuhmacher, Hier findet sich folgender 
Vermerk: „Anno 1627 23. januarii haben heyden zimfftmeister als Jörg Löher 
undt Johannes Lüher denen verbranten und beschädigten nachbahrn undt 
bürgern ans des handivergks vorraht gesteuwert 20 gülden. Zur schidtigen 
danlisagung gott dem almechtigen für seine genedige beivahrmig undt hertzliche 
biett für fernere beschützung steuivern die ohnbeschädigten, nachfolgenden meisterr 
derer Schuhmacher zunfft zu Herborn, Johannes Weydenbach 20 Albus., Jost 
Bauch 25 A., Mansch Scholl 25 Ä., Jörg Löher 2 G., Christ Lüt 2 G., Peter 
Lieh 1 G., Jost Rompff 20 A., Gerluch Lieh 30 A., Hennerich Lieh 3 G. 
3 A., Andonius Weidenbach 2 G., Hartman Schnurch 2 G., Donius Midier 
25 A., summa 40 Gulden G Albus." ^'^) 

Der Landesherr selbst griff helfend dadurch ein, dass er, wie wir noch 
an anderer Stelle sehen werden, für die Abgebrannten Bauholz im Gesamt- 
werte von 1125 Gulden bewilligte; er gewährte ferner die Bitten derjenigen, 
die von dem Kollektengelde nichts erhalten sollten und in ihrer Not sich an 
ihn wandten ^^), und erwies besonders hart Betroffenen auch sonst Gnaden- 
beweise. So bat der Müller Gerlach Loth^-), der den Zoll in Herborn gepachtet 
hatte und dem all das Seinige „7)iit hauss und hoff durch die feiversbrunst 
versehret" war, am 23. Juni 1627 den Grafen um Erlass der noch rückständigen 
Pacht von 80 Reichstaleru und erwirkte eine Herabsetzung um 20 Reichstaler.^^) 
Der Weissgerber Ludwig Moritz^'), der das Kaufgeld für zwei Wagen Heu 
und Grummet nicht erlegen konnte, wandte sich deshalb am 26. Februar 1627 
an die Gräfin in Dillenburg; er klagte, dass „diese futterung beneben aller 
meiner anderen frucht unndt fuderung, scheinvern unndt hauss durch den 
erbärmlichen brandt edler in der aschen nidergangen und verbrandt ist^ unndt 
ich dann ein armer handttverchsman bin undt diesen ivinter über mein handt- 



") „Kern alss anfänglich Dr. Piscator unndt D. Matthaeus ihre coUecten angenommen; 
ist zu Dillenburgk uffgangen l. heylag lit. B. 5 Gulden 20 Albus.^ K. R. S, 27. 
«") St.-A. W. VII. A. Ilerborn. 
") Vergl. Beilage I Nr. 2, 62, 106, 132. 
82) Vergl. Beilage I Nr. 58. 

*^) Herborner llenteirechnung v. 1626, Belüge. St.-A. W. 
*') Vergl. Beilage I Nr. 36. 



an 

tvcrclc nicht hah nach meinem loillen brauchen, auch ivegen dess allenthalben 
verdeihlichen hriegsvolch dev gefahr halben heine märcUe gehrauchen hönnen 
U7ifl dahero nichts verdienet habe, also dass ich dieses hewgdtt itzo nicht zu 
erlegen iveyss noch kannJ'^-') Die GräfiQ Katharina wies daraufhin selbst den 
Schultheiss zur Zahlung des Geldes an; Kaps zahlte ihm dann 11 Gulden 
13 Albus 2 Pfennig, „iveil er ein gantz verhrandter man." 

In dieser unglücklichen Kriegszeit aber, in der nach dem Zeugnis des 
Grafen seine Untertanen durch die ewigen Einquartierungen und Kontributionen 
völlig erschöpft waren, reichten die Gaben der nächsten Nachbaren und Freunde 
nicht aus. Da galt es auch, die Mildtätigkeit der Landsleute anzugehen, denen 
die Herborner in ähnlichem Unglücke beigestanden hatten ^^), und auch jenseits 
der Grenzen der Heimat für die Abgebrannten Almosen zu erbitten. Was 
lag da näher für Herborn, dessen Hochschule eine Hochburg und Pflanzstätte 
des reformierten Bekenntnisses war, als vor allem sich an jene auswärtigen 
Gemeinden zu wenden, die eins mit ihm im Glauben und Bekenntnis waren. 
Es sei gleich vorweg gesagt, das Vertrauen der Herborner ist nicht getäuscht 
worden, und wenn schliesslich auch das Ergebnis der veranstalteten Kollekten 
in keinem rechten Verhältnis zu dem gewaltigen Verluste stand, wenn nament- 
lich dem einzelnen Bürger im Vergleich zu seinem wirklichen Schaden meist 
nur eine verschwindend kleine Entschädigung oder Unterstützung gewährt werden 
konnte — sie erreicht in einem einzigen Falle die Höhe von 100 Gulden bei 
einem Verluste von 4000!^^) — so konnte doch manchem in der äussersten 
Bedrängnis geholfen werden, und die noch heute erhaltenen Auszüge aus den 
Sammellisten geben Kunde von einer erfreulichen christhchen Barmherzigkeit 
aus schwerer Zeit. 

Bei den Sammlungen beteiligte sich die Stadt Herborn und die hohe 
Schule, jene stellte die Kollektoren für die nächstliegenden Orte und Lande» 
diese besonders für das Ausland. Wir sind über die Tätigkeit dieser Kollek- 
toren und besonders über das Ergebnis ihrer Bemühungen durch eine Reihe 
von Quellen ziemlich gut unterrichtet, ein noch anschaulicheres Bild ihrer 
Wirksamkeit würde sich gewinnen lassen, hätte man ihre weit zerstreuten oder 
verlorenen Korrespondenzen beisammen und wären vor allem ihre Original- 
Kollektenbücher noch vorhanden. Trotz langer und wiederholter Mühe sind 
meine Nachforschungen nach den letzteren von keinem Erfolg begleitet ge- 
wesen.''^) Die beste und ausführlichste Quelle ist die im hiesigen Staatsarchiv 
aufbewahrte Kollektenrechnung, die Dr. Johann Irlen, Professor der Theologie 
an der hohen Schule und erster Pfarrer zu Herborn, geführt hat. Irlen war 
von dem Grafen Ludwig Heinrich zum Verwalter der aus den verschiedenen 
Kollekten eingegangenen Beträge oder, um mit dem Herborner Buchbinder 
und Glöckner Christian Lotz, der die Quittung für Stoffel Eberbachs Witwe 

«^) St-A. W. a. a. 0. 

*^) So beim Brande von Haiger 1623 und von Dillenburg 1524. 
"j Beilage I Nr. 85. 
■ *^) Auch hier bin ich Herrn Hoff mann in Herborn zu grossem Dank verpflichtet; er 
besorgte das Nachsuchen in dem dortigen Stadtarcliiv, leider auch vergebens. 



o 



12 



unterschrieb, zu sprechen, ,,als tirccfor über das coUegirte c/eld"^^) ernannt 
worden. Das Manuskript ist ein Folioheft von o4 Seiten, das den Titel führt 
„Collecten Uechnuny vor die Stadt Herhorn. Bestellet durch D. Johann Irlen, 
Inspectorn unndt Professorn daselbst." Es verging, wie wir weiter unten noch 
sehen werden, geraume Zeit, bis die Stadt Aufklärung und Abrechnung über 
ihren Anteil an den Kollektengeldern erhielt; die Rechnung wurde ihr erst am 
16. Januar 1635 eingereicht und am 3. März abgehört, also mehr als acht 
Jahre nach dem Brande und mehr als sieben nach dem Abschluss 
der Sammlungen! Ä.uf Seite 1 gibt Irlen eine Übersicht der für die Stadt 
empfangenen Kollektengelder, auf Seite 2 — 4 über die Ausgaben für die Stadt, 
soweit von anderen Abrechnung abzulegen war; auf Seite 5 — 21 folgen die 
Ausgaben für die einzeln mit Namen genannten Abgebrannten, Seite 22—29 
sonstige Ausgaben, Seite 30 und 31 Ausstände, Seite 33 das Facit und Seite 34 
Schuldner. Sehr wertvolle Nachrichten, besonders über die Persönlichkeiten 
der vom Brande heimgesuchten Bürger und zu den Reisen der Kollektoren 
enthalten auch die Rechnungsbeläge, die ich unter den Beständen des alten 
Dillenburger Archivs im hiesigen Staatsarchiv wiedergefunden habe.'^^) Leider 
sind sie nicht mehr vollständig vorhanden; ein grosser Teil fehlte schon bei 
der Revision im März 1635, die Vorlegungen anderer waren nicht nötig, da 
das Manual Irlens genügenden Aufschluss bot oder die Revisoren selbst die 
Ausgaben bestätigen konnten, immerhin sind noch über 60 Beläge erhalten. 
Da von den Kollekten der Professoren nur die eine Hälfte des Geldes der 
Stadt, die andere der hohen Schule zu gute kam, so war natürlich auch der 
Schulverwaltung Rechnung abzulegen; auch dieses Dokument existiert noch''^), 
es bietet aber gegenüber der Abrechnung für die Stadt nicht viel neues. 
Irlen liess von diesen Kollektenrechnungen für die Stadt und die hohe Schule 
und ebenso von der ganzen Rechnung je drei Abschriften anfertigen; von allen 
sind bis jetzt nur die beiden eben genannten wieder an das Tageslicht ge- 
kommen.''-) 

Einen leidlichen Ersatz für die verlorenen oder noch nicht wieder auf- 
gefundenen Original-Kollekteubücher, die die Kollektoren mit sich führten und 
zur Einzeichnuug der Gaben vorlegten, haben wir in zwei Auszügen aus ihnen, 
deren einer sich jetzt im Pfarrarchiv in Herborn befindet und die Aufschrift 
trägt: „Extract dero collecten^ so vermag M. PiscatoriSj D. Matthaei, Johannes 
Lotts und Eissfrid Hendschen collectenbücher erhoben ivorden vor die verhranten 
zu Herhorn anno l()2il und 27."' Professor Haussen hat jüngst den wesent- 
lichen Inhalt mitgeteilt''''^), übersandte mir aber auf meine Bitte die Handschrift, 



8«) Beilage I Nr. 42. 

°'') St.-A. W., Rechnungen, Stadt Ilerborn. 

»1) St.-A. AV., Hohe Schule Herborn, III 8 D 2. 

^'■) K. R. S. 32: „ftem von der gantzcn cölleclcnrechnimg erstlich drei/mal ahzu- 
schreibenn^ darnach auss derseJbigen zwe absonderliche rechnungen, eine cor die stndt, die 
ander vor der schulen und zwar jede gleichfalss dregmal zu verfertigen und abzuschreiben, 
thun zusammen gülden, der statt zu helfft 3 gülden.^ 

8^) Haussen a. a. 0. S. 131 — 134. 



Ol o 

•> 1 o 



die ich so noch kurz vor der Drucklegung dieser Zeilen einsehen konnte. 
Dieser Herborner Extrakt, ein kleines Oktavheft, ist der Schrift nach gleich- 
zeitig, wahrscheinlich noch 1627 oder wenig später angefertigt, und zwar für 
die Stadt, Dem Verfasser kommt es hauptsächlich darauf an, genau die 
einzelnen Summen der verschiedenen Kollekten zusammenzustellen, und zu 
jedem Betrage gibt er genau Blatt und Seite des Kollektenbuches an; von den 
Spendern nennt er besonders jene, die sich durch die Höhe ihrer Gaben oder 
durch Stellung und Namen auszeichnen. Er gibt die Höhe jedes einzelnen 
Postens an und berechnet davon die Hälfte, da nach einer Verordnung des 
Grafen vom 0. Dezember 1627 der Ertrag der Kollekten der Professoren 
Piskator und Matthaeus zur Hälfte der Stadt und zur Hälfte der hohen Schule 
zufallen sollte.-'^) Der bei jeder Summe wiederkehrende Vermerk „davon uns 
zur helfJV und der Umstand, dass auch sämtliche Beträge der nur für die 
Stadt bestimmten Sammlung von Lottund Holler genau gebucht werden, lässt mit 
Sicherheit darauf schliessen, dass der Auszug für die Stadt angefertigt wurde. 
Ein zweiter Auszug aus den Herborner Kollekteubüchern von 1626 und 
1627 wird in dem hiesigen Staatsarchiv aufbewahrt; er findet sich in einem 
Sammelbande'''), den der spätere Dillenburger Archivdirektor v. Rauschard in 
Diez 1782 aus dem Nachlasse Schramms erworben hat^*"), und ist der Schrift 
nach zweifellos von Schramm selbst angefertigt worden. Er führt die Über- 
schrift: „Extrakt ans den auf dem raJithauss zu Herhorn verivahrten collelcten- 
hüchern." Schramm legte keinen "Wert auf einen genauen Nachweis, wo in 
jedem Kollektenbuche der einzelne Posten eingetragen war, ihn interessieren 
mehr die. Wohltäter und ihre Gaben, aber nur aus den Sammlungen der 
Professoren Piskator und Matthaeus; von der Kollekte des Johann Lott und 
Gerhard Holler gibt er nur die Gesamtsumme an. In dieser Beziehung steht 
also der Wiesbadener Auszug hinter dem Herborner zurück, doch bietet er 
andererseits viele wertvolle Nachrichten, die letzterem mangeln.''") Erwähnt 
sei noch, dass der Wiesbadener Extrakt nach sogenanntem gutem Gelde unter 
Zugrundelegung des Frankfurter Gulden rechnet, während der Herborner und 
auch die Kollektenrechnung von Irlen nach schlechtem oderRädergekP''^), zählt. 

''^) Auf der Rückseite des Titelblattes des Herborner Extraktes heisst es : „ Und ist zu 
ivisscn, dass dasjenige, ivas von den heyden hern professorn Fiscatore unnd Matthaeo vermag 
ihrer büclier coUegirt tvorden, halb vor die schul und die ander helfft vor die armen ver- 
hranten kommen soll, ivie der hochivohlgeborne unser gn[ediger] herr grave Ludwig Henrich p. 
zu end hern Piscatoris collecten avi 6. Decembris anno 1627 geschrieben."' Ähnlici der 
"Wiesbadener Extrakt, nur wird hier irrtümlich als Datum der 6. Dez. 1626 angegeben; es 
kann nur 1627 heissen, wie die Worte „zu end hern Piscatoris collecten"' beweisen; Piskator 
war erst 1627 wieder daheim. Yergl. Beilage II. 

»5) St.-A. W. Mscr. A. 37. 

^®) Notiz auf dem ersten Blatt des Bandes: Ex auctione Schrammiana Deciae 1782 ac- 
cepit V. R." Schramm starb schon 1753; der Nachlass rührt vielleicht von seinem Sohne her: 
vergl. Steubing, Topogr. S. 181 u. 275. 

«') Vergl. Beilage II. 

'**) Der Frankfurter Gulden kam damals dem rheinischen gleich; dieser galt 1 Gulden 
6 Albus. Ebensoviel galt der gute Gulden, während der Rädergulden zu 24 Albus gerechnet 
wurde. Yergl. auch Annalen Bd. 32 S. 65 Anm. 29. 



314 

Die ersten Kollektoren stellte die Stadt selbst; noch itn September 
1626 wurden der Seiler Michael Aubelin (auch Abell), der Buchbinder 
M. Stoffel und Peter Seyler^^) ausgeschickt, „umb eine brandtstewer in den 
benachbarten orüen zu bitten." ^^^) Es war kein ungefährliches Unternehmen, in 
dieser Zeit, in der die nassauischen Lande fast immer mit Kriegsvolk belegt und 
Raub und Plünderungen an der Tagesordnung waren, hinauszuziehen und Geld 
einzusaramelu, und tatsächlich sind denn auch mehrere der Herborner Kollek- 
toren von Soldaten überfallen, des Geldes und ihrer Kleider beraubt worden. 
Zu diesen gehörte auch Michael Aubelin; er erzählt selbst über sein Miss- 
geschick Folgendes: „E. E. kann ich erheischender meiner hohen notturft nach 
nicht yergen, was gestalt in anno G2G mense septembri, cdss ich beneben 
M. Stoffeln dem buchbinder und Feter Seylern bin aussgeschlcM ivorden, umb 
eine brandtstewer in den benachbarten ortten m bitten^ mir unterwegens jenseit 
Hadamnr fünff undt zwantzig reichsthaler von dem meinigen undt zwar mehren- 
theils gelehnt geldt, so ich etwa in damahliger Francl-furter herbstmess hab an- 
legen und tvahr darfür einkaufen ivollen, leider von den streiffenden Soldaten 
seindt ahgenommen ivorden. Wan ich mich nuhn dessen bei einem ehrsamen 
rath dieser Stadt zum höchsten beclaget, derselbig auch doruff zu recht erkandt^ 
dass^ weil mir dass geldt, indem ich gemeiner Stadt bestes zu suchen auss- 
geivesen, genommen., es billich undt recht sege, dass es mir auch von dem 
gemeinen wiederumb erstattet iverde^ zu vorab, iveil ich sonsten einen andern 
weg naher Frunckfurth hette treffen undt etwa mit unsern bürgern und kauff'- 
leutten in der gesellschofft hette ziehen können, wofern ich nicht mit meinen 
gefehrden unsern gnedigen herrn grav Johan Ludwig undt grav Johann naher 
Franckfurth von Hadamar auss hette folgen müssen." ^^^) Seiner Bitte, ihm 
diese 25 Reichstaler „ex puhlico undt von den gemeinen collecten iviederumb 
zukommen" zu lassen, willfahrte Graf Ludwig Heinrich am 19. Januar 1628 
insofern, als er Irlen anwies, dem Supphkauten fürs erste 10 Reichstaler zu 
verabfolgen, „bis 7nan sehet, ivie iveitt solche collecta reichen mag." Von 
einem Erfolg dieser Kollekte hören wir weiter nichts; es erklärt sich das 
vielleicht aus einer Stelle eines Schreibens der Kollektoren Johann Lott und 
Gerhard lloUer an den Landesherrn [vom Dezember 1626^"-)], obwohl sie 
nicht mit Sicherheit auf Aubelin und seine Genossen gedeutet werden kann. 
Es heisst dort, „dicweill die zween erst verordnete collectores cdssbcdd zwischen 
Franckfurth^''-^) beraubt und darnach mit der pest befleckt ivorden, dass sie nicht 
weiter aussgehen noch gehraucht icerden können, so seindt wir beide nuhn an 

®^) Seines Zeichens wahrsclieinlich auch Seilermeister und vielleicht derselbe Petter 
Seiller, der 1617 seinen Beruf in Haiger ausübte. St.-A. W. VII. A. d. A. H. 424. 

1"") Bittschreiben von Aubelin an Irlen als Beilage und Quittung 55 zur K. R. S. 20. 

»'^1) Beilage 55 zur K. K. — Das Schreiben ist zwar „Michael Aubelin, Bürger in Her- 
bom" unterzeichnet, dürfte aber schwerlich von ihm selbst verfasst oder geschrieben sein. 

^°^) Das Schreiben ist undatiert, muss aber in den Dezember 1626 fallen, da es kurz 
vor der Ausreise der beiden Kollektoren niedergeschrieben ist und das Beglaubigungsschreiben 
für beide vom 11. Dezember 1626 datiert. Die Rückseite des Briefes trägt aucli die Jahres- 
zahl 1626. K. R. S. 22 und Quittung 58. 

*'') Der andere Ort ist nicht angegeben. 



315 

ihre statt erhetten und verordnet worden." Es ist nicht uumüglich, dass die 
hier erwähnten Kollektoren jener Buchbinder M. Stoffel und Peter Seiler sind, 
doch könnten es auch zwei weitere, uns nicht näher bekannte Abgeordnete 
der Stadt sein. 

Wir lernton schon oben^*^^) den Anfang- des den Kollektoren Lott und 
Holler von dem Bürgermeister und Rat von Ilerborn ausgestellten Be- 
glaubigungsschreibens vom 11. Dezember 162G kennen; da es das einzige 
uns erhaltene ist, so lange die Kollektenbücher selbst, die auf den ersten 
Blättern meistens eine beglaubigte Abschrift des Kreditivs enthielten, nicht 
wieder aufgefunden sind, so sei auch der zweite Teil dieser interessanten 
Urkunde hier mitgeteilt. „So hat der hochwohlgehorne grave und herr^ hcrr 
Lndiüig Henrich, grave zu Nassaiv, Catzenelnhogen^ Vianden und Dietz, herr 
zu Seilstein ])., unser gnediger herr^ den armen hrandhcschedigten bürgern ein 
öffentlich uhrhundt und zeugnus des erlittenen grasen brandschadens genedig 
mitgetheilt, mit gnediger vorbitth, damit der verwüstete platz ivider behaivet 
möchten, dass alle undt jede hohes und nidern Stands joersohnen, so damit ersucht 
iverden^ den armen brandbesched igten auss chrüstlichem mitleiden nach eines 
jeden Stands vermögen mit einer miltreichen Steuer zu hülff und trost kommen 
tvolten, dabeneben tvir bürgermeister unnd rahtt der statt Ilerborn ztveen 
collcctores mit namen Johannes Lotten und Gerhard Hollern auss ihnen den 
verbranten bürgern elegirt und verordnet^ welchen ein collectenbuch zugestellet 
worden, zu dem ende, dass alles^ tvas ihnen auss gute und miltigheit mitgetheilt 
wird, darin geschrieben und verzeichnet iverde. Damit aber in ihr persohn, 
ivie etwa andern geschehen, kein ziveifell noch verdacht gesetzt werden n. achte, 
so haben sie uns mit fleiss erbetten, ihnen ein besonder uhrkund ihres brieffs 
günstig mitzugeben. Wan nuhn diese bitth zimblich und an deroselben loill- 
fahrung, weill es die ivahrheit ist, kein bedenkens, als haben wirs ihnen nicht 
abschlagen können noch mögen, und bekennen hiemit bezeugende, dass diese 
ztveen Lotth und Holler die rechte zu der collect ordentlich beriffene und 
crbettene collectores seyen, mit undertheniger dienstlich bitth, in ihr persohn 
desswegen keinen zweifell zu setzen, sondern ihnen gebührlichen glauben zu geben 
und wohl zu getrawen, dass sie all dasjenige, was ihnen aus christlichem mit- 
leiden gegeben ivivdt, ahn gebührende end und ortth zu getrewen handen liefern 
und verrechnen iverden, inmasen sie uns zu dem ende einen leiblichen aidt zu 
gott geschworen haben. Des zu uhrkundt haben tvir der statt Herborn insiegel 
hierunder uff's spacium thun trücken, so geschehen ist den eilfften decembris 
anno WJ^O."'^^^) 

Johannes Lott und Gerlach Holler zählten selbst zu jenen, die im Brande 
so ziemlich alles verloren hatten ^*^"); als sie die Ausreise antreten sollten, 
mussten sie den Landesherrn auch für ihre Familie um Unterstützung bitten. 
„Wan wir aber,'' so sagen sie in dem schon erwähnten Schreiben an den 



1"^) Seite 301. 

io6j Originalurkunde auf Papier mit dem Siegel des Gerichts von Herborn. A.-V. II. 

Nr. 1025. 

"«) Vergl. Beilage I Nr. 52 u. 114. 



316 

Grafen, „gantz mit hausern, scheuern und aller fahrmis, was darin gewesen^ 
verhrent und verderbt sein, dass wir, iven tvir itzo die reis anfangen, misern 
armen tveib und hindern nichts zu leben hinderlasen Jcönnen, so gelangt hiermit 
ahn E. Gn. unser underthenig umb gotfes irillen bitth. dieselben nöllen die 
barmhertziglceit gegen uns beweisen und unser jederm ein gebacli fruchtt auss 
der mühlen zu Herborn zum anfang der rciss auss genaden steuern und geben 
lasen, desen wir uns getrösten und gn[edige] antwortt erivartten." ^^'^) Graf 
Ludwig Heinrich beauftragte den Dekan Irlen, jedem von ihnen zwei Reichs- 
taler zu geben; ausserdem erhielt Lott „1 kopstücl; ein new bucJi^^^) zu machen^' 
und noch 10 Albus. Irlen bucht darüber: „Item Johannes Lotten undt Gerhardt 
Rollern zu zehrgelt und zum buch gegeben <s Gulden 8 Albus." **'■') Lott bekam 
ferner „ivegen seiner reiss des tags zugemacht ^'2 hopstiicl\ fhut 10 hö^iigs- 
thaler." ^^^) Da der Königstaler seit 1624 zehn halbe Kopfstück enthielt, so 
wäre Lott etwa hundert Tage unter vvegs gewesen; doch ist dieser Schluss 
kein sicherer; denn zweifellos sind Lott wie Holler des öfteren mit einer täg- 
lichen Löhnung von nicht ganz fünf Albus nicht ausgekommen; soviel wenigstens 
ist sicher, dass sie auch die eingesammelten Gelder zu ihrer Unterhaltung 
angreifen mussten.^^^) Wieviel Holler täglich verbrauchen durfte, darüber be- 
richtet übrigens die Kollektenrechnung nichts. 

An der Hand der Eintragungen in das Kollektenbuch ^^^) können wir die 
Reiseroute von Lott und Holler ungefähr feststellen; sie zogen über Siegen, 
Attendorn, Plettenberg zunächst nach Elberfeld, um dann bei der reformierten 
Gemeinde in Düsseldorf und in der Stadt Moers zu sammeln. Auf der Rück- 
reise wurde, wie es scheint, wiederum Siegen berührt, dann ging es nach 
Wetzlar, zu den Grafen von Solms, von Hanau, von Isenburg und Büdingen, 
schliesslich zu den Grafen von Waldeck und den Landgrafen von Hessen. 
Die Kollekte schliesst mit einem Beitrag der Grafen von Wied. Unter den 
Gaben der Städte ragen die von Siegen mit 225 Gulden und die von Elberfeld 
mit 66 Reichstalern hervor, während Kassel nur 20 Gulden gab; unter den 
gräflichen Spendern nimmt Juliana, die Gemahlin des Landgrafen Moritz und 
Tochter des Grafen Johann des Mittleren von Nassau -Siegen, mit 40 Reichs- 
talern oder 75 Gulden die erste Stelle ein. Im ganzen brachte die Kollekte 
Lott-Holler die nicht unbeträchtliche Summe von 1229 Gulden 15 Albus 
2 Pfennig ein, doch müssen davon, wie wir weiter unten sehen werden, grosse 
Beträge abgezogen werden. 

Neben Johann Lott wird auf dem Titelblatt des Herborner Extraktes als 
Kollektor nicht Gerhard Holler, sondern Eyssfried Hensch, der auch zu den 

1") Der Brief ist unterzeichnet „ Johan Lott unnd Gerhard Holler von Ilerborn", ist aber 
von ihnen weder geschrieben noch verfasst. Vergl. oben Anni. 101. 

1"«) Das Kollektenbuch. 

"">) K. R. S. 22. 

"") K. R. S. 4. — Seit 1624 1 Königstaler = ;'> ganze Kopfstück = 1 Gulden 20 Albus 
4 Pfennig, 1 Kopfstück demnach = nicht ganz 9 Albus (8^/10). Vergl. Annalen Bd. 32 
S. 65 Anm. 29. 

"') K. R. S. 4. 

"*) Herborner Extrakt, vergl. Beilage H, Absatz 3. 



317 

Abgebrannten Zcählte^^-'), genannt; der Auszug selbst macht aber keinen einzigen 
Posten kenntlich, der aus der Kollekte von Ilensch stammte, er bucht, ab- 
gesehen von den Sammlungen der Professoren Piskator und Matthaeus, nur 
noch „Empfangh collecten von Johann Lotten und Gerhard Hollern" Dass 
aber der Bäcker Eisfried oder Eisbert Hensch eine besondere Kollekte geführt 
hat, geht aus Irlens Hauptrechnung hervor; die Kinder des Johannes Rosen- 
kranz"^) erhielten nämhch ausser den 2 Gulden und 12 Albus, die ihnen Irlen 
überwies, noch „4 reichsthaler, so in eine andere collect nemblich Eysftfriedt 
Henschen gehöret.'' '^^■') Ferner meldet die für die hohe Schule ausgestellte 
Kollektcnrechuuug, dass Hensch von dem KoUektengelde an Johannes Mergert 
50 Reichstaler verliehen hatte."'') Welche Orte Hensch besucht hat, vpelche 
Summen er heimbrachte, ist leider nicht näher bekannt. 

Auf zwei weitere Herborner Kollektoren von 1626 oder 1627, Franz 
Ebersbach und Johannes Scherer, die auch in dem Brandregister genannt 
werden"^), machte jüngst Professor Haussen aufmerksam"^); sie wurden mit 
einem Schreiben der Stadt vom 30. Januar 1627 an das Kollegiatstift zur 
Himmelspforte in Erfurt gesandt und empfingen dort „auff vorgetzeigtes inter- 
cessiouschreiben, eine (wenn woll geringe und so viell sichs dieser zeith leiden 
wollen, jedoch guthwillige) Steuer für die Abgebrannten." Nach einem Vermerk 
auf der Adresse des Rückschreibens des Dekans des Stiftes überbrachten 
dessen Antwort am 20. März 1627 M. Adam Zimmermann und Johannes 
Scherer, „so zu Erffurdt gewesen." Wer dieser Zimmermann gewesen, warum 
er und nicht Franz Ebersbach mit Scherer zurückkehrt, ob sie nur in Erfurt 
oder auch an anderen Orten kollektiert haben, das entzieht sich meiner Kenntnis. 
Dass auch sonst noch Herborner Bürger sich bei den Sammlungen be- 
teiligt haben, ist ausser Zweifel; eine ganze Anzahl von Stellen aus Irlens 
Kollektenrechnung sprechen dafür, nur lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, 
ob sie auch ausgezogen sind, Gaben zu erbitten, oder ob sie vielmehr nur 
Vertrauensmänner bei der späteren Verteilung waren, so z. B. Jost Bender 
genannt Glaser, Johann Reiff, Heinrich Petri, Johann Steindorff u. a. m. 
Diese verschiedenen kleinen Sammlungen trug Irlen unter dem Titel „under- 
schiedliche collecten" in seine Abrechnung ein; sie erbrachten im ganzen 
741 Gulden 15 Albus für die Stadt. 

Von der hohen Schule in Herborn hatten sich zwei Professoren als 
Kollektoren zur Verfügung gestellt, der Theologe Magister Philipp Ludwig 
Piskator und der Jurist und derzeitige Rektor Johann Matthaeus; jener 
ging in die Schweiz, dieser über Nordwestdeutschland nach den Niederlanden, 
um hauptsächlich bei den reformierten Gemeinden dieser Länder Gaben für 
. ihre schwergeprüften Mitbürger zu erbitten. Philipp Ludwig Piskator, ein ge- 



11') Beilage I Nr. 84. 

"*) Beilage I Nr. 48. 

"5) K. R.-S. 10. 

"«) St.-A. W., Hohe Schule Herborn, III S D 2. 

-"') Beilage I Nr. 50 u. 54. 

11«) Haussen a. a. O. S. 134. 

21 



318 

borner Herborner und ein Sohu des bekannten Theologen und Bibelübersetzers 
Johann Piskator, war seit 1616 an der hohen Schule tätig, zunächst zur Unter- 
stützung seines alten Vaters, seit 1617 nach dem Abgang des Professors Gut- 
berleth als Professor der Logik und Physik und seit 1620 als Pädagogarch an 
Pasors Stelle. Yom Juli 1621 bis Juni 1622 stand er als Rektor an der 
Spitze der Anstalt. Erst 1628 wurde er Professor der Theologie, nachdem er 
schon 1626 mit Erfolg gebeten hatte, ihm diese Professur zu reservieren, weil 
er der Philosophie „fast verdrissig" sei. Als im Oktober 1628 die Abgesandten 
Bethlen Gabors, jenes um die Wissenschaft in Siebenbürgen sehr verdienten 
Fürsten, nach Herborn kamen, um den Professor Johann Heinrich Alsted^^'^) 
für die neu gegründete hohe Schule in Weisseuburg zu gewinnen, nahm auch 
Piskator die ihm angetragene theologische Professur dort an. Er kam am 
23. Juni 1629 um seinen Abschied ein, wurde am 30. Juni ehrenvoll entlassen 
und zog dann im September gemeinsam mit Aisted nach Siebenbürgen.^^^) 

Piskator scheint seine Kollektenreise um dieselbe Zeit oder nur 
wenig früher als Lott und Holler begonnen zu haben; am 5. Dezember 1626 
finden wir ihn nämlich erst in Diez. An diesem Tage schreibt er dort an den 
gräflichen Amtmann und Rat, Dr. jur, utr. Martin Naurath^^^) einen Brief, in 
dem er über seine Mission und seine Absichten folgenden interessanten Auf- 
schluss gibt: ,,Ehre)wesfer, liochgelelirter^ dem seind mein freund willige dienst 
neckst icünschung seitlicher und ewiger ivolfahrt zuvoran herauf insonders 
gijnstiger herr ampfmau. Welcher gestellt ich von dem hochwolgebornen graven 
und herren, herren Ludwig Henrich graven zu Nassaw, Catzenelnhogen p., 
meinem gnädigen herren abgefertigt hin, nicht allain in der Schtveiiz, sondern 
auch dero ortten, tif welche sich mein reiss daselhsthin zutregt, vor die durch 
den hrandt beschädigte hurger zu Herhorn eine geltsteuer hei gotfsäligen und 
auss christlicher barmhertzigheit mitleidenden hertzen zu hegären und zu er- 
heben^ solches haben E. E. auss hey gelegtem credenizschreihen und hericht mit 
mehreren zu sehen. Weiln den die reiss mich auch uf hiesige statt zugetragen^ 
hab ich dero mir ufgetragenen commission gemess nicht unterlassen sollen, bey 
E. E. als des hochivol gehornen graven und herren, herren Ernst Casimirs, 
graven zu Nassaiv, Catzenelnhogen p., amptman und raath, underthänig und 
ßehlich zu bitten, E. E. ivöllen dero christlichem mitleiden nach nicht allain 
vor seine person, sondern auch wegen und im nahmen des hochicolgehornen 
graven und herren, herren Ernst Casimirs, graven zu Nassaw^ Catzeneln- 
hogen p. und dero in J. Gn. landen pfarren und kirchen, so viel als dise jetz- 
heschicerliche Zeiten und hriegseinlagerungen erleiden mögen, auss mitleidigem 
hertzen reichlich mittheilen und steuren helfen . . . ."i--) Naurath versprach 



"®) Näheres über ihn bei Xebe, Zur nass Hchriftstellergeschichte, in den Annalen 
Bd. 10 S. 118 ff". 

"') St.-A. W., Hohe Schule Herborn, III 4 B. 1 Nr. 70. — Seine Witwe lebte noch 1675 
in Ilerborn. 

^^*) Er war 1592 in Herborn immatrikuliert und docierto auch 1G02 an der Schule in 
Siegen, v. d. Linde a. a. O. 8. 349. 

'■''■) St.-A. W., Hohe Schule Herborn, III 4 B. 1 Nr. 70. 



319 

Unterstützung im Namen des Grafen und der Gräfin und übersandte für seine 
Person zwei Reichstaler; er notiert darüber auf der Rückseite des Schreibens 
von Piskator: „Praes. ö./lu. Decemhr. lii:^(i. M. PIscator Ilerbornischen hrandt' 
Steuer lialhen, darauf ins hüchlein geschrieben, dass m^eineni] rjn\edigen\ kern 
imdt m[einer] gn[edigen] fürstiii undt frauen^ -'■'') ich dies treulich avisiren ivolte^ 
tvürden sich milt und gn[edig'\ erweisen. Vor mein person ziven reichstlialer 
gesteuret undt geschickt.^' ^^^) Graf Ernst Kasimir, der einst in Herborn studiert 
hatte^^ '), gab später, als Johann Matthaeus in Friesland sammelte, in dessen 
Kollekte 50 Reichstaler. ^2'^) 

Ehe Piskator auszog, wurde ihm zu Ehren ein Abschiedstrunk getan, 
dessen Kosten sich auf 15 Gulden 10 Albus beliefen. Zwar hatten Bürger- 
meister und Schöffen selbst den Wein bei Johannes Textor holen lassen, dieser 
zog ihn aber von einer Summe ab, die er Piskator schuldete, und der Herr 
Professor stellte schliesslich den Trunk dem Herrn Kollegen und Verwalter 
der Kollekten in Rechnung, der ihn auch bezahlte. ^-^) AVir können die Reise 
Piskators in ihren Hauptstationen nach dem schon genannten Wiesbadener 
Kollekteuextrakt noch ziemlich genau verfolgen, doch müssen eine Reihe von 
Einträgen, die hier als zur Kollekte Piskators gehörig bezeichnet sind, aus- 
geschieden werden. Die Überschrift y,CoUectore M. phiL Ludovico Piscatorc 
2)rof. Herb.'-'' gehört nicht an die Stelle, an der sie im Manuskript steht^-**); sie 
ist zwar, wie die Handschrift deutlich zeigt, von derselben Hand, aber erst 
später dort eingeschoben worden. Die Sammhing Piskators beginnt zweifellos 
erst mit dem Beitrage des Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar; ein- 
mal stimmt die Gesamtsumme der Gaben von hier ab bis zu Ende mit dem 
sonst bekannten Ergebnis der Kollekte Piskators ungefähr überein, und dann 
weist auch die Notiz im Auszuge selbst, dass von der Summe Johann Ludwigs 
an bis zu der Spende von Basel der hohen Schule nach der bekannten Ver- 
fügung des Grafen nur die Hälfte zukomme, darauf hin, dass mit dem zuerst 
genannten Posten die Kollekte Piskators anfängt. Ferner lässt sich mit Sicher- 
heit nachweisen, dass in Köln und Düren nicht Piskator, wie der Auszug be- 
sagt, sondern Irlen selbst kollektiert hat. Ebensowenig dürfte Piskator die 
Städte Wildungen, Rosenthal, Grebenstein, Hofgeismar, Lemgo und Detmold 
besucht haben; wir wissen schon aus dem Herborner Extrakt, dass Lott und 
Holler auch die Grafen von Waldeck um Unterstützung angingen, und es ist 
daher nicht unmöglich, dass sie auch in den eben genannten Städten Gaben 
sammelten. Immerhin wäre dann auffällig, dass der Verfertiger des Herborner 



^^') Sophie Hedwig, Tocbter des Fürsten Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. 

12*) Vergl. auch Beilage II. 

"**) Er wurde 1585 immatrikuliert; v. d. Linde a. a. 0. S. 342. 

126^ Vergl. Beilage II. 

1") K. R. S. 23: ^Itcm die herrn hurgermeister und schaffen hei Johannes Textorn 
wein holen lassen, so dn. l'hiUpps Fiscatori von Textorn an einer summen, so er erlegen 
sollen, abgezogen undt comjnitanten vom collecforn Piscatorc auffgerechnet worden, l. g. Nr. 00 
rar 15 G. 10 ^." 

»28) Vergl. Beilage II. Anm. 12. 

21* 



320 

Auszuges diese Städte, die allerdings nur 19 Floren zusammen gaben, oder 
doch die Grafen von Lippe, die ansehnliche Summen zeichneten, nicht sollte 
genannt habea. Auch die uns ebenfalls schon bekannten Ebersbach und 
Scherer könnten hier kollektiert haben; doch wer immer es auch gewesen seiu 
mag, Piskator war es gewiss nicht. Er zog Ende November oder Anfang 
Dezember 1626 zunächst nach Hadamar, von dort, wie wir schon hörten, nach 
Diez, dann die Lahn hinunter nach Kloster Arnstein und Braubach. Nachdem 
er auf das linke Rheinufer sich hatte übersetzen lassen, fioden wir ihn in 
Rhens und Bacharach und begegnen ihm erst wieder in Speyer und Kolmar. 
Nun ging die Winterwanderung in die Schweiz bis hinunter nach Genf, wo 
Piskator einem jungen Landsmann und Studenten, dem Sohne des Diezer 
Pastors und Inspektors Johann Wissenbach, der selbst 1592 und 1598 in Her- 
born studiert hatte^--^), 40 Reichstaler vorschoss^"^), dann zurück über Lausanne, 
Peterlingen (Payerne), Murten nach Bern; von hier durch den Aargau, in dem 
eine Reihe von Städten zum teil erhebliche Beträge beisteuerte^^^), nach Zürich. 
Am 10. Februar 1627 war er in Lenzburg^''-); am Abende des 12. Februar 
kam er in Zürich an, und am folgenden Tage überreichte er dort dem Rate 
sein Beglaubigungsschreiben von dem Grafen Ludwig Heinrich und berichtete, 
y,ivie den J^Oten augsten verscliinnenen jars ahencls zwüschent 8 und 9 uhren zu 
Herhorn ein führ ufgangen und 108 hüsey samlt allem ivaz darinnen verzeert 
Jiahe."'^'^^) Von Interesse ist, was Breitinger, der Vorsteher der Züricher 
Kirche, über die Persönlichkeit Piskators und seinen Aufenthalt in Zürich sagt. 
In der von ihm angelegten Sammlung von Akten und Notizen über die Liebes- 
steuern jener Zeit heisst es an einer Stelle: „Da zu merken, dass dem ehr- 
lichen herren, der syn herberig hatte zum storchen alhie vom abend den 12 tag 
febr. bis den abend samstags den 17. diss, dem wirt bezalen müssen zächen^^^) 
guldj und hatt sich doch beliolffen ganz mäsig und nachgüttig. Hospitiorum 
immanis iniquttas ignominia patriae.'''^^'') Und an einer anderen Stelle: ,,/s^ 
im u-irtshus, darinnen er gar wenig tag sich gesumt und gar sparsam gläbt, 
mit der ivrten^^^) fast unbarmherzig ghalten ivorden. Gott bessere dise /w^"^^^) 
Am Samstag Abend den 17. Februar 1627 verliess Piskator den teuern 
,, Storch" in Zürich und begab sich nach Winterthur, von hier nach St. Gallen, 
Schaff hausen und Basel. Hier in Basel finden wir ihn vom 7. bis 9. März 1627, 
wie sich aus dem noch erhaltenen Ratsprotokoll von 1627 im Staatsarchiv und 
aus Akten der Universität Basel feststellen lässt.^^^) Wahrscheinlich ist Piskator 

1*^) A. V. d. Linde a. a. O. S. 349 u. 359. Er starb 1628. 

13«) St.-A. W., Hohe Schule Herborn, lU 4 B. 1 Xr. 70. 

1»') Vergl. Beilage II. 

"^) St.-A. Zürich, E. II, 280. Brief des Pfarrers Spengler in Lenzburg an Breitinger in 
Zürich. Vgl. Beilage II. 

'33) St.-A. Zürich, Akten, Steuern und Kollekten, A. 90, 1. 

"*) Zehn. 

"*) St.-A. Zürich, E. II, 279 S. 141. 

'"8) Wirten. 

1") St.-A. Zürich, E II, 278 S. 12. 

*'*) Ich verdanke diese Nachrichten der Güte des Herrn Staatsarchivars Dr. Wacker- 
nagel in Basel. 



I 



321 

nun auf dem Wasserwege den Rhein abwüi-ts lieimgekehrt, wenigstens bis 
Mainz; von Basel ab hören die Nachrichten des KoUelvtenbuches auf, nur Irlens 
Kollektenrechnung meldet noch, dass er auch in Frankfurt gewesen ist.^'"^'') Am 
20. April 1027 war er schon einige Zeit wieder in Ilerborn, wie aus einem 
Schreiben von ihm an den Amtmann Naurath von diesem Tage hervorgeht.^'") 
Bedenkt man die weite Reise bis Genf und zurück zur "Winterszeit und bei 
Kriegsgefahr, so muss man staunen, in wie kurzer Zeit sich Piskator seiner 
Aufgabe entledigt hat. 

Am erfolgreichsten erwies sich seine Kollekte in Zürich, die Stadt gab 
134 Reichstaler, die Pastoren und Professoren 35 Reichstaler 7 Kreuzer, 
mehrere Bürger 65 Taler 43 Kreuzer, das Collegium Carolinum 15 Reichs- 
taler, im ganzen 404 gute Gulden 6 Kreuzer.^^^) Am nächsten kommt Basel 
mit mehr als 318 Gulden; die Stadt zeichnete 100 Reichstaler, die aus dem 
Fonds der säkularisierten Klöster bezahlt werden sollten^^-); die dortige 
Universität 26 Reichstaler 3 Albus ^^-^j, einige Baseler über 22 Reichstaler, die 
ecclesia Gallicana dortselbst 15 Floren. Die Spende der Stadt Schaffhausen 
betrug 200, die von Genf 150, die von Kolmar 100 Reichstaler. Die kleinsten 
Beiträge gaben die Städte Murten und Speyer mit je drei Gulden, Braubach 
mit 1 Gulden 20 Kreuzern und die Stadt Rhens und das Kloster Arnstein mit 
je 40 Kreuzern. Auffällig ist auch die verhältnismässig geringe Summe von 
22 Gulden 30 Kreuzern, die Graf Johann Ludwig von Nassau -Hadamar den 
Abgebrannten spendete. Doch ist zu bedenken, wie schwer auch er seit 
Jahren an den Kriegslasten zu tragen hatte; als ihm sein Neffe, Graf Ludwig 



139) Yergl. Beilage I, Anm. zu Nr. 75, 6. 

^^°) Das Schreiben ist ohne Ausstellungsort; es behandelt aber nur Angelegenheiten, über 
die Piskator sich erst in Herborn wieder unterrichten konnte. So hatte er dort von den 
Bürgermeistern erfahren, dass Graf Ernst Kasimir 50 Eeichstaler geben wolle; dann geht er 
auf den Vorschlag Nauraths ein, sich die 49 Reichstaler, die er in Genf dem Sohne des Jo- 
hann Wissenbach geliehen hatte, aus dem Herborner Stipendienfonds ersetzen zu lassen; end- 
lich gibt er Auskunft über etwaige Vakanzen in den Stipendienstellen zu Herborn. St.-A. 
W. a. a. 0. 

^") So nach dem Herborner Extrakt; vgl. Beilage II. Eine Zusammenstellung in den 
Steuer- und Kollektenakten des Staatsarchivs in Zürich A. 90, 1, nennt 403 Gulden und 8 
Kreuzer als Gesamtsumme, die sich aus folgenden Posten zusammensetzt: 210 Gulden aus dem 
„Seckel und Obmanamt"- ; 98 Gulden 13 Kreuzer y,von etlichen herren und bürgeren frei- 
toillig^; 52 Gulden 37 Kreuzer „von den dienern der Teilchen und schul alhie^; 22 Gulden 30 
Kreuzer ^iiss dem studentenamt"- ; 19 Gulden 48 Kreuzer „auch von etlichen bürgeren"'. 

"^j Ratsprotokoll vom 7. März 1627: „Ber statt Herborn an ire erlittne Irunst sindt 
gesteiirt 100 reichsthaler : solche den gottsheusern auf zutaxieren und von denen einzuholen"'. 
St.-A. Basel. 

"*) In den Rationes rectoratus 1592—1633 des Universitätsarchivs im St.-A. Basel finden 
sich folgende Ausgaben unter dem 8. März 1627: „In negocio Herbornensi 1 U ^ sh. — 
Herbornensibus (ristissimum incendium passis ex decrcto regentie 12 fi 10 sh." Forner 
im rationarium fisci theolog. 1626/27: „D. Piscatori Herbornensi ex decreto regentie 
12 g' 20 sh." ; im ration. fisci medic: „0. martii 1627 ex decreto coUegarum den not- 
leidenden zu Herborn dedi 7 U 10 sh." ; im ration. fisci phil.: „1627 ex decreto collegii: 
ad incendü Herbornensis collectam 2 fi 10 sh.; 1627 fiscus Cariniamcs, expcnsa: extra- 
ordinarium^ ad incendium Herbornensis urbis consensu coUegarum 2 U 10 sh." 



322 

Heinrich, im September 162(3 unter Berufung auf das Herborner Brandunglück 
mehr Einquartierung und Kontribution, als zwischen ihnen vereinbart war, zu- 
mutete, da übernahm er „aus gefallen" die 472 Soldaten „uher meine proportion," 
lehnte die Zahlung einer grösseren Quote aber mit den Worten ab: „Nun ist 
mir solich oidtstandenes unglück liertdich leidt, we'dl aber solches hieher 
nicht gehörig, undt da edle solche accldentalfüUe^ so heut einem, morgen dem 
andern begegnen, dafür uns doch der liebe gott sämpfllch gnedig beivahren 
tvolle, angezogen wurdten, u-ürde es grosse coufusion undt streit jeder zeit 
zwischen unss verursachen nndt unser ivoJdgemeinten einigJceit unndt proportion 
mehr zum streit als eintglceitt diehnen."'^'^^) 

Im ganzen brachte die Kollekte Piskators 2668 Gulden 18 Albus 4 Pfennig 
in schlechtem Gelde, wenn wir den Herborner Extrakt zugrunde legen, und 
2124 Gulden 35 Kreuzer in gutem Gelde, wenn wir der Rechnung des Wies- 
badener Auszugs und zwar in den oben angegebenen Grenzen folgen. Die 
Zehrungskosten für Piskators Reise beliefen sich auf 84^2 Reichstaler oder 
158 Gulden 10 Albus 4 Pfennig.^^'^) 

Während Professor Piskator sich dem Süden zuwandte, zog sein Kollege 
von der juristischen Fakultät, Professor Johann Matthaeus in entgegen- 
gesetzter Richtung von dannen, um Geld zur Unterstützung der abgebrannten 
Bürger und zur Yerbesserung der hohen Schule in Herborn, der er gerade als 
Rektor vorstand, herbeizuschaffen. Matthaeus war ein Sohn des Juristen Anton 
Matthaeus, der noch 1620 als Professor in Herborn das Jus lehrte und dann 
nach Marburg berufen wurde. Johann Matthaeus erhielt auf Vorschlag des 
Professors Dr. jur. Wolfgang Ficinus, den Graf Johann Ludwig eben als Rat 
zu sich nach Hadaraar berufen hatte, und auf Antrag des Rektors und des 
Professorenkollegiums vom 14. Juni 1623 die Stelle des Dr. Martin Schickhard, 
der seinerseits die Professur des Ficinus übernahm. ^^*"') Er hatte kurz zuvor 
promoviert und seinen Wohnsitz von Marburg nach Herborn verlegt, war 
damals auch schon verheiratet. Für das Studienjahr Juli 1626 bis Juni 1627 
zum Rektor gewählt, immatrikulierte er am 16. August 1626 den ersten 
Studenten ^^''); vier Tage später brach der Brand aus. 

Wann Matthaeus seine Reise antrat, wissen wir nicht genau, es muss 
aber ungefähr zur gleichen Zeit mit Piskator oder wenig früher gewesen sein. 
Er blieb im ganzen Yi Jahr fort^"^) und war im August oder Anfang September 
1627 sicher wieder in Herborn, schon Ende Juli wurde er jeden Tag zurück- 
erwartet^'^"); demnach würde seine Abreise auf Ende November oder spätestens 
Anfang Dezember zu setzen sein. Vor seinem Fortgang von Herborn be- 
suchten ihn die Professoren, Bürgermeister, Stadtschreiber und vier Schöffen; 
bei dieser Gelegenheit wurde ihm „für seine Mühe" ein Geschenk von 40 



"*) St.-A. W. VII. A. D. A. K. 518 a. 

'*•*) K. R. S. 25. 

"«) St.-A. W., Hohe Schule Herborn, III 4 H. 2 Nr. 41. 

'") A. V. d. Linde a. a. O. S. 416. 

"«) K. R. S. 25. 

"^) Steubing, Geschichte der hohen Schule Herborn, S. 98. 



323 

Reichstalcrn überreicht und ähnlich wie bei dem Abschied von Piskator eine 
kleine Festlichkeit veranstaltet, die 13 Gulden und 8 Albus kostete. '•'^^•') Während 
Piskator, soviel wir wissen, allein reiste, nahm sich Matthaeus einen Begleiter 
namens Franz Kapss^-^') mit, dem er unterwegs für 12 Reichstaler neue 
Kleidung machen liess.''^-) Die Reise ging zunächst nach Westfalen; nachdem 
Matthaeus die Städte Unna, Kamen, Hamm und Soest besucht und dort ziemlich 
hohe Beträge erlangt hatte, finden wir ihn am 22. Februar 1627 in Münster. 
Der Ilerborner Auszug meldet nur, dass „von statt und thumccqntel" 11 Reichs- 
taler oder 20 Gulden lö Albus eingingen; der Wiesbadener Extrakt weiss 
dagegen mehr von diesem Aufenthalt zu berichten. Die Stadt Münster zeichnete 
nach ihm 7 Floren 30 Kreuzer, während das katholische Domkapitel gute 
Gulden gab und in das Kollektenbuch des Matthaeus folgende interessante 
Notiz eintrug: „E'ni hoch- und ivol ehrwfürdig] fhumhcapittfcl] der Idrchen su 
Münster hat diesen verhranten mitleidlich sechs reichsthaler verehret, ivünschend 
dem [!] bedürftigen und gantzen Stadt zu Herborn damit glücklichen furtgang 
in der catholischen religion. Sign[atumJ den 23. febrfnurii] 1(137.'' Der 
reformierte Johann Matthaeus wird nicht wenig über diese freundliche Auf- 
munterung erstaunt gewesen sein! Bekanntlich hatte Graf Johann der Jüngere 
von Nassau -Siegen am 6. Juni 1626 ein ziemlich scharfes Edikt zur Wieder- 
einführung der katholischen Rehgion erlassen, und an diese Verfügung wird 
das Domkapitel bei seiner Eintragung gedacht haben. ^■'^) 

Ob Matthaeus von Münster aus wirklich eine solche Reiseroute ein- 
geschlagen hat, wie sie nach den Auszügen aus seinem Kollektenbuch zu- 
sammengestellt werden kann^'''), ist fraglich. Mag er auch von Friesland aus 
die Niederlande so bereist haben, wie es dort angegeben ist (Leeuwarden — 
Amsterdam — Utrecht — Harderwijk — Kampen — Zwolle — Nymwegen, 
von hier dann nach Emmerich und Wesel), dass er aber von Münster nach 
Bentheim, von dort nach München-Gladbach, oder selbst von diesem abgesehen, 
nach Leeuwarden (zu dem Grafen Ernst Kasimir von Nassau-Diez), dann nach 
Emmerich, von hier nach Bremen, Emden und Altona-Hamburg und nun nach 
Groningen und wieder nach Leeuwarden gewandert sei, erscheint nach einem 
Blicke auf die Karte nicht wahrscheinlich. Allerdings blieb er --/i Jahr fort, 



^^*') K. R. S. 26: ^Item D. Matthes seindt bey seinein abzugh vor seine Mühe verehrt 
worden^ wie denen damahligen biirgemeistern, stadtschreiher und schaffen wissent 40 Btlr., 
thun 75 Gulden . . . Ite^n, alss er abgezogen iiimdt sotvuhl von den professoribiis alss von 
vieren schaffen besucht xocyrden, da ihnen dann auch vorgedachte Verehrung geschehen, scint 
uffgangen . , . 13 Gulden 8 Albus."' 

^^') Wahrscheinlich ein Herborner Bürger; zu den Abgebrannten zählte er nicht. Vgl. 
Beilage I Nr. 18, 23, 122. 

1^2) K. R. S. 25. 

•^^) Über die Siegen'schen Religionshändel findet sich in demselben Bande, der den 
Kollektenauszug enthält, eine kurze Zusammenstellung aus dem 18. Jahrhundert. Der un- 
bekannte Verfasser führt auch den obigen Ausspruch des Domkapitels als 15eweis für die 
"Wirkungen des Edikts an; die Sache sei damals so ernstlich betrieben worden, ^dass benach- 
barte Jcatholische dem völligen Umsturz der evangeMsch-rcformirten religion entgegensahen.^ 
St..^. W. Mscr. A, 37, Fol. 153. 

1*0 Vgl. Beilage II. 



324 

und sicherlich hat er unterwegs auf Empfehlungen hin auch wohl einmal seinen 
Weg geändert und sich zunächst dorthin gewandt, wo er das Beste für seine 
Kollekte erhoffen durfte. Dass die im Kollektenbuch oder in den Auszügen 
angegebene Reihenfolge der Stationen nicht immer richtig ist^^-''), habe ich bei 
Groningen feststellen können. Nach jenen wäre Matthaeus erst in Bremen, 
dann in Groningen gewesen; die im Reichsarchiv zu Groningen erhaltenen 
Nachrichten über ihn ergeben aber, dass er sich in dieser Stadt am 6. März 
1627 aufhielt, während er erst Anfang April in Bremen war. 

Ein besonderes Interesse beansprucht sein Aufenthalt in Bremen, wo 
wir ihm Anfang April 1627 begegnen. Wir hörten schon oben^''*'') aus dem 
Bremer Ratsprotokoll vom 1. April 1627, dass Matthaeus damals sein Be- 
glaubigungsschreiben überreichte -und das grosse Unglück schilderte, das die 
Stadt Herborn getroffen hatte. Der Rat beschloss auf seine Vorstellung, ihm 
200 Reichstaler zu „fUrehrcn aus dem gemeinen aerario, und dan sollen die 
prediger eine collecte jeder in seinem JcircJispiell samJen, das filrlioffentlicli auch 
ein ehrliclis wirdt dragen." Schon am 3. April wurden ihm 100 Reichstaler 
für die Abgebrannten und 100 Reichstaler für die Herborner hohe Schule 
zugeschickt. ^■''^j Auch von anderer Seite gingen Matthaeus ziemlich hohe Beiträge 
zu. In Bremen leitete damals die lateinische Schule der Rektor Professor 
Matthias Martinius aus Freienhagen, der 1589 in Herboru studierte, schon 
1595 nassau-dillenburgischer Hofprediger wurde und von 1597 bis 1607 als 
Professor der Theologie an der hohen Schule in Herborn tätig war. Er nahm 
dann die schon 1606 erfolgte Wahl zum fünften Prediger in Emden an und 
lehnte 1609, als die Grafen ihn als künftigen Nachfolger des alten Johann 
Piskator nach Herborn zurückberufen wollten^ ab, weil inzwischen ein Ruf von 
Bremen an ihn ergangen war; er war geboren 1572 und starb 1630.^''^) Er 
muss ein sehr gelehrter Herr gewesen sein; denn in der Herborner Matrikel 
ist zu seinem Namen später hinzugesetzt: „Nunc prof[essor] Bremens[is] ad 
miraculum usque doctus." Martinius bewahrte Herborn und seiner hohen 
Schule eine grosse Anhänglichkeit und Dankbarkeit; als Matthaeus am 4. April 
der Kollekte wegen bei ihm erschien, schrieb er in das Kollektenbuch des 
Herborner Kollegen: „Tamquam altcri patriae Herbornensi civitati et scholae 
dehitor mea paucula x,ep[j.aTa sex imperiales, addo in orthodoxiae constantiam 
et profectus omnemque coclcsfcm et ferrestrem prosperitatem, ad sarcienda omnia 
damna Ulis a deo i)atre lumimim comprecans^ Matthias Martinius scholae 
Bremfensis] rfector]." Diesen Worten ist die Notiz hinzugefügt: „Quidani 
scholae Bremensis discipuli reliqua retiderunt, dimidium pro schola alterum 



^'^) Vermutlich wurden ähnlich wie bei anderen KoUoktenbüchern auch in dem von 
Matthaeus die Blätter nicht hintereinander beschrieben; es blieben zwischenein einzelne frei, 
auf denen spätere Geber sich einzeichneten Der Verfertiger der Auszüge schrieb dagegen 
die Blätter hintereinander ab. 

1^'^) Anm. 39. 

**^) St.-A. Bremen, Rhederbuch (das allgemeine Rechnungsbucli der Stadt), unter Aus- 
gaben des Jahres 1627, und Ratsprotokoll vom 1. April 1627. 

'^'') St.-A. W. Hohe Schule Herborn \\\. 4 B, 1 Nr. 58. Nach andern starb er schon 1628, 



325 

diniidium pro civHate HerhfornensiJ. 4. April 1(>27."'^-'^) Im ganzen brachte 
die Sammlung- beim collegium scholae Bremeusis 45 72 Keichstaler, dazu kamen 
noch 10 Reichstaler von der Geistlichkeit, für die der Doktor der Theologie 
Ludwig Crocius unterzeichnete. Von Bremen zog Matthaeus nach Hamburg 
und Altena, die östlichsten Orte, die er auf seiner Kollektenreise besuchte. 
Am 19. April 1627 beschloss das Konsistorium zu Hamburg, unter Hinzu- 
ziehung anderer Gemeindemitglieder über das Gesuch der betrübten 
Gemeinde von Herborn in Beratung treten zu wollen, am 24. Mai folgte 
ein weiterer Beschluss, in der Herborner Angelegenheit die Gemeinde zur 
Mildtätigkeit zu ermahnen und eine Kollekte zu veranlassen.^^") Die Sammlung 
hatte einen grossen Erfolg; denn, wie der Wiesbadener Auszug meldet, gab 
„die frantzöisch und niederdeutsche cjemeinde zu Altena" l nach dem Herborner 
Extrakt „die gemeinde su Hamhitrg" 200 Reichstaler oder 300 gute Gulden. ^"^) 
Auch Emden überwies nicht weniger als 70 Reichstaler. Als hier 1584 die 
Stiftung der hohen Schule in Herborn durch den Grafen Johann bekannt 
wurde, waren „verschiedene willens, ihre Itinder studirens und ahsonder\i&Ii der 
religlon loegen dahin zu verschicken" ^^"^j, und tatsächlich haben schon seit 1585 
Studenten aus Emden und Friesland überhaupt bei der hohen Schule in Herborn 
sich immatrikulieren lassen. ^''^) Matthaeus konnte in Emden auch einen ehe- 
maligen Professor und Rektor der Herborner Schule begrüssen, den bekannten 
Juristen Johann Althus, der im Jahre 1604 die Wahl zum Syndikus der Stadt 
Emden angenommen hatte. ^''^) Den grössten Erfolg hatte Matthaeus in 
Leeuwarden zu verzeichnen, wo die Regierung der „hochmögenden hernstaten 
in Frisslandt" 800 Karlsgulden =^ 320 Reichstaler oder 600 Rädergulden für 
Herborn spendeten, während er von den „Staaten von Groningen und Om- 
landen zu reisskosten" nur 10 Reichstaler erhalten hatte.'*"') Halb so viel wie 



1^3) Vgl. Beilage II. 

^^°) Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Staatssekretärs und Vorstehers des 
Archivs der Stadt Hamburg, Dr. Hagedorn, der die Konsistorialbeschlüsse in dem Archiv 
der deutschen evangelisch-reformierten Gemeinde ermittelte. 

'") Vgl Beilage II. 

162) St.-A. W. Mscr. A. 37 Fol. 43. 

16*) Aus Emden selbst werden Studenten genannt in den Jahren 1585, 1601, 1605, 1607, 
1616 u. s, w., Friesen kamen seit 1585 zahlreich. A. v. d. Linde a. a. 0. S. 341, 367, 
^370, 376, 378, 383, 401. 

161) Ygl. über ihn Nebe, Zur nass. Schriftstellergeschichte, in den Ann. Bd. 10 S. 131 f., 
Gierke, Johann Althusius, 2. Aufl. Breslau 1902; v. d. Linde a. a. 0. S. 370. 

16^) Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Reichsarchivars Dr. Feith in Groningen 
findet sich im dortigen Archiv in den „Resolutionen der Staten von Groningen und Omlanden" 
folgende interessante Nachricht: „Martis den G. Martii 1037. Op het gcproponeerde. 
ivegcn 1). Joanne Mattaeo professore tot Herherne loegen eenirje subsidie 
tot repar atie ende soulagement van de groote geledene hrandt- schaede 
binnen de voors-stadt von Herherne, verJdaren de Heeren Staten van stadt ende lande 
haer Ed. Mag. liartlyJcen liet toe syn, de jammerlylce schaede by d'ingcsetenen van die voors- 
stadt geleden; overst dat dcselve mit de conservatie van haer egen stant ende ingesetcncn 
voor ditmael soe veele thoe doen hebben, dat haer E. niet moegelyken is deselve toe subsideren, 
accorderen niettoemin den remonstrant tot vervallinge van syn reisecosten 
tyn ryxdaler toe betalen by den rentemcster Verrutio myt de provincie cloostergocderen."' 



326 

aus Leeuwarden brachte er aus Amsterdam und von der dortigen nieder- 
ländischen Kirche heim, und mit geringen Summen beteiligten sich die Städte 
Utrecht, Harderwijk, Kampen, Zwolle, Nymwegen und die reformierte 
Gemeinde zu Emmerich. In Harderwijk ^^^) empfing Matthaeus ausser den 
4 Reichstalern der Stadt noch 3 Reichstaler 30 Stüber von dem Kirchenrat 
und 6 Reichstaler 14 Stüber von den Professoren. Dass Graf Ernst Kasimir 
von Nassau -Diez, der als Statthalter von Frieslaud in Leeuwarden residierte, 
50 Reichstaler zeichnete, haben wir schon oben gehört. Als letzte Station 
nennen die beiden bekannten Auszüge die Stadt Wesel, die den Abgebrannten 
und der hohen Schule zu Herboru ebenfalls 50 Reichstaler zuwies. 

Den Gesamtertrag der Kollekte des Johann Matthaeus berechnet der 
Herborner Auszug auf 2662 schlechte Gulden 6 Albus und 4 Pfennig, der 
Wiesbadener auf 2159 gute Gulden und 30 Kreuzer. Die ganze Reise hatte 
9 Monate in Anspruch genommen; Matthaeus scheint im August oder Anfang 
September nach Herborn zurückgekehrt zu sein, Mitte September zieht sein 
Begleiter Franz Kaps schon wieder mit einem anderen Kollektoren aus. Die 
Zehrungskosten während dieser Zeit beliefen sich auf 176 Reichstaler oder 
330 Gulden. ^"^) Es scheint, als ob Piskator die Rückkunft von Matthaeus ab- 
gewartet hat, ehe die offiziellen Dankschreiben, deren auch Irlen in der 
Kollektenrechnung wiederholt gedenkt, abgelassen wurden; auf einige Dank- 
schreiben Piskators in die Schweiz vom 12. und 14. September 1627 hat 
Professor Haussen aufmerksam gemacht.^'"'') 

Um diese Zeit muss auch die erste Zusammenrechnung der gesamten 
Posten in den Kollektenbüchern des Piskator und Matthaeus erfolgt sein; sie 
geschah in der Kanzlei zu Dillenburg in Gegenwart von Heinrich Petri^"'') als 
Vertreters der Abgebrannten, und des Professors Dr. med. Rosenbach, der am 
10. Juli 1627 zum Rektor der hohen Schule gewählt worden war. Auch bei 
dieser Gelegenheit sass man nicht trocken bei einander; nach Irlen sind dabei 
,,uffga)Hjen'' 7 Gulden 8 Albus. ^^o) 

Am besten sind wir über die Kollektenreise unterrichtet, die Johann 
Irlen selbst bald nach der Rückkehr seines Kollegen Matthaeus antrat. Er 
scheint sie aber nicht in seiner Eigenschaft als Professor der Hochschule, 



^®^) Schon 1595 war ein Student aus Harderwijk ' in Ilerborn immatrikuliert; Linde 
a. a. 0. S. 356. 

^'^'j nitcm D. Matthaei zehrungskosten die 3 viertel jar über, so er selbst zweyte mit 
der collect zubrachtt, hekmfft sich uff' 17G rthlr. . . . thun 330 gl."- K. R. S. 25. 

'*^) A. a. 0. S. 133 f. — Im Staatsarchiv zu Züricli (Akten Nassau A. 196, 3) ist noch 
ein Herborner Schreiben an den Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich erhalten, worin dieser 
namens des (rrafen Ludwig Heinrich, der Bürgerschaft, der Scliule und der Geschädigten zu 
Heruorn der Dank für die Beisteuer ausgesprochen wird. Der Brief datiert vom 12. /22. Sep- 
tember 1627 und ist unterzeichnet von Johann Irlen, theol. doct., Professor zu Ilerborn 
und Hofprediger zu Dillenburg, Andreas Iloen, notar. publ. und Stadtschreiber zu Herborn, 
und Johann Reiff, Schotten und Bürgern daselbst. 

»»") Beilage I Nr. 100. 

*"") „7<em alss deren beyden colhcten gerechnet und verglichen worden., seint in beysein 
1). Jlosenbachs p. t. rcctoris und Henrich Petri uffgangen 7 gl. 8 alb."- K. R. S. 27. 



327 

sondern als Pfarrer der Stadt Herborn unternommen zu haben; denn es ver- 
lautet nichts darüber, dass von dieser Sammlung die Hälfte der hohen Schule 
zugefallen wäre, die Beträge kamen vielmehr allein der Stadt zu gute. Irlen 
hat in der oben beschriebenen Kollcktenrechnung und in den Belägen zu den 
Ausgaben ausführliche Notizen über seine eigene Kollekte hinterlassen. Für 
die Reise lieh er, „*<;e/Z keine andere mittel vorhanden geivessen'-^ von dem 
Dillenburger Kammerschreiber Philipp Sengel 50 Reichstaler, die er eine Reihe 
von Jahren verzinsen rausste.^") Irlen ging zunächst nach Köln und nahm bis 
dorthin Franz Kaps, den reisekundigeu Begleiter des Johann Matthaeus, mit; 
sie zogen Mitte September 1627 aus und nahmen ihren Weg zunächst mit 
Dienern und Wagen des Grafen Johann von Nassau nach Hachenburg, von 
da über Lülsdorf (Lüdersdorf) nach Köln. Die Fahrt dauerte fast drei Tage 
und kostete an Verpflegung, Fuhr- und Schifflohn 4 Reichstaler S^/2 Kopf- 
stück.i^-) Irlen war nicht sonderlich vom Glück begünstigt; er musste in Köln 
mit seinem Gefährten zunächst 16 Tage stillliegen, „vre// die vornembste glie- 
der der reformirten kirchen noch nicht aus der mess" zurückgekehrt waren. 
Sie verbrauchten während dieser Zeit beide „des tags ordiuari^^ einen Königs- 
taler, im ganzen 33 Gulden 8 Albus; dabei wurden noch ,,extra verthan"- 
2 Gulden. In Köln trennten sich dann Irlen und Kaps für einige Zeit; wohin 
letzterer ging, ist unbekannt, ,^nach seinem ahmig^^ wandte sich Irlen nach Düren 
und von dort nach Aachen. Hier richtete er aber ,^wegen abwesen der Vor- 
steher'^ der reformierten Gemeinde nichts aus; dagegen erhielt er in Düren 
37 Floren 30 Kreuzer.^^-') Die Kosten für diesen Abstecher beliefen sich an 
Reisegeld, Botenlohn und Zehrung auf 12 Gulden. Irlen kehrte nach Köln 
zurück und blieb dort fünf Tage, vermutlich, um Kaps zu erwarten, denn die 
weitere Reise haben sie anscheinend wieder gemeinschaftlich^^^) ausgeführt. 
Der zweite Aufenthalt in Köln kostete Irlen wiederum VI2 Gulden. Inzwischen 
war aber seine Barschaft zusammengeschmolzen — Düren zahlte nicht bar, 
sondern wie üblich mit Wechsel — , auch neue Reisekleider mussten an- 
geschafft werden, und so nahm denn Irlen am 12./22. Oktober 1627 bei „Lambert 
Severnich im fischkarn zu Köln ufn hewmarkt sur fortsetzung seiner reijse"- ein 



^") Irlen schreibt hierüber in der K. R. S. 24: „Item, als er abgezogen, hat er, weil keine 
andere mittel vorhanden gewessen, von herrn kammerschreiber zu Dillenberg entlehnet 50 rthlr., 
welche er 3 Jar verpensioniret: weil auch keine andere mittel vorhanden geivessen, solche eher 
ahzulegen, ob compiftant die pension geben solle allein, stelt er auch zu der herrn Discretion.^ 
Die Abhörer der Rechnung gingen darauf aber nicht ein oder Irlen selbst strich vor der 
Revision diesen Posten. Auch eine andere „aussgifft vor die Stadt, welches zu der herrn ver- 
hürer dieser rechmmg discretion gestellet wirdV^, wurde auf dieser Seite getilgt. Als näm- 
lich „der Oberförster wegen unserer gn[edigen] fraiven 120 königsthaler erlegt, seindt durch 
das grosse zulauffen und geträng übersehen oder uffzuschreiben vergessen ivorden, nehmblich 
5 rthlr. 3 kopst{ück,] thun laut betjlagc lit. <q. 10 gülden 15 albus''. Der Belag fehlt leider. 
Vgl. ferner unten Anm. 176. 

^^2) K. R. S. 24 und Belag®. Diese Übersicht über die Reisekosten ist noch erhalten. 

1") Vgl. Beilage II. 
, ^^^) Anderenfalls würde Irlen, wo er in den Belägen das Wort y,uns'' gebraucht, im 
Plural von seiner Person gesprochen haben; vgl. folg. Seite. 



328 

Darlehen von 23 Reichstalern auf.^^"") Nun ging es sofort zu Schiff rhein- 
abwärts nach Wesel; der ^.schifmann, der uns uj Wesel führen sollen'-^ erhielt 
für seine Mühe 2 Gulden 17 Albus. Was Irlen dort getan hat, ob er nur 
wegen der Kollekte des Matthaeus kam, ob er nochmals kollektieren wollte 
oder nur Dankschreiben zu überbringen hatte, darüber verlautet ebensowenig 
etwas wie über seinen späteren Aufenthalt in Düsseldorf, wo ja schon Lott im 
Interesse der Herborner Abgebrannten gewirkt hatte. Den Rückweg nahm 
Irlen von Wesel aus zu seinem Unglück durch den Duisburger Wald; er 
wurde hier überfallen und nicht nur seines Geldes — er hatte von dem 
Kölner Darlehen noch 22 Reichstaler oder 41 Gulden 6 Albus bei sich — , 
sondern auch „seiner zu Colin neiv gemachten rey&skleyder im Diiessherger 
waldt herauhet."'^'^^) In Düsseldorf hat er sich dann nur kurze Zeit aufgehalten, 
wie seine kleine Ausgabe von 15 Albus für Zehrung beweist. Hier wurde 
wiederum das Schiff bestiegen, um zu Wasser nach Köln zurückzukehren; dem 
„schifnum., der uns ivider zilrüch nach Cöln geführt.,'-'- zahlte Irlen 3 Kopfstück 
oder 1 Gulden 6 Albus und verbrauchte selbst „a»/ dem weg'-' einen Gulden. 
Sein dritter Aufenthalt in Köln währte nur zwei Tage, brachte aber neues 
Missgeschick, indem ihm sein Beglaubigungsschreiben gestohlen wurde oder 
sonstwie abhanden kam. Für die Rückreise von Köln nach Siegen nahm er 
nämlich, ^nachdem die crcditifen weg irahren,^^ einen Boten mit, der unterwegs 
gegebenen Falles vermutUch die Mission Irlens bestätigen sollte. Kaps scheint 
also, wenn er die Reise nach Wesel und zurück überhaupt mitgemacht hat, 
Irlen in Köln wiederum verlassen zu haben. Au Lohn und täglichem Unter- 
halt setzt Irlen für diese Zeit 6 Gulden in Rechnung. Seine gesamten Reise- 
kosten betrugen demnach 77 Gulden 20 Albus^^^), abgesehen von jenen im 
Duisburger Walde eingebüssten 41 Gulden 6 Albus, die aber auch aus den 
Kollektengeldern ersetzt worden sind.^^'^) Wie viel Irlen dagegen dem Fonds 
für die Abgebrannten zuführen konnte, ist nicht genau bekannt; mit Sicherheit 
sind nur die schon genannte Spende der Stadt Düren und die hohe Summe 
von 300 guten Gulden, die die reformierte Gemeinde zu Köln zuschoss, auf 
seine Sammelliste zu setzen. Im November 1627 war er von seiner Kollekten- 
reise heimgekehrt; denn am 30. November finden wir ihn in der Kommission 
tätig, der die Festsetzung von Holzraten an die Abgebrannten oblag. 



^'^) Schuldschein von Irlens Hand und darunter die Quittung Severnichs über die Rück- 
zahlung am 1. September 1629 sind noch erhalten. K. R. S. 22 und Belag 59. 

''") Wilhrond Irlen das ihm geraubte Geld in der K. R. in Ausgabe stellt, wollte er die 
Kleider nicht ersetzt haben. Nach seiner zweiten Rückkehr nach Köln musste er sich aber 
wiederum neu einkleiden; er wollte „seine mantell, so gantz new und ander gezeug unndt 
kleider von Collen anhcro^ nach Ilerbom bringen lassen, allein der Bote oder Überbringer, 
ein gewisser Philipp Korn, erlitt dasselbe Schicksal, das Irlen im Duisburger Walde gehabt 
hatte; unterwegs wurde ^selbigem alles abgenommen.^ Irlen stellte deshalb der Diskretion 
der Revisoren anheim, „obs hilUg, dass ilime ctwan ergetzlichkeit dargcgm bcscliehe.^ Der 
Poston wurde gestrichen, ob von den Rechnungsabnehmorn oder vorher von Irlen selbst, ist 
nicht zu entscheiden. K. R. S. 24. 

'") K. ß. S. 22. Belag @. 

"«) K. R. S. 22. 



nL>9 

Den hüchsteu Beitrag zur Linderuog des Unglücks vom 20 August 1G26 
hatte der Laudesherr selbst gespeudet; der Wiesbadeuer Auszug berichtet 
hierüber: ,JIerr gmf Ludn-ig Henrich haben hierzu gegeben mit der Jdausid, 
dass Sie ein mehrers hatten thiin wollen, wan nicht das rerderhliehc Jcriegs- 
iresen und der im jähre 1023 erlittene brandschaden zu Heiger ihre einlmnfte 
sehr zurüchge seist hätten, 1000 floren.^'-^'^'') Bar Geld war freilich auch bei dem 
Grafen rar, Kriegssteuern und Einquartierungen hatten seine Schatulle geleert, 
und so wies er denn den abgebrannten Untertanen von Ilerborn Holz im 
Werte von 1000 Floren oder 1125 schlechten Gulden^^*') zu. Dem kleinen 
Mann, der sein Häuschen eingebüsst hatte, konnte nichts willkommener sein als 
diese Gabe, und wenn sie sofort zur Ausgabe gelangte, war wenigstens nach 
einer Seite hin der dringendsten Not abgeholfen; freilich kam, wie der An- 
satz^^^) der für die Holzverteilung eingesetzten Kommission beweist, auf den 
einzelnen nur ein verschwindend kleiner Betrag. Es ist nicht recht klar, 
wann der Graf diese Summe von 1000 Floren für Holz bewilligt hat, der 
Umstand aber, dass die Kommission erst Ende November 1627 zusammentrat, 
um die Raten für die einzelnen Abgebrannten zu bestimmen, lässt vermuten, 
dass die Anweisung erst nach der Rückkehr der Kollektoren erfolgte, also zu 
einer Zeit, wo man den Erfolg der Sammlungen überblicken konnte. Die 
Lieferungen, so wie sie nach dem Überschlag der Kommission erfolgten, ge- 
nügten aber in manchen Fällen nicht, und so half man sich dadurch, dass 
auch grössere Mengen Bauholz abgegeben wurden, die dann aus dem Anteil 
des Betreffenden an dem Kollektengeld bezahlt wurden. So erhielt z. B. 
Heinrich Friedrich, der Wirt zur Rose, von Irlen eine Anweisung auf Holz 
bei dem Oberförster Schilt in der Höhe von 35 Reichstalern und empfing dann 
aus dem Kollektenfonds nur noch 4 Reichstaler.^^^) Wir besitzen noch die 
detaillierte Abrechnung des Oberförsters Daniel NoP^=^), die am 16. Februar 1634 
ausgestellt ist und die Jahre 1627—1633 umfasst^^^*); die zahlreichsten Holz- 
lieferungen fallen in die Jahre 1627—1630; für die Jahre 1631 und 1633 ist 
nur noch je eine einzige gebucht, für 1632 keine. Im ganzen hatte Nol für 
552 Gulden 20 Albus Holz abgegeben, er bemerkt aber zum Schluss der 
Rechnung, dass sein Vorgänger, der Oberförster Schilt, „vill banholtss den 
verbranden beivisen'-^ und Irleu verweist darunter weiter auf ^^den ausziig mit 
Schilden, davon ich ein thcil bezahlt, ein theil zedel gegeben.'' Eine Abrech- 
nung des Oberförsters Schilt ist aber nicht vorhanden, hat auch schwer- 
lich bei der Prüfung der Gesamtausgaben Irlens am 3. März 1635 vorgelegen; 
Irlen brachte unter der Rubrik ,,aussgifft der stadtcollect, so der Oberförster zu 
berechnen,'' nicht nur den Posten von 552 Gulden 20 Albus, sondern auch die 
restierenden 572 G. 4 A., schrieb aber unter Hinweis auf die bekannte Schlüss- 



ig) Vgl, Beilage II. 

1«") Der Florin wurde laut K. R. S. 1 zu 1 Gulden 3 Albus (ii 8 Pfennig) gerechnet. 

1") Vgl. Beilage I Reihe 5. 

182) Vgl. Beilage I Nr. 85, ferner 45, 50, 52, 55. 

1^*) So schreibt er sich selbst, während Irlen ihn einmal Nolde nennt. 

'»*) K. li. Belag B. 



330 

bemerkung von Nol doch hinzu ,,item rest an denen 1000 fl., so ich hier vor 
aussgift setze und noch hinder dem Oberförster stehen soll, dahin es wider vcr- 
iviessen ivirdt.^^'^^-') 

Dass Graf Ludwig Heinrich und seine Gemahlin das Elend einzelner Ab- 
gebranuten, die sich hilfesuchend an sie wandten, zu mildern suchten, habe 
ich oben schon erwähnt. 

Überblicken wir nun einmal das Gesamtergebnis der Sammlungen! 
Über einzelne Kollekten gehen die Angaben auseinander; so berechnet der 
Herborner Auszug 

den Ertrag der Kollekte des Piskator auf . . 26G8 G. 18 A. 4 Pf., 
„ „ „ „ „ Matthaeus „ . . 2665 ,, 12 ., 4 „ 

iu Summa . 5831 G. 1 A. — Pf. 

Irlen dagegen — und seiner von den Vertretern des Grafen und der 
Stadt geprüften Generalrechnung werden wir Glauben schenken müssen — 
bucht unter „Empfang vor die statt Herborn" „cmss herrn doctoris 
Matfhaei imd Piscatoris collect 1701^/i rthlr. ~) a. 2 pf., thun an gülden 
3191 g. 4 j:?/."^^") ; da die Stadt nur die Hälfte erhalten sollte, so berechnete 
ich diese beiden Kollekten zunächst auf 6382 Gulden 1 Albus: laut Irlens 
Abrechnung für die hohe Schule hat diese aber nur 1133 Reichstaler 39 Albus 
4 Pfennige = 2126 Gulden 4 Pfennige erhalten, so dass Piskator und 
Matthaeus zusammen 5317 Gulden 1 Albus, also etwas weniger als die 
Herborner Quelle angibt, heimbrachten. Die Erträge der übrigen Kollekten 
wurden oben schon genannt; nach Irlens Angaben gingen im ganzen für 
die Stadt ein: 

1. Aus der Kollekte des Johannes Lott (und 

Gerhard Holler) 1229 G. 15 A. 7 Pf. 

2. „Underschiedliche collecten, so von com- 
putanten (Irlen) selbst eingezeichnet 

wurden" 741 „ 15 „ — „ 

3. Aus den Kollekten des Matthaeus und 

Piskator 3191 „ — „ 4 „ 

4. Ilolzsteuer des Grafen, 1000 Floren 

a 27 Albus 1125 „ — „ — „ 

Summa . 6287 G. 7 A. 3 Pf. 

Rechnen wir hierzu die 2126 Gulden 4 Pfennig, die der hohen Schule aus 
den Kollekten von Piskator und Matthaeus zufielen, so haben wir das Gesamt- 
ergebnis der Kollekten überhaupt mit 8413 schlechten Gulden 
7 Albus 7 Pfennig.^'^'^) Dem gewaltigen Verluste gegenüber ist diese Summe 
sehr klein und in Wirklichkeit ist sie nicht einmal in der von Irlen angegebenen 
Höhe eingegangen; von dem Gelde, das schliesslich zur Verfügung stand, ist 

'«^' K. R. 

"") H. E. wie auch dio IC. R. rechnen nach schlechten Gulden. 

'") Vgl. dagegen den Wiesbadener Extrakt, der das Gesamtergebnis etwas höher, näm- 
lich auf 0914 gute Gulden 30 Kreuzer (= 8G43 schlechte Gulden) berechnet. Vgl. Beilage II. 



331 

noch nicht die Hcälfte unter die Abgebrannten verteilt worden. Irlen und 
der Kammerschreiber in üillenburg berechneten die Empfangssummen ^^^) nach 
den Werten, wie sie in den verschiedenen Kollektenbüchern eingetragen waren; 
bar Geld ist aber den Kollektoren nur in seltenen Fällen gegeben worden, 
anderenfalls wäre es wohl allen ähnlich wie Irlen im Duisburger Walde 
ergangen. So wählte man einen sicheren Ausweg und nahm Wechsel an. 
Von Piskator ist es bekannt, dass er „f^eiii collect . . . alle uff Wechsel gemacht" 
hat^*'-'), und nicht anders sind Matthaeus, Irlen und Lott vorgegangen. Emmerich 
und Wesel stellten ihre Wechsel auf Köln aus; ein Wechsel von Bremen 
wurde bei Peter Alleintz^"*') in Frankfurt a. M. eingelöst.^*'^) Auch aus der 
Kollekte Piskators waren auf Frankfurt Wechsel ausgestellt. "2) In Ilerborn 
selbst besorgte Stoffel von der Mühlen die Wechselgeschäfte.'^-') Es hat viel 
Mühe, Zeit und Geld gekostet, die in den Kollektenbüchern gezeichneten 
Summen auch wirklich zu erhalten; der säumigen Zahler waren nicht wenig. 
So wurden „zur eintreihoig deren (jelter, so iwder die verhrändteu gethedet 
ivorden," nach Haiger, Beilstein, „i)i die Eyche^'^ nach Friedberg, Marburg, 
Köln, Düren „und sonsten'' Boten gesandt, die zusammen einen Lohn von 
16 Gulden 20 Albus erhielten. ^^^) Nach Marburg gingen nicht weniger als 
fünfmal Boten ab „n-egen des Übermächten Wechsels von d. Vreushiirg" , nach 
Friedberg „wegen Pfochanii ivechsel" und nach Köln „an Motsfelden wegen 
des Emhr Ischen, an BiÜerhec'ker wegen des Weselschen"- Wechsels. Im Februar 
1628 war noch keine Zahlung auf den Bremischen Wechsel erfolgt, und noch 
im März 1635 bei der Rechnungsablage Irlens, also mehr als 7 Jahre nach 
dem Abschluss der Kollektenbücher, fehlten noch eine Reihe von Beiträgen, 
und manche von ihnen sind zweifellos überhaupt nicht eingegangen. So hatten 



^®^) Sie waren auf Befehl des Grafen noch besonders durch Heinrich Hatzfeld „convpu- 
tiret"' und von dem Schultheiss Konrad Kaps und dem Bürgermeister Johann Reiff „über- 
sehen undt imderschrieben^. K. R. S. 1. 

'^°) K. R. S. 26: „Item hatt d. Matthaeus wegen Herrn M. Piscatoris dessen Schwägern 
Samuels Piscatoris wittiben im Niederlandt erlegt 28 rthlr., welche ihme (weil er sonst 
keine Verehrung bekommen, sein collect aber er alle uff wechssei gemacht 
hatte, was er colligirt) nicht abgefordert worden." Dem Wortlaut und der Konstruktion 
nach müsste hier „ihme" u. s. w. auf Matthaeus bezogen werden; es kann aber nur Pis- 
kator gemeint sein, da nur er keine Verehrung, d. h. kein Geschenk bei der Abreise erhielt, 
während Matthaeus bekanntlich 40 Reichstaler empfing. — In der K. R. für die hohe Schule 
S. 3 steht nach „colligirt" noch das ^Yo^t „gehabt". — Zur Sache selbst sei noch bemerkt, 
dass Piskator natürlich auch Bargeld bekommen hat; als er am 10. Februar 1627 in Lenz- 
burg im Kanton Aargau weilte, gab er das bis dahin auf seiner Kollektenreise in der Schweiz 
erhaltene bare Geld im Betrage von 58 Reichstalern und 36 Dukaten dem dortigen Pfarrer 
Jakob Spengler mit der Bitte, es ihm nach Zürich nachzusenden. Spengler entsprach dieser 
Bitte, wie wir aus einem Briefe von ihm an den Pfarrer Breitinger in Zürich wissen, und 
Piskator quittierte hier am 16. Februar, dass ihm „obgcmeltc gelder zu recht seind behändiget 
ivorden^ St.-A. Zürich, E. II, 280. 

19") Auch Allenz, AUentz. 

i«i) K. R. S. 27, Belag 63. 

^^^) Beilage I Anm. zu 6 und 75. 
' 153) Vgl. Beilage I Xr. 5. 

"') K. R. Belag ®. 



333 

damals die Städte Kamen, Hamm, Unna, ferner die Freifrau Ottilie von 
Kettler, Ludolf Lütter und der „drost von Homburgk'"''^'^'') ihre Yersprechungen 
von 1627 noch nicht eingelöst; 96 Reichstaler oder 180 Gulden waren von 
ihnen rückständig. Auch die einst von dem kurbrandenburgischen Geheimen 
Rat und Statthalter zu Emmerich, Johann Friedrich von Rheden, gezeichnete 
Summe war 1635 zum grösseren Teil noch nicht bezahlt; es fehlten noch 
25 Gulden 20 Albus und sie sind schwerlich je erlegt worden, denn, wie 
Irlen bemerkt, „die erben wollen nichts gestehen. "^^^) Auch Matthaeus hatte 
damals von dem Kollektengelde noch 60 Reichstaler zu zahlen. ^'^'') 

Die Kollekte Lott-Holler brachte, wie oben erwähnt, nominell 1229 
Gulden 15 Albus 7 Pfennig, in Wirklichkeit waren bis zum 16. Januar 
1635 an Irlen nur 881 G. 6 A, 2 Pf. abgeliefert; „das übrige haben die 
coUcctores theils verzehrt^ tlieils noch zu berechnen, setzet also computaut zur 
aussgifft 348 g. 9 a. 5 pf." ^'''^), über die Lott nähere Abrechnung zu liefern 
hatte. Noch 1651 war „der dielte LoW, wie er damals genannt wurde, noch 
100 Gulden aus seiner Kollekte schuldig, und da noch nichts wegen dieser 
Schuld entschieden war, so reichte die Stadt am 8. Februar an die Dillen- 
burger Kanzlei eine Supplik ein. In diesem Schreiben war hervorgehoben, 
dass Lott „coUector der brandsteiier gewesen und dreyhiindert gülden 
davon hinder sich gebracht, daran man ihm seines erlittenen brandschadcns 
und armutshalben ziveihundert gtdden nachgelasen." Ob „der armen in vielen 
schidden stechenden statt" Herborn ihrer Bitte gemäss die Summe zugesprochen 
wurde, darüber gibt das Stadtprotokoll keine Auskunft. ^'■''^) 

Aus dem Kollektenfouds wurden, wie wir weiter unten noch sehen werden, 
auch Darlehen gegeben; selbst der Landesherr und seine Gemahlin hatten 
diese Hilfe in Anspruch genommen und auch sie waren im März 1635 mit 
der Rückzahlung noch ausständig. Irlen hatte „von den empfangenen coUecten- 
geldern zu Cülht^' 81 Reichstaler oder 151 Gulden 21 Albus ausgelegt^ und 
die Gräfin nahm 1628 den auf 183 Reichstaler lautenden Wechsel von Bremen 
an, mit dessen Einlösung in Frankfurt Heinrich Georg von Haiger beauftragt 
wurde; nach Abzug der Unkosten erhielt sie 170 Reichstaler, von denen sie 
im März 1635 noch 172 Gulden 12 Albus zurückzuzahlen hatte. Beide 
Kapitalien waren unverzinslich ausgeliehen worden. -°*') 

^^^) Diese beiden letzten Personen werden in den Auszügen aus dem KoUektenbuoh des 
Matthaeus ebensowenig wie die Stadt Kamen genannt. "Welches Homburg hier gemeint ist, 
lüsst sich schwer sagen. 

iȧ) K. R. S. 30. 

'^') Irlen hat diesen in der K. R. für die Stadt S. 30 eingetragenen Posten ohne nähere 
Begründung gestrichen -und ihn in die K. R. für die hohe Schule gesetzt, rechnet hier aber 
nur die Hälfte. In den Niederlanden hatte Matthaeus, wie schon erwähnt, der Schwägerin von 
Phil. Ludw. Piscator, der Witwe des Samuel Piscator, 28 Reichstaler geliehen, die Irlen nebst 
2 Rtlrn. aus dem Vergleich hierüber mit Stoffel von der Mühlen unter die Ausgaben setzte; 
auch dieser Posten ist in der K. R. für die Stadt S 25 gestrichen und auf Rechnung der 
hohen Schule gesetzt. 

'«*') K. R. S. 4. 

"«) St -A. ^N. A. D. A. H. 2401 b. 

*«") K. R. S. 31. 



f*QO 



33 

Welche Kosten die verschiedenen Kollektenreisen und die Unterhaltung 
der Kollektoren verursachten, wurde schon oben hervorgehoben; allerdings 
hatte bei einer Reihe von Ausgaben dieser Art die Stadt nur die Hälfte zu 
tragen, immerhin waren es doch beinahe 500 Gulden, die ihr so verloren 
gingen, und zu diesem Ausfalle für die Abgebrannten kamen noch eine Reihe 
kleinerer Verluste hinzu. Unter dem baren Gelde, das die Kollektoren 
erhalten hatten, fand sich auch manches miuderwerte Stück, namentlich so- 
genannte Schaifhäuser, Petermännchen, Groschen und ein Engellot. Selbst 
falsches Geld brachten sie heim; so waren „under den gelieferten geldern 
geivescn 2 falsche g [olt] g ['uldenj , 1 höser reichsthaler und 2 hleien Jcopstüclc." 
Der Gesamtschaden dieser Art belief sich auf 13 Gulden.-*^^) Auch die Ein- 
lösung der Wechsel brachte Verlust mit sich; so behielt der Wechsler Peter 
Allenz zu Frankfurt, als der Bremische Wechsel von 183 Reichstalern bei ihm 
präsentiert wurde, 4 Reichstaler Wechselgeld ein, und Heinrich von Haiger 
erhielt für Abholen des Geldes, Botenlohn und Reisekosten 13 Gulden 15 Albus. 
Erwähnt sei auch die Ausgabe von 13 Gulden Botenlohn für die Verschickung 
der Mahnbriefe an die oben genannten säumigen Zahler und der Dankschreiben 
„nach Basel, Zürich und etliche orth in die Schiveit^," ferner „itis Niderlandt . . ., 
nach Hammhurgk, Collen, Bremen 2^-"^^'") Eür Papier und die Abschriften der 
Kollektenrechnungen endlich wurden 7 Gulden 1 Albus ausgegeben. 

Der Gesamtsumme der Einnahmen für die Stadt Herborn im Betrage 
von 6287 Gulden 7 Albus 3 Pfennigen stand eine Gesamtausgabe von 5474 Gulden 
7 Albus 3 Pfennigen gegenüber"'^"'), und von diesen entfielen nur 2435 
Gulden 18 Albus 4 Pfennig an Geld und 1125 Gulden an Holz für 
die Abgebrannten."^*'*) Ausgabe und Empfang miteinander verglichen, blieb 
also Irlen der Stadt 813 Gulden schuldig; für diese Summe verwies er sie an 
acht Schuldner, die aus den Kollektengeldern Darlehen erhalten hatten, nämlich 
Konrad Zepper, dessen Schuld Jakob Löser übernommen hatte, mit 187 Gulden 
12 Albus, Johannes Textor mit 100 G., Johannes Mergart mit 93 G. 18 A., 
die er von Eisfried Hensch bekommen hatte, Hans Bieber zu Schönbach und 
Konsorten mit 93 G. 18 A., Georg Bierbach mit 25 Reichstalern oder 46 G. 
21 A., Jakob Klunck mit 30 R. oder 56 G. 6 A., Gerlach Lott mit 100 R. 
oder 187 G. 12 A., Andreas Zeppenfeld mit 30 R. oder 56 G. 9 (!) A., in 
Summa 822 Gulden, also 9 mehr, als nach Irlen der Überschuss betragen sollte; 
mit Ausnahme von Textor und Bieber gehörten die Entleiher zu den Ab- 
gebrannten,-'''') Ausser den hier genannten entliehen, wie aus der Abrechnung 
von Irlen für die hohe Schule"*^'') hervorgeht, von den Kollektengeldern der 



2") K. E. S. 22. Belag X. 

2»2) K. R. S. 28 und Belag Z. 

'^"^) Der Posten S. 24 „attssgifj't vor die Stadt, welches zu der herrn verhürer dieser 
rcchrmng discretion gestellet vnrdt^, wurde bekanntlich gestrichen; ebenso berechnet Irlen in 
der obigen Gesamtausgabe nicht die Kosten für Papier und Abschriften der Kollekten- 
rechnung, die für die Stadt 3 G. 12 A. 4 Pf. betrugen. K. R. S. 32 u. 33. 

2»') K. R. S. 21 und 2. 

2"s) Vgl. Beilage I Nr. 21, 59, 99, 97, 88, 115. 

■■"'«J St.-A. W., Hohe Sciiule Ilerborn, III 8 D. 2. 

22 



334 

zweite Pfarrer iu Herborn Johann Korff 50 Reichstaler, Lorenz Schaub 20, 
Haus Nies 10, Jost Blum 20, Jakob Veitbach 100, der Sattler Johann Eberts, 
der Schwiegersohn des Konrad Rücker, 100 und Peter AVeyel 25 Reichstaler.-'^^) 
Die Kollektenrechuung Irleus für die Stadt wurde, wie schon bemerkt, 
erst am 3. März 1635 abgehört und von dem Dillenburger Kammerschreiber 
Philipp Sengel, dem Herborner Schultheiss Konrad Kaps, dem Bürgermeister 
Johann ReifF und von Johannes Textor, Georg Rosenkranz, Konrad ReifF, 
Wilhelm Neuendorff und Hans Georg Wiessenbach, vermutlich Schöffen, 
unterschrieben. 

Es hat lauge gedauert, ehe die Stadt über ihre Aktiva und Passiva 
aus den Kollekten Aufschluss erhielt, und es hat mancher Aufforderung an 
Irleu bedurft, ehe er endlich soweit war, die Abrechnung einzureichen. Schon 
am 8. Oktober 1633 trug hierüber der Stadtsekretär Hoen in das Stadt- 
j)rotokoll ein: „Nachdem der coUeden- oder brandstetierrechnuncj gedacht ivorden^ 
ist der stattschreiber und Johann Heiß' vermag commandos znm lierrn inspector, 
herrn D. Johann Irlen geschicJä ivorden^ zu vernehmen, ivo es bliebe oder hingen 
mit der collecten-rechnnng , doriiff der herr inspector geantivoritet, es ivehr zwar 
nicht ohn, dasz ivir die rechnnng mehrmals begehrt hetten und auch zu Dillen- 
berg, dieselbe zu thun, commandiret tvorden, weill aber der schulen ihres theils 
dieselbe noch nicht hett verfertigt, noch gethan tverden hömien, so sey es mit dieser 
auch annoch verblieben. Es stehe aber doruff, sobald jetzo die herrn ijrofessoresiüider 
an der hand tvehren, solts an ha?id genommen und nicht länger uf geschoben werden, 
alszdann der statt ihres theils auch contanfirt iverden solt; doruff ivir replicirt, 
lüir loehren zufrieden, die rechnnng werde hier oder droben gethan, ivan man 
nuhr copiam habest möchte, zur nochricht, was ein tind ander behommen hette 
oder noch gebühren möchte, und was noch auszstendig wehr. Hieruff' der herr 
inspector sich erlderet, die rechnnng solt hie abgelegt iverden, icie er dan schon 
cdbereifs sowohl der schulen cds der statt rechnnng begriffen hette; doruff' tvir 
gebetten, ivans ihm nicht beschwerlich, solchen begriff fertig zu machen und mit 
den collectenbüchcrn vorzubringen, dazu er sich gantz gutivilUg zu ehister 
gelegcnheit in kurfzer zeit erkleret, icolts gern thnn, wüst solchs ivohl zu be- 
scheiden, dasz es vornehmUch hieher gehörete, solt ihm Jcein bedenken noch 
beschwerung sein."^^^) Am 21. Oktober 1635 war aber noch nichts erfolgt 
und deshalb sollte ,^der collectenrechnung halben beim herrn inspector wider 
angehalten iverden." Auch diese erneute Mahnung half nichts; denn am 
12. Januar 1636 wurde von der Stadt folgender Beschluss gefasst: „Obwohl 
der Stattschreiber gestern noch umb die collectenrcdmung bei D. Irlen angehalten, 
aber noch nichts dranff erfolget, sollen burgermeister nochmals drumb anhalten, 
dasz sie geliefert und. gethan we-rdc. Doranff sie sampt Textorn alszhcdd hinauff' 
zum herrn DfoetorJ gegangen, aber nichts als Johannes Lotten collectenhuch 
sampt deszen rechnung ubern die Unkosten, so dniff'gangen, gebracht, referirend, 
dasz der herr D[octor] noch in Verfertigung der rechnung stünde, sonderlich 



^"'j Vgl. Beilage I :Nr. 73, G5, 43, 79, 24. 

'•"'") St.-A. AV. VII A. D. A. II. 2401a. Fol. I6v.— 18. 



335 

tveil er dem oherjörster noch nicht zu rcchnung des holtzes, so er zu eins und 
des andern hewen gelieffert, Jiah Iringen Jcönncn, woltc morgen desentivegen 
nach Dillenherg ziehen J' ^^■*) Einen Monat später, am IG. Februar 1G34 lieferte 
der Oberförster Daniel Nol die fiolzrecbuuug- ab, ehe aber die Vorstellungen 
des Stadtrates bei Irlen Erfolg hatten, verging noch fast ein Jahr; denn ers^t 
am 16. Januar 1G35 legte er die Abrechnung über die Kollekten vor.''^^'') 
Yiel Mühe und Zeit hat es dann weiter gekostet, bis die Stadt über die ihr 
noch zustehenden Kapitalien aus den oben erwähnten Darlehen und die des- 
wegen ausgestellten Verschreibuugen, die bei dem Schulrentmeister Hartmann 
Kretzer (1G27 — 1G41) hinterlegt waren, genau Bescheid wusste; die Angelegen- 
heit zog sich bis zum Jahre 1G42 hin. Bereits am LS, Juli IGoG berichtet 
hierüber der Stadtschreiber: „Diewcill die coUectenrechnung den hrandt- 
ieschädigten hiszher nicht verfolgt worden^ dasz man die hcmdschrifftcn imd 
verschreihungen, so darin der statt zugeordnet ivorden^ von scjmlrenthmeister 
noch nicht herauszgetrieben noch empfangen worden^ so ist Jost KajJsen-^^) 
bevohlen, dieselbe rechnung under seines vatters saehen zu Dillenherg uffzusuchen 
und hir inzuliefern; die 50 rthlr.j so Conrad Zeppers ivittibe abgelöset und 
Jörg Theisen zugeiveist, itzo aber fellig sein sollen^ sollen die Tcapellenbaivmeister 
Johann Reif und Philips Behr^^^) intreiben und mit dem baivwerh in der 
capellen damit fortfahren." -'^^) Die Nachforschung muss wohl ohne Erfolg 
gebheben sein, denn am 17. Oktober 1G36 wurde beschlossen: „Der coUecten- 
rechnung halben soll eine gewisze stund angesetzt iverde7i, dasz der